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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigebiatt für den Kreis Gietzen.
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erst gar nicht gehen zu wollen und dann brachte eine I drohende Zentrumsherrschaft doch den Block von der Sozial- ( demokraiie bis zu den Nationalliberalen. In Bayern hat erst die Niederlage kommen müssen. Die Württemberger überlegen noch, wann auch für sie die Gelegenheit kommen wird, wo sie gezwungen i sein werden, sich zusammenzuschlicßen. Je näher die Reichs- j tagswahlen rücken, desto enger schmiegen sich die Leute aneinander, die durch den dunklen politischen Wald gehen müssen. Aus der Not der Zeit wird der Zusammenschluß der Liberalen geboren. Wenn dann der Frühling des Liberalismus kommt, erwacht auch wieder die Freudigkeit und Dpfermutigkeit, wächst der Zusammenhalt der politisch Zusammengehörigen. Dann wird es auch leichter sein, die schwere Verständigung nach links anzubahnen. Das wird eine sauere Arbeit sein, denn die Sozialdemokratie hat eS dem bürgerlichen Liberalismus wahrlich nicht leicht ge- macht, sie hat auch denen, die auf gutem Posten freudig und mit echtem Herzen für die Freiheit gefochten haben, gesagt: »Ihr taugt alle nichts." Das war höchst unklug und unpraktisch von der Sozialdemokratie, denn schließlich gab es auch bei diesen Liberalen viele, die da glaubten, es sei tatsächlich nur eine reaktionäre Masse. Nachdem die Sozialdemokratie diese Bürger in das reaktionäre Lager getrieben hat, fragt sie, sobald sie die Hilfe der Bürger braucht, wenn sie etwas allein nicht fertig bringt: ja wo sind denn die bürgerlichen Liberalen? In Baden hat sich die Idee einer Blockpolitik bewährt. Der Liberalismus kann auf die Dauer auf sozialdemokratische Unterstützung nur rechnen, wenn er auch seinerseits uneingeschränkt bereit ist, Hilfe zu gewähren. Wie ganz anders könnte z. B. das preutz. Abgeordnetenhaus aussehen. Während sich Liberale und Sozialdemokraten zanken, freuen sich Konservative und Zentrum ihrer dabei gedeihenden Ernte. Die Hauptaufgabe des Liberalismus iil also, auf Gegenseitigkeit eine deutsche Linke auszubauen. Eme Schwierigkeit, wenn auch eine kleine, werden hierbei die nrilitärischen Fragen bilden, die ja auch zur Zersplitterung des Liberalismus wesentlich geführt haben. Aber diese Frage ist nicht mehr so stark, daß sie alle übrigen Gedanken des Linksliberalismus überwiegt. Sie wird heute nicht mehr Auflösungszweck sein, weil die Schiffe zwischen Berlin und )tom gebaut werden. Und darum ist es auch leichter, darüber hinwegzukommen. Die Vorgänge im letzten Sommer haben gezeigt, daß wir ohne starke Rüstung nicht auskommen. Aber das hindert doch nicht, daß wir auch freie Bürger — alle, vom Hochgeborenen bis zum Arbeiter — sein können, auf daß man sagen darf: Dies Vaterland ein freies Land und unser Land! — —
Der Beifall, der ständig die Ausführungen Friedrich Naumanns begleitete, wuchs zum Schluffe zu einer imposanten Ovation. Die Diskussion, an der Gegner sich nicht beteiligten, stand nicht auf der Höhe. In seinem Schlußwort ging Naumann nochmals der Mär zu Leibe, daß der Liberalismus ein Gegner der landwirtschaftlichen Berussverbände sei. Ganz ebenso wie der Liberalismus die gewerkschaftlichen Organisationen anerkenne, trete er auch sür den Zusammenschluß der Landwirte ein. Nur dürfen diese dann nicht den Staat als eine Maschine betrachten, die nur sür sie arbeite, sondern müssen einsehen, daß der Staat eben die Gemeinschaft aller ist.
Die jlufßabfu des «Liberalismus.
Man schreibt uns auS Darmstadt, 18. Ian.:
Die Geschichte des Niederganges des Liberalismus ist « zugleich der beste Wegweiser dafür, wie der Liberalismus wieder zu Macht kommen, wie er wieder Einfluß auf die politische, geistige und wirtschaftliche Entwickelung Deutsch» ] landS gewinnen kann. Friedrich Naumann war es, der als der Ersten einer zur Sammlung aller Liberalen, zur Schaffung einer neudeutschen Linken, aufforderte. Eine Betrachtung der derzeitigen Lage des Liberalismus mag zumeist frohe Stimmung nicht aufkommen taffen, — wenn man Friedrich Naumann hört, dann ist es wie Sonnenschein, _ der all das Triste und Graue verscheucht, der keimende Hoffnungen hervorlockt. So ging es auch der fast tausendköpfigen Zuhörerschaft, Damen und Herren, die am Mittwoch abend der Einladung des Vereins der freisinnigen Partei in Darmstadt gefolgt waren, um Friedrich Naumanns Mahn- und Weckruf über die »Ausgaben des Liberalismus" zu vernehmen.
Der Liberalismus war schon kraftlos geworden, ehe er zur Herrschaft kommen konnte. Darum muß man sich fragen: wohin sind diese Kräfte gegangen? In 25 Jahren hat der Liberalismus mehr als 65 Mandate verloren. Jede geordnete Sanierung beginnt mit einer Aufstellung der ziffernmäßigen Verluste. So muß auch jede geordnete Betrachtung über den Rückgang des Liberalismiis beginnen mit einer rücksichtslosen Beurteilung seiner Mandatsverlusie. Wir sehen also fine kleine Abschwächung nach rechts und sinen großen Abmarsch nach links. Seine linke Hand war noch schwächer als die rechte. Faßt man das als ärztliche Diagnose auf, bann könnte man sagen, daß also der Fehler des Liberalismus auf der Herzseite liegt Wer sind nun diejenigen, welche abschwenkten? Lohnarbeiter sind gewiß nicht nach rechts abgerückt. Als Ziffern kommen die Bauern und die Kl ein Handwerkern in Betracht. Während die Bauern früher im Liberalismus ihren freiheitlichen Hort seit seiner ersten Tat, der Bauernbefreiung, sahen, kann sich der Bauer heule fast nicht genug tun in einer Art von Verachtung des Liberalismus. Man behandelte die Landwirtschaftsfrage als Getreidezollfrage. Und da machte der Liberalismus das Gefährlichste, was man in einer solchen schwierigen Situation tun konnte. Er ging zwischen den beiden Seiten Zoll und Freihandel schwankend einher. Naumann zeigte nun am Beispiele Belgiens, Hollands und Dänemarks, wie sehr wohl die Landwirtschaft unter dem Freihandel bestehen und zu großer Blüte gelangen könne und knüpfte daran die Hoffnung, daß durch eine rücksichtslose Verkündung des wirklichen Zusammenhanges der Bauernwirtschaft mit der modernen Produktion seitens de? Liberalismus sich .zwar die Bauern nicht sofort zum Liberalismus zurück- finden, wohl aber ihre Rückwendung beginnen werde. Das Zeitalter des Verkehrs darf nicht nur in den Städten angesprochen werden, sondern alle modernen Verkehrsmittel müssen auf das Land hinaus gebracht werden. Mit der Durchführung einer solchen Laudpoli til wird der Liberalismus die Bauern zurück- gero innen.
Die Handwerker sind noch in weit höherem Maße liberal. Soweit sie abgeschwenkt waren, befinden sie sich bereits auf dem Rückmarsch; die Versprechiing der Jnnungs- ,freunde haben sie als wertlos erkannt. Gleichwie die Landwirtschaft, ist auch das Handwerk ohne eine starke Kaufkraft der Menge verloren. So ist z.B. gerade in konservativen Gegenden die Lage des Handwers am schlechtesten, da die Landarbeiter, die breiten Massen, nichts verdienen und also nichts kaufen fönneru
Nun der Abmarsch nach links. Sobald der Liberalismus durch das Auftreten der Sozialdemokratie sich
als Mittelpartei fühlte, verlor er die Schärfe der Schlagfertigkeit nach rechts. Der Kreislauf der Versäumnisse begann mit an sich kleinen Dingen, die, wie sich jetzt zeigt, aber schwer wieder gut zu machen sind. Es entstand neben dein bürgerlichen ein proletarischer Liberalismus. Und von da an, wo der bürgerliche Liberalismus jene Unsicherheit nach rechts bekam, war das Wachsen des proletarischen Teiles (der Sozialdemokratie) nicht mehr aufzuhalten. Nur schwach vermochte der Liberalismus die der Arbeiterbewegung von den herrschenden Gewalten zugefügten Nadelstiche gu tadeln. Ja, gab es doch Liberale, die in der ganzen Politik nur die Sicherung des Besitzes sahen. Wenn jetzt allüberall gegen «in schlechtes Landtagswahlrecht protestiert wird .— ob das auf der Straße ebenfalls geschehen soll ober nicht, scheidet hier aus — bann ist das eine liberale Sache. Genau wie im Jahre 1848 in Frankfurt die Bürger um ihre Freiheitsrechte gegen die Machthaber aufftnnben, genau wie anno 1846 in Leipzig Bürger vor dem Hotel brüllten, in dem der nachmalige König Johann abgestiegen war, sodaß der Prinz dabei die Hintertreppe flüchtete, genau so ist auch die heutige Protestation gegen die schlechten Wahlsysteme eine liberale Bewegung.
Welche Summe an politischer Kraft würde nun geschaffen werden durch ein A neinanderlchnen des liberalen Bürgertums und bet Arbeiterschaft? Um dahinzukommen, muß vor allem die Einigung der Liberalen herbeigeführt werden. Daß dem große Schwierigkeiten entgegenstehen, ist nicht zu verkennen. Aber man soll ' |fie nicht zu tragisch nehmen und gar die Hoffnung aufgeben. Mag auch in gewissen Parteizentralen noch eine starke Ab- itcigung vorhanden sein, in den Wahlkreisen sagen sich die Wähler schon selbst, daß es so nicht weiter gehen kann. Und so beginnt gleichzeitig im Süden und im höchsten Norden Deutschlaiids diese ®üiigung§beroegung. Am besten ist die Lösung in Elsaß-Lothringen gefunden. In Baden schien es
bahn-Syndikat ein. Von einer absichtlichen Verschweigung irflenb; eines wesentlichen Punktes in der Kommission str.nicht die Rede.
Mm. Sem ml er (nl.) erklärt, seine politischen ftreunte seien für den Bau der fi'antenmbalrt und stimmten daher der läge zu. Sie seien für eine gesunde Verkehrspolitik natürlich' nicht ins uferlose. Die über die Häuptlinge verhängten hohen Strafen hielten sie nicht für richtig. Die Bagn müsse auch, nach weiter ins Hinterland hineingebaut werten. Erst dann werte ie große Bedeutung erlangen. Der Hafen von Duala sei vor- äU9lt Ledebour (Soz.) macht dem früheren Kvlvnialdirektor Dr. Stübel Vorwürfe, daß er die Beschwerde über Puttkamer diesem selbst zur Berichterstattung überwiesen habe Auch ba.3 jetzige Verhalten der Verwaltung sei nicht einwandfrei. Weiter erklärt sich Redner gegen die Vorlage
Abg. v. N i ch t h o f e n (Toni.) führt aus, was die Akioa- Häuptlinge anlange, so meine er, daß bei dem. Beschwerderecht der Instanzenweg hätte inne gehalten werden müssen. Das Urteil gehe vielleicht zu weit. Weiter tritt Redner für die Vorlage em.
Abg. Lenzmann (fr. Dp.) führt aus, tut die Vorlage werde nur ein Teil feinet Freunde stimmen, ein anderer -Leu. darunter auch er selber täten dies nicht, a-ie Bahn sei ent Wechsel auf die Zukunft, von dem man nicht nnffe, ob er auch eingelöst werden würde. Ueberall in den Kolonien zeige sich Anp- standsgefahr. _ , .
Abg. Arendt (Rp.) begrüßt es, daß nur nod) em -Leit der freisinnigen Volksvartei gegen die Vorlage stimmen wolle Es fer dies ein Fortschritt in der Stellung der freisinnigen Volksparter zur Kolvnialsrage. Sehr lebhaft tritt bann Redner für die Vor* IÖ9CAbg.' Sattmann (Antis. ist als Richter aufs tiefste erschüttert über die .Höhe der Strafen in dem bekannten Urteil gegen die Häuptlinge. Redner tritt dann für die Vorlage ein, bemängelt aber die gewählte Siace, in welchem Punkt ihm vom Negierungstische widerlegt wirt. r ,
Abg. Dowe (fr. Vg.) stimmt der Vorlage zu. ebenso Abg. Stör tz (südd. Vp.), wobei er gegen die Sozialdemokraten polemisiert. _ ä '
Morgen 1 Ul>r Fortsetzung und Militarpensionsgesetz.
Deutscher Reichstag.
23. Sitzung vom 18. Januar.
Aus der Tagesordnung steht die erste Lesung der Garantie- Vorlage für eine Eisenbahn in Kamerun von Duala nach den Manenguba-Bergen. , _ , , ,
Chef der Kolomal-Verwaltung Erbprinz Hohenlohe- Langenburg teilt mit, dak- das Urteil gegen die Akwa-Häuptlinge eingelausen fei. Das Oberhaupt King Akwa fei wegen verleumderischer Beleidigung zu 9 Jahren Gefängnis und Zwangsarbeit verurteilt worden, ein anderer Häuptling zu 7 Jahren Gefängnis und Zwangsarbeit, eine ganze Reihe anderer ebenfalls zu. entern bis 2^Jahren Gefängnis mit Zwangsarbeit. Die Bestätigung des Urteils sei noch nicht erfolgt, es werde aber einer genauen Nachprüfung unterzogen werden. Das genaue Protokoll der Verhandlungen liege noch nicht vor Das Eintreffen des Gouverneurs v. Puttkamer werte zum 1. Februar erwartet. Es hege ferner ein Bericht aus Kamerun vor, der besage, daß die Der- Ml tröffe dort keineswegs völlig ruhig seien und daß eme Gefahr für die deutsche Herrschaft in Kamerun nicht ausgeschlossen sei. Umsomehr habe sich die Regierung gesagt, daß ste ,m ihren Maßnahmen aus Anlaß jenes Urteils sehr vorsichtig sein miijic. Wenn man den Häuptlingen sofort einfach die ^reihest gegeben hätte so würde dies in Kamerun als ein Mißtrauensvotum gegen den Gouverneur und den Richter aufgefaßt worden sein. Twtz- dem habe er sich entschlossen, den Gouverneur herzuberufen, weil er wolle, daß möglichste Klarheit geschaffen werte Zu der Vorlage bemerkt Redner alsdann: Im Gegensatz zu der Bahn in Südwestafrika, deren Notwendigkeit er namentlich aus Militärischen Rüelsichten begründete, liegen für die Kamerimbahn wirtschaftliche Gründe vor, aber es werde nach erfolgtem Bau der Bahn allerdings auch viel leichter sein, Unruhen dort entgegen zu treten. Er bitte das Haus, der Vorlage zuzustnumen, durch welche ein zukunftsreiches Schutzgebiet erst recht dem Verkehr ^Abg^ (Sr^ber gcr (Ztr.) bezeichnet zunächst die Strafen in dem Urteil gegen die Mwa-Häuptlinge als augerortentlich hoch Das Urteil sei wieder ein klassischer Fall von Kolomak- Bureankratismus. Gerade solche Urteile seien geeignet, zum Aufstande zu reizen. Er sei beauftragt,, hie Zustimmung seiner Freimde zur Vorlage zum Ausdruck zu bringen und ihre Ucbcr* tveiiuna an die Budget-Kommistion zu beantragen. Zum Schluß erneuert Redner seine Anklagen gegen die Kolonialverwaltung, M diese dem Reichstage über die Verhandlungen mit den K-r- mernner Laudacsellschaften Nicht remcit Dem ermdiente. Auf cuie vE VorrednÄ gestellte Frage, in welchem Bezirk von Kamerun ein Aufstand drohe, erwidert . _ . , .
Erbprinz zu Hohenlohe-Langenburg, daß in kemem bestimmten Gebiet von Kamerun ein Ausstand bereits,brol)c. Es pestehe nur eine allgemeine Erregung, die man nicht un- bead®e6 ^Ägationsrat Helfferich gebt wieder auf die Erz-- bergersch'en Verwürfe wegen der Verhandlungen mit dem Eisen-
Wahlrechtskrawalle.
Bei den Unruhen in Hamburg (vgl. unsere gestrigen Hamburger Meldungen) sind 17 Schutzleute, von Deneit einer gestorben ist, mehr oder weniger schwer verletzt worden. Auch bei den Fußmannschaften sind mehrere, allerdings leichtere, Verletzungen vorgekommen. Die Anzahl der verwundeten Zivilpersonen konnte von polizeilicher.Seils noch nicht festgestellt werden, sie scheint aber erheblich jtt fein, da vielfach Wotheken, Aerzte, Heilgehilfen und auch die Sanitätsbehörden und die Feuerwehr von Verwundeten in Anspruch genommen wurden. Die Ansaurmlungen nahmen in Schopenstehl und in der Riedemstraße besonders bedenkliche Formen an. Der Pöbel plünderte 22 Läden. Zahlreiche Straßenlaternen wurden zertrümmert. Unter einem! Tor in der Gegend des Fischmarktes versuchte der Pobell aus umgeworfenen Wagen und allerhand Gerümpel zwer Barrikaden zu errichten, die aber von den Schutzleuten rasch genommen und geräumt wurden. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommeu. Die Polizeibehörde veröffentlichte folgende Wartiung an die gesamte Bevölkerung^
Um Ausschreitungen und Straftaten vorzubeugen, werten Volksansammlungen auf den Straßen unter keinen Umstanden geduldet, sondern sofort mst allem Nachdruck, nötigenfalls unter Wiwendung von W affen g e w a lt, seitens der Schutzmannschaft zerstreut werden. Diefenigen, die den Anordnungen der Polizeibeaiuten nicht unbedingt Folgt leisten, werden sofort festgenommen.
Wegen eigenmächtigen Verlassens der Arbeit wurdett insgesamt etwa 4000 Werftarbeiter bis zum 22. Jan.
aus gesperrt.
Soviel von den heute vorliegenden Hamburger Meldungen. Jedenfalls beweisen diese Krawalle zur Genüge, daß die dunklen Elemente der Straße, einmal in Bewegung gebracht, ganz und gar ihrem Behagen folgen und niicht das aklermindeste fragen nach Parole und Anordnungen. In der Theorie sind die Pläne, die Massen zu dirigieren, wohl durchdacht und jede Kleinigkeit berücksichLrgend; in der Praxis sind ein paar hundert erhitzte Kopfe, Die etwas ganz anderes als politische Rechte wollen, ebensd viel tausend vernünftigen und besonnenen Männern wert überlegen. Tie Leute, die nichts zu verlieren haben, sind schnell dabei, zum Messer zu greifen oder mit Stein-n zu werfen. Wieder andere betätigen eine rohe Zerstörung^ lüft. Verbrecher benutzen die Menschenansammlunb und die entstehende Verwirrung zu Diebereien und Raubzuaen. Ju den Hamburger Telegrammen wurde festgestellt, daß der Pöbel die Ausschreitungen verübte, daß Arbeiter an ihnen nicht beteiligt gewesen sind. Der Pöbel ist eben nicht inr Zaum zu halten.
Darum kann man den zum Sonntag geplanten 1 o - zialdemokratischen Kundgebungen gegen ba§ preußische Wahlrecht, besonders in Berlin, nicht ohne Besorgnis entgegensehen. Zwar veröffentlichte der sozialdemokratische Parteivorstand im „Vorwärts 1 die eindringliche Mahnung, Strahendemonstrationen zu unterlassen und bei Bersammluugsauflöstmgen oder nach. Schluß der Versaminlungen den getroffenen Anordnungen Folge zu leisten. Aber kann irgendwelche Gewähr von dew Führer der Sozialdem. dafür übernommen werden, daß nuhr Gesindel aller Art einen Strich durch das Programm enter „wuchtigen, aber würdevollen" Kundgebung macht nnd mit Absicht eine grimmige Auflehnung gegen den Staat in Szene setzt? Anarcksisten der Tat gibt es genug in Berlin, die pielleicht mit Begier diese Gelegenheit ergreifen, am „Nordd. Mlg. Ztg." bemerkt zu der Mitteilung des sozialüemokrat. Parteivorstandes:
„Man wirt ja sehen, ob diese Mahnung ernst gemeint ist. Selbst wenn dies aber der Fall fehl sollte, läßt ffch doch nicht vorausschen, ob die Führer die erregten Maßen auch in der Houd behalten werben." . rL
In Königsberg machte der kommandierende General bekannt, daß am Sonntag in allen Garni- sonen der Provinz Ostpreußen Truppen mit s ch a r s e r M u n i t i o n bereit gestellt iverden. In B e r t i n und anderen Großstädten aber spricht man davon, daß die beabsichtigten Versammlungen kurzerhand verboten werden müßten. In Dresden und Leipzig sind solche Verbote bereits ergangen. Die „Nationalztg." tvarnt die preußischen Behörden davor, durch Polizeichikanen und Versammlunasverbote für die Sozialdemokratie zu einem AgitatiouZersolge beizutragen. Iluch wir halten ein Verbot
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! Gastspiel' ernseer igatei"1 fei* »r,a,ß' e mit 6--H paar 190,t>«5
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Zweites Blatt Ist». JlrhvMNH Freira^ 18. Jmnmr-
Gietzener Anzeiger
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