Ausgabe 
2.3.1906 Zweites Blatt
 
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^md schließt: Solsnge die pofiftlcnc Justiz nicht an die Ehrlichkeit des Gegners glaubt, solange dürfte sie auch nicht erwarten, daß das Volk an 'die Ehrlichkeit der politischen Justiz selber glaubt. Tas Volk sehe in ihm nicht den Richter, sondern den Feind.

Staatssekretär Nieberding erwidert, er Habe doch nur offen gesagt, er glaube, das? die verbündeten Regierungen fid) zur Resolution Ablaß stellen werden. Der Vorredner habe behauptet, das? salsche Protokolle ausgenommen würden und das; viele Ent- scheidunaen des Gerichts nicht unparteiisch seien. Für diese Art, unsere Rechtspflege schlecht 511 machen, fehle ihm der Ausdruck. Wie dürie der Vorredner es wagen, zu sagen, daß solche Fälle die Regel sind. Sie verlangen, so sagt der Staatssekretär, Ehrlichkeit und Wahrheit. Nun, so sagen Eie das vor Allem Ihrer sozial­demokratischen Presse, denn Ehrlichkeit und Wahrheit sind nirgends weniger zu finden, als in Ihrer sozialdemokratischen Presse. (Stürmische Ruse des Widerspruchs bei den Sozialdemokraten.)

Hierauf erfolgt Vertagung. Morgen Fortsetzung.

Marokko.

Es ist bekanntlich der Gedanke aufgetaucht, den Marokko­konflikt durch einen Schiedsspruch aus der Welt zu schaffen, den kein Anderer zu fällen hätte, al? der bewährte Generalschiedsrichter jenseits des Atlantic, Präsident Roose­velt. Flugs schreibt ein alldeutsches Blatt, Roosevelt habe zwar am Mittelmeer nichts zu suchen, aber er könne, auch wenn er eine Formel der Verständigung finde, die inneren Gegensätze nicht beseitigen, sondern lediglich den Riß über­kleistern. Da ist e§ interessant, einen Vorschlag der Rewyorker »Sun* kennen zu lernen, der möglicherweise die Auffassung dcS Präsidenten wiedergibt. Er geht dahin, in Marokko etne aus Mohamed an ern bestehende und von Schweizer Offizieren befehligte P0liz eimacht zu organisieren, weil allein dadurch die Gefahr eines Religionskrieges befestigt, und ein in Afrika nicht territorial interessierter Staat zu versöhn­lichem Wirken berufen würde. DieSun" meint allerdings selbst, es werde schwer fallen, Frankreich einer derartigen Neuordnung geneigt zu machen. Danach scheint man auch in den Vereinigten Staaten von der Grundsätzlichkeit der französischen Vorrechtsansprüche überzeugt zu sein, die einer schiedsgerichtlichen Beendigung des Marokkokonflikts nur provisorische Bedeutung zuweisen wurde.

AuS Algeciras besagt eine Havasmeldung vom 1. ds. Mts.:

Das RedaktionZkomitee hielt eine Sitzung ab. Die Beratung erftreefte sieh . auf Punkte des V a n ke u t wu r fs, wobei ein Einvernehmen leicht ist. Um nicht das Spiel des be- ftäirbigen Zurückweichcns fortzusetzen, wurde beschlossen, diejenigen Artikel, deren Redaktion festgesetzt ist, von denen abzusondern, die referbiAt bleiben werden. Gegenwärtig sind sechsPunkte zurückgestellt: Verteilung des Kapitals, Sitz der Gesell­schaft, Aussichtsrat oder Bankkommissare, Gerichtsbarkeit, Ver­hältnis der Bank zum Maghzen und Verhältnis zur Spezialkasse, lieber die anderen Punkte scheint ein Einvernehmen leicht zu sein.

Die Spezialberichterstatter mehrerer Pariser Blätter stellen in ihren Telegrammen aus Algeciras fest, daß unter den Konferenzdelegierten von neuem eine größere Zu­versicht zu Tage trete. Jnbetreff der Bankfrage hege man fast allgemein die Ansicht, daß Deutschland gewisse französische Vorschläge annehmen und daß auch Frankreich sich nicht unversöhnlich zeigen werde. Ebenso herrscht bezüglich der Lösung der Polizeifrage neuerdings wieder weniger Pessimismus vor.

Iaurös bestrestet in derHumcmits" die in der Mcrrokkokonferenz zutage getretene Tatsache, daß die Fabrik in Er en zot von Marokko Konzessionen für zwei Häfen erhalten habe, ohne daß die französische Regierung davon Kenntnis habe. Der Besitzer der Ereuzot- werke sei der Abg. Schneider, der zum französischen Marokkokomitee gehöre. Dieses Komitee habe bereits das ganze Sultanat unter sich verteilt gehabt und w 0 l l t c d i e K 0 n f c r c n z z u m S ch c i t e r n bringen, um freieHand zu behalten. Iaurös beschuldigt das Komitee, seine Hand ans die Presse und selbst auf die Diplomatie gelegt zu haben.______________________________

Außtand.

Tas Gesetzblatt veröffentlicht ein vom Zaren geneh­migtes Reglement, wonach das Vorgehen der mit der stn terdrückung der Unruhen betrauten Truppen künftig einznrichten ist. Tas Reglement enthält namentlich die Bestimmung, daß die Truppen in solchen Fällen weder in die Luft noch blind schießen dürfen.

Am 1. d. M. fand in Zarskoje Sselo unter dem Vorsitz des Zaren eine Beratung statt, an der die Minister, der Präsident des Reichsrats, die Vorsitzenden der Departements des Reichsrats und einige Mitglieder desselben teilnahmen. Tie Prüfung des von der Kommission unter dem Vorsitz des Grafen Solsky ausgearbciteten Entwurfs über die Re­organisation des Reichsrats und über die Neu­ordnung der Reichsduma wurde beendet. Tie Vorlage wurde mit geringen Mänderungen angenommen und wird demnächst veröffentlicht werden.

Die im_ Budget des Marineressorts ausgeworfene Summe von 72 Millionen Rubel zu Schiffsbauzwecken wurde vom Reichsrat auf 20 Millionen gekürzt.

Ter Betriebschcf der Warschau-Wiener Bahn Rucklow ist an den Folgen eines Attentats gestorben.

In Charkow verurteilte der Appellationsgerichtshof einen P 0 l i z e i 0 f f i z i e r und fünf Geheimpoli­zisten wegen systematischer Mißhandlung von in Untersuchungshaft befindlichen Personen zu einer Ge- fängnishaft von zwei bezw. einem Monat.

Aus Bakum meldet die P. iersb. Tet.-Ag.: Die von einem Schutzmann begleitete Post wurde heut" auf dem Wege zum Bahnhof durch ein quer über die Straße ge­spanntes Seil aufgehalten. 10 bewaffnete Räuber verwundeten den Schutzmann und beraubten die Post um 7000 Rubel teils in Bar, teils in Wertpapieren. Ten Postsack mit Geldsendungen im Wert von 10 000 Rubel ließen sie liegen. Sie sind entkommen.

Aus Berlin wird eine Massenrückkehr geflüch­teter Russen in ihre Heimat gemeldet. Die Heimkehren­den gehören namentlich der Intelligenz und dein Mittel­stände an und fürchten, bei einem längeren Aufenthalt im Auslande ihre Existenz zu verlieren.__________

Heer und Flotte.

D ic Flottenspendr der Schülerinnen, die von einer höheren Töchterschule in M.-Gladbach angeregt war, und dem Kaiser anläßlich der silbernen Hochzeit übermittelt wurde, hat an vielen höheren Mädchenschulen Deutsch­lands Beteiligung gefunden und ergab 1 2 000 Mark. Der Unterrichtsmimster teilte mit, daß der Kaiser die Flottenspende gern annehmen wolle und über die Betätigung des patrio- tlschen Sinnes Deutschlands seine Freude ausspreche.

Die neueste südwcstafrikauische Verlustliste.

Am Typhus gestorben im Lazarett Warmbad die Reiter Rob. Schmidt, geboren zu Westig, Adam Goebel, geb. zu 9(15- bach, früher 1. Großh. Hess. Dragoner-Regiment (Garde-Drag.-Regt.) Nr. 23, Karl Gerold, aeb. zu Gienaen.

Itircbe und Schule.

Einem römischen Blatte zufolge hat eine nicht ge­nannt sein wollende Persönlichkeit dem Papste zwei Millionen Fr. zur Verfügung gestellt für die k a t ho­lt s ch e K i r ch e i n Fr a n kr c i ch. Es heißt, die Spenderin sei die Exkaiserin Eugenie.___________________

Aus SiaOt uno Land.

Gießen, den 2. März.

" Eisarmer Winter und keine Kühlanlage. Die hiesigen Metzger hatten gestern abend eine Versammlung, um über den diesjährigen Eisbezug zu beraten. Eine große Mißstimmung machte sich hierbei bemerkbar, daß man die schon lange projektierte Kühlanlage im hiesigen Schlachthaus noch nicht zur Ausführung gebracht hat. Wie sehr das Metzgergewerbe bei Eintritt der wannen Jahreszeit zu leiden hat, wenn nicht genügend Ei§ vorhanden ist, wird allgemein bekannt sein. Auch im Interesse des konsumierenden Publi­kums ist eine Kühlanlage in hygienischer Hinsicht sehr er­wünscht, denn die Möglichkeit, in der warmen Jahreszeit gut bedient zu werden, ist ausgeschloffen, wenn nicht genügend Eis vorhanden ist, um die Nahrungsmittel längere Zeit frisch zu erhalten.

** Aus dem Bur eau des S t a d t t h e a t e r s. Nochmals sei auf die heutige Benefizaufführung für Frl. Lily Don ecker hingewiesen, die HauptmannsVersunkene Glocke" bringt. Am nächsten Sonntag findet als 12. Sonntags- AbonnementSoorstellung eine Wiederholung von Kleist's Prinz von Homburgs statt. Bei der Festvorstellung am vergangenen Mittwoch hat das Werk bei Kritik als Publikum allgemeinen Beifall gefunden.

** T er Frühjahrs-Pferdemarkt zu Gießen mit Prämiierung findet am 28. Marz statt. Die letzten Märkte waren durchschnittlich mit über 300 Pferden befahren und von Händlern und Landwirten sehr gut besucht. Es wurden recht bedeutende Käufe abgeschlossen. Für die Prämiierung der Pferde stehen 1670 Mk. zur Verfügung. Tie Prämiierungskommission besteht aus Oeko- nomierat Müller-Neuhof bei Gießen, Vorsitzender des Landespferdezuchtvereins, Oekonomierat .Hofmann-Hofgüll, Gutspächter Bene-Hof-Altcnbcrg bei Wetzlar, Schlachthof- direktor Dr. Liebe-Gießen, Oberstleutnant Zahn-Gießen. An Preisen sind vorgesehen: 1. Abteilung: Reitpferde: 30 und 20 Mk. 2. Abteilung: Wagenschläge (paarweise) 80, 60 und 40 Mk. 3. Abteilung: Arbeitsschläge (paarweise) a) schwere: 80, 60 und 40 Mk., b) leichte: 60, 40 und 20 Mk. 4. 9lbteilung: Arbeitsschläge (einzeln) a) schwere: 30, 20, 15 und 10 Mk., b) leichte: 30, 20, 15 und 10 Mk. 5. Abteilung: Arbeitsschläge: (diese Pferde müssen mindestens 6 Monate im Besitz von Landwirten jein, die Mitglied des Hessischen Laudespferdezuchtvereins oder eines landwirtschaftlichen Be­zirksvereins sind: a) einzelne Pferde: 30, 20 und 10 Mk., b) paarweise: 50, 30 und 20. Mk. 6. Llbteilung: Drei­jährige Fohlen (geb. 1903) a) Wagenschläge: 40, 30, 20 und 10 Mk., b) Arbeitsschläge: 40, 30, 20 und 10 Mk. 7. Ab­teilung : Zweijährige Fohlen (geb. 1904) a) Wagenschläge: 30, 20, 20 und 10 Mk., b) Arbeitsschläge: 30, 20, 20 und 10 Mk. 8. Abteilung: Zuchtstuten mit Fohlen oder nach­weislich gedeckt. (Prämien für inländische Züchter, welche Mitglied des Lanoespferdczuchtvereins sind.) a) Wagen- chläge: 60, 50, 30, 20, 15 und 10 Mk., b) Arbeitsschläge: 60, 50, 30, 20, 15 und 10 Mk. In den Llbteilungen 14 werden für im Privatbesitz befindliche Pferde, die nicht um Geldpreise konkurrieren, Ehrenpreise gegeben. In den Abteilungen 2, 3 und 4 werden nur Pferde im Besitz von Händlern zugclassen. Ter Prämiicrungsplan, der die näheren Bedingungen enthält, wird von Wcinhändler August Schwan zu Gießen auf Mansch übersandt.

* Lehrerpersonalien. Bestätigt wurde der von dem Kreisrat des Kreises Offenbach, sowie dem kath. Pfarrer und dem Gemeinderat zu Jügesheim auf die 1. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Jügesheim präsentierte Lehrer Jak. Phil. Maleton zu Weiskirchen. In den Ruhestand ver- etzt wurde der Lehrer an der Gemeindeschule zu Neustadt i. O. Mart. Pullmann auf sein Nachsuchen unter Anerkennung einer mehr als 50jährigen treuen Dienste.

w Darmstadt, 1. März. Die Stadtverordneten­versammlung bewilligte mit 28 gegen 10 Stimmen die geforderten Mittel in der Höhe von 3 30 000 Mark für die Errichtung eines bleibenden Ausstellungsgebäudes nebst Aussichtsturm auf der Mathildenhöhe anläßlich der im Jahre 1907 unter dem Protektorat des Großherzogs stattfindenden hessischen Landesausstellung für freie und ange­wandte Kunst.

Mainz. 1. März. Gestern nachmittag erfolgte auf dem hiesigen Friedhöfe die Beerdigung des in Darmstadt bei einer Schlägerei zwischen Dragonern durch einen Säbelhieb getöteten Dragoners Masson, de§ Sohnes des Bureau­dieners Masson auf dem städtischen Bauamte. Eine Abteilung des Dragonerregiments Nr. 24 wohnte mit den Offizieren dem Leichenbegängnis bei. (Mainz. Tagebl.)

Mainz, 28. Febr. Der Hauptvoranschlag der städt. Verwaltung für das Rechnungsjahr 1906 schließt in Ein­nahmen und Ausgaben mit 9 917 567 Mk. ab. An Kom- muualumlagen sollen 2610 662 oder 56 426 Mk. mehr er­hoben werden wie im Vorjahr. Eine Erhöhung der feit» herigen Anschlagsziffer ist hierdurch nicht notwendig. Die Bürgermeisterei hat beschlossen, zur Förderung der tädtischeu Bodenpolitik vom 1. April ab einen städtischen ^rundstücksfonds zu errichten. Diesem Fonds sollen >ie bereits im Besitz der Stadt befindlichen Grundstücke im Werte von 4Vr Mill, überwiesen werden. (Frkf. Ztg.)

Alzey, 28. Febr. Die gestrigen Ausschreitungen haben das erste Opfer gefordert. Der Polsterer Kavser, der einen Schuß in die Lunge erhielt, ist an der Verletzung noch in der Nacht gestorben. Die Polizei hat 15 Ver­haftungen vorgenommen.

Worms, 28. Febr. Das Preisgericht für die Entwürfe zum Rosengarten beschloß, von einem 1. Preise abzusehen, dafür zwei gleichwertige 9(rbeifen mit je 250 Mk. zu prämiieren. Es sind dies die Pläne ^Turnier­platz" (Einsender zurzeit noch unbekannt) undBitte schön" 9lrchitekt Johannes Vollert-Dresden und Garteningenieur Max Stulpe-DreLden-Blasewitz). Weiter erhielt eine Prämie von 200 Mk. der EntwurfRosen und Minne der Taten Sold* (eingereicht durch die Herren Stadtgärtner F. Tuten- berg, Offenbach; Gartenarchitekt Fred Henkel, Darmstadt und

Architekt Kurt Hoppe, Darmstadt. Mit 175 Mk. wurde der PlanRosendom" ausgezeichnet (eingereicht von Architekt Georg Mehendorf, Bensheim und Rosenzüchter Peter Lambert, Trier. (Worms. Tgbl.)

Zwingen berg a. d. B., 28. Febr. In den frühen Morgenstunden des letzten Sonntags ist ein ca. 30 Meter langer Teil des Restes der Stadtmauer eingestürzt. Von Anwohnern wurde mitgeteilt, daß ein donnerähnlicher Krach in den Morgenstunden 311111 Sonntag sie aus dem Schlaf aufgeschreckt habe. Anscheinend ist der Einsturz nicht durch denZahn der Zeit" entstanden, sondern auch durch Abgrabungen bezw. Bearbeitung des Bodens beschleunigt worden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß weitere Einstürze eintreten. (B. B.)

Frankfurt a. M., 1. Marz. In der Papageigasse kam es gestern abend nach 11 Uhr zu einer schwcren Blirt- tat. Die 35jährige Näherin Ulitzsch auS Erfurt stand mit einem früheren Liebhaber auf der Straße. Plötzlich kam ihr gegenwärtiger Verehrer. Als er sie bei dem anderen stehen sah, geriet er über die vermeintliche Untreue derart in Zorn, daß er sein Dolchmesser zog und es dem Mädchen bis ans Heft in die Herzgegend stieß mit den Worten: Endlich habe ich erreicht, was ich schon längst wollte!" Dann lie" er davon. Die Ulitzsch konnte noch ins Haus gehen. Sie sagte nur:Ich bin gestochen!" Im Bürgerhospital wurde festgestellt, daß der Stich unter der linken sechsten Rippe in der Nähe der Herzspitze tief eingedrungen war. Nach An­gabe des Mädchens ist der Täter der 28jährige Braumeister Fritz Haas aus Siegen. Er war zuletzt in Offenbach tätig und ist zur Zeit stellenlos. Die Verwundete befindet sich den Umständen nach wohl, zurzeit besteht keine Lebensgefahr. (K. P.)

vermischtes.

* Ueher die Flucht eines sozialdemokratischen Verbandskassierers weiß dasB. T." folgendes zu melden: Große Aufregung verursacht unter den Mitgliedern der Berliner Verwaltungsstelle des Deutschen Metall- arbeiterv erbandeS die Defraudation und Flucht ihres Kassierers Alfred Klemt, der in Nixdorf wohnte. Klemt hatte als Bezirkskassierer die Verbandsbeiträge von den Vertrauensleuten der einzelnen Betriebe seines Bezirkes in Berlin einzukassieren und bis zum 10. jeden Monats an den Oberkassierer abzuliefern. Im Februar ist nun Klemt, der feinen Posten etwa zwei Jahre innehatte, mit den einge­zogenen Geldern im schätzungsweisen Betrage von 3000 bis 4 00 0 Mark nicht bei dem Oberkassierer erschienen. Wie festgestellt wurde, hat er sich mit dem Gelde aus feiner Wohnung in Rixdorf entfernt und ist seitdem verschwunden. Man nimmt an, daß er ins Ausland geflüchtet ist.

** Vom Hochwasser. Ter Main ist bei Frankfurt andauernd im Steigen begriffen. Weiteres Steigen ist nach den Meldungen vom Obermain zu erwarten. Aus näherer und fernerer Umgebung liegen weitere Nachrichten über das Steigen der Gewässer vor. Der Untermain ist bei Flörs­heim über die Ufer getreten. Sein Wasser bedeckt die an­liegenden Wiesen und Felder, auch die rechtsseitig befind­lichen Krippen zwischen Flörsheim und Hvchheim. Bei Hanau ist der Main um 30 Cm. gestiegen, die Kinzig fyat die Ortschaft Wirtheim wieder von der Station abgeschnitten. Bei Mannheim sind Rhein und Neckar weiter stark gestiegen. Ueber Süd-Hannover ging am 1. d. M. ein heftiger Schneesturm mit leichtem Gewitter nieder. Das Le in e tal ist größtenteils überschwemmt. Im Siegerlande sind die Sieg, Weitz und Alcke weit über ihre Ufer getreten; die tiefer gelegenen Dörfer sind überschwemmt. Das gleiche wird aus dem Ruhr-, bezirk sowie dem Wuppertal gemeldet.

* Springfield (Ohio), 1. März. Gegen Neger ge­richtete Tumulte, die am vorigen Dienstag dadurch hervor­gerufen wurden, daß ein weißer Eisenbahnange­stellter von Negern erschossen wurde, wiederholten sich gestern trotz der Anwesenheit von 8 Kompagnien Miliz. Verschiedene Negerhäuser wurden verbrannt und über ein Dutzend durch Steine und Gewehrkugeln demoliert. Ein Neger, dessen Haus mit Steinen beworfen wurde und der aus einem oberen Fenster einen Mann erschossen hatte, wurde verhaftet.

'Schlagfertig. In einer Provinzstadt am Rhein ereignete fick während einesDiners ein Intermezzo, das in der Gesellschaft noch lange besprochen wurde. Man hatte die Tischordnung so getroffen, daß ein Pärchen nebeneinander saß, von den: man dies­mal aber bestimmt erwartete, es werde sichaussprechen" und einig werden". Man schien sich getäuscht zu haben, denn die junge Dame behandelte den eleganten und beliebten Leutnant äußerst schnippisch. Da wurde ihr der Hecht gereicht, bei dem die rheinische Sitte verlangt, daß man beim Nehmen der Hechtleber ein Berschen mache, aber ohne ein Plagiat zu verüben. Die Dame ist nicht verlegen und sagt laut und deutlich, indem sie ihren Tischherrn anschaut:Die Leber ist vom Hecht und nicht von einem Schwein wer um mich freien will, muß mehr als LeuMant sein!" Ein beklemmendes Schweigen entstand. Aber es ivar noch nicht aller Tage Abend gekommen. Dem Leutnant wird der Hecht gereicht, und er sagt:Die Leber ist vom Hecht und nicht von einem Pfau, ein flotter, schneid'ger Leutnant nimmt keine Gans zur Frau V* Ein Händeklatschen und . Bravorufen belohnte den schlagfertigen Offizier.

* Schwiegermutter (der der Schwiegersohn sein Leid geklagt hat): Warum stelltest du denn meiner Tochter das nicht in Güte vor ?* -Schwiegersohn: Weil sie mich gar nicht anhörte, sie schrie mir gleich zu, ich möchte zum Teufel gehen. Schwiegermutter: Hm und was tatest du alsdann? Schwiegersohn: Ich ich kam zu dir liebe Schwiegermama!

' Zu Cincinnati lebt ein alter Farmer, der ist so taub, daß er, als kürzlich während eines Gewitters der Blitz in sein Haus schlug, bei dem nachfolgenden Krach des Donners mit freundlicher MieneHerein' rief, da er glaubte, es habe geklopft.

Kleine Tageschronik. Durch den Absturz einer gnjfcii i5clÄvcmd auf der Lokalbahn St. Pölten-Mariazell (Oefterr.) wurden vier Bahnarbeiter getötet, 13 vev- Wahrend orkanartigen Sturmes in der letzten Nacht r:ß die Ankerkette des Mischen Haugesund und Bergen (Norwegen) legenden DampfesThor". Der Dampfer strandete und sank. Ungefähr 30 Personen sind ertrunken und nur drei gerettet. Bei Grvßenbaum (Rhld.) wurde der 60jährige Rvttensuhrer Breithoff von einem Zuge üb erfahren. Die Untersuchung der Leiche ergab, daß Breithoff einen großen Geldbetrag bei sich hatte, des gesamten Geldes beraubt und danach augensck>eiulich auf das Balmaeleise aesi^levnt worden ist.

Aunft nnS rvjssenschcrft.

r .Abgevrdneten hause zu Berlin wurde am

1. d M. eine von den Abgg. von Scheuckendorff und Professor Berndt veranstaltete Zeichen- und Handfertigkeits- Ausstellung eröffnet. Kultusminister Studt, Ministcrial-Di- rekwr Schwärtzkops, sowie zahlreiche Abgeordnete nahmen unter Anerkemrung einen Einblick in die Ausstellung.