Erstes Blatt
Mittwoch 18. Juli 1906
156. Jahrgang
Nr. 166
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** General-Anzeiger " S3R
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Amts- und Anzeigeblaii für den Meis Gießen MW zeigenteil: HanS Beck.
Are Heutige Mmmer umfaßt 10 Seiten.
Die Aismarcksäute.
Gießen, 18. Juli 1906.
So lange ist es noch nicht her, daß das Jahr 1890 allgemein vergessen sein sollte. Vor dem Tore des Kanzlerhauses zu Berlin hatte sich, als kein Zweifel mehr war am Sturze des gewaltigen Mannes, ein Häuflein klein eingefunden, das dem lns Exil Gehenden einen Abschiedsgruß nachrief; wo Drei beisammen saßen, da tllschelten sie auf einander ein und schüttelten, bis es Zeit ward, nach Hause zu gehen, melancholisch-bedenklich die schweren Häupter. Und das war alles. Ein leises Rauschön nur ging durch den Wald, als krachend der Titan fiel. Im deutschen Reichstage fand weder der Präsident noch sonst jemand auch nur das kleinste Wörtchen des Bedauerns oder der Anerkennung; so ruhig nahmen die Geschäfte ihren Fortgang, so still ward's von dem Namen Bismarck, als hätte sich sein Träger zeitlebens ausschließlich nut Deichregulierungsarbciten, Rübenbau und Sandbodenverbesserung beschäftigt. Otto Bismarck fand unter den „maßgebenden Politikern* niemand, der ihm dankbare Liebe offen damals erwiesen hätte. Der kluge Menschenverächter wird mit feinem Lächeln die stattliche Heerschar nationaler Abgeordneter gemustert haben, die sich nach der Aussöhnung zwischen Kaiser und Kanzler plötzlich darauf besann, daß es noch immer einen größten Deutschen gab; ihyi wird die Erinnerung an jene Tage gekommen sein, wo man es im Lager konservativer Pacteimänner kaum für erlaubt hielt, dem Geburtstagskinde ein Glückwunschschreiben zu senden, wo man unter Vorwänden Abstand davon nahm, ein schlichtes Hoch auf ihn auszubringen.
In der Reichstagskommission, die über da§ National- -denkmal auf dem Niederwald für Wilhelm den Alten beriet und in der die ersten konservativen und nationalliberalen Parteimännec saßen, fand sich keiner, dem es auffiel, daß dem Kanzler jede Erwähnung auf diesem Monuinent, jede Ehrung versagt worden war, und keiner erhob seine Stimme. Jedenfalls verdient, rein menschlich genommen, die Reichstags- mehrheit von: 23. März 1890 zehnmal größere Sympathien; sie hatte Kourage, sie wußte, daß sie Oel ins Feuer goß, im Gegensatz zur Volks- und Hofstimmung stand, und sie verharrte trotzdem bei ihrem' Hasse. Die andere Mehrheit hatte soviel Rückgrat nicht.
Sechzehn Jahre sind nun darüber hingegangen. Welch ein Bild bietet die deutsche Reichspolitik heute! Es gibt weit rechtsstehende Blätter, angesehene Wochenschriften, die in tiefer Bekümmernis von einer „Versumpfung der deutschen Politik" seit dem Jahre 1890 sprechen. Den wechselnden Majoritäten fügten sich wechselnde Prinzipien hinzu, und die Entscheidung über Kulturfragcn, über Existenzfragen der Nation ward am Ende immer zu einem kahlen Handels
geschäfte, bei denen wir indessen gar häufig nichts weniger als glänzend abschnitten. In der politischen Entwickelung unseres Volkes sind wir 1890 stehen geblieben, und seitdem ist leider mancherlei geschehen sie zurückzuschrauben. Ein kleinliches Geplänkel hob an, ein parlamentarisches Fortwurst-ln, ein Rechnen mit den Mitgliederziffern der Fraktionen und Frak- tiönchen; die Mühle klapperte rociicr, aber zwischen den Steinen lief kein Korn mehr. Mit dem Bewußtsein nicht geringen Könnens und besten Wollens trat der junge Kaiser seine Negierung an; allerlei LieblingSpläne, kühn ausschauende und großgedachte darunter, zogen durch sein Herz, und von ihrer Verwirklichung erhoffte er das Heil.
Wir erhoffen es heute noch, da Wilhelm II. Großvater ist, 16 Jahre nach der Verabschiedung Bismarcks, einen Tag weniger denn 36 Jahre nach der französischen Kriegserklärung, die die Errichtung des deutschen Reiches zur Folge hatte. So aufwühlend aber wirkt heute der Klang des bloßen Namens Bismarcks, daß beim Aussprechen dieses Zauberwortes alle bürgerlichen Parteiungen in Trümmer brechen und die alten, grundsätzlichen Verschiedenheiten vergessen werden. Dieser Mann, der die deutsche Bürgerschaft zugleich in zwei Heerlager teilte, als er eine Hauptrolle auf den politischen Brettern zu spielen begann, der sie dann aus einer Erschütterung in die andere warf und sie so zwang, die Augen offen zu halten, mit Energie am politischen Leben teilzunehmen, dieser Hexenmeister trennt heute längst nicht mehr die Parteien, sondern eint sie, und bis weit in die Reihen der Demokratie hinein wird seit Jahren, namentlich aber seit seinem Heimgänge, sein Name mit Ehrfurcht genannt als einer, von dem die Nachwelt allezeit die Staatskunst zu lernen haben wird.
Und von dem die deutsche Jugend allezeit zu lernen hat. Zu dem sie hinaufzuschauen hat als zu einem der Größten der vaterländischen Geschichte, dessen deutsche Treue, deutsches Kraftbewußtsein und deutscher Stolz, dessen herbe Strenge energischer Leistung, dessen fast lückenlose Ein- und Umsicht, dessen zähe Arbeitskraft und Bereitschaft Tag und Nacht, dessen reckische Kernhaftigkeit und Geistestüchtigkeit uns Deutschen immerdar vorbildlich bleiben wird.
Immer werden die gewaltigen Individuen, außer durch ihr Vollbringen, dadurch, daß sie in allmählich erweiterten konzentrischen Kreisen zu „Erziehern" werden, den Mafien die weitere Zukunft bestimmen. Was aber Bismarck persönlich anlangt, so trifft auf seine Individualität und alles, was man gegen sie vorzubringen gesucht hat, das alte Wort so sehr, wie selten, zu: daß gegen große Vorzüge eines andern es kein Rettungsmittel gibt als die Liebe.
Als am vorletzten Julitage des Jahres 1898 die Kunde „Bismarck ist aus der Welt geschieden" durch die Lande ging, da war es die akademische Jugend, die deutsche Studentenschaft, die mit einer zündenden Kundgebung
an das deutsche Volk hervortcat, um für den mit flammender Liebe verehrten dahingeschiedenen Reichspfadweiser allerorten bleibende, würdige und volkstün'ljche Wahrzeichen vaterländischen Dankes aufzurichten. In dem Aufrufe hieß es:
„Wie vor Zeiten die allen Sachsen und Normannen über den Leibern ihrer gefallenen Recken schmucklose Felsensäulen austürmten, deren Spitzen Feuerfanale trugen, so wollen mir unserem Bismarck zu Ehren ans allen Höhen unserer Heimat, von wo der Bück über die herrlichen deutschen Lande schweift, gewaltige granitene Feuerträger errichten. Ueberall soll, ein Sinnbild der Einheit Deutschlands, das g'eiche Zeichen erstehen, in ragender Größe, aber einfach und prunklos, auf massivem Unterbau eine schlichte Säule, nur mit dem Wappen und Wahlspruch des eisernen Kanzlers geschmückt. Kommt Ihr vom Westen unseres Reiches hinüber zur Ostmark, führt Euch der Weg von den Alpen — überall wo Deutsche wohnen, werdet Ihr dasselbe Wahrzeichen sehen. Von der Spitze der B'smarcksäulen sollen ans ehernen Feuerbehältern Flammen weithin durch die Nacht leuchten, so ost unser Volk in gemeinsamer Feier seines verklärten Helden gedenkt."
D'ese 2(nregung zu einzig dastehender Ehrung fiel auf fruchtbaren Boden, machtvoll breitete sich die Propaganda aus, überall bildeten sich Ausschüsse, und vor einem Jahre, am 29. Juli 1905, am Tage vor der 7jährigen Wiederkehr von Bismarcks Todestage, versammelte sich die Gießener Studentenschaft auf der Hardthöhe zur feierlichen Grundsteinlegung einer Bismarcksäule.
Heute aber, am Vorabend des Ecinnerungstages an die französische Kriegserklärung vom 19. Juli 1870, findet ihre feierliche Einweihung statt.
Ein Liebeszeichen deutscher Jugend! Nur einige Stunden noch, und unter den Jubelrufen vieler hunderter begeisterungsstarker Jünglinge lodern auf der Berghöhe droben über unserer Stadt die ersten Gießener Bismarck-Feuer zum sommerlichen Himmel empor, von dem die Sterne leuchtenden Auges herniedergrüßen, als wollten sie, die unvergänglichen, uns künden, was ein deutscher Professor, Felix Dahn in Breslau, einst in folgende Verse gekleidet hat:
Zerbröckeln mag der Stein, das Erz verrosten, Daraus man Angedenken-Bilder baut: Doch unzerstörbar lebt im deutschen Herzen Sein Bismarck fort, nicht als ein leblos Bild, Nein, als das Vorbild deutscher Heldenschaft. Heil ihm, Otto dem Großen, Heil und Dank!
Tagesscharr.
England und die Ostsee.
Nach in Lübeck eingegangener amtlicher Meldung findet der große englische Flottenbesuch in den Ostsee- Häfen, der für dieses Jahr aufgegeben wurde, im Mai des kommenden Jahres statt.
Also in den deutschen Ost s eeHäfen wird die engl. Flotte erst im nächsten Jahre erscheinen. Es gibt aber auch an der Nordsee deutsche Häfen, und ein gewisses Befremden darüber läßt sich kaum abweisen, daß, wenn schon nur ein ,Löfiichkeitsakt" durch solchen Geschwaderbesuch vollzogen werden soll, deutsche Ostseehäfen für die brit.
Aismarck als Koet,
Er steht in keiner Literaturgeschichte; in keiner Buchhandlung finden wir unter den gewaltigen Stößen dicker Bände, die von seinen Taten erzählen, ein Bändchen wohl gar goldbeschnitten und in zierlichen Lettern gedruckt, das die Aufschrift trüge: Fürst Bismarcks Gedichte. ,r
Jeder Satz, den ein Mensch frei aus sich heraus fchreibt oder spricht, ist ein Stückchen fernes Wesens, ferner Jndivi- dualrtät. Um Bismarck bei seiner Arbeit aufzuftnden, dürfen loir nicht seine wenigen Verse lesen. Das offenbaren uns klarer mrd herrlicher seine Reden. Was uns seine Gedichte fo wert macht, das ist nicht die Bedeutung ihres künstlerischen Wertes, das ist wohl, daß sie uns den gewaltigen Mann ledig ber Arbeit, in feinen guten Stunden zeigen, in den Momenten bex Ruhe, in denen der Humor und die innere Befriedigung sich emzu- stellen pflegen. „ . . .
Wir gewahren bei dem Poeten Bismarck sogar die Spurm der Vererbung. Es gibt unter den Poeten der Musenalmaimche int letzten Viertel des 18. Jahrhunderts einen Rittmeister Karl Alexander von Bismarck, dessen „GedächtNisichrift am Christiane Charlotte Gottliebc von Bismarck, gebohrene von -schonfeldt , von seinen Zeitgenossen viel gepriesen wird. Karl Wexander ist der Großvater Ottos. Das poetische Denkmaldaser semer Gemahlin setzte, erschien zuerst in ötenbal 1773 und ist bis 1777 dreimal neu aufgelegt worden. Lenz empfahl sogar der Sophie La Roche zur Lektüre, da es auf. ferne Braut euren großen Eindruck gemacht habe. Neuerdings ist uns das Buckstein in I. W Brauns Neudrucken wieder zugänglich gemach worden. Auch des Namens Adam August Heinrich von Bismarck gab es einen Dichter Wir finden Gedichte von ihm m dem Gottmg.r Musenalmanach v°n 1772 und 1773
6±Äe w'oor langen Jahren Davrd Hesekiel seine Biographie Bismarcks geschrieben. Schon ihm Mar die gefällige poetische Ader Bismarcks befcnnt. Als Bismarck am 4 August 1866 aus dem Feldzuge kam, begrüßte ihn stch einstiger ffir, der Direktor Bonnell in Berlin mit einem Glicht i>? aleäifche^ Versen. Bismarck dankte aufs herzlichst «7 kLc™ taStifänt Gruß „scherzhaft bedauernd, daß er noch nickst Ätt aesuuden habe, ^denselben in alogischen Versen zu er- Srn'' Hieran sckstießt Hesekiel die hübschen, freuen Worte, cfttfcten Verseil hat Graf Bismarck nicht daraus erfordert, L FLt doch auch bci ihm eine Zeit gegeben wo er den Musen fSU? ist es uns verfagt, unfern Leiern eine Probe
»pfexte. Jeu** . heu neun guten altem Mädchen rrnmer-
^Don.n5tren sein wir sind überzeugt, daß er auch
A"VerU ein Bismarck gewesen sein würde, wenn er's gewollt ^D^s erste uns bekannte Gedicht Bismarcks, gleichzeitig auch l>as längste ist gelegentlich des 35. Geburtstages 1:1)165 Der* «auten F^undes und politischen Mitkämpfers m der
Kammer, Hans von Kleist-Retzow, un Jahre 1849 axtr
standen. Als Begleitgeschenk war von Bismarck eine „große und werte" Kaffeetasse gegiftet worden:
„Nicht ganz so schwarz wie Ebenholz Doch braun wie Mahqgonig Wünsch' ich Dir, aller Pommern Stolz, Ein Leben, süß wie Honig Wenn Wenzel Dich gelangweilt hat, Schwerin den Zorn erregt in Dir, Wenn übel Dir von Beckerath, Dann, Hans, erhole Dich bei mir.
Wenn dann der Kaffee Dir behagt Und Du, um streng Dich zu kastein, Die zweite Tasse Dir versagt Tann, Hans, laß mich die erste fein. Und schein ich Dir zu groß und weit Für ein so kleines Landrätlein, So denk: es ist die höchste Zeit Dir eine Gattin anzufrein.
Ihr trinkt ans mir dann alle beide Kaffee, Ehok'lade oder Thee Zu Tante Adelgundens Freude In Kiekow auf dem Kanapee. Geliebter Onkel Schievelbein, Schaff bald uns eine Tante, Dann wirst Du alles hoch erfreun, Was jemals Hans Dich nannte. In gleichem Belgrad und Polzin, Schievelbein und Tempelburg, Ratzbuhr und Neu-Stettin, Kallies nebst Dramburg, Falkenbnrg: Sie und die Leute all' nicht minder Aus Kiekow, Tychow und Krässin, Sowie die beiden Typhuskinder Woll'n all' zu Landrats Hochzeit ziehn.
ein daß
Aber Hochzeit, hohe Zeit Hans! schon ist Dein Härchen grau Wart nicht länger, 's wird Dir leid Du kriegst wahrhaftig keine Frau. Und uns wär es ein großer Jammer, Wewi die Art au§ sollte sterben; Wem willst dann in Kreis und Kammer Deine Seele Du vererben?" —
Der Pegasus stürmt unbekümmert vorwärts: ihm ist männlicher Reim ebenso viel werf als ein weiblicher, und das Versmaß im letzten Verse vom lanrblschen ins trochcnsthe fällt was tut's? Es soll ja nur eine Stimmung wiedergegeben Än einT glückliche MinE des Erholens und Ermmrns. Nur so wollen wir diese Verse gemeßen afel den lrebenswuttngen Stimmungston des Mannes, der Jahrzehnte l-mdurch das Genick Europas lenkte. Ein Gebiwtstagsgedicht, .ein Freundschaft-- aedichtt nichts weiter. Bismarck wurde auch sMter nicht müde, den A-reuub immer wieder aufs neue zu mahnen, endlich zu tzejroten. Sein Wunsch gchg bati> in Erfüllung; am h. August
1851 vermählte sich Hans von Kleist-Retzow mit einer Gräfin Stolberg.
Als zu Anfang der achtziger Jahre die Aera der neuen Wirtschasts- und Sozialpolitik begann, hatte Mommsen die Be- loegung mit den Worten abgetan: „Sie ist Schwindel und wird es bleiben, mag den Schwindel ein hoher oder niedriger Mann in die Hand nehmen." Um diese Zeit (1882) wurde Bismarck, der gegen Mommsen Klage erhoben hatte, voii einer hochstehenden Dame gebeten, ihr, wie es Moltke kurz vor ihm getan, ein paar Zeilen in ihr Mb um zu schreiben. Bismarck kam dem Wunsche nach und setzte wenige Tage nach der Fret'fprechtrnF. Mommsens unter die Worte Moltkes „Schein vergeht, Wahrheit besteht" den Vers:
„Ich glaube, daß in jener Welt
Die Wahrheit stets den Sieg behält;
Doch mit der Lüge dieses Lebens
Kämpft unser Marschall selbst vergebens/
Die „Köln. Ztg.fi Die den Vers zuerst veröffentlichte, knüpfte hieran die Bemerkung: „Man sieht es diesen Versen an, daß es nicht die ersten sind, die der Reichskanzler erdichtet hat. In der Tat soll Fürst Bismarck namentlich in früheren Jahren ziemlich häufig und sehr gelungene Sinnsprüche in Reimen, sogar auch größere Gedichte geschrieben haben." Doch der Albumvers gegen Mommsen ist das zweite und letzte in Reimen verfaßte Gedicht Bismarcks. Alle übrigen Verse, die ihm zugeschrieben werden, sind unecht und rühren nicht von Bismarck her.
Außer diesem Stammbuchverfe und der Heiratsmahnung an feinen Freund Hans v. Kleist-Retzow besitzen wir noch drei Smn- spaüche Bismarcks, die uns vielleicht noch bester als die Reime den Kern seines Wesens widerspiegeln. Zuerst der Bismarchsche Wappenspruch, 1852 nach Verleihung des Danebrogordens ent- standen: ,
„In trimtate robur.
(„In der Dreieinigkeit die Starke.")
Er hat diesen Glauben an das Göttliche noch öfter beteuert. Ein andermal schreibt er unter seinen Lebenslauf in das für das Germanische Nationalmnseum in Nürnberg bestimmte „Gedenkbuch des Krieges 1870,71" :
„Fert unda nee regitur.“
(„Es lenkt die Welle, nicht wird sie geleitet".)
Auch hier wieder das Bekenntnis, daß er nicht aus sich selbst und von selbst, sondern durch das Geschick geworden ist, was er ist.
Und der dritte der Sinnsprüche (1881):
„Patriae inserviendo consumor.“
(„Im Dienst fürs Vaterland verzehr ich mic^.")
Aus allen Versen und Sprüchen Bisinarcks spricht zweierlei zu uns: der Mensch Bismarck mid der Deutsche Bismarck. Der Mensch Bismarck mit seinem schlichten Wesen und der Deutzche Bismarck mit seinem tief eingewurzelten nationalen Empfinden. Bald hören ivir aus seinen Versen Humor, bald den Ernst des deutschen Gemütes sprechen; das Beste seines Wesens klingt in ihnen wieder. Manch einer wird vielleicht über bie paar Verslein, die er „verbrochen" hat, mitleidig lächeln. Ein Dichter war er nicht, und nie ist es ihm eingefallen, den geringsten Anspruch auf diesen Ruhm zu machen«


