Ausgabe 
19.7.1906 Erstes Blatt
 
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** Kreis auSschußsitzung. SamStag, 21. Juli b. I., vormitt. 9 Uhr. findet eine öffentliche Sitzung deS KrciS- auSschuffeS mit folgender Tagesordnung statt: 1. Be­schwerde der JohS. Hedderich Wiftve zu Gießen gegen eine Verfügung des OrtsannenverbandcS Gießen. 2. Gesuch de§ Christian Duill zu Gießen um Erlaubnis zum Schankwirt­schaftsbetrieb in dem Hause Grunbcrger Straße 89. 3. Gesuch des Heinrich Kröck von Heuchelheim um Erlaubnis zum Gast- wirtschaftsbetrieb. 4. Reklamation gegen die Bei­geordnetenwahl zu Lich.

** In Audienz empfangen wurde am Mittwoch von S. K. H. dem Großherzog u. a. Oberlehrer Diehl von Lauterbach.

** Das Ehrenzeichen für Mitglieder frei­willige r Feuerwehren wurde verliehen durch Ent­schließung S. K. H. des Großherzogs den Mitgliedern der freiw. Feuerwehr zu Lang-Göns Phil. Schmidt II., Hrch. Boller UI. und Johs. Karl Müller IV., ferner den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Kirtorf Gg. Ludw. Pauli, Hrch. Lather, Selig Sondh-eim, Ad. Engel, Johs. Löchel, Konr. He r b st, Hrch. Schmidt und Isaak Marx.

** Lehrerpersonalien. Uebcrtragen wurde dem Lehrer Friedr. Bauer zu Bieber eine LehrersteUe an der Gemeindeschule zu Bürgel, den Lehrern Kasp. Winter zu Eppertshausen und Johs. Reuter zu Westhofen je eine LehrersteUe an der Gemeindeschule zu Mombach. Er­ledigt Jinb: Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende LehrersteUe an der Gemeindeschulc zu Waller st ädten (mit der SteUe ist Organistendienst verbunden), eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende LehrersteUe an der Ge­meindeschule zu Ober-Laudenbach und die mit einem evang. Lehrer zu besetzende LehrersteUe an der Gemeinde- schule zu Ellenbach.

** Die Auto mobilst euer. 1900 wurde bekannt­lich be^ uns in Hessen der Automobilstempel eingeführt. Er beträgt für das Automobil je nach Größe, dem Ankaufs­preis und der Leistungsfähigkeit 5 bis 50 Mk. jährlich. Allerdings brachte die Steuer dem Hess. Staate nicht all­zuviel, ein, 1900 nur 800 Mk. und im Jahre 1904 3700 Mk. Man sieht aus den Zahlen, wie sich die Autos vermehrt haben. (1904 erbrachte die Fahrradsteuer 127 000 Mk.) Tie neue Autobesteuerung ist bedeutend höher, als seither die hessische. Für ein Kraftrad zahlte man bisher in Hessen 5 Mk., fortan wird es 10 kosten. Ein kleines Automobil war bisher in Hessen mit 5 Mk. zu versteuern, fortan zahlt man 25 Mk. Grundgebühr und noch einen Zuschlag für die Pferdestärken. Ein 60 H. P.-Wagcn zahlte bisher in Hessen 50 Mk., fortan kostet er 160 Mk. Man sieht, der Reichsstempel bringt eine gehörige Erhöhung. Da für dieses Jahr der hessische «stempel schon entrichtet ist, so wird denen, die jetzt den Reichsstempel zu zahlen haben, die Hälfte des hessischen Stempelbetrags zurückvergütet.

" Besitzwechsel. Der Kaufmann Llloys Spengler hier kaufte das Anwesen des Rentners Jakob Ruppel, Riegelpfad 19, zum Preise von 22 000 Mk.

** Eine Zwetschenernte steht in Aussicht, wie sie selten vorkommt. Die Bäume hängen so übervoll von Früchten, daß viele schon jetzt der Stützen bedürfen. Dabei sind die grünen Früchte recht gut entwickelt. Das Wetter ist ihnen sehr vorteilhaft gewesen, sodaß der Abfall kaum bemerkenswert auftrat.

, ? Veitshain, 18. Juli. Der morgens von Lauter­bach kommende Personenzug "hätte an einem Bahnüber­gänge beinahe ein Kuhfuhrwerk überfahren. Der Lokomotivführer brachte den Zug noch rechtzeitig zum Stehen, während der Bauer noch Geistesgegenwart besaß und sein Vieh zur Seite riß.

X Ruppertsburg, 18. Juli. Zimmermann Dich! hat hier ein Holzsägewerk mit Dampfbetrieb errichtet. Das Sägewerk befindet sich unterhalb des Ortes in Nähe der sogen.Kreuzburg" an der Straße nach Hungen.

§ Mücke, 18. Juli. Die Zahl der Sommer­frischler, die in diesem Sommer auf unserem Bahnhofe die Züge verlaffen, ist im Zunehmen begriffen. Das Ziel dieser Reisenden ist der Vogelsberg. Ganz besonders ist die Zahl der Kinder gestiegen, die man zuni Vogelsberg bringt, um hier Erholung, Muße und frische Kraft zu finden.

fc. Bodenrod, 18. Juli. Hier starb der frühere langjährige Bürgermeister und Gastwirt zum Taunus Georg Wissig. Er war eine bei Jägern und Touristen sehr be­kannte Persönlichkeit.

l'zg.) Frankfurt, 18. Juli. Eine russische National-Vokal- Kapelle, die mit ihrem eigenen Balalaika-Orchester vom 22. bis 23. d. M. im Zoologische n Garten täglich von 5i/2 bis 10 Uhr konzertieren wird, setzt sich aus 30 Männern, grauen imb Knaben zusammen, die zum Teil in allrussischen Kostümen aus dem 16. und 17. Jahrhundert auftretcn und vollendet schön singen, während andere in andern Kostümen dos Balalaika- Orchester^ bilden, das auf meist nur dreisalligen mandolinew- artigen Instrumenten und auf tönernen mit Kalbfell überzogenen Tamburinen eine höchst eigenartige Musik zum Besten gibt. Die Sänger sollen ebensowohl in Sachen der Stimmen, als auch rn der Schulung ganz Hervorragendes bieten. Die Konzerte be- Swnen in Rücksicht auf die heiße Jahreszeit und die für die Mitwirkenden große Anstrengung erst um halb sechs Uhr und bringen abwechselnd Vokales und Instrumentales. Das erste Konzert findet Sonntag statt.

vermischtes.

* Auch der Tabak wird teurer trotz der ab ge­lehnten Steuervvrlage, und das haben wir denVettern" jenseits des großen Teiches zu verdanken. Bisher begnügte sich Amerika zum größten Teil mit den einheimischen Ta­baken, wie Felix Brasil und Mexiko, während die Erzeugnisse der holländischen Inseln, vornehmlich Sumatra- und Java­tabake, von den Amerikanern nicht beachtet lvurden. Das hat sich plötzlich geändert. Man scheint in Amerika auf einen besseren Geschmack gekommen zu sein und kauft daher in Amsterdam und Rotterdam, den großen holländischen Handelsplätzen, die Ware auf. Bei den Amerikanern spielt aus mehreren Gründen der Geldpunkt keine Rolle, und so sind die bei uns in Deutschland sehr begehrten Blätter teurer geworden. Aber auch die amerikanischen Tabake Mben einen Preisaufschlag erfahren. Diese Erhöhung des Einkaufspreises für Rohmaterial wird sich für den Handel mit Zigarren in der Weise äußern, daß das Tausend Zi­garren einen Aufschlag bis zu zehn Mark etwa erfahren wird. Rauchtabak kommt weniger in Betracht.

* Der neueste Eisenb ah nun fa 5l. Bei der Ein­fahrt des Zuges 42 in den Bahnhof Rath bei Düsseldorf entgleiste der dritte und der letzte Personenwagen. Ein Reisender wurde leicht verletzt. Ter Betrieb ist nicht gestört. Die Ursache ber Entgleisung ist noch nicht auf­geklärt.

* Selb stmord eines Heidelberger Korps- studen ten. DasH. T." berichtet von einem tragischen Selbstmord: Unter den Mitgliedern des Korps Saxo- Borussia befinden sich die Zwillingsbrüder Albrecht und Arthur von O st e r r o t h aus Oberwesel. Ter eine der Brüder sollte wegen verschiedener Vorkommnisse von der Universität dimittiert werden, was sich der andere der Zwillinge so zu Herzen nahm, daß er sich durch einen Re­volverschuß heute selbst entleibte.

* Ein peinlicher Vorfall hat sich kürzlich, wie dieFreis. Ztg." erzählt, in A a ch e n in einem Vergnügungs­lokal abgespielt. Ein etwas animierter Regierungsrat benahm sich so auffallend, daß ihn ein am Rebentische sitzender auswärtiger Doktor der Chemie ersuchen muß/^ sich ruhiger zu verhalten, da man den Borträgen sonst niijt folgen könne. Tie Antwort des Regierungsrats war der Ruf:Kellner, zahlen, ich will mit der Bagage nicht mehr in demselben Lokale sitzen!" Bevor der Regierungsrat sich erhoben hatte, um wegzugehen, erhielt er von dem Che­miker unter dem Beifall der Anwesenden einige schal­lende Ohrfeigen. Tem Regierungspräsidenten wurde von dem Vorfall Kenntnis gegeben. Er sandte den Regier­ungsrat in Urlaub, mit dem Ersuchen, um seine Versetzung einzukommen, da er in Aachen unmöglich geworden sei. Wie verlautet, soll der Vorfall noch ein Duell zur Folge haben.

* Bauernschlauheit. Eine Anekdote, die von gutem Mutterwitz eines Bauern zeugt, wird vomJournal des Curieux" erzählt. Der berühmte französische Maler Meissonier hatte einen bäuerlichen Gärtner, der sich eines wunderbaren Gedächtnisses erfreute und die Namen aller Samen und aller Pflanzen kannte. Er irrte sich auch nicht ein einziges Mal, und es kam nie vor, daß er bei der botanischen Einordnung eines Samens oder einer Pflanze auch nur einen Augenblick zögerte. Meissonier hatte von dieser Perle von Gärtner mir Emile Augier gesprochen, und die beiden verabredeten sich, dem gelehrten Bauern eine Falle zu stellen. Eines Tages ließ Meissonier den Gärtner rufen, zeigte ihm ein Päckchen mit getrocknetem Heringsrogen und sagte zu ihm: ,,Kennst Du den Samen?" Nach reiflicher Ueberlegung und Prüfung sagte der Gärtner: Ja, es sind Samen einer seltenen tropischen Pflanze." Und wie lange könnte es wohl dauern, bis die Samen aufgehen und die Pflanze aus der Erde herauskommt?" Etwa vierzehn Tage."Tas gibt einen Hauptspaß", sagte Meissonier zu Augier. Vierzehn Tage später saßen die beiden Freunde beim Essen, als der Gärtner sich melden ließ.Herr Meissonier", sagte er,die Pflanzen stecken die Köpfe heraus; wollen Sie sie sehendDa bin ich aber neugierig", sagte der Maler und eilte mit Augier in den Garten. Vorsichtig nahm der Gärtner eine Glasglocke von einem Mistbeet und präsentierte den beiden Herren eine Anzahl Heringsköpfe!

* Kleine Tages chronik Am Montag sind während eines starken Gewitters zwei Kähne an der Windenbnrger Ecke auf dem Knrischen Haff gesunken. Von dem einen Kahne wurde der Besitzer sortgespült und ertrank. Ebenso ertranken zwei kleinere Kinder, die sich in der Kajüte betäuben, während die Frau des Schiffers und der älteste Sohn durch einen Matrosen gerettet wurden. Ob von dem anderen gesunkenen Kahne Verluste an Menschenleben zu beklagen sind, ist noch nicht festgestellt. In Berlin hat sich ein blutiger Exzeß auf bem Nollendorsplatz ab­gespielt. Eine Rotte junger Männer hatte allerlei Unfug verübt. Als Polizeibeamte hinzueilten, kam es zu einem wüsten Exzeß, in dessen Verlauf ein Maler durch einen Säbelhieb ver­letzt wurde. Der Schutzmann will in der Notwehr gehandelt haben. Ter frühere Leiter des Konsumvereins für Karls­ruhe und Unwebnng, Kaufmann Wilhelm Stoßer, wurde, als des betrügerischen Bankerotts dringend verdächtig, in Unterfnchungshasl genommen. In Versailles ist unter den Mannschaften des 22. Art.-Regts. eine Epidemie ausgebrochen. Tie Untersuchung hat ergeben, daß es sich um Vergiftungs-Erscheinungen handelt, hervorgerwen durch verdorbenes Büchsen fleisch. Eine Dynamit-Fabrik in Aashland (Amerika) ist durch Explosion völlig zerstört worden. Vier Personen lunrben getötet, 21 mehr ober minber schwer verletzt. Aus Martinch- Burg, Kanton Wallis, wirb gemelbet, baß in ber Schlucht Tete noire ein Brücken st eg in bem Augenblick einbrach, als ber Bergführer Lucien Balmaz mit einem aus ber Hochzeitsreise befindlichen Ehepaare darüber schritt. Alle drei stürzten in b i e Tiefe. Die Leichen würben noch nicht gefunden. Auch der Name des venmglückten Ehepaares ist noch nicht festgestellt. Die Gerichtsbehörden begaben sich an Ort und Stelle.

DaS Lied bom bösen Glase.

Ein Bedienter war er und hieß Glase, Seine Herrschaft, seine gnädige. War dagegen von sehr edler Race, Nämlich eine F ü r st l i ch - W r e d i g e.

Weil der Glase seine Braut verführte, Eh' sie zum Altar geschritten war, Jug man ihn davon, wie sichs gebührte, Tenn eilt Fürst nimmt Zucht und Sitten wahr.

Aber siehe, ber bewußte Glase, Teils aus Rache, teils Erpresserei, Rieb barauf dem Fürsten vor die Nase, Was bie Gnäbige auch für eine sei.

Unb er schrieb ber Polizei, sie stehle In Hotellen Siber comme-il-faut; Alle näheren Details erzähle Aul Befragen bas Schloß Basedow.

So benimmt sich wirklich ungebührlich Ost ein Mensch von niedriger Geburt! Wrede ließ verhaften ihn, natürlich 1 Gestern hat ihn das Gericht verknurrt.

Zwar ber Fürstin biebisches Betragen Hat als richtig sich erwiesen hier;

Doch es war, nur einfach, sozusagen, Eine fürstliche Klepto-Manier.

Dahingegen wies mit vollem Rechte Der Herr Staatsanwalte zu Berlin Auf bes Glase, ber sich bies erfrechte, Ehrlos niebrige Gesinnung hin.

Unb neun Monat' ins Gefängnis trollt sich Nun ber Glase für bie Missetat.

Die Frau Fürstin, Gott sei Dank, erholt sich Von bem Schreck in einem Neroenbab.

(Aus berJugend".)

Lustiges Echo.

* Unlängst würbe ich in Kissingen einem sreunblichen alten >errn vorgestellt unb mußte ihm notgebrungen ein paar Worte agen.

,,Sinb Sie schon lange hier?" fragte ich.

Das möcht sich mir wollen, ich bin von Hälfte Mai."

Unb bleiben Sie ben ganzen Sommer über?"

Bis in Juli"

Dann fahren Sie wohl nach Rnßlanb zurück?"

Da möchten wir uns gut haben," sagte er,ich bin ich Pro- sessor von Taitsch aus Präge Obergymnasium."__________________

Die Heidelberger Schloßangelegenheit.

Berliner Blätter teilten gestern solgenbes mit:

Währenb berKieler Woche" hielt ber Karlsruher Prof essor der Kunstgeschichte, v. Oechelhäuser, der Mitglied des kaiser­lichen Nachtklubs ist, auf berHamburg" vor bem Kaiser unb seinen Gästen einen Vortrag, in bem der Gelehrte entschieden

gegen den Wiederaufbau Stellung nahm. In der Unter­haltung, die auf den Vortrag folgte, sprach sich der Kaiser aber für d i e W i e d e r e rri ch t u n g aus. Erließ sich auch durch nichts von dieser Ansicht abbringen, sondern verabschiedete ^ch von Professor v. Oechelhäuser mit den Worten:Es wird doch wieder ausgebaut!"

Professor v. Oechelhäuser ermächtigt jetzt die Bad. Presse, diese Nachricht zu dementieren. Herr v. Oechelhäuser erklärt, ein Vor­trag dieser Art habe überhaupt nicht stattgefunden und so seien die sich hieran anschließenden Mitteilunaen hinsällia.

Universitäts-Nachrichten.

Doftor ber Bodenkultur". Das östreichische Unterrichts- und Ackerbauministerium hat eine Verordnung be­züglich des! Rigorosums und der Erwerbung des Doktortitels bet iber Hochschule für Bobenkultur veröffentlicht. Danach darf die mündliche Prüfung zwei Stunden nicht überdauern und hat, von der eingereichten Abhandlung ausgehend, sich auf die Haupt­fachgruppe ber lanbwirtfchaftlichen, forstwirtschaftlichen ober kultur­technischen Richtung zu erstrecken. Der Kanbibat, ber das gtigo* rosum bestanden hat, erhält ben Titel:Doktor der Bodenkultur.

Arbeiterbewegung.

Zürich, 17. Juli. In Albiesrieden, wo in der Auto- mobilfabrik Arbenz gestreikt wirb, kam es toieber zu Ausschreitungen. Gegen bie Streikenben, welche bie Ortschaft terrorisieren, wandten sich bie Bauern, bie sich mit Hacken und Gabeln bewaffneten. Die Streikenben erhielten Zuzug unb schossen mit Revolvern. Die Polizei konnte mit Mühe einen blutigen Zusammenstoß verhindern. _______

Gerichtssaat.

(ej Heldenbergen, 18. Juli. Am Montag wurde vor bem Lanbgericht Hanau ber am 15. Dezember v. I. zwischen hier unb Bruchköbel erfolgte Eisenbahn-Unfall verhandelt. Angcllagte waren die Eisenbahnbeamten H. in Helden- bcrgen und W. in Bruchköbel, die als Fahrdienstleiter infolge mangelhafter Wahrnehmung ihrer Dienstobliegenheiten den Zu­sammenstoß zweier Güterzüge auf eingleisiger Strecke, wodurch ein Materialschaden von über 1000 Mark entstand und ein Bremser verletzt wurde, verschuldet haben sollen. Die Haupt­schuld trifft anscheinend den Angeklagten H., welcher den einen Güterzug nach Bruchköbel abfahren ließ, ohne daß der Gegenzug, der mit,diesem planmäßig in Heldenbergen-Windccken zu kreuzen hat, auf dieser Station eingetroffen war. Kaum war der Zug einige hundert Meter von der Station entfernt, als auch ber andere von Bruchköbel abgelafsene Zug in einer starken Kurve sichtbar würbe. Durch die Unübersichtlichkeit der Strecke war es den beiden Lokomotivführern nicht möglich, bie Züge auf die kurze Entfernung zum Halten zu bringen und der Zusammenstoß war unvermeidlich. Merkwürdigerweise unterließ H., entgegen den bestimmten Vorschriften, die Meldungen, die bei KreuzungK- verlegungen auf eingleisigen Strecken vorgeschrieben sind, zu machen, wodurch der Irrtum, in dem er sich anscheinend befand, aufgeklärt worden wäre. Das Urteil lautet wegen fahrlässi­ger Gefährdung eines Eisenbahntransports gegen H. auf 200 Mark Geldstrafe (Antrag des Staatsanwalts 6 Wocl>en Gefängnis), gegen W. auf 60 Mark Geldstrafe. Auch ein Mitangeklagter Hilssweichensteller wurde zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt, weil er den Güterzug, entgegen dem Fahr­plan und ohne daß er die vorgeschriebenen Signale (2 rot ge­blendete Laternen vorne an der Lokomotive) hatte, weiterfahren! ließ und nicht zum Halten brachte. Die Strecke Hanau-Helden- bergen wird eingleisig betrieben, während von da ab bis Friedberg bie Bahn zweigleisig ist, auch ist Heldenbergen-Winbecken Kreuz­ungsstation der Linie Stockheim-Vilbel, so baß ber Verkehr sehr bc- beutenb ist.

Märkte.

th Gießen, 18. Juli. Der bieswöchige V i e h m a r k t hatte einen Auftrieb von etwa 1500 Stück Großvieh, 200 STälbeni unb 600 Schweinen. Der Vormarkt versprach, was ber Hauptmarkt betreffs bes Hanbels von Milchvieh auch hielt, ein recht gutes Geschäft bei alten hohen Preisen. Tie Einkäufer vom Main, von der Mosel, oom Niederrhein und aus den Bädern kauften fast den ganzen Austrieb auf, sodaß Käufer aus Thüringen, bie für bovt vreiswert anzukommen hofften, unverrichteter Dinge ben Platz ver­ließen. Am Fettviehmarkt fehlten biesmal bie Abnehmer aus ben kleineren Stabten ber Provinz unb an ber Lahn, bagegett war Frankfurt, Wiesbaden und Koblenz stark vertreten, sodaß sich ein lotter Handel entwickelte, bei bem für gute Ware bie letzten hohen Preise erzielt würben. Ebenso war biesmal bas Geschäft in Jung­ochsen, von denen etwa 25 recht schöne Paare zu haben waren, recht lebhaft, da für diese Gattung Vieh lebhafte Nachfrage war. Dagegen war der Kälbermarkt weniger flott, weil für Frankfurt kein Bedarf vorlag. Es war nur möglich, bie Ware zu weichenden Preisen abzusetzen. Der Schweinemarkt zeigte bas alte Bilb. Es fehlen eben bie Verkäufer aus bem Preußischen, bie wegen der Seuchengefahr ausgeschlossen ftnb. Die Schweiuehändler aus Hessen machen sich bie fehlende Konkurrenz zu nutze unb sinb sich einig im Festhalten an sehr hohen Preisen, wobei sie begünstigt werden durch den starken Bedarf der kleineren Landwirte, welche auf die Schweinemast angewiesen sind. Es wurden gehandelt das Paar: Kühe, frischmelkend und tragend, 1. Qualität Mk. 470 bis 530, 2. Qualität Mk. 400 bis 450, 3. Qualität Mk. 330 bis 370. Verkauft wurden ber Zentner Schlachtgewicht: fette Rinber 1. Qual. Mk. 72 bis 74, 2. Quak. Mk. 68 bis 70; fette Kühe 1. Qual. Mk. 88 bis 70, 2. Qual. Mk. 64 bis 67. Kälber 1. Qual. Mk. 72 bis 76, 2. Qual. Mk. 66 bis 70, 3. Qual. Mk. 56 bis 60. Gang- ochsen gingen ab pro Paar 1. Qual. Mk. 860 bis 925, 2. Qual. Mk. 760 bis 820, 3. Qual. Mk. 680 bis 720. Die Preise für Schweine stellten sich pro Paar: Ferkel, 3 bis 4 Wochen alt, Mk. 36 bis 40, 6 bis 8 Wochen alt Mk. 45 bis 65, bis 12 Wochen alt Mk. 70 bis 85, leichtere Springer Mk. 95 bis 125, kräftigere Tiere Mk. 130 bis 150. Es würben fast alle Gattungen Vieh geräumt Nächste Markttage: 31. Juli unb 1. August, am zweiten Markttage auch Krämermarkt.

Limburg a. d. 8., 18. Juli. Frachtmarkt. Durch- chnittspreise pro Malter. Roter Weizen 15.80 Mk., weißer Weizen 13.10 Mk., Körn Mk. 00.00, Gerste 00.00 Mk., Hafer 9.05 Mk. Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk.

Mrcbliche Nachrichten.

Israelitische Religionsgesellschaft.

Gottesdienst.

Sabbathfeier am 21. Juli 1906:

Freitag abenb 8.00 Uhr.

Samstag vormittag 8.00 Uhr. Predigt.

Nachmittags 4.00 Uhr. Sabbathausgang 9.20 Uhr.

Wocbenaottesbienst: morgens 6.00 Uhr, abenbs 8.00 Uhr.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller ,mtei bi cf in: Rubrik stehenden Artikel übernimmt bie Rebaktion bem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Am Montag tagte bas Preisgericht für ben Fassaben- wettbewerb bes geplanten Gewerbeschnl-Neu- bau es. Wie bestimmt verlautet, ist hier sogleich bie Entscheibung hinsichtlich ber Bewertung bet eingegangenen Entwürfe gefallen. Warum wirb nun mit ber Veröffentlichung bes Resultats' suruef- gehalten? _________________________________

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