Ausgabe 
18.8.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 193

Zweites Blatt

156. Jahrgang

Samstag 18. August 1906

(trfd>ehti IV-lich mit Ausnahme des Sonntags.

LieSiehrner Famttienblätter'' werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der eWPftyt r<Mvwitt" erscheint monatlich einmal.

Gietzener Anzeiger

Rotationsdruck und Verlag der Brübliche» Universitälsdruckeret. R. Lange, «Sietz«,

Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.U, Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr.: Anzeiger E letze».

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen.

politifdic Tagesscha«.

Der Aufstand in Deutsch-Ostafrika müßte, wenn es den offiziösen Berichten nachgeganaen wäre, längst beendet sein. Wollte man sich die Mühe machen und die mitgeteilten Ziffern der Leute, die sich unterworfen hoben, zusommenzählen, so käme vermutlich eine Summe hercrus, die höher tvöre ols die Einwohnerzahl des Schutz­gebietes. Le-rder sind wir nicht halb soweit. Major Jo­hannes, der mit der undankbaren Aufgabe betraut ist, Meldungen nach Berlin zu senden, muß nritteilen, daß in der Landschaft Upangera in der Nähe des Nyassa-Sees nur ein Kleinkrieg" zu erwarten sei. So wäre, so meint der Major, kein Grund zu Befürchtungen vorhanden.Nur ein Kleinkrieg"! Was der Kleinkrieg be­deutet, das haben wir mit Schaudern in Südwest gesehen, und wenn auch die Ostafr.ickaner nicht so gefährlich sind wie die Hereros, so können sie den deutschen Truppen im Guerillakrieg doch recht unangenehm werden. Es soll ja niemandem ein Vorwurf daraus gemacht werden, daß der Krieg in Ostafrika noch! immer nicht zu Ende ist, und unsere Soldaten und Führer tun ganz gewiß das Menschenmögliche. Aber bedauern muß man die Tatsache, daß nun auch dieser Krieg sich derart in die Länge zieht. Es läßt sich nicht absehen, wie lange die Ostafrikaner den Kleinkrieg fort­führen können und wie viele Millionen deutsches Geld für diesen Krieg noch verwendet werden müssen. Man sollte aber die offiziöse Schönfärberei lassen. Was nützt es, immer und immer wieder zu beschwichtigen, wenn doch die Zahlen sprechen! Die Regenzeit wird ein Erlöschen des Aufstandes nicht bringen, und nach der Regenzeit wird der Aufstand nach dem Urteil von Kennern neuerdings aufflackern. Man gebe das ruhig zu es ist ja freilich ein Unglück, aber ein Unglück, das man kennt, ist leichter zu ertragen, als eins, das man nur ahnen kann.

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Von der nationalen Gesinnung.

Erne Anzahl Mitglieder der Vereine deutscher Studenten hat bekanntlich dem nationalsozialen Führer D. Friedrich Naumann die nationale Gesinnung abge- sprochen und ihm bedeutet, daß er aus dem .Verbände der deutschen Vereine austreten möge. Es ist dies in einer Resolution ausgedrückt worden, die nach einer offiziellen Sitzung am Biertisch beschlossen wurde. Ms ihr Urheber bekannte sich Rechtsanwalt B e d e r e ck in Berlin. Er machte nach Mitteilung der Tatsache noch die geschmackvolle Be­merkung:Herr Naumann aber, der noch das Relief der Zugehörigkeit zu einem nationalen Verbände braucht, wird sicher diese natürliche Folge (den Austritt nämlich) nicht ziehen."

Es ist schon viel Unfug damit verübt worden, daß man ganzen Gruppen von Personen oder gar ganzen Parteien dienationale Gesinnung" abgesprochen fyot. Es ist aber, nicht immer so leicht, festzustellen, welches Jftteresse das der Mehrheit der Nation ist oder welche von zwei sittlichen Anschauungen einem Volk die größere Ehre macht. Nicht nur die Frage:Was ist national?", sondern selbst die andere:Wer ist national^ verursacht zu beantworten Schwierigkeit. Spricht man vollends einer Partei die natio­nale Gesinnung ab, so kann das im Auslande gewiß keinen guten, für unsere:: Nationalsinn erfreulichen Eindruck machen. Liebknecht betonte einmal als Gast auf einem französischen sozialistischen Parteitage gegenüber deutsch­feindlichen Aeußerungen, daß auch er ein Deutscher sei und daß gerade die Internationalen eine fiemde Nation nicht beleidigen sollten. Es gab damals deutsche Blätter, rechtsstehende, die Liebknecht wegen dieser Aeußerung an- griffcn! Ein treffliches und in seiner Wirkung ausgezeich­netes Wort sprach einmal der frühere Reichskanzler Gras Caprivi im Reichstage:National sind in Deutschland Gott sei Dank alle Parteien." Menn nun Studenten kommen und ein Urteil darüber ab­geben wollen, welche Bestrebungen und Richtungen als national anerkannt und welche als antinational gebrand- markt werden müssen, so können sie nicht beanspruchen, daß man ihrem Urteil eine wesentliche Bedeutung beimißt, wohl aber . schaffen sie selbst, als einzelne, sich Schwierigkeiten für ihre Zukunft. Sie legen sich fest, ehe sie noch eine fundierte Meinung haben und verbauen sich den Weg zur freien Aeußerung einer'An­sicht, die sie vielleicht künftig erwerben, und die mit der, jetzt in die Welt hinausge- s ch r i e e n e n nicht vereinbar ist. Im gegebenen Fall ist das Unrecht, das mit derResolution" begangen worden ist, unerhört; man kann gegen Naumanns Po­litik noch so viel Einwände erheben, aber an der glühen­den Vaterlandsliebe dieses Mannes kann kein ehrlicher Mensch zweifeln.

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In der Ermittelungsaffäre gegen Dr. Stube!

und Geheimrat v. König ist bte ,B. Z." in der Lage, Näheres mitzuteilen. Abg. Roeren hatte sich darnach eines Kolonial­beamten, gegen den ein Disziplinarverfahren schwebte, eifrigst angenommen. Dieser Beamte hatte nun an einen Kollegen, gegen den gleichfalls em Disziplinarverfahren schwebte und der inzwischen zur Dienstentlassung verurteilt worden ist, einige Briefe geschrieben, in denen u. a. auch verärgerte Be­merkungen gegen Roeren zu finden waren, Bemerkungen, welche keinesfalls böse gemeint waren und die der Briefschreiber aus einer augenblicklichen Verstimmung heraus nur im vertraulichen Verkehr mit einem Kollegen gemacht hat. Seine Griefe wurden gelegentlich einer bei dem Kollegen vorgenommenen Haussuchung gefunden und nun hatten Dr. Stübel und König nichts Eiligeres zu tun, als diese Briefe abschriftlich Herrn Roeren mitzuteilen, wahrscheinlich, um ihn zu veranlassen, seinem Schützling die Unterstützung zu entziehen, die er ihm bis dahin hatte zuteil werden lassen. Roeren war aber großherzig genug, um sich durch diesen Trick nicht gegen feinen Klienten einnehmen zu' lassen. Er machte ihm vielmehr von der Handlungsweise der Kolonial­herren Mitteilung und überließ es ihm, seine Konsequenzen aus dieser Handlungsweise zu ziehen. Diese Konsequenzen

sind nun auch gezogen worden und das Resultat ist, daß gegen Stübel und Geheimrat von König ebenfalls ein Er- mittelungSoerfahren eingeleitet wurde.

22. deutscher landwirtschaftlicher Genossenschaftstag. (Unberechtigter Nachdruck verboten.)

S. u. H. O l d e n b u r g, 16. August.

IL

In Gegenwart des Großherzogs von Olden­burg wurde die erste Hauptversammlung heute durch den General­anwalt Haas-Darmstadt eröffnet. Es ist das erste Rial, so führte Geh. Rat Haas aus, daß uns die hohe Auszeichnung zuteil wird, einen deutschen regierenden F ü r st e n bei uns zu sehen.

Der Oberbürger m ei st er von Oldenburg ging aus die Geschichte des oldeuburgischen Genossenschaftswesens ein. Hier, wo wenig Großgrundbesitz vorhanden ist, war immer ein Feld sür die Genoffenschaften gegeben. Der kleinüLandwirt kann die Vorteile des Großbetriebes nicht mehr entbehren und muß sich daher den Genoffenschasten anschließen.

Der Verbandsdirektor Gutsbesitzer zur H o r st - Groß-Feldhus sprach sodann über die Entwickelung des landwirtschaftlichen Ge­nossenschaftswesens in Oldenburg. Durch die Tätigkeit der Genossen­schaften sind die Preise für Eier aus das Doppelte gestiegen.

Geueralanwalt Haas erstattet dann den Jahresbericht. Zweiselsohne würde zu einer Vertiefung des genossenschaftlichen Gedankens die deutsche landwirtschaftliche Genoffcnschastsschule bei­tragen, die bestimmt sei, die berufsmäßigen Verbands- und Ge- noffenschaftsbeamten in systematischer Weise theoretisch und praktisch auszubilden. Gleichfalls mancherlei nützliche Anregung sür die innere Ausgestaltung dürfte die verstärkte Pflege freundschaftlicher Beziehungen zu den landwirtschaftlichen Genossenfchaslsverbänden des Auslandes bieten, wie sie in der Errichtung eines.Internat, landwirtschaftlichen Bundes in Kürze ihre Verwirklichung finden würde. Von inneren Vorgängen mögen die Errichtung drei neuer Sonderausschüsse für Kornhaus-, Winzergenossenschastswesen, ge­nossenschaftlichen Viehabsatz, sowie die Bildung der maschinen- technifchen Geschäftsstelle des Reichsoerbandes erwähnt werden. Der Generalanwalt gibt sodann einen kurzen statistischen Rückblick auf das Berichtsjahr. Das Berichtsjahr 1905/06 zeigt eine Ver­mehrung der ländlichen Genossenschaften um 805 in 1905/06 gegen 1014 Genossenschaften in 1904(05. Infolge der bezeichneten Zu­nahme hat sich die Bestandsziffer der ländlichen Genoffenschaften im Deutschen Reich erhöht von 19323 Genossenschaften am 1. Juli 1905 auf 20128 Genossenschaften am 1. Juli 1906. Die gesamte Mit­gliederziffer der am 1. Juli 1906 ermittelten 20 128 Genossenschaften berechnet sich auf rund 1 750 000.

Einen ganz bedeutenden Zuwachs hat der Reichsverband durch den Hinzutritt der 13 neu errichteten Neuwieder Verbände zu ver­zeichnen. Ihm gehören nunmehr an: 41 Verbände, 73 Zentral- genoffenschasten, 16 829 Genoffenschaften.

Sämtliche Zentralkaffen des Retchsverbandes hatten im Jahre 1905 einen Gesamtumsatz von 3728 Millionen Mark (gegen 3115 Millionen Mark im Vorjahre). Die Summe der an die Genossen ausgezahlten Gelder betrug *44 Millionen Mark (gegen 356 Mill. Mk. i. Vorj.): die Summe der von den Genossen ein- gezahlten Gelder 424 Millionen Mark (gegen 355 Mill. Mk. i. 93.). Das gefaulte Betriebskapital der Zentralkaffen betrug Ende 1905 259 Millionen Mark: hierunter befand sich eigenes Betriebskapital in Hohe von 22,9 Millionen Mark, weiter Einlagen der Genossen­schaften in Höhe von 176 Millionen Mark. D»e Zentral-Bezugs- und Absatzgenoffenschaften des Reichsverbandes bezogen, bezw. setzten ab an landwirtschaftlichen Bedarfsartikeln für 116 Millionen Mark in 1905 (gegen 99 Millionen Mark in 1904). Mit einer einzigen Ausnahme haben sämtliche Zentral-Bezugsgenosienschaflen mit znm Teil erheblichem Reingewinn abgeschlossen, der sich auf 1 395 480?Mk. beläuft. Der Gewinnüberschuß betrug: 1901: 461 422 Mk., 1902: 473 519 Mk., 1903 : 373 722 Mk., 1904 : 1 1 65 842 Mk., hingegen 1905: 1 395 480 Mk.

Der Generalanwalt schließt den Jahresbericht mit einer Darlegung der wichtigsten genossenschaftlichen Aufgaben der Zu­kunft: Heeresversorgung mit landwirtschaftlichen Bedarfsartikeln durch die Genossenschaften, hygienische Milchversorgung der Städte, Regelung der Handelsgebräuche für landwirtschaftliche Bedarfs­artikel, provinzielle Zentralisation des Getreideoerkaufs, Stärkung des genossenschaftlichen Maschinenbezugs, Abwehr der industriellen Ningbildungen, litterarisch-wissenschaftliche Förderung des Genossen­schaftswesens, Mitarbeit an der ländlichen Wohlfahrtspflege und der Entschuldung des Grundbesitzes.

Ein Redner rügt, daß die Genossenschaft bei den Ver­sammlungen der Konsumvereine vertreten seien, die doch sozialdemokratisch seien. Er halte daS für sehr bedenk­lich. Die deutschen Bauern, die gottesfürchtig und reich streu sind, würden sicher in ihrer Gesamtheit gegen derartige Verbindungen sein.

Verbandsdirektor, Rechtsanwalt Bangratz-Landau, be­richtete sodann über Grundsätze für die Aufstellung der Genossen-- schaftsbilanz.

Neber Einrichtungen und Erfahrungen sowie die zu künftige Organisation des genossenschaft­lichen Viehabsatzes sprach Verbaudsdirettor, Landesökono­mierat Johannßen, Hannover, der von folgenden Gefichts- puntten ausging: Es läßt fick statistisch Nachweisen, daß für eine große Zahl von Landwirtschaftsbetrieben der Erlös aus der Viehzucht größer ist, als die sonstigen Einnahmen, ja es gibt Bezirke, in denen die Landwirtschaft fast ausschließlich auf die Erträge aus der Viehzucht und besonders aus dem Verkauf von Schlachtvieh angewiesen ist. Bei dieser Tatsache ist die Vr eisgeftaltung für das Vieh, insbesondere für Schlachtvieh, von kwher Bedeutung für die Rentabilität der Land- wirtschaft. Wenn gleich die Preise auch hier in erster Linie von der allgemeinen Marktlage abhängig sind, so läßt sich doch nicht verkennen, daß sie beeinflußt werden und zwar nicht zu Gunsten der Landwirtschaft von einem mehr ober weniger organisierten Handel. Die Landwirtschaft hat jedenfalls feinen Einfluß auf die Preisbildung. Dazu kommt, daß der Z w i s ch e n- handel eine so vielfache Gliederung angenommen hat, daß er preisdrückend bei den Produzenten und fleisch- öertcuernb bei den Konsumenten wirken muß. Die Zeiten, wo der Schlachter selbst feinen Viehbedarf bei den Land­wirten eindeckte, sind vorüber. Der Schlachter kaust meist an den mit den Schlachthöfen verbundenen Viehmärkten, und zwar güt da nicht allein sür den Stadtschlachter, sondern auch der kleine Landschlachter erhalt vielfach sein Schlachtvieh erst über den städtischen Markt. Bis das Vieh aber an letzteren kommt, hat es meist schon die S>änbc mehrerer Händler durchlaufen. Daß dieser Weg unnötig viel Geld kostet, weil alle be­teiligten Glieder verdienen wollen, i|t ohne jeden Zweifel. . Düe Verminderung dieser Kosten herbeizuführen, würde bie Ausgabe der zu schassenden Organisation fein Wie das zu geschehen hat, dafür liegen Beispiele vor. Es erfolgt am besten durch den Zu­sammenfluß zu Vieh-Verwertungs-Genossenf cha - ten Tu letzteren haben fich gut bewulnt. Sie haben nicht nur den Zwischenhandel vecdyöngt, sondern sich auch bei entfprechen- der weiterer Ausbildung > u.-u Einslus; auf die Preisbildung im allaemcinen gesichert. .Du Bichverwertungsgeiwssenfchasten mufien möglichst einheitliche Produktion^ und Absatzverhältnisse und

einen so großen Bezirk umfassen, daß in regelmäfjig tunen Zwischenräumen Viehsendungen^abgehen können. Die geschäftlichen Einrichtungen müssen sich den örtlichen Verhältnissen anpassen. Allgemein gültige Vorschriften können im einzelnen nicht erlassen werden. Es sind hierfür nur allgemeine Airhaltspunkte zu geben. Ter kommissionsweise Verkauf hat sich am besten be­währt, jedoch haben einige Genossenschaften auch gute Erfolge mit dem Ankauf des Vieles von den Genossen und Verkauf für ihre Rechnung erzielt. Daß die örtlichen Viehverwertungsgenossen- schasteu die Spannung zwrfthen Marktpreis und Preis ab Stall wesentlich verringern können, dafür ließen sich eine Anzahl zahlenmäßiger Beweise erbringen. Einen allgemeinen preisbilden­den Einfluß können die einzelnen Genossenschaften aber nicht ge­winnen, sie können diesen nur erlangen bei weiterem genossen­schaftlichen Zusammenschluß. Em Beispicl gibt uns hier die Viehzentrale c. G. m. b. H. in Berlin; sie schließe Vertrage mit geeigneten Kommissionären an den Hauptmarktplätzeu ab und sichert dadurch nicht allein für ihre Mitglieder möglichst niedrige Gebühren, sondern verhindert auch die vreisdrückende Konkurrenz der Genoffenschasten untereinander. Sie unterrichtet ferner die Mitglieder über die Marktlage und sucht dadurch Ueberangebote zu gewissen Zeiten und an gewissen Marktorten zu verhindern und reguliert dadurch den Preis zu Gunsten der Produzenten. Daß eine solche genossenschaftliche Organisation der Landwirte auch für die Konsumenten nur vor­teilhaft fein kann, liegt auf der Hand, denn eine Verbillig­ung des Handelsweges für das Schlachtvieh muß zweifellos auch günstig auf die Fleischpreise wirken. Der genossenschaftliche Vieh­absatz ist daher nicht nur von landwirtschaftlicher, sondern auch von volkswirtschaftlicher Bedeutung. Eine umfassende ge­nossenschaftliche Organisation der Viehverwertung wird voraus­sichtlich auch in der Lage sein, durch geeignete Maßnahmen die für die Konsumtion bedrückenden überl^ohen Fleischpreise zu ver­hindern. Was wir vom Auslande, bezüglich der Fleisch­versorgung zu erwarten haben, haben wir in allerletzter Zeit gesehen. Das infolge der neuen Handelsverträge erhöhte Ein­fuhr-Kontingent kann weder von Rußland noch von Oesterreich gestellt werden. Wir sind auf uns selbst angewiesen. Und wir können nur durch genossenschaftliche Organisation helfen. Der Redner empfiehlt aber, bei der Gründung von Genossen­schaften sehr vorsichtig zu sein, und nur da Organisationen zu schaffen, wo sie auch sicher existieren können. Die Befürchtung, daß eine solche Organisation die Viehpreise in die Höhe schrauben werde, hält der Redner für unbegründet. Die Organisation kann sich über die allgemeine Marktlage nicht hinweg setzen. Ein Antrag des Berichterstatters fordert: Der GenossenschaftS- tag erklärt:

In Erwägung: 1. daß der Erlös aus den tierischen Erzeug-, Nissen eine Haupteinnahmequelle für die große Meßzahl den Landwirtschaftsbetriebe bildet, 2. daß die Landwirtschaft im all­gemeinen, insbesondere aber beim Schlachtvieh, jeden Einfluß! auf die Preisbildung im Viehhandel verloren hat, diese viel­mehr, abgesehen von der Marktlage, in der Hand eines mehr oder weniger organisierten Zwischenhandels liegt und, 3. daß der Zwischenhandel Formen angenommen hat, die nicht nur preis­drückend für den Produzenten, sondern auch fleischverteuernd für den Konsumenten wirken, ist es dringend geboten, daß die Land­wirte sich organisieren, um diese sowohl für die Produzenten^ als Konsumenten ungünstigen Verhältnisse zu beseitigen ober doch zu verbessern. Es empfiehlt sich zu diesem Zweck "bie Be­gründung von Viehverwertungsgenossenschasten und ihr Zusammen­schluß zu umfassenden Organisationen.

Ein Mitglied desVorstandes der Vieh-Zentrale führt: aus, daß wir der Oeffnung der Grenzen im Vorjahre sehr nahe waren, und, daß dies nur abgewendet werden tonnte, indem man aus Schleswig-Holstein, roc Genossenschaften bestehen, daK nötige Vieh nach Schlesien schickte. Die anderem eigentlich bafür in Betracht gefommenen Provinzen hätten damals voll­ständig versagt. In der Debatte wurde weiter betont, daß die Genossenschaften den Lieferungszwang einführen müßten. Die Molkereigenossenschaften wären zweifellos nicht so weit gekommen, wenn sie nicht den Lieferungszwang gehabt hatten. Schließlich wurde die Resolution einstimmig angenommen.

Nach einer Frühstückspraufe wurde als Ort des 1907 statt-, findenden Genossenschaftstages Münster bestimmt. Der hessische Verband stellte den Antrag, 1908 den Verbandstag inMainz abzuhalten und damit die Feier des 25 jährigen Bestehens des, Reichsverbandes zusammenzulegen.

Darauf sprach Senator Rechtsanwalt Jhlefeld-Greves­mühlen über: Die bisherigen Erfahrungen mit der Veranstaltung! von Butter au kt io neu und die Zweckmäßigkeit eines weite-, ren Ausbaues solcher Veranstaltungen. Die leitenden Gesichts-- puntte sind folgende: Die meisten Mschlüsse seitens der Molke­reien und auch seitens von Privaten werden nach den Blttter- notierungen in Hamburg, Berlin oder Dresden gemacht. Diese Butternotterungen sind aber keineswegs zuverlässige, wie daraus ersichtlich, daß biefeiben von den Händlern in vielen Fällen mit 45, ja 7 und 8 Mark überschritten werden, während in: anderen Fällen, sich berufend auf die Butternotierung, die Händler nur eben genau nach dieser zahlen. Hierdurch werden namentlich die kleineren Molkereien und die kleineren Privat­leute, welche mit den Verhältnissen nicht so vertraut sind, ge­schädigt und es wird eine Ungleichheit in der Bezahlung der Butter herbcigesuhrt, welche nicht gerechtfertigt erlernt. Man hat nun im Laufe der Zeit dies auf verschiedene Weise zu bessern versucht. Es hat aber alles nicht geholfen und so bat man sich die Frage vorgelegt, ob nicht auch in Dresden und Lerliu, als den Hauptbuttermärkten für Norddeutschland, durch Einrichtung von Lutterauktionen, wie solche in Hamburg schon lange eingerichtet sind, diesen Uebelftänben abgeholfen werden tonne, damit endlich einmal gesunde Verhältnisse auf den Butteri Märkten geschaffen werden.

Ein Eintrag des Berichterstatters fordert: Der Genoffenschafts­tag erklärt:

Der Reichsverband ivirb gebeten, in Rücksicht auf die noch immer nicht gesicherten Verhältnisse der Butternotierungen an den Hanptmärkren und die dadurch herbeigesührte Schädigung, nament­lich der kleineren Butterproduzenten bte bisherigen Erfahrungen über die Veranstaltung von Bulterautlionen, wie sie bereits längere Zett in Hamburg bestehen, einer eingehenden Prüfung zu unterziehen und im Fall ihrer Zweckmäßigkeit die erforderlichen Maßnahmen zu einem weiteren Ausbau solcher Veranstaltungen namentlich die Einführung solcher Auktionen in Dresden und Berlin in die Wege zu leiten.

Ter Antrag wurde angenommen.

Senator Rechlsamvalt I h l e f e l d-Grevesmühlen spricht über; die Fürsorge für die Verbands- und Genossenschailsbeamten, ins­besondere durch die int Rcichsverbande bestehenden Versorgungs­einrichtungen. Ter Berichterstatter klagt über die mangelnde Be­nutzung der Wohlsahrlseinrichtungen und fordert die Versammlung auf, für diese Einrichtungen zu agitieren. Es lag dazu ein Antrag Rostocks vor, der in folgender Fassung angenommen wurde: Ter Reichsverband wolle banir Sorge tragen, baß alle bemfclben an- geschlossenen Verbänbe jährlich einen festen Beitrag in Höhe von zwei Prozent ber Beitragssumme, welche bie Verbände von ihren Mitgliedern erheben, zur Beamtenwohlsahrtskaffe, eventuell unter Festsetzuiig eines Höchstbeitrages, leisten.