Nr. »1
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Dem Gietzerrer Anzeiger werden im Wechsel mit dem »elfischen Landwirt die Äegener Zamllien« blätter viermal in der Woche beigelegt.
RotationZdrua u. Verlag der Brühl'schen Unioers<^Buch-u.Stein- druckerei. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei:
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Erstes Blatt
Donnerstag IN. AprrlLNOC
IS6. Jahrgang
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Gietzener Anzeiger
° General-Anzeiger 99 **
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Amts- und Anzeigeblatt för den Kreis Gießen MW _______________________ zeigenteil: Hans Beck.
Pie Heutige Yummer umfaßt 8 Setten.
Froöleme im Klient.
Am poetischen Wetterglas zeigt sich mit jedem Tage mehr, daß die „Depression" front westlichen nach dem ösd- lichen Teil des Mittenneeres sich verschiebt. Wollen und Wölkchen ziehen sich dort aus allen Richtungen zusammen, und wenn der Blitz der herkömmlichen Frühjcchrsunruhen aus dem Balkan diesmal noch nicht herniedergezuckt ist, so kennzeichnet das die besondere Art der gegenwärtigen Situep- tion. In der Tat gilt dem nahen Orient so manche Er> rvägung der internattoualen Kabinette. Ter Umstand aber, daß Deutschland mit Oesterreich-Ungarn fest verbündet ist, zur Türkei in freundschaftlichen Beziehungen steht, und in Kleinasien bedeutende Wirts<haftsinteressen hat, reicht aus, diesem meistangefeindeten Deutschland einett Platz in der internationalen Orientrechnung zu sichern, obwohl Deutschland politisch im Orient ebensowenig interessiert ist, wie in Marokko.
Die durch die Tage frort irllgeciras offeubar gewordene Gruppierung der Mächte soll arrscheinend für den Orient fortbcstehen, ivenn auch zunächst in loserer Form. Hier haben sich England und Rußland zusammeugefunden im Tiplomatisiereu gegen die Türkei. Um Handhaben war mcui nicht verlegen. Wenn nichts „Besseres" da ist, lassen sich da unten jederzeit (Ärenzstreitigkeiten anhängig machen, und litt diese sieht sich die Türkei jetzt verwickelt durch Egypten aus der einen, Persien auf der anderen Seite. Ter Sultan nmrde wohl mit orientalischer Gelassenheit über diese Beschwerden zur Tagesordnung übergehen, aber die Botschafter Englands und RußlMdsliassen ihm keine Ruhe. Tie Staatsmänner an der Themse bedienen sich indessen noch eines anderen Mittels, mit der Pforte auf gefpanntem Fuße zu bleiben. Aufgrund des Rechtstitels Englands als Mitglied der internationalen Finanzkommission für Macedonien machen sie die Zustimmung zur türkischen Zoklerhöhung von der Erfüllung gewisser englischer Sonderforderungen abhängig, dte mit Macedonien und seiner Steuerverwaltung nicht das mindeste zu tun hjaben und deshalb in dieser Verquickung vom Sultan niemals erfüllt werden können. So tof.it ig also hat es in Wirklichkeit auf sich mit dem Wohlwollen Englands für die christlichen Macedonier. Man fordert unausgesetzt Reformen, verhindert aber deren Durchführung, toic in einer Zuschrift der „Kreuzztg." tresteno bemerkt wird. Eine edle Uneigennützigkeit. Doch das Ganze ist, wie gesagt, Mittel zu dem Zweck, der Türkei Ungelegenheiten zu bereiten. Ter Sultan und seine Minister find darüber durchaus nicht int Unklaren, und sie werden einen Besuch König Eduards in Konstantinopel,wenn cs überhaupt dazu kommt, dementsprechend zu bewerten wissen.
Wie die Fäden der orientpolitischen Machenschaften in London ')Nsammcnlaufen, zeigt sich auch darin, daß die dortige Presse das Mißtrauen der Türkei gegen D e u t s ch l a n d zu erregen jucht, indent sie von deutschen Absichten aus Tripolis spricht. Tas Doppelspiel ist leicht zu durchschauen. Es soll-auf der anderen Seite die deutschfeindliche Stimmung in Italien bestärkt werden, dessen Regierung bekanntlich eine Vormachtstellung in Tripolis anstrebt und hierin auf die Unterstützuug durch England und Frankreich rechnet. Was den in Algeciras erneut bewährten Freund Teutschlands, Oesterreichs-Ungarn, anlangt, so steht dieses seit Jäl/cen in nicht mehr als „korrekten" Beziehungen zu Italien. Letzteres ist aber so weit entfernt davon, das Verhältnis zu dem frcrbün beten Staat freundschaftlich zu gestalten, daß es ihm politische Msichten auf Albanien unterstellt und diese Insinuation auf Teutsch- land ausdehnt, das als Helfershelfer Oesterreichs verdächtigt wird. Auf Anregung und finanzielle Beihilfe Italiens sind auch die Rüstungen Montenegros an der österreichischen Grenze zurüchzuführen .
Kurzum, es zeigen sich allenthalben im Orient Ansätze zu internationalen Verwicklungen. Ter Ausbruch fron Unruhen in einenu der kleineren Balkanstaaten kann den Funken ins Pulverfaß schleuderu, und die unausbleiblichen Weiterungen müßten fich für alle im Orient, wenn auch nicht politisch, interessierten Staaten fühlbar machen. Tie Tendenz, Teutschland in Konflikte hineinzuziehen, besteht bei dessen Widersachern, die sich in Algeciras zu einem „Konzert" zusammenschlossen, ungemindert fort. Ihnen bleibt die Isolierung Teutschlands der leitende Gesichtspunkt, das letzte Ziel, zu dessen Erreichung alle Mittel herhalten müssen. Mißglückt es auch im Orient, dem Prestige Teutschlands einen unheilbaren Stoß zu versetzen, bitmt wird der Versuch in Abessinien oder sonstwo wiederholt werden. Für die deutschen Staatsmänner nnd Diplomaten heißt es nach wie vor : auf der Wacht sein.
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Der Pariser „Tcnrps" bestätigt die Meldung engl. Blätter, Nach welcher der Minister des' Aeußeren Bourgeois den französischen Botschafter in Konstantinopel beauftragt habe, bei der Pforte bezüglich der auf Befehl des Sultans von den türkischen Behörden in Tripolis zur Besetzung der Provinz Kan em nördlich vom Tschad fee geplanten militärischen Expedition Aufklärung zu verlangen nnd zu bemerken, daß eine solche Besetzung durch die türkischen Truppen die französische R-'gierung nicht gleichgiltig lassen könne. Ter „TempS" glaubt, daß die diesbezüglickxen, in Konstantinopel italtsindenden Auseinandersetzungen ein einfaches Tementi der Nachricht zur Folge haben werden, da eine solche Expedition einen Angriff auf eine französischie Besitzung bedeuten würde. Tie Pforte werde zweifeltos- ihren Ansprüchen auf Kanem entsagen, aber sie dürfte solche vielleicht bezüglich der zwischen Tripolis und dem Tichabsee gelegenen Oase Bilam geltend machen. Auch da feien die Rechte J-rankreichs durch das französ.-englische Uebcr- ikinkommen anerkannt. Rian dürfe deshalb annehmen, daß !de>- ganze , /chjchenfall dank dem energischen Einspruch der fran- chjisci-eu Regierung ohne Folgen bleiben werde.
Der Prophet des russischen Staatsbankerotts, Regierungsrat Martin, fordert in einem an die „Tägliche Rundsch." gerichteten Briese den Reichskanzler auf, schleunigst ein Verbot der Lombardierung russischer Staatspapiere an die Reichsbank zu erlassen. Denn gerade jetzt und vielleicht nur jetzt noch sei Gelegenheit, den größten Teil der in Teutschland befindlichen Renten an das Ausland abzustoßen. Führende Perjönlichleiten in den deutsckren Parlamenten stehen nach Martins Erklärung dem Gedanken des Lom- bardiernngsverbots sympathil 1 gegenüber, und die „Tägl. Rundschau" fügt hinzu, daß ihres Wissens dieser Vorschlag bereits tn Reichstagsireisen ernsthaft erörtert worden ist. Martin mag bei seiner Forderung von der besten Absicht geleitet sein, aber er dürfte sich täuschen über die Wirkung eines Lombardierungs- Verbots. Es würde wohl das gerade Gegenteil zur Folge haben, nämlich 'das Ausland derart verblüffen, daß dieses es ablehnt, überhaupt noch russische Renten dem deutschen Markte abzu- nehmLN. Wird doch bereits von London aus versucht, Teilbeträge der neuesten Rn ssenanleihe nach Deutschland abzuschieben. Nach dieser Richtung hin würde also der von Martin erwartete Erfolg ausbleibcn, aber politisch müßte das Lombardierutrgsfrerbot zu bedenklichster Verstimmung führen, die man nicht ohne Not erzeugen soll. Die NeichSbank dürfte bei der Beleihung russischer Werte ohnehin vorsichtig verfahren.
Die Veröffentlichung der neuen russ. Neichsgrundgesetze wird täglich erwartet. Das Hosministerinm mit seinen Ausgaben wird nickst der Kontrolle der Duma unterstellt. Tie Duma soll kein Recht haben, fick in diese Ausgaben einzumischen. Ebenso will der Zar fich daS alleinige Recht Vorbehalten, Pensionen, Gratifikationen, UnterstützungSgeldcr usw. nach wie vor nach persönlichem Gutdünken anzuweisen.
Ueber die Eröffnungsfeier des deutschen Reichstages hat neuerdings in offiziellem Auftrage ein Begleiter des russischen HofjägermeisterS Trepow Informationen in Berlin eingczogen, um einen Anhalt für die Eröffnung der Reichsduma in Rußland zu haben.
Deutsches Reich.
Berlin, 18. April. Der Kaiser wird in diesem Frühjahre einigen Aufführungen int Hoftheater zu Wiesbaden beiwohnen. Obwohl Kaiserfestspiele in der in den letzten Jahren ausgeführten Art dort nicht stattfinden, so interessiert sich der Monarch doch für einige neu inszenierten Opern und Lustspiele. Diese Ausführungen finden voraussichtlich vom 18. bis 21. Mai statt. In Szene, gehen die Opern „Armide" und „Don Juan" und die Lustspiele „Renaissance* und ,Krieg im Frieden*.
— Prinzregent Albr'echt von Vratinschweig wird den Kaiser bei den Vermählungsfeierlichkeiten in Spanien vertreten.
— Der Kaiser sandte folgendes Telegramm an Frau General Stoetzer:
„Mit tiefster Betrübnis habe ich die Nachricht von dem plötzlichen Ableben Ihres Herrn Gemahls erfahren. Ich verliere in ihm einen- meiner tüchtigsten und besten Generäle, im Kriege wie int Frieden erprobt, ein Vorbild von Pflichttreue und Tatkraft für sein Armeekorps, das er mit großem Erfolge kommandiert hat. Wie fein Andenken in den Reichslanden stets lebendig bleiben tvirb, so werde auch ich seiner stets in Dankbarkeit gedenken. Tie in Ihrem Hatise verlebten schönen Stunden werden mir unvergeßlich fein. Möge Gott Sie in Ihrem großen Schmerze trösten." „
— Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge ist das Abschiedsgesuch des Wirkt. Geheimerates o. Hollstein vom Aus- wärtigen Amte vont Kaiser genehtnigt worden. Nach der „Dtsch. Tagesztg." hängt dieser Abschied weder mit der Erledigung der Marokko-Angelegenheit zttsammen, noch mit der Erkrankung des Reichskanzlers. Der Gedanke liegt aber nahe, daß, abgesehen von seinem hohen Alter und seinem Gesundheitszustände, die Neubesetzting des Staatssekretärpostens im Auswärtigen Amte hauptsächlich oder doch mit bestimmend gewesen ist.
Ausland.
Loudon, 18. April. Aus Tanger wit^d gemeldet: Der Sultan von Marokko beschloß, auf der Hauptstraße dickst vor dem Hafen Larackst ein Denkmal zum Gedächtnis des vor zwei Jahren bei Fez ermordeten deutschen Journalisten Tr. Gcntbe errichten zu lassen.
Wien, 18. Aprrl. Blättermeldungen aus Innsbruck zufolge wurde der deutsche Maler Edgar Meyer wegen seiner Fürsorge für die deutschen Sprachinseln auf dem Bahnhof Pergine von Italienern insultiert. Es kam dann zu Zusammenstöß,en von Italienern und Deutschen, wobei der Anführer der Italiener verwundet wurde.
Budapest, 18. April. Ministerpräsident Meter le empfing heute eine Deputation der Stadt Temesvar und hielt eine Rede, in der er u. a_ folgendes erklärte: Wir werden bestrebt sein, zwischen Oesterreich und Ungarn statt des Zollbündnisses einen Zollvertrag zu setzen. Hir müssen alles anstreben, um eine groß angelegte Industrie zu gründen. Unerläßliche Vorbedingung lfterfür ist die dauernde Sicherung der staatlichen Einnahmen auf der Grundlage der LeismngssLhigkeit des Staates. Dazu gehört eine unseren Verhältnissen entsprechende moderne Steuerreform. Tie von der Regierung durchzusührende Reform des Wahlrechts bezweckt, unter Wahrung der Unver- letztlichkeit der ungarischen Staatsidee Gelegenheit zu schaffen, daß jeder berufene Faktor, ütsbesondere die Arbeiterklasse, die freie Ausübung des Wahlrechts erlangt. Tas Wahlrecht wird ein allgemeines, jedem Bürger zugängliches sein und in möglichst kleinen lokalen Kreisen aus geübt werden.
Konstantinopel, 18. April. Sic Polizei entdeckte in dem Brunnen des dem verbannten Divisionsgeneral S ch a m i e! - P a s ch a gehörigen Konak mehrere Leiche n. Außer Redwan-Pascha sollten aon dem letzteren auch der Großvezir, sowie der in der Umgebung des Sultans sehr einflußreiche Schert Obu^Hudde ermoroet werden.
Tientsin, 18. April. Die A b s ch i e d s a rr d i e n z des deutschen Botschafters Frhrn. fr. Mumm ist sehr herzlicks verlaufen. Tie Kaiserin trug Mumm Grüße für das Kaiserpaar auf, dankte dem Botschafter für seine gerechte und wohlwollende Geschäftsführung und schenkte ihm ein selb st gemaltes Bl nm en stück.
Kirche und Schule.
— Der Jesuiten general Pater Martin ist, wie aus Rom gemeldet wird, gestorben.
tzrdöeven im westlichen Nordamerika.
Eine entsetzliche Unglücksbotschaft folgt der anderen. Kaunt hat sich die Aufregung über die nach dem Erdbeben in Calabrien für Italien doppelt fürchterliche Vesuv- Katastrophe gelegt, als Nachrichten eintrafen von einem mörderischen Erdbeben auf der ostasiatischen Insel Formosa, und heilte koutmt die Kllnde von einem ungeheuerlichen Erdbeben- und Brandunglück in den westamerikanischen Staaten und namentlich in der großen Hafenstadt San FranziSco, der blühendsten Stadt an der Westküste der Vereinigten Staaten. Ob alle diese gräßlichen Ereignisse in einem ursächlichen Zusammenhänge stehen, das zu ermitteln ist die Aufgabe der Wissenschaften.
Gestern abend noch gingen uns folgende Meldungen zur
New'York, 18. April. Kurz nach 5 Uhr morgens wurde San Franzisko von einem drei Minuten lang an- dauernden Erdbeben heimgesucht. Tausende von Ee« bänden find beschädigt. Brände find ausgebrochen. Die Postbehörde von Kansas City erhielt aus Los Angeles die Nachricht, die Zahl der Toten betrage beinahe tausend.
Chicago, 18. April. (Reuter.) Die Telegrapheitgejell-- schasteit sind ohtte Verbindtmg mit San Franzisko und Sacramento. Wie die Western-Union-Telegraph Company müleilt, ist durch ein heiliges Erdbeben in deit westlichen Staaten beträchtlicher Schaden angerichtet worden. Dasselbe soll auch in San Franzisko und Sacramento der Fall sein.
New-Pork, 18. April. Das Erdbeben,^welches San Franzisko heimstlchte, wurde auch im ganzen Staate Ne - w a d a verspürt. Sämtliche telegr. Verbtndungeit westlich von Remo sind zerstört Wie der Aeivyork Postal- and Telegraph- Coinpany kurz vor 11 Uhr telegraphisch gemeldet mürbe, hat das Erdbeben in San Francisko 6 bis 8 Straßen gevierte im Geschästsdistrikt 5 er ü ort und im Bankdistrikt ebenfalls großen Schaden aitgerichtet.
Newyork, 18. April. Der Geschäftsteil der Stadt SanFranzisko ist größtenteils zerstört. Zahlreiche Gebäude sind eingestürzt. In dem Bezirke der billigen Mietshäuser wurden Hunderte von Menschen getötet. Die Geschäfte liegen still. Die vornehmeren Viertel find weniger beschädigt.
Washington, 18. April. Das Erdbeben, welches Smr Franzisko heimsuchte, erstreckte sich, tuie der Seismograph des hiesigett Wetterbureaus anzeigt, über den yanzen Kontinent. Ter Apparat vibrierte noch heute mittag und zergte damit an, daß das Erdbeben noch nicht atifgehörl hat.
Nelvyork, 18. April. Nach den letzten Nachrichten aus San-Franzisko nimmt die dort durch das Erdbeben venirsachte Jeuersbrtlnst einen Umfang an, daß man befürchtet, das gesamte Geschästsviertel werde ihr zum Opfer fallen.
9!ach Mitternacht kam dann noch folgendes Original- Telegramm:
Newyork, 19. April, 11.5 Uhr abends. Nachmittags steht der ganze Küstenteil San Frauziscos in Flammen. Die Einäscherung der ganzen Stadt wird befürchtet. Der Einsturz eines Niesenhotels rmd eines großen Wohnhauses begrub 150 Personen, die unter den Trümmern verschüttet wurden oder in den Flammen um« kamen. Der Chicagoer Postbrhörde ging die Mitteilung zu, daß in San Franzisco Tausende umgekommen seien.
Stock ton (Kalifornien), 18. April. Auch hier fand heute ein Erdbeben statt. Die BalMbrücke über den Smr Jvagutnsluß senkte sich.
Ferner liegen folgende Newyorker Meldungen vor:
N e m i) 0 r f, 18. April. „Eoening World" meldet, daß in San Franzisko das Warfen Haus eingestürzt und 2 00 Kinder unter den Trümmern begraben seien.
Ein Telegramm schätzt die Zahl der Toten und Verletzten in San Franzisko auf insgesamt fünftausend. Bis jetzt ivurden 5000 Leichen gefunden. Bundestruppen bewachen die öffent« lichen Gebäude.
Die letzte Uebersicht der Katastrophe in San Franzisko zeigt mehrere hundert Millioneir Materialschaden. Tas Graird Operahonse ist verbrannt, ebenso das Palaee-Hotel, die Anglo California-Bank, das Postgebäude, das „Examiuer"'Gebäude, das Mutual Lise-Gebände, sowie ganze Härlsergevierte und sonstige kleinere Bauten.
Tie Conried'sche Overntruppe ist gegenwärtig in San Franzisko. Unter ihnen befinden sich auch Alarcella Sembrich, Burgstaller und van Rooy. Tie Truppe wohnte im Palasthotel, konnte sich aber retten und man glaubt sie in Sicherheit, wenngleich keine De» peschen von ihnen oorliegen.
Nach ben letzten Nachrichten ans San Franzisko wurden bereits 400 Tote nach der in Eile errichteten Leichenhalle verbracht; es treffen fortgesetzt neue Leichentransporte ein. Das ganze Stadtviertel, das durch die Alarketstreet unb bie Folsoms- firect, sowie durch die dritte unb neunte Straße begrenzt wirb, ist ein Flammenmeer.
Ter ganze vom Aicer aus sichtbare Teil von San Franzisko steht in Flammen. Tas Feuer greift rasch um sich. Weim kein Westwind einsetzt, broht die Gefahr, daß bie ganze Stabt niederbrennt. Eirr fünfstöckiges Hotel stürzte ein, dabei wurden 7 0 Personen unter den Trümmern b egr aben; diese gingen in Flammen auf. In gleicher Weise siel ein großes Wohn- Harrs ein, wobei 80 Personen r h r Leben verloren. Im »üben der Marketstreel flog ein großer Gasbehälter auf, wodurch eine neue große Feuersbrunst veranlaßt wurde. Tie Banken iino geschlossen. In den Straßen patrouillieren Soldaten, die


