Ausgabe 
15.11.1906 Drittes Blatt
 
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Donnerstag 15. November 1V06

156. Jahrgang

Nr. 2 69

Drittes Blatt

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen

zahlreichen Anwesenden »dann die Sitzung.

der Mitnahme der S

Vrschetnl »tzli- mit Au «nähme des Sonntags.

Die Lietzener ZamiNendlätter" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Laidwtrt" erscheint monatlich einmal.

Rotationsdruck and Verlag der UnwersitätSdruckeret. ÖL Lang«,

Redaktion, Expedition a. Druckerei: Schulkir.D

Tel. Nr. 6L Telegr.-Ädr.; Anzeiger <Lletze».

Friedberg u. a. m.

Hierauf erstattet' noch Pfarrer v. Schlosser als Vor­sitzender der Kommission für Jugendfürsorge kurzen Bericht über die Tätigkeit dieser Kommission, woraus hervorging, daß die spezielle Arbeit an der schulentlassenen Jugend, wo sie in Angriff genommen worden ist, vorwärts gehe. Mit kurzem Tanteswort an die zahlreichen Anwesenden

chloß der Vorsitzende D. Schlosser so' .

Um 6i/i Uhr begann der Festgottesdienst in der Stadt­kirche, wobei Pfarrer Volp-Laubach in geistvoller Weise über die Geschichte vom Kranken am Teichs Bethesda (Joh. 5.) predigte, die eine Tat Jesu in der Arbeit der

Acht Monate für eU Paar Schuh«.

Im vergangenen Frühjahr arbeitete der Dienstknccht I. Sch. von Nieder-Klein bei einem Landwirt zu Bad- Nauheim. Er verließ ohne einen Grund anzugeben, den Dienst unter Zurücklassung verschiedener Kleidungsstücke. Vor kurzer Zeit suchte er die Hofterte tre5 Landwirts wieder auf und nahm, als er niemand vorfand, ein Paar im ftofe stehende, dem Sohn seines früheren Dienstherrn ge­hörige Schuhe mit. Er hinterließ einen Zettel, auf dem er

m Schuhen mi erwähnen, w Als die Leute zu Hause cmaekommcn das schöpften sie Verdacht gegen

wird.

In der sich an die Ausführungen der beiden Redner anschließenden lebhaften Diskussion beteiligten sich Super­intendent D. Petersen--Darmstadt, Prof. Munster-

und aina daun nach »erlangen ebenfalls vollste Aufmersiamkeit. Untere Politik lasse oaun nau> o{clfad) Ruhe und Slevglcit vermisse. Eme momentane Kriegs- qefahr liegt unseres Erocktms nicht vor. Eine offene Ausivrache

Gießener Strafkammer.

)( Kietzen, 13. November.

Oeuttzchex ÄeLchstag.

Sitzung vom 14. N o v e m b e r 1906.

Am Bundesratstische: der Reichskanzler, die Staatssekretäre v. Tirvitz und v. Stengel, Kriegsminister v. Einem und Kolonial- direktor Dornburg. .

Aut der Tagesordnung steht die I n t e rp e l l a tr o n B a s s er­mann, betr. die a u s w ä r t i g e P o l i t i k.

Der Reichskanzler erklärt sich bereit, die Interpellation

sofort zu beantworten. - -

Abg. B assermann weist in der Begründung der Inter­pellation nui das starke Gefühl der Unzufriedenheit und Ver­stimmung im Daterlande in den letzten Wochen hin. In dieser Richtung sprach sich die Presse fast aller Parteien aus; insbesondere weckte die Veröffentlichung der Memoiren von Hohenlohe über das vorzeitige Ausscheiden Bismarcks aus dein Amte dieses Gefühl. Das Vertrarien, das zu Bismarcks Zeiten vorhanden war, be­herrscht das deutsche Volk nicht mehr. Vielfach sei man der Memung, datz die hohen Posten und exponierten Stellungen in der Diplomatie nicht durchweg nach der Leistungsfähigkeit besetzt sind, sondern daß Rücksichten auf die persona grada und eradissima ausschlaggebend seien. (Sehr gut! links.) Tie zielbewußte Friedenspolitik Bismarcks ist verschwunden.- Zu jenen Zeiten war Deutschland noch beliebt. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) linier Verhältnis zu Italien hat sich langsam verschlechtert. Italiens öffentliche Meinung neigt mehr zu Frankreich. Dazu kommt die Verschlechterung der Beziehungen zwischen Oester­reich und Italien. Oesterreich spielte auf der Konferenz von Algeciras nicht die Rolle eines brillanten Sekundanten, sondern die eines unparteiischen Richters. Die Verhältnisse Ruß­lands sind für uns nicht günstig. Eine Einmischrmg in die inneren Verhältnisse Rußlands halte er jedoch für ausgeschloffen. Ter Angelpunkt der Politik liege jedoch in England, das nut ftteibe- wußter Politik auf eine Isolierung Deutschlands Hinzurielen scheint. Tie gegenwärtige Lage fei nicht rosig. Eine akute Gefahr sei wohl _________ , - . . _ noch nicht vorhanden, auch gegenüber dem Ministerium Elemenceau vermerkt batte, daß er dagewesen sei, erwähnte aber von njd)t Gir leben heute m emer Zeit, wo der Friede nur durch Lv*. ZIL»Luv Schuhe nichts. Seine Reise führte ihn Bündnisse aufrecht erhalten wird, deshalb scheint die Gefahr für an dem Acker vorbei, auf dem der Landwirt mit ferner Deutschland besonders groß zu sein. Die Unruhen auf dem Balkan

ffr irnfprllieTi: sich mit den Leuten ohne und die Verständigung Englands mit über die asiatische Bewegung W Äverlangen ebewaK vollste Aufmerksamkeit. Unsere Politik laste Fehlen 6er Schuhe merkten, schöpften sie Verdacht gegen allgemeine Politik könne nicht schaden. Wir wünschen sie nicht den Angeklagten und erhoben Anzeige, worauf er m flu5 'Gefühl der Angst oder der Schwar-zseherei heraus; der *-- efg zuerst den De)ii> Wrundzug unserer Aussprache muffe Offenheit und Wahrheit lein, n itnb beschlagnahmt (Beifall rechts und bei den Ralionalliberalen.)

Hieraus ergriff der Reichskanzler das Wort.

Fürst Bülows Rede.

inneren Mission war.

Auf 9 Uhr abends war in Steins Garten eine öffent­liche Versammlung angesetzt, die unter der dankbaren Mit­wirkung unseres trefflich" geschulten Kcrchengesangvereins einen schönen, befriedigenden Verlauf nahm und gut besucht war. Es wurden zwei' treffliche Ansprachen gehalten, die erste von D. Wurster-Friedberg überFürsorge für die konfirmierte Jugend", wobei der RLdner hauptsächlich Bilder aus seinem Leben vorsührte. Ec empfahl die Grün­dung von Jünglings- und Junafrauenveretnen aus bibli­scher Grundlage. Der zweite Redner war Pastor Jules Rambaud, der in sehr I&ßenbiger Weise von der belgi­schen Missionskirche erzählte. Eine für die Zwecke seiner Arbeit in dieser Kirche erhobene Kollekte Betrug 92 ML

Der Reichskanzler sprach zunächst seinen Dank aus für die vielen freimdschastlichcn Beweise persönlichen Wohlwollens während seiner Erkrankung. Der Reichskanzler behält sich sodann vor, auf manche von Wassermann berührten Punkte im Lause der Debatte zuruckzukommen. Was unser

Verhältnis zu Frankreich

angeht, so muß man unterscheiden zwischen dem, was vielleicht wünschenswert, und dem, was nach Lage der Dinge möglich sei. Der Gedanke eines engeren Anschlusses oder eines Bündnisses nüt Frankreich, der hier und da in der Presse austaucbte, sei bei der Stimmung in Frarckreich nicht realisierbar. Ich habe vor Jahren die Ehre as­

st a n d genommen.

Ein Antrag des Syn. Wahl-Langen, betr. die amt­liche Kirchensprache, in welchem an das Oberkonsi­storium die Ditte gerichtet wird, es möchte bei dem deutschen evangelischen Kirchenausschuß die Beseitigung überflüssiger Bezeichnungen in der amtlichen Kirchensprache, beziehungs­weise deren einheitliche Ersetzung durch geeignete deutsche Ausdrücke in Anregung gebracht werden, beantragt der Aus­schuß die Genehmigung Msselben, worauf der Antrag ein­stimmig angenommen wird.

Zum Schluß kommt noch ein Antrag der Syn. Wahl- Langen und Gen. zur Verhandlung. Die Synode wolle ihr Bureau beauftragen, nach Ermessen unter Aufrechterhal­tung voller Freiheit der Presse eine eigene Bericht­erstattung der Verhandlungen der Lanbcssynode zu veranlassen.

Der dritte Ausschuß beantragt durch seinen Referenten Syn. Römheld -Nidda unter Hinweis auf die tendenziöse Berichterstattung der Frankfurter Ztg. die Annahme des Antrags.

Berichterstatter Vogt-Butzbach stellt denselben Antrag namens des Finanzausschusses unter Hinweis darauf, daß eine solche Korrespondenz nicht besonders hohe Gcldkostcn verursachen werde. Auch der Gesetzgebungsausschuh schloß sich dem Antrag an.

Syn. Wahl-Langen begründet feinen Antrag und be­merkt, die Zuverlässigkeit in der Berichterstattung in der auswärtigen Presse stehe im umgekehrten Verhältnis zu deren Wichtigkeit. Die Freiheit der Ptesse wolle niemand antasten, aber die Shncche habe einen Anspruch darauf, daß objektiv und richtig über die Verhandlungen berichtet werde. Tie draußen im Reich verbreiteten Berichte, beson­ders derFranks. Ztg." und dasVerl. Tcrgcvl.", hätten z. B. den Fall Korett in einseitiger Weise dargestellt und gäben ein falsches Bild von den syn. Verhandlungen.

Syn. Justizrat Dr. Lucius-MdLnz schildert einen ihn betreffenden besonders krassen Fall cms derFranks. Ztg." Solche Erfahrungen zwängen die ©mtobe zu dem Antrag, den er einstimmig anzuuehmen Bitte.

Der Antrag wird darmrs einstimmig ange­nommen.

Die Beratung ist damit ersc^jpft und

Svn. Pfarrer L üh l-Nicdercschboch nimmt Gelegenheit, dem Präsidenten für seine Geschäftsführung bre Anerkenn­ung und den Dank der Synode auszusprechen.

Mit einem Schluß geb et des Spn. Pfarrer Sack-Bosen- heirn schließt darauf die diesjährige Tagung der Landessvn ode._________

berg festgenommen wurde. Er leugnete zuerst den Bejch der Schuhe, bis sie bei ihm vorgefunden und beschlagnahmt wurden. Bei der Verhandlung gab er die Wegnahme der Schuhe zu, er behauptet aber, diese seien sein Eigentum, er habe sie bei seinem Weggang znrückgelaffen. Demgegen­über bekundeten fünf Zeugen, daß die Schuhe dem Sohn des Landwirts gehörten. Der Staatsanwalt ließ aus den Vorstrafakten feftfielfen, daß dies eine dem Angeklagten eigene Ausrede ist. Als er Br dem DieBstahl eines Rockes abgefaßt wurde, gab er cm, er habe geglaubt, dieser gehöre ihm, während er, als man ihn bei dem Wegnehmen eines Regenschirms ertappte, angab, er habe den Schirm, den er verwechselt hat, wieder zurückbringen wollen. Das Gericht diktierte ihrch in der Annahme, ba& er bewußt fremdes

fei seiner Vernehmung vor dem Steuerkommissariat zn- geben mußte, daß seine Angaben unrichtige sind, trug er gerichtliche Entscheidung an. Das Schöffengericht erkannte den Einspruch, soweit er die unrichtige Angabe deS Ver­mögens betrifft, als berechtigt an und ließ Freisprechung eintreten, da der Angeklagte behauptete, sein Vermögen et infolge eines Schreibfehlers statt auf 2220 auf 220 Mark angegeben worden. Bezüglich der unrichtigen Angabe des Einkommens wurde er für schuldig befunden, doch etzte das Schöffengericht die Strafe auf 1 Mk. heräb. Das Steuerkommissariat und die Staatsanwaltschaft als Neben- Häger erhoben Berufung, um eine höhere Strafe und Ver­urteilung in beiden Fällen zu erzielen. Das Berufung^ gericht kam auf Grund der Beweisaufnahme zu der lieber» zeugung, daß dem Angeklagten in beiden Richtungen Fahr­lässigkeit zirr Last fällt. Der Umstand, daß er die von einem Bruder verfaßte Deklaration nur unterschrieben hat, kann ihn nicht entschuldigen; auch hatte er in die Dekla­ration das Einkommen seines Sohnes, der int Geschäft tätig ist, einbegreifen müssen.. Das Schöffengerichtsurteil wurde aufgehoben und wegen jeder der Verfehlungen auf eine Geldstra fc von 10 Mark erkannt.

Eigentum weggenommen hat, wegen Diebstahls im Ruck­alle eine Gefängnisstrafe von 8 Monaten Lu.

Schuhe für den Bräutigam.

Die 17jährige berufslose M. L. von Schwalheim hat mit dem 30fädrigen vielfach und mit Zuchthaus bestraften Gelegenheitsarbeiter G- Ad. L. zu Bad-Nauheim ein Liebesverhältnis, weshalb sie von ihren Angehörigen ver- toßen ist. Auf Antrag deS VaterS des Mädchens wurden >ie beiden wegen ihreS unerlaubten Zusammenlebens von der Polizei verwarnt und dem Mädchen die Zwangserzieh­ung angedroht. Als L. eilte Zeitlang außer Arbeit war und er keine Schuhe mehr hatte, veranlaßte er das Mäd­chen, ihm solche zu verschaffen. Sie ging in ein Schuh- gcscbäst zu Bad-Natthcim und verlangte, unter Angabe eines falschen NamenS, Stiefel zur Auswahl für ihren Mann". Es wurde ihr mißtraut, und so gab man ihr nur einen Stiefel für den Unten Fuß. Des andern Tags ging sie in die zu Friedberg befindliche Filiale desselben Geschäfts und erbat sich Stiefel für ihrenBruder", inben^ ie ebenfalls einen falschen Namen angab. Auch hier traute nan ihr nicht, doch gelang cs ihr, »wei rechte Stiefel zu bekommen. Al§ der Schwindel entdeckt war unb sie zur Rechenschaft gezogen wurde, gab sie an, von ihrem Bräu­tigam angesttftet worden zu sein, was dieser aber leug­nete, trotzdem er die ungleichen Stiefel an den Füßen trug. Da? Gericht hielt ihn der Anstiftung zum. Betrug und der Hehlerei für schuldig und erkannte auf eine Ge­fängnisstrafe von 10 Monaten. Mit Rücksicht auf eine ehrlose Gesinnung sprach es ihm auch die bürger­lichen Ehrenrechte auf 3 Jahre ab. Da Fluchtverdacht vor- liegt, erging Haftbefehl, was seine Ucbersührung in das Gefängnis zur Folge hatte. Tas Mädchen erhielt wegen Betrugs eine Gefängnisstrafe von 4 Wochen, wo­bei seine Jugend strafmildernd in Betracht Farn.

Fahrttissigfett bei der Steuerdeklaration.

Das Steuerkommissariat erließ gegen den Spenglermeister A. H. II. von Friedberg wegen fahr-

28. Jahresfest des Dbertzesstsrhen Vereins für innere Miffio«.

D. Gießen, 13. Nov.

1. Tag.

Im oberen Saale des ScmeürdehauseS, KLrchstraße 9, begann heute vormittag 9 Uhr mit einer geschlossenen ©or- standSsitzungderOberhessiscbenErziehunaS- ver eine das diesjährige Jcchresfest des Oberhessischen Vereins für innere Mission. / Um 9i/2 Uhr schloß sich eine öffentliche Versammlung an, in welcher Pfarrer Brill überDie Vormundschaft für unsere Pfleg- , finge und die Verrechnung ihres Lohnes" refe­rierte. Er hielt es für wünschenswert, wenn der Geschäfts­führer des Vereins die Lohn Verrechnung vornimmt, wozu er der Vollmacht durch den Inhaber der elterlichen Gewalt bedarf. Die Versammlung, an der außer Bereinsmitglie- dern auch Vertreter der Kreisämter Büdingen und Alsfeld, sowie Oberstaatsanwalt Theobald von hier und P. Plattin als Vertreter des Zentralausschusses.für innere Mis,ion in Berlin tcilnahmen, folgte dem interessanten Vortrage mit sichtlicher Aufmerksamkeit. DaS machte sich auch an der sich daran anspiimenden regen Diskussion bemerkbar, in der Oberstaatsanwalt Theobald besonders wichtige Aufschlüsse

Ordentliche Evangelische Landessynode.

VHI.

R.B. Darmstadt, 14. Nov.

In der heutigen Sitzung gibt zunächst ©bn. W a h l - Langen als Ausschußreferent Bericht über die Kosten des neuen Synodalgebäudes. Diese belaufen sich auf insgesamt 135 489 Mk., wobei jedoch die Kosten für die innere Einrichtung, Heizung und Bauleitung nicht ein­begriffen sind. Die Baukosten sind um ca. 6000 Dök. ge­ringer, als im Voranschlag vorgesehen war.

Erster Beratungsgegenstand ist die Interpellation der Syn. Jost, Bechtheim u. Gen., betr. den Verkauf von Pfarrweinbergen in der Provinz Rheinhessen, die dahin geht, ob es wahr fei, daß in einzelnen Pfarreien dieser Provinz Pfarrweinberge fast unglaublich billig ver­kauft werden. Der Interpellant führt zur Bcgrirndung aus, daß in letzter Zeit die Weinpreise Bebeutcnb in die Hohe gegangen sind und auch Beim Verkauf von WeinBergen feien meist Bessere Preise Bezahlt worden, clls ftüher, mit- ir '.er 5726 Mk. für einen Quadratklastcr./ Da sollte man mit Veräußerungen von PfarrweinBergen in der Zukunft nicht mehr so schnell zur Hand sein.

Oberkonsistorialrat Nebel weist an der Hand einer vorgelegten Statistik nach, daß die im Jahr 1904 ver­steigerten Pfarrweinberge in Rheinhessen wesentlich höhere Erträge lieferten, als nach dem bisherigen Anschlag.

Zweiter Gegenstand der Beratung ist die Vorlage des Oberkonsistoriums, betr. Aenderungen in den Kirchen- und Pfarreiverhältnissen. Darnach wurden in Bürstadt und in Affolterbach selbständige Kirchengemeinden gebildet. Für Groß-Gerau ergab sich die Notwendigkeit der Gründung einer zweiten Pfarrstelle, und in Kostheim, deren evang. Gemeinde feit 1886 zu Kastel gehörte, wurde infolge des raschen Anwachsens der Gemeinde (1900 : 867, 1903: 1100) die Erbauung einer neuen Kirche und die Gründung einer Pfarrstelle nötig.

Die Synode genehmigt die Vorlage einstimmig.

Zur Beratung kommt weiter der Antrag der Syn. D. Schlosser und Gen., die d i e n st p r a g m a t i s ch e n Rechte der von dem Landesverein für innere Mission angestellten Geistlichen betreffend. Da Präsident v. Buch­ner erklärt, daß eine Vorlage über diese Frage in Aus­arbeitung sei, lsird von einer Beratung des Antrags Ab-

über die angeregte Frage gab. Ein Schlußantrag, den 1 Verbandstag der Oberhessischen Er^iehungSvereine künftig­hin nicht mehr mit dem Jahresfest deS Oberhessischcn Vereins für innere Mission zusammenzufegen, wurde dem Vorstand zur näheren Erwägung zugewiesen.

Nachmittags um 3 Uhr hatte der Vorstand deS Ober- hessischen Vereins für innere Mission mit den Synodalvertretern eine Sitzung, die auch den sonstigen Mit­gliedern des Vereins zrrgänglich war. Der Saal war voll­ständig besetzt; stand doch auf der Tagesordnung ein Vortrag von Professor D. Drews-Hier über ein für unsere Hess. Landeskirche sehr aktuelles Thema:Das Sekten wesen i n O b e r h e s s e n". Aus den klaren Darlegungen dc§ Vor­tragenden sei folgendes hervorzuhebrn: Von einem starken Auftreten des Sektenwesens Tann in Oberhessen keine Rede ein. Es hat sich im großen und ganzen in zwei Strichen verbreitet, von Büdingen nach Friedberg zu und von Gießen durchs Busecker Dal hin, während der Vogelsberg mit kleinen Ausnahmen frei ist. Als hier auftretende Sekten sind die Methodisten, Baptisten, Dcrbysten, Jrvinzianer, Adnentisten und Mormonen zu nennen, bie hier in Gießen sämtlich ver­treten sinb, während in anderen Gemeinden nur bie einen ober die anderen Vorkommen. Ihre Organisation ist im allgemeinen sehr lose, mit Ausnahme der Baptisten, die jedoch nur- gegen 150 Mitglieder zählen und damit die am tärksten auftretende Sekte sind. Ihre Anhänger sind meist kleine Leute, vornehmlich Frauen und stehen in sittlich- religiöser Beziehung nicht über dem Niveau der Durch­schnittschristen der Landeskirche. Die Sektiererei in den ein­zelnen Gemeinden ist meist Vvn außen hereingetragen, plan­mäßige Propaganda wird von ihr nicht getrieben. Zu den Sekten rechnet der Vortragende nicht die Krischone, deren Sendlinge auch hier in Gießen sich bemerkbar machen, die aber auch schon ihren Höhepunkt überschritten habe. Auch die separierten Lutheraner, die in Allendorf a. d. Lda. ihren Mittelpunkt für Obcrhcssen haben, zählen nicht zu bett eigentlichen ©eitierern. Ae sektiererischen Bewegungen M^^^tiner ° Atta-be seines Einkomtnens einen ftnb nur zu überwinden durch den des EbungeltnmS Strafbescheid übe? 10 Mk und wegen unrichtiger Angabe wie tott iljn nüchtern, gesund, rein und lauter bei Luther Verminens einen solckrcn über 1 Mk. Trotzdem er indcu. . - ~ -----

Zu den Ausführungen des Redners, die die Versam^rn- tung mit reichem Beifall lohnte, zeichnete nun Professor Köhler-hier in kurzen, markigen Zügen den geschicht­lichen Hintergrund, indem er auf die Wiedertäufer, den Pietismus und die Erweckungszeit des 19. Jahrhunderts hinwies und den Anteil zeigte, den der Adel, die Städte und das flache Lems) -.ctn der Entwicklung der Scktiererei nahmen. Er ist der Ansicht, daß diese Bewegung nur dadurch zu überwinden ist, daß man die darin zu tage tretenden Kräfte für die Landeskirche fruchtbar zu machen sucht, wodurch die Beweaung selbst überflüssig