Sem m. Auch mS dem Preis — 7900 Mk. — ist man einverstanden.
Dem EiSverein werden für den kommenden Winter wie in früheren Jahren die Wiesen hinter den Eichen überlasten.
ES hat sich ein Verband von Elektrizitätswerken für Baden, Hestcn und die Pfalz gebildet, dem das hiesige Werk mit einem Jahresbeitrag von 10 Mark beitreten wird.
Die hiesigen Gärtner haben eine Eingabe an die Stadt gerichtet, daß die Gräber, deren Unterhaltung durch Zuwendung von Vermächtnisten seitens der Stadt erfolgt, nicht mehr durch die Stadtgärtnerei, sondern durch die selbstständigen Gärtner unterhalten werden sollen. Die Versammlung beschließt, dieses Gesuch abzulehnen, da die Instandhaltung durch städtische Gärtner jedenfalls im Sinne der Leute liegt, die hierfür Zuwendungen gemacht haben.
Die Versammlung hat am 20. September ein Gesuch von L. Moll in Grünberg um Uebcrnahme von Aktien der Lich-Grünberger Bahn abgelehnt. Herr Moll hat sich nunmehr abermals an die Versammlung gewendet, solche Aktien zu übernehmen und u. a. in einem Schreiben an den Vorsitzenden gemeint, daß jetzt eine bestere Stimmung für die Uebernahme vorhanden sei. Es wurde ihm erwidert, daß sich die Versammlung nicht von Stimmungen, sondern von sachlichen Erwägungen bei ihren Entschließungen leiten laste. Die Versammlung schließt sich dem an und lehnt die Abnahme von Aktien neuerdings ab.
Die Löberstiftung schließt für 1906 mit 3918,67 Mark Einnahmen und 36,96,83 Mk. Ausgaben ab. Das Vermögen ist um 300 Mk. auf 53 442,86 Mk. gestiegen. Der Voranschlag für 1907 sieht in Einnahme und Ausgabe 2545,20 Ml. vor und es sollen wieder 8 Pfründner verpflegt werden. Die Versammlung hat hiergegen nichts einzuwenden.
Gesuche um Erte-kkung Von Schankkonzessionen sollen befürwortet werden für Schulstraße 10 (für eine Frühstücksstube bis 9 Uhr abends), für Mäusburg 1, Brandgasse 3 und Seltersweg 70 (hierbei handelt es sich um bestehende Wirtschaften, die in anderen Besitz übergehen).
Ein Gesuch von H. Förtsch "für die Kirchstraße wird xurückgestellt, da die baupolizeiliche Genehmigung des Neubaues noch nicht erfolgt ist. Stadtv. Gabriel fragt an, ob nicht ein Beschluß gefaßt werden könnte, daß der Genehmigung für später nichts im Wege steht. Dies ist, wie Beig. Curschmann ausführt, nicht möglich. Stadtv. Krumm meint, daß wohl niemand in der Versammlung das Bedürfnis für diese Konzession später verneinen werde.
Stadtv. Löb er fragt an, wann die Festsetzung der Kaualgebühren erfolgen werde. Der Vorsitzende sagt, daß die Frage im Gang sei.
Stadtv. Helm regt an, für die Wagen, die mit Obst usw. hereinkommen und die der totoSt für Reinigung usw. viel Kosten verursachen, eine Gebühr von vielleicht 20 Mg. zu erheben. Stadtv. G a b r i e b unterstützt diesen Vorschlag und erweitert ihn dahin, daß auch für den sonst in Anspruch genommenen Platz eine Gebühr, ähnlich wie in Darmstadt, erhoben werde. Es könne mit Leichtigkeit eine -Einnahme von 2500—3000 Mk. erzielt werden.
Der Vorsitzende hält die Einsüh-rungs einer solchen Gebühr nicht für gerechtfertigt, auch werden die Erheb ungs- kosten sehr hoch werden.
Stadtv. Löb er hält es' ebenfalls nicht für richtig^ eine solche Gebühr einzuführen. Ihr Fehlen komme allen Einwohnern ^ugut. Stadtv. Eichenauer ist derselben Ansicht, ^ebenso die Stadtv. Krumm und Wallenfels und Beig. Georgi, der die Abwälzung dieser Gebühr unter wesentlicher Erhöhung! auf die Konsumenten voraussagt. Schließlich wird gegen 8 Uhr beschlossen, den Antrag abzulehnen. Auch eine Beratung in der Marktdeputation wird nicht beliebt.
Der Räuber-Hauptmann von Köpenick.
' Der Urheber des raffinierten Handstreichs aus die Köpenicker Stadtkasse ist trotz der eifrigsten Nachforschungen noch nicht er- tnrittelt Außer dem Degen hat man am Temeplhofer Feld noch die Mütze, die Schärpe und die Hose des angeblichen Hauptmannes gesunden. Der Verbrecher muß sich in Rirdors aufgehalten und dort gute Ortskenntnis gehabt haben. Zu den weiteren Ermittelungen ist nunmehr auch die Gendarmerie der Kreise Teltow und Niederbarnim ungezogen worden.
' In Düsseldorf erschien vor einigen Tagen ein Mann in der Uniform eines Infanterie-Hauptmanns und erbat von den Besitzern mehrerer Hotels für einen Bekannten 150 Mark, die ihm auch in drei Fällen ausgefolgt wurden. Mit dem Gelbe versuchte er nach dem Bahnhofe und von dort weiter zu entkommen, was ihm aber nur in einem Falle gelang. Die Düsseldorfer Polizei vermutet, daß es sich um denselben Mann Handelt, der den Köpenicker Raub vollführt hat.
Lange hat jedenfalls Deutschland nicht so gelacht wie über den falschen Hauptmann von Köpenick. Der kühne, mit einem Schauspieler-, und man kann sagen, einem Feldherrntalent durchgeführte Streich beschäftigt alle Welt mehr als alle politischen Er- ieigniffe. Die Bewunderung der Schlauheit und Kaltblütigkeit des Pseudo-Hauptmanns hat derartig die Gemüter verwirrt, daß man ganz gesetzte Leute davon sprechen hören kann, eigentlich Wüßte ein solcher Kapitalkerl, wenn er ergriffen würde — notabene scheint die Möglichkeit ziemlich fern — nur mild be- ft r a f t und irgend einer für die Allgemeinwelt nützlichen Tätigkeit zugeführt werden, wo er feine Fähigkeiten ianwend en könne. Nur ist die Frage nicht so einfach zu ientftreiben, welcher Art diese Tätigkeit, ohne Gefährdung des jEigentums und des Lebens friedlicher Bürger, wohl sein könnte.
Ueber die Bühne des Berliner Metropoltheaters schlurrte, — so schreibt uns heute einer unserer Berliner Mitarbeiter — am Mittwoch abend ein falscher Hauptmann, begleitet von einem Kommando verständnisvoll nickender Soldaten. Ein Sturm der Heiterkeit erhob sich beim Anblick des getreu nach der polizeilichen Beschreibung maskierten Schauspielers, mit schiefen Beinen, in unmilitärischer Haltung, mit schlecht sitzender Mütze auf dem Haupte. W war der stärkste Erfolg des Abends, als auch dieser Hauptmann dem Teufel in der Revue die Kasse abverlangte, und der Teufel bemerkte: „Aha, das find die Koppe- Vicker!" —
Sehr amüsant sind auch die Auseinandersetzungen in der Presse über den FaU. Die linksstehenden Zeitungen und sogar lein Zentrumsblatt, die „Germania", hatten über den „Kadavergehorsam preußischer Soldaten", über die unglaubliche Düpier- Ung gespottet, die uns vor dem AuSlande blamiere. Die rechtsstehenden Zeitungen hingegen machen sich weidlich lustig über die Angst und das schlechte Unterrichtetsein der Herren von der Köpenicker Selbstverwaltung. Was die Opser des Gaunerstreichs alles hätten wissen und bedenken sollen, das läßt sich nachträglich leicht aufzählen. Aber, auch der Tapferste wird nicht ohne Besinnen sich einem Bajonettstich oder gar der Kugel aussetzen, nur um die Rechte der Selbstverwaltung und der persönlichen Freiheit wacker hoch zu halten. Ist es am Ende nicht sehr begreiflich, daß in Preußen, wo der Bürger in tiefem Respekt vor der Uniform des Pvlizeibeamten und gar erst des Militärs von
Kindesbeinen an erzogen worden ist, ein gemessener Befehl den Mund verschließt, ganz zu schweigen von der Ahndung eines Widerstands gegen die Staatsgewalt? Nach der „Kreuzztg." wird der Fall zur Ausfüllung etwaiger Lücken in der militärischen Dienftinstruktion führen. Auch andere Instruktionen könnten unseres Erachtens einmal auf die Möglichkeit des Mißbrauchs nachgeprüft werden.
Wie verlautet, soll der Kaiser, der sich eingehend die Taten des famosen Hauptmannes schildern ließ, beabsichtigen, bei der nmfjften Rekruten-Vereidigung eine Kabinettsorore zu erlassen, durch die Vorgänge, wie sie sich jetzt in Köpenick ereigneten, unmöglich gemacht werden sollen.
Ferner wird gemeldet, daß eine Untersuchung gegen die Köpenicker Beamtenschaft eingeleitet werden wird, insbesondere darüber, inwieweit die einzelnen Beamten sich haben Pflichtverletzungen zu Schulden kommen lassen. So wird insbesondere geprüft werden, ob die Beamten es nicht doch hätten verhindern können, daß ein Unbefugter sich in den Besitz von städtischen Geldern setzen konnte. Auch bei der Post-Verwaltung wird die Sache noch ein Nachspiel haben, da hier eine sofortige Verständigung der Behörden hätte dazu führen müssen, den Schwindler abzufangen.
Der Frankfurter Polizei ist von privater Seite mitgeteilt worden, daß der Köpenicker Kassenräuber mit einem Friseur identisch sein könne, der sich in der letzten Zeit in Frankfurt aufgehalten habe und erst vor wenigen Tagen verschwunden, sei. Dieser Friseur habe vor zehn Jahren ähnliche Gaunerstreiche in Bayern verübt, sei deswegen schwer bestraft worden und habe sich nach feiner wohl erst kürzlich erfolgten Freilassung nach Frankfurt gewandt. Nach der „Frkf. Ztg." kennt die Polizei den Namen des verdächtigten Friseurs, hält es aber für ausgeschlossen, daß dieser der vielgesuchte „Hauptmann von Köpenick" ist.
Die Hamburger Polizeibehörde stellte bei den Versuchen, den Schwindler zu identifizieren, fest, daß dieser mit einem gewissen Adolf Miln er identisch ist, über welchen die Hamburger Polizeibehörde schon umfangreiche Sttafakten besitzt. Weiter wurde festgestellt, daß Milners Vater ein deutscher Geschäftsmann, Milner junior in Amerika geboren ist, sowie daß kürzlich in Hannover ein Unbekannter eine Offiziersuniform für Gardeinfanterie machen ließ, dessen Signalement mit Milner bis auf kleine Abweichungen übereinstimmi.
vermlschteA.
• Krupp von Bohlen und Halbach. Herrn von Bohlen wurde, wie gemeldet, vom Kaiser der Name Krupp von Bohlen und Halbach verliehen. Der kaiserliche „Nam en-Vcrmchrungsbr ief* hat folgenden Wortlaut: »Wir Wilhelm von Gottes Gnaden, König von Preußen usw. tun kund hiermit für Uns, Unsere Erben und Nachiolger in der Krone, daß Wir Uns ans dieserhalb geschehenes ehrerbietiges Ansuchen entschlossen haben, dem Legationssekretär bei llufcrer Gesandtschaft am päpstlichen Stuhl, Legationsrat Dr. jur. Ghiftao voll Bohlen und Halbach, Oberleutnant der Reserve des 2. Bad. Dragoner-Regiments Nr. 21, nachdem er die Ehe mit des verstorbenen Wirklichen Geheimen Rats Friedrich Alfred Krupp ältester Tochter und Erbin geschlossen, die Genehmigung zu erteilen, für seine Person den Namen »Knipp von Bohlen und Halbach" zu führen.
Gleichzeitig erstrecken Wir zur Erhaltung des Kruppschen Namens dieselbe Genehmigung auf denjenigen Abkommen des Mannesstammes au§ dieser Ehe, welcher gemäß den teftamentar. Bestimmungen des verstorbenen Wirklichen Geheimen Nates Friedrich Alfred Krupp und derjenigen des Vaters des letzteren dereinst in den Besitz des mit der Nacherbfolge belasteten (? D. N.) Kruppschen Fabrik-VermögenS sukzedieren wird."
Dieser „Namen-VermehrimgSbrief" ist in Zierschrift auf Pergament auSgeführt und in einer Mappe aus ziseliertem Leder untergebracht. DaS Siegel ist geborgen in einer getriebenen silbernen Kapsel und das ganze in einer Lederkassette untergebracht.
• Einseitige Vaterfreuden. Freunden herzlicher Heiterkeit, so schreibt Justizrat Dr. Strauz in der „Deutschen Juristenztg.*, sei folgendes in Schweizer Zeittingen berichtete Rechtskitriosum unterbreitet: Ein Italiener, dessen Wohnort Genf ist, heiratete eine Waadtländerin, welche Mutter eines außerehelichen Zwillingspaares ist. Der Italiener hat nun bloß einen der Zwillinge als ehelich und seinen Sohu anerkannt, weigert aber die Anerkennung des anderen. Der Richter in Lausanne, desien Entscheidung man angerufen hat, ist in einer ähnlich schwierigen Lage wie Salomo: der weise König sollte einem Kinde die Mutter, der Lausanner Richter soll einem Kinde den Vater finden. Ob er ein gleich berühmtes Urteil fällen wird?
* Rothaarige Bnrea«burschen, aber nur solche, verlangt in einem Inserat in Chicagoer Blättern die dortige bekannte Firma Dolese and Shepard. Die Inhaber der Firma wurden natürlich sofort interviewt, was die Gründe für diese merkwürdige Bedingung bei der Anstellung seien. Sie erklärten, sie hätten die Erfahrung gemacht, daß rothaarige Leute größere Energie, Rührigkeit und Tüchtigkeit besitzen und auch länger in ihren Stellungen bleiben.
* Der dicke Professor. Professor M., der an einer berühmten süddeutschen Universität über Physiologie liest, ist nicht nur ein sehr beliebter, sondern auch ein exorbitant beleibter Lehrer. Aus letzterem Grunde machen sich seine Hörer gern über ihn lustig und sie haben ihm den Spitznamen „Professor Faß" aufgebracht. Eines Tages schiebt sich der dicke Professor schweißtriefend in den Lehrsaal, besteigt fauchend das Katheder und will mit seinem Vortrag beginnen. Die Herren Studenten sind heute ganz besonders guter Laune, sie lachen und zischeln und auS dem Trubel hört man deutlich den Ruf: „Das Faß ist da!" heraus. Der Prostsior ergreift das Wort: „Ich weiß es, ich weiß es ganz gut, man vergleicht mich mit einem Faß. (Zustimmung im Auditorium.) Aber der Vergleich stimmt nicht im geringsten. (Gelächter und Ohorufe.) Zwischen mir und einem Faß ist ein bedeutender Unterschied. (Lebhafter Widerspruch und langanhaltender Lärm.) Wollen Sie, meine Herren, wissen, welcher Unterschied? (Rufe: Wir wollen e§ wissen!) Nun also: ein Faß ist von Reifen umgeben; ich aber bin von Unreifen umgeben. Das ist der Unterschied." (Sehr viele lange Gesichter und langanhaltende Stille.)
* Kleine Tagcschronit. Ter Standard meldet, daß Neger den größten Teil der Stadt Seneca im Staate Karolina n i e d e r b r a n n t e n ans Racbe für die Lynclwp'er rcr letzten Zeit. Das Geschästsviertcl von Seneca wurde dem Erdboden gleich gemacht. Unter den Einwohnern herrscht Pan k. — In N i e d e r l a h n st e i n wurde ein t o l l w u t v e r d ä ch t i g e r H u‘n d einge'angen und getötet. Eine Dame, die von dem <jmnbc gebissen wurde, bat sich zur Behandlung in das Pasleursche Institut von Berlin begeben.
Gerichtssaal.
Eine aufsehenerregende Freisprechung. In Wien wurde, wie wir bereits kurz berichteten, vor dem Schwurgericht die Anklage gegen die Hotelbesitzersfrau Marie Pusch wegen Ermordung ihres Mannes verhandelt. Die An
geklagte, eine Frau von sechzig Jahren, hat ihren um sieben Jahr« jüngeren Mann Ferdinand Pusch, den Besitzer des alten, sehr beliebten Gasthofes zur goldenen Birne durch einen Pistolenschuß von rückwärts in den Kopf getötet. Zwischen den beiden Gatten schwebte ein S ch e i d u n g s p r o z e ß , da Pusch gegen die allzu energische und leidenschaftliche Fran eine unüberwindliche Abneigung hatte. Die Angeklagte hat ein männerhaftes Aussehen: sie erklärte, ihr Gatte habe ein Liebesverhältnis mit einer anderen Frau gehabt, während er ihr erklärte, es graule ihm vor ihr. Die Geschworenen bejahten einstimmig die Frage auf Totschlag. Gleichzeitig bejahten sie aber auch die Frage auf Sinnesverwirrung mit sechs Stimmen. Der Gerichtshof sprach auf Grund dieses Verdiktes die Angeklagte frei. Der Verteidiger Dr. Rosenfeld hatte in seinem Plaidoyer betont, daß nur ein Weib die Tat der Angeklagten verstehen könne, und mit den Worten an die Geschworenen geschlossen: Wenn statt Ihrer zwölf Frauen aus dem Volke dort säßen, gäbe es nur einen Rus: „Einstimmig frei!" Während dann die Geschworenen zur Beratung den Saal verließen, erhoben sich einige Frauen im Zu- schanerraum, winkten ihnen mit Taschentüchern zu und riefen bittend: „Sprecht sie frei !"
Kassel, 18. Okt. Das Kriegsgericht der 22. Division verurteilte zwei Dragoner, die bei dem Korpsmanöver nach einem Unteroffizier mitSteinen geworfen hatten, zu zwei Jahren drei Monaten Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte 5 Jahre 3 Monate Zuchthaus beantragt
Esfcn a. d. Ruhr, 18. Okt. Tas Schwurgericht verurteilte den 23 jährigen Josef Rutrecht aus Wanne, der am 30. Juni in Katernberg die Verkäuferin Maria Wex erschossen batte, wegen Totschlages zu vier Jahren sechs Monaten G e f ä n g n i §.
Karlsruhe, 18. Ott. In dem Schwurgerichtsprozeß gegen den Arzt Dr. Man ässe aus Posen wurde heute abeni> das Urteil gefällt. Dasselbe lautet wegen mehrfacher Verbrechen gegen das keimende Leben und wegen Körperverletzung auf 2 Jahre 10 Monate Zuchthaus unter Abrechnung von' 4 Monaten Untersuchungshaft, sowie 10 Jahre Ehrverlust.
Mannheim, 18. Okt. Das Schwurgericht öerurteiltejbeute nach fünfstündiger unter Ausschluß der Oefsentlichkeit geführter Verhandlung den Tagelöhner Wilhelm Siegwarth wegen versuchter Notzucht und räuberischer Erpressung zu 14 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust.
Offenburg, 18. Okt. Der 22 Jahre alte Albert Stolz aus Bühlertal, welcher die 17 Jahre alte Elise Kauffer aus Achern durch zwei Revolverschüsse so schwer verletzte, daß binnen kurzer Zeit der Tod eintrat, wurde heute vom Schwurgericht zu 31/2 Jahren Gefängnis verurteilt.
Würzburg, 18. Okt. Heute wurde von der hiesigen Strafkammer gegen die beiden Brüder Johann und Jakob Will, welche vor einigen Tagen ans dem Gefängnis in Frankental ausgebrochen waren, wegen Bettugs verhandelt. Sie hatten sich Ende Oktober 1905 dem Bäckermeister Schneider in Kitzinyen als Grafen von Barum ausgegeben mit 40 Millionen Mark Vermögen und demselben unter allerlei Komödienspiel um 2000 Mark beschwindelt. Johann Will wurde zu fünf Jahren Zuchthaus und 7 Jahren Ehrverlust und Jakob Will zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. — Wie das „Fr. T." berichtet, erhielt der verhaftete Gefängniswärter Glas von dem inzwischen auch verhafteten Kaufmann Schwalb aus Ludwigshafen für Freilassung der zwei Verbrecher Will lumpige 40 Mark, aber das Versprechen einer fürstlichen Belohnung von 300 000 Mark.
Bilder aus einer Ehe.
Eigenartige Einblicke in das Milieu einer „modernen" Ehe gestattete eine Verhandlung gegen eine Frau Anni Borg, die sich wegen angeblicher Hochstapeleien vor der 3. Sttafkammer des Landgerichts 3 zu Berlin zu verantworten hatte. Frau B. war vom Schöffengericht zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Sie hatte kurz hintereinander von der Firma H. Söhne ein Nerzpelzjackett, von der Firma B. u. Co. einen Ring, von der Firma G. einen Pelzkragen für 225 Mark und von der Firma Rud. H. einen Pelzkragen im Werte von 280 Mark entnommen, ihre Visitenkarte mit der Aufschrift „Frau Leutnant B." überreicht und um Zusendung der Waren mit quittierter Rechnung gebeten. Wenn dann die Hausdiener die Ware ablieserten, ergaben sieb wegen der Bezahlung allerlei Schwierigkeiten ; in zwei Fällen ist es sogar zur Anwendung von Gewalt seitens der Hausdiener gekommen, um von der Schwester der B. die Waren, die diese in Empfang genommen hatte, wieder herauszubekommen. In .'.wei Fällen ist das Pelzjackett und der Ring, von der Frau B. sehr bald versetzt worden, schließlich ist den Lieferanten aber fein Schaden entstanden, sie haben vielmehr nachträglich ihr Geld erhalten. — Gegen ihre Verurteilung hatte die Angeklagte, die jetzt erst 21 Jahre alt ist, Berufung eingelegt, sie behauptete im Termine, in der Tat geglaubt zu haben, daß sie eine „Frau Leutnant" sei, und daß ihr jetzt 25 Jahre alter Ehemann zu der Zeit ihrer Bestellungen sich in günstigster Vermögenslage befände. Die Verhandlung ergab folgendes ungewöhnliche Ehebild: Der Ehemann der Angeklagten, früherer Student Paul B., ist der Sohn eines sehr vermögend gewesenen Arztes in West- preußen: sie ist die Tochter eines gleichfalls dort ansässig^ früheren Schlächtermeisters und jetzigen kleinen Rentiers. Er machte das Abiturientenexamen, diente als Fahnenjunker, besuchte dann eine Kriegsschule und wurde infolge eines Duells dann zum Regiment zurückversetzt. Er nahm aber bald seinen Abschied. Für die Angeklagte war die Ehe ein wahres Martyrium, denn ihr Ehemann verfiel vollständig der Morphiumsucht. In diesem Zustande kam es nach ihrer Schilderuna zu entsetzlichen Szenen. Eines Tages zog er sich eine Blutvergiftung zu, und die Frau mußte in aller Eile zwei Aerzte zu Hilfe holen und für Medizin, Bandagen und sonstige ärztliche Bedürftiisse eine Menge Ausgaben machen, die sie in eine große Notlage brachten. In dieser kritischen Zeit versetzte sie zweimal die Waren, die ihr von den genannten Firmen geliefert worden waren. Frau B. ist, als sie wegen der ihr zur Last gelegten angeblichen Hochstapeleien verantwortlich vernommen wurde, darüber so erregt worden, daß sie einen Selbstmordversuch machte, indem sie sich in die Spree stürzte. Sie ist durch einen Offizier gerettet worden. Der Gerichtshof hct das erste Urteil aufgehoben und die Angeklagte freigesprochen.
Meteorologische Beobachtungen
der Station Gießen.
Höchste Temperatur am 17.—18. Oktober — + 14,3 • C.
Niedrigste „ „ 17.—18. „ =+ 3,8e C.
Oktober 1906
Äaromeler auf 0° reduziert
Temperatur der Luft
Absolute Feuchtigkeit
Relative Feuchtigkeit
Windrichtung
Windstärke
Wetter
18.
2”
747 2
14,3
8,6
71
S '
2
Sonnenschein
18.
9’5
746,2
9,9
8,3
91
ESE
2
KlarerHimmel
19.
7”
746,3
8,0
7,7
96
NW
2
Nebel
Kranke. Warme, geschätzte Lage WäneelTKUr IUI ->w büdabhang des Taunus. Behag. M lieh eingerichtete, kleine Anstalt (bis 30 Patienten). Centrale Heizung und Beleuchtung, geheizte Liegehalle und Coiriaore Sorgsame lichandlnng und Verpflegung. Diätliuren. (Dependance für Minderbemittelte.) Prospekte franko.
W. Dr. HI. Schulze-Kahl oyas. Nervenarzt.
Sanatorium Hofheim im Taunus.
PsstpM-Adreffen m« Mma
llelc billigst Btübllcbe UniverMätsWruderei. Sieben.


