Ausgabe 
20.6.1906 Zweites Blatt
 
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in Genf zu begleichen habe. Nach der Verheiratung habe er erfahren, daß seine Frau noch eine ganze Reihe weiterer Schulden habe. Als Leutnant habe ich zehn Jahre ohne Zuschuß gelebt. Ich habe keine Bedürfnisse und bin an eine spartanische Lebensweise gewöhnt. Da aber entdeckte ich, daß meine Frau unsinnige Schulden hatte. Nach der Geburt deS ersten Kindes bestellte sie für 3 200 Mark Erst- l'ingswäsche. Ich muß bemerken, daß ich vom Unter­suchungsrichter in einer ganz furchtbaren Weise behandelt worden bin. Der Untersuchungsrichter Hot mich geradezu mit Hohn überschüttet. Ich hätte cs niemals für möglich gehalten, daß ein UntersuchungSgefanacner so behandelt werden könnte. Alle meine Entlastungsanträge wurden mit grinsendem Hohn zurückgewiesen. Ich habe ernstlich erwogen, ob ich mich von meiner Frau scheiden lassen soll. Die 6000 Mark, die ich von meinem Freunde Bandel für eine diesem erwiesene Gefälligkeit erhalten hatte, habe ich zur Bezahlung der Schulden meiner Frau verwandt. Ich habe, während meine Frau in England war, so sparsam gelebt, daß ich mir keinen Dienstboten gehalten habe. Ich habe mir lediglich von meinen Burschen ein Paar Kartoffeln kochen lassen. Ich habe von Bandel eine jährliche Zulage von 6000 Mark erhalten.

Der Vorsitzende hält dem Angeklagten ferner vor, daß ec laut Tagebuch im Jahre 1897 eine Schuldenlast von 10000 Mark hatte; er habe auch vielfach seinen Feldwebel angeborgt.

Auf ferneren Vorhalt aus den Tagebuchaufzeichnungen des Angeklagten v. Zander bemerkt letzterer: Er sei ein paar­mal vom Pferde gestürzt und habe dadurch starke Ge­hirnerschütterungen erlitten. Ec habe damals tatsäch­lich wiederholt öffentlich gesagt, er sei nicht verheiratet. Bandel habe ihm gesagt: er möchte gern im Interesse seiner Söhne den erblichen Adel haben. Er sei daraufhin nach Berlin gereist und habe auf dem Heroldsamt erfahren, daß jährlich mindestens 100 solcher Gesuche eingehen, von denen im Höchst­fälle sechs berücksichtigt werden. Er sei aber von Freunden an einen hervorragenden Schriftsteller empfohlen worden, der sich gegen ein sehr hohes Honorar bereit erklärte, die Er- digung der erforderlichen Formalien zu übernehmen.

2lus Stadt uns Land.

Gießen, den 20. Juni.

** Eine Sitzung des Provinzial-Ausschusses findet am Mittwoch, den 27. ds. Mts., vormittags 9 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Wirtschafts - betrieb des Richard Urmersbach zu Gießen im Hause Asterweg Nr. 12. 2. Gesuch des Wilhelm Müller zu Höchst a. d. N. um Erlaubnis zum Betrieb einer Gast­wirtschaft. 3. Beschwerde des Apothekers Welcker und Gen. gegen den Müller Heinrich Wagner IV. zu Allend orf a. d. Lda.

** Militärdienst nachrichten. Befördert zu Leut­nants der Reserve: die Vizefeldwebel bezw. Vizewachtmeister: Buchmann (Friedberg), des 2. Hannov. Jnf.-Reg. Nr. 77, Lamberth (Mainz), Schott (WormS), des 2. Nassauischen Jnf.-Reg. Nr. 88, Knaf (Friedberg), des 2. Oberrheinischen Jnf.-Reg. Nr. 99, Todt (Wetzlar), des Inf.- Reg. Kaiser Wilhelm (2. Gr. Hess.) Nr. 116, Blitz (Friedberg), des 2. Gr. Hess. Feldart.-Reg. Nr. 61. Der Abschied wurde bewilligt: den Oberleutnants Hager (Mainz), der Landw.- Inf. 1. Aufgebots, Obenan er (I Darmstadt), der Landw.- Jnf. 2. Aufgebots, beiden mit der Erlaubnis zum Tragen der Landw.-Armee-Uniform.

** Di e Vereinigung für gerichtliche Psycho­logie und Psychiatrie im Gr o ßl/er-ogtum Hessen hält ihre 4. Hauptversammlung Samstag, 7. Juli, in Butzbach ad. Um 10 UAr und IIV2 llhr vorm. findet vom Bahühof aus eine Besichtigung der Zellen­strafanstalt statt und um 1 Uhr mittags beginnen die Ver­handlungen im Hess. Hof. Aus der Tagesordnung stehen u. a. eine Erörterung über die Einr ich tun g von Ge- fängnislehrkurscn. (Referenten Direktor Clement- Butzbach). Professor Dr. Mittermaier-Gießen), sowie eine Diskussion über die Tätigkeit des medizinischen, im Besonderen des psychiatrischen Sachverstän­digen vor Gericht. Die Diskussion wird durch lÄnzel- referate über verschiedene Teilfragen durch Landgerichts­direktor Bücking-Gießen, Professor Dr. Mittermaier, Professor Dr. Sommer und Oberstaatsanwalt Theo­bald-Gießen eingeleitet werden. Ein gemeinsames Essen im Hess. Hof schließt sich an.

** Der Radklub Germania Gießen hatte am Sonntag zwei großartige Erfolge. Auf dem Sommerfest des Nordbezirk Gau IX des D. N. B. in Kirchhain errang derselbe auf der D a u e r f a h r t der Vereine über 100 Kilometer den 1. Preis mit 6,40 Punkten. Die Strecke betrug 103,70 Kilometer und wurde von 18 Mitgliedern in 6 Stunden 50 Minuten durchfahren. Beim Preis-Korso fiel dem Verein in Gruppe 2 der 2. Preis (prachtvolle silb. Bowle) zu. Die zwei wertvollen Preise find im Schaufenster des Möbelfabrikanten Kronenberg, Kaplansgasse ausgestellt.

** Verteuerung des schriftlichen Verkehrs. DaS offiziöse W. T. B. gibt die Meldung eines Berliner Blattes wieder, der zufolge verlautet, daß die Erhöhung des Postkartenportos im Stadt- bezw. Landbestellbezirk, sowie die Erhöhung für das Porto von außerordentlichen Zeitungsbeilagen schon am l.Juli d. I. in Kraft tritt. Die Postkarte wird von 2 auf 5 Pfennige erhöht, sodaß der frühere Status quo wieder hergestellt wird. Am Donners­tag wird sich der Bundesrat mit dieser Angelegenheit end- giltig befassen, worauf eine entsprechende Verordnung des Reichskanzlers ergeht. Es ist leider nicht anzunehmen, daß dec BundeSrat seine Zustimmung zu einer solchen über die Maßen unpopulären Verordnung versagen wird. Da die Reichsregierung den Privatpostanstalten die Konzession ent­zog, als die Verbilligung des Portos eintrat, so hat sie jetzt zum mindesten die Pflicht, neue Privatpostanstalten zu kon­zessionieren, wovon allerdings nur größere Städte profitieren würden, während die kleineren, in denen sich solche nicht rentieren können, allein das Nachsehen haben. Daß diese durch den Reichstag unbegreiflicher und unverantwort­licher Weise beschlossene Verieuerling, durch die unsere Haus­frauen im Verkehr mit Waschfrau, Metzger, Bäcker rc., be­sonders getroffen werden, in weitesten Kreisen Murren und Verdroffenheit Hervorrufen wird, unterliegt keinem Zweifel.

* Bei den Ergänrunaswahlen der Hand­

werkskammer, die in diesem Jahr vorgenommen wurden, wurden in Oberheffen (3. und 4. Wahlbezirk) gewählt: Spenglermeister Heinrich Kaiser in Grünberg und Hof­maler Georg HieronimuS in Friedberg als Kammer­mitglieder, Schreinermeister Heinrich Winkelhaus in Londorf und Spenglermeister L. F. Frick in Friedberg als Ersatz­männer.

X Bad-Nauheim, 19. Juni. Das dem Bank­hause Kahn u. Co. aus Frankfurt a. M. gehörige, alt­renommierte und bekannte HotelEuropäischer Hof" hier, wurde durch die Sensale Werntgen u. Co. in Frank­furt 0. M. für 800000 Mark an Hotelier Otto Hauff aus Wiesbaden verkauft.

Ehringshausen (Dill), 19. Juni. Am Sonntag und Montag feierte unsere freiw. Feuerwehr ihr 25jäh- riges Jubiläum und Anteilnahme von 17 freiwilligen Wehren. Bürgermeister Hoemaun und Gauvorsitzender Nikodemus aus Herborn beglückwünschten die hiesige Feuer­wehr. Gastwirt Ströhmann erhielt als Mitbegründer ein prächtiges Diplom überreicht. Das Fest, bei dem die Gießener Negimentsmusik konzertierte, nahm einen schönen Verlauf.

(N. d. Wetzl. Anz.)

[ ] Mar bürg, 19. Juni. Wie alljährlich zur Zeit deS Stiftungsfestes decTeutonia" sollte auch diesnml zu nächtlicher Stunde dec Schwan vor dec Schwanapotheke einen blauen Anstrich erhalten. Diesmal hatten die nächtlichen Maler jedoch ihre Rechnung ohne den Geschäfts­inhaber gemacht, denn ganz heimlich ließ dieser gestern abend den weißen Schwan von seinem Sockel nehmen und setzte an eine Stelle ein schwanähnlich zugeschnittenes himmelblau­gestrichenes Brett. Als nun vergangene Nacht vorsichtig um ich spähend die Maler mit Farbtopf, Pinsel und Leiter er- chienen, folgte einem allgemeinen Erstaunen ein homerisches Gelächter. Nichtsdestoweniger erhielt der Schwan i. V. heut einen Kranz mit blau-cot-goldnec Schleife und der berühmte Bär auf dem Bärenbrunnen neben seiner hübschen Dekoration eine blaue Teutonenmütze.________________________________

42. Jahresversammlung der Südwestdeutschen Konferenz für Innere Mission.

(t) Mainz, 18. Juni.

Der Vorsitzende, Profesior Weimar, übermittelte die Begrüßungen der Großherzöge von Hessen und Baden, des Ministeriums zu Darmstadt, der theologischen Fa­kultät zu Gießen usw.

Pfarrer Wahl-Langen führte über dieästhetische Gefahr" aus: Es gehe eine ästhetische Flutwelle durch unser Volksleben, weniger Neues schaffend, als die Erträge vergangener Perioden erneuernd, was er im Einzelnen auf dem Gebiete des Bauwesens, der Heimatkunst, des Kunst­gewerbes, dec Denkmalspflege, der Straßenanlagen, der literarischen Erzeugnisse, der Gesangs- und Müsikpflege nachwies. Aber die Vergangenheit und zumal die der italie­nischen Renaissance, mit der unsere Gegenwart viel Aehn- lichkeit habe, zeige schon, daß ästhetische Höhepunkte nicht immer notwendigerweise Zeiten sittlicher Erneuerung sein müßten; die Kunstpflege allein vermöge rwch nicht ein Geschlecht edler, christlich-sittlicher Charaktere heranzubilden. Die ästhetische Gefahr in der Gegenwart erblickt der Redner einerseits in Entartung der Kunst, sofern sie ausgesproche­nermaßen mit der Moral nichts zu schaffen haben Wolle, andererseits in der Ucbecschätzung der Kunst, die Kunst und Kunstgenuß zum religiösen Akt mache und die Religion ersetzet: wolle. Äe Kunst vermöge unser Leben zu vev- cdeln, verschönern und verbessern, aber nicht es zu tragen. Kirche und Kunst gehören nach des Redners Meinung auf das Engste zusammen; es müsse eine innige Wechselwirkung zwischen beiden bestehen.

In der 'Wb end Versammlung referierte u. a. Oberstaats- anwlckt Theobald von Gießen über die gesetzlichen Grundlagen der Jugendfürsorge. Als solche kom­men in Betracht das hessische Gesetz vom Jähre 1887, sowie das Bürgerliche Gesetzbuch, das aber weitgehende Bestimm­ungen der Landesgesetzgebung nicht außer Kraft setzt. Das Vorhandensein einer strafbaren Handlung ist nicht un­bedingte Voraussetzung der Zwangserziehung; es genügt, daß auf andere Weise Verwahrlosung erwiesen wird. Ob Austalts- oder Familienerziehung am Platze ist, ist der Entscheidung der Verwaltungsbehörden überlassen. Zu wünschen bleibt eine größere Beachtung der psychischen Seite.

M'ainz, 19. Jüni.

Heute morgen schritt man nach einer von Prälat D. Walz gehaltenen Morgenandacht zur 2. Hauptversammlung. Psr. Mahlt ng von Frankfurt behandelte darin die Frage: W elche Pflichten hat der Einzelne im Kampfe gegen das Alk0h0 lelend?" Seine Thesen wandten sich' hauptsächlich gegen die Trinksitten als die hauptsäch­lichste Ursache der Trunksucht und des Alkoholelends. Mit reichem, amtlichen und wissenschaftlichen Quellen entnom­menen Zahlenmaterial wurden die Thesen begründet und die Nachteile des Mkoholgenusses in gesundheitlicher und sittlicher Hinsicht erwiesen. Als ein wirksames Gegenmittel wurde nicht vom medizinischen und nicht vom sittlich- religiösen, sondern vorzugsweise vom Standpunkt der Taktik aus die völlige Abstinenz empfohlen und Zu­sammenschluß mit Gleichgesinnten; von den verschiedenen dieses erstrebenden Verbänden komme für den Anhänger der Inneren Mission in erster Linie der Verein vom blauen Kreuze in bett acht.

Eine rege Diskussion folgte dem Vorttag. Scheffer, der Oteschäftsführer des Zentralausschusses in Berlin, stellt die Frage, ob Abstinenz oder Mäßigkeit, zur Diskussion, die von Dr. Wurster-Friedberg dahin beantwortet tvird, daß die Abstinenz das Wirksamere sei, er hält es, ebenso wie Prälat D. Walz, für das Wichtigste, eine Geselligkeit zu schaffen ohne Mkohol. Professor Dr. Drews-Gießen behandelt die Frage Alkohol 11 n t> Universität und stellt hier einen Fortschritt zum Besseren fest, der namentlich der medizinischen Fakultät zu danken sei, weitere Besserung hänge von der Reform der Gast­häuser ab.

Folgende Resolution gelangte zur Annahme:

Die Hauptversammlung der südwestdeutschen Konferenz für innere Mission hat aus dein Vorttag: Welche Pflichten hat der Einzelne im Kampfe gegen das Alkoholelend? und aus der darauf folgenden Besprechung den Eindruck und die Ueberzeugung gewonnen, daß dec Kämpf gegen den Alkoholismus am besten durch persönliches Eintreten für die Sache, insbesondere durch Bekämpfung des Trinkzwanges und der Trinksitte geführt wird und daß die gänzliche Abstinenz, welche aus Liebe zum Nächsten übernommen wird, das wirksamste Mittel zur Bekämpfung des Alkoholts- mus ist. Die Versammlung wünscht diesen Bestrebungen im Interesse der VolkswoMsahrt vollen Erfolg unb empfiehl

Gasthausreform und die Schaffung von Vollserholurrgs^ stätten ohne Mkohol."

vermischtes.

* Leipzig, 19. Juni. In der Doelkauer Heide hat zwischen einem Leipziger Studenten und einem Referendar aus Halle ein Pistolenduell stattgefunden, bei welchem der Student durch einen Schuß durch die Lunge ge­tötet wurde.

* Ein Totesgelübde unter Ehegatten. Aus Wien wird gemeldet: Der Essigfabrikant Michael' Eisenbahn und seine 67 jährige Gattin Rosa waren einander so in Liebe zugetan, daß sie beschlossen, wenn der eine Teil stürbe, der überlebende Teil ihm in den Tot nachfolgen sollte. Der Ehemann kaufte zu diesem Zwecke Morphium. Das Gift wurde sorgsam aufbewahrt.. Nun erkrankte vor einiger Zeit der Ehemann sehr schwer, und die Gattin, die trostlos war, erneuerte das Ver-- prechen. Als der Mann nun vorgestern den letzten. Atemzug getan hatte, ging die Frau daran, das Der- precher einzulösen. Sie holte das Gift hervor, legte sich in ein Bett neben dem Bette, in dem der Tote ruhte, und rank das Gift. Man fand sie jedoch noch lebend auf und brachte sie ins Krankenhaus. Es ist jedoch ungewiß, ob sie wieder hergestellt werden kann.____________________

GerrchtssaaL.

(d.) Mainz, 19. Juni. Zweite Strafkammer. Die rüheren Lehrerinnen der Klein-Kinderschule in Nieder-Saulheim, Maria Angelika Mundschenk aus Bodenheim, jetzige Ehefrau des Landwirts Jakob Reinhardt in Nieder-Olm und Fräulein. Katharina Scheuermann aus Lorch, wohnhaft in Nieder-Olm, sind der falschen Anschuldigung und Beleidigung des katholischen Pfarrers Esten Held in Nieder-Saulheim angeklagt. Die beiden Angeklagten waren: früher an der Klein- Kinderschulc in Nieder-Saulheim als Lehrerinnen tätig, sie sollen im vorigen Jahre dort ein beleidigendes Gerücht über den Pfarrer verbreitet haben. Im September gelangte an den Bischof in Mainz ein anonpmes Schreiben, in den: die beleidigenden Ge­rüchte gegen den Pfarrer mitgeteilt wurden, dieses Schreiben wurde den Angeklagten ebenfalls zur Last gelegt. Wegen Ge­fährdung der Sittlichkeit wurde die O Öffentlichkeit ausgeschlossen, der Staatsanwalt und der Vertreter der Nebenklage, Justizrat Dr. Schmitt hatten nach dieser Richtung keinen Antrag ge­stellt. Nachdem 20 Zeugen und ein Sachverständiger vernommen worden waren, kam das Gericht zu der Ueberzeugung, daß die Angeklagten sich der Beleidigung um Sinne des § 186 schuldig gemacht hätten. Was das anonyme Schreiben anbelange, so sei durch den Sachverständigen, Hauptlehrer Stamm, festgestellt worden, daß die Mundschenk es geschrieben hat, die Scheuer­mann ist, nach der Ansicht des Gerichts, nicht daran beteiligt. In diesem Falle komme aber keine falsche Anschuldigung, sondern nur eine Beleidigung in Bettacht, da schon vor den Angeklagten ein gewisser Thörle in Nieder-Saulheim die Gerüchte verbreitet habe. Die Mundschenk wurde zu 2 und die Scheuer­mann zu 1 Monat Gefängnis verurteilt.

Leipzig, 19. Juni. Das Reichsgericht verwarf heute die Revision des Dau klehrling s Karl Brunke, der front Landgericht Braunschweig am 21. Marz wegen Tötung betf Geschwister Haars mit deren Einwilligung, sowie wegen Diebstahls in 20 Fällen zu acht Jal)-ren Gefängnis verurteilt worden war. (Wir haben über diesen Doppelmädchenmord seinerzeit ausführlich berichtet.)

Die Frage, ob cher unter dem vom Verleger festgesetztenL ad en preise verkauftwerden dürfen, stmkd vor dem 1. Strafsenate des Reichsgerichts frirr Entscheid­ung. Das Warenhaus Schm oll er in Frankfurt a. M. hatte zwei Werke airs dem Verlage derUnion" in Stuttgart mit 10 Prozent Rabatt verkauft, einem Rabatt, den kein Buch­händler gewahren darf, wenn er nicht Gefahr laufen will, aus der buchhändlerischen Organisatton ausgeschlossen zu werden. Das Warenhaus hatte diese Werke nicht direkt vom Verlage, sondern auf Umwegen bezogen. Auf die Strafanzeige der Union hin hatte das Landgericht Frankfurt a. M. den Kaufmann Hermann Schmol- ler wegen Verletzung des Urheberrechts zu 100 Mk. Geldstrafe/ und den Kaufmann Aron Schmoller wegen Beihilfe dazu zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt. Das Reichsgericht war der An­sicht, daß das Urhebergesetz in einem Falle wie dem vorliegenden' versagen müsse. Es erkannte auf die Revision der beiden An­geklagten gemäß dem Anträge des Reichsanwalts auf Eoften=* lose Freis pr e ch u na der beiden Angeklagten.

Sport.

Bei der H e r k 0 m e r - F a h r t 1907 soll aus der Gordon-- Bennet-Strecke im Taunus ein Neunen stattfinden, zu dem der Kaiser sein Erscheinen in Anssi 't stellte.

Handel un- Verkehr, VoLksrvrrtschaft.

Berlin, 19. Juni. Heute wurde die Kam er un-Eisen­bahn-Gesellschaft gegründet. Die 5 640 000 Mk. Vorzugs­anteile und die 11000 000 Mk. vom deutschen Reiche imt 3 pCt. Jahresvcrzinsung' und 120 pCt. Rückzahlung garantierten Stamm­anteile wurden von einer Gemeinschaft übernommen, welche aus der Berliner Handelsgesellschaft, der Bank für Handel und In­dustrie, dem Bankhause S. Bleichroeder, der Dttektion der Drs- kontogesc-llschaft, dem Bankhause von der Heydt u. Co., der Na­tionalbank für Deutschland, der Norddeutschen Bank in Hanrbnrg, dem A. Schaaffhausen'schen Bankverein, den Bankhäusern Wm. Schlutow in Stettin, M. M. Warburg u. Co. in Hamburg, der Firma C. Woermann in Hamburg und der Mtiengeselhchaft für Verkehrswesen in Berlin besteht.

Märkte.

? Herchenhain, 19. Juni. Seit gestern sindet unserJo­hn n n i m a r k t" statt. Der gestrige Rindviehmar F t war schlecht befahren, im ganzen wurde ein Stück vertäust, vielleicht dürfte, da der weithin bekannte Schottener Sommermarkt bald stattsindet, dieser Markttag ganz abgeschafft werden. Der heutige S ch w e i n e m a r F t war stark besucht und 600 Schweine waren ausqetrieben, Ferkel und Springer, fette Schweine nicht, ^te Preise ivaren noch sehr hoch. Ferkel, 46 Wochen alte, Fofteten dttrch- schnittlich 50-60 Mk., 8-10 Wochen alte 70- 80 Mk., sogen. Ein­leger 100-120 Mk., je nach Qualität. Der K r a m e r m a r k t hat infolge der neuen Bahnlinie wieder sehr an ' deiltung zu­genommen uiid war zahlreich besucht.

fc. Frankfurt a. M., 19. Juni. Heu- 11 n b S tt 0 h- marff. Man notierte: Heu Mk. 3.80 bis Mk. 4.30, Stroh Mk. 3 30 bis Mk. 3.60. Alles per 50 Kilo. Tendenz: Fest

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