Ausgabe 
17.3.1906 Erstes Blatt
 
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Die heutige Kummer umfaßt 13 Seiten.

Hochzeitsfcicr im stillen überreicht haben. Wir mochten solche Verdienste* nicht hoch anschlagcn, die noch verlieren, wenn sie nicht selbstlos und uneigennützig, sondern gerade in dein Wunsch geleistet wurden, dafür belohnt zu werden. Dieselbe Erwägung läßt sich an den Ankauf eines Grundbesitzes in Höhe von 2 Millionen Mark in unseren Ostmarken knüpfen, den angeblich Dr. v. Caro zugunsten des Deutschtums gegen das Polentum aus seinen Privatmitteln vorgcnommen haben soll, und der als Grund für die ihm zuteil gewordene Adels­verleihung angeführt wird.

Im übrigen sind diese Einzelerscheinungen keineswegs etwas Außergewöhnliches. Schon längst hat cs geadelte Juden gegeben, so die Rothschild, Erlanger, Mendelssohn, Königswartcr, Bleichrödcr, Oppenheim und Cohn (Hof­bankier Kaiser Wilhelms L). Selbst wenn also den Herren Friedländer und Caro die Herren Koppel, Jakob und Ra- thenau folgen sollten, würde die Welt nicht cinstürzen. DixseS vermehrte Eindringen der finanziellen und industriellen Elemente in den Kreis der Aristokratie, der übrigens auch durch die Geldheiraten der Aristokratie selbst längst seine Geschlossenheit eingebüßt hat, sollte die letztere darüber klar werden lassen, daß die moderne Zeit neue Werte prägt. Herr ö. Kardorff und der Fürst Henkel von Donnersmarck haben ja gezeigt, daß man auch mit dem blauesten Blute in Handel und Wandel, in Industrie und Bergbau die Ellenbogen gewinnreich rühren kann. Der englische Hochadel hält cs für die nachgeborenen Söhne der Lords und Marquis sclbit- verständlich, daß sie sich an Banken, Warenhäusern, Schiffs­reedereien und dergleichen beteiligen, sofern sie Lust und Neigung dazu haben.

Auch jetzt noch hat es trotz allem der alte Adel in der Hand, sich eine bevorzugte Stellung zu sichern, die ihm durch keine Friedländer und Caro streitig gemacht werden kann, wenn er sich durch die Tat zu der Opfcrfrcudigkcit für das Volk bekennt, wie sie Graf PosadowSky den oberen Zehn­tausend ans Herz gelegt bat.

Wertester preußischer Adet.

Der Nichterlaß einer Amnestie gelegentlich der Doppel- fcier im Kaiserhause hat von manchen Seilen eine scharfe Kritik erfahren. Nicht minder scharf wird aber auch über einige positive Gnadenbeweise geurteilt, welche Kaiser Wilhelm II. gelegentlich der Festtage erteilt hat. Vor allem sind es einige Adclsverleihungen, welche die lebhastesten Kommentare er­fuhren. Der Geh. Kommerzienrat Fritz Friedländer, der Inhaber einer großen Kohlenfirma, ist bekanntlich unter dem Namen von Friedländer-Fuld geadelt worden und ebenso der Geheime Kommerzienrat Dr. Georg Caro, der in Breslau an der Spitze einer großen Eisenfinna steht. Man weiß auch zu melden, daß der Geh. Kommerzienrat Schwabach und einige andere Mitglieder der Hochfinanz Nachfolgen werden. Es ist auch bekannt, daß die Bedachten jüdischer Abstamm­ung find.

Welches sind die persönlichen Vorzüge und die poli­tischen Verdienste um die Allgemeinheit, welche die neu geadelten Herren sich erworben haben? Von allgemein an­erkannten Verdiensten weiß man in unserem Falle nicht viel. In der Oeffentlichkeit ist von dem Geh. Kommerzienrat ».Friedländer z. B. nur bekannt, daß er einer der reichsten Männer Berlins ist und ein Jahreseinkommen von 3 220000 Mark versteuert. Der Besitz ist aber nach einem Ausspruch des Grafen von Posadowsky zwar eine sehr große Annehmlichkeit, aber kein Verdienst. Es hätte diesem reichen Herrn wahrlich nicht an Gelegenheit gefehlt, sich in seinem Berufe und mit seinen großen materiellen Mitteln Verdienste um die Allgemeinheit zu erwerben. Er hätte seinen Einfluß nur anzmvendcn brauchen, um beispiels­weise eine gerechte progressive Einkommensteuer im Reiche durchzusetzen. Er hätte auch mit Erfolg dem Schmiergelder­unwesen zu steuern versuchen können, das besonders im Kohlengroßhandel seine volkswirtschaftlich unerfreulichen Wirkungen ausübt, also in dem Geschäft, das Herr v. Fried­länder betreibt und das ein preußischer Handelsminister als ein, wenn auch notwendiges, Uebel bezeichnet hat, indem es sich unnütz verteuernd zwischen die Produktion der Kohlen­gruben und die großen Kohlenkonsumenten schiebt. Schmier­gelder machen den Kohlcngroßhandel meist zu einem Er- rverbszweig, der einige wenige kolosial bereichert, der all­gemeinen Volkswirtschaft aber mehr schadet als nutzt. Von solchen Verdiensten des Neugeadelten um die Allgemeinheit weiß man nichts. Er ist ein eifriger Sportsman, der für seine Liebhabereien große Summen auswenden kann. Da auch Kaiser Wilhelm den Sport sehr liebt, da ferner nur ein geringer Teil des alten Geburtsadels in der Lage ist, eine Pacht auf dem Meere oder ein Automobil auf dem Lande sein eigen zu nennen, so wurden durch diese beiden Sportszweige, denen der Kaiser sein besonderes Interesse zu­wendet, die persönlichen Beziehungen des Monarchen zu der Geldaristokratie vermehrt und enger geknüpft, um so mehr als diese Herren mit dem großen Geldbeutel nicht kargen, wenn es gilt, neuen Anregungen von höchster Stelle nach­zukommen. Ferner sollen allerdings nur ein unverbürgtes, sogar schon bestrittenes Gerücht diese Herren die Zchn- mi llionensp cnde zur Unterstützung der jüngeren Offiziere wenigstens zum großen Teil, dem Kaiser zu seiner silbernen

lieber den Verbrauch an Strom teilt die österreichischeZeitschrift für Elektrotechnik und Mechanik" mit, daß pro K>erze etwa 1 Watt verbraucht wird bei rund 1000 Brennstundcn. Bewahrheitet sich das, so sinken die Wien der Beleuchtungsstunde einer IGfersigen, Glühlampe auf 't Pfg., d. h. unter die der Petroleumlampe, ixte bei gleicher Helligkeit zirka 1 Pfg. kostet.

F ü r den Friedenspreis dar Rob elstiftnn gx ist, wie aus Cbristiania gemeldet wird, Prmident Roosevelt: in Vorschlag gebracht worden, in anbetracht feiner Verdienste um den Portsmouther Frieden. Vorgeschlagen haben ihn die Professoren Baldwin von der Universität Vale, Jadson von deck Universität Chicago und .Harburger in München. Außer Roose­velt sind amecikanischerseits das Mitglied des Bnndeskongresses Richard Barthvld <nr§ St. Lonis, Präsident der Jnterparlamen- tarischen FriedenS-Liga, und Alfred H. Love aus Philadelphia, seit 1866 Präsident der Universal Place Union, vorgeschlagen.

Der Privatdozent an der Berliner Universität Dr. Georg Swarzens'ki ihat die Berufung als Direktor der ver­einigten Museen in Frankfurt a. M. angenommen und wird in der nächsten Woche nach seinem neuen Wirkung AreiH übersiedeln. w t

Direktor Plo e cker-E ckhar dt, bisher Letter des ver^ krachten Frankfurter RcsidenzTheaters>, beginnt am Montag ra Leipzig /ein Gastspiel seines neu begründetenTheaters der Gegenwart".

Frl. Riza B a j v r, vvm ÄLannheimer Hoftheater, bereit Gastspiele im Gießener Theaterverein als Mcdea und als Dera noch in guter Erinnerung sind, gastierte, wie uns mitgeteilt toird, am Stadttheater in Köln als Medea und als Hermione. Noch während der Aufführung des Wintermärchens engagierte sie Direktor Martersteig von der kommenden Spielzeit an.

Lohnbercchnungs-Tabellen. Im Verlage von D. Uhde, Buchdruckerei M Darmstadt, ist ein Werkchen, Lohn- bercchnungs-Tabellen, erschienen, das die Beachtung weiterer Kreise verdient. Tic Berechnungen sind in der Lohnabteilung der bekannten ^-irmn E. Merck in Darmstadt aufgestellt und völlig dem praktischen Bedürfnis angcvaßt. Das Werkchen ist außerdem zur Warenberechnung usw. usw. verwendbar und er- müglicht durch die übersichtige Einteilung ein schnelles Auf­finden jeden gewünschten Resultats. Die Anschaffungskosten von 1,90 Mk. pro Exemplar, 10 Bogen stark, kommen kaum in Be­ttacht.

tiger Unterstaatssekretär genannt worden ist. Es kann zweifelhaft sein, ob diese Aussicht auf einen nicht mehr fernen erneuten Wechsel in der Kolonialleituirg der Verständigung über das Reichskolo'.'.ialamt förderlich sein wird. Immerhin darf der Reicks/ tag dem Prinzen für seine Offenherzigkeit dankbar sein.

An der Anerkennung dieser Auftichtigkcit fehlte es Nicht. Abg. i.opsch lFrs. Vvb rühmte die offenherzige und milde Art des Erbprinzen, die ihm das Verttaucn des Reichstages tx> werbe. Eine so uneingeschräulte Bekundung der Sympathie ist bisher noch feinem Kolonialchef zuteil geworden.

In der sich stundenlang hinziehcnden Debatte der Afrika­fahrer Mg. »aoentflit n (nl.) bezeichnete sie alsKvlonial- Palaver" spielte wieder der unvermeidliche Fall PetersI eine Roste. Der Abg. Dr. Ar e n d t (Rpb gibt den Versuch nickst auf, seinen Freund Peters zur Wiedereinstellung in den Reichsdienst zu empfehlen, und mit derselben Zähigkeit bestrebt sich die Sozictt- demottatic, diese Absicht zu durchkreuzen. Sonst gab es hitzige Ausfinandersetzimgen zwischen kolonialpolitischen Gegnern von rechts und links geradezu zornig zeigte sich Abg. Ledebour (Soz.), und zum Schluß einen Wortwechsel zwischen dem Abg. Dr. Bachem (Ztt.) und den Verttetern der Kvlonialverwaltung, wobei der etwas nervöse Bachem der letzteren den Borwurf der Hinterhältigkeit machte, weil ihm eine Auskunftserteilung ver­spätet erschien. Die Sache war, wie sich herauSstellte, soviel Auf­hebens nicht wert, denn es lag ein entsckmldbares Versehen vor. Aber einen MißNang gab es doch zwischen dem Zentrum unb dem Erbprinzen zu Hohenlohe. *

Deutscher Reichstag.

6 7. Sitzung v o m 16. Dt ä r z 1906.

Ter feinste Nachtragsetat: 188700 Mark Beihilfen für Kriegsteilnehmer ivirb debattelos bewilligt. In der fortgesetzten Beratung des dritten Nachtragsetats fÜV die Schutzgebiete (Ostairika) spricht

Abg. Schrader (steif. Vg.'» zu den Ausführungen deS Abg. Spahn- Es fei das Reckt des NcickMages, auch über eine solche Angelegenheit zu reden und berechtigte Beschwerden zu erörtern. Wir müssen ein selbständiges Kolonialamt mit einem Staatssekretär haben. Zn empieblen wäre, daß die Reiselustigen unter nn? sich öfter und auf längere Zeit nach den Kolonien begeben. Zu hoffen sei, daß sich nicht mehr viele Beamte finden werden, die in so großem Maße, wie es geschehen sei, RücksickstSlosigkeiteu in den Kolonien begehen. Es wäre dies auch die größte Dummheit, denn erst wenn es unseren Kolonien gut gehe, werden sie uns von größtem "Nutzen sein. Wir sollten in den Ländern, die wir jetzt beherrschen, die Kultur möglichst zu fördern suchen. Für Eisenbahnen werde jedenfalls gesorgt werden müssen. ,

Abg. Schwarze-Lippstadt «Ztrfi tritt, dafür em, daß nur christliche Beamten in den afrikanischen Kolonien verwendet werden. Die Einrichtung von Kolonialprofossnren sei notwendig^ Man müsse ferner Sanatorien errichten und den Alkohol m dem Kolonien möglichst verbieten. .

Erbprinz zu Hohenlohe-Langenburg erklärt auf ente beiläufige Bemerkung des Vorredners, daß die Verwaltung ent­schieden auf dem Standpunkt stehe, daß die Einfuhr von Waffen unterdrückt werden müsse. Angesichts aber der Bestimmungen über den Waffenhandel in den benachbarten Kolonien und der großen Ausdehnung des Gebietes begegne die gänzliche Unterbrüching deS Wasfens chmu ggels großen Schwierigkeiten. Was die (trage der Auswahl der Beamten betreffe, so sei das vielgeschmähte Wort Assessor" an sich nickst allein geeignet, jemand als für bett Kvlonialbienst untauglich erscheinen zu lassen. In den Debatten der letzten Zeit wurde die Zuversicht laut, daß es dem deutsches Fleiß 'und der deutschen Ausdauer gelingen wird, wieder ,Güter zu schaffen, die unserem Vaterlande hoffentlich künftig das wieder cinbringeit werden, was nn Gut und Blut in die Kolonien hineingesteckt wurde. Er ziehe daraus den Schluß, daß bei uns die Kvloniafiwlitik nicht etwa eine Parteifvage sei, sondern daß alle Parteien im Verein mit den Regierungen^ die Fwage vvm wirtschaftlichen Standpunkte betrachten, vom Standpunkts des Segews und des Richens, den wir aus den Kolonien ernten können. Die Kvlonialpolitik könne nur bann erfolgreich betrieben werden, wenn die Ration in der Mehrheit der Ueberzeugung! ist, daß cs sich um eine nationale Sache handelt. (Bravo rechts.)l

sckeitert zu sein. Intendant Claar hält berran fest, daß der zu- künfttge Regisseur kein spielender, sondern ein mehr dramaturgisch tätiger Künstler sein soll, und der Aufsichtsrat hat sich entschloßen, eine Gage von 12 14 000 Mk. für den Regiekosten zu bewilligen. Jin Alter von 70Jahren ist Anton_R oll, hier ge­storben, vor einem Jahrzehnt eines der beliebtesten Mitglieder. Die Reste bes ehemaligen Residenztheater-Ensembles, ungefähr zehn Künstler, führen unter bec Regie von Betty l'Arronge in der Gesellschaft für ästhetische Kultur HalbesJugend" auf Die Schauspieler haben bei der Regierung ui Wiesbaden den Antrag auf Freigabe der dort hinterlegten Kaution gestellt, damit sie zu ihrer Gage kommen. Die andere Hälfte des En- senrbles gastiert gegenwärtig in Aachen .

Zur Krebsforschung. Geheimrat Prof. Dr. Paul Ehrlich, der Direktor des Frankfurter Instituts für experimen­telle Tlserapie, hielt in Berlin einen Vortrag über seine Krebs- forsckunaen. Von praktisch großer Bedeutung bürfteu Ehrlichs an Mäusen vvrgenommene Versuche einer aktiven Immunisierung gegen Karzinom werben. Bestimmte leichte Formen des Mau,e- ttebscs gehen bei der Uebcrtragung auf andere Mäuse nicht an, soudeu: das Impfmaterial geht im Organismus der gennpften Tiere zugrunde, ohne daß diese erkranken. Taber entstehen aber offenbar Aulikört>er (Schutzstoffe) gegen die Krebszelle, denn bic,c vorbehandelten Tiere sind nunmehr immun gegen die künstlich durch Züchtung gewonnenen bösartigsten Tumoren, die ^iere Ijaben eine aktive Immunität erworben, und zwar richtet sich diese sowohl gegen eigentliches Karnnom, wie Sarkom und partiell auch den 'Knorpelkrebs, das Chondrom. Professor Elwlich hob zwar iit seinem Bortrage immer wieder die Tatsache hervor, daß bis zur Uebertragung der Versuche von der Maus auf den Menschen noch ein weiter Weg ist, aber das P r in z i P d er Teilung sei gefunden. Er verglich das Erreichte mit der Bedeutung, roeldye die Eroberung der Außenwerke für fc:n end­lichen Fall einer belagerten Festung besitzt. o

Elektrizität billiger rote Petroleum? Kaum ist vor Jahresfrist die neue Tantallampe als erste Metallsaden- glühlampc erschienen, die bei geringem Stromverbrauch fick' a^nc weiteres zum Einfchalten in die üblichen Netzspannungen von HO Volt eignet, so kommt jetzt schon wieder aus Ceifcrrtia- die Kunde, daß nach einem Verfahren von Dr. Hans Kuzel eine neue Metallfadenlamve hergestellt werden wird. Die hin­sichtlich geringen Energieverbrauchs und Brenndauer alle an­deren elektrischen Glühlampen überttenen ioll. Welche-, Metall zu den Fäden verwandt wvL, ist porläung noch Geheimni--.

Aus dem Aeil6sfag.

R. Berlin, 16. Mch^z.

Es ist bezeichnend für die gegenwärtige Stellung der bürger­lichen Lücken zur K'o lon i al V o £i ii daß der Wortiührer der Freis. Vereinigung,, Abg. Schrader, heute den Wunich anssprack, die tropenreisefähigen Mitglied"r des Reichstags mochten sich so häufig wie möglich kolonialen Wind i'.m die Rase wehen lassen, d. h. in die Schutzgebiete reisen und sich durch Augenschein überzeugen, ob die wirtschaftliche Entwicklung in den neuen Bahnen nach Wunsch gefördert werde. Vielleicht bekehrt sich auch noch die Sozialdemokratie zu solchen Studienreisen.

Von der Rede des Abg. Schw arze-Lippsta!dt y.Btr.', aus der das unverfälschte sauerländifche Jidiom herausklang, war wenig mehr zu verstehen, als seine erhobenen Tones zum Ausdruck gebrachte Befürwortung des kolonialen ^Eisenbahnbaues, besonders in Ostafrika, das ihm die Perle des Schutzgebietes zu sein scheint.

Den Erbprinzen zu Hohenlohe berührten solche Worte natürlich angenehmer, als die Bemängelungen des Abg. Erzbcrger, und er säumte nicht, diesem im Lager Dr. Spahns stehenden Zenttumsmann verbindliche Worte zu sagen und die Grtocrtnng auszusprechen, daß zwischen ihm, dem Erbprinzen, und der Volksvertretung ein gedeihliches Zusammenarbeiten mög­lich feilt werde, sofern cs ihm vergönnt sei, einige Jahre etwa die Kolonialvenvaltung zu leiten. Auf ein längeres Verwetten in dem erstrebten Staatssekretariat für die Kvlonien scheint inh danach der Erbprinz zu Hohenlohe nicht emifichten zu wollen. Er betrachtet sich vielmehr als Platzhalter für einen kommenden Mann, vielleicht für Dr. Paasche, der ja wiederholt alSzucunf-

Aleines Feuilleton.

Der Kaiser und die Kunst. Wie früher gemeldet ward, will der Kaiser auf der Schloßterrassc zu Berlin fünf Denkmäler von Oraniern aufftellen lassen. -^onutaA empfing er die Künstler, Professor Schott, Bildhauer Wolff, Brütt, Haverkamv und den Düsseldorfer Bonke. Der Monarcy überzeugte sich, daß die von ihm bei früheren Besichtigungen gewünschten Aenderungen geniacht waren, sprach weitere Wünsche bezüglich kleiner Aendcrunaen aus und empfahl dann den Herren, ihre Arbeiten so zu fördern, da>; er bald nach Ostern die Modelle wieder besichtigen könne. Nachdem der K'aner dann noch mit Geheimrat v. Ihne über die Aufstellung gesprochen, wie sie auf den Ballustraden am besten zu bewerkstelligen ,-i, hielt er einen etwa anderthalb st undigen Vortrag über Entstehung Entwicklung und Verfall der Ritterrüstung. Tie möglichst historische Wiedergabe der Tracht der Cramer, die er von den Künstlern erwartet, batte ihn zu diesem Studium veranlaßt. Dem Kaiser erschien für dreie Frage jene Zeit auch darum so mtereffant, weil man an der Tracht der Oranier am besten das Zurückweichen der'Rustung von der gewöhnlichen Bekleidung verwlgen rönne, ^.enn die Beine stecken bereits in hohen Lederstieseln, und nur den Ober­körper bedeckt noch ein eisernes Gewand. Ter Monarch erzählte auch, daß er sich eine solche Rüstung habe anlegen lassen, um zu erproben, wie die Männer darin gegangen ictcn. ^abei habe er die Erfahrung qernacht,daß es ein Irrtum fei, anzunehmen, die Menschen seien früher stärker als heute gewesen. Das Gegen­teil war vielmehr der Fall. Für Arme, Deine und Brust habe man Panzerungen geschaffen, die einem Manne von heute jebe Bewegung stark beengen unb beeinträchtigen würben.

Frankfurt, 16. März. Die ausgezeichnete Künstlerin Fran von Kraus-Osbvrne, früheres Mitglied der Leip­ziger Oper, hat mit ungewöhnlichem Erfolg in der Frankfurter Oper dieCarmen" m einer Wohltätigketts^ussührung.zu gunftcit des Orchester Pensionsfonds gesungen. -Vie kunstlerisrse Auffassung, sowie die gesangliche und darftellcriiche Eycttatteri iierung iljrcr Cann en rechtfertigte den enthusiastischen Beifall, der dem Gast zuteil wurde. Die Verhandlungen wegen des Regiiscurs für das Sch anspielhaus schwebcu immer noch. Inzwischen hat fidi Regisseur Quinte um das lpcaunheimer Theater beworben. Die Verhaiidlui'.gen mit Brand m Wien smd an der Kontrakternouerung Brands gescheitert, aua? das Engage­ment Heines in Hamburg scheint an Heines Bringungen ge-

65 Erstes Blatt 156. Jahrgang Samstag 17. März 1966

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