Ausgabe 
18.10.1906 Zweites Blatt
 
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Die Anstcllungsvcrhältnisie der hessischen Gerichtsschreiberkarriere.

Man schreibt uns:

Wir haben in unserem Hessenland zurzeit 57 Aktuare Artb 98 Aktuariatsassistenten staatsmäßig angestellt. Dieser Zahl anqestellter Beamten stehen nicht weniger als zirka 160 vorläufig verwendeter Gerichtsschreibergehülfen gegen­über, von denen die älteren auf Grund ihrer langjährigen treuen Dienste ihrer endlichen Anstellung harren. Die kurz vor der Anstellung stehendenGernchtsschreibergehülfen" haben durchweg das 30. Lebensjahr überschritten. In letzter Zeit gingen von den angestellten Beamten jährlich durch­schnittlich drei Beamte durch Pensionierung, Tod usw. ab, sodaß also, wenn die notwendige Aenderung der An- stellunasvcrhältnisse nicht vorgenommen würde, die neu angestellt werdenden Assistenten bis zu ihrer Anstellung als Aktnar 98:3 gleich 33 Jahre zu warten hätten. Es fei erwähnt, daß der letzte Aktuar am 6. Oktober 1906, der vorletzte am 5. Mai 1905 angestellt worden ist, also in, einem Zwischenraum von 17 Monaten und einem Tag. Mithin ist eine Durchschnitts'aßl hon 3jährlich durchaus nicht zu niedrig genommen. Für die ministeriell bestellten Gericsitsschreibergebülfen" sind die Aussichten noch trost­loser. Nimmt man für die letzrcren dieser einen jährlichen Abgang von durchschnittlich 5 Personen, so müßten diese bis zu ihrer Anstellung alsAssistent" .160:5 gleich 32 Fahre warten. Da diese zurzeit das 23. Lebensjahr sämtlich überschritten haben, so würden sie bis dahin 55 Fahre alt. Es dürfte mithin, da. wie oben erwähnt, die Wartezeit bis zur Anstellung als ,.Aktuar" weitere 33 Jahre beträgt, den wenigsten veraönnt sein,Aktuar" zu werden. Es sind aber noch etwa 70 geprüfteGerichtsschreiberaspiranten" vorhanden, die auf vorläufige ministerielle Verwend­ung warten, sowie 60 Aspiranten, die noch vor der Prüfung stehen. Wie trostlos die Aussichten für diese sind, bedarf wohl keiner näheren Ausführung. Hier besteht der Grund in Ueberfullung. Anders verhält es sich bei den ministeriell alsGerichtsschreibergehülscn" vorläufig verwendeten, an und in den 30er Jahren stehenden Leuten. Hier ist in dem Mißverhältnis der Zahl der definitiven Stellen gegen­über der Zahl des erforderlichen Personals die Ursache der schlechten Anstellunasverbältnisse zu erblicken. Durch die neue , im Jahre 1900 in Kraft getretene Gesetzgebung, hauptsächlich durch Bildung der Grundbuchämter war eine SteNenvermehrung erforderlich: aber die Negierung ließ diese Stellen, statt wien Preußen mit angesteltten Ge- richtssekretärcn, ministeriell mit Gerichtsschreiber- gehülfen besetzen, die einen Gehalt von 14001800 Mark erhalten, ohne die Zahl der definitiven Stellen zu ver­mehren. So kommt es, daß die Fortführung der neuen Grundbücher, die eine große Sorgfalt und kolossale Ver­antwortung erfordert, welche zu der gewährten Vergütung in keinem Verhältnis steht, durch diese ministeriell bestellten Gerichtsschreibcrgehülfen erfolgt. Welch traurigen Familien­verhältnisse können dadurch entstehen, daß dem Gerichts- schreibergchülfcn bei der Ausübung seines verantwortungs­vollen Amtes ein Versehen unterläuft, wofür er mit seinem Vermögen zu haften hat, und anderseits, wenn ihm durch Krankheit usw. nach vielleicht langjährigen treuen Diensten die weitere Ausübung seines Dienstes unmöglich gemacht wird, und er seine Stellung au.fgeben muß, ohne, als Nichtangestellter, einen Anspruch auf Pension zu haben. Als Lohn für seine langen Dienste kann es ihm passieren, daß er mit seiner Familie geradezu auf die Straße gesetzt wird, und er von dem Erbarmen und dem Mitleid seiner Angehörigen abbängt, wenn er solche überhaupt noch hat. Diese Tatsachen dürften erhellen, daß die hessische Regier­ung zur baldigsten Beseitigung dieserMisere" dringend verpflichtet ist und diesen elenden Zuständen ein Ende macht, will ^'e haben, daß diese Beamten, deren loyale Halt­ung und Diensteifrigkeit sie bis jetzt stets anzuerkennen genötigt war, ihre Dienste in der seitherigen Weise ver­sehen.

Gelegenheit hat fic hierzu, durch anderweite Organisation der Gerichtsschreibercien. Zurzeit steht einer Gerichtsschreiberei ein Aktuar vor, der außer seinen sonstigen enormen Arbeiten den ganzen Geschäftsbetrieb zu überwachen hat, eine Aus­gabe, die ihm trotz aller Ueberanstrengung zu erfüllen nicht möglich ist, während in Preußen dem Vorbild in sonst allen Angelegenbeiten die Gerichtsschreibereien in Ab­teilungen eingeteilt sind, denen etatsmäßig angestellte Beamten vorstehen. Die Folge dieser Einrichtung in Hessen wäre, daß die überaus große Verantwortung der Aktuare, die da? Privatrecht mit sich bringt, geteilt und dem Stellenmangel durch diese anerkannte Einrichtung abgeholfen würde.

Auch die Einführung der sich sonst gut bewährenden Gerichtskasten und Besetzung mit Aktuaren würde dem Nebel etwas abhelsen. Die probeweise Einführung von Gerichts­kasten an den rheinhesstschen Gerichtsschreibereien, welche durch Uebergang der Hppothekenämter an die Amtsgerichte einen ganz erheblichen Geldverkehr zu bewältigen haben, wäre gewiß angebracht.

Arbeiterbewegung.

Magdeburg, 17. Oft. Die Elbwü> fahrts-GefellsHaften haben d'e S ctz i sfsrn g uns chci ft en. die ihre Arbeit verlassen haben, tn-'nen Kontraltbruches gesetzlich belangt. Im Streik sind 300 Mann. ,

Hamburg, 17. Oft. Fn einer V"rmmmlung sämtlicher am Ausland der a b e r e l b i s ch e n Binnenschiffer be­teiligten Ve^tsleute, Maschinisten und Heizer gab der Gauleiter Rocksien bekannt, daß bis jebt hier in Hamburg 477 Bootsleute und 9 Mnfch-'uisten ausständig ''ind. Die Leitung des Hafen- arbeiterverbandes beharre auf den Standpunkt, daß die Kün- digung rechtzeitig Wirch der: Bevollmächtigten Deckert lMagde- tinrg) erfalat fei und daß von Kontraltbruch keine Rede fein könnte. D'k Versammlung stimmte dem zu und beschloß, daß sämtliche Ausst^ndiae heute ihre Fw'r-euge verlassen sollten. Bis­her hat der Streik auf den Schiffsverkehr keine erkennbaren Folgen a"saenbt Entlöschuna und B-Kadrmg geht weiter, wenn auch mit Schwierigkeiten. Vor dem hiesigen Amtsgericht wurde Termin abgehalten in Sachen der von den vereinigten Elb- schiff a b r t s g e s cl l s ch a f t e n gegen 18 Vootsl eut e er­hobenen Klage auf Entschädigung von 18 Mark pro Mann, weil dieselben am 11. Oft. die Nachtarbeit ver­weigert hatten, um eine Versammlung zu besuchen. Die Beklag­ten erhoben Gegenklage auf Entschädigung von 26 Mark vro Mann, weil sie zu unrecht entlassen wurden Beide Parteien stellten Beweisanträge zur Vernehmung von Znkgen. Die (5nb scheid"na b.'s fr^i-b ar" 19. Off, erfolgen.

Landwirtschaft.

p. Aus dem Kreise Wetzlar, 17. Oft. So schön wie nur jemals ist diesen fcerbft bie Kartoffelernte von statten gegangen. Der Ausfall ist günstiger, als anfangs angenommen wurde; trotzdem stellt sich der Preis für den Zentner auf 3 Mk. De- Ertrag derEnglischen" auch©rntner" genannt, war sehr- gering. Der Hauptgrund liegt darin, daß diese Sorte bei uns schon zu lange eingebaut wird» also abgewirtschaftet ist. ,Welt­

wunder',Ruhm von Holger" undIndustrie* haben gut getragen. Unterschiedlich ist das Ernteergebnis von Magnum bonum. Nur noch wenig sindImperator" und .Schneeflocke" angebaut worden. Der Ertrag war mittelmäßig.

Universitäts-Nachrichten.

Dem ordentlichen Professor der Physik und Direktor des physikalischen Instituts an der Universität Würzburg Dr. Wil­helm Wien, der bekanntlich vor kurzem einen Ruf an die Ber­liner Universität als Nachfolger Paul Drudes abgelehnt hat, wurde der Titel und Rang eines Geh. Hofrates verliehen. Prof. Wien ist in Würzburg Röntgens Nachfolger und war vordem in Gießen. Mit der Vertretung des Strasrechtslehrers a. o. Pro­fessors Tr. Alexander Burggrafen Dohna an der Universität Königsberg i. Pr., der als Begleiter des Prinzen August Wilhelm von Preußen nach Bonn übersiedelt, wurde der Privat­dozent für Strafrecht und Strasprvzeßrecht Tr. Paul Merkel in Marburg beauftragt.

Gerichtssaal.

Würzburg, 17. Oft. Das Oberkriegsgericht bestätigte das Urteil des Kriegsgerichts, wonach der Soldat 2. Klasse Kettner, der in Landau in der Pfalz einen Gefängniswärter überfiel und folange schlug, bis er die Freiheit erlangen konnte, zu 7 Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist.

handel uiib Verkehr, Volkswirtschaft.

Privatdiskont. Es verdient bemerkt zu werden, daß der Privatdiskont an der gestrigen Berliner Börse mit 4/» Prozent notierte, während er an der Frankfurter Börse zuerst bis 5 '/,« Prozent ging und dann wieder bis 5 Proz. nachließ.

Deutsche Reichsbank. Nach dem neuesten Ausweis für die zweite Oktoberwoche befindet sich die NeichSbank noch mit 230,62 Mill. Mk. in der Notenstener gegenüber einer Noten­steuer von 398,64 Mill. Mk. am 6. Oft. d. I. Es haben neuerdings ziemlich starke Wechseleinreichungen stattgefnnden und hierauf ist es in der Hauptsache zurückzuführen, daß der Wechsel- bestand, der in der vorjährigen Parallelwoche um 106,67 Mill. Mark zurückgegangen war, sich diesmal nur um 33,94 Mill, verringert hat. Der Bestand geht zurzeit um 163 Mill. Mk. über seine vorjährige Höhtz hinaus. Hingegen hat sich der Lom­bard um 30,98 Mill. Mk. ermäßigt; in der korrespondierenden Woche des Vorjahres war er um 9,35 Mill, stärker geworden.

R u s s i s ch e W e r t e. Es fteb-t fest, daß für russische Werte jeder Art sich eine wesentliche Besserung geltend gemacht hat und die Kurse nicht allein an der Pariser und Petersburger Börse sondern auch in Berlin und Frankfurt steigen. Während die 4 proz. Russen von 1902 am 25. Sept, noch 70,50 standen, no­tierten sie gestern 74,10. Die Petersburger Internationale Han­delsbank und das offiziöse Petersburger Telegravhenbureau im Verein mit den Berliner Handelsagenten der russischen Regier­ung arbeiten Hand in Hand um die Finanzlage Rußlands in ein möglichst günstiges Licht zu setzen. Manches mag sich in letzter Zeit auch gebessert haben, ob aber die Wunden, die der Finanzkraft des Landes andauernd feit nunmehr 3 Jahren geschlagen wurden, jetzt auf einmal und in schnellem Verheilen begriffen sind, ist eine noch offene Frage. Man möge nur daran denken, daß, um die Agrarfrage befriedigend zu lösen, ganz be­deutende Geldmittel gebraucht werden, denn mit den Landschenk­ungen allein ist es nicht getan. Es gehört viel Geld dazu, um es fruchtbar zu machen und nur eine, aufs äußerste durchgreifende Reorganisation des Beamtentums wird dazu beitragen, daß diese Frage auch befriedigend gelöst werden kann. Ob die gute Mein­ung für Russenwerte, die sich jetzt zeigt, anhält und auch an- halten kann, wird stch bald erweisen. Allerdings, der Spekula­tion sind die gegenwärtigen Verhältnisse in jeder Beziehung willkommen. Die hochverzinslichen Anleihen sind an sich sehr billig und deshalb für spekulative Zwecke gut zu verwenden.

Märkte.

§ Grünberg, 17. Oft. Nnferm heutigen G al lusm ar kt blieb das seitheriae spötsommerliche Wetter treu, so daß der Markt in seiner Ausdehnung und seinem starken Besuche leb­haft an feine früheren Glanzperioden erinnerte. Der in den Vormittagsstunden abgehalPne Viehinarft war mit Rindvieh stark, mit Schweinen außerordentlich stark befahren. Der Nindvieh- m ar f t zeigte außer gewöhnlichem Vieh auch reinrassige Stücke, für den außerordentlich hohe Preise bezahlt wurden. Sechs- bis achtwöchentliche Saugkälber, Simmentaler Reinrasfe, erzielten 200 Mark und mehr, trächtige Rinder desselben Viehschlages bis zu 916 Mark. Diese Preise zeigen unseren Landwirten deutlich, wo bei der ViehzuchtBmstel den Most holt". Allerdings waren auch die sonstigen Preise für das Rindvieh ungewöhnlich hoch. Dessenungeachtet ging der Handel flott bei lebhafter Nachfrage. Ter Schweine markt war so stark überfahren, daß ungefähr ein Drittel der Jungfchweine unterlauft blieb. Hier stockte denn auch der Handel und die Preise flauten ab. Zwei Faktoren beengen den Schweinemarkt: die starke Masse der vorhandenen Fnngfchweine und der minder gute Ausfall der Kartoffelernte. Bezahlt wurde für geringere Ferkel 3035 Mk.. bessere 4046 Mark, beste 5055 Mark, ganz schwere 6070 Mark. Läufer kosteten das Paar 8084 und 8490 Mark, schwerere Einleg­schweine 100130 Mark Der Volksmarkt hatte einen außergewöhnlich starken Besuch: der Gallusmarkt bewährt bei schönem Welter immer noch seine alte Anziehungskraft. Die Wirte und Metzger machten zufriedene Gesichter ob der guten Geschäfte.

§ Gedern, 16. Oft. Der heutige Schweinemarkt war gut befahren, besonders mit Ferkeln. Diese kosteten durchfchnitt- lich 3040 Mark das Paar. Einlegschweine 60100 Mark je nach Qualität. Fette Schweine wurden mit 61 Pfg. für das Pfund Lebendgewicht berghlt.

fe. Frankfurt a. M., 18. Oft. (Telegr. Oriq.-Bericht des ,.Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Biebmark t- vreise. Zum Verkaufe standen: 31 Ochsen, 2 aus Oesterreich 2 Bullen, 0 aus Oesterreich, 96 Küße, Fersen, Stiere und Rinder 0 au5 Oester., 536 Kälber, 295 Schafe und Hammel, 0 Ziegen, 0 Ziegenlämmer, 0 Schastämmer. Bezahlt wurde für

das Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 8589 Mk., 2. Qualität 76-80 ' Mk., 3. Qualität 6972 Mf.; Bullen 1. Qual. 7780, 2. Qual. 0000; Rübe 1. Qualität 8183 Mk., 2. Qual. 7900 Mk., 3. Qual. 6770 Mk., 4. Qual. 0000 Mk., 6. Qual. 0000 Mk. Kälber 1. Qual. 100106 Pfg., Lebeudaewicht 6063 Pfg., 2. Qualität 96100 Pfg., Lebendgewicht 5659 Pfg., Schlachtgew. 7578 Pfg.: Schafe: 1. Qual. 8183 Pkg., 2. Qual. 0000 Pfg. Geschütz: bei Hornvieh Markt lebhaft, Neberstaud be­deutend, bei Kleinvieh lebhaft, kein Ueberftanb.

0 Kirchhain, 17. Oft. Zu den gestrigen Rindvieh­markt waren nur 250 Kühe und Rinder zugetrieben. Bei hohen Preisen herrschte flottes Geschäft.^Airf dem Schweine- markt betrug die Zufuhr über 700 Stück Ferkel kosteten pro Paar 2630 Mark, 34 Monat alte Säufer 80100 Mark und Mastschweine pro Stück 90120 Mark, je nach Größe und Qualität.

Israelitische Nellgiorrsgefeltfchaft.

<-' offesbtettn.

©abbatbfeier ain 20. Oktober 1906:

Freitag abend 4.50 Uhr.

Samstag vormittag 8.30 Uhr, nachmittag 3.30 Uhr.

Sabbath-Ansgang 6.10 Uhr.

Wochengottesdieust: morgens 7.00 Uhr, abends 5.00 Uhr.

Israelitische Religionsgemeinde. prottesdien" f» der 5n"n<toge (Sndansaae). Samstag, den 20. Oktober 1906.

Vorabend 5.15 Uhr.

Morgens 9.00 Uhr. Nachmittags 3.30 Ufr.

SÄriftcrkläruug.

Sabbathausgang 6.10 Uhr.

Fasnilieir-Naccrtchtetr.

Gestorbenc. Herr Carl Theodor Sommerlad, Biedenkons. Frau Henriette Raab, geb. Römer, Wetzlar. Frau Bertha Rathgeber, geb. Rommershausen, Wetzlar. Frau Bürgermeister Konrad Henfel I. Wwe., Katharine, geb. Dietz, Schwalheim. Frau Distriktseinnehmer Reuter Wwe., Grünberg. Fräulein Elisabeth Lipvold, Friedberg.

Gießener Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung für Hessen am Freitag den 19. Oktober: Meist heiter, trocken, morgens Nebel. Temperatur wenig verändert. Schwache östliche Winde.

Original-Drahtnieldungen.

Erfurt, 18. Okt. Das Kriegsgericht verurteilte den Kanonier Ullerich wegen fahrlässiger Tötung zu 7 Wochen Gefängnis. Infolge eines Versehens von Ullerich wurde bei Göslcben einem Kinde durch einen Kanonenschuß der Kopf abgerissen. x>-

Hamburg, 18. Okt. Wegen öffentlicher Beleidigung von Arbeitswilligen anläßlich der Hafenarbeiter- Aussperrung im Jahre 1905 wurde der Redakteur Görbitz des gewerkschaftlichen BlattesDer Hafenarbeiter" zu 400 Mk. Geldstrafe verurteilt, während der Staatsanwalt 2 Mo­nate Gefängnis beantragt hatte.

Oldenburg i. Gr., 18. Okt. Im ersten oldenburgi- schen Wahlkreise sind die Nationalliberalen entschloßen, mit den Freisinnigen zusammen zu gehen. Die beiden freisinnigen Parteien haben sich für die nächste Reichs- tagswahl geeinigt.

Paris, 18. OFL Die Sozialisten-Partci hat beschlossen, eine von Bebel unter den deutschen Sozialisten er­öffnete Subskription zu Gunsten der Humanits, des BlatteS des Sozialistenführes Iaurös, an zu nehm en.

Paris, 18. Okt. Der russische Minister des Auswärtigen. Tswolski ist hier eingetroffen.

Paris, 18. Okt. Jin Marine-Ministerium ist aus Biserta ein Telegrainm eingetroffen, wonach die Arbeit, der Taucher vergeblich mar. Ueber die Ursache der Katastrophe verlautet, daß das Unterseeboot int Augenblick des Untertauchens ein Leck erhalten habe. Man vermutet daher, daß alle Insassen ertrunken sind.

Nom, 18. Okt. Der deutsche Botschafter hat den sizilianischen Bildhauer Nutelli im Namen des deut­schen Kaisers eingeladen, nach Dresden zu kommen, um dort das zu Ehren Crispis errichtete Denkmal in Augenschein zu nehmen. Das Denkmal wird am 2. Nov. eingrweiht werden. Bei dieser Gelegenheit wird auch der italienische Vautenminister als Vertreter der Negierung in Dresden eintreffen.

Petersburg, 18. Okt. Das ehemalige Duma- mitglied Namschvillc, welcher in der sozialistischen Fraktion der beste Redner war, ist zu drei Jahren Verbannung nach Sibirien verurteilt worden.

Telefonäsche Kursberichte

des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Glessen.

Frankfurter Börse, 18. Oktober, 1.15 Uhr.

3z4*/o Reichsanleihe . . 98.00 3% do. . . 86.15 3M7o Konsols .... 98.00 3% do 86 25 3%°/0 Hessen . « . . 97.60 3%°/n Oberhessen . . . 4% Oesterr. Goldrente. . 98.70 4*/s % Oesterr. Silberrente 99.35 4% Ungar. Goldrente . . 94.80 4?u Italien. Rente . . . 102.70 3% Portugiesen Serie I . 69.30 3% Portugiesen III 70.20 4%°(n rnss.Staatsanl. 1905 87.55 4%°'n Japan. Staatsanleihe 93.10 4% Conv. Türken von 1903 94 20 Türkenlose 146.20 4% Griech. Monopol-Anl. 53.35 4% äussere Argentinier . 87.75 3°/0 Mexikaner .... 67.70 4>5% Chinesen .... 96 75

Aktien:

Bochum Guss 241.70

Buderus E. W .... 127.

Elektriz. Lahmeyer . . . 141.50 Elektriz. Schuckert . . . 126.70 Eschweilcr Bergwerk . . 244.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 222.80 Hamburg - Amerik. Paketf. 159.75 Harpener Bergwerk. . . 211.60 Laurahütte 250.00 Nordd. Lloyd 124.60 Oberschles. Eisen-Industrie 129.50 Berliner Handelsges . . 171.90 Darmstädter Bank . . . 139.50 Deutsche Bank . . . 238.60

Deutsch-Asiat. Bank . . 172.00 Diskonto-Kommandit. . . 183.00 Dresdner Bank . . . 157.00 Kreditaktien 211.40 Baltimore- und Ohio-

Eisentahn . . . 124.60

Gotthard bahn Lombard. Eisenbahn . . 37.00 Oesterr. Staatsbahn . . . 147.60 Prince-Henri-Eisenbahn . 147.00

Tendenz -. ruhig.

Berliner

Börse, 18. Oktober. Anfangskurse.

Canada E. B 183.20

Darmstädter Bank . . . 139.20

Deutsche Bank ....

Dortmunder-Union C. . . 83.00

Dresdner Bank .... 157.00 Tendenz: schwächer.

Harpener Bergwerk. . . 211.25

Laurahütte 249.00

Lombarden E. B. ... 37.00

Nordd. Lloyd 124.60

Türkenlose . ....

Es war eine schreckliche Zeit!

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Oberlahnstein, den 7. Juni 06. Meine Krankheit dauerte 8 Monate und bin von einem Arzt zum anbereu gegangen feiner konnte mir helfen. Wohl hatte ich durch Arznei eine achttägige Lindernng, nachher war es wieder das alte Leiden. Es war mir gerade als stünde mein Blnt still und ich bildete mir ein, jeden Augenblick sterben zu müssen. Sagte jedes Mal zu meinen Angehörigen, so oft ich Arznei nahm:So, die kann das bischen Blut nochmals

durcheinander treiben, und würbe dann dadurch der Tod noch einige Stunden fern bleiben." Es war eine schreckliche Zeit. Anfang?, d. h. die ersten 3 Tage, habe ich bei dem Verbrauch FbresVioson" in einen Tasienkopi einen halben Eßlöffel voll Milch, nach diesen 3 Tagen einen gestrichenen Eßlöffel genau ab- geftriefien verbraucht und zwar morgensm 10 Uhr, um 2 Uhr nachmittags und um 6 Ubr nachmittags; wenn ich es später abends nahm, so faß die Milch über Nacht fest in meinem damals schwachen Magen. Für abends kann inan sich wie ich erprobt habe eine feine, aber auch wirklich wohlschmeckende Suppe bereiten. Durch IhrBiofon" war ich innerhalb 8 Wochen wieder ganz genesen! Nervosität (Neurasthenie^ nervöse Verdanungsstoning war meine Krankheit. Bei dem Genuß ihres .Biosou' steigerte sich zuerst der Schlaf, denn ich batte seit 3 Wochen keine halbe Stunde geschlafen: dann nahm der ?lvvetit von einer Mahlzeit zur andern zu, ich fnblte innerhalb 10 Tagen ein ganz andere? Leden. Ick freute und) an Allem, konnte mir wieder mit allerhand Befchäfligung Zeitoertrew machen kurzum, vielen Dank meinem lieben Arzt nnb dem guten .Biofon", welche? mich vom sicheren Tode gerettet hat. Innerhalb 6 Wochen nahm ich 15 Pfund zu und sah hübsch rot aus, schaue klar aus den Llugen und fühlte mich noch nie so krattig wie letzt. Hochachtungsvoll Jobanne? Neff. Amtlich be- alan ugt Oberlabn'tein, den 22. Juni 1906. Der Magistrat. I- A.: Vm;, Stadt,cfretär.

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