tor tmzweckmäßig. Denn t5 toürbe nicht im Ernktana stehen tnit dem Versammlungsrecht und es wurde vor allem em Schlag ins Wasser sein. Tie Sozialdemokratie wird zweifellos für diese Möglichkeit Vorsorge getroffen haben. Atc Folge wäre' daß im Laufe des Sonntags in der näheren und weiteren Umgebung Berlins riesige Versammlungen unter freiem Fimmel stattfänden, und wenn- d<mn d/e fe, nelimer in geschlossenen Zügen m die NeichshauHtftadt zu- rückkehrten, so entstiinden viel cmftere Gefahren. Für die sozialdemokratische Parteileitung kann die Probe auf die Tmzivlin m einem bösen F'bffchlag werden._____________
TaS Fest dcS Schwarzen-Adlcrordcns.
° Berlin, 18. Jan.
Heute mittag begann im Schlosse das Fest des Schwarzen Adler-Ordens. Nachdem Jtd) der Kronprinz, die Prinzen und die übrigen kwiteffäl'igen Ritter versammelt"en begaben sie sich in den Nitterftal, von Fanfaren begrüßt Die Ritter schritten paarweise, die jüngsten voran, zuletzt Graf Botho Eulenburg und v. Bötticher: ihnen folgte der Ordeuskanzler Herzog von Pleß, dem die fürstlichen Ritter folgten, zuletzt de r SVroiv prinz, dann der Kaiser und das befolge, -ont Nittersaalc waren bereits versammelt die Generale, die Admirale und tue Minister. Der Kaiser ließ sich auf dem 2 hrvne nieder. Hieraus begaben ,ich der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich als Barrams der aufzunehmenden fürstlichen Ritter nach der Roten Adler-Kammer und geleiteten den Prinzen August Wilhelm und den Herzog von Sach scu-K'oburg vor den Thron. Die neuen Ritter gelobten Erfüllung der Ritterpflichten und wurden unter den Klängen einer altdeutschen Fanfare durch die Parrams mit dem Ordensmantel bekleidet, worauf der Kaiser als Großmeister die Ordeirskette ihnen nmhing und die Aecolnde erteilte. Während die Trompeter den Ordensmarsch intonierten, ging die Zeremonie der Handreichung vor sich, worauf die neuen Ritter die Pläne unter den kapitelfähigen Rittern einnahmen. Mit gleicher Feierlichkeit wurden Oberstlämmercr Fürst zu Solms-B a- ruth, Admiral v. Sollmann, Graf Schlitz genannt von Görtz und Staatsminister Grak Posadowsky investiert. Ms dritter feierlicher Akt folgte die Einkleidung des Staatsministers v. Budde, des Oberstmarschalls Fürsten zu Fürsten berg und des Botschafters a. D. Grasen Alvensieben unter Assistenz derselben Parrains. Die Beendigung der Investitur wurde durch Fanfaren betont. Der Kaiser verließ dann den Saal mit den Rittern in feierlichenr Zuge. Im Kapitelsaale hielt der Kaiser hierauf ein Kapitel des Ordens in Gegenwart dec anwesenden 43 Ritter ab. Der Kaffer hatte Platz genommen in der Mitte der Außenseite der hufeifenförmigen Tafel, neben ihm rechts der Kronprinz und Prinz Friedrich Heinrich, links Prinz Heinrich und Prinz Friedrich Leopold, gegenüber der Ordenskanzler Herzog von Pleß. Nach Schluß des Kapitels begab sich der Kaiser in feierlichem Zuge an der Spitze sämtlicher Ritter nach der Schwarzen Adler-Kammer, wo die Mäntel abgelegt wurden.
Am Abend fand im Schlosse bei den Majestäten Tafel für die Ritter statt.
politische Tagesschau.
Die Wahl Falliöres
zum Präsidenten der französischen Republik wird von der deutschen Presse sympathisch besprochen. Sie bedeute zweifellos die Fortsetzung der Äcra Loubets, unter dessen Präsidentschaft die von Waldeck-Rousseau inaugurierte und von Eombes und Rouvier mit bestem Erfolge weiter geführte Politik der zielbewußten Demokratie zu hoher Blüte gelangt ist und bereits bemerkenswerte Erfolge gezeitigt hat. Auch für die äußere Politik Frankreichs, insbesondere aber für die gerade jetzt so eminent bedeutungsvolle Frage des Weltfriedens könne die Erhebung Falliöres auf den Präpdentenstuhl als ein überaus freudiges Ereignis bezeichnet werden.
Auch die italienische Presse, soweit sie uns vorliegt, erblickt in der Wahl Falliöres' eine Friedensbürgschaft. Tie Wahl gewinne in dem Augenblick, wo in Mgeeiras über eine gefährliche und peinliche Frage verhandelt werde, als Ergänzung der Friedensaktion Rouviers an Bedeutung. Deshalb werde sie in Italien mit Genugtuung begrüßt.
Bei allen franz. Armeekorps sind infolge des glücklichen Ausganges der Wahl die Arreststrafen aufgehoben worden.
Are WaroäkoLonferenz.
Algeciras, 18. Jan. Die als Kommissionssitzungen abzuhaltendeu Vollversammlungen der Konferenz, wie sie heute nachmittag begannen, haben den Zweck, eine Einigung vorzubereiten. Tie Frage des Waffenschmuggels stand heute nachmittag zur Beratung und ist von Frankreich aufgeworfen. Tie Frage der Ueberwachung des Schmuggels in den Häfen und an der Küste wurde ebenfalls in Angriff genommen. Fünf Berichterstatter sind damit betraut worden, einen in Artikeln sestgelegten Entwurf auszuarbeiten, über den die Konferenz endgiltig in der nächsten (Sitzung offiziell beschließen wird. Tiefe Berichterstatter sind: ßidi el Mobkri, Perez Caballeros, Graf Tattenbach, Mal- mussi und oer englische Delegierte Reguault.
Tanger, 18. Jan. Seit einigen Tagen hält der Sul- ,t an häufig Beratungen mit dem deutschen Konsul in Fez. Ter Sultan beschloß, seinen Minister des Aeußern und seinen Palast-Intendanten nach Tanger zu entsenden, damit sie sich mit dem dortigen deutschen Gesandten Tr. Rosen und auch mit dem Grafen Tattenbach in Algeciras ins Einvernehmen sehen.
Rußland in HLöLen.
In Warschau sind die sechs anfangs Januar verhafteten Juden, Mitglieder einer internationalen Anarchisten- und Kommunistenbande, die eine ganze Reihe von Verbrechen, unter anderem das Vombeuattentat auf das Cafe Bristol und die Ermordung des Bankiers Scherc- schewski, verübt hatten, in der Zitadelle durch Erschießen hingerichtet worden.
In Tünamünde fand ein Kampf zwischen Artillerie und Infanterie statt. Tie Infanterie hatte gemeutert, und die Artillerie wurde herbeigeholt, um die Meuterei zu unterdrücken. Dies erfolgte ohne große Mühe. Tie Verluste bezifferten sich aus 28 Tote und viele Verwundete. General Serier, welcher Die Artillerie kommandierte, wurde schwer verwundet.
Tas Bahnhofsgebäude in Samara wurde durch eine Dynamitbombe teilweise demoliert._______________
Deutsches Ne ich.
Berlin, 18. Ian. 91ad) Dieldungen aus Tokio ließ der neue japa nis che Prem ierm.ini st er Saionyi auf die Begrüßungsdepesöbe des Reichskanzlers Fürsten Bulow diesem nachstehendes Antworttelegramm zugehen: „Ich werde mich bemühen, soweit es irgend in meiner Macht liegt, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Japan und Deutschland zu festigen. Ich schätze mich besonders glücklich, darin mit einem so sympathischen und aufrichtigen Staatsmanne, wie Sie es sind, Husammenzuarbeiten."
— Ter Herausgeber der „Staatsb.-Ztg.^ Hans Freytag wird, wie eS heißt, von seinem Amte zurücktreten.
ES seien Verhandlungen im Gange, die ,Staat§b.-Ztg.* am 1. April mit der .Post" zu vereinigen. (Unter der Leitung FreytagS ist die .Staatsb.-Ztg.- ein in der Tonart gemäßigtes Organ der Alldeutschen geworden unter Zurück- dränaung des früheren rein antisemitischen Standpunktes. D. Red. d. Gieß. Anz.)
Bonn, 18. Ian. Bei der gestrigen Reichs tags- ersa tz wa hl im Kreise Rheinbach.Bonn, die durch die Man- dalsniederlegunq des Abg. Spahn (Zentr.) erforderlich ge- ivorden ist, wurde Tr. Spahn wiedergewählt; er erhielt 3615 Stimmen; fein Gegenkandidat Erdmann (Soz.) erhielt 1008 Stimmen.
Aus Stabt und Land.
Gießen, 19. Januar 1906.
•* Die gestrige Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung hatte sich mit einer Reihe wichtiger Fragen zu beschäftigen, u. a. mit dem Theaterbau, dem die Versammlung in der geplanten Form und Kostenhöhe zustimmte; sodann wurde eine Neuregelung der Lohnverhältnisse der städtischen Arbeiter beschlossen, dir eine durchschnittliche Lohnerhöhung um 10 Prozent darstellt. Eine Eingabe des Detaillisten-Vereins führte zu dem Beschluß, den städtischen S e e s i seh m a rkt, der ja von vornherein nur als eine vorübergehende Maßregel gedacht war, wieder eingehen zu lassen. Am 16. Februar wird er zum letzten Male stattstnden. — In der nichtöffentlichen Sitzung wurde u. a. beschlossen, die Stelle deS A s s i st e n t e n am Gas- und Wasserwerk zum 1.April öffentlich auszuschreiben, da Herr Ingenieur Schütte ;um Direktor des Wetzlarer Gas- und Wasserwerks gewählt ist und seine neue Stellung an diesem Tage antritt. — Als Mitglieder des Wahlausschusses für d i e G ew e r b e g e ri chtS w a h l e u wlirden bestellt aus den Kreisen der Arbeitgeber: Schuh- machermeister Karl Berg, Spenglermeister C. A. Faber, Schneidermeister Hch. Leib und Bäckerineister Ludw. Müller; aus den Kreisen der Arbeitnehnier: Eisendreher Gustav Krüger, Schneider Jobs. Diehl, Schriftsetzer Adolf Hensel und Brauer Gustav Holt berg. — Wahrscheinlich findet nächste Woche wiederum eine Sitzung der Stadt- oerordneten-Versammlung statt.
"Eine Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen findet Mittwoch, 24. d. Mts., vormittags J/29 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Baugesuch des Heinrich Balser III. von Albach; hier: käufliche Ueberlassung von Gemeindegelände. 2. Beitrag der Zeche „Hed wig"-Rind erbügen zur Straßenunterhaltung im Kreise Bü din gen für 1903/04 und 1904 05. 3. Klage des Ortsarmenverbandes Marburg gegen die Gemeindekrankenkasse Rieder- Ofleiden wegen Erstattllng von Kosten für den Schreiner- gesellen Wilh. Pfeiffer aus Groß-Braschen.
** Kreisausscbußsitz u n g. Samstag, den 20. Ian. vormittags 9 Uhr findet im Sitzungssaale des Regierum,. - gebäudes dahier eine öffentliche Sipung des Kreisausschnjses mit folgender Tagesordnung statt. 1. Gesuch des Heinrich Keßler II. zu Wieseck um Erlaubnis zum Betriebe einet Schankwirtschaft. 2. Rekurs des Wilhelm Löber zu Gießen gepen einen Polizcibcfehl der Großh. Bürgermeisterei Gießen. 3. Gesuch des Karl Tauster zu Ehringshausen um Erlaubnis für eine Tampfkesselanlage zrun Betrieb eines Geleisanschlusses in der Gemarkung Lollar. 4. Verkündigung des Erkenntnisses des Kreisausschusses betreffend die Faselhaltung in Queckborn.
• • Personalien. Durch Entschließung Großherzoglichen Ministerilinis des Innern rourben die Referendare Dr. Alb. Colmberg aus Tarnistadt, Jak. Wilh. Chat au6 Viernheim, Karl Weber aus Friedberg und Bruno Wolf aus Mainz zu Negierungsasiessoren ernannt. In den Ruhestand versetzt wurde der Schrillehrcr an der Gemeindeschule zu Steinfurth, ini Kreise Friedberg, Joh. Konr. Hubert auf sein Rachsucben, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, und unterVerleihrmg derKrone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. Ueber- tragen wurde dem Schullehrer Jak. Taubenschmidt zu Erzhausen eine Lehrerstelle an der Genieindeschrile zu Hamm, > Kreis Worms; dem CchrilamtSaspiranten Karl Rausch aus Maar, Kreis Lauterbach, die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Sickendorf, in demselben Kreise.
* • Das Ehrenzeich en für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen durch Entschließung S. K. H. des Groß Herzogs den Mitgliedern der freiwill. Feuerwehr zu Nieder-Ramstadt Karl Spengler, Adam Wittersheim, Hch. Castritius, Adam Mahr, Fried. Schmidt, Will). Heppenheimer und Joh. Baumert.
• • Erledigt sind: Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende L e h r e r st e l l e an der Gerneindeschule zu Schneppenhausen, Kreis Darmstadt. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrer stelle an der Gemeindeschule zu Zeilhard, yreiS Dieburg.
L. U. Landes-Universität. Dem Assistenten am physiologischen Institut der hiesigen Universität Dr. John Seemann wurde die venia legendi für das Fach der Physiologie erteilt.
• • Silberne Hochzeit feiern morgen die Eheleute Julius Löbermann und Frau Katharina, geb. Christ.
** Besitzwechsel. Tas an die Kirchstraße grenzende, die Nr. 43 der Wetzsteingasse führende, 2300 Qm. große Grundstück von Tr. Herrn. Webers Erben ist durch Kauf in Besitz der Stadt übergegangen. Angevlich soll der Kaufpreis 59 500 Mk. betragen. Wie man vernimmt, soll das Gelände zur Errichtung emer Gewerbeschule aus- ersehen fein.
* * Tie M i tglieder des Magistrats von Wiesbaden, die aus einer Rundfahrt begriffen sind, weilten heute hier und besichtigten das Museum des Ge- schichtsvereins. Sie reiften sodann nach Marburg weiter.
* * Handwerksk ammerergänzungswahlen. Racki der T. Z. sind die Verwaltungsbehörden angewiesen worden, das wegen demnäck)stiger Vornahme der Ergänzungswahlen zur Handwerkskammer vorgeschriebene Feststellungsverfahren einzuleiten und durchzuführen.
* * Aus dem Bureau des Stadttheaters. Morgen Samstag geht die Novität „Brüder von St. Bernhard" nochmals außer Abonnement in Szene, doch haben Blockabonnements und Gutscheine Giltigkeit. — Sonntag nachmittag wird „Alt-Heidelberg" als Fremdenvorstellung und Sonntag abenb „Der Hüttenbesitzer"
gegeben. — In Vorbereitung sind „Kolberg", „Nathan! der Weis e", „N omeo und Juli a", „Ter Revisor" (Gogols, „Ter Helfet (Philippi) und „Jugend".
"Die Tegernseer werden auf ihrer Reise durch Deutschland auch in Gießen Einkehr halten und Sonntag und Montag in Steins Saalbau je eine Vorstellung geben, in denen die arnfn'ante Bauernposse „Di e Bergfexen^ und das in München anfangs von der Zensur verbotene Volksstück „Der Lehrer vom Seespitz" zur Darstellung kommen werden. Bei dem guten Ruf, der den „Tegern- feern* voransgeht, ist ein guter Besuch beider Vorstellungen zu erwarten, zumal eine Verlängerung des Gastspiels ausgeschlossen ist. In den Zwischenakten werden Gesangs- und Rtusikvorträge geboten und ^Schuhplattler* getanzt.
• • Der Verein „Kanari a" eröffnete heule morgen leine zweite große allgemeine 9lus st ellung im Hotel Einhorn. Ließ schon die Beschickung von auswärts nichts zu ivünschen übrig, so ist das ganze s)lrrangement als wohl» gelungen zu bezeichnen. Atißer 144 Konkiirrenzsangern, 50 Verkaussvögeln, wurden noch Exoten, Distelfinkbastarde, Futterartikel, Zier- und Heckkäfiqe u. f. w., sowie schöne SehmetterlingSsammtungen ausgestellt. Eine besondere Zugkraft wird wohl die Ausstellung von Karl Müller, Frankfurt a. M., auf das Publikum auSüben, bestehend aus einer größeren Kollektion sprechender Papageien, zahmer Affen und eitrigen Hundert in- und ausländischen Stng- und Ziervögeln.
• ? Ein fingierter Raubanfall. Der telegraphisch gemeldete Raubanfall auf den 14jährigen Sohn des praktischen Arztes Dr. C l e m m in D a r m st a d t machte von vornherein den Eindruck der Unwahrscheinlichkeit. Denn man mußte stch fragen, welches Intereffe kann ein herumlungerudeS Individuum, sagen mir ein Verbrecher, daran haben, einen Knaben zu überfallen und auszurauben, von dem er doch annehmen muß, daß er Wertsachen und Geld von Belang nicht bei sich tragt. Die Kriminalpolizei hatte den Verdacht, daß e§ sich um einen fingierten Raubanfall handele, schon gestern Albend. 9lber die Aussagen des Ueberfaüenen lauteten io bestimmt und auch sein Vater war von den Angaben seines Sohnes so überzeugt, daß man schließlich wohl oder übel an den Raubanfall glauben mußte. Immerhin war eS auch merkwürdig, daß die den Täter sofort verfolgenden Soldaten diesen überhaupt nicht erblickten. Heute begannen die polizeilichen Nachforschungen und Recherchen am Tatort selbst. Dabei fand man das Portemonnaie?'des Knaben mit seinem unversehrten Inhalt, ebenso die Uhr, deren Kette allerdings zerriffen war und schließlich den Revolver, au8 dem der Schuß abgegeben worden ist. Aus allen biefen Funden schließt die Polizei wohl mit Recht, daß der Junge garnicht überfallen worden ist, sondern daß er die ihm gehörigen Sachen weggeworfen und sich bann zu erschießen versucht hat. Gründe zu bent Selbstmorb hatte bet Knabe allerdings nicht. Er ist in der Schule als fleißiger, begabter Mensch bekannt, der aber zu phantastischen Ideen hinneigte und nervös, vielfach auch etwas hysterisch veranlagt war. Man müßte sich also seinen Selbstmordversuch so erklären, baß er ihn in einem Zustande nervöser Geistesstörung begangen hat. Dieser Annahme widerspricht aber die Ansicht des VaterS, der seinem Sohn eine solche Tat nicht zutraut und ebenso wie der Knabe selbst, an den Raubanfall glaubt Da der junge Mann jetzt nicht vernehmungsfähig ist, wird man sich noch einige Tage gedulden müffen, bis er selbst die 9(ufflärung über das rätselhafte Vorkommnis gibt. Erfreu^ licherweife ist der Knabe außer Lebensgefahr.
• ’ Klein-Linden, 18. Jan. Gemäß der Bestrebungen des Rhein-Main-Verbandes für Volksbildung findet am 20. Januar, abends 8 Uhr, im Saale der „Deutschen Eiche^ ein Volks Unterhaltungsabend statt. An einen Vor-, trag über das Thema: „Aus Klein-Lindens Vergangenheit^ schließen sich an Deklamationen und lebendes Bild: „Szene aus dem Spinnstubenleben vor 100 Jahren". Eintrittsgeld wird nicht erhoben.
• * Watzenborn-Steinberg, 18. Jan. Zu der gestrigen Notiz, daß sich der Arbeiter Happel, der vordrer Wochen von seinen Söhnen durch einen Schuß schwer verletzt ivlirde, nach erfolgter Entfernung des Geschoßes außer Lebensgefahr befinde, sei mitgetcilt, daß die betr. Operation von dem prakt. Arzt Wagner aus Gießen ausgeführt wurde.
-- Lollar, 18. Jan. Einen großen nationalen ®e- sang slwiet tstr e i t veranstaltet am 24. und 25. Juni berj hiesige Gesangverein Liedertafel aus Anlaß seines 20 jährigen, Besteheirs. Das Mettstreitsingen ift in Stadt- und Landklassen eingeteilt. Schon jetzt haben sich zahlreiche Vereine zur Beteiligung angemeldet, u. a. ans Gießen, Lich, Hungen, Londorf, Langgöns, Nsfenheim und Vilbel. Am 18. März findet hier ein Delegiertentag statt.
(w.) Dutenhofen, 18. Jan. Durch Frau Fabrikant K l i n g s p o r au§ Gießen wurden unsere Kinder in der K l e i n- kinderschule hoch erfreut, indem sie eine Anzahl Reinert Schubkarren geschenkt bekamen, mit denen sie sich hoffentlich recht bald im Hof herumtummeln können. Herr Fabrikant Kling- lvor hat der Anstalt 50 Mark geschenkt. Auch die Schwester der Kleinkinderschule wurde freundlich b^'dacht. Diese Liebesgaben wurden mit herzlicher Freude und vielem Dank angenommen; b?mt die Anstalt ist nock) jung und bedarf kräftiger Unter» stützung.
Darmstadt, 18. Jan. Prinzessin Ludwig von Battenberg wird um 2.40 Uhr, S. D. der Prinz, von England kommend, gegen 5 Uhr heute nachmittag hier ein treffen, den Tee im Neuen Palais einnehmen und sich abends nach Schloß Heiligenberg begeben. Zürn heutigen Kostümfest im Alten Palais sind an 200 Einladungen ergangen. Die Arrangements sind im Stile des 14. ujnd 15. Jahrhunderts gehalten- Tie Musik stellt die Kapelle des 1. Großh. Infanterie (Leibgarde-f Regiments Nr. 115. (Darmst. Ztg.)
Oberscheld, 17. Jan. Gestern nachmittag i/24 Uhr wurde der 19 Jahre alte Bergmann Magnus' von Uebernthal auf bet fiskalischen Grube Eifenzeche durch herabstürzendes Gestein verschüttet. Erst nach zweistündiger, anstrengender Arbeit der Kameraden gelang es, ihn als Leiche zu Tage zu fördern. Dem Veriinglückten war durch einen größeren Stein die Brust eingedrückt. (A. f. b. Dillt.)
0 Marburg, 18. Jan. Heute früh fand man in dem Innern zweier zur Nachtzeit umgewvrfener Litfaßsäulen je einen schlafenden Couleur st udenten. UebrigenS wurden in letzter Nacht eine Anzahl Studenten dabei ertvischt, al- sie sich an diesen Säulen zu schaffen machten.
(fc.) Frankfurt a. M., 18. Jan. Die vom 11. Dezember ' vorigen Jahres bis zum 11. März festgesetzte Hundesperre wurde bis zum 16. April verlängert. Gestern soll wieder ein 9 jähriger Knabe von einem tollwutverdächtigen Hunde gebissen worden fein. — Das in der Gaußstraße bedienstete 30 jährige Dienstmädchen Anna Sabine Rot heu büch er aus Oberbesseu- bad), Amt Aschaffenburg, wurde tot im Bett ausgefuudcn. G» hatte sich mit Lysol vergiftet.


