Ausgabe 
17.10.1906 Zweites Blatt
 
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr. 7.

Tel. Nr. 61. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen.

fahren und kein Mittel zum Durchschlüpfen gelassen werde. Sonst tollt sie eine den Verhältnissen entsprechende Aus­gestaltung der Gerstenzollordnung herbeizuführen suchen, auch hinsichtlich Ueüerwachung der Verwendung, soweit eine solche Ueberwachung ohne zu große Erschwernisse mög-

Nr. »44 Zweites Matt IFH.Jahrgang Mittwoch 17. OktsSer 1906

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. d Q

DieGießener LamMenbNMer- werden dem 1 O Rg M Fd

.Anzeiger viermal wSchentlich beigelegt. Der H B tl L) y£_ S RH 'W A

hesstsche Landwirt" erscheint monatlich einmal. V W W W g 4j>

Ale KoyenLohe-AenLwürdigKeiLen.

Anscheinend auf Grund einer Information des auswärt. Amtes berichtet der ,93. Börsen-Cour.*:

Es wäre vollständig ungerechtfertigt, zu glauben, daß . der Kaiser und die übrigen anlllichen Stellen wegen der Ver­bi i e n t l i ch u n g der Tenkwürdigkeilen irgend eine böse Ab­sicht beim Prinzen Alexander annehmen. Ter Prinz hätte aber die Arbeit des lzrerarischen Testamentsvollstreckers des verstorbenen Reichstanzlers sorgfältig prüfen und überwachen sollen. Aus bester dudle wird uns jetzt versichert, daß Prinz Alexander sich dieser von ihm begangenen Unterlassungssünde klar bewußt ist, und daß er tatsächlich den Professor E u r t i u s selbständig das Material sichten und die Auswahl der zu veröffentlichenden Schriftstücke vornehmen ließ.

Professor Dr. Curtius hat sich von einem Vertreter dcS Pariser ,Maün" interviewen lassen und erklärt, daß ihn Prinz Alexander stets gedrängt habe, die Be­arbeitung der Memoiren zu beschleunigen. Nach seiner Ansicht hätten diese nur einen journalistischen Wert, und auch seine Meinung ist, daß dem Prinzen jede böse Ab­sicht sicherlich fern gelegen habe. In der Ocffentlichkeit nehme man die Hohenloheschen Aufzeichnungen zu buchstäblich und zu gewichtig. Sie seien oft nur in scherzhaften! Plauder- tonc gehalten. Zum Schluß erklärt Dr. Curtius, daß viele für den Kaiser unangenehine Stellen nicht ver­öffentlicht wurden.

Wie das B. T. nreldet, sieht aber Prinz Alexander es jetzt selbst ein, daß die Veröffentlichung der Denkwürdigkeiten in der Form, in der sie erfolgt ist, unangemessen war, und er hat seinem Bedauern darüber an geeigneter Stelle Ausdruck gegeben.

Immerhin wird man auf die gestern bereits angekün­digte Erklärung des Prinzen Alexander allseitig gespannt sein können. Die Begründung der Veröffentlichung dürfte aber nach obigem wohl kaum einen sensationellen Inhalt haben. Prinz Alexander hat, wie es scheint, den Auftrag des Fürsten Chlodwig erfüllt. Ein solcher Auftrag mag einen Sohn unter Umständen in einen schweren Konflikt bringen. Jedenfalls aber war der kürzlich in einem ofsiziösen Blatte unternommene Versuch geradezu grotesk, angebliche Aenßer- ungen des Fürsten Chlodwig Hohenlohe über seine Memoiren gegen den Prinzen Alexander ins Feld zu führen. Wie Fürst Chlodwig über seine Aufzeichnungen gedacht hat und welchen Gebrauch er von ihnen gemacht wissen wollte, das wird er wohl schwerlich gesprächsweise irgend einem Wiß­begierigen mitgeteilt haben. Dazu war der alte Hohenlohe eine viel zu verschlossene Natur. ES ist ohne weiteres anzu- nehmen, daß außer Dr. CurtiuS und dem Prinzen Alexander niemand in das ganze Geheimnis eingeweiht worden ist. CurtiuS charakterisiert den Fürsten Chlodwig sehr treffend mit den Worten: ,Jm Grunde steckte ein Jour­nalist in ihm. Er hat auch Zeitungsaufsätze geschrieben. Der Gedanke, seine Denkwürdigkeiten niederzuschreiben, be­reitete ihm außerordentliches Vergnügen.* Weshalb den Fürsten Chlodwig die Niederschrift des Erlebten so amüsierte und weshalb ihn der Gedanke einer Veröffentlichung beschäf­tigte, dafür lasten sich auch psychologische Gründe denken. Man braucht sich nur an das Eine zu erinnern: Fürst Chlodwig Hohenlohe wurde bei seinen Lebzeiten stark unter­schätzt. Weil er kein Redner war, weil er jede staatsmännische Pose verschmähte, viel mehr zuhörte, als sprach, mag gewiß manches mehr oder minder mokante oder gar geringschätzige Wort in höfischen wie in politischen Kreisen über ihn ver­breitet worden sein. So hing z. B. seiner ganzen Laufbahn als Reichskanzler die Bemerkung Richters an bei der Er­nennung: dieser Kanzler seinur von ornamentaler Be­deutung^. Die Unterschätzten, die für schwach Gehaltenen reizt es, der Welt eine Ueberraschung zu bereiten, und sie ist denn auch gelungen.

Deutsches Reich.

Berlin, 16. Okt. Der Kaiser sprach sich bei seinem Besuch in Gelnhausen für die Erhaltung der Barbarossa-Burg aus.

Der russische Botschafter des Aeußern, von Is­wolski, der zurzeit in Tegernsee einen kurzen Er­holungsurlaub verbringt, wird auf der Rückkehr mit dem Reichskanzler Fürsten Bülow eine Besprechung haben, jedenfalls an einem der letzten Tage dieses Monats.

Kolonialdirektor Dernburg hat zugunsten der Angestellten der Darmstädter Bank 45 000 Mark g e st i f t e t.

Ostrotoo, 16. Okt. Eine vom Pfarrer Zborotoski geleitete, von etwa 700 Polen, darunter Reichstagsabg. Fürst Radziwill und dessen Bruder Prinz Karl Radzi- toill besuchte Versammlung wurde polizeilich aufgelöst, als ein Redner zum Kamps gegen den deutschen Religionsunterricht aufsorderte und dabei betonte, daß das polnische V r 5 k s i ch a u s l e h n e n müßte, auch wenn dabei Blut fließen sollte. Unter Heulen, Johlen und Protestrufen verließen die ^Versammlungsteilnehmer nach mehrmaliger Aufforderung des Polizeibeamten den Saal.

Bremen, 15, Okt. Die Sozialdemokraten hielten sechs große Protestversammlungen gegen die Fleischnot und die Erhöhung der M i l ch p r e i s e ab. Eine gleich­lautende Resolution wurde überall einstimmig angenommen.

Nürnberg, 16. Okt. Der Straßenbahn-Tech­niker Schm au ß wurde per 1. November in den Kolo- nialdienst nach Togo berufen.

München, 16. Okt. Der Stadt-Magistrat hat be­schlossen, bei fder Negierung vorstellig zu werden, znr wei­teren Oeffnung der Grenze für die Einfuhr von Schlachtvieh. , . c c, c

Wie dieFrkf. Zig." erfahrt, wird die bayerische Regierung, die streng auf genaue Durchführung der Gersten Verzollung zur Verhütung von Mißbrauchen bedacht ist, Veranlassung nehmen, bei dem Bundesrat dahin zu wirken, daß nirgendwo im.Deutschen Reiche anders ver­

Ausland.

London, 16. Okt. Der große Armeeskandal ist nunmehr erledigt. Wie erinnerlich, entdeckte man maßlose Korruption in der Verproviantierung der Armee während des Burenkrieges. Gestern wurden die verhängten Strafen bekannt gegeben. 28 Offiziere sollen aus der Armee au§gestoßen werden ohne Pension. Darunter be­findet sich ein Oberst. Außerdem werden einige Militär­beamte und Unterofsiziere bestraft. Rian hofft, dieses energische Vorgehen werde als abschreckendes Beispiel für die Zukunft wirken.

Paris, 16. Okt. Der Lordmayor und die Vertreter von London wohnten dem vom französischen Komitee für Ausstellungen int Auslande gegebenen Frühstück bei. Der Lordmayor erklärte, die englisch-französische Aus­stellung 19 0 8 werde eine Verkörperung der Entente cor- diale sein.

St. Maximen, 16. Oktober. Minister Cleme nca u hielt heute eine Rede, in der er erklärte, die Negierung kämpfe gegen die Herrschaft NomS und verweigere der Kirche das Geld derer, die nicht gläubig seien. Der 11. Dezember werde der letzte Tag sein, an dem Frankreich unter dem Regime des Konkordats stehe. Am 12. Dezember werde Frankreich unter den Sonnenstrahlen der Freiheit er­wachen.

Nom, 16. Okt. TaS Blatt93ita* bespricht die Be­ziehungen zwischen Italien und Oesterreich und sagt, daß die zwischen De sch land und Italien bestehenden Diffe­renzen noch ernsterer Statur seien. Der Dreibund sei dem Verfalle nahe und er falle zugunsten eines i t a l i e n i s ch - e n g l i s ch e n A b k o m m e n s.

Kungur (Indien), 16. Okt. In der letzten Nacht wurden hier 7 Pud für den Eisenbahnbau bestimmten Dyna­mits, ferner Gewehre und Patronen gestohlen. Zwei Wächter wurden ermordet.

Aus Ktadt und

Gießen, 16. Okt. 1906.

** Der 2. Kammer der hessischen Stände ist eine Vorstellung deS Bundes deutscher Frauenvereine zugegangen, in der gebeten wird, durch Erlaß eines LandeS- ^esetzcs die Fortbildungsschulpflicht auf die ge­werblichen Arbeiterinnen auszudeh,nen.

** Für die Sitzung der Stadtverordneteu- versammlung am Donnerstag, 18. Okt., nachm. 4 Uhr, ist folgende Tagesordnung aufgestellt.- 1. Mit teil­ten gen. 2. Baugesuch Alexander Salomon für die Schul­straße. 3. Baugesuch Konrad Tamm für die Liebigstraße. 4. Baugefuch Adolf Schmidt für die Marbnrgerstraße. 5. Baugefuch Wilhelm Kitz für die Marbnrgerstraße. 6. Bau- gesuch Wilhelm Zurbuch für die Eichgärten. 7. Ausstattung des Saales zur Vornahme der Eheschließungen. 8. Umbau der Stephanstraße zwischen Bismarck- und Bleichstraße. 10. Wiederherstellung des Pflasters über den Rohrgräben. 11. Lieferung von Pflastersteinen für den Landgraf Philipp- Platz. 12. Um Pflasterung des Seltersweges. 13. Beschaffung von Pflastersteinen für 1907. 14. Die Straßenreinigung. 15. Vergebung von Arbeiten und Lie­ferungen für die höhere und erweiterte Mädchenschule. 16. Innere Einrichtung der neuen höheren und erweiterten Mädchenschule. 17. Ankauf eines Grundstücks der Plockschen Stiftung zur Vergrößerung des Viehmarktplatzes. 18. Ueber- lassung der städtischen Wiesen hinter den Eichen an den Eisverein. 19. Einführung der Gasleitung in die Wolf­straße. 20. Verband von Elektrizitätswerken für Baden, Hessen und Pfalz. 21. Unterhaltung von Grabern durch die Stadt. 22. Gesuch von Louis Moll in Grünberg um Uebernahme von Aktien der Eifenbahn Lich-Grünberg durch die Stadt Gießen. 23. Die Löberstiftung; hier Genehmigung der Rechnung für 1906 und Vorlage des Voranschlags 1907. 24. Gesuche um Erteilung der Schankkonzession von a) Fr. Laih für Schulstraße 10, b) Louis Bourgeos für Mäus- burg 1, c) Hans Förtsch für Kirchstraße.

*' Vorsicht! In letzter Zeit ist es zweimal vor­gekommen, daß Frauen aus dem Wochen markte ihre in der Markttasche ausbewahrten Portemonnaies vermißten. Da kein Portemonnaie als gesunden abgeliefert wurde, muß angenommen werden, daß die Portemonnaies von einem raffinierten Langfinger aus den Markttaschen heraus gestohlen wurden. Darum Vorsicht beim Marktbesuch.

Unehrlicher Finder. Vor einigen Tagen verlor eine Dame in der Neustadt ihre Uhr. Ein Herr bemerkte, wie ein Bauersmann mit seiner Frau die Uhr aufhob, allein abgeliefert oder veröffentlicht hat der Finder die Uhr nicht. Vielleicht tragen diese Zeilen zur Feststellung des Finders bei.

** Im Gießener Stadttheater wurde gestern abend das Drama des Spaniers Joss EchegarayGa­le o t t o" in der Bearbeitung von Paul Lindau gegeben. Das vor etwa v-ier Jahren zum letztenmal aufgeführte Stück hatte kein sonderlich zahlreiches Publikum angezogen, die Erschienenen kamen aber dank der geschickten Regie vollauf aus ihre Kosten und ihr Genuß wurde nur durch die allzu ausgedehnten Pausen beeinträchtigt. Als Trägerin der HauptrolleDonna Julia" bot Frau Bayrhammer eine recht befriedigende .Leistung, die namentlich in den ersten Szenen auf der Hohe stand. Störend machte sich das öftere zu leise Sprechen bemerkbar. Nicht ganz gleich­wertig war die Darstellung des jugendlichen Feuerkopfes Don Ernesto" durch Herrn Kober. Das Sptel des an sich recht strebsamen Künstlers war vielfach gekünstelt und gezwungen, die Deklamation überstürzt und her liebergang von den ruhigen zu den dramatisch belebteren Szenen zu

unvermittelt, um recht wirken zu rönnen. Besser gelang Herrn Bakof die Wiedergabe deSDon Manuel", wenn er auch der sympathischen Gestalt des vornehm denkenden Handelsherrn mehr deutsche als spanische Züge verlieh. Don Severo" Und dessen Gattin waren durch Hemt S ch l o t t a u und Fräulein von I a g e m a n n entsprechend vertreten, während Herr Gr ee s f demDon Miguel" nichts besonderes abzugewinnen wußte. Anerkennung verdient noch Frln. Bons als Wirtin. E. H.

** Charlotte Wiehä, die in ihrer Heimatstadt Kopen­hagen, in Paris wie in New York zu den Lieblingen des Publikums zählt, kehrt, wie schon erwähnt, morgen, Donnerstag, bei uns ein, um in einem Vortragsabend int Stadttheater eine ganz neue Seite ihrer Kunst zu zeigen. Sie wird als Diseusc inter­nationale Volkslieder und Balladen zu Gehör bringen und nach den uns vorliegenden Berichten, werden ihre Dar­bietungen als auf höchster Stufe stehend und einer selbst von Pvette Guilbcrt nicht erreichten ^Liebenswürdigkeit bezeichnet. Mad. Wiehä, bekanntlich eine geborene Dänin, beherrscht das Französische, Englische und Dänische und sie verleiht 'jedem ein­zelnen ihrer Liedervorträge einen charakteristischen Zug. Auf dem Gebiete des Humors und der feinen französischen Plauderei, unterhält sie ihr Publikum aufs glänzendste, wobei ihr Gatte, der Komponist vonLa mein", sie am Klavier unterstützt.

AuS dem Lumdatal, 15. Okt. Die für die gemeinsame Wasserleitung der Orte Lollar, Dau- bringen, Staufenberg und Mainzlar nötigen Quellen- faRungen in der Gemarkung Allendorf sind jetzt größtenteils in Angriff genommen; nur die im Allcndorfcr Gemeindewald befindliche Quelle kann nicht gefaßt werden, da die schon im vorigen Jahre vergeblich versuchte Einigung über deren An­kauf immer noch nicht erzielt worden ist.

k- Friedberg, 15. Okt. Der FiskuS Hai der Stadt den Burgberg auf 25 Jahre pachtweise überlassen, die Stadt zahlt jährlich 300 Mk. Pacht. Sie will den Burgberg mit Rücksicht darauf, daß die Promenaden durch die große Bautätigkeit sehr beschnitten worden sind, in Anlagen und Spaziergänge verwandeln.

d. Friedberg, 16. Okt. Wie man aus zuverlässiger Quelle erfährt, ist gegen den vormaligen 2. Direktor der Landwirtschaft!. Hauptgenoffenschaft, Oekonomierat Schlenke- Friedberg, wegen Unregelmäßigkeiten Anzeige erstattet worden. Ueberraschend ist die so auffallend spät erfolgte Anzeige, da doch am nächsten Freitag bereits die Verhandlung gegen den derzeitigen 1. Direktor Hirschel stattfindet.

Darmstadt, 16. Okt. Das Großherzogliche Hof- lager ist heute nachmittag vom Jagdschloß Wolfsgarten wieder hierher verlegt worden. I. I. K. K. H. H. der Großherzog und die Großherzogin trafen heute nachmittag hier ein.

Reinheim, 15. Okt. Reichstagsabg. Becker sprach am Sonntag in einer gut besuchten Versammlung der national- liberalen Partei über seine Tätigkeit im Reichstag und insbesondere die Reichssteu er re form. Die Versammlung nahm nach den mit Beifall aufgenommenen Ausführungen des Redners folgende Resolution an:

Tie heule in Reinheim tagende, sehr zahlreich aus allen Berniöstäitoen besuchte Versammlung bringt ihrem Abg. Dr. Becker für seine Tätigten int Reichstage vollstes Ver trauen ent­gegen und weist alle Angriffe auf denselben als durchaus uu- vegründet zurück."

Sodann beschloß man einen Wahlverein zu gründen.

= Wetzlar, 16. Okt. Unser Dorn bau hat im Laufe dieses Sommers so erfreuliche Fortschritte gemacht, daß wir den früher in weiter Ferne liegenden Zeitpunkt in absehbare Nähe gerückt sehen, wo das alte Wahrzeichen unserer Stadt verschönt und verjüngt in das Lahntal schauen wird. In diesen Tagen wurde daS Riesengerüst zur AuSbeffernng des Hauptturmes aufgeschlagen und noch vor Beginn des Winters wird die Bauarbeit an der Süd- und Westseite in Angriff genommen werden. Es zeigt sich ein lebhaftes Interesse für unsere Domsache und der rege Fortgang der Dombau- Erneuerungsarbeiten wird tagtäglich von Fremden und Ein­heimischen mit regem Interesse verfolgt.

Sinn, 16. Okt. Ein schwerer Unglücksfall hat sich, wie dasHerb. Tgbl." berichtet, am Samstag früh um 1/27 Uhr auf der Neu Hoffnungshütte zugetragen. Der Arbeiter Heinrich Birk ans Kölsch hausen drückte mit noch anderen einen leeren Wagen zur Verladestelle und ver­suchte im letzten Moment vor dem Wagen über das Geleise zu gelangen. Er wurde von dem Wagen erfaßt und derart an die Mauer gedrückt, daß der Tod kurze Zeit nach dem Unfall eintrat. Auf Antrag der Werksleitung fand eine ge­richtliche Aufnahme des Tatbestandes st itt.

fc. Allendorf bei Haiger, 16. Okt. Hier wurde die Ehefrau deS Arbeiters BraaS von einem Arbeiter namens Braun, der sich mit anderen jungen Burschen im Flobert- schießen vergnügte, aus Unvorsichtigkeit so unglücklich in den Unterleib geschossen, daß an ihrem Aufkommen ge­zweifelt wird. Der Täter ist flüchtig.

[] Marburg, 15. Okt. Heute früh wurde hier durch einen Festakt die neue Stadtschule, die im sog. Biegen­viertel mit einem Kostenaufwand von etwa 400000 Mk. erbaut ist, eingeweiht. Der schöne Monumentalbau soll 28 Klassen mit ca. 1400 Schülern Aufnahme genähren. Nachmittag fand dann der Beginn des Unterrichts in der vom Verein Frauenbildung-Frauenstudium ins Leben ge­rufenen, der Stadt unterstehenden Fortbildungsschule für weibliche Handlungsgehilfen und Lehrlinge statt. In dieser Schule finden auch die der Handwerkskammer unterstehenden weiblichen Lehrlinge der verschiedenen zum Handwerk zugeteilten Berufe Ausnahme.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Ost he im bei Butzbach wurde die Anlage einer Wasserleitung beschossen. In Ausübung seines Dienstes wurde der Schutzmann Deichmann zu Kassel durch einen Messerstich schwer verletzt. Er war im Begriff, den Obsthändler Krause, oer in der WirtschaftZum weißen Hose" Lpettakel gemacht hatte, nach heftigem. Wider,lande avzuführen.