der Straße ein Polizeilomm issar getötet, sowie ein anderer schwer verletzt. Die Volksmenge gab über 50 Schüsse ab. Soldaten besetzten den Bahnhof der Kasan-Linie.
3. Sitzung der Großh. Handelskammer Gießen für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach.
Protokoll -Auszug.
Gießen, 14. März 1906.
Anwesend die .Herren: Kommerzienrat Koch, Kommerzienrat Heichelheim, Dürbeck, Friedberger, Grünewald, Hoos, Jhring, Nowack, Ramspeck, Rühr, Zirrbuch, sowie der Syndikus Dr. Klnpper.
1. ?lus dem Geschäftsbericht ist folgendes mitznteilen: a. Die Handelskammer hat an den «Verhandlungen des 2 0.
Hessischen Handelskammertages und an der Vollversammlung des Deutschen Handelstages teilgenvmmen. Bei den ersteren war sie durch die Herren Kommerzienrat Heichelheim, Friedberger,^Il-ring, Hoos, Kommerzienrat Schirmer, Schwall und den Syndikus auf der letzteren durch den Vorsitzenden und den Syndikus vertreten. Von einem Bericht über die Verhandlungen kann hier abgesehen werden, da die Presse darüber seinerzeit ausführliche Mitteilungen gebracht Hal. Entspreckrend ihrer früheren Stellungnahme hat die Handelskammer auf Heiden Versammlungen gegen die Bier-, Tabak- und Zigarettensteuer und gegen den Fahrkarten-, Frachturkunden- und Quittungsstempel gestimmt. Mit der geplanten Personentarifrefvrm war sie e i n v e r st an den und hat auch der A u f h e b u n g des Freigepäcks zugestimmt, werm damit^gleichzeitig eine erhebliche Ermäßigung derGepäckfracht eintrete.
6. Bei dem Großh. Polizeiamt Gießen wurde befürwortet, die Ausnahmetage für den Detailhandel in Gießen im Jahre 1906 in gleicher Weise festzusetzen, wie im vergangenen Fahre. Diesem Ersuchen wurde entsprochen, indem für 1906 wiederum 21 Ausnahmelage und zwar 3 Wochentage vor Ostern (11., 12. und 14. April), 1 Wochentag vor Himmelfahrt (23. Mai), 2 Wochentage vor Pfingsten (1. und 2. Juni), 14 Wochentage vor Weihnachten (8., 10.—15., 17.—*22. und 24. Dezember) bewilligt worden sind.
2. Aufsicht der Handelskammer über die Kaufmännischen Unterricht sanft alten. Durch das Gesetz vom 23. Dezember 1905, betr. die Errichtung und Leitung oon technischen Privatunterrichtsanstalten, werden auch die privaten kaufmännischen Unterrichtsanstalten in Hessen einer wirksamen Staatsaufsicht unterstellt. Tie kaufmännischen Fortbildungsschulen in Gießen, Alsfeld und Lauterbach fallen zwar nickt unter dieses Gesetz, da sie bereits unter der oberen Leitung der Handelskammer stehen. Die Kämmer hielt es aber für erforderlich, die ihr zustehende Aufsicht in der gleichen Weise auszuüben, wie die Durchführung der Staatsaufsicht im Gesetz geregelt ist. Sie beschloß insbesondere, neben ihrer Vertretung in den Schulkuratorreu mehrere Kommissare zu ernennen, welche die Schulen regelmäßig revidieren und der Kammer darüber zu berichten haben. Als Kommissare wurden gewählt die beiden Vorsitzenden und der Syndikus für die Kausm. Fachschule in Gießen, der Küeisschulnrspektvr in Alsfeld für die Kausm. Fortbildungsschule in Alsfeld und der Kreissckwlinspektor in Lauterbach für die Kausm. Fortbildungsschule in Lauterbach.
4. Sommerfahrplan 1906. Ter Entwurf des Sommersahrplans 1906 enthält, abgesehen von kleineren und den bereits mitgeteilten Verbesserungen, für den hiesigen Bezirk folgende Aen- derungen: Der Personenzug 796 Fronhausen-Gießen (Gießen an 3,11 narhm.1 wird bis Friedberg weitergeführt und dort mit dem seitherigen Personenzug 788 Friedberg-Frankfurt a. M. vereinigt, sodast hiermit eine neue. Personenzugverbindung Gießen'-Frankfurt a. M. (Frankfurt a. M. an 5,20) her- gestellt wird. Ferner wird zwischen Gedern und Fulda durch Verlegung und Wetterführung vorhandener Züge ein direktes Zu gpaar eingelegt (Gedern ab 9,30, Lauterbach ab 12,00, Fulda an 12,42 mittags, Fulda ab 2,04, Lauterbach ab 2,55, Gedern an 4,50 nachm.).
Die Kammer beschloß eine Späterlegung desVuges 1063 Friedberg-Hungen (Friedberg ab 11,10 abends) zu beantragen, damit er Anschluß an die Züge 789 und 43 von Frankfurt a. M. (Friedberg an 11,43, bezw. 11,50 nachts) und' an Zug 919 Homburg-Friedberg ^Friedberg an 11,46) erhält.
Ferner wird die Handelskammer das Anhalten des Zuges 538 Fulda-Gießen (Gießen an 8,00 abends) in Angersbach beantragen.
Von _ einzelnen Mitgliedern der Kämmer wurde außerdem Klage geführt über den Mangel an Rauä^rabteilungen in Eisenbahnwagen 2. Klasse, auf der Strecke Gießen-Gelnhausen, sowie über das Fehlen eines Anschlusses zwischen den Zügen 776 Kässel- Gießen-Franksurt a. M. (Gießen an 2,11 nachm. > und 510 Gießen- Ridda (Gießen ab 2,09 > einerseits und Schnellzug 82 Köln-Gießen (Gießen an 9,05 abends) und Personenzug 514 Gießen-Gelnhausen (Gießen ab 8,45) andererseits. Tie Kämmer wird beide letzten Wünsche für den Winterfahrplan 1906/07 befürworten und bezüglich der anderen Beschiverde zunächst weiteres Material sammeln.
(Schluß folgt.)
Aus Stadt und £anö.
Gießen, den 19. März 1906.
” Ordens fache. S. K. H. der Großherzog haben dem Regierungs- und Baurat Ludw. Roth zu Gießen die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des Roten Adler- Ordens 4. Klasse erteilt.
** Personalien des Kreisamts Gießen. S. K. H. der Großherzog haben den mit den Funktionen eines juristischen Hilfsarbeiters kommissarisch beauftragten Kreisamtmann bei dem Kreisamt Gießen Dr. Eugen (K r a n z- buhle r zum ständigen juristischen Hilfsarbeiter bei dem Ministerium der Finanzen, Abteilung für Bauwesen, unter Verleihung des Charakters als „Regierungsrat" und den Kreisamtmann bei dem Kreisamt Mainz D-r. Ernst Merck zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Gießen ernannt.
^Ernennungen. S. K. H. der Großherzog haben den Ministerialsekretär bei dem Staatsministerium Dr. Jos. Valckenb erg zum ständigen Hilfsarbeiter im Ministerium des Innern unter Erteilung des Charakters als „Regierungsrat", den Ministerialsekretär bei dem Ministerium des Innern Dr. jur. Wilh. Neid hart zum Mini- sterialsekretar bei dem Staatsministerium und den Kreisamtmann bei dem Kreisamt Offenbach Hrch. G e n n e s zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Mainz ernannt.
** Den Charakter als Professor verlieh K. H. der Großherzog dem Prwatdvzentsn für Physik und Physik. Chemie an der Techn. Hochschule Dr. Max Rudolphi zu Darmstadt.
"Erledigt ist die mit einem evang. Lehrer zu besetzende 2. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Birklar, Kreis Gießen.
**Eine Sitzung des Provinzialausschusses findet am 24. b. M. mit folgender Tagesordnung statt: 1. Ausbau der Johann e sftraße, Enteignung von Gelände von Gärtner Georg; 2. Wiederherstellung des ehemals burgfriedbergischen Amtshauses (altes Schulhaus) zu Kaichen; 3. Gesuch der Frau Marie Rohrbach zu Lollar um Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtschaft.
** Nationalliberaler Verein. Seit Jahr und Tag stehen unsere Kolonien im Vordergrund des Interesses,
ganz vesonders durch die großen Opfer, welche die Niederwerfung der Eingeborenenaufstände im Osten und Westen des dunklen Erdteils bis jetzt gefordert hat und noch fordern wird. Da nun auch in den letzten Tagen bei der Besprechung verschiedener kolonialer Fragen die Rentabilität unserer Kolonien wiederholt erörtert worden ist, hat der hiesige nationalliberale Verein für nächsten Sonntag im Cafe (Äel einen Vortrag des Reichstagsabg. Tr. Hagemann aus Erfurt über: „D ic wirtschaftliche Entwicklung unserer Kolonien und die parlamentarische Stu dien reise nach Togo und Kamerun" vorgesehen. Landgerichtsrat .Hagemann gehörte zu den neun Abgeordneten, die im Nachsommer des vorigen Jahres Togo und Kamerun besuchten. Seine Ausführungen werden deshalb besonders interessant werden. Im Anschluß an diesen Vortrag wird unser Reichstagsabgeordneter, Kommerzienrat H e y l i g e n stese dt, über den derzeitigen Stand der Reichsfinanzreform referieren.
— Kanzleirat Keller -ß. Der in weiteren Kreisen wegen seines biederen Charakters und dienstbereiten Wesens bekannte nnd beliebte pensionierte Kliniksverwalter Karl Keller ist im Sonntag morgen in Darmstadt gestorben. Karl Wilhelm Ludwig Keller wurde am 14. Juni 1880 als Verwalter des akademischen Hospitals hier angestellt; vorher war er Feldwebel im Infanterie-Regiment Rr. 118 in Worms. Rach Errichtung der neuen Kliniken wurde er Verwalter derselben. Mit Wirkung vom 1. Juli 1905 an wurde er unter Verleihung des Charakters „Kanzleirat" in den Ruhestand versetzt. Ec machte die Feldzüge von 1866 und 1870/71 mit und war im Besitze folgender Orden und Ehrenzeichen: Silbernes Kreuz des Philipps-Ordens mit Schwertern; Militär-Verdienstkreuz; Felddienstzeichen; Deutsche Kriegsdenkmünze 1870/71 für Kombattanten; Militär-Dienstalterszeichen für 21 Dienstjahre; Kömgl. Preuß. Allg. Ehrenzeichen für Verdienst um den Staat; Kaiser Wilhelm Gedächtnis- Medaille. Namentlich in den hiesigen Kriegervereinskreisen, aber auch bei allen, die mit Keller dienstlich und außerdienstlich in Berührung kamen, wird das Andenken des verstorbenen pstichttreuen Beamten in ehrenvoller Erinnerung bleiben.
” Der Banersche Gesangverein feierte am SamStag abend sein 4 2. Stiftungsfest. Die Vereinsangehörigen und besonders geladenen Gaste hatten sich in sehr großer Anzahl zu dem hübschen Fest eingefunden, so daß der Reue Saalbau bis auf den letzten Platz besetzt war. Auch S. Magn. Rektor Geh. Hofrat Prof. Dr. Behaghel, Regierungsrat Dr. Wagner und eine Anzahl Stadtverordnete hatten der Einladung entsprochen. DaS Programm bestand hauptsächlich auS Gesangsvorträgen, und die vorgetragenen Chöre, Ouartette und Solovorträge boten den Zuhörern reichen Genuß. An dem gespendeten Beifall hatte der stattliche Chor und sein eifriger Dirigent, Lehrer Görlach, gleich großen 9(nteif. Auch ein Singspiel „Rosel vom Schwarzwald* gelangte zu einer recht flotten Wiedergabe. Der zweite Präsident des Vereins, Herr Verwalter Todt, warf im Verlauf des Abends einen Rückblick auf das ab- gelaufene Vereinsjahr und dankte insbesondere der unermüdlichen Tätigkeit des Vereinsdirigenten. Er schloß mit einem Hoch auf das deutsche Lied. Rektor Prof. Dr. Behaghcl dankte sodann für die Einladung und verbreitete sich in humorvoller Weise über die Bedeutung des Gesanges. Sein Hoch galt dem Banerschen Gesangverein. An das Konzert schloß sich ein flotter Ball an, während am Sonntag ein Ausflug nach dem Schützenhaus das schöne Fest beschloß.
** Das 60jährige Stiftungsfest des Gesangvereins Harmonie wird in diesem Jahr gefeiert und zwar, da die ,Harmonie* dem Lahntal-Sängerbimd angehört, mit desien 26. Bundessängerfeste zusammen. Auf dem Feste werden Massenchöre geboten, wobei in erster Linie dem deutschen Volksliede Rechnung getragen wird. Festdirigent ist Lehrer Görlach.
Für d i e Theatervereinsvorstellung am Dienstag gelten, weil kein Gasthonorar zu zahlen ist, erheblich geringere Eintrittspreise als sonst; die Preise bewegen sich, statt zwischen 5 und 2 Mk., zwischen 3.50 und 1 Mk.
** T e r v o m Turnverein (gegr. 1846) am Sonntag veranstaltete Familien ab end verlief in schönster Weise. Die Gesangsvorträge des Sängerchors des Turnvereins, das Theaterstück: „Tie .Heimkehr vom Turnfest", 'owie das Quintett des Gesangvereins Bummelsdvrf gelangen recht gut und die Mitwirkeuden ernteten verdienten Beifall. Ter unvermeidliche Tanz hielt die Anwesenden bis zur frühen Stunde recht fröhlich beisammen.
** I n dem Vortragszyklus des kaufmännischen und des Ortsgewerbevereins wird heute im .Hotel Saalbau der 8. Vortrag abgehalten. Herr Dr. Delkeskamp, Gießen, spricht über die Entwicklung der menschlichen Kultur (der Mensch und die Metalle) unter Vorzeigung von Lichtbildern.
** Der hessische Weinkontrolleur Braden hat, nachdem die gerichtliche Untersuchung die vollständige Grundlosigkeit der gegen ihn erhobenen Beschuldigungen ergeben hat, sein Ehrenamt als Weinkontrolleur 'wieder aufgenommen.
** 2ie neue Nebenbahn st recke Grebenhain- Crainfeld—Gedern wird am 1. April in Betrieb genommen. Damit wird das letzte Stück der Vogelsbergbahn eröffnet und eine direkte Verbindung von Lauterbach über Gedern und Stockheim nach Heldenbergen—Windecken her- gestellt. Auf der neuen Strecke verkehren täglich regelmäßig 4 Züge in jeder Richtung und außerdem an den Gießener und Fuldaer Markttagen je ein Frühzug.
** Zugentgleisung. Gestern nachmittag entgleiste an dem Zuge 3.25 Uhr der Bieber thalbahn an der Kurve von der Rodheimerstraße nach der Heu chel- heimer Chaussee der zweitletzte Wagen. Ter Zug war mit Ausflüglern stark besetzt, jedoch lief die Sache ohne jeden Unfall ab, obgleich der entgleiste Wagen zirka 80 Meter neben den Schienen lief, bis der Zug zum Stehen kam. Die Passagiere der beiden letzten Wagen mußten aus- 'teigen und ihre Ausflugsorte zu Fuß aufsuchen, während )ie Maschine mit den vorderen Wagen nach der Bieber ähren konnte. Nach etwa 3/4ftün&iger Arbeit war der Wagen wieder auf die Schienen gebracht und das Geleise rei.
** Von b C'r engli scheu Gesandtschaft. Herr Arthur Cuninghame Grant Tuff, der an Stelle des bisherigen Geschäftsträgers Sir Arthur James Herbert zum Königlich Großbritannischen Geschäftsträger in Tarmstadt ernannt worden ist, hat S. E. dem Staatsminister Ewald am 5. d. M. sein Begvaubigungsschreiben überreicht..
t Burkhardsfelden, 18. März. AIS heute morgen Pfarrer Gomsbel von Reiskirchen nach dem Gottesdienst sich wieder nach Reiskirchen begeben wollte, wurde er von dem geistesgestörten Daniel Schepp von hier belästigt. Der Irrsinnige schlug mehrmals mit einer Stange nach Herrn Gombel, sodaß der Geistliche flüchten mußte.
t. Hattenrod, 18. März. Gestern verbrannte sich daS Kind eines hiesigen Landwirts dadurch, daß eS in einem unbeaufsichtigten Augenblick ein Bad in einem Topf mit heißem Wasser nehmen wollte. Beide Beinchen des Kindes sind erheblich verletzt, sodaß man ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte.
△ Lind heim, 17. März. Mehrere Schulknaben wollten nahe Altenstadt Sand in einer Sandgrube holen. Plötzliche löste sich eine Erdschicht und vergrub einen der Knaben. Al- ältere Leute zur Hilfe herbeikamen, war der Knabe bereit? erstickt.
Bad-Nauheim, 17. März. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten wurde über eine Eingabe des Bildungsvereins wegen Zuwendung eines Lokals für die Lesehalle verhandelt. Die Eingabe wurde an den Finanzausschuß zurückverwiesen, es liegen nämlich auch sozialdemokratische und andere Blätter auf, die man beseitigt wünscht. Ter Vorstand des Bildungsvereins ist mit der Beseitigung nicht einverstanden, weil dadurch der neutrale Charakter des Unternehmens verloren gehen würde.
0 Reichelsheim i. W., 18. März. Bei der gestern hier abgehaltenen Bürgermeisterwahl wurde Landwirt Carl Schmid II mit 91 gegen 80 Stimmen gewählt, welche letzteren auf den Sohn des vor einigen Wochen verstorbenen Bürgermeisters Steten entfielen.
8 Lauterbach, 17. März. Heute fand die Eröffnung' der von dem Geflügel- und Vogelzuchtverein veranstalteten 6. Verbands-Geflügel -und Vogel aus st ellun g der oberhessischen Geflügelzüchter -Vereins im Saalbau „zum Johannesberg" hier statt. Als Ehrengäste: waren erschienen Kreisrat v. Bechtold, Kreisamtmann Geb-, Hard, Rittmeister Frhr. Riedesel zu Eisenbach und Forsts meister Eulefeld zu Lauterbach. Nach Begrüßung der GästL fand ein Nundgang durch die in allen Teilen sehr intern essante Ausstellung statt. Unter dem in vier Abteilungen ausgestellten prachtvollen Geflügel aller Art besindet sich auch ein Storch, der im vorigen Sommer von dem Gärtner, Beier hier flügellahm gefangen wurde und sehr gut überwintert hat. Von großem Interesse dürften auch die von der Lauterbacher Blechwaren- und Verzinkungsanstalt ausgestellten verzinkten Freßgeschirre und Trinkgefäße, sowie: die von der Firma C. Marten in Lehrte zur Ausstellung! gebrachten Fleischfaser-Futterartikel sein. Die ganze Anordnung der Ausstellung findet volle Anerkennung. Welch reges Interesse dem Unternehmen von allen Seiten ent-, gegengebracht wird, beweist die Stiftungi der zahlreichen Ehrenpreise und Geschenke, darunter solche von S. K. H-> dem Großherzog, dem Grafen von Schlitz, Rittmeister Freiherrn Riedesel, Baron August Riedesel und Baron Albrecht Riedesel.
sd. Darmstadt, 18. März. Ueber den Darmstädter B a h n h o s s n e u b a u wurde in einer gestern vormittag hier abgehaltenen informatorischen Besprechung eingehend verhandelt. Es drehte sich hauptsächlich! um strategisch« Fragen. In der Konferenz waren u. a. anwesend der Eisenbahnpräsident v. Rabenau, der Linienkommissar aus Mainz, vertreten durch Major v. Wachter, ein dem Korpskommando in Frankfurt angehörender Generalstabsoffizier, der Divisionskommandeur der 25. Division, der Darmstädter Stadt-, kommandant v. Lyncker, die Darmstädter Regiments-Kommandeure, Vertreter der Stadt, Bürgermeister Dr. Glässing und die Beigeordneten Jäger und Ec^rt. Aus' den Verhandlungen ist bekannt geworden, daß der neue Bahnhof von der jetzigen Stelle etwa 15 Minuten in westlicher Richtung entfernt erbaut werden soll. Mit dem Bau soll innerhalb Jahresfrist begonnen merken und er soll in 3 Jahren vollendet sein, wenn nicht besondere? Hinderungsgründe eintreten. Wie verlautet, ist auch mit dem Militärfiskus ein Einvernehmen erzielt worden. Der neue Bahnhof soll als Durchgangsstation angelegt werden. Er soll so ausgebaut werden, daß er zur Entlastung des Frankfurter und Mainzer Bahnhofs dienen kann. Einzelheiten werden in Kürze bekannt gegeben.
sd. Pfungstadt, 18. März. Gestern nachmittag um1 IV2 Uhr wurde der Raubmörder Adam Steinmetz durch Gendarmen nach Darmstadt transportiert. In den Hauptstraßen Pfungstadts hatte sich schon vom frühen Morgen an eine große Menschenmenge an gesammelt, um den Mörder zu sehen. Als die Gendarmen mit dem Mörder herankamen, drang die entrüstete Menge auf ihn ein, versetzte dem Mörder Schläge und Fußtritte und rief ihm Schimpfworte zu. Immer neue Menfchenmafsen drängten sich heran, sodaß die Gendarmen, die blank gezogen hatten, sie nur mit Mühe zurückhalten konnten. Als man endlich den Bahnhof erreichte, erklärte der Mörder: „Die haben nicht schlecht gehauen." In Tarmstadt wurde der Mörder vom Bahnhof gleich in einer Droschke, in der außerdem' die Gendarmen und Kriminalkommissar Daniel saßen, ins Untersuchungsgefängnis verbracht. Am Nachmittag wurde er vom Untersuchungsrichter vernommen und vom Kreisarzt untersucht. An den Kleidern des Steinmetz, die er bei Verübung der Tat trug, wurden noch Blutspuren entdeckt, die anscheinend von beir Händen der sich wehrenden Frau herrührten. Steinmetz ergibt sich ruhig in sein Schicksal. Er gestand ein, daß er den Mord seit längerer Zeit Plante. Als §>auptmotiv zur Tat gibt er an, daß er seiner Mutter die wöchentliche Vergütung für Kost und Wohnung nicht geben konnte, die 12 Mark betrug. Er konnte sie nicht zahlen, da er keine Arbeit hatte, wovon indessen seine Eltern nichts wußtem Um diese Täuschung noch länger fortsetzen zu können, schritt er zur Tat. Auch der bisher vermißte Schlüssel zu dem kleinen Vorhangschloß des .Holzstalles ist bei Steinmetz gefunden worden. Voraussichtlich am Dienstag wird der Raubmörder in Begleitung der Staatsanwaltschaft an die Mordstelle nach Pfungstadt gebracht, damit die näheren Umstände über die Ausführung der Tat festgestellt werden können. Die rasche Entdeckung des Mörders hat man besonders dem Umstand zu verdanken, daß Kriminalkommissar Daniel auS Darmstadt sich die dcummer und näyere Beschreibung der schon alten Uhr, die in Pfungstadt fast niemand kamlle, zu verschaffen wußte.
Frankfurt a. M., 17. März. Der in Mailand verstorbene Mitinhaber der dortigen Filiale der Darmstädter Bank Fink von ScherbiuS hat der Stadt Frankfurt, der »Frkf. Ztg." sufotge 2 5 0 00 0 Mark überwiesen mit dem Wunsche, daß diese Summe zur Errichtung eines Altersheims verwendet wird.


