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22.6.1906 Erstes Blatt
 
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aufrer TormtagS. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessische« Landwirt die Lietzener Zamilien- Härter viermal in der

Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen lInivers.-Buch-a.Slem- druckerei. 0t Lange. Redaktion, Ervedttim, und Druckerei:

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Redaktion 112 Verlag u.Exped.e^^bl Adresse für Depeschen:

Anzeiger Gießen.

Erstes Blatt

ISS. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Freitag 22. Juni 1906 ve»ug»pret»> monatlich 7b Pi., viertel-

iäbrlid) Mk. 2.20; durch Abbole- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Alk. 2. viertel- jatzrl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige« für die TaqeSnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokall2M* auswärts 20 Pfg.

Verantwortlich für den polit. und allgem. Teil: P. Wtttko- für .Stabt und üanb* und ,(Bend) 15|aal'; Ernst Heß; für den An­zeigenteil: £>an8 93ei

Ale Heutige Kummer mnsatzt 10 Seiten.

Aer Kaiser in AieL.

Kiel, 21. Ium.

Auf der Freitreppe der Akademie wurde die Bronce- büste des verstorbenen Admirals v. Stosch, die von Bild­hauer Fritz Kraus ausgeführt ist, enthüllt. Später fand in Gegenwart des Kaisers auf dem Linienschiffe .Preußen' die feierliche Uebergabe der von den Provinzen Ost- und West- preußen gestifteten neuen Toppflagge an den Kommandanten statt. Graf Eulenburg-Prassen hielt eine Ansprache, in der er das Gelöbnis im Flamen von Ost- und Westpreußen ablegte, daß sie dem Zeichen der gestifteten Flagge, dem Adler und dem Eisernen Kreuz, auf allen Wegen folgen wollten biB in den Tod.

Kommandant v. Bredow erwiderte: Die schwarz-weiße Flagge im Topp möge die Besatzung stets daran mahnen, daß sie sich ebenbürtig zu zeigen habe denen, die seit Jahr­hunderten ihr Gut und Blut unter diesen Farben dahin- gegeben hätten. Die Besatzung werde sich bemühen, sich der von ihrem Topp wehenden schwarz-weißen Farben würdig zu erweisen und mit ihnen zu siegen oder mit ihnen unterzugehen. Sie würde ihre Pflicht tun bis zum letzten Blutstropfen.

Nun wurde die Kaiserstandarte am großen Topp und die neue Flagge, welche den preußischen Adler im weißen Felde und das eiserne Kreuz in der oberen Ecke zeigt, am Vortopp gehißt. Der Kommandant brachte drei Hurras auf den Kaiser aus. Es folgte die Besichtigung des Kriegsschiffes durch den Kaiser.

Parlament und Publikum.

Der bayerische Minister des Innern hat sich, wie ttrir kurz rnitteitten, den großen Zorn seiner Kammer zugezogen, und es ist nicht ausgeschlossen, daß Gras Feilitzsch, der so viele Kämpfe überstanden hat, aus dem Mnte scheiden nruß, weil er einer Deputation von Apothekern ge­raten hat, nicht zum Parlament zu gehen, d. h. sich nicht zur Erreichung ihrer Forderungen hinter ein­zelne Abgeordnete zu stecken. Nun ist das freilich für die bayerische Ständekamm er keineswegs schmeichelhaft, wenn der Minister vor ihr warnt, und es laßt sich begreifen, daß die Abgeordneten ohüe Unterschied der Parteien dem Minister einen Strick zu drehen suchen. Betrachtet man die Angelegenheit aber unparteiisch, so wird man nicht zu dem Resultat gelangen können, daß der Minister gar so unrecht hatte.

Es ist in den letzten Jahren nicht nur in Bayern trnntcr mehr üblich geworden, sich zur Erreichung von So n d e r w ü n scheu hinter Abgeordnete zu stecken, die ihr Möglichstes taten, Sonderwünsche in der Stimmer durchzudrücken. Manche Abgeordnete machen sogar einen gewissen Sport daraus, Privat wünsche durchzu­bringen, tragt das doch bei gewissen Leuten zur Ver­mehrung des Renommees bei. Ein Zustand, der sich mit der Würde des Parlaments vereinbaren läßt, ist das nicht, und es ist auch durchaus nicht zu billigen, daß sich Pe­tenten an einzelne Abgeordnete wenden, statt zum ganzen Parlament oder zur Regierung zu gehen. Solche parlamen­tarische K r a f t in e i e r sind nicht Vertreter des Volkes und nicht ihrer Wählerschaft, sondern Anwälte einzelner Weniger, die bei einem Hintertürchen ihre Wunsche in die Kammer bringen.

Daß den Regierungen biejer Zustand keineswegs behagt, ist gewiß erklärlich. Es nicht unbekannt, daß mancher Abgeordnete Wünsche seiner persönlichen Fretrnde, und mögen sie noch so dumm sein, mit wildeut Feuereifer ver­teidigt. Das ist zwar wenig erfreulich, aber die Menschheit zieht ihren Vorteil, wo sie ihn ziehen kann. Zudem hat sich das leider derart eingebürgert, daß es unmöglich ganz ausgerottet werden kann. In Frankreich haben sich diese Verhältnisse noch iveit unangenehmer entNnckelt. Dagegen ist nicht aufzukommen.

Mer menn man einen Minister zum Hause hinausjagen will, weil er mit Freimut die Wahrheit gesagt hat, so muß die Sache beim rechten Namen genannt werden.Gehen Sie nicht zu Abgeordneten'." der Stoß ich berechtigt. Graf Feilitzsch, der seit langen Jahren in Bayern Minister des Innern ist, hat die Verhältnisse sich entwickeln sehen, und bei feiner Anpassungsfähigkeit an die parteipolitischen Verschiebungen hat es das Parlament von Grund aus kennen gelernt. Daraus mag die Mißachtung stammen, die er vor jenen Kraftmeiern hat, die gar nicht genug Spezialforder- ungen auf ihren breiten Rücken laden können und mit dem Brustton der Ueberzeugung dort eine Kleinbahn und da ein anderes Benefiz verlangen, obwohl nicht der mindeste .Anlaß vorliegt, diese Wünsche vom Standpunkt der All- oerneiuhe'it aus zu vertreten.

Es liegt in der Tatsache, daß es solche Leute gtebt und daß diese Leute sogar großen Einfluß haben und oft erreichen was sie wollen, ein Beweis für den Nieder­gang des varlameutarischen Gedankens. Jetzt pt der Fall aufgerollt wollte mancher Volks­vertreter, gleichviel^ ob er im Reichstag oder in einem Einzellandt'ag sitzt, bei dieser Gelegenheit eine kleine Ge- wissenserforfchung vornehmen vielleicht käme er zu der Ueberzeugung, daß der bayr. Minister des Innern in seinem Mißtrauen gegen die Kraftmeier unter den Ab­geordneten recht hatte. Wie oft nur wird in den Kam­mern die beste Zeit mit der Vertretung von Kirchturms- rvünschen vertrödelt! Wir erwarten nicht, daß es nach den Aeußerungen des Grafen Frellitzsch wesentlich besser

werden wird, aber wir meinen ganz ohne Einfluß sollten diese Worte nicht bleiben. Sie enthalten eine schmerzliche, aber auch eine wesentlich heisame Lehre.

Deutsche» Reich.

Berlin, 21. Juni. Eine Korrespondenz bezeichnet als Termin einer Zusammenkunft des Kaisers mit dem Zaren, die der letztere gewünscht habe, ohne daß eL bereits feststehe, ob sie wegen der russischen Zustände in der Tat werde stattsinden können, den Anfang August, als Ort die deutschen Gewässer etwa in der Nähe der kurischen Nehrung.

Die klerikale .Allensteiner Volksztg." meldet ein neues Mittel, das eine NittergutSbesitzerin zur Beseitigung der Leutenot erfunden hat. Sie teilt als nachahmenswert mit, daß Frau Major v. Schulzen-Gradtken bei Allen st ein mit den Arbeitern ihreSGuteS ZirkuS, Theater und sonstige Sehenswürdigkeiten der Stadt besucht. Daß die Dame sucht, durch solche Aus­flüge in das furchtbare geistige öde Einerlei der ländlichen Arbeiter etwas Abwechselung zu bringen, nennt selbst der .Vorwärts* anerkennenswert.

Hamburg, 20. Juni. Die Bürgerschaft genehmigte ein Gesetz betr. die Gewinnung von Kalisalzen. Das Gesetz bestimmt, daß Steinsalze und mit ihm in denselben Lageslätten oorkommende sonstige Salze vom Verfügungsrecht des Grundeigentümers ausgefchloffen sind und daß das Recht zur Gewinnung dieser Salze dein Staate vorbehalten bleibt. Veranlaffung zu diesem Gesetze gaben vertragliche Ab­machungen auf Gewinnung von Kalisalzen, welche Berg- werksgescllschasten mit einer Anzahl von Grundeigentümern im Amte Ritzebüttel abgeschloffen hatten. Die abgeschloffenen Verträge und die geleisteten Zahlungen müssen nun auf Grund deS Gesetzes rückgängig gemacht werden.

Lübeck, 21. Juni. Der Senat hat die offizielle Mit­teilung erhalten, daß das englische Kanalgeschwader auf seiner UebungSfahrt in der Ostsee mitte August mehrere Tage in der Lübecker Bucht vor Travemünde sich aufhalten wird. Die Zahl der Schiffe der einschließlich Trans­portschiffe wird etwa 100 betragen.

Aachen, 21. Juni. Die- Verhandlungen deS Ver­bandes deutscher BerufSse uerwehren wurde heute Mittag eröffnet. Branddirektor Reichel-Berlin hielt Vortrag über die Erfahrungen mit Dampfautomobilen tm Dienste der Feuerwehr. Die Versammlung nahm hierzu einen Antrag an auf Einsetzung einer Zentralstelle, welche die bet den einzelnen Wehren mit dem Automobilbetrieb ge­machten Erfahrungen sammeln und verwerten soll. Dr. Redde- mann-Posen sprach über das Automobilgesetz und die Feuer- wehrautomobile. Dazu nahm die Versammlung einen Antrag an, der für dringend notwendig erklärt, daß die Feuerwehr- automobile von der erhöhten Haftflicht des neuen Automobil- gesetzes ausgenommen werden, weil für Unfälle, die durch die Kraftfahrzeuge der Feuerwehr verursacht werden, der jetzige Rechtsstand vollkommen genüge, um die Interessen des Publi- kums zu wahren, und weil ferner eine zu starke Belastung der Gemeinden eintreten könne. Der Verbandstag beauf­tragte den Vorstand, möglichst bald eine diesbezügliche Ein­gabe mit eingehender Begründung an den Reichstag zu richten.

Dresden, 21. Juni. Ein hiesiger Duellfall hat dem König Friedrich August Veranlaffung gegeben, sich über den Zweikampf zu äußern, und er hat seiner Mißbilligung des Duells in unzweideutigster Weise Ausdruck verliehen. In einem Kreise von Offizieren, brachte dec Monarch auS eigenster Initiative das Gespräch auf das Duell, veranlaßt durch die in jüngster Zeit bei den Dresdener Gerichten er­folgten mehrfachen Verurteilungen von Duellanten. Der König hat, indem er betonte, daß auch fein Vater, König Georg, ein Gegner des Duells gewesen sei, die Erklärung abgegeben, daß er seinem Vater auf diesen Spuren folgen werde.

Stuttgart, 21. Juni. Wirkt. Legationsrat Mofer von Fils eck wurde zum Geh. Legationsrat und Gesandten in München, Karlsruhe und Darmstadt ernannt.________

Die Kärung in Rußland.

Wie verlautet, fpit sich der Zar in der letzten Kon­ferenz in ^terhof gegen die Vertagung bet Duma und gegen eine Militärdiktatur ausgesprochen. Er habe die Vorschläge der Hofpartei, die Duma aufzulösen und die Militärdiktatur einzuführen, entschieden abgelehnt und den nachdrücklichen Wunsch geäußert, daß die Duma ihre Arbeiten fortsetzen möge.

Infolge der Bjelostoker Judenmetzeleien haben die revo­lutionären Parteien des Sosnowicer G-renzbezirkes eine Proklamation erlassen, wonach alle mit dem Tode be­droht werden, die den geringsten Verdacht erwecken, Iudenmetzeleien zu unterstützen. Verteiler solcher Proklamationen wurden am Sosncwieer Bahnhof von Ko­saken verhaftet.

Das deutsche Bureau der 'Alliance israelite universelle hat im Auftrage des Pariser Zentralkomitees 20 000 Mark an das Hilfskomitee nach Vjelostor abgeschickt.

DieTimes" veröffentlicht ein verspätet eingetroffenes Telegramm aus Bjelostok. Es heißt darin u. a.: In einem Hause wurden verbrannte Leichen von Juden ge­funden. Die jüdischen Geschäfte sind zum Zeichen der Trauer geschlossen. Ein Offizier erschoß auf offener Straße

eine junge Jüdin. Er wurde festgenommen, aber bald darauf wieder freigelassen uno prommiert nun unablässig durch die Straßen der Stadt. Die Untersuchung über die Metzeleien hat ergeben, daß sie von langer Hand vorbereitet waren.

DieTimes" melden weiter aus Petersburg, daß sich am 20. in Bjelostok neue Ausschreitungen gegen Juden ereigneten. Die wütende Volksmenge drang wieder in zahl­reiche Häuser ein und schlug alles kurz und klein. Auch zahl­reiche Menschenleben sollen der schwarzen Bande zum Opfer gefallen sein. In einem Hause wurde eine Jüdin furcht­bar verstümmelt.

Unter der jüdischen Bevölkerung von R j ä s a n herrscht eine furchtbare Panik, da jeden Augenblick blutige Aus­schreitungen gegen Juden erwartet lverden. In der Stadt wurden Ausrufe verteilt, in denen zur Vernichtung der Juden aufgefordert rvird. Mehrere Zeitungen wurden be­schlagnahmt, weil sie meldeten, daß taufende jüdischer Fa­milien nach der deutschen sowie der österreichischen Grenze geflüchtet seien.

Professor Szczcpin in Petersburg erhielt die Nachricht, daß der Oberst des Kasanschen Regiments an seine Leute eine Ansprache gerichtet hat, worin er hervorhob, daß die Juden jeden Soldaten ermorden wollten. Es stehe jedem Soldaten frei, mit einem Juden zu machen, was er wolle. Dieses sei der Wunsch der Obrigkeit.

In Saratow nimmt die Streikbewegung zu. Die Zimmerleute, Steinmetzen, Bauarbeiter, Maler und Stuk­kateure sind in den Aus stand getreten und haben die Ar­beitswilligen gewaltsam gezwungen, sich ihnen an^u- schließen. Ebenso dauert der Bäckerstreik sort. Weiter wird gemeldet, daß in der Umgegend von Sinfsropol Ver­sammlungen stattsinden, an denen zahlreiche Arbeiter, Stu­denten, Realschüler und viele Soldaten besonders regen Anteil nehmen. Die Versammelten fordern Amnestie, Land und Freiheit.

Der baltische Generalgouverneur hat auch das letzte, noch schwebende Todesurteil nicht bestätigt, son­dern den wegen des Ueversalls auf eine Militärpatrouille in Riga verurteilten Antonowitsch zu löjähriger Zwangs­arbeit begnadigt.

In Warschau wurde ein Spitzel erschossen; das Kriegsgericht verurteilte drei Juden zum Tode durch den Strang. Zwischen Lublin und Janow wurde die Geldpost überfallen, d-r Postillon tödlich verlebt und 1600 Rubel n. , >ot.

DieNow«^e Wremja" veröffentlicht einen überaus' sensationellen Artikel, in dem sie die nicht ganz neue Be­schuldigung erhebt, daß die russischen Revolution näre durch japanisches Geld gekauft seien. Das Blatt erklärt, dafür dokumentarische Beweise zu haben.

Im östreichischen und im englischen Parlament wurden die russischen Judeumetzeleien zur Sprache gebracht und lebhaft bedauert. Die Regierungen haben es stdoch abgelehnl, sich in die inneren Verhältnisse eines sremden Landes ein­zumischen.

JnNewyork wurde in der Synagoge eine jüd. Trauer- verfammlung aus Anlaß der Metzeleien in Bjelostok ab­gehalten, an bei 3000 Personen teilnahmen. Eine große Menge von Juden, die das Gebäude nicht mehr aufnehmen konnte, sammelte sich außerhalb an. In der Versammlung wurde ein Schreiben des Präsidenten Roosevelt zur Verlesung ge­bracht, in welchem cs heißt:

Ich werde mich über die Angelegenheit mit dem Staats­sekretär Root besprechen. Sie wissen, wie sehr wir Ihre Gefühle teilen und wie ergriffen und entsetzt wir über die Vorgänge in Rußland sind. Sie wissen aber auch, daß es nahezu un­möglich ist, durch eine Intervention etwas an­deres als Unheil an zu richt en."

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In der Reichst) uma ging es am Donnerstag überaus leb­haft zu. Es wurde zunächst über die Anträge in Betreff der bürgerlichen Gleichheit beraten. Verschiedene Redner treten für die Gleichberechtigung der Frauen und der Juden ein.

Aladjin führt aus, man müsse der Frau die Freiheit geben, bevor sie selbst sich ihre Rechte mit Gewalt nehme. Er erzählt, eines Tages sei ein GencralleuMant in die Duma gekommen, habe sich den großen Kronleuchter angesehen, und gesagt, dieser eigne sich nicht übel dazu, daß an ihm Aladjin und einige andere Pu m «Mitglieder von den Arbeits­gruppen aufgehängt würden. Leider könne dieser General nach dem Gesetze nicht bestraft werden. Redner verlang! die Ab­schaffung aller aus der hohen gesellschaftlichen Stellung sich ergebenden Vorrechte und aller Privi­legien des Adels. Die russische Nation achte nur zwei Klassen, die Bauern und die Arbeiter. Die äußerste Linke nahm diese Rede mit großem Beifall auf.

Graf Heyden erklärt, er fei bereit, für bic Verkündigung der bürgerlichen Freiheit cinzutrrten; es fei aber unmöglich, die Gesetzgebung Rußlands im Handumdrehen zu reformieren.

Der Abg. Lewin erklärt, eine Juden frage gebe es mir in Rumänien. Er schließt mit den Worten:Ich bin Jude- ich habe nicht das Recht, in der Hauptstadt zu weilen. Ich werde sofort nach Schluß der Sitzungsperiode der Reichsduma davongcjagt werden."

Der Minister deS Inneren Stolypin erklärte: Wenn ich auch zugebe, daß einige ungesetzliche Akte der Polizeiverwalt­ung zur Last fallen, so lieben dock) die Beamten ihr Vaterland. (Stufe: Genug, genug. Der Dumapräsident läutet mit der Glocke.) Die Regierung, fährt der Minister fort, muß handeln und energisch für Aufrechterhaltung der Ordnung sorgen. Die Polizei erfüllt ihre Pflicht. Während der Unruhen find allein 288 Polizeibeamte verwundet worden. (Zwischenrufe: Das ist wenig. Dazwischen ertönt ein Schreien und Pfeifen und Hohng elächter. Der Prüf ident erhebt sich und ruft: Die Freiheit des Wortes sicht in diesem Saale jedermann zu.) Der Minister schließt seine Rede mit den Worten: Die Regierung wird handeln wie eine Schildwache, die ihr altes Gewehr nicht sortwerfeu darf, bevor sie ein neues erhalten hat. ^Pfeifen und Gelächter. Es herrscht große Aufregung.)

Fürst U r u s s o w, früher Gehilse d.s Ministers des Innern, führt aus: Die M e tz e l e i e n würden immer von geheime«