Ausgabe 
18.8.1906 Zweites Blatt
 
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IrrrchLvare Krdveven.

Wir erhielten gestern in später Nachmittagsstunde fol­gende Drahtnachricht, die wir alsbald durch Aushang bekannt gaben:

Newyork, 17. Aug. Hier eingegaugene Kabelmeldungen besagen, daß Valparaiso in Chile durch ein Erdbeben heim- gesucht worden ist. Viele Personen seien getötet und viele verletzt. Alle Gebäude seien beschädigt. In allen Teilen der Stadt wüten Feuersbrünste. Die Kabelverbindnngeu nach sudamerikanischen Punkten seien zerstört, nur die Ver­bindung via Lissabon sei offen.

Heutige Meldungen besagten:

Newyork, 17. Aua- Die Central-South-Amerikan Telegraph Company stellte die Verbindung mit Valparaiso wieder her. Ein hier von dort eingegangenes Telegramm besagt, daß Teile der Stadt die ganze Nacht hindurch brannten. Hunderte von M e n s ch e n sind unter den Trümmern der Häuser begraben.

Newyork, 17. Aug. Nutzer Valparaiso wurde auch Men­doza in Argentinien von dem Erdbebeir heimgesucht. Nach mehreren Berichten soll auch dort der Schaden und Verlust an Menschenleben grob sein.

Newyork, l'7. Aug. Das Erdbeben trat ein, als alle Theater und Cafös gefüllt waren.

London, 18. Aug. Das Erdbeben sand vorgestern abend 7 Uhr 40 Min. statt. Die Erdstöße folgten schnell auseinander. Sie waren begleitet von Feuerausbrüchen und einer allgemeinen Panik der Valparaisoer Bevölkerung. Die Kabel-Telegravhisten flohen, kehrten aber morgens zu ihrer Station zurück und meldeten, daß die untere Stadt nicht zerstört und die unmittelbare Gefahr vorüber sei. Die Ziffer der Unglücksfälle und der Verlust an Menschenleben scheint nach Angabe der Agenturen groß zu sein. Die meisten britischen Versicherungs-Gesellschaften sind in Valparaiso interessiert.

Paris, 18. Aug. Die Hilfsaktion hat bereits begonnen. Das Erdbeben soll an der ganzen Bergkette der Provinz verspürt worden sein. Auch die Stadt Los Santos hat schwer gelitten. In Buenos Aires herrschte wegen des Erdbebens große Panik, doch sind die Zerstörungen unbedeutend.

Was hing toir, 17. Aug. Das Staatsdepartement hat bis­her vergeblich versucht, mit seinen Vertretern in den chilen. Städten in Verbindung zu treten. Es war unmöglich, irgend welche Einzel­heiten zu erlangen. Alles deutet aber auf weitgehende Verwüstungen hin. Prozessor Milner, der ein seismographisches Institut auf der Insel Wight hat, erklärte, daß nach den Aufzeichnungen seiner In­strumente das Erdbeben in Chile an Heftigkeit der San Franziskoer Katastrophe gleich komme.

Auch in den südwestlichen Grenzgebieten Tirols und in dem Camonicatale wurde ein wellenförmiges Erd- beben verspürt.___________________________________.__________________

Die bab-rische Spieleraffäre vor dem» Kriegsgericht.

(Von unserem Korrespondenten.) (Unberechtigter Nachdruck verboten.)

S. u. H. Landau (Pfalz), 17. Aug.

Landau steht heute im Zeichen des Sensationsvrozesses gegen den Leutnant im 3. Bahr. Cheveauxlegers-Reg'iment Kurt Mühe aus Dieuze in Lothringen, den Haupthelden in der großen bahr. Spielerassäre, die durch den S e l b st m o r d v e r s u ch des Grafen Max v o n P r e y s i n g in Florenz Aufsehen erregte.

Die Vorgänge spielen fast ausschließlich in der kleinen Garnison Dieuze. Das Regiment hatte in der letzten Zeit zahl­reiche Angehörige des bayerischen Jungadels in seinem Offizier- korps und Mühe soll es gelungen sein, die Kavaliere zur Beteiligung an einer regelrechtenSpielhölle" zu veran­lassen.

Als Graf von Preysing in der Aufregung über eine veru- unglückte Spekulation in italienischen Bergwerksaktien zum Re­volver griff und damit das Seben und Treiben in den jung- adeligen Kreisen Bayerns ausdeckle, begab sich Mühe in das SanatoriumNeu-Wittelsbach". Dort wurde er jedoch auf An­trag seines Regimentskommandeurs festgenommen. Der des ver­suchten Betruges und einer dienstlichen Falschmeldung be­schuldigte Mühe ist ein hübscher schlanker junger Mann mit einem kleinen rötlich-braunen Schnurrbart. Sein Gesicht, das den Lebemann verrät, ist tiefblaß. Er trägt nwosgrüne Gala- Uniform der Cheveaurlegers-Offiziere.

Der Vorsitzende, Oberstleutnant z. D'. Fuchs, eröffnete die Verhandlung: Sie werden beschuldigt, den Herzog Ludwig Wilhelm wiederholt um Bürgschaftsleistungen in einer Gesamthöhe von ea. 180000 Mark erfolgreich angegangen zu haben, indem Sie ihm verspiegelten, Ihr Onkel Gernsheim in München werde Zahlung leisten. Angekt.: Ich habe nicht absichtlich falsche Anaaben über die Deckungsmöglich­keiten gemacht. Was ich Sr. Kgl. Hoheit in dieser Beziehung erzählt habe, geschah durchaus im besten Glauben und teil­weise habe ich diesen Glauben auch heute noch. Ich fühle mich deshalb keiner Schuld Sr. Kgl. Hoheit gegenüber bewußt. Bors.: Bei einer Vernehmung vor dem Ehrenrat sollen Sie ebenfalls über Ihre Vermögensverhältnisse falsche Angaben gemacht haben. Angekl.: Ja, ich wußte aber nicht, daß mir dies als eine falsche dienstliche Meldung ausgelegt werden könnte.

Mühe bestreitet nicht, daß er schon bald nach seiner Ernenn­ung zum Leutnant in eine mißliche Vermögenslage gekommen fei. Er habe sich mit Wechseln zu helfen versucht, die er mit Lts. Vogl und Schmitt zusammen gemacht habe. Vhdlf.: Wieviel nahmen Sie aus? Augekl.: 20 000 Mark. Die Wechselbezieh­ungen wuchsen mir schließlich über den Kopf, sodaß ich schließlich nicht mehr wußte, woran ich eigentlich war. Die umlaufenden Wechsel lauteten über höhere Beträge, als ich glaubte. Ich hatte Blankoakzepte ausgegeben, hatte erhalten, was die Geld­geber wollten, und diese hatten geschrieben, was sie wollten. Erhalten habe ich nur 6 bis 10 000 Mark. Vhdlf.: Mso im Maximum nur den vierten Teil von dem, was Sie wollten? Angekl.: Ja. Ich habe mich dann an meine Eltern und Ver­wandten gewendet. Die Mutter half mir teilweise aus, mein Onkel schickte mir 2600 Mark und meine Tante gab mir hinter seinem Rucken nach und nach etwa 10 000 Mark. Im Februar kam ich mit dem Herzog in ein Gespräch über meine Verhältnisse. Ich setzte ihm schließlich einen Bürgschaftsschein über 35 000 Mk. auf. Ich muß auch bemerken, daß ich die Absicht hatte, mich reich zu verheiraten. Se. Kgl. Hoheit schien die ganze Sache sehr leicht zu nehmen. Vhdlf.: Wie waren die Ver­mögensverhältnisse Ihrer Eltern? Angekl.: Ich nehme an, daß schon dies zur Deckung meiner laufenden Verbindlichkeiten aus- reichen würde. Vhdlf.: Sie haben doch aber noch zwei Ge­schwister, das Vermögen verteilt sich also doch sehr. Und dann war Ihre Schuldenlast schließlich aus 180 000 Mark angewachsen. Angekl.: Meine Mutter hatte mir immer ausgeholsen. Ich war also der Meinung, daß die Eltern gutsituiert seien. Und dann stand meine Heirat in Aussicht. Vhdls.: Der Name der Dame tut nichts zur Sache. Sie war eine Freundin Ihrer Schwester und Sie hielten Sie für sehr reich. Die Hochzeit sollte im Ok­tober stattfinden. Weshalb ist die Heirat nun aber nicht zu­stande gekommen? Angekl.: Weil die Mitgift nicht so groß war, wie ich angenommen hatte. Es hieß, es kämen mindestens 500 000 Mark in Frage. Das stimmte aber nicht, und dazu kam dann auch noch, daß man von den umlaufenden Wechseln gehört hatte. Vhdlf.: Und wie war es mit den Aussichten bei Ihrem Onkel Gernsheim? Es ist'festgestellt, daß auf Ihren Anteil nur ca. 28 000 Mark kommen. Angekl.: Der Onkel galt als Millionär und ich nehme an, daß sich sein Vermögen inzwischen verdreifacht habe. Vhdlf.: Trotzdem hat Ihr Onkel bei seiner Vernehmung erklärt, er denke nicht daran, so viel für Sie zu tun, wie Sie erwarteten? Angekl.: Das wußte ich damals nicht. Auch habe ich mich immer an die Tante gewandt. Sie führte die Bücher und auch die Kasse.

Der Verhandlungsführer ging dann die einzelnen Bürg- schastsleistungen des Herzogs Ludwig Wilhelm durch. Trotzdem der Herzog erklärt hatte, er unterschreibe bei seiner exponierten

Stellung prinzipiell keine'Wechsel und wolle " auch nichts damit zu tun haben, habe Mühe doch Wechsel gezogen unter der fal­schen Vorspiegelung, die früheren Bürgschaften seien inzwischen erledigt. In bezug kruf die Bürgschaften selbst stellte der Ver­handlungsführer fest, daß die Scheine von Mühe bei der Firma Mix und Holzscheer in Straßburg in Zahlung gegeben wurden und daß Mühe für eine dieser Bürgschaften über 40 000 Mark nur 30000 Mark erhalten hat. Bert. R.-A. Hauck: Ich möchte hervorheben, daß der Angeklagte auf den baldigen Tod seines Onkels rechnen konnte, da dieser im 80., die Tante im 79. Lebensjahre steht.

Hierauf bemerkte der Anklagevertreter: Es steht außer Frage, daß der Herzog Ludwig Wilhelm als Kronzeuge für diesen Prozeß in Frage kommt. Das Gericht beschloß darauf Die Vernehmung des Herzogs. Der Zeuge, der einen sehr schüchternen Eindruck macht, er Harte auf Befragen, daß er Zeug­nis ablegen wolle. Zur Personalfeststellung gibt er an, daß er 22 Jahre alt und der jüngste Sohn des Herzogs Dr. Karl Theodor von Bayern (des bekannten Augenarztes) sei. Gegenwärtig stehe er als Leutnant in Dieuze. Vhdlf.: Es handelt sich darum, daß Kgl. Hoheit zweimal Bürgschaft für Mühe geleistet haben sollen und daß dieser Ew. Kgl. Hoheit bei dieser Gelegenheit unwahre Angaben über seine Vermögensberhältnisse und über seine Aussichten, Deckung aufzunehmen, gemacht haben soll. Was können Ew. Kgl. Hoheit dazu angeben?

Zeuge: Leutnant Muhe kam Ende März d. I. zu mir und bat mich, eine Bürgschaft über 35 000 Mark zu unterschreiben. Ich weigerte mich anfangs, dies zu tun und da gab er mir an, daß die Sache vollständig gefahrlos für mich sei, ich würde nie­mals irgend welche Schwierigkeiten damit haben und keinesfalls zu einer Zahlung herangezogen werden. Vhdlf.: Ew. Königs. Hoheit haben nur aus kameradschaftlichen Gründen für den Angeklagten gebürgt? Zeuge: Ja, ich war unbedingt der Mein­ung, daß es vollkommen ausgeschlossen sei, daß man mich jemals aus der Bürgschaft in Anspruch nehmen würde, noch daß mein Name damit in Verbindung Tante. Vhdlf.: In der Folge sind dann Ew. Kgl. Hoheit an den Vater und den Onkel des Angeklagten herangetreten? Zeuge: Ja, der Onkel sagte aber, daß er von den 60 000 Mark nichts wisse und der Vater konnte nur für die 100 000 Mark gut sagen, die er aus der Erbschaftsmasse des Onkels einmal zu bekommen hofft. Weiterhin bekundet der Zeuge noch, daß er auch mit den Geldgebern Mühe's in Straßburg, Stuttgart, Dortmund und München in Verbind­ung getreten sei und schließlich den Bürgschaftsschein von dem R.-A. Damm in München zurückerhielt. Er habe Damm gesagt, daß sein Vater die Zurückziehung des Scheines wünsche. An- Hagevertreter: Haben Ew. Kgl. Hoheit in näheren Beziehungen zu dem AngeHagten gestanden, als nur in kameradschaftlichen? Ich greife der Verteidigung vor, die behauvtet, daß so freund­schaftliche Beziehungen zwischen Sr. Kgl. Hoheit und dem Angeklagten bestanden hätten, daß Kgl. Hoheit ausdrück­lich erfiärt habe: Für jeden Anderen würde ich nicht unter­schrieben haben. Vhdlf.: Das Gericht lehnt alle diese Fragestellungen und ebenso die von der Verteidigung be­antragte Verlesung des Briefwechsels zwischen Sr. Kgl. Hoheit und dem Angeklagten als nicht zur Sache gehörig, a b.

Es wurde dann Fräulein Emma Mühe, die Schwester des AngeHagten, ein schlankes, hübsches, junges' Mädchen in eleganter Toilette, vernommen. Vcrt.: Ist es richtig, daß Ihr Onkel wiederholt gesagt hat, er könne sein Geld doch nicht mit ins Grab nehmen, und daß er, als in der Zeitung die Nachricht stand, der verstorbene südafrikanische Millionär Alfred Beit habe einmal erHärt, auf ein paar Millionen sei es ihm niemals angenommen, sagte: Ihm, dem Onkel, komme es auch nicht auf ein paar Hunderttausende an; Zeugin: Ja. Bert.: Er soll in den nobelsten Verhältnissen leben, überhaupt nur Cham­pagner trinken und allgemein für einen Millionär gehalten worden fein. Vhdls.: Das Sekttrinken läßt keinen Schluß auf die Vermögensverhältnisse zu. (Heiterkeit.)

Der folgende Zeuge ist 'der Kaufmann Lurtz aus München, der bei der Vermittlung der Geldgeschäfte des AngeHagten tätig war. Auf eine Frage des Verteidigers beTunbet der Zeuge, daß Mühe im SanatoriumNeuwittelsbach" sehr aufgeregt ge­wesen sei und eine Operation durchgemacht habe.

Kaufmann Jonathan Gernsheim hat angegeben, daß er nur 3400 000 Mark Vermögen habe. Er habe mit feiner Frau schon vor der Geburt Mühe's ein Testament ge­macht, wonach auf die Familie Mühe nur insgesamt 30 000 Mark entfielen. Davon stünden also dem AngeHagten nur etwa 10 000 Mark zu, die die Mutter desselben nach und nach schon bekommen habe. Es sei ganz unmöglich,. daß der 9lngeHagte glauben durfte, er, der Onkel, werde mit 40 000 Mark für ihn einstehen. Er habe diesen wiederholt tvissen lassen, daß er seine Hand ganz von ihm abziehen würde, falls er sich nicht bessere. Auch die Gattin dieses Zeugen hat ausgesagt, daß der AngeHagte auf weitere Unterstützungen als die erhaltene und auf ein größeres Erbteil nicht zu rechnen habe.

Im Anschluß an diese Vernehmungen wurde dem Herzog Ludwig Wilhelm seine Aussage zur Unterschrift vorgelegt. Der Verhandlungsführer begleitete diesen 9lkt mit den , Worten: Ew. Kgl. Hoheit bitte ich untertänig st, die Eides­formel zu unterzeichnen!

Es folgte das Plaidoyer des Anklagevertreters, Kriegsgerichts- rats Ott. Wie der AngeHagte, so führte der Anklagevertreter aus, in feine mißliche Lage gekommen ist, darüber brauche ich nichts zu sagen. Er ist in die Hände eines Weibes geraten, denen er sich nicht mehr zu entziehen vermocht, hat. Alles fei unwahr gewesen, was der Angeklagte von diesem Onkel und von seinen s onstigen Verhältnissen erzählt habe. Einen solchenreichen Onkel", der mal zu Weihnachten mit 20 Mark herausrücke, habe am Ende Jeder. (Heiterkeit.) Ich halte den AngeHagten in vollem Umfange schuldig. Er hat die Uniform seines Regiments, seines Königs in der gemeinsten Weise beschmutzt. Ich beanttage wegen des Be­truges 2 Jahre Gefängnis, wegen des versuchten Betruges 4 Monate Gefängnis und wegen der dienstlichen Falsch­meldung 42 Tage Stubenarrest.

Rechtsanwalt Hauck-Landau: In bezug auf die entgegen» stehenden Aussagen des Herzogs Ludwig Wilhelm sage er: Irren ist menschlich, auch bei einer Königlichen Hoheit. Der Angeklagte könne nur wegen der von ihm selbst eingestandenen dienstlichen Falschmeldung bestraft werden.

Nach kurzer Beratung verkündete der Verhandlungsführer folgendes

Urteil:

Der AngeHagte wird wegen Betruges und in einem Falle wegen Belügung eines Vorgesetzten zu

15 Tagen Gefängnis und Dienstentlassung verurteilt. Von der Anklage des versuchten Bettuges wird er freigesprochen.

Aus StaM und Lund.

Gießen, den 18. Aug. 1906.

* Am Kriegerdenkmal spielt morgen mittag um 12 Uhr unsere Regiments-Kapelle folgende Stücke: Feft- Ouverture von Lortzing; Luna-Walzer von Lincke; Im Zeichen des Mars, Patr. Potv. von Herold; Altheff. Fahnen- Marfch aus der Zeit Ludwig VIII., bearbeitet von Krautze.

Besitzwechsel. Der Schuhmachermeister Gg. Emil Baum erwarb vom Rentner Wilh. Jughardt einen Garten auf dem Gartfelde an der Steinstraße zum Preise von 10000 Mk.

* * Statistik über die Tanzbelustigungen. Im Laufe des letzten Jahres haben die Tanzbelustigunqen dem Hess. Staate 1 7 2 96 3.5 0 Mk. eingebracht. Die Stempel­gebühr wird scheinbar von den Wirten gezahlt, in Wirklich­keit aber von den Tänzern getragen und somit können wir von einer freiwilligen Steuer sprechen, die die Tänzer sich auferlegt haben. In der Summe von 172 963.50 Mk. stecken

nur 66 665.50 Mk die für die an den Kirchweihfesten stattgehabten Tanzbelustigungen gezahlt wurden, während bei? Rest von 106 338 Mk. aus Tanzbelustigungen bei anderen' Gelegenheiten eingegangen ist. Während also die Kirchweihen mit nur 381/? Proz. an den Tanzgeldern beteiligt waren," entfielen auf die übrigen festlichen Veranstaltungen mit Tanz 61V2 Proz. Interessant ist es auch zu beobachten, in welchen Teilen Hessens am meisten getanzt oder wenigstens die meiste Tanzsteuer bezahlt würbe. Wir finden nämlich, daß in den! bedeutendsten Industriegebieten auch das Vergnügen am be­deutendsten war. An der Spitze marschieren Darmstadt/ Mainz und Offenbach, von denen ersteres mit rund 21000 Mk. Mainz mit rund 20 000 Mk. und Offenbach mit 19 000 M^ beteiligt war. Dann folgen WormS mit 12 000 Mk' Gießen mit 11000 Mk. usw. Am allerwenigsten scheint im Kreise Schotten das Tanzbein geschwungen worden zu sein. Wenigstens verzeichnet die Statistik für diesen ganzen Kreis als Einnahme aus den Tanzbelustigungen nur die Summe von 2274 Mk. Dieser große Kreis hatte also bloß ein Zehntel von der Beitragssumme jeder der drei erstgenannten Städte zu entrichten.

* * Heuchelheim, 18. Aug. Morgen findet hiev die Kirchweih statt. Die Fuldaer Artillerie-Kapelle wird konzertieren.

8. Wetzlar, 16. Aug. Die neue ChristuSkirche steht soweit vollendet da, daß ihre Einweihung wohl noch im Herbste vollzogen werden kann. Sie ist für 512 Sitzplatze berechnet.

sd. Darmstadt, 17. Aug. Der Zellh ausener Mörder ist spurlos verschwunden. Man wird da an die Ermordung des Privatiers Döring im Stadtwald er­innert, die vor zwei Jahren erfolgte. Auch damals ver­schwand der Tater und man erwischte ihn bis heute nichts Hoffentlich hat die Polizei im jetzt vorliegenden Falle mehr Glück. In Bergen bei Frankfurt ist, wie wir hören, ein, Handwerksblirsche festgenommen worden, auf den die Personal-^ beschreibung passen soll. Oberstaatsanwalt v. Heffert unb, Kriminalkommissar Repp haben sich heute borthin begeben,! um ben Verhafteten zu vernehmen. Eine aus Brauern,! Mitgliebern bes Gastwirtevereins unbfreien" Gastwirtes bestehenbe Kommission berät zurzeit eifrig über einen MobuS, ber bie Bierpreiserh öhung beseitigen ober milbern, soll, ohne aber anbererseits ben Brauern Opfer zuzumuten. Man barf gespannt sein, was bei ber Sache herauskommen wird. Nach der ganzen Sachlage dürften aber die Brauereien ben Kürzeren ziehen, benn Wirte unb Konsumenten ftnb nicht! gewillt, ben Bieraufschlag zu tragen.

Frankfurt a. M., 17. Aug. Die Person, die vor, einigen Tagen in einer Wirtschaft in der Altstadt ein Paket! abgab, in dem sich die Leiche eines neugeborenen Kindes befand, ist gestern verhaftet worden. Es ist die Frau Katharina Welzbacher aus Fechenheim, die in einem Geschäft auf der Zeil als Verkäuferin tätig war. Die Sektion der Kindesleiche wird ergeben, ob das Kind eines gewaltsamen Todes starb. .

sd. Homburg v. b. H., 17. Aug. DasB.

hat sich melben lassen, daß hier die Frankfurter Kriminal- polizei vor Ankunft des Kaisers eine große Suche nach! Anarchisten veranstaltet habe, die jedoch ergebnislos ver­laufen fei. Davon ist kein Wort wahr. Wenn ber Kaiser, hier weilt, werben lebiglich bie Frembenlisten einer genaueren Kontrolle als sonst unterzogen. Diesmal ist aber nichts ber» artiges geschehen. AnberS lag die Sache im April d. I., wo ber Kaiser längere Zeit hier wohnte. Da glaubte man,, baß Gefahr im Anzuge sei. Denn e§ logierte sich eines Tages ein Mann aus Bockenheim ein, ber bei ber Frank­furter Kriminalpolizei als Anarchist bekannt ist. Man begab sich, als man seinen Namen in der Fremdenliste sah, in ba§ betr. Hotel, aber ber Mann war bereits roieber abgereist.. Was er hier wollte, ist nicht aufgeklärt.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Bahnassistent Vohwinkel, von beffen Verschwinden aus seinem Wohnort Ar heil gen wir Mitteilung machten, hat sich bei ber Darmstäbter Polizei gestellt unb wurde in Haft genommen. Im Hemd ist ber Einbrecher Ernst Bormann aus dem OfsenbacherK rankenhaus eNachts ent­wichen. Er hatte vor einigen Wochen einen Einbruch in ein Haus in Bürgel verübt, war habet abgefaßt worben unb hatte eine so fürchterliche Tracht Prügel beFomnten, baß er ins Krankenhaus ausgenommen werben mußte. Bei Butzbach fanden Felbarbeiter einen jungen Fasan, ber 4 normal entwickelte Beine, aber ver­krüppelte Flügel hat. In Rübesheim würbe bie Leiche eines jungen Mädchens aus dem Rhein gelänbet. Sie trug eine weiße Bluse mit Bltimenmuster unb Spitzen, roten Rock und bunkelblauen Unterrock, war 1.60 Meter groß, kräftig gebaut, hatte schwarze Haare unb braune Attgen. In Frankfurt sollte am 16. August im Variötö-Theater des Hippobroms eine Gala- Vorstellung stattfinben, allein bie Bühne war von ben Gläubigern abgebrochen worben, sobaß bas Publikum tüieber abziehen mußte. Die Künstler ftnb nun augenblicklich brot­los. Auf ber Herkules-Bergbahn in Wilhelms höhe stieß ein mit Kurgästen besetzter zu Tal fahrenber Zug mit einem aufwärts fahrenben Güterzuge z tt f a in m e n. Dabei wurden 6 Damen verletzt, barunter drei schwer, am schwersten Frau Professor Schubert aus Dresden. Der Güterzttg war verspätet abgefahren. In Bingerbrück ist ein Handwerksbursche, der von einem Mainzer Automobil überfahren wurde, seinen Ver­letzungen erlegen. In Niedertiefenbach erhängte sich derKassierer des Ratseisenvereins, weil seine Ver- Haftung wegen beaanaener llnregesntäßigkeiten bevorstand.

Mrchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Nächstkünstigen Sonntag, den 26 August, findet Beichte und heil. Abendmahl für die Matthäus- und Markusgemeinbe gemeinsam im Hauptgottesdienst statt. Anmeldungen dazu werden vorher bet dem Pfarramt der Mattbäusgemeinde erbeten.

Babtfs grefjte Hreude ZM L 30 Pfg., Einpudern mit Nasalan-Toilette Streupulver ä 60 Pfg. ober Einfetten mit Ngfalan-Toilette-Cröme ä. 10 unb 30 Pfg., denn dies erzeugt unbefchreibliches Wohlbehagen. Rur echt und rein mit Rctorten-Marke und NamenszugDr. Adolph List. Packungen _______________ohne diese weise mau zurück! '__hv 4

2t in ber Entwicklung ober beim Lernen

zurückbleibende Kinder, sowie blut­arme, Jid) mattfühlende unb nervöse überarbeitete, leicht erreg­bare, frühzeitig erschöpfte Erwachsene gebrauchen als Kräftigungs­mittel mit großem Erfolg Dr. Hommcl'ö Haematogen.

Der Appetit erwacht, die geistigen und körperlichen Kräfte werden rasch gehoben, das Gesamt-Nervensystem gestärkt. u

Alan verlange jedoch ausdrücklich das echte »,Dr. Hommel s Hacmatogeu unb lasse sich keine der vielen Nachahmungen aui- reben.