Stock anrichtete. Die Hausbewohner und Gäste blieben glucklicher-
rveise unversehrt.
München--Gladbach, 19. Juni. Gestern abend richtete ein wolkcnbruch artiger Regen großen Schaden an. Die Straßen standen einen Meter hoch unter Wasser, die Wasserfluten löschten in mehreren Fabriken die Kesselfeuerung aus; der Blitz
zündete mehrmals.
Trier, 19. Juni. Ein f ü r ch t e r l i ch e s H a g e l w e t t e r richtete int Saartal unter den Feld- und Gartenfrüchten schweren Schaden am
Prag, 19. Juni. Bei einer Hochwasserkatastrophe im Sazawagebict wurden 37 Wohngebäude, eine große Anzahl Wirtschaftsgebäude und mehrere Mühlen, ebenso bei neuen großen Fischteichen die Dämme zerstört und das Fischmaterial fortge- schwcmmt. Auch die Parkanlagen des Konopischter Schlosses des Erzherzogs Franz Ferdiuaud sind durch einen Dammbruch überschwemmt und schwer beschädigt worden. Der Schaden zählt nach Hunderttausenden. 16 Personen, meist Frauen und Kinder, sind ertrunken.
Ans Stadt und Land.
Gießen, den 20. Juni 1906.
** Nach klänge zur Darmstädter ReichstagZ- wahl. In der Hauptversammlung des Handelsvereins Darmstadt kam ein Schreiben eines Vorstandsmitgliedes, des Prokuristen eines Darmstädter Welthauses, zur Verlesung, worin dieser mit Rücksicht auf die Stellungnahme des Vereinsvorsitzenden Kommerzienrat Langenbach bei der Neichstagsstichwahl sein Amt nieder legt. Langenbach hatte als Vorsitzender vom freisinnigen Wahlverein zugestimmt, daß die Freisinnigen für die Sozialdemokraten eintraten.
** Gewerbevercinsausflug. In der gestrigen, gut besuchten Generalversammlung des Gewerbevereins wurde u. a. beschlossen, am kommenden Sonntag (24. l. Mts.) einen Familienausflug nach dem Hinterland zu unternehmen und bei dieser Gelegenheit der Gewerbeausstellung zu Biedenkopf einen Besuch abzustatten. Eine Emzeichnungsliste zirkuliert in den nächsten Tagen unter den Mitgliedern.
Eine für Zigaretten Händler usw. wichtige Bekanntmachung befindet sich im heutigen Amtsblatt, worauf Interessenten hingewiesen seien.
Hungen, 19. Juni. Postverwalter Sch äfer feierte gestern sein 2 5jährige§ Dienstjubiläum. Demselben wurde aus diesem Anlaß vom Verband deutscher Post- und Telegraphenbeamten ein prächtiges Diplom mit Rahmen überreicht. — Einem Dienstmädchen drang vor einigen Tagen beim Abwischen eines Tisches eine dort steckende Nadel in den Arm. Beim Herausziehen brach diese ab und ein Stück blieb im Arm stecken. Bald darauf stellten sich heftige Schmerzen ein, der Arm schwoll an und nun liegt das Mädchen an Blutvergiftun g schwer darnieder. (H. Ldztg.)
—K. Allertshausen, 19. Juni. Wegen der hier schon längere Zeit herrschenden Diphteritis, der einige Kinder zum Opfer fielen, mußte heute die Schule geschlossen werden.
Offenbach, 19. Juni. Gestern abend fand eine vom Verein zur Wahrung städtischer Interessen einberufene überaus stark besuchte Bürgerversammlung statt, die sich milder bevorstehenden Bürgermeisterwahl beschäftigte. Nach den vom den Stadtvv. Böhm und Porth erstatteten Referaten wurde folgende Resolution einstimmig angenommen :
In Berücksichtigung des allseitigen Interesses der Stadt, da? bisher in weitgehendster und unparteiischster Weise vom Oberbürgermeister Brink gewahrt ronrbe, verurteilt die heutige Versammlung bie. aus persönlichen und parteipolitischen Gründen beabsichtigte Beseitigung des Oberbürgermeisters. Sie erwartet mit aller Bestimmtheit, daß im Hinblick auf die gegenwärtige und' künftige Entwicklung unserer Stadt die Stadtverordneten den politisch vollständig Unabhängigen Oberbürgermeister Brink w i e d erwählen und ibn nicht, entgegen jedem Gerechtigkeitsgefühl, parteipolitischen oder persönlichen Gründen aufopfern.
— Mainz, 19. Juni. Die hessische Negierung hat das Ersuchen der Stadt Mainz um Errichtung einer französischen Konsularagentur in Mainz, die auch von der Handelskammer befürwortet worden war, «b gelehnt. (F. Ztg.)
Wegen Meineids vor dem Schwurgericht.
Tie Verhandlung gegen Franken ging entgegen der Ursprünglichen Annahme bereits gestern zu Ende.
.Die Beweisaufnahme ergab, daß der Angeklagte, wie Weißbindermeister Langsdorf aus Bad-Nauheim bekundet, von ihm 3 bis 4 Zentner Farbe bestellt bekommen hat. Der Zeuge ist der Ansicht, daß Franken ihm einen Bestellschein zur Unterschrift dorgelegt hat, auf dem nur 3 bis 4 ausgefüllt war und erst später der Angeklagte durch Fälschung daraus 3—400 Kilo geknackst hat. Langsdorf hat die Ware nicht abgenonrmen, sie wurde vom Spediteur aus Lager genommen und später zur Deckung entstandener Unkosten versteigert. Nach einem Jahr, als das Ziel um war, wurde L. vom Angeklagten verklagt und nun beschwor der letztere, daß L. ihm 3—400 Kilo Farbe bestellt hat. Nach demselben Muster ist der Angeklagte mit dem Weißbinder B o ck - Grimberg umgesprungen, auch hier will der Kunde zwar «Men Zentner Deckweiß bei dem Angeklagten bestellt haben, den er auch^ geliefert erhalten und abgenommen hat. Dagegen bestritt Er entschieden, daß er laut demselben Bestellzettel für später laO dis 200 Kilo Deckweiß an Franken in Auftrag gegeben habe.
.Der dritte unter Anklage stehende Meineid ist unter genau denielben Bedingungen zum Nachteil des Weißbindermeisters Watches in Beek bei Ruhrort geleistet.
>;n 16 weiteren Fällen, die aber nickst unter Anklage stehen, bat der Angeklagte genau so und ähnlich seine Kunden betrogen. Der Angeklagte verteidigt sich überaus gewandt. Gerichtschemiker >Dr. Popp-Frankfurt a. M., der als Sachverständiger gehört wird, kann aus den in Fraae kommenden Bestellscheinen nicht seststellen, ob der Angeklagte sie gefälscht hat. Im Fall Lanqs- dorr jedoch ist der Sachverständige der Ansicht, daß der Lieferschein so ausgefertigt war, wie er vorliegt. Den Geschworenen werden drei Fragen wegen Meineids und die Frage wegen Verfälschung der Urkunde Langsdorf vorgelegt. Der Vertreter der Anklage, Dr. .Hetzel, weist darauf hin, die Verhandlung habe dargetan, daß der Angeklagte bei vielen seiner ^Kunden, in den meisten Fällen bei jungen Geschäftsleuten es von vornherein auf Betrug abgesehen hätte. Daß es auch Leute gibt, die Franken reell bedient habe, sei nicht zu bestreiten, das beweise aber nicht, daß Franken die ihm zur Last gelegten Verbrechen nicht begangen hat. F. sei wegen Fälschung eines Lieferscheins vorbestraft, dies beweise mit wem man es zu tun habe. «Die Anklage wegen der begangenen Verfälschung einer Urkunde ließ Dr. Hetzel sollen. Er plädiert im übrigen dahin, die Fragm wegen der drei geleisteten wissentlich falschen Eide zu bejahen.
Der Verteidiger Rechtsanwalt Jung weist darauf hin, daß die drei in Frage kommenden Punkte der AnUagc allein je von einem Zeugen unterstützt werden, so daß Aussag'' gegen Aussage steht. Gegen die Glaubwürdigkeit der drei Belastungszeugen will der Verteidiger nichts einwenden, aber ihre Aussage sei mit Mißtrauen aufzunehmen, tveil sie als Prozeßgegner des Ange- Dagten diesem übel gesinnt sind. Es sei ein alter Erfahrungs
satz, daß in bürgerlichen Rcchtsstreitigkeiten sehr häufig beide Parteien ihre sich diametral gegen üb erstehend en Angaben zu beschwören bereft erklären und daß dann die Partei, die den Prozeß verliert, weil die andere Partei zum Eid gekommen, erklärt, der Gegner habe einen Meineid geleistet. Viele erstatten dann eine Meineidsanzeige, mit der sie in Fällen, die so liegen, wie die zur Llnklage stehenden, immer abgewiesen werden, weil Aussage gegen dlnssage steht, und deshalb eine Verurteilung nicht erfolgen kann. Ein Eid gilt ebensoviel als der Eid des andern. Und das sei mich gut so, denn gerade im Handel, und itric die Verhandlung ergeben hat, besonders im Farben- und Lackhandel sind Mißverständniffe, Irrtümer über den Vertragswillen sehr häusig. Dr. Jung bfttet, wegen nicht ausreichender Beweise alle drei Schuldfragen zu verneinen.
Justizrat Dr. Gut fleisch bemerkt, daß er sich auf Wunsch seines Kollegen Dr. Jung hat bereit finden lassen, diesem in dieser Sache zu assistieren, weil er bei dem diesmaligen Schwurgericht stark in Ausspruch genommen, sich im vorbereitenden Verfahren dieser Sache nicht so hätte widmen können, wie er es gern gemocht hätte. Er schließe sich den Ausführungen Jungs vollständig an, die Fälle, die der Staatsanwalt — nur als Kolorit, wie er selber sage — in der Beweiserhebung vorgeführt hat, müßten bei der Beurteilung der Schuldfragen ausscheidcn. Der Staatsanwalt hat außer den Belastungszeugen so viel Leu- munl^tzeugen oorgeladen, daß fast jeder Zeuge seinen Bürgermeister oder Polizeiwachtmeister mitgebracht hat, um darzutun, daß er ein guter Zeuge sei. Es bedurfte dieses Beweises nicht, denn die Verteidigung will nicht bestreiten, daß alle Zeugen anständige Menschen sind, die aber auch als solche dem Irrtum unterliegen. Der Angellagte hat mit Tausenden Geschäfte gemacht, und nur mit 19 Leuten Differenzen und Prozesse gehabt. Die meisten Weinreisenden würden sich glücklich preisen, wenn sie das Jahr über nur mit 19 Kunden Differenzen hätten: wäh- reird die Anklage dargetan, daß Franken in den letzten 10 Jahren mit seinen zahlreichen Kunden 19 mal verschiedener Meinung wegen der abgeschlossenen Verttäge gewesen ist. Auf das Miwerk, daß hier 16 Leute Herkommen und erllären, sie seien von dem Angeklagten übervorteilt worden, komme es nicht an, ebenso wenig, daß Franken vor 23 Jahren vorbestraft sei. Er selber behauptet, die Bestrafung sei zu Unrecht erfolgt,und man könne nicht nachprüfen, ob dem nicht so sei. Jedenfalls sei nicht in Abrede zu stellen, daß die Zeugen, die in den unter Anklage stehenden drei Fällen in Frage kommen, ein Interesse daran haben, den Angeklagten verurteilt zu sehen, um dann in einem neuen Verfahren ihre Prozesse wieder aufzunehmen, die, wenn ihr Gegner wegen Meineids verurteilt ist, zu ihren Gunsten entschieden werden müssen. Darum sei den Aussagen nicht soviel Gewicht beizulegen, daß man daraufhin den Angeklagten wegen eines so schweren Verbrechens verurteilen könne. Dr. Gutfleisch erklärt, im Fall Langsdorf sei erwiesen, daß sein Klient unschuldig sei. In den beiden anderen Fällen sei der Beweis seiner Schuld nicht erbracht.
Die Geschworenen bejahten das Vorliegen von Meineid in 2 Fällen. Im Fall Langsdorf wurde wegen des Meineides und wegen der Urkundenfälschung die Schuldfragc verneint. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu 41/2Jahren Zuchthaus, sowie zum Verlust der bürgerl. Ehrenrechte auf die Dauer von 10 Jahren. Das Strafmaß wurde damit begründet, daß der Angeklagte das Verbrechen begangen hat, um sich zu bereichern, daß er kleine Handwerker um ihr Geld gebracht und seine Machenschaften gewerbs- und gewohnheitsmäßig vorgenommen habe. Strafmildernd sei berücksichtigt, daß es dem Attgeklagten wohl schwer gefallen sei, seine Familie auf reelle Weise zu ernähren.
Univcr$itäi$sKad?ricbtett.
lic Darmstadt. Der ordentl. Professor der Baukunst, an der Technischen Hochschule, Friedrich Pütz er, bat in dem engeren Wettbewerb um die Ausführung der seit Jahresfrist ausgeschriebenen Kirche in Wiesbaden den er ft en Preis erhalten.
ss Marburg, 19. Juni. Der außerordeutl. Professor der Kirchenqeschichte I). Dr. Wiegand, gedenkt einem ehrenvollen. Rui an die Universität zu Greifswald Folge zu leisten.
Arbeiterbewegung.
h Frankfurt a. M., 19. Juni. Die Z i g a re t t e n f i r m a Lippstadt & C0. hier bar am Samstag sämtlichen Arbeitern und Arbeiterinnen mit Ausnahme von einem Arbeiter und zwei Arbeiterinnen zum 1. Juli g eküu digt, angeblich, weil sie das System der Regierung dazu zwinge. Wie in einer Mitgliederversammlung der Frankfurter Zahlstelle des Tabakarbeiterverbaudes mitgeteilt wurde, soll die Firma beabsichtigen, die Arbeiter Mitte Juli wieder eiuzustelleu. Diese befürchten aber eine Lohnkürzung und treffen dagegen Maßregeln.
GerZchtssaaS.
(sd.) Darmstadt. 19. Juni. Die 26 jährige Ehefran Katharina Müller in Michelstadt schuldete dem Landtagsabg. Fr. Lang daselbst einen Geldbetrag. Da sie ttotz wiederholter Mahnung nicht zahlte, beauftt'agte Lang einen Rechtskonsulenten mit der Eintreibung der Forderung. Daraufhin schrieb die Ehefrau Müller an Lang einen Bries, worin sie drohte, ein Sittlichkeitsoergehen anzuzeigen, das er ein ft an ihr begangen, wenn er nicht die Zwangseintreibung des Geldes unterlasse. Lang übergab die Sache dem Gericht, und die Müller hatte sich heute wegen Erpressung vor der Straffammer zu verantworten. Sie wurde zu einem Monat Gefänanis verurteilt.
Märkte.
ke. Frankfurt a. M., 20. Juui. ^Oriq.-Telegr. des „Gieß. Auz.") V i e h m a r k t. Zum Verkaufe stauden 00 Kälber, 00 Schafe und Hämniel, 891 Schweine: 1. Qnal. 73—74 Pfg. Lebendgewicht 57.00—57.50 Pf., 2. Qual. 72—00 Ps., Lebendgewicht 56.00 Pfg., 3. Qual. 65—67 Pfg. Kälber 1. Qual. 00—00 Pf., Lebendgewicht 00—00 Pfg., 2. Qual. 00—00 Pfg., Lebeudgewich: 00—00 Psg., Schlachtgewicht 00—00 Pfg. Schafe 1. Qualität Schlacktaewicht 00—00 Psg., 2. Qualität 00—00 Psg. Geschält: mittelmäßig, Ileberstand unbedeutend.
Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.
Voraussichtliche Witterung in Hessen für Donnerstag, den 21. Juni 1906: Meist heiter und trocken, etwas wärmer.
Näheres durch die Gießeuer Wetterkarte.
OrigSnaL-Drahtmeldungem.
sd. Darmstadt, 20. Juni. Der hessische Z e n - tralüercin für Errichtung von Kleinwohnungen hielt heute vormittn-a seine Generalversammlung unter Vorsitz des Frhrn. Hehl zu Hermtsheim ab. Die Regierung wurde von den Ministerialräten Frhim. von Biegeleben. Dr. Usingen und Süsfert vertreten. Nach dem vom Landeswohnungsinspektor Gr e tz s ch e l erstatteten Kassenbericht betrugen die Einnahmen 21 400 Mk., die Ms- gaben 14 881 Mk. und das Vermögen 7715 Mk. Der Vorstand wurde wie der gewählt, an Stelle des verstorbenen Oberbürgernteisters ^aßner nt Mainz, ttmrde dessen ^Amtsnachfolger Dr. Göttekmann gewählt. Geh. Oberbaurat Hof- manu hielt einen Vortrag über die ästhetische und praktische Ausgestaltung von Kleinwohnungen.
fc. Frankfurt a. M, 20. Juni. Der Opernsänger Steffens stürzte gestern abend von seinem Motorrad und zog sich eine schwere Verletzung am Knie zu.
D u i s b u r g , 20. Juni. In Essenberg machte der Bergmann Bauscheidt einen Mordversuch gegen seine Ehefrau. Er brachte ihr mit einem Rasiermesser eine klaffende Wunde am Halse bei. Die Frau floh zu Nachbarn. Als Polizei kam, wurde der Ehemann mit durchschnittener Kehle in feiner Wohnung tot aufgesunden.
Paris, 19. Juni. (K a m m c r, Fortsetzung.) ©lerne uceau führt weiter aus, das individuelle Eigentum werde noch lange Zeit Aeuderuugeu durckmacheu. Elemeneeau führt einen Artikel des Sozialisten Bernstein an, in welchem gesagt ist, die Bewegung in der Richtung der sozialen Gerechtigkeit sei Alles, das Ziel sei Nichts. Ter Redner fügt hinzu, die Theorien der französischen S 0 z i a l i st e n seien von d e n D e u t s eh e n entlehn t. Ter Minister erinnert Jaurcs daran, daß auch E h r i st u s die Menschheit habe erneuern wollen, aber daß Gewalttätigkeit und Blutvergießen nicht ans der Welt verschwunden seien. Nicht die Form der 6) e s e l l s ch a f t, sondern die Menschen müsse man besser n. Der besser gewordene Mensch werde seinen Gesellschaftskreis zu wähleu wisse«. Wir wolleu im Verein nut den Sozialisten die Steuern erörtern, die zum Zwecke der Einführung einer Altersversorgung der Arbeiter zu schaffen find, und wenn es notwendig fein wird, da? Budget zu bewilligeu, daun werden sich die Sozialisten dem entziehen; das ist nicht loyal. Er hoffe es zu erleben, daß die S 0 z i a l i st e n anfhören, seine Gegner zu sein, und daß sie zu ihm zurückkehren. Er vergleicht sie unter Heiterkeit des Hauses mit den Fraueu, die immer ihrem Gatten androhen, zu ihrer Mutter zurückkehreu zu wolleu, unb es doch niemals tun. Wenn die S 0 z i a l i st e tt mit uns arbeiten wollen, so werden wir ihnen die H a n d reichen und sagen: laßt uns z u s a in m e n tt r b e i t e n ; wenn sie es ablehnen, werden wir tavier die Verantwortung tragen. (Wiederholter Beifall auf der Linken, auch im Zentrum.) Atü Antrag Maujan's beschließt die Kammer, die Rede Clemeuceaus öffentlich anschlagen zu laffeu. — Iaures erklärt, die S 0 z i a l i st e n seien bereit, zusammen mit der Regierung das Reformwerk weiter zu führen. Entgegen Elemeneeau, der das Jndioidium von der sozialen Umgebung isolieren wolle, sei er der Meinung, daß das Jn- dividium und die soziale Umgebung gleichzeitig reformiert werden müßten, er verlange völlige Aktionsfreiheit für das Proletariat. Die Sozialisten wollten nicht die soziale Heuchelei minnachen. Er erinnere an die 1 4 0 0 Leichen von C oittriere s, die ein Ovfer des Kapitalismus feien. Erstaunlich sei, daß man so spät daran gehe, die Schuldigen zu verfolgen. Minister Barthon sagt, nicht die Regierung, sondern die B e r g w e r k s g e s e l l s ch a i t sei v e r a n t w 0 r t l i ch. W i l m (Soz.) fragt, ob es wahr sei, daß, wie der Untersuchungsrichter in Bethune erklärt habe, die Persönlichkeit, die Streikgelder nach dem Departement Narb gesandt Habe, einstmals auch Geld an Elemeneeau geschickt Habe. (Große UuruHe.)
Bukarest, 20. Juni. Die Eröffnung der Jubiläums- Ausstellung erfolgte unter Anwesenheit des Königs, seiner Familie und einer großen Menschenmenge. Der König hielt eine Ansprache. Sein gutes Aussehen hat allgemein befriedigt. Bürgermeister Lueger wohnte der Feier bei.
Petersburg, 19. Juni. (Reichsduma.) Die Beratung über den Gesetzentwurf betr. die bürgerliche Gleichheit wird fortgesetzt. Professor Petrajeczky tritt für die Rechte der Frauen ein. Petrunkewitsch spricht zu gunsten der Juden unter Hinweis auf die Vorgänge in Bjelostok und führt a.us, man müsse sich beeilen, mit die Gleichheit bei den Israeliten einzuführen, int anderen Falle würde Blnt fließen.
K 0 w n 0 , 19. Juni. Heute abend warf ein Unbekannter auf dem Nikolausprospekt eine Bombe gegen den Direktor des Kownoer Gefängnisses Humbert und dessen Gehilfen Akatow. Durch die Sprengstücke wurden Humbert leicht, Akatow, ein Ladenbesitzer und ein Schiller schwer verwundet. Ter Täter ist entkommen.
Newyork, 20. Juni. Ein anarchistisches Komplott zur Ermordung des Präsidenten Roosevelt ist entdeckt worden.'Salaszkiwiez, der frühere Präsident des Polenklubs von Portland und Oregon, beschuldigt seine Klubgenossen, daß sie Vereinsmittel mißbraucht hätten, um Attentate vorzubereiten. Angeblich haben sich 80 Propagandisten in Portland verschworen Und hätten auch bereits eeine geeignete Gelegenheit in Washington erforschen lassen.
TelefomscBte Kursberichte
des Giessener Anzeigers« mitgeteilt von der Bank fllr Handel und Industrie, Giessen.
Frankfurter Börse. 20. Juni. 1.15 Uhr.
3%®/0 Beichsanleihe . . 99.70 3% do. . . 87.45 314% Konsols .... 99.65 3% do. .... 8770 3%°/0 Ressen 98.80 3%% Oberhessen . . . —.— 4% Oesterr. Goldrente. . 100.30 4V6 % Oesterr. Silberrente 100.60 4?o Ungar. Goldrente . . 95.75 4% Italien. Bente . . . 105.00 3% Portugiesen Serie I . 69.80 3% Portugiesen .. III 70.25 4^ff, russ.Staatsanl. 1905 88.25 4 Japan. Staatsanleihe 94.80
4 % Conv. Türken von 1903 95.95 Türkenlose ..... 144.40
4% Griech. Monopol-Aul. 53.70 4% äussere Argentinier . 90.60 3°/0 Mexikaner .... 70.50 4% °/0 Chinesen .... 97.35
Aktien:
Bochum Guss —.—
Buderus E. W ... 129.50
Elektriz. Lahmeyer . . . 147.75 Elektriz. Schlickert . . . 130.30 Eschweiler Bergwerk . . 261.25 Gelsenkirchen Bergwerk . 218.6'1 Hamburg- Amerik. Paketf. 161 30 Harpener Bergwerk. . . 215 90 Lanrahütte 240.75
Nordd. Lloyd 127.20
Obersehles. Eisen-Industrie 128.50 Berliner Handelsges . . 171.20 Darmstädter Bank . . . 138.50 Deutsche Bank . . . 235.20
Deutsch-Asiat. Bank . . 186.20 Diskonto-Kommandit. . . 183.40 Dresdner Bank . . . 158.20
Kreditaktien 209.40
Baltimore- und Ohio-
Eisenlahn . . . 116.20
Gotthardbahn —.—
Lombard. Eisenbahn . . 33.60 Oesterr. Staatsbahn . . . 145.20 Prince-Henri-Eisenb ahn . 151.50
Tendenz: ruhig.
Berliner Börse, 20. Juni. Anfangskurse.
Cauada E. B —
Darmstädter Bank . . . 138.60 Deutsche Bank .... 235.10 Dortmunder-Union C. . . 83.80 Dresdner Bank .... 158.00 Tendenz: lustlos.
Harpener Bergwerk Lanrahütte . . Lombarden E. B.
Nordd. Lloyd . .
Türkenlose .
. 215.20
. 240.10
. 32.80
. 127.50
Bekanntmachung.
Die Lteferung der für die städtische Verwaltung erforderlichen Drucksachen (etwa 500 verschiedene Formulare) soll im Wege des Angebots vergeben werden. Bedingungen, Angebotsformular und die sämtlichen Unterlagen sind auf unserem Aints- zimmer Nr. 2 erhältlich. Die Angebote müffen biö zum 5. Juli d. IS. bei uns eingereicht sein.
Gießen, den 12. Juni 1906. B20/«,
Großherzoalicbe Bürgermeisterei Gießen.
I. V.: Eurschmaun.
Eine hübsche Damen- oder Herren-Uhr bekommt jeder, welcher 400 Umhüllungen der beliebten Gioth's gemalst. Kernseife dem Fabrikanten I. Gioth in Hanau eiuseudet.
Hauptuiederlagen bet L. Kalkhof Nach?., Westaulage; Gebe. Michel, Walltorftr.; E. Roth U. Nach?., Walltorstr.; Carl Seibel, Frauknirter Straße; Heinrich Trechsler, Weferstraße; Ludwig Steinhäuser; Gg. Wallenfels, Marktplatz 21; Hch. Arnold, Niarktstraße, Carl Seibel, Frankfurter Straße; Kathnriue Elle, Steinstraße; W. B. Hofmann, Ederstr.; Carl Eichmann, Ederstr. hvff.


