da stieß ihm der Bruder des Krause von hinten das Messer ties in die Schulter.
Ei« Totschlag im Manöver vor dem Kriegsgericht.
R. B. Darmstadt, 16. Okt.
Jene entsetzliche To t s ch l a g s a f f ä r e, die sich bei Gelegenheit der Septembermanöver bei Eberstadt zwischen zwei Musketieren der 7. Kompagnie des 168. Infanterie-Regiments zutrug und allgemeine Erregung hervorrief, kam heute vor dem Kriegsgericht der 25. (hessischen) Division zur Aburteilung. Der Angeklagte Peter Müller II., gebürtig aus Hühnlein bei Eberstadt, ist einer jener rohen Patrone, die bei dem geringsten Anlaß zu dem Messer greifen und blindlings alles nicderstechen. Er hat schon vor seiner Einziehung zum Militär ein halbes Jahr wegen Diebstahls und zwei Jahre Gefängnis wegen einer schweren Messerstecherei, bei der das Opfer nur mit knapper Rot dem Tode entging,, verbüßt. Unter seinen Kameraden in Offenbach, die ihm zumeist das Zeugnis eines rohen, verschlossenen, jähzornigen Menschen ausstellen, hat er gern von seinen Straftaten erzählt und damit renommiert. Der Angeklagte war während der Manöverzeit auf dem Griesheimer Uebungsplatz einquartiert und erhielt von der erst 16 jährigen Marie Mütz die Einladung, am Sonntag zur Nachkirchweih nach Secheim zu kommen. Dies tat er auch, indem er sich ohne Urlaub von seinem Truppenteil entfernte, trotzdem er kurz zuvor erst wegen desselben Vergehens verurteilt worden war. In Secheim traf Müller frühere Bekannte, war lustiger Stimmung, trank und tanzte. Auf dem beim Dunkelwerden angetretenen Rückweg nach Eberstadt wurde von der Gesellschaft in Molchen noch einmal Einkehr gehalten. Als Müller mit der Mütz an einem Tische Platz nahm, gesellte sich auch sein bester Freund, der Musketier Heinrich Hausbaus Ingelheim zu ihm. Es kam aber beim Bicrtrinken zwischen beiden bald zum Streit und als die Mütz durch einen unvorsichtigen Scherz etwas Bier dem Müller auf die Weste schüttete, wurde dieser so jähzornig, daß er das Glas in tausend Scherben zerschlug. Hier drohte er Haus zu erstechen, wenn er sich unterstehen sollte, mit seinem Mädchen zu gehn. Da die Situation immer unerquicklicher wurde, verließen Haus und die Mütz das Lokal und wollten nach Eberstadt znrückgehen. Müller schlich ihnen aber nach und forderte die Mütz auf, mit ihm zu gehen. Ms sie dies nicht tat, verlangte er, daß Haus sie beide allein lasse. So schritten sie noch ein Stück des Weges, bis sie auf der alten Bergstraße bei der Frankensteiner Schneise anlangten. Tort kam es zu einer Rauferei zwischen den beiden Soldaten, wobei Müller sein Seitengewehr zog: es war, nebenbei bemerkt, zwischen 10—11 Uhr abends und völlig dunkel. Tie M. eilte nun hilfesuchend 20—30 Schritte des Weges zurück und traf den Zeugen Kirschner, aber ehe sie die Streitenden wieder erreichten, hörten sie in der Dunkelheit einen dumpfen Fall, Haus war blutüberströmt zur Erde gesunken. Dem Müller war beim Raufen sein Seitengewehr aus der Hand geflogen und da hatte er sein unscheinbares Taschenmesser? .hervorgezogen, mit beiden Händen die Klinge aufgeklappt und dann so wütend und wuchtig auf Hals und Schädel seines Gegners eingestochen, daß eine Haupt, schlagader am Hals durchschnitten, die Schädeldecke zertrümmert und das Gehirn verletzt wurde; der Tod des Unglücklichen muß sofort eingetreten sein, große Blutlachen machten die späteren Passanten und einen Radfahrer auf die Mordtat aufmerksam. Während nun Müller und die Mütz nach Eberstadt liefen und den Arzt Dr. Ascher zur event. Hilfeleistung nach dem Tatort liefen, war die Leiche, die mit dem Gesicht auf der Erde lag, bereits nach Molchen geschafft worden. Besonders charakteristisch für die rohe Gesinnung des Angeklagten ist, daß er noch angesichts des Toten wegwerfende Bemerkungen machte, von dem „verreckten Kerl" sprach und der Mütz drohte,' daß auch sic „dran kommen" würde, sobald er wieder aus dem Gefängnis entlassen werde. In der heutigen Verhandlung versuchte der Angeklagte den Hergang so darzustellen, als ob er der Angegriffene gewesen sei und mir in Notwehr gehandelt habe. Die Zeugen, die den Toten auffanden, bekundeten jedoch ausdrücklich, daß dessen Seitengewehr in bet Scheide steckte und in der Hand der Leiche das Seitengewehr Müllers sich befand, das dieser überall vergeblich gesucht hatte. Haus hatte dasselbe also trotz der Dunkelheit gefunden und es vor dem Wütenden versteckt gehalten. Die vernommenen Sachverständigen und die Zeugen bestätigten die Behauptungen der Anklage im vollen Umfang. Der Vertreter der Anklage wies auf die unerhörte Roheit des Angeklagten hin, der seinen angeblich besten Freund, der als ein sehr erträglicher und guter Mensch geschildert wurde, mit größter Bestialität nieder- ftach. Er beantragte wegen des gemeinen Totschlags, der nahezu an Mord grenze, zwölf Jahre Zuchthaus und wegen der Bedrohungen, des Mißbrauchs der Waffen, der unerlaubten Entfernung von seinem Truppenteil usw. weitere 6 Monate Zuchthaus, Entfernung aus dem Heere und 10 Jahre Ehrverlust, während der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Dr. Schmeck H., auf Gewährung mildernder Umstände plädierte. Tas Kriegsgericht verurteilte den Angeklagten, der erst bei der Stellung des hohen Strafmaßes einigermaßen in sich zu gehen schien und in Tränen ausbrach, dem Antrag des Vertreters der Anklage gemäß unter ausdrücklicher Verweigerung mildernder Umstände zu 12Vo Jahren Zuchthaus und 10jährigem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Die Sitzung, die früh 8V2 Uhr begonnen hatte, war erst kurz vor 3 Uhr nach- mittags beendet.
Vermischtes.
• Ein mit unglaublicher Frechheit verübtes Spitzbubenstücklein, wie es in Deutschland seit dem 30 jährigen Kriege nicht mehr vorgekommen sein dürfte, hat am Dienstag nachmittag das Berlin benachbarte Städtchen Köpenik in Aufregung versetzt. Mit dem Vorortzuge 2 Uhr 40 Min. trafen von Berlin 20 Mann vom 4. und 5. Garde-Jnfanterie-Negiment unter Führung eines Hauptmanns ein und besetzten alsbald das Rat haus. Vor dem Hauptportal stellte sich ein Doppelposten mit aufgepflanztem Bajonett auf, mährend die anderen Zugänge von einfachen Posten besetzt wurden. Das Rathaus wurde von jedem Verkehr mit der Außenwelt abgeschnitten, selbst die Beamten durften ihre Bureaus nicht verlassen, ebenso die im Rathauskeller befindlichen Gäste. Mitgliedern der städtischen Behörden wurde der Zutritt zum Rathause von den Soldaten mit der Erklärung verweigert: Auf Befehl Sr. Majestät istdasRathauS besetzt. BürgermeisterDr. Langer- Hans mit seinerFrau und einSchutzmann mußten unter militärischer Bedeckung einen Wagen besteigen. Auch der Hauptkassenrendant von Wilt- berg wurde unter militärischer Bedeckung nach dem Bahnhofe gebracht. Da der die Soldaten anführende Hauptmann vorher auch dem Postamt den Befehl erteilt hatte, daß jede telephonische und telegraphische Verbindung eine Stunde lang zu unterbleiben habe, so war eine Anfrage bei der vorgesetzten Behörde nach außerhalb unmöglich. Die beiden Arrestanten wurden auf die neue Wache in Berlin eingeliefert, wo man sie bald entließ, da man von der ganzen Angelegenheit dort nichts wußte. Inzwischen hatte der angebliche Hauptmann die städtische Kasse einer Revision unterzogen und sich 4000 M k. an geeignet. Er ließ das RathauS noch bis % 2 Uhr bewachen und fuhr selbst in der Richtung nach Berlin davon, nachdem er vergeblich versucht hatte, den Sparkassen-Redanten in feine Gewalt zu bekommen. Um 2 Uhr nachts soll der Gauner noch in Berlin gesehen morden sein, doch ist es bisher nicht gelungen, seiner habhaft zu werden. — Dieser Gaunertrick nach echt
russischer Art dürfte Operettenfabrikanten erwünschten Stoff liefern.
* St. Johann, 16. Okt. In dieser Nacht wurde am NathauSplatz die auf einem Monumentalbrunnen stehende auS Marmor gearbeitete nackte Tele mach-Statue in nicht wiederzugebender Art verstümmelt. Außerdem wurde daS Schwert der Statue abgebrochen. Die Statue ist ein hervorragendes Kunstwerk des Bildhauers Kauer auS Kreuznach. Ein Bronzeguß der Figur befindet sich im Besitz des Kaisers. Schon vor einigen Jahren ist gegen das Bildwerk ein Attentat verübt worden. Es konnte damals indessen gut restauriert werden.
* Der weibliche Rekrut. Ein junger Fuhrknecht aus einem Orte der Umgebung Aachens mar im letzten Frühjahr nach einer reichsländischen Garnison ausgehoben worden. Der angehende Soldat reiste dieser Tage 'zu seinem Regiment ab. Hier wurde nach der ärztlichen Untersuchung dem Ueberraschten der Bescheid, daß er wieder nach Hause fahren könnte, um schleunigst seine Beinkleider mit dem — Unterrock zu vertauschen. Der Regimentsarzt hatte konstatiert, daß hier einer jener abnormen Fälle vorliegt, die eine definitive Entscheidung über die geschlechtliche Zugehörigkeit des Betreffenden nicht zulassen.
* Der Bürgermeister von Li mb ach, Dr. jur. Goldenberg, dessen Familie vor einiger Zeit aus Anlaß der Angelegenheit der „anonymen Briefe von Limbach" viel genannt wurde, tritt nach 14jähriger Amtsperiode am 1. Januar 1907 mit voller Pension in den Ruhestand. Eine Tochter des Bürgermeisters hatte sich wegen der ermähnten Briefe vor der Strafkammer in Chemnitz zu verantworten, mar aber reigesprochen morden; als ihr Verteidiger fungierte u. a der eigene Vater. Ter Posten eines Limbacher Bürgermeisters soll jetzt mit einem Jahresgehalt von 7000 Mk. zur öffentlichen Ausschreibung gelangen.
"Die Leichen der Katasirophe von Epernon sind mittelst Sonderzuges in Paris angekommen und wurden in die Wohnungen der Angehörigen gebracht. Der Verkehrsminister wird in der Kammer über die Nachlässigkeit der Eisenbahn - Gesellschaft interpelliert werden. Ferner wird behauptet, daß der Zug, in dem sich die Aerzte, der Polizeipräfekt und die Mitglieder der Gerichtsbehörde befanden, durch Nachlässigkeit drei Stunden zurückgehalten wurde.
* Ein mohlverbürgteS Geschichtchen, dessen Schauplatz die Münchener königliche Residenz imb dessen Held ein tüchtiger Landschaftsnialcr ist, für den höfischer Zwang ein Buch mit sieben Siegeln bedeutet, wird aus München berichtet. Der Prinz-Regent hatte den Künstler zur Tafel geladen, da ihm die Kunstausstellung eine Auszeichnung gebracht hatte. Der Künstler mar ob dieser Ehre ebenso aufgeregt roie verlegen. Zunächst galt es, einen Frack zu leihen. Das gelang. Tann aber nahmen ihn gute Freunde beiseite und erzählten dem Gläubigen, am Schlüsse der Hoftafel werde in dunkelblauen Gläsern ein ganz besonders alter Wein gereicht, und Pflicht des zum ersten Male Erschienenen sei es, mit diesem Weine das Wohl des Regenten auszubringen. Und so kam e§, daß der Maler tatsächlich am Schluffe des Essens — das Mundspülglas ergriff, e§ mit der nötigen Begeisterung erhob, den Prinz- Regenten dreimal leben ließ und die lauwarme Flüssigkeit tn einem Zuge hinunterstürzte zur sprachlosen Verblüffung aller Anwesenden.
* Kleine Tageschr0nik. Im Kampfe mit Wilddieben in Kl c i n-Gl a db a ch bei Erkelenz (Rheinl.) wurde ein Förster durch Schußwunden schwer verletzt. — In Keltenich (Rhnnl.) wurde ein Wegearbeiter, her einer Dampfwalze mit brennender Laterne vorausging, von der Walze erfaßt und zermalmt. — Bei Königsberg i. Pr. wurde der Grrichts- vollzieher Kröge auf einer Ra dl out von einem Rangier- zuge über fahren und sofort getötet. — In München- Gladbach geriet int Wasserwerke der Maschinenwärter Breuer beim Oelen einer Maschine ins Schwungrad und wurde auf gräßliche Weise getötet. — Im Klausenburger (Ungarn) reform. Priesterseminar sind 53 Theologen und 4 Pedelle an Wur st Vergiftung erkrankt. Das Befinden von 15 Theologen ist besorgniserregend. — In einem Hotel zu Blankenburg i. Harz erschoß eine angebliche Frau Schopfwinkel aus Magdeburg oder Kassel sich und ihre beiden 3 und 5jährigen Kinder. Der Grund ist anscheinend der Ausgang ihres Ehescheidungsprozesses, bei dem die beiden Kinder dem Ehemann zugesprochen wurden. — Aus Wingate kommt die Meldung, daß die übrigen noch verschütteten Bergleute jetzt gerettet sind. — In Triest wurde im Treppenhause eines Gebäudes der Geldbriefträger Veliconja von einem elegant gefleibcten Manne überfallen und schwer verwundet. Der beabsichtigte Raub der Geldtasche mißlang, da auf das Hilfegeschrei des Ucöerfallenen Leute herbei- eilten. Der Räuber entfloh.
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— Direktor Kotschau vom Königl. Historischen Museum in Dresden ist in Weimar als Nachfolger Professor Ruhlands und des Grafen Keßler zum alleinigen Leiter des Goethe- Nationalmuseum s, des Museums für Kunst und Gewerbe und des Großh. Museums berufen worden. ____________
AnZversitäts-Nachrrehten.
Berlin, 16. Okt. Die erst e Imm a tr ikula t i0n an der Handelshochschule Berlin sand gestern durch den Rektor Professor Dr. Jastrow statt. Der Rektor ermahnte it. a. die Studierenden, von der akademischen Freiheit, auf der das neue Unterrichtsinstitut, wie jede deutsche Hochschule, begründet sei, den rechten und heilsamen Gebrauch zu machen. Die Zahl der Immatrikulierten betragt 58, darunter 66 Inländer und 2 Ausländer , während etwa 45 weitere Studierende bereits vorge- merft sind.
— Zwischen dem Direktorium der Landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin und dem Berliner Magistrat schweben zur Zeit Verhandlungen wegen der Ueberlaffung eines der Stadt gehörenden Gutes in der Nähe Berlins an die Hochschule zur Einrichtung einer praktischen Lehranstalt. Der Berliner Magistrat hat sich im Prinzip damit einverstanden erklärt, den zum Nieselgut Blankenfelde gehörenden Gutshok Rosenthal bei Reinickendorf der Hochschule zur Verfügung zu stellen. Rosenthal liegt eine gute halbe Stunde von den Berliner Rieselfeldern entfernt und wird von diesen nicht belästigt. Die zu dem Gutshof gehörenden Gelände eignen sich sehr gut für die Zwecke der Hoch- schule.
handel und Verkehr, Volkswirtschaft.
Märkte.
ke.Frankfurt a. M., 16. Oktbr. Heu- und Strohmarkt Man notierte: Heu Mk. 3.30 bis 3.60. Stroh Mk. 2.90 bis Mk. 3.10. Alles per 50 Kilo. Die geringe Zufuhr wurde bei steigenden Preisen rasch aus dem Markte genommen.
ke. Frankfurt a. M., 17. Okt. (Orig.-Telegr. des „Gieß. Anz.") V i e h m a r k t. Zum Verkaufe standen 00 Kälber
00 Schafe und Hammel, 1682 Schweine; 1. Qual. 76—77 Pfg, Lebendgewicht 60.00—00.00 Pf., 2. Qual. 74—76 Pk., Lebendgewicht 59.00—00 Pfg., 3. Qual. 68—70 Pfg. Kälber I. Qual. 00—00 Pf., Lebendgewicht 00—00 Pfg., 2. Qual. 00—00 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg., Schlachtgewicht 00—00 Pfg. Schafe 1. Qualitä Schlachtgewicht 00—00 Pfg., 2. Qualität 00-00 Pfg. Geschäft mittelmäßig, Ileberstand bedeutend.
m^niUiNKctoMt brr Todesfälle in der Zindt Kietzen 39. Woche. Vom 23. bis 29. September 1906.
Einwohnerzahl: angenommen zu 29 500 linkl. 1600 Mann Militär.) Sterblichkeitsziffer: 15,86 %n, nach Abzug von 5 Ortsfremden: 7,08 Von.
Kinder
Anm.: Tie in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nadj Gießen gebrachte Kranke kommen.
Es starben an: Zusammen:
Erwachsene:
im vom
1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr
Gehirntuberkulose
1
•—
— 1
Gehirnentzündung
2(1)
1(1)
— 1
Krämpfe
1
1 —
Bauchfellentzündung
1 (1)
1 (1)
— —
Neubildungen
3(2)
3(2)
— —
Selbstmord
1 (1)
1 (1)
—— —
Summe
9 (5)
6755
1 2
Airchttche Nachrlchte«.
Evanaclische Gemeinde.
Donnerstag, den 18. Oktober, abends 8 Uhr, im Markussaak, Kirchstr. 9, B i b e l-st u n d e. (1. Brief des Apostels Paulus an den Timolheus.) Pkarrer Schwabe.
Gießener Wetterdienst.
Voraussichtliche Witterung für Hessen am Donnerstag den 18. Oktober: Meist heiter, trocken, Temperatur nicht verändert.. Mäßige südliche Winde.
Untergang eines französischen Unterseebootes.
Original-Telegramm des „Gieß. Anz/
V i s c r t a, 16. Okt. Das ncueUnLcrseeboot„Luti n"; das heule morgen bei starkem Seegang zu Tauchcrübungen aus-, gelaufen war, wurde gegen 10 Uhr als aus Sicht getornmeu gemeldet. 2 Torpedoboote und 3 Schleppdampfer, die daraufhin auf Suche ausgeschickt wurden, haben bis heute abend nichts über den Verbleib des Bootes feststellen können. Erst in der Nacht konnte festgestellt werden, daß das Boot mit seiner gesamten Besatzung, die aus 2 Offizieren und 12 Mann bestand, untergegangen ist. Es wurden sofort Versuche zur Hebung tiorgenommen, die erfolglos blieben.
Paris, 17. Okt. Die Nachricht von dem Untergang des Lutin hat hier um so größere Aufregung hervorgerufen, als die gleichfalls im Hafen von Mserta erfolgte Katastrophe des Tarfadct noch in frischer Erinnerung ist. Der Marine, m i n i st c r, der in der Nacht mehrere Berichterstatter empfing äußerte sich sehr pessimistisch über das Schicksal der Unter- gegangenen. Er erklärte, daß im Hafen von Biserta kein Schift vorhanden sei, das genügend leistungsfähig sei, das etwa 46 Meter tief gesunkene Unterseeboot zu heben. Er gab schließlich der Hoffnung Ausdruck, daß die Verunglückten keinen so langen Todeskampf haben werden, wie seinerzeit die des Tarfadct. — Tas Petit Journal meldet, daß sich 2 Offiziere und 14 Mann auf dem Schiff befunden hätten, da der Kommandant gestern noch zwei überzählige Maschinenzöglinge an Bord genommen habe.
GrZgLeral-DrahtmelHuirgerr.
sd. T armstad t, 17. Okt. Ein großes Schadenfeuer entstand heule nacht auf dem etwa eine Stunde von hier liegenden, der Stadt gehörenden H 0 s g u t G e h a b 0 r n. Etwa 1900 Hausen u n g e d r 0 s ch e n e s Kor n, das morgen zur Dreschmaschine kommen sollte, sind verbrannt. Der Pächter Schwarz ist versichert. Anscheinend liegt Brandstiftung vor. Die angestellten Löschoersuche hatten keinen Erfolg.
Essen, 17. Okt. Der Gewerkverein der christlichen Bergarbeiter beruft in der Lohn- und Verschmelzungsfrage nächsten Sonntag abermals über 40 Versammlungen ein. Tas Organ der christlichen Bergarbeiter „Bergknappe" protestiert gegen die Bestrebungen von Angehörigen des alten Verbandes, in1 den gemeinschaftlichen Versammlungen politische Agitation zu treiben. j
Oels, 17. Okt. Das Schwurgericht verurteilte den 28 jälfr. Tischlergesellen Drago aus Militsch wegen eines an der 11 jähr. Tochter des Tischlermeisters Breuer verübten Sittlichkeits- Verbrechens, wodurch der Tod des Mädchens verursacht wurde, zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe.
Posen, 17. Okt. Unter den Polen aller drei Reiche macht sich eine Bewegung geltend, welche eine Aenderung der jetzt in den Grenzen des ehemaligen Königreichs Polen bestehenden katholisch-kirchlichen Einrichtungen anstrebt und zwar will man eine He ntral-Kirchenbe Hörde schaffen, welche den gesamten volnnch-katholischen Volkskomplex in Deutschland, Oesterreich imi> Rußland von einer Stelle aus leiten soll, welche als Oberhaupt den Papst anerkennt und dem sämtliche Bistümer in den ehemals königlich polnischen Landesteilen unterstellt werden sollen. Ein großer Teil der Geistlichkeit soll für diesen Plan agitieren. Man will zunächst den Erzbischof v. Stableivski veranlassen, im Sinne der neuen Bewegung beim Papst vorstellig zu werden und hofft sicher aus dessen Unterstützung.
Landau, 17. Okt. Der Prinzregent begnadigte den zum Tode verurteilten Raubmörder Brücke! zu lebenslänglichem Zuchthaus. Brücke! hatte einen Lustm 0 rd an oer Frau eines Dienstknechtes begangen.
Freiburg i. B., 17. Okt. Der wegen versuchter Verleitung zum Meineide zu einem Jahre Zuchthaus verurteilte und noch nicht verhaftete Pfarrer Gaisert in Gündelwangen hat sich nach Beuren im Hohenzollernschen zu den Benediktinern ins Kloster begeben. Er hat gegen das Urteil Revision eingelegt.
Teplitz, 17. Okt. Im Ostrauer Kohlenrevier sanden große Bergarbeiter-Versammlungen statt. Es wurde überall eine Resolution angenommen in der es heißt: Obgleich die Forderungen der Arbeiter bis zur Stunde nicht bewilligt sind, tritt die Bergarbeiterschaft im eigenen und im Interesse der Werke nicht in den Streik, der beide Teile schwer schädigen würde.
Petersburg, 17. Okt. Gras Witte, welcher Ende dieses Monats nach Petersburg zurückkehrt, wird für die R e i ch § d u m a kandidieren.
Riga, 17. Okt. Aus Schloß Mitau wurden gestern fünf deutsche Revolutionäre standrechtlich erschossen.
Warschau, 17. Okt. Die Geheimpolizei entdeckte eine ganze B a n d i t e n - O rg a ni s a t i 0 n. Vor einem halben Jahr wurde ein Kampsbund gegründet mit dem Namen „Geheimes Arbeite r-Einver st ä>r du is", der zum Ziel hatte, Geldfonds für alle sozialen Parteien zu erwerben. Diese Organisation verübte dann eine Menge lieber fälle und Beraubungen in der Stadt. Die Führer hielten in ihren Wohnungen geheime Musterung über die Mitglieder ab. Es waren Fachdiebe und Räuber darunter. Bisher wurden etwa 49 Mann verhaftet. Mehrere Verhaftete verrieten ihre Genossen. — In Lodz ist wegen Nichtzahlung des Tagelohnes an die Streikkasse heute wieder in sechs Fabriken der Streik ausgebrochen.


