Ausgabe 
22.6.1906 Erstes Blatt
 
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ZkrSfieu! organisiert. Und sei unmöglich', irgend jemanden gegen diese, gewissermaßen von der Regierung ausgehenden Vorgänge zu schützen. Redner fuhrt zahl­reiche Beispiele an und schließt: Die Duma müsse ihren Herrscher verteidigen und für das Wohl Rußlands imrTcn und gegen die Leute kämpfen, die die Erziehung eines Polizeibeamten erhalten hätten und deren politisch^ Glaubensbekenntnis auf Metzeleien hinauslaufe.

Vinavere, Roditschew und Nabokow halten darauf heftige Reden. Roditschew sagt u. a.: Der Bankerott des Staa­tes iverde eintreten, bevor das Volk beginnen werde, fern Blut zu vergießen. Mle diese Reden veranlassen lärmende Ruse: Nieder mit der Regierung! ,

Nach diesen Reden ergreift unter fortwährenden Rufen: Ent­lassung nehmen!, nochmals der Minister des Innern das Wort und sagt: Ich werde mich durch Ihr Lärmen nickt irre machen lassen. Ich habe ein gutes Gewissen. (Anhaltender Lärm.) Die Minister verlassen unter den Zurufen: Mörder! Mörder! den Saal.

Aus der österreichischen Delegation.

Wien, 21. Juni.

Der Delegierte Dobernig drückt seine Freude aus über den Besuch des deutschen Kaisers in Wien, der eine Bekräftigung des deutschen Bündnisses bedeute. Redner gckt den guten Willen der italienischen Regierung zu, das Bündnis mit Oesterreich-Ungarn streng zu halten, weist jedoch dar­auf hin, daß die Volksstimnrungen stärker sind als der, Wille leitender Staatsmänner. Für den Verfall der Gemeinsamkeit der Monarchie seien diejenigen verantwortlich, welche den Mon­archen über die Volksstimmung, immer täuschten.Wir sind nicht gegen die Trennung", schließt der Redner,Ungarn möge jedoch die selbständige Armee aus eigenen Mitteln bezahlen!''

Bianchini wendet sich gegen die Worte des Ministers über den Dreibund, der den Völkern Oesterreichs die s ch w e r st e n Opfer auferlege. Deutschland mache durch die Dreibundpolitik der Völker die östreichische Monarchie zu Pionieren seiner imperia­listischen Pläne. Die Ungarn hätten eingesehen,, wohin die pan­germanischen Strömungen führen, denen die östreichische Politik Borsckub leiste, und so sei es zur großen Versöhnungsaktion zwischen Ungarn und Kroaten gekommen. Italien stehe über­dies dem franz.-englischen Bündnis näher als dem Dreibund.

Tvllinger zollt der Leitung der auswärtigen Politik für die Aufrechterhaltung des Friedens Anerkennung. Wenn auch Redner die großen Vorteile des Dreibundes für die Erhaltung des Friedens anerkenne, so könne er doch nicht umhin, darauf auf­merksam zu machen, daß Deutschland beim Abschluß der Zoll- und Handelsverträge mit Oesterreich und den Balkanstaaten sich Oesterreich gegenüber nicht als Freund bewährt habe. Auch die Situation Italiens in Albanien, sowie die Unterstützung Monte­negros durck Italien zeuge nicht von besonderer Bundestreue.

Clo fak betont, die tschechische Bevölkerung begreife nicht, daß Preußen der aufrichtigste Freund Oesterreichs sein soll, ebenso begreife sie nicht, wie der Minister so begeistert von den freund­schaftlichen Beziehungen zu Italien sprechen könne. _ Redner spricht von einer Expansionspolitik Deutschlands, die Oesterreich-Ungarn wirtschaftlich auf der Balkanhalbinsel verdrängen wolle, tritt für ein Uebereinkommen mit Rußland ein und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß es der Duma gelingen werde, eine Besserung in den inneren russischen Verhältnissen herbeizuführen. Zum Schlüsse beantragt er eine Resolution, in der die gemeinsame Regierung ersucht wird, die zur nächsten Haager Friedenskonferenz zu ent­sendenden Vertreter mit der Stellung von strikten, auf allmähliche Abrüstung hinzielenden Anträgen zu beauftragen.

Romanezuc betont, er habe als Ruthene vom nationalen Standpunkte gegen den Dreibund nicksts einzuwenden. Auch «in freundschaftliches Verhältnis zu Rußland könne er nur be­grüßen.

Der Drehfus-Prozetz.

Paris, 21. Juni.

Im Gegensatz zu der Auiregung, die vor acht Jahren bei den Verhandlungen des Dreyius-Prozesses herrschte, ist bei der geqen- ivärtigen Nevistons-Verhandlung von einer Aufregung nichts zu merken. Zwar füllen einige Dutzend Neugierige den Verhaudlungs' ort, doch merkt nmn in der Umgebung des Justizpalastes nichts von Absperrungen oder sonstigen Maßnahmen.

Der Berichterstatter weist darauf hin, daß die aus hervor­ragenden Gelehrten zusammengesetzte Kommission die Rekonstruktion des Bordereaus, desteu sich Bertillon einzig und allein bediente, für falsch und die Systeme der anderen Sachverständigen als jeden wissenschaftlichen Wertes bar erklärt habe. Daraus folgere er, daß die graphologische Prüfung des Borderaus der Revision kein Hinder­nis entgegensetze, vielmehr spreche die Prüfung dieses Schrislstückes zu Drey fus Gunst en. Der Berichterstatter meist nach, daß die Aussage des früheren österr. Offiziers Eernusky «in falsches Zeugnis oder das eines Irrsinnigen gewesen fei. Ebensowenig wie die Aussage Cernuskys würden auch die von jenseits der Grenzen gefommeiien Gegenaussagen für die Re­vision ein Hindernis bilden. Der Berichterstater verweist auf den Brie? Torniellis, in welchem dieser formell bestätigt, daß Dreyius Beziehungen zu Italien gehabt habe; ferner auf die amtlichen Ab­leugnungen der italienischen Regierung, auf die Ableugnungen des Attachees 9L und des deutschen Botschafters Grasen Münster und auf die Erklärungen des deutschen Reichskanzlers in der Reic^stags- sihung vom 24. Januar 1898.

Der Berichterstatter fährt fort, er frage sich, ob das Schriftstück mit der angeblichen Unterschrift des deutschen Kaisers, das offenbar eine Fälschung sei, nicht heimlich dem Gerichtshof in Rennes vorgelegt worden sei, und sagt dann, er zögere nicht, zu erklären, daß er nirgends einen materiellen Beweis für die Schuld Dreyfus' geiiinden habe, der beim Fehlen jedes, auch nur wahr- fcheinlichen Beweggrundes nötig gewesen wäre, um die Anklage zu rechtfertigen. AllLs im Gegenteil weise auf Esterhazy als den Schuldigen hin und habe auf diesen schon z. Zt. des Pro­zesses von Rennes hiiigewiesen. Der Berichterstatter komnit zu dem Schlüsse, daß nichts sich der Prüfung des Revisionsantrages entgegenstelle, unb stellt fest, daß drei neue Tatsachen, nament­lich Ersetzung des Buchstaben P. durch den Buchstaberi D. auf einem Schriftstück, Fälschung eines auf die Eisenbahnen bezüglichen Schriftstückes unb Auffindung eines Konzepts einer aus die schwere Artillerie bezüglichen Schrift, die Zulässigkeit des Revisionsantrages begrürrden. Der Berichterstatter stellt ferner fest, daß das Kriegs­gericht liichts getan habe, um die Echtheit der ihm unter­breiteten Schriftstücke, von denen mehrere gefälscht waren, zrl prüfen und daß das Kriegsgericht nicht mit der nötigen Ruhe -und Unparteilichkeit vorgegangen sei.

Deutsche Journalisten in London.

London, 21. Juni.

Die deutschen Pressevertreter besichtigten die Westminster- gbtei und besuchten sodann die Häuser des Parlaments und andere Sehenswürdigkeiten. Sodann nahmen sie in Gesell­schaft des Präsidenten des Handelsamtes, Lloyd George, des Unterstaatssekretärs Winston Churchill und mehrerer Unter­hausmitglieder das Frühstück ein. Die Redakteure waren so­dann bei dem Kriegsm in ister Ha l d a n e zumTee. Der Kriegsminister hieß in deutscher Sprache die Gäste will­kommen. An dem Tee nahmen eine große Anzahl Damen teil, darunter die Damen der Minister Harcourth und Gladstone. Heute nachmittag wurden die Redakteur von dem deutschen Botschafter empfangen.

Das heutige Bankett, das offiziell der Höhepunkt der Journalistcnreise ist, verlief ausgezeichnet. Hervorragend war die Rede Prof. Waldsteins, der dem deutschen Idealismus großes Lob gab. Sein Ausspruch, daß Ideen mehr wirken dls die unmittelbaren Fragen, traf die Wahr­heit und kennzeichnet die Situation. Waldstein, Prrofessor

in Cambridge, sprach deutsch. Der Lord-Kanzler Avebury brachte einen Trinkspruch aus, in dem er auf die engen literarischen Beziehungen zwischen England und Deutschland hinwies, und erklärte, England beklage die Preßkampagne zwischen den beiden Ländern, die keinen Grund zum Konflikt, dagegen große gemeinsame Jnteresien hätten. Dr. Barth erwiderte darauf mit einer Ansprache, in der er auf die Haager Konferenz und die Debatten über die Abrüstungs- frage hinwies und ausrief: Lassen Sie uns mit der Abrüstung der Presie den Anfang machen.

*

DerVorwärts- veröffentlicht eine sehr lange Richtig­stellung des früheren sozialdemokratischen Reichstagsabg. Dr. Heinrich Braun zu der (gestrigen) Notiz über die Englandreise seiner Frau Lilli Braun, worin es u. A. heißt:

Ein Journalist, der die Ehre hat, in einem Parteiorgan zu schreiben, hat die Pflicht, die Genossen redlich zu unterrichten, und ich protestiere als Parteigenosse gegen die irreführende und lügne­rische Darstellung desVorwärts", der sich in diesem Falle die Polemik-Sitte der Liman und Kronsbein zum Muster genommen hat. Indessen will ich den Genannten nicht Unrecht tun: So er­bärmlich die Art ihres journalistischen Kampfes ist, so ist es doch noch unter dem Niveau der Liman und Kronsbein, was Sie in Ihrem Angriff gegen meine Frau und mich leisten.

In feiner Erwiderung sagt derVorwärts-:

Was die Vorurteilslosigkeit und keusche AbsichtSlosigkeit der ganzen Veranstaltung betrifft, so beneiden wir den Parteigenossen Braun nicht um das weite Herz, mit bem er sich in schönen billigen Worten die Sache zurechtlegt. Es lohnt sich nicht, mit ihm darüber zu streiten. Braun gibt zu, worauf es schließlich allein nnfommt, daß seine Frau die Verorüderungs- und Picknickspartis mit den berüchtigten Lima n und Kronsbein und Konsorten mitmacht, gern mitmacht, mit Leuten, die wir wiederholen es zu den verbrecherischsten Scharfmachern und Verleum­dern der Partei gehören.

Aus IStaOt utto stauo.

Gießen, den 22. Juni.

** Willkommen in Gießen! Die Sektion Kalk des deutschen V«reins für Ton-, Zement- und Kalk- industrie veranstaltete ihren diesjährigen Sommerausflug im Laufe dieser Woche an die Lahn mit Gießen als End- punkt. Am Mittwoch sammelten sich die über 100 Teil­nehmer, unter denen sich die Vertreter der bedeutendsten rheinischen Firmen der einschlägigen Industrien befinden, in Limburg, am Donnerstag wurde Steeten, Dehrn, Dietkirchen und Staffel besucht, worauf die Rückkehr nach Limburg cr- 'olgte. Ueberall wurden neben landschaftlich sehenswerten Punkten unter fachverständiger Führung bedeutende Werke der Steinindustrie besucht. Am heutigen Freitag erstreckte sich der Ausflug über Hahnstätten und Zollhaus nach Schanm- burg. Am Abend findet in Diez ein Bierabend statt. In Gießen werden die Gäste Samstag vormittag 9.44 Uhr eintreffen und unter Führung des Herrn 2(ug. Gabriel zunächst mit der Biebertalbahn nach Station Abendstern fahren, wo die interessante Ziegelanlage und das Kalkwerk der Firma Gabriel besichtigt wird. Rach der Rückkehr in die Stadt wird im HotelGroßherzog von Hessen" das Mittagessen eingenommen. Für den Nachmittag ist u. a. ein Besuch der Burg Gleiberg vorgesehen. Wir wünschen den Gästen, die teilweise auL weiter Ferne in unsere Stadt kommen (die Teil­nehmerliste verzeichnet Herren on§ Albshausen, Arfurt bei Vilmar, Berlin, Bielstein, Bingerbrück, Blickweiler, Breden- brück, Breslau, Brilon, Bruchsal, Brünn, Butzbach, Christians- Hütte, Coblenz, Dehrn, Diez, Dornap, Dortmund, Elberfeld, Elbingerode, Förderstedt, Freiendiez, Gießen, Gnadensrei, Gogolin, Hanau, Hannover, Heidelberg, Herne, Kalkberge- Mark, Köln, Kopenhagen, Lengerich, Liegnitz, Limburg, Magdeburg, Messinghausen, Nemvied, Nieder-Kaufung au der Katzb., Nieder-Ludwigsdorf, Oppeln, Osterwald, St. Ingbert, Staffel, Stolberg, Stromberg, Weilburg, Wellen, Wetzlar, Weyer, Wiesbaden, Wolfsheitu i. d. Pf. und Zollhaus auf), daß es ihnen in unserer Stadt gefallen möge und sie einen recht angenehmen Eindruck von hier und dem lange noch nicht genug gewürdigten Lahntal mit sich nach Hause nehmen.

* Personalien. Der Referendar Ludw. Wa ld eck e r aus Darmstadt wurde zum Regierungsassessor ernannt. In den Ruhestand versetzt wurde der Bahnwärter in der Hessisch- Preußischen Eisenbahngemeinschaft Balth. Rockel zu Gießen.

* Erledigt sind die Stellen der Forstwarte der Forstwarteien Treis (Oberförsterei Treis an der Lumda) und Storndorf (Oberförsterei Storndorf), sowie eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrer stelle an der Gemeinde­schule zu Gau-Algesheim.

* * DieFeier desJahresfestes der Universität findet am Samstag, den 3 0. Juni d§. Js., vormittags 11 1/4 Uhr pünktlich, in der großen Aula mit folgendem Programm statt: 1. Festmarsch von C. Krauße. 2. Hymne Preis Dir Gottheit- ausThamos, König in Aegypten" von W. A. Mozart. 3. Festrede des Rektors. 4.Gottheit über Alle mächtig" aus Thamos, König in Aegypten", von W. A. Mozart. 5. Der Rheinströmer. Armee-Marsch.

** Unsere Landesuniversität wird nach dem soeben erschienenenPersonalbestand" im Sommer­halbjahr 1906 von 1118 Studierenden, 6 Hospitantinnen, 46 Hörern Und 18 Hörerinnen besucht, sodaß die 'Gesamt­zahl der Besucher 1188 beträgt. Von den Studierenden gehören der theologischen Fakultät 73, der juristischen 175, der medizinischen 280 und der philosophischen 590 an. Aus Hessen stammen 746 Studierende, aus anderen deutschen Staaten 302, aus anderen europäischen Staaten 66 und aus außereuropäischen Staaten 4. Die Theologen sind fast ausschließlich Hessen. 'Auch in der juristischen und philo­sophischen Fakultät ist die weitaus größte Altzahl aus Hessen, dagegen stammt der größte Teil der Mediziner aus Preußen. Von den 48 hier studierenden Russen gehören 30 der philosophischen, 16 der medizinischen und 2 der juri­stischen Fakultät an. Auf die einzelnen Fächer entfallen: Theologie 73 (68 Hessen), Rechtswissenschaft 175 (141), Me­dizin 149 (57), Tierheilkunde 114 (26), Zahnheilkunde 17 (11), Philosophie 23 (6), Pädagogik 7 (7), Mathematik 119 (96), Naturwissenschaften 61 (54), Chemie 68 (22), Phar-

lagen über die Abänderung des FeldbereinigungS» ge setz es und des Berggesetzes, sowie die Vorlagen, betr. Bad-Salzhausen, 'Auflösung des Hofgutes Mer­lau und Gruppenwasservcrsorgung Bad-Nau­heim. Der Landesrechnerverband, dem über 1000 Kckssenbeamte dort Gemeinden-, Kirchen- und anderen öff. Kassen Hessens angehören, richteten an die 2. Kammer eine Vorstellung, in der er erneut umeine längst not­wendig gewordene Regelung der Gehaltsverhält­nisse dieser Beamten, sowie um Pensious-, Witwen- und Waisenversorgung" petitioniert. Die Wit­wen der vor 1900 pensionierten Volksschul­lehrer bitten in einer Vorstellung, die Kammer wolle ihren Witwengehalt wenigstens mit dem der Witwen der Lehrer, die nach 1900 in den Ruhestand getreten sind, gleich- steilen, also titif 600 Mk. festsetzen. (Zurzeit beziehen diese Witwen 500 Mk.)

** Lahntalsängerfest. Unter dem Vorsitz des Fest- präsidenten, Stadtv. Eichenauer, sand am Donnerstag abend eine Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses int Restaurant Kalbfleisch statt. Aus den von den Einzelaus­schüssen erstatteten Berichten war zu ersehen, daß die Vor­bereitungen zu dem Fest im besten Gange sind und aller Voraussicht nach ein schöner Verlauf der Veranstaltung, die ihrer ganzen Anlage nach ein echtes Volksfest werden wird, zu erwarten ist. Mit besonderer Freude wurde die Mitteilung ausgenommen, daß sämtliche 16 Bundesvereine (sie verteilen sich auf Butzbach, Dillenburg, Gießen, Gladenbach, Grün- berg, Hungen, Kirchhain, Lich, Londorf, Marburg, Weilburg und Wetzlar) das Fest besuchen und (bis auf einen) sich am Wettsingen beteiligen iverden. Schon mit Rücksicht auf die auswärtigen Festgäste darf erwartet werden, daß die Gießener Bürgerschaft regen Anteil an den Veranstaltungen nimmt. Recht interessant ist zurzeit eine Besichtigung der Festbauten. Gegenwärtig wird an der Errichtung der großen Festhalle gearbeitet, die nach dem mit dem Unternehmer abgeschlossenen Vertrag bis zum 1. Juli fertiggestellt sein muß.

** Zusammenlegung eines Bauplatzes. Herr A. Fröhlich, dem das Haus Tiefenweg 4 gehört, erwarb von der Stadt das daneben liegende Gelände an der Ecke der Bahnhofstraße, 75 Quadratmeter, zllm Preise von 15135Mk., Hierdurch wird es möglich, an jener Stelle ein Eckhaus zu errichten.

"In der Sache Carl 6 ist von dem Verurteilten Revision gegen das ergangene Urteil angemeldet worden, worauf ihm eine Abschrift des ergangenen Erkenntnisses zu- gestellt wurde. Von dem Tage der Zustellung an hat Carle 8 Tage Zeit, die Revision zu begründen, worauf die Akten dem Reichsgericht in Leipzig zugehen. Geht die Begründung innerhalb dieser Zeit beim Landgericht nicht ein, so wird daS ergangene Urteil rechtskräftig.

** Die Errichtung eines neuen Gewerbe- Schulgebäudes, die schon seit längerer Zeit beabsichtigt wird, beschäftigte am Donnerstag abend den hierfür gebildeten Bauallsschuß des Gewerbevereins. Es ist nach den in dieser Sitzung gefaßten Beschlüssen zu erwarten, daß in aller Kürze mit dem Ban begonnen iverden kann. Das neue Gebäude kommt auf die früher Webersche Besitzung in der Wetzstein­straße (zunächst der Nord-2lnlage) zu stehen.

** Eisenbahn Projekt Mücke -Ulrichstein-Rixfeld. Die 2lbgg. Schmalbach und Brauer haben in der zweiten hessischen Kammer beantragt, die Kammer wolle die Großh. Regierung ersuchen, den Landständen eine Gesetzesvorlage über die Erbauung einer Bahn von Mücke nach Ulrich­stein mit der Möglichkeit der Fortführung nach Rix­feld demnächst vorzulegen.

Die Fi schverg istungen in Frankfurt a. M., von denen wir berichteten, sind, wie die Untersuchung der Mahlzeiten durch das Seruminstitut ergeben hat, mit Bestimmtheit auf den Genuß des Seehechts zurückzu­führen. Der vorliegende Fall soll von besonderem wissen­schaftlichen Interesse sein, weil er mit großer Sicherheit und Klarheit erkennen lasse, daß die gefährlichen Bazillen in dem Fischfleische vorhanden waren, vielleicht schon im Meere. Die Zubereitung und der Zustand des Fisch­gerichts haben mit den Vergiftungen nichts zu tun. Die Untersuchungen werden übrigens noch fortgesetzt.

* Die Darmstädter Schutzmannsschule hielt vom 23. 9IprtI bis 21. Juni wieder einen Kursus ab, art dem 11 Schutzleute, 6 aus Darmstadt, 4 aus Mainz und 1 von Gießen teilnahmen. Unterricht erteilten: Staats­und Verwaltungsrecht Negierungsrat Dr. Kratz aus Darmstadt, Gerichtsverfassung, Strafrecht Polizeirat Dr. Obstfclder aus Mainz, Ordnungs- und Sicherheitspolizei Polizeiamtmann Emmerling, Sozialgesetzgebung Ministerial- sekretär Pistor, Gewerbepolizci 2c. Regierungsassessor Heß, Strafprozeßordnung 2C. Polizeiassessor Kräm er, allge­meine Dienstvorschriften Polizeiinspektor Bischof aus Worms, Rettungsdienst Oberleutnant a. D. Lotheißen, Schönschreiben Zeichner Simon aus Darmstadt, Turnen Turnwart Hofferberth. Gestern fand die Prüfung statt, die 10 Schutzleute bestanden. Einer konnte wegen Krank­heit nicht teilnehmen. Der Prüfung wohnten Vertreter der Regierung, sowie der Polizeivermaltungen in Alzey und Gießen bei.

(X) Lollar, 21. Juni. Gesangssteunde wird es gewiß interessieren, nunmehr die endgil-tige Einteilung der wett- itreitenben Vereine auf die drei zum Wettsingen vorgesehenen Säle zu erfahren. Es werden am Klassensingen teilnehmen: imSaalbau z u r Linde" Vereine aus Dieburg, Bischofs­heim, Walldorf, Krofdorf, Hungen, Kirch-Göns, Niedergirmes, Leihgestern, Großen-Buseck und Düdelsheim; im Saale der Germania" Vereine aus Londorf, Enkheim, Eckenheim, Fechenheim, Lang-Göns, Niederroden, Herborn, Großen-Linden und Jügesheim; im SaaleZur Traube" Vereine aus Ober-Wöllstadt, Großen-Linden, 2lrheilgen, Blitzenrod, Nieder- Eschbach, Oberroden und Kilianstädten. Das sich anschließende Ehrenklassen-Sin gen findet im SaalbauZur Linde" statt; sämtliche im Klassensingen preisgekrönten Vereine nehmen daran teil. Gegenüber früheren Wettstreiten ist diesmal die nähere Umgegend verhältnismäßig stark vertreten. Allein der Wetterau-Lahngau-Sängerbund" ist mit 8 Vereinen beim Wettsingen in Lollar beteiligt. Aber auch die Feme hat ihr ansehnliches Kontingent gestellt. Da die Mehrzahl aller wettstreitenden Vereine bereits auf früheren Wettstreiten Preise

mazie 22 (9), Forstwissenschaft 49 (44), Landwirtschaft 34 (22), Geschichte 12 (9;, klassische Philologie 67 (58) und neuere Philologie 128 (116). Es studierten mit Reifezeug­nis von Gymnasien 688, von Realgymnasien 196, von Ober­realschulen 83, mit Zeugnis für das Fach 126 und mit sonstigen Zeugnissen 25.

** Parlamentarisches aus Hessen. Die erste Kammer tritt Freitag, 29. Juni, zu ihrer 4. Sitzung zu­sammen. Mf der Tagesordnung stehen u. a. die Vor-

erhielten unb auch die übrigen Vereine fleißig geübt haben, darf man am nächsten Sonntag tüchtiger gesanglicher Leist-