Erstes Blatt
ISS Jahrgang
Donnerstag 19* Juli 1906
Rot«
wiegen.
zu
die
Realbildung und theologisches Studium.
Der badische Oberkirchenrat hat den Entschluß gefaßt, 2(biturienten der Realgymnasien und Ober
schwer bewegliche offizielle Kirche wieder einmal einen Schritt vorwärts getan hat.
Die badische Landeskirche wird nun wohl nicht mehr lange nötig haben, Zöglinge der Baseler Missionsschule nach kurzer akademischer Vorbildung in ihre vakanten Pfarrstellen zu berufen.
Aus Sta-t und Land.
Gießen, den 19. Juli 1906.
L.U. Landes univ ers ität. S. K. H. der Großherzog haben den ordentlichen Professor in der medizinischen Fakultät Geh. Aled.--Rat Dr. Bostroem zum Rektor slic' die Zeit vom 1. Oktober 1906 bis 30. September 1907 ernannt«
Die offizielle Dreibundkundgebung, welche Anfang Juni in Wien veranstaltet wurde, wird wieder einmal drastisch ad absurdum geführt durch auffallende militärische Vorbereitungen. Vor allem ist es charakteristisch, daß die in Oesterreich erst vor zwei Monaten neu formierten „Kaiserschützen", die analog den italienischen „Alpinis" ausgebildet werden, hart an der italienischen Grenze üben zu dem offenbaren Zwecke, das bei einem eventuellen Zusammenstöße zwischen den beiden „Alliierten" zuerst in Betracht kommende Terrain genau kennen zu lernen. Auch an die in den österreichischen Alpen garnisonierende Artillerie werden heuer enorme Anforderungen gestellt, denn die Mannschaften werden vorwiegend darauf eingedrillt, Haubitzen und schmalspurige Geschütze selbst in dem umvegsamsten Gebirgsgelände in Stellung zu bringen. Die großen See- und Landungsmanöver in Dalmatien, welche in Anwesenheit des Kaisers Franz Jofef und des Thronfolgers vom 31. August bis 3. September stattsinden, richten sich im Grunde genommen ebenfalls nur gegen Italien, denn welche andere Militärmacht sonst könnte eine Landung in Dalmatien versuchen? Aber auch auf italienischer Seite wird in Venetien eifrig „g erüst et". Ganz besonders viel wird an der Ausgestaltung und Verbesserung des Straßennetzes im Grenzgebiete gegen Oesterreich gearbeitet, so wird z. B. die von Fonzasa nach Primiero führende Straße auf eine Breite von 6 bis 7 Metern gebracht, was, ebenso iüie dir Auswechslung der Brücken, mit riesigen Schwierigkeiten verbunden ist. Endlich sei noch darauf hingewiescn, daß Herr Pellegrini kürzlich ein Buch, betitelt „Versa la guerra“? (Auf dem Wege zum Krieg?) herausgab, dvs m Oesterreich sofort beschlagnahmt wurde. Der Autor, welcher als ehemaliger Vortragender Rat im auswärtigen Ministerium unter Zanardelli sicher gründlich hinter die Kulissen geguckt hat, prophezeit, in seinem Buche als dürr nrc') trocken den baldigen Ausbruch eines österreichisch-ital. Kr ieges!
Kolonialpofte
— Der „Köln. Ztg." wird aus Berlin unter dem 18. Juli telegraphiert: Nach neuntägigen eingehenden Beratungen hat die deutsch-englische Grenzkommission für die Nordgrenze von Deutsch-Ostafrika heute ihre Beratungen zum Abschluß gebracht. Die Verhandlungen führten, wie wir erfahren, zu einer vollständigen Einigung über die englisch-deutsche (Ärenze vom Pipsee südlich vom Kilimandscharo bis zum 30. Meridian, dem Punkt, wo die deutsch-englische Grenze mit der des Kongostaates zusammentrifft. Den Verhandlungen lagen die früheren Grenzoerträge zu Grunde. Es wurden nur geringfügige Abänderungen der Grenze mit Rücksicht auf die örtlichen Gelände- und Handelsoerhältnisse, sowie auf die Stammcs- verteilung der Eingeborenen getroffen. Die wichtigste Abmachung für unser Schutzgebiet ist die, daß westlich des Viktoriasees die Einführung natürlicher Grenzen zunächst unterlassen wird, daß nnthin die Kageramündung nicht, aber der sogenannte große Kagerabogen mit seinem Waldbestand nördlich des Kageraflusses deutsch bleibt.
Nr.l«7
Erscheint tSgltch außer Sonntag«.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mir dem Hessischen Landwirt die Siebener Familien« blätter viermal in der
Kirche rrnd Schnle.
— Der Vvrstand des hessischen Hauptvereins des Evangelischen Bundes hat an den Redakteur Eduard Simon, der demnächst von der Schristleitung des Darmstädter „Tägl. Anzeigers" zurücktritt, ein diesen ehrendes Schreiben gerichtet, in dem es heißt:
„Da Sie sich dessen bewußt geblieben find, daß das Deutsche Reich und die neuzeitliche Kultur, ihrer geschichtlich gewordenen Eigenart nach, vornehmlich aus den Grundsätzen! berufen, die durch „die größte befreiende Tat", durch die Reformation, unser Geiftesbesitz geworden sind, haben Sie allezeit, unbeirrt durch Gunst oder Ungunst, bie Wahrung und Förderung der deutsch-protestantischen Interessen auch als Ihre Ausgabe betrachtet und bei aller Achtung vor der religiösen Ueberzeugung unserer kathol. Mitbürger mit aller Entschiedenheit gegen die Bestrebungen des Ultramontanismus und Jesuitismus Stellung genommen, in denen Sie für die gedeihliche Entwicklung des Deutschen Reiches imb der modernen Kultur, sowie der evangelischen und katholischen Kirche eine Gefahr erblicken mußten . . . Wir haben daher Ihre Tätigkeit als eine überaus wertvolle Mitarbeit stets aufs freudigste begrüßt, di.'s um so mehr, als sie auf nichts anderem, als einer reinen Gc- sinnungsgemcmschast beruhte. Wie wir deshalb jeder Zeillmg, einerlei, welcher politischen und kirchlichen Richtung sie angehören mag, für jebe Förderung unserer Ziele dankbar sind, so lassen Sie mich auch Ihnen unfern aufrichtigen und wärmsten Dank aussprechen ..."
Hamburg, 18. Juli. Die Lberschulbehörde arbeitet eine Vorlage aus, wonach die Abiturienten des Realgymnasiums zum Studium der I u rispru d en z zugelassen werden sollen..
realschulen zum Studium der Theologie zuzulassen. Diese Entschließung wird von einem Teil der kirchlichen Presse begrüßt. So äußert ein badisches Gemeindeblatt, „Die Kirche", in folgenden Ausführungen seine Zustimmung 511 dieser Neuerung:
Es ist von großer Bedeutung, wenn nach der Verordnung des badischen Oberküchenrats auch Schüler der Realgymnasien und Oberrealschulen Theologie studieren dürfen. Sie werden später als Pfarrer dem Denken und Streben der Zeit näher stehen und in vielen Stücken besser verstehen, in welcher Werse den Kindern der Gegenwart das Evangelium gepredigt werden muß. Nachdem alle höheren Berussarterr sich den Zöglingen der „mobernen Schulen" (wie die Franzosen sie nennen) geöffnet haben, konnte die Theologie allein nicht mehr zurückbleiben, wenn der Pfarrerstand nicht rückständig werden wollte. Es soll damit keinerlei Tadel gegen die auf Gymnasien vorgebildelen Geistlichen ausgesprochen werden; sie sind vermöge ihrer altklajsijcheir Vorbildung wohl besser mrslande, die Bibel und die biblische Welt, auch das Urchristentum zu verstehen; aber um die heutige Welt zu verstehen, mußten sie für sich v l e l n a ch l e r n e n u n ü v l e l Zehrgeld bezahlen. Es werden wohl auch noch lange hinaus, weiiigstens so lange es noch Gymiiasien geben wird, die meisten Geistlichen aus diesen vorgebildet werden; aber durch die genannte Verordnung des badischen Oberk.rchenrats ist wenigstens die Pforte geöffnet, durch welche neue, frische, zeitgemäße Bildungs- elemente dem Psarrerslande nicht bloß, sondern unserer evangel. Kirche zuströnien können imb werden.
Daß durch diese Neuerung sich vielleicht >n e h r K a n d 1 d a t e n des Pfarramtes enislellen iverden und so der — allerdings nur vorübergehende—Mangel an Geistlichen gehoben werden fonnte, fonunt nur in zweiter Linie in Betracht und ist von nebensächlicher Bedeutung. Die erfreuliche Hauptsache x|t die, daß unsere sonit so
brueferet. R. Lang«. Redaktion, Expedition und Druckerei:
Schulstratze 7.
Redaktion 112
Verlag u.Exped.e^öl Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.
bei der Beurteilung unserer Politik, Italiens loyale „vertrauliche" Mitteilung nach Berlin über den Inhalt des Abessinien-Abkommens, der Besuch König Eduards endlich zwar nicht gewiß, aber wenigstens in Aussicht ge- steNt: man könnte meinen, wenn man diese Serie friedlicher Erscheinungen im Geiste passieren läßt, es sei wieder einmal alles in Ordnung, und Deutschland werde von der Böswilligkeit seiner Gegner, die sich schließlich erschöpft habe, in Ruhe gelassen. Wir gaben wiederholt unserem Zweifel Ausdruck, daß die internationale Lage in Wirklichkeit so rosig und völlig zufriedenstellend ist, wie es den Anschein hat. Der Deutsche schiebt die Charaktereigenschaft der Aufrichtigkeit gern auch anderen Völkern zu, sobald er nur eine Spur von Entgegenkommen zu bemerken glaubt. Im Ausland spottet man über diese treuherzige Auffassung als „Naivität". Da heißt es: „Tie Welt ist ein Theater, auf dem man eine Nolle spielt." Es sei sonderbar, daß die Deutschen das trotz der unendlich vielen Enttäuschungen, die sie im Verkehr mit anderen Nationen erlitten hätten, noch immer nicht begriffen. Jeder Händedruck vom Auslande werde b^i uns gewissermaßen mit einem dreimaligen Hurra begrüßt, jede Artigkeit mit dem Ausschütten eines wahren Füllhorns von Aufmerksamkeiten erwidert. Sehe das nicht so aus, als hasche Deutschland nach Gunstbeweisen, Deutschland, das doch beanspruchen könne, umworben zu werden, statt daß es selbst um Freundschaft werbe. . .
In der „Kreuzztg." stellt sich der Verfasser der Wochenübersichten über die äußere Politik, Professor Schiemann, der über vorzügliche Verbindungen verfügt und schon oft sich als unterrichtet gezeigt hat, entschieden auf die Seite der Vorsichtigen, bie einstweilen noch nicht die goldene Zeit eines nur friedlichen Wettbewerbes der Kulturvölker gekommen glauben. Schiemann erwähnt einen Artikel der englischen „National Review" über die Vorteile eines französisch-englischen Bündnisses. Die „France militaire" übernehme diese Ausführungen mit den einleitenden Worten: „Der betreffende Artikel enthält in der Tat alle Punkte, die für uns Franzosen bei einer englischen militärischen Mitwirkung in Betracht kommen, falls es zu einem Kriege mit Deutschland kommen sollte." Tie „National Review" hatte u. a. geschrieben: „Ein gigantischer Waffen gang zwischen Deutschland und England ist über kurz oder lang unvermeidlich." Prof. Schiemann ist der Meinung, daß das imperial. Organ für diesen Wunsch im eigenen Lande nur wenig Gegenliebe finden werde. In den maßgebenden Kreisen mache sich doch der Wunsch immer lauter geltend, die freundschastlichen'Beziehungen gerade mit Deutschland möglichst zu hegen und zu pflegen.
Wir stimmen hier nicht ganz mit der Auffassung Schiemanns überein. (Sine gewisse Friedensgarantie bietet das Friedensbedürfnis des englischen Volkes, das nichts wie Steucrvermehruug und Vermögensverluste aus dem südafrikanischen Krieg hat entstehen sehen; die immer lauteren Versicherungen englischer Staatsmänner und Blätter schätzen wir weniger hoch ein.
„Daily Telegraph" begrüßt mit besonderer Befriedigung die Möglichkeit einer Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und König Eduard, die den Wunsch der beiden Völker nach Wiederherstellung der alten freundschaftlichen Beziehungen das Siegel der Erfüllung aufdrücken würde. Tie letzte Wolke würde damit vom politischen Horizont verschwinden, da hiermit nicht nur die Herausforderung des bösen Willens zwischen Deutschland und England entmutigt, sondern auch die Mittel gefunden werden würden, die Beziehungen zwischen Berlin und Paris stabiler und freundschaftlicher zu gestalten.
Tie englische Politik folgt ausschließlich praktischen Erwägungen, und wenn es ihr nützlich erscheint, so verleugnet sie morgen, was sie heute gepriesen hat. Also es wird gut sein, sich nicht in Sicherheit
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW zeigenteil: Hans Beck.
Iie heutige Dummer umfaßt 8 Setten.
Die sozialdemokratische Akademie.
Tie bevorstehende Gründung einer sozialdemokratischen Hoch- oder Kriegsschule ist eine Folge des Diätengesetzes. Tas sozialdemokratische Zentralorgan mag sagen: „Wir konnten diese Schule auch ohne diese Ersparnisse der Parteidiäten vornehmen." Tatsache bleibt doch, daß die Ersparnis bezw. Mckzahlung der Diäten der Anlaß zu der Gründung gewesen ist. Es sind nämlich von Parteidiüten 43 788 M k. an den Parteika ssierer zurückgezahlt worden. Die Angabe, daß dies der Gesamtbetrag der von der Partei ausgezahlten Diäten sei, kann nicht stimmen.
Tie geplante Hochschule ist ein unmittelbares Parteiinstitut. Weil die Berliner Ärbeiterbildungsschule dies nicht ist, so ist der Gedanke, die Hochschule an sie anzulehnen oder aus ihr aufzubauen, fallen gelassen worden. Als Leiter bezw. Sekretär ist Tr. Erdmann, bisher Chefredakteur der „Rhein. Ztg." in Köln, auserschen worden. Lehrfächer sollen sein: Nationalökonomie, Soziologie, histor. Materialismus, Geschichte der sozialdemokratischen Partei, Geschichte der bürgerlichen Parteien, Verfassungswesen und soziale Gesetzgebung, Gesetzeskunde (insbesondere die wichtigsten Bestimmungen des Strafrechtes, des Strafprozesses und des bürgerlichen Rechts), Gewerkschaftswesen und praktische Sozialpolitik. Tas Lehren des Deutschen deutet aus den Charakter des Instituts als Hochschule hin: Die Elementaria werden vorausgesetzt. Schule und Schüler werden nicht bloß von der Partei, sondern vollständig vom Parteivorstande abhängen. Die Landes- oder Provinzialvorstände schlagen geeignete Personen vor, der Parteivorstand aber ernennt sie. Hier dokumentiert sich wieder der absolute Charakter der sozialdemokratischen Partei- Verfassung, der allen demokratischen Grundsätzen Hohn spricht. In der Demokratie geht das politische Leben von unten nach oben. In der deutschen Sozialdemokratie aber ist es umgekehrt. Selbst der Aufbau der Partei erfolgt von oben, indem bei Ausschluß ein Parteivorstands- mitglied oder ein Parteivorstandsüelegierter die ausschlaggebende Stimme hat; von den Parteiblättern kommt eines nach dem anderen in den Besitz der Gesamtpartei, d. h. unter die Verwaltung und den Einfluß des Parteivorstandes, nun soll auch noch über die Gewährung eines Rechts wie das auf Hochschulbesuch der Parteivorstand souverän entscheiden. Je älter und befestigtLr die Herrschaft des gegenwärtigen Parteivorstandes (in seiner seit 1890 wenig veränderten Zusammensetzung) wird, um so entschiedener wird allem demokratischen Geiste in der Partei der Garaus gemacht. Freilich endlich wird die auf die Spitze getriebene Entwicklung nach der absolutistischen Seite hin doch einmal eine Reaktion notwendig machen.
Sehr auffallend ist die Ankündigung, daß „auch" die Generalkommission der Gewerkschaften die Erörterung einer ähnlichen Schule plant. Dem Anschein nach liegt hier wieder ein Ri.valenkampf vor.
Aus Berlin wird uns geschrieben:
Der int Herbst ins Leben tretenden Agitationsschule wird es an Zuspruch aus Parteitreuen nicht fehlen, ebensowenig aber auch an Beachtung seitens der Behörde. Da es sich um einen regelrechten Unterrichtsbetrieb handelt, der der amtlichen Kon- zessionierung bedarf, bürften sich schon beim Beginn bes Unternehmens Schwierigteiten Herausstellen. Die Teilnehmer an den „Ausbildungslursen" werden vollständig auf Kosten der Partei leben. Welche bürgert. Parteiorganisation kann sich solchen Luxus geflattert? Allerdings ist das sozialdemokratische Beispiel nicht ohne Vorgang auf jener Seite, wenigstens in der Idee. Unseres Erinnerns ist etwa zur Zeit der letzten Reichstagswahlen in Zentrumskreisen angeregt worden, in Köln regelmäßige politische Aüsblldungskurse zu veranstalten, um geschulte Agitationsredner für die Wahlkämpfe heranzubilden. Man hat indessen nichts davon gehört, ob und inwieweit dieser Gedanke verwirllicht worden ist.
In sozialdemokratischer Fassung präsentiert er sich jedenfalls in, ausgereift erer Form. Es kan.t keinem Zweifel unterlieget, daß die „rote Parteiakademie" besonders im Hinblick auf dieWahlen eingerichtet wird. Man will für den Sommer 1908 einen den Dreimillionensieg in* den Schatten stellenden Erfolg gegen die bürgerl. Parteien vorbereiten, einen Gewinn, für den wohl weniger die Zahl der eroberten Mandate, als die auf die Kandidaten der Sozialdemokratie abgegebenen Stimmen den Maßstab liefern sollen. Denn auch mit zwanzig neuen sozialistischen Mandaten würden sich die Mehrheitsverhältnisse im Reichstag nicht wesentlich verschieben lassen, wenn die Zolltarifparteien auch weiterhin zusammenhalten. Aber die Möglichkeit, als stärkste Partei Deutschlands den Borsprung vor beit bürgers. Gruppen ziffernmäßig zu vergrößern, eröffnet Aussichten auf Steigerung der moralischen Bedeutung der Partei, die von keinem Agi- tationsrnittel an Wirksamkeit übertroffen werden könnte.
Offenbar unt dieses Ziel zu erreichen, soll die Partei-Kriegsschule in Berlin eine Truppe gewandter Wahlredner heranbilden, die zum Entscheidungskampf in das Land hinausgeschickt werden, um Mitläufer zu werben. Denn die Größen der Partei sind teils zu alt, teils in der Wahlzeit zu sehr in Anspruch genommen, um das Agitationsgeschäft betreiben zu können.
Vielleicht wollen Bebel und sein Stab durch Gründung der Agitatorenschule auch beizeiten die Unabhängigkeit der Partei von den Gewerkschaften sicherstellen, mit denen eine in den Folgen noch nicht abzusehende Meinungsverschiedenheit — Massenstreik — besteht. Die Gewerkscl-asten verfügen über geschickte Wahlredner, denen bie Partei manchen Erfolg zu danken hat. Auf sich selbst gestellt, würde letztere erst zeigen müssen, was sie zu teilten vermag. Eine wissenschaftl. Bildung kann die Agitationsschule natürlich nickst vermitteln, immerhin aber das notwendigste geistige Rüstzeug für den politisckjen Tageskampf an die Hand geben, und das erachten die Gründer als genügend yim Kampf gegen das zersplitterte Bürgertum.
politifd?e Lages?charr.
Die deutsch englischen Freundschaftskundgebungen, öer Besuch d e u t s ch c r I o u r u a l i st e n i n L o u d o n, ein wenig mehr Ruhe und Sachlichkeit in der Pariser Presse
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guter Familie wick auf AM
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