Nr. 66
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt fiir den Kreis Gießen.
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aÖ anmutige, schelmische Sängerin Peppime her-! seiner sehr günstigen Vermögenslage unabhängig da.
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Rotationsdruck and Verlag bei Brühllcb« Unwersilätsdruckeret. 9t Lange. Dreße».
Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr.?.
Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr. r Anzeiger Dießen.
besserungSbedurftigkeit der gegenwärtigen Geschäftsordnung wiederholt anerkannt worden sei. Nach dieser Richtung hin soll nun denlnächst eine Verständigung mit dem Präsidenten und den Parteiführern des Reichstags gesucht werden.
Annahme:
„Die Versammlung protestiert aufs neue gegen das in Preußen bestehende Dreiklasscnwahlsystem, das die preußische Regierung am 30. Mai 1849 wider Recht und Gesetz oktroyierte, nachdem sie das Wahlgesetz voin 8. April 1848, das die allgemeine gleiche und geheime Wahl für alle über 24 Jahre alten preußischen maun'uchen Staatsangehörigen festsetzte, schon früher beseitigt hatte: ein Gewaltakt, der nur dadurch möglich wurde, daß das Bürgertum seine revolutionäre Energie eingcbüßt hatte und sich widerstandslos von der Reaktion unterdrücken ließ/ — Weiter protestiert die Reso- hitinn dagegen, daß das Bürgertum bis heute ein Wahlgesetz duldete, das es einst selbst als eine Schmach und Schande für das Land empfunden und gebrandmarkt hat. Schließlich verlangt die Resolution nachdrücklich die endliche Beseitigung des rückständigsteii und absurdesten aller bestehenden Wahlgesetze des Dreiklassensyslems und fordert die Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und ge- Heimen Wahlrechts für alle über 20 Jahre altn Staatsangehörigen ohne Unterschied des Geschlechts und unter Zugrundelegung der Verhältniswahl.
Gegen 2 Uhr hatten die Versammlungen ihr Ende erreicht; die an den AuSgängen ausgestellten Sammelbüchsen für die sozialdemokratische Parteikasse wurden eifrig benutzt.
Erscheint «glich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Siebener FamittenblSIter" werden dem Anzeiger vtermal wöchentlich beigelegt. Der ^hesfischs Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Neue Bluttaten in Rußland.
In Riga wurde der Werkführer Herrmann, der Fabrik Aetna, von unbekannter Hand durch Nevolverschüsse schwer verwundet. Der Anführer sowie 13 Mitglieder jener Bande/ die zahlreiche Attentate und Erpressungen begangen hat, und u. a. auch das Attentat auf den Fabrikdirektor Gatzeit verübt hatte, wurden verhaftet. — In Bialystok wurden auf
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__ Der neue Intendant der Munckener yoftyeater ö-rcu)cro v Speidel. der Nachfolger deZ Herrn! v. Possart, scheint nun doch amtsmüde geworden zu fein — wohl infolge der Aftüre. Bahr. Speidel soll am 1. Oktober ein Brigade-Kommando ec* halten. ——
— Man schreibt uns aus Frankfurt a. M.: _ Im Opernha u sc wurde heute da5 graziöse musikalische Lustspiel „Flauto-Solo" von Eugen "d'Albert zum ersten Male aufgeführt und mit großer Wärme ausgenommen. Die musikalische und darstellerische Wiedergabe war t ’r‘
Parlamentarisches.
Berlin, 18. März. Die Kommission für die Feststellung der Diätenvorlage für den Reichstag ist mit ihrer Arbeit fertig; indessen ist die Vorlage dem Bundesrat noch nicht zugegangen. Es bestätigt sich, daß eine Bausch- summe an die Abgeordneten gezahlt werden soll unter Abzug eines gewissen Betrages für jede versäumte Sitzung. Das Staatsministerium ist jedoch der Meinung, daß die Gewährung von Anwesenheitsgeldern allein noch keine Bürgschaft gebe für eine flotte Erledigung der Geschäfte iin Reichstage, daß dazu vielmehr eine Aenderung der Geschäftsordnung des Reichstags in verschiedenen Punkten notwendig sei, wie ja auch im Reichstage selbst die Vcr-
Ier 18. März in Berlin.
, c (Unberechtigter Nachdruck verboten.)
H. & 8. Berlin, den 18. März. ’
Der 18. März, zu dessen Feier die Sozialdemokratie um- . ängreiche Vorbereitungen getroffen hatte und den sie als Demonstration gegen das Dreiklaflenwahlrecht zum preuß. Landtag benutzte, ist wie der 21.Januar in vollster Ruhe verlaufen. Die über 100 Versammlungen in Berlin und - Umgegend waren ungemein zahlreich besucht. Von der Bereithaltung der Truppen in den Kasernen idqc abgesehen worden. Dagegen war ein zahlreiches Polizeiaufgebot in den Straßen des Ostens und Nordens, wo die meisten Versammlungen tattfanden, zu bemerken.
Ein lebhaftes Leben und Treiben machten sich bereits in den frühen Morgenstunde vor dem Landsberger Tor bemerkbar. Auf einer Anhöhe im Friedrichshain befindet sich dort der Friedhof, auf dem die Opfer des 18. März 1848 ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Der Friedhof ist das ganze Jahr geschlossen. Nur am 18. März wird er geöffnet, mit dem Eintritt derDunkelheit aber wieder geschlossen. Zahlreiche Deputationen der Arbeitervereine, Gewerkschaften, frei). Bezirksvereine und der Anarchisten legten Kränze auf den Gräbern nieder. Heute war die Beteiligung besonders rege, wozu das herrliche Frühlingswetter und der lachende Sonnenschein beigetragen haben. Besonders stark waren die Frauen vertreten. Mit regem Interesse betrachteten sie die Kranzspenden. Einer der größten Kränze stammte von den Arbeitern der Militärwerkstätten in Spandau. Die Schleife des Kranzes vom sozialdemokratischen Wahlverein Charlottenburg hatte die Polizei wegen der Inschrift entfernt. Arbeiter der Allg. Elektrizitätswerke legten einen Kranz nieder mit der Inschrift: Nieder mit der Tyrannei! Die Elektrizitätswerke an der Oberspree hatten zur Inschrift gewählt: .Den Toten zur Ehr', den Lebenden zur Nachahmung! Der Kranz der Arbeiter der Loewe'schen Waffenfabrik wurde wegen seiner Inschrift von der Polizei beanstandet und die Inschrift wurde entfernt. Heiterkeit erregte ein Kranz, der von Straßen- händlern Berlins herstammt. Zur Inschrift war das Schiller- wort: Eine Grenze hat Tyrannenmacht! gewählt worden, das die Polizei diesmal ungehindert passieren ließ, während es im Vorjahre der Schere des Zensors zum Opfer siel.
In den Mittagsstunden nahm der Besuch des Friedhofes ab, da die Arbeiter die Versammlungen aufsuchten. Hier sprachen in teilweise wegen Uebersüllung polizeilich abgesperrten Sälen Bebel, Heine, Ledebour, Singer, Stadthagen, Bernstein, Zubeil über die bürgerliche Revolution der Jahre 1848 und 1849 und das preußische Dreiklaffenwahlsystem. In allen Versammlungen gelangte nachstehende Resolution Fiir
Ausland.
London, 18. März. Die Entente cordiale zwischen den reisenden Kaufleuten Englands und Deutschlands ist zu stände gekommen. EL wurde ferner auf einem von Vertretern beider Länder beschickten Kongreß die Bildung einer internationalen Liga zur Wahrung der Interessen der reisenden Kaufleute Deutschlands und Englands beschloßen.
Paris, 17. März. Die vereinigte S oz i a listen- Partei beschloß, in allen Wahlkreisen, wo sozialistische Bewerber auftreten, Maueranschläge zu verbreiten, die das Parlament vor angeblichen Sozialisten warnen, die sich den Parteischlüssen nicht unterwerfen und der Partei nicht angehören; dadurch, daß sie sich unfähig gezeigt, der Manneszucht zu gehorchen, hätten sie Mangel an Klassenbewußtsein bekundet.
Madrid, 17. März. Hiesigen Blättern zufolge wird der deutsche Kaiser König Alfonso Mitte April einen Besuch abstatten.
_ Gegen den Abg. Soriano und den Obersten Primo Riveira sowie gegen deren Zeugen ist gerichtliche Verfolgung wegen Uebertretung des Zrftei- kampfgesetzes eingcleitet worden.
Rewyork, 18. März. Bekannte Deutschamerikaner haben eine planmäßige Agitation zu Gunsten eines SchiedS- vertrageS mit Deutschland eingeleitet. Sie wollen versuchen, durch Versammlungen und auf sonstige Weise einen: Druck auf den Senat auSzuuben.
— Eine Anzahl Amerikaner stiftete anläßlich der Silberhochzeit des deutschen Kaiserpaares zur Erhaltung deS germa- nistischen MuseumS in Harvard einen Fonds, der big jetzt 30000 Dollar beträgt.
— Der Anarchist Johann Most ist gestorben. (Johann Most, geb. 1846 in Augsburg, war von Beruf Buchbinder.)
Marokko.
Der Korrespondent der .Köln. Ztg.- in Alg-cimS meldet feinem Blatte: r
In der Bankfrage liegt em neuer VermittelungS- Vorschlag vor, nach dem die deutsche Ban kg r u PI", die das 10 Millionen-Darlehen abgeschlossen hat, ebenfalls einen Kapitalanteil erhalten solle gegen bie drei französischen Gruppe. Vieneuti Venosta bemüht sich um eine Verständigung in der Banksrage. Ein Ergebnis ist nicht ausgeschloffen. Soll dagegen auch in der Polizemage etwas erreicht werden so ist e5 notig, daß von französischer Seite nut offenem Viner Sekampft wirb. Ich hörte über die Hinterhältigkeit ber französischen Politik scharfe Urteile und zwar von nichtbeutscher Seite. Ramenuich oie Manöver, bie mit ber französischen Presse betrieben werden, fmben allgemeine Verurteilung. ,
Tas ,N. W. Tagebl." meldet aus Pans, daß gegenwärtig dieser neue Vorschlag den Gegenstand vertraulicher Besprechungen bilde. ,
Nach einer Meldung des „Temps" erhielt der englische Delegierte Sir Arthur Nichelson die Instruktion seiner Ne- gierung, in allen unerledigten Konserenzfragen Frankreich rückhaltlos zu unterstützen, sich in der Caseblanea- frage Revoil anzuschließen und insbesondere mit dagegen anzukämpfen, daß Caseblanca oder ein anderer Hafen dem französischen Einfluffe entzogen und dem künftigem Hafeninspektor unterstellt werde. Diese Instruktion wurde, wie es heißt, gleichzeitig allen anderen Botschaftern Englands mit- geteilt. Der „Temps" fügt hinzu, Frankreich fürchte nicht, von irgend einer der ihm bisher freundlich gesinnten Konferenzmächte verlaffen zu werden. Wenn aber wider Erwarten die Konferenz scheitern sollte, so würde Deutschland keines- ivegs die erhofften Sondererfolge in Marokko einheimsen, dafür ivolle man schon von algerischer Seite sowie von Eenta und- Gibraltar her Sorge tragen.
in Eisenach, an ber Riviera, in Zürich, in Stuttgart und seit: 1901 in Wiesbaden gelebt. Er hat über seinen Schwiegervater Rückert 11 Schriften veröffentlicht, ferner eine u-oehr
und eine „Deutsche Literaturgeschichte verfaßt; indes smo aven seine Schriften recht unbedeutend und namentlich geistigl gan- imselbständig, meist Kompilationen einer Reihe anderer Werte. Trotzdem hat es dem sehr vermögenden und gesZsicpasllich ungemein gewandten Manne nicht an Ehren und nu|'8eia)nungcn. gefehlt. Die Könige Ludwig II. von Badern, - srar ix. vom Schweden, Großl-erzog Karl ^xander von Weimar Ernst II. vom Kvburg und Gotha würdigten ihn ihrer ,^renndm>aft. Er waft Mitglied der Preußischen Akademie der Wu^chaften E^en- Mitglied einer Reihe ausländstcher wiffenschaftlrtzn Gesellschaften, Ritter vieler Orden üfto. Seine Villa ut Wiesbaden, die wertvolle Sammlnngen, u. a. ein ganzes Rückertmuseum.und viele Goethereliguien birgt, stand Besuchern lederzeft gaUjrei offen. Im vorigen Jahre gründete er die „Literarisch Gesellschaft Wies-
Frau5^ernic - —o-, .
vvrzuheben. Herr Brinkmann (Pepuick) brachte lerne Rolle voll zur Geltung, auch die Herren Steffens (Fürst), Gentner (Prinz', Gar eis (Maestro) boten Tüchtiges. Mit umen wurden Kapellmeister Dr. Rottenberg und Oberregisseur K r ä h m e r mehrfach gerufen. Es folgte das Ballet Sylvia von Löon Tölibes, das sich auch großen Beifalls erfreute.
— Nie wissenschaftliche Wochenbeilage der „Magdeb. Ztg." veröffentlicht einen Vortrag des Tw. H. Stadelmann m ber Naturwissenschaftlickmu Geiellscl-aft „Jfts^ m Dresden uoer bie Umwandlung amorpher M a t e r i e ui gestaltete, ., ^ie Aehnlickkeit ber dabei vor geführten, auf pyy, ikal y ch-chem p chem Wege gewonnenen anorganischen Gebilde nut Naturgebilden wtt überraschend sein. Aus der Taftaclze, da st aus einem Gebilde nach einiger Zeit neue sich gesetzmäßig entwickeln, rolgert Ltadcl- mann ein kosmogcnetisckes Prinzip.
__ 16 d. M. starb im Rock>usspital ;u Msiftz. Hoftat Prof. Dr. Kvnrad Beyer. Er hatte sich m voriger Docke einer Operation unterziehen müffcn: es trat emc Lungenentzündung ein, ber er nach zwei Tagen erlag. Beyer war 1834 tu Pommersselden bei Bamberg geboren, studierte zu Leipzig, wo er promovierte, war ursprünglich un Lehrfach tätig, mußte aber eines Halsleidens wegen fernen Berus aufgeben -vurch den Besuch von Kurorten, teeret]en und wiederholten längeren
Kleines Feuilleton.
— Ein Hesse, der Privatdozent Dr. Wilhelm Kleefeld aus Mainz, hat jüngst an ber Stätte seiner jetzigen Wirksamkeit, in Berlin, einen schönen künstlerischen Erfolg erzielt. Der Musifteferent der „Boss. Ztg." schreibt darüber: ,,2)ie komische Oper" hatte mit Donizettis „Don Pasquale' einen vollen Erfolg. „Don Pasquale" ist eine von Otto ^ulms Bier- baum und Dr. Wilhelm Kleefeld besorgte Neubearbeitung: der Text hat eine neue, von dem streben, inhaltlich und formell dem Original so genau wie möglich zu folgen, biftierte llcber- setzung erfahren: den deutschen Sängern die Oper mundgerechter gemacht zu haben dadurch, daß es ihnen möglich ist, sinngemäß und korrekt zu dellamieren, ist das unbestreitbare Verdienst der Bearbeiter. Dr. Kleefeld hat mir die Auffassung des Wetzkes, das am 3. Januar 1843 in Paris seine erste Aufführung erlebte, zurückgegriffen imd sich im ganzen auf Retouchen beschränkt, bie nicht das Wesendes Werkes berühren, aber doch dazu beitragen, die Wirkung zu erhöhen; besonders scheint mir in den Rezi- tativen nachgeholfen zu sein.
Heer und Flotte.
— Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, beabsichtig der Generalinspektor der Fußartillcrie, von Perbandt, wegen seines leidenden Zustandes von seinem Posten zurückzutreten. Als sein Nachfolger ist Generalleutnant von Dulitz, Kommandeur der 5. Division in Frankfurt a. O., auSersehen.
— Unsere Linienschiffe und die Baubeschleunigung. Von Graf E. Reventlow. Hempclscher Verlag, G. m. b. H. Berlin SW. 68. Preis 75 Pfennige.
Gras E. Reventlow hat Aufsätze über den Wert unseres Schiffsmaterials in einer Broschüre zusammengefaßt. Ob man dem Reventlowschen Urteile zustimmt oder nicht, jedenfalls müssen seine Ausführungen von jedem gehört werden, der sich nicht kritikloser Flottenschwärmerei oder ebenso k r i t i k l o s e r F l o 11 e n n e g a t i o n schuldig machen will.
Familien, auch solche der bester situierten Stände, zum 1. Juni ohne Angabe von Gründen ausgewiesen, die wegen politischen Wirren Rußland verkästen und in Breslau größtenteils Wohnungen für längere Dauer gemietet hatten.
Dresden, 18. März. Die Deputation der Ersten Kammer empfiehlt im wesentlichen die Annahme des Regierungsentwurfs betreffend die Feuerbestattung; sie hat die Bestimmung gestrichen, daß Krematorien in der Nähe von Friedhöfen nicht zu errichten seien.
Zweites Blatt 156. Jahrgang Montag 19. März 1906
Gietzener Anzeiger
Deutsches Reich.
Berlin, 17. März. Ter Kaiser traf heute nach- rniitaq in Bremen ein. Er fuhr zum Ratskeller, wo er ba§ Frühstück nahm. Anwesend waren Staatssekretär v. Tschirschky und Generaldirektor Wiegand vom Norddeutschen Lloyd. Nach dem Frühstück reiste er nach Berlin, wo er am Abend eintraf.
— Der Kaiser verlieh dem deutschen Botschafter in London, Grafen Wolff-Metternich den Charakter als Wirkt. Geh. Rat mit dem Prädikat „Exzellenz".
— Der Direktor des Bureaus des Reichstages, Geh. Negieningsrat Knack, ist gestorben.
— Im Reichsschatzamt ist ein neuer Vorschlag für die Fahrkarten st euer ausgearbeitet in der Form eines nach Zonen abgestuften Stempels unter Freilastung des Vorort- und Nahverkehrs. Die Sätze, sind einstweilen so gegriffen, daß auf ein Erträgnis von 24 Millionen zu rechnen • sein dürfte. Die Kommission will aber aus der Fahrkartensteuer 50 Millionen gewinnen.
— Als dec Gründer einer neuen Partei trat in einer Volksversammlung der frühere Reichstagsabgcordnete und Rektor Hermann Ählwardt auf. Das Thema seines Vortrages lautete: Die geheime Verschwörung gegen das deutsche Volk. Ählwardt betonte, daß er circa 10 Jahre von der öffentlichen Agitation sich zurückgezogen und diese Zeit zu Studien benutzt habe, deren Resultat er jetzt dem Volke vorlegen wolle. Unter anderem behaupteter blödsinnigerweise, daß die großen Firmen in der Konfektionsindustrie, im Bankgewerbe, im Wirtschaftsbetriebe und in der Presse ausnahmslos von Jesuiten geleitet seien, die ungezählte Millionen in diesen Gründungen investiert hätten.
— Der „Vorwärts" meint heute: Nach den letzten Erklärung in der „Münch. Post" sei die Differenz zwischen Voll mar und den übrigen sozialistischen Fraktionsmitgliedern anscheinend nicht groß. In Berlin und Dresden hört man innerhalb der Partei bei Militärforderungen nur die Parole: „Keinen Manu und keinen Groschen".
— Bei der Beratung deS MilitaretatS in der Budgetkommission des Reichstags erkannte der Slbg. Singer an, daßdieGrundstückspolitik der Militärverwaltung durchaus gesund sei, und sprach den Wunsch aus, die Verwaltung möge an dieser Politik fest halten.
Königsberg, 18. März. Bei der gemeldeten Verhaftung einer russischen Familie als politisch verdächtig handelt eS sich um Russen, die unangemeldet hier wohnten und bei verschlossenen Türen und verhängten Fenstern Versammlungen abhielten. Eine Versammlung wurde von
der Polizei aufgehoben, wobei anscheinend revolutionäre Schriften beschlagnahmt wurden.
Breslau, 18. März. Die Polizei hat zahlreiche


