ES sei daher u. a. die schon früher beantragte Beschleunigung der ärztlichen Untersuchung durch Anstellung ivciterer Tierärzte erforderlich, damit der Auftrieb rascher beendigt ivcrbc, als' jetzt. Ferner empfahl die Handelskammer ein schärferes Borgehen der Eisenbahnverwaltung gegen den Biebhandel auf der Bieh- rarnpe beim Eintreffen vstpreußisckter Viehtransporte. Eine Aen- derung der Gießener Viehmarktordnung durch Erweiterung des Vormarktsverbots hält die Stimmer dagegen für ziemlich wirkungslos.
5. Handelsbeziehungen z u den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika. Die Bestimmungen der Bereinigten Staaten von Amerila über das Verz-ollungsverfahren sind vom 1. März d. I. ab in einigen Punkten geändert worden. Darnach ist ieder ctmerikanist'e Konsul zur Beglaubigung der Fakturen zuständig, in dessen Bezirke die Ware gekauft oder hergestellt ist. Ferner soll der Konsul in der Regel das persönliche Erscheinen des Exporteurs oder seines Vertreters zur Faktur- beglaubigung nicht verlangen dürfen, sondern die Faktura beglaubigen, wenn sie ihm durch die Post oder einen Boten übersandt worden ist.
Ferner wird der Konsul verpflichtet, falls er die Richtigkeit der Angaben des Exporteurs über den Marktwert oder die Herstellungskosten der Ware bezweifelt, sich mit den Handcls- kammern oder anderen Handelsorganisationen seines Bezirkes in Verbindung zu setzet! und die ihm von diesen etwa mitgeteilten Bescheinigungen oder anderes Belveismaterial an die Zollbehörden in den Vereinigten Staaten zu übersenden Dem Agenten des amerikanischen Schatzamts in Berlin ist es zur Pflicht gemacht worden, bei Anstellung von Ermittelungen über den Marktwert oder die Herstellungskosten von Waren sich 'zwecks' Erlangung der nöligen Informationen zunächst mit den betreffenden HandeMammern und .Handelsorganisationen in Verbindung zu setzen. Außerdem wird für das Verfahren vor den Abschätzungs- Leamten in Amerika in zweiter und dritter Instanz (vor einem general-avvraises oder vor bem board os general appraisers) die Oeffentlichkeit cingeführt. — Nähere Mitteilungen über die Peuer- ungen könnten die interessierten Firmen von der Handelskammer direkt erhalten, lieber die Erfahrungen mit diesen Acnderungen Hot die Hande^kammer dem Grotzh. Ministerium des Innern bis zum 15. Oktober d. I. zu berichten.
6. Versäumnisse des Unterrichts in der Kauf- urännischen FachschuleGicßen. Im abgelaufenen Schuljahre haben wieder die Lelwlinge einiger Firmen in Gießen in zahlreichen Fällen ohne hinreichende Entschuldigung den Unterricht der Kaufm. Fachschule versäumt. Es loirb deshalb hier nochmals darauf hingewiescn, daß in Zukunft bei wiederholten unentschuldigten Versäumnissen die Ausweisung aus der Fachschule und gegebenenfalls die Ueberlveisung an die obligatorische Allgemeine Fortbildungsschule ersolgt. Ferner wird darauf aufmerksam gemacht, daß nach § 76 deS Handelsgesetzbuchs und den 120, 150 der Gewerbeordnung der Lehrherr verpfliclstet ist, feinen Lehrlingen zum Besuche einer vom Staate als Fortbildungsschule anerkannten Untcrrichtsanstalt die erforderliche Heit zu gewähren, widrigenfalls Geldstrafe bis zu 20 Mark und im Un- vermöganSfallc Haftstrafe bis zu drei Tagen für jeden Fell Eintritt.
7. Eingänge:
Von zuverlässiger Seite sind der Handelskammer Mitteilungen zugegangen über eine Internationale Dauer-Ausstellung in Amsterdam, die Rumänische Landesausstellung in Bukarest 1906, Handel und Industrie int Moskauer. Rayon zu Anfang Februar d. I., Einziehung von Erkundigungen über nordbulgarische Geschäftsleute, Absatzgelegenheit für Hafenbaumaterial, Maschinen, Eisenbahnmatcrial, Kleinmotoren, Motorwagen, Motor- »cihrräder nach Britisch-Indien, die Gewerbe- und Landwirtschafts- WnssteUnng in Benares im Jahre 1905, Umwandlung von Pferdebahnen in elektrische Bahnen in ?ldelaii>e, Mißstände in Bezug von amerikanischen getrockneten Aepfeln, die Besiedelung des BananenlandeS in Cvsta-Rica, Handelsorganisation Boliviens, 'ferner über zweifelhafte Firmen in London, Charkow, Piräus', Konstantinopel, Bombay, Ontario (N. P.) und in Navyork.
Die Eingänge können während der üblichen Geschäftszeit im Bureau der Handelskammer eingesehen werden.
Vom Wetterauer Heimatpflege- und Volkstrachtenfest.
(Original-Artikel des Gießener Anzeigers.)
d. B u tz b a ch, 1. Mai.
/ Gestern sand im Hotel zum Hessischen Hof biet eine Sitzung bes Komitees und des geschäftsfährenden Ausschuss e s des Heimatpflege- und Volkstrachtenfestes statt, das bekanntlich am 16. und 17. Juni hier gefeiert werden soll, um bei der kernigen bäuerlichen Bevölkerung der Wetterau den Heimatsinn und Heimatstolz zu heben und zu fördern. Aus säst allen Orten der Wetterau und den benachbarten Bezirken waren zahlweiche Vertreter erschienen, so daß der Festvorsitzende, Kreisrat Fen -Friedberg, alsbald nach dem Eintreffen des Ehrenvorsitzenden, S. D. Fürsten Karl zu Solms-Hobensolms-Lich, vor dicht besetztem Saal die Versammlung eröffnen konnte. Er dankte zunächst dem Fürsten für die Uebernahme des Ehrenvorsitzes, ivodurch er nicht allein dem Feste, sondern dem Bauernstand überhaupt seine Sympathie erwiesen habe.
Der Fürst zu So l ins dankte sodann für die Uebcrtragnng des Ehrenoorsitzes und gab seiner warmen Spmpathie für den Bauernstand Ausdruck. Er begrüße das Fest mit Freuden, weil er davon eine Förderung der Bestrebungen erwarte, den deutschen Banernstand in seiner Eigenart, seinen alten Sitten und Gewohnheiten, wie er sie von seinen Vorfahren übernommen habe, zu erhalten.
Kreisrat Fey begrüßte sodann die auswärtigen (Reifte, insbesondere die Vertreter der Staatsregierung, 63cb. Oberbaurat Hofmann und Regierungsrat Kranzbühler. Ministerialpräsident Braun, der durch Dienstgefchäfte am Kommen verhindert war, hatte fchriftlich fein und der Regierung lebhaftes Interesse an dem Fest ausgedrückt. Sodann teilte der Vorsitzende mit, daß Seine Königl. Hoh. der G r o ß h e rz o g auf eine Immediateingabe hin fein lebhaftes Interesse an dem Fest habe aussprechen lasten. Der Landesherr wünscht dem schönen Unternehmen, das der Erhaltung und Entwickelung des Heimatsinnes in unserer ländlichen Bevölkerung dient, von Herzen besten Erfolg und stellt seinen Besuch in sichere Aussicht. In ähnlicher Weise hat I. K. H. die Großherzogin sich über das Fest ausgesprochen und ihr Kommen in Aussicht gestellt.^ Das Ministerium des Innern bringt dem Feste ebenfalls mit Rücksicht auf feinen Zweck regstes Intereste entgegen.
Hieraus erstattete der Vorsitzende über die Organisation mtb die Ordnung deS Festes einen ausführlichen Bericht. Das Fest gelte nichts idealen Gütern, sondern dem Schutze idealer Güter, eckt deutscher Güter, denn es solle den Heimatsinn fördern mtb den in unserem tüchtigen und stolzen Bauernstand herrschenden Kunstsinn erhaltet, und fördern helfet? Mlc Kunst gehe auf die Natur zurück und stütze sich auf das wahre und echte Volksleben, das am meisten bei unfern Bauern erhalten sei, und das zu fördern Aufgabe des Festes sei Es solle nicht eine Schaustellung der ländlichen Bevölkerung vor den Augen Neugieriger sein, sondern ein F e st für die l ä n d l i ch e B c v ö l k e r u n g, und dazu beitragen, daß die idealen Güter unseres Volkslebens aus dem Bauernstand heraus wieder mehr zur Geltung kommen. Die Organisation für das Fest besteht aus einem Kvmitee mehr beratender und beschließender Art und einem gcsckäftMhrenden Ausschuß für die Durchführung des Festes. Daneben bestehen eine Reihe Einzelausschüsse — Zug- und Festausschuß, Ausstell- nngsausschuß, FestspielauSschuß. Finanzausschuß und Preßausschuß — und Ortsausschüsse in zahlreichen Orten der Wetterau. An Mitteln stehen bis jetzt zur Verfügung je 500 Mark vom landw. Provinzialverein für Oberhessen und vom Kreis Gießen, je 50 Mark vom hist. Verein für das Großherzogtum Hessen und der Gesellschaft für hessische Volkskunde in Gießen. Ferner ierhoffe matt noch Bewilligungen von der Provinz Oberhessen und *om Kreis Gießen. Falls diese Gelder und die Einnahmen des .Festes nicht ausreickeu, steht ein Garantiefouds von 7000 Mark zur Verfügung und auch das Ministerium des Innern hat für den Fall eines Defizits einen Zuschuß von 1000 Mark in "Aussicht gestellt. Ein etwaiger Ueberfchuß wird je zur Hälfte dem historischen und Trachten-Museum zu Butzbach und dem Heimat
pflege- und Trachtenverein zu Gute kommen. Das Fest umfaßt eine Ausstellung von Bau er tt hauSplän e n , Geräten usw. in der Turnhalle, die am 10. Juni eröffnet werden und 6—8 Wochen dauern soll. Am 10., 13., 17., 20., 24. und 27. Juni gelangt ein historisches Fe st spiel „Der Hüt- tenberger" von Hauptlehrer Ktirl Storch ?ur Aufführung, das in und um Butzbach spielt. Fernere Festveranstaltungen sind der Festzug am 17. Juni, Musikaufführungen in der Festhalle, Aufführung alter Volkstättze, Reigen in historischen und jetzigen Trachten, alte Butzbacher Schwertertänze, Vvlksgesänge, sowie Tanz und Volks-Belustigungen auf dem Festplatz.
Der Festzug soll die 4 Jahreszeiten in Gruppen und Bildern aus dem Landleben darstellen und ferner Trachtengruppen und Szenen aus Butzbachs Vergangenheit vor Augen führen. 25 Gruppen sind bereits sicher angemeldet. Die einzelnen Gruppen sind wie folgt gedacht: 1. Frühling (Kinder in Tracht, hierzu sollen alle Elterti aus Orten, wo die Kittder noch Trachten tragen, die von über 10 Jahren mitbringen, 2. Aussaat, 3. Gärtnerei, 4. Musterung (hierzu sind alle diesjährigen Gestellungspflichtigen aus dem Bezirk Butzbach in ihrem bunten Schmuck zu er- schieinen), 5. Girlandenträgerinnen, 6. Brautzug, 7. Singschule, 8. Lohschläger, 9. Heuernte, 10. Getreidebau, 11. Flachsbau, 12. Marktzug nach Butzbach, 13. Kirchweihzug, 14. Obsternte, 15. Jagdzng und Schützengilde, 16. Reservisten, 17. Spinnstuben, 18. Hvlzernte, 19. Tumergmvpe, 20. Brauergruppe, 21. Gerbergruppe, 22. Webergruppe, 23. Wirtshausgruppe, 24. Alt-Butzbach mit seinen Zünften, 25. die Neuzeit, dem hessischen Fürstenpaare huldigend. Da Männertrachten in unserem Gebiet kaum mehr vorhanden sind, sollen die Männer möglichst int grünen Lodenanzug und Gamaschen oder hohen Stiefeln erscheinen. MH aus anderen Gebieten ist Besuch zu ermatten. So werden aus dem Kreis Biedenkopf 100 Frauen und Mädchen in Trachten erscheinen, ebenso sind aus den Kreisen Alsfeld, Gießen (soweit nicht Gruvpeit gestellt werden) und Lauterbach bereits Anmeldungen erfolgt.
Eine der Haupturs<-chen des Rückgangs der Trachten ist nach des Redners Ausführungen der Unverstand, mit der gedankenlose Leute die trachtentragenden Landleute belächeln. Demgegenüber sollten die Bauern stolz sein auf ihre heimische, echt deutsche Tracht. In diesem Sinne solle das Fest auck ein Trachtenfest sein und dazu beitragen, einen guten Bausinn und Formensinn hervorzukehren. Die Tracht ist der Ausdruck einer Volksanschauung und ihre Erhaltung geschieht im Interesse der Hebung der ländlichen Kultur. Die jetzigen Trachtenvereine sind aber hierzu ungeeignet, sie müssen gauweise, nicht nach der jetzigen politischen Dezirkseinteilung, eingeteilt und von der Bevölkerung selbst, insbesondere von den Frauen, verwaltet werden. Mit dem Fest wird neben der Erhaltung der Trachten die Förderung der Heimat- Pflege, ded Heimatschutzes und Wohlfahrtspflege erstrebt. Dieselben Bestrebungen hat der deutsche Verein für ländliche Heimat- und Wohlfahrtspflege. Auch 'mit diesem Verein hat sich der Ausschuß in Verbindung gesetzt, und dessen bekannter Geschäftsführer, Schriftsteller Svhnrey, bat seinem lebhaften Interesse an dem Fest Ausdruck gegeben. Um aber dem Fest erst die rechte Bedeutung zu geben, ist es nötig, eine dauernde Organisation zu schaffen. Der geschäftsführende Ausschuß schlage daher vor, zu beschließen, das F est bestens zu fördern, ferner die Ermächtigung zu erteilen, die Herausgabe eines hessischen Tracht en buch es in die Wege zu leiten und die Owündung einer hessischen Ländesgruppe des deutschen Vereins für ländliche Heimat- und Wohlfahrtspflege in die Wege zu leiten.
Die Versammlung stimmte unter lebhaften Beisalls'rufen diesen Vorschlägen zu.
Nach einer kleinen Pause begann Professor Walste aus Darmstadt einen Vortrag über das hessische Bauernhaus, in dem er an der Hand von Lichtbildern etwa folgendes ausführte i
Das Bauernhaus hat bis jetzt nicht die Beachtung gefunden, die eS verdient, bis jetzt haben es nur die wissenschaftlichen Forscher beachtet, die, weil es in seinen Grundformen sich nichts selbst Jahrhunderte hindurch, ändert, durch seine Vergleichung schätzenswerte Feststellungen über die Wanderungen der deutschen Dolksstamine usw. anstellen fonuten. Dies ist der wissenschaftliche Wert des Bauernhauses, aber noch höheren Wert besitzt es als Künstwerk. Ueberall findet sich bei den deutschen Bauernhäusern das Bestreben, Schönheit und Schmuck, natürlich und ungekünstelt zum Ausdruck zu bringen. Nirgends findet man einen Widerspruch zwischen Zweck, Form und Baumaterial, der in städtischen Bauten so häufig ist und leider in den letzten Jahren vielfach auch auf dem Land Eingang fand. Im B'auernhauS ist Natürlichkeit, Zweckmäßigkeit und Wahrheit, durch alle Wandlungen ist sein Prinzip das' gleiche geblieben. Es ist ein Holz ha sis!..und das Prinzip beruht darauf, daü jedes im HauS angebrachte Stück Holz eine konstruktive Mission hat, und als Künstform mit dem natürlichen Material in Widerspruch stehende Verwendung findet. Leider wurde in der letzten Zeit auch das Bauernhaus von der unnatürlichen Mode ergriffen und wenn erst einmal der Bevölkerung zum Bewußtsein gekommen ist, wie halb oder gar nicht gebildete Architekten das Aussehen des Landes verschändet haben, bann wird ein furchtbares Erwackwn sein. Man solle jedoch das alte nicht einfach sklavisch nachbildeu, sondern es den veränderten Berbältnissen entsprechend naturgemäß weiter entwickeln. Nunmehr erläuterte der Redner an Hand von zahlreichen Lichtbildern die deutschen Bauernhaustyven, das niederdeutsche, fränkische und oberdeutsche Bauernhaus. Im nieder- und oberdeutschen Bauernhaus wohnen Menschen und Vieh mit ihren Vorräten unter einem Dach, sie unterscheiden fick dadurch, daß ersteres auf dem Prinzip der Längsteilung beruht, das oberdeutsche Haus' dagegen qucrgctcilt ist. Beiden gemeinsam ist auch, daß sie einzeln stehen und jedes Haus von dem dazu gehörigen Feld umgeben ist. Anders das fränkische Haus, zu dem auch das hessische Haus gehört. Dem heiteren geselligen Sinn seiner Bewohner entsprechend, steht es' dichtgedrängt in Dorfschaften zusammen. Mensch und Vieh, sowie, die Vorräte sind getrennt untergebracht. Das gewöhnlich zweistöckige Wohnhaus steht mit dem Giebel nach der Straße, eine Steintreppe führt von der Hofseite aus in das Haus und wenn Ställe angebaut sind, sind sie durch eine feste Querwand getrennt. Die Scheuer befindet sich im Hintergrund des HvfeS und gegenüber dein Wohnhaus sind kleinere Wirtschaftsgebäude und Ställe. An Hand zahlreicher Beispiele aus ganz Oberhessen mürben sobann bic charakteristischen Einzelheiten des hessischen Hauses näher erläutert, bic Holzkoustruktion des Fachwerks, das Vorspringcn der oberen Hausteile, die Zusammengruppierung der Fenster, die Türdächer, Hvftore usw., sowie der natürliche Schmuck durch Ktirbschnitt und Anstrich. Der Redner schloß mit der Aufforderung, bei Neubauten mit dem Nachahmen städtischerBau- ten aufzuhören, das bestehende Alte mit allen Mitteln zu erhalten und keinen alten Hausrat ans der Hand zu geben.
Dem Vortrag folgte lebhafter Beifall. K^reiSrat Feh dankte dem Redner mit warmen Worten und schloß dann die Versammlung mit einem Hoch auf ba5 Grvßherzogspaar, das in der Forderung der Heimatkunst eine seiner schönsten Aufgaben erblicke.
Vermischtes.
• Brände. Am 1. Mai ist das Kurhaus bc§ Ostseebades Binz auf Rügen vollständig niedergebrannt. Man befürchtet Brandstiftung. — In Schweidnitz brach gleichfalls am 1. Mai in der mechanischen Weberei Rosenthal, die gegen 800 Arbeiter beschäftigt, Groß feuer aus, durch welches mehrere Gebäude der Weberei vernichtet tmivbcn. Etwa 400 Arbeiter sind infolge des Feuers beschäftigungslos geworden, doch wird gehofft, in etwa 14 Tagen den Betrieb wieder aufnehmen zu können. Von den Webstühlcn wurden nur drei leicht beschädigt. — Der Musketier Ege in Hohen- salza desertierte und versteckte sich in einer Scheune bei
Königsbrunn. 91(5 er sich verfolgt sah, steckte er die Scheune in Brand und verbrannte. Nur der verkohlte Rumpf und das Seitengewehr des Soldaten wurden aufgefunden.
* 3 to ei englische Dampfer Unfälle. Ter kleine Passagierdampfer „Courier" (150 Tonnen) kehrte am 30. porigen Monats abends mit Passagieren von Sark nach Guernset; zurück. Während die Passagiere^ auf Dock sangen, stieß der Danrpfer auf einen Felsen. Das Schiff sank, und es war kaum Zeit, die RettungSgürtet zu ver- teilen und die Boote herabzulassen. Der Kessel explodierte. In ein Boot waren 14 von den 20 Passagieren sowie 9 Personen der MannsckMft gestiegen. Dieses Boot schlug am Felsen von Tethou um. Die Schiffbrüchigen klammerten sich an den Felsen an. Von Guernsey, wv das Unglück gesehen war, kam sofort Hilfe. Unter den Geretteten befinden sich zwei Teutsche. Bei dem Untergänge sind acht Personen ertrunken. Das Schiff ging binnen vier Minicten unter. Auf dem Schiffe spielten sich schreckliche Szenen ab. — Am 1. Mai hat vier Seemeilen von B e a d h y H e a b ein Zusammenstoß des Dampfers „Blanefield" von London mit dem Segelschiff ,,Kate Thomas" stattgefundeu, bei dem der Dampfer mittschiffs so unglücklich getroffen wurde, daß er in vier Minuten sank. Ter Kapitän und 12 Mann von der Besatzung, von denen inzwischen ein Mann gestorben ist, sind in Newhaven gelandet, 11 andere wurden von einem Fischerboot ausgenommen. Man befürchtet, daß die fehlenden fünf Mann ertr unken sind.
* Des Kaisers Dackel. Ter Kaiser besitzt zwei wertvolle Dachshunde, die er sehr gern hat und die ihn zuweilen auf seinen Reisen begleiten. Auch nach Homburg v. b. H. waren sie mitgenommen worden; einer von ihnen hatte diese Rücksicht aber nach Tackelmanier damit vergolten, daß er ausriß. Ter Tackel, ein brauner Kcumm- bein, auf den Namen „Schnapp" hörend, ist gelegentliche eines Ausfluges d'-es Kaisers zwischen Kronberg und der. Hohen Mark' in Verlust geraten. Er trägt ein Messing- Halsband mit einer Krone und einem W darauf. Tie im kaiserlichen Hochalt befindlichen Vierfüßler scheinen von einem großen Freiheitsdrange beseelt zu sein; denn erst vor kurzem machte das Verschwinden des Hündchens der Prinzessin Viktoria Luise und des der Kronprinzessin Geeilte in Berlin von sich reden.
* Das Hochzeitskleid der Prinzessin Ena von Battenberg wird die Kleinigkeit von 28 000 Mk. kosten. Hierbei ist der kostbare Schleier noch nicht einmal inbegriffen, den die Prinzessin am 31. Mai bei ihrer Vermählung mit dem König Mfons von Spanien tragen wird und der derselbe ist, den des 5t'öuigs Mutter Maria'Christine einst zu ihrer Trauung trug. Das' Kleid ist ein Geschenk des Königs für seine Verlobte und luirb nicht von einer Schneiderin, sondern von einem Schneider in Madrid an- gefertigt. Ter Stoff ist weiße Tuchesse-Seide, reich mit weißen großen Rosen bestickt. Die Schleppe, die an den Schultern beseitigt wird, hat eine Länge von vier Metern und von den Brüsseler Spitzen, die Verwendung gefunden haben, kostet der Meter rund 240 Mark.
Attnst und Wissenschaft^
Rom, 1. Mai. In der heutigen Hauptsitzung de§ Internationalen Kongresses für angewandte Chemie sprach Profeffor Frank-Charlottenburq über direkte Nutzbarina chung b e 5 Stickstoffs bet Atmosphäre für d i e Gern i n n it n g von Düngemitteln unb emberen chemiscben Probukten. Der Vortragcnbe machte besonders Dl'itteilungen über die volkswirtschaftliche Sicbeutung eines von ihm unb Caro her- gestellten Düngemittels, welches einen vollwertigen Ersatz bes Ehilisalpeters bilbe unb auch die beutfche Laub- wirtschast von bem Import dieses bislang unentbehrlich erscheinenden D ü n g e st o f f e s unabhängig machen werde.
Gerichtssanl.
Berlin, 1. Mai. Der RaubmörderHcnntg hat gegen bas Urteil bes Potsbamer Schwurgerichts Revision angemelbet.
F r a n k f u r t a. b. O b e r, 1. Mai. Wie bie „Franks. Odcr- zeitg." berichtet, verhanbelte bic hiesige Strafkammer gegen bie S ch r i f t st e l l c r K e r k o w u n b Schreiber, ben Schauspieler Pauli mtb ben Redakteur des Sertiner Nomanverlags, Ra senack, sämtlich au5 Berlin, wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften (Inttntc Geschichten). Die Angeklagten waren uont Berliner Landgericht sreigesprochen worbeit. Das Reichsgericht hob aber dieses Urteil auf unb verwies die Sache an bad hiesige Lanbgericht zur nochmaligen Entscheibimg. Kerkow unb Rasenack würben zu je 50 M k. G e l b st r a s e ober fünf Tagen Gefängnis verurteilt. Gegen Pauli unb Schreiber: wurde bas Verfahren eingestellt.
HcrndeL und Verkehr?, Volkswirtschaft.
Hantrovcr, 30. April. Die Battk für Haube! und I tt b u ft r t c hat Hettle ihr nettes stattliches Heim bezogen. Der binnen zehn Monaten ausgeführte vornehme Van, wie bie prakti- fcheit Einrichtungen bcSfcIben fonben ungeteilten Beifall; bas tnonu- mental-schönheitsvollc Gebänbe wirb adgemcin als eine Zierde Hannovers betrachtet.
Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreifc am 30. April 1906.
Höchste Schlachtvichpreise in F r a n k f u r t a. M.
Fleischprcisc in Gießen
Ochsen
Kälber Schweine
50 Kg. Schlachtgewicht 74-76 Mk.
’/. Kg. Schlachtgew. 90—95 Pf. ' 72-73 „
7t Kg. 72-80 Pfg.
7, , 70-80 , .7, t w 76 86 „
Getreibepreise in Mannheim
Brotpreise in Gießen
Weizen 100 Kg. 19.50-00.00 Mf.
Roggen 100 Kg. 18.00-18.20 Mk.
Weißbrot 2 Kg. 54 Pfg.
Schwarzbrot 2 Kg. 50 Pfg.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt -i'.tr >m>. 3 r Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Rebakti^n b.'. 'i'’iuum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Mehrere Burger empfehlen der Stabtverwaltrmg, die Grünberg e r S t r a ß c, die mit ihren schönen Battmattlagen offenbar einen recht günstigen Eindntck auf ben Kaiser gemacht hat, zur Erinnerung an seinen Bestich fortab „ K a i s e r st r a ß e * zu nennen.
Für Blutarme, Nervöse 1984
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EJF*. MOpier kJliain Tägliche Ausgabe ca. 25 Pfg. In Apotheken, Brog. — Wissenschaft!. Literatur kostenfrei.
Dr. Volkmar Klopfer, Dresden-Leubnitz.
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