in Hessen versteuert wird, betrügt 1804 000 Mk. (wohl die Van? für Handel und Industrie in Darmstadt), lieber 100 000 Mark Einkommen sind 108 vorhanden, davon vier in Gießen, einer in Friedberg und einer in Bad-Nauheim.
— Theater-Neubau. Die Bildhauerarbeiten an der Haiiptfaffade sind soweit gefördert, daß sie in acht bis zehn Tagen beendet sein werden und ein Teil beS Gerüstes an der Südseite entfernt werden kann. Die Lieferung des für den Zuschauerrauin nötigen Gestühls ist der Firnra Th. Brück übertragen worden. Von der Thcater-Baukoin- mission ist das von dieser Firma angebotene Fabrikat Hyan- Berlin angenommen worden. Die Herstellung der Kunsl- glaserarbeiten wurde an Benz u. Nast in Darmstadt, die dec Messingverglasung an I. Hirz in Gießen und die Lieferung der feuerfesten Türen an C. Loch in Darmstadt übertragen. Die Vergebung der Marmorarbeiten steht noch üu5.
j Steinbach, 12. Dez. Am Montag ereignete sich in der hiesigen Pitzschen Dampfsägerci ein bedauerliche Unglücksfall; dem Sohne des Besitzers, Friedrich Pitz, wurde durch die Kreissäge ein Dauinenglied abgesägt und die ganze Hand aufgerissen. Der junge, erst seit kurzem verheiratete Mann wird allgemein bedauert. —
△ Grebenhain, 12. Dez. Bei der heutigen Bürgermeisterwahl wurde der seitherige sehr beliebte Bürgermeister Ludwig Jost II. mit 92 Stimmen einstimmig wieder gewahrt.
Darmstadt, 12. Dez. Hier gastierte am Hofthealer Herr H. Zoder für das Fach des jugendlichen Komikers. Als Eelestin in der „Mam'zelle Nitouche" erbrachte er den Nachweis, daß er die für die Operette notwendige Geschmeidigkeit besitzt. Auch im Gesang bot er eine gute Durchschnittsleistung. (Zoder gehörte vor einigen Jahren dem Gießener Stadttheater an. Er ist z. Zt. in Danzig engagiert. D. Ned.) h. Singen, 12. Dez. Vom Abg. Reinhard Schniidt hieß es, daß er bei der nächsten NeichStagswahl nicht mehr kandidieren werde. Wie roir erfahren, handelt es sich hierbei wieder um vollständig grundlose Gerüchte.
Frankfurt, 12. Dez. Bei den heutigen Stadt- verordneten-Stichwahlen wurden gewählt int zweiten Bezirk (Sachsenhausen): Dröll (forschr.), Weitz (nat.-llb.) Stoltze (Dem.); im dritten Bezirk (Altstadt): Birkenstock (nat.-lib.), Franz (Dem.), im vierten Bezirk (Südwesl): Eich- städt (fortschr.), Kirschner (fortschr.), Kugler (nat.-lib.), im siebenten Bezirk (Bornheim): Gräf (soz.), Tillmann (soz. , B. Schmidt (soz.), im zehnten Bezirk (Oberrad): Bmdcwald (Dem.). Es wurden also je drei Demokraten, Fortschrittler, Nationalliberale und Sozialdemokraten und zwar mit erheblichen Majoritäten gewählt. Die Mittelstandsparlei der ^Vereinigung für kommunale Wahlen* (Zentrum, evang. Vereinigung, Zünftler und Antisemiten) ging, wie bei der Hauptwahl vor drei Wochen, leer ans. Sie hat sämtliche sieben Sitze, die sie zu verteidigen halte, verloren. Die Stadtverordneten-Versammlung setzt sich nunmehr aus 24 Demokraten, 13 Fortschrittlern, 13 Nationalliberalen, 8 Mittelständleru und 6 Sozialdemokralen zusammen.
Die Verlegung des gesamten Personen- und Güterbahnhoss Friedberg.
△ Friedberg, 12. Dez.
Nachdem vor kurzem seitens dec ^isenbahndiceition Frankfurt a. M. hier die Nachricht von der geplanten Verlegung bey gesamten Personen- und Güterbahnhosts eingetrosfen. ist, ist der größte Teil der Bevölkerung unserer Stadt in Aufregung geraten, die teils freudiger, größtenteils aber gegenteiliger, Natur ist. Man kann wohl sagen, daß hierbei das eigene Interesse ausschlaggebend ist. Während etwa % der Bevölkerung von^ der Verlegung des Personenbahnhofs cinc Schädigung ihrer Geschälte und Wertobjekte erwarten, sind die Bewohner des südlichen Stadtteils wegen des dort zu erwartenden regeren Geschäftsverkehrs und der Wertsteigerung ihres Besitzes freudig erregt. Wie gesagt, ist der größte Teil der mittleren und, nördlichen Stadt von der Nachricht höchst unangenehm überrascht worden, zumal die Folgen für eine außerordentlich große Zahi von Geschäften, Wirt- )d)Qiten usw. in wirtschaftlicher Hinsicht sich in niederdrückender Weile zeigen werden. Nun hat der Bürg er verein sich der Angelegenheit angenommen und sie auf die Tagesordnung einer allgemeinen Vürgerversammlung gesetzt, und hier dürsten wohl die beiderseitigen Richtungen zulammenprallen. Die projektierten Neuanlagen werden zirka 500 Meter südlich vom jetzigen Bahnhof kommen, dies woU auch aus dem Grunde, weil dann die Bahnstrecke Friedberg — Homburg eher zweigleisig hergestellt und irt ihrer Einführung in den Friedberger Bahnhos verlegt werden kann, und weil durch die Verlegung die Einführung der schon seit Jahren projektierten Linie Friedberg — Florstad t — Ranstadt ermöglicht wird. Wenn auch die U fatal bahn und die Wettertalbahn anscheinend nicht bis Friedberg durchgeführt werden sollen, so wird Friedberg doch in reichlichem Maße den Uebergangsverkehr auszunehmen haben. Um aber alle diese Projekte ausfuhrm und die damit verbund-enen Verkehrs Weigerung bewältigen zu köimen, genügt weder der Bahnhof selbst, noch die Bahnstechverhältnisse. Zu weiterer Anlage von Bahnsteigen ist der Bahnhof nicht geeignet, ba das Gelände nach dem Rofen- tal jäh absällt, ähnlich dem Gelände am Gießener Bahnhof. Die Verlegung des Gesamtbahnhoss erscheint also als eine unbedingte Notwendigkeit im Interesse Friedbergs und seiner beträchtlich wachsenden Bevölkerung. Man hofft auch, daß die Verlegung nach dem südlichen Stadtteil einen rascheren Ausbau dieses Stadtteils mit sich bringt, der große Flächen besten Baugeländes abgibt. Dadurch kann dem recht empfindlichen Wohnungsmangel, der sich bald zur Wohnungsnot steigern dürste, abgesehen werden. Friedberg hat in den letzten zirka fünf Jahren so zugenommen, daß es sich bei einer weiteren gleichstarken Zunahme in etwa 30 Jahren fast verdoppeln wird. Wie verlautet, hat die Bahnbehörde die Errichtung von Beamtenwohnung e.n ins Auge gefaßt, um in dieser Beziehung einer Kalamität vorzubeugen. SenterIt sei noch, daß die Enenvahnbehörde bereits vor zwei Jahren im Stadt- teil Fauerbach für etwa 250 000 Mk. Gelände ankau,te. Da man aber ursprünglich nur an die Verlegung des Güterbahnhoss dachte, so soll zur Gesamtverlegung des Bahnhofs noch weiteres Gelände angekaust werden.
Vermischtes.
* Der durch b ie Explosion der Roburitfabrik in Annen angerichtete G e s a m t s ch a d e n beträgt nach der Feststellung der amtlich bestellten Sachverständigen 1 0 2 7 000 Mark. Bei der Stadtratsrasse in Witten sind bis jetzt über 300 000 Mk. an freiwilligen Gaben für die Opfer cingegangcn.
* Newyork, 12. Dez. Ein au)'regender Zwischenfall ereignete sich hier bei einem Bioeir ab Kennen. Ttzr italienische Nadrenner Vannoni fuhr mit g.rßer Geschwindigkeit, QiS plötzlich ein Zuschauer den Versuch machte, ihn zu ermorden. Dieser Zuschauer stand aus der dritten Galerie und schleuderte ein großes Bowiemesser gegen Vannoni. Ein Zu- schauer sah die Ge,cchr und rief dem Renner eine Warnung zu. Vannoni machte rasch eine ausweichende Wendung und entging knapp dem fliegenden Messer. Die Leute aus der dritten Galerie warfen sich .am, den Attentäter und versuchten ihn zu lynchen, er entkam aber in der allgemeinen Verwirrung.
*Der Bauer mit dem Sonnenschtr m. Die
erste Landtagdwahl nach der neuen Verfassung hat ganz Württemberg in große Aufregung versetzt. Der Wahlkampf treibt seltene Blüten. Am Fuße de§ Hohenstaufen liegt das malerische Dorf Eschenbach. Aus dem Orte, das den Namen des berühmten Minnesängers Wolfram trägt, ist der Schultheiß als Kandidat für den Landtag aufgestellt. Aber ein Prophet gilt auch nichts in Eschenbach. Im „Hohenstaufen* veröffentlichen die Bauern eine Erklärung gegen ihren Schultheiß. Ihm wäre schon vom Vater ein gewisser Stolz ein» gepflanzt worden. „AuS meinem Hansjörg, habe er gesagt, habe ich einen Schulmeister gemacht, meinen Andres ließe ich Pfarrer werden, aber dann wäre in Eschenbach kein gescheiter Bauer mehr.* 1886 habe der Sohn, als Geschworener in die Kreis Hauptstadt berufen, gesagt, „er habe sich heute als Feldwebel photographieren lassen, nur schade, vor seinem Vollbart sei der große Wappenknopf nicht zu sehen." Damals trug er aber schon einen goldenen Zwicker. Wähler! ist das Sparsamkeit, wenn sich ein Kuh bauer im goldenen Zwicker als Feldwebel photographieren läßt? — Als Feuerkommandant war ihm der Helm, der ihm von der Gemeinde zugewiefeu wurde, nicht gut genug. Neben dem Waffenrock trägt er noch den Offlziersüberrock; die zweitönige Huppe durfte auch nicht fehlen. Wähler! Da seht Ihr wieder, was er für ein Spar- mann ist. Eines Tages ging er hinaus, um Arbeiter zu beaufsichtigen, die an den Feldwegen beschäftigt waren, und siehe da, er kam in seinem Anzug und mit Sonnenschirm."
♦ Der Toilettenbudget o e r modernen Amerikanerin. Dian predigt und immer wieder, daß die Amerikanerin des 20. Jahrhunderts das vollkommenste Geschöpf unter der Sonne ist, — die einzige Frau, die das Leben von der richtigen Seite anzufassen versteht. Das mag in mancher Hinsicht zutreffen, sicher ist aber, daß die Amerikanerin unserer Zeit auch anspruchsvoller ist als ihre europäischen Mit- schwestern. Eine der elegantesten Damen Newyorks, Miß Morosini mit Namen, deren Vater, em Italiener, in den Diensten des berüchtigten Jay Gould zu Vermögen kann, hat kürzlich allen Ernstes öffentlich erklärt, daß eine Amerikanerin, die ein bißchen was auf sich hält, mindestens 200 000 Doll., also 800 000 Mk. im Jahre gfic ihre Toilette braucht. Die Summe Hingt ganz ungeheuerlich hoch, ober Miß Marosini findet sie eher noch zu niedrig bemessen. Denn sie selbst zeigt sich selten außerhalb ihres Hauses — und wann ist die moderne Amerikanerin zu Hause — zweimal in demselben Kleide. Ein Paar Handschuh zieht sie nie öfter als einmal an, an ihrer Leibwäsche trägt sie ausschließlich echte, kostbare Spitzen, und jedes Paar ihrer Strümpfe kostet 200 Mk. Sie rechnet nun folgendermaßen: Die elegante Amerikanerin unserer Tage braucht 100 Straßen- und Abendkleider, jedes durchschnittlich zum Preise von 4000 Mark; macht allein schon zusammen 400 000 Mk. Die übrigen 400 000 Mk. gehen drauf für: 60 Schlafröcke, das Stück zu 240 Mk., Wäsche im Werte von 80 000 Mk., 50 Paar Schuhe, das Paar zu 200 Mk. und 365 Paar Handschuhe, zu verschiedenen Preisen; Pelzwaren, Schmuck, Taschentücher usw. Dian wird zugeben, daß das ein bischen viel ist. Und wenn es aiich ohne Zweifel jenseits des Ozeans Mllliardärsgattinnen gibt, die jahraus jahrein ein derartiges Vermögen für Toiletlentand zum Fenster hinauswerfen, so darf maii doch annehmen, daß sie nur eine verschwindende Mehrheit bilden, — zum Glück für die Amerikaner, die jJtänner.
* E i n Weihnachtsgeschenk von 600 Millionen Mark. Ein anständiges Weihnachtsgeschenk erhalten diesmal die Aklionäre der amerikanischen Great Northern Eisendahn. Jedem Aktionär werden gratis Obligationen der Bahn un Betrage von 10.) Dollar pro Aktie zugeteilt. Ta 1500 000 Aktien vorhanden sind, so ist der Gesamtwert dieser Vergütung nn die Aktionäre 150 Millionen Dollar oder in deutscher Währung mehr als 600 Millionen Mart.
* Kleine Tageschronil. In München wurde der L a z a r e t t g e h ü l f e Schulz, der unter A n maßung d e v Amtsgewalt einesStabsarztesFrauen unbMäb - ch e n von Angehörigen des Alllilär-Siandes untersuchte, zur Beobachtung seines Geisteszustandes in das Militär-Lazarett überführt.— In München hat sich der 22 jährige Nechispraklikant Georg Hermann, der einzige Sohn seiner in Berlin lebenden Mutter erfchosien. Er litt an nervösen (Störungen. — Aussehen erregt der Selbstmord desStadtpflegersNeiser von Eßlingen, welcher aus dem Friedhöfe in Eannstadt vergiftet nufgehmben wurde. Die Kasse des Stadtpflegers soll in Crbnung sein. — Nach Genuß von Fischen ,var kürzlich im Kölner Vorort Lindenthal eine Familie lebensgefährlich erf r an £ h Nunmehr ist der Alami gestorben. Die übrigen Familienmitglieder, die Frat» unb drei Kmber, liegen noch schwer frrntt darnieder. — In Trier wurde der städtische V o l l z i e h u n g S b e a m t e Lippmaim wegen 'JB u d) e r § verhaftet. In diese Angelegenheit solleit angesehene Bürger unb em Offizier verwickelt sein.
Universitäts-Nachrichten.
— Seinen 70. Geburtstag feiert am 16. Dezember der Wirkt. Geh. Rat Professor v. Bergmann, Mitglied des Herrenhauses, Generalarzt (mit dein Range als Generalmajor) ä la suite des Sauttätskorps, Direktor des Klinischen Instituts für Chirurgie, Mitglied der Wissenschastlld)en Deputation für das Mebizinalwesen und des Neichsgesundheilsrates, Vorsitzender des Zentralkomitees für das ärztliche Fortbilbungswesen in Preußen. Der weltbekannte Chirurg ivurbe zu Riga geboren. Seine mebizinisd)en Stubieu absolvierte er in Dorpat, Wien und Berlin. 1860 promovierte er in Dorpat, wurde dann Assistent an der chirurgisd)cn Klinik und habilitierte sich 1864 für Chirurgie daselbst. Am deutsd)-französ. Kriege beteiligte er sich m den verschiedensten Stellungen und kam als Militärarzt bis vor Paris. Nack) Beendigung des Krieges kehrte er nack) Toipat zurück, wo er 1871 ordentlicher Professor wurde. Als der riissisd)-türkisd;e Krieg ausbrad), wurde er zum Konsnlteutchirurg der Tonauarmee ernannt unb trat wieber in den aufregenden Dienst eines Knegsarztes. Nack) dem Fall Plewnas kehrte er nad) Dorpat zurück unb erhielt von verschiedenen Seiten Berufungen, von denen er die nach Würzburg 1878 annahm. 1882 wurde er an die Berliner Universität berufen. 1884 schlug er eine Berufung nach St. Petersburg ans.
— Eine d e r j d) u l b e t e Universität. Die Columbia-Universität i n N e w - P o r k, bie größte unb erste m den Bei einigten Staaten, befindet sich in großer Fmanznot. Wie der nugenb(idlid)e Präsident der Alma mater in seinem Jahresbericht erklärt, belaufen fid) die Schulden der Anstalt auf nicht weniger a.s 2 900 000 Dollars. Da außerdem Neu- und Erweite- tun geb nuten dringend notwendig sind, verlangt die Universität einen staatlichen Zuschuß von rund zwölf Millionen Dollar.
— 21 n der Technischen H o ch s d) u l e z u D a r in stadt sind im Wintersemester 1906—07 1672 Studierende, 218 Hospitanten und 152 Hörer — darunter 58 Damen — eingeschrieben. Die Gesamtireguenz beträgt sonach 2042. Bon den Studierenden unb Hospitanten ftubicrten 928 Architektur, 301 Jngenieurwesen, 697 Maschinenbau, 355 Elektrotechnik unb 176 Chemie (99 Chemie, 46 Elektrochemie und 31 Pharmazie), währenb 33 der allgemeinen Abteilung angehörten. TerStaatsangehörlgkeit nad) befanden sich unter der Gesamtzahl 439 Hessen, 936 andere Reichsangehörige (darunter
642 Preußen und 112 Bayern) unb 667 Ausländer (banmtet; 523 Russen). Der Lehrkörper der Hochschule besteht aus 32 orbent-, liehen Professoren, 9 Honorar- unb außerordentlichen Professoren,, 37 Lehrern und Privaldozenteu und 47 Assistenten.
Berlin, 12. Dez. Die Zulassung der O b e r r e a l s ch u l a b i t u r i e n t c n zu in medizinischen Studium soll, wie mitgeteilt wird, jetzt beschlossene Sache sein. Als Bedingung soll festgesetzt werden, daß sich diese Abiturienten einer Nachprüfung in der lateinischen Sprache zu unterziehen haben, in der die Lateinkenntnisse eines Gymnasialsekundaners verlangt werden dürsten.
— E t n R e i f e st i p e n d i n m von 4000 Alk. hat Geb. Justizrat Professor Dr. Berner, der Altmeister der Straf rechtswisien- schaften, soeben der Universität Berlin überwiesen unb zur Erforschung bes Strafsystems int Auslande, besonders in England, Frankreich unb Nordamerika bestimmt. Tie Verleihung des Stipendiums erfolgt durch die Berliner juristische Fakultät. Wer zur Bewerbung zugelasseii werden will, muß Reichsbcmtscher sein unb auf einer benischen Universität die Red)te ober die Staats- Wissenschaften ftubiert haben ober studieren; er muß der e n gli - s d) e n und der französischen Sprache dergestalt mächtig sein, um von ihnen mündlich unb schriftlich ohne erhebliche Schwierigkeiten Gebrand) zu machen. Jeder zulässige Bewerber hm, um das Stipendium zu erlangen, seine wissenschastlid)e Tüchtigkeit durch eine Abhandlung über ein von ihm selbst gewähltes Thema ans dem Gebiete des Strafsystems nachzuweisen. Ter Ab- haiidlung hat der Bewerber seine Umversitäls- ober Examenszeugnisse beizulegen. Die Frist für die Einlieferung ber Bewerbungs- fd)riften an bie Fakultät enbet mit bem 1. Mai.
Bauer und Poet dazu.
Ein Freund unseres Blattes stellt uns das nachfolgende Gedicht zur Verfügung, das ein Bauersmann in der Um g eg en b von Gießen verfaßt hat. Es heißt:
Die alte Zeit.
Einst lebte der Glaube an grus'lige Dinge, Da warf nod) der Teufel leibhaftig die Schlinge Auf feiner nächtlichen Zauberfahrt Nach allen denen, die schwankender Art.
Längst machte die Wissenschaft allem ein Ende Unb knebelte Hexen unb Teufeln bie Hände, Es leuchtet dem Menschen ein stolzes Licht, Tod; kalt ist sein Sd)ein, behagt ihm nicht. And) ber Bauer von heute ist allerorten Ja längst sd)on ein rechnenbes Wesen geworben, Tas nur realistisch bie Tinge beschaut. Sein Wirken auf feste Grundsätze baut, Tod) kommen zu Zeiten für chn and) Momente, Ta erschlaffen feine so fleißigen Hände.
Tann schaut er in bläuliche Fernen so weit, Als weile sie dort, die vergangene Zeit, Unb sieht er bie Zeugen ans Schlenbrians Zeiten Als unnütz Gerät un Winkel sich breiten, Umspielen ihn wohlig, er weiß nicht wie, Reflexe cntfd)roimbener Dorfpoesie.
Gießener Wetterdienst.
Voraussichtliche Witterung für Hessen am Freitag, den 14. Dezember: Abnehmende Bewölkung, nur stellenweise geringer Schnee, kälter, nachts Frost. Veränderliche Winde.
2Cird?lid?e Nachrichten.
Israelitische Retigiousgemeiude. dotteslnrnit in der Synagoge (Südanlage). Samstag, den 15. Dezember 1906.
Vorabend 4.15 Uhr.
Morgens 9.00 Uhr.
Predigt.
Nachmittags 3.30 Uhr.
SabbatauSgang 5.15 Uhr.
Israelitische NeligiouSgesellschaft.
dnHtcsbienQ.
Sabbatfeier a in 15. Dezember 1906:
Freitag abend 4.00 Uhr.
SamSiag vormittag 8.30 Uhr. Predigt. .
Nachmittag 3.30 Uhr.
Sabbat°Ane-)ang 5.15 Uhr.
Wochengotlesdienst: morgens 7.00 Uhr, abends 8.00 Uhr.
LamMen-Nachrichten.
Gestorben: Karl 2ldolf Bast in Wetzlar. — Wilhelm Messerschmidt in Ehringshausen. — Lehrer Hermann Teckemeier in Greifenstein. — Joh. Jost Mohrherr in Wolfgruben. — Frau Bertha Fröhlich in Lauterbad). — Elise Katharine Rühl in Alsfeld.
Geboren: Ein Sohn dein Pfarrer Sohnins und Frau in Dorlar. — Em Sohn dem Wilhelm Rentzer unb Frau in Lauterbach.
Verlobte: Fräulein Gertrub Alünch in Bab-Nauheim mit Herrn Dr. med. Schaaf in Mainz.
Orrginal-Drahtmel-ungen.
Berlin, 13. Dez. In der Presse lvcrr angedeutet worden, daß der Neick)stags-abg. Roere n zu seinem (Sin* schreiten in der Angelegenheit der Adissionen in Togo und des früheren dortigen Bureau-Vorstcmdes W i st u b a durch einen ersten Schritt des Reichskanzlers veranl aßt worden sei. Ohne der in Aussicht gestellten Parlamentär. Erörterung borgreifen zu wollen, hält es die „Nordd. Äug'. Ztg." für angezeigt, die erwähnte Andeutung an der Hand des altenmäßigen Materials zu beleuchten und kommt zu dem Schluß, daß dem Mg. Noeren eine Vermittlerrolle im Falle Wistuva keineswegs von feiten der Regierung angetra^en worden sei, daß seine Vermittlung vielmehr lediglich für die Erledigung des Missionszwistes in Anspruck) genommen worden fei, daß der Abg. Roeren aber nack) der Erledigung dieses Zwistes versucht hat, unter Drohungen mit parlamentarischen Aktionen und politischen Konsequenzen in ein Disziplinarverfahren einzugreifen, das unter Ausschluß der Missionsangelegenheit gegen Wistuba eröffnet worden war.
Köln, 13. Dez. Die „Köln. Ztg." erhält von unten richteter Seite in Deutschostafrika eine Zuschrift, wo- nad) der Aufstand nunmehr als ganz beseitigt anzusehen ist, obgleich noch cme Anzahl von Kompagnien un Felde liegen. Bcele Eingeborene wurden zu Strafarbeit verurteilt. Die Frauen bleiben zu Hause. Da die Felder aber vielfach verwüstet sind, seien die Frauen de m Hungertode preisgegeben. Die Karawanen stoßen in ihrer Verpflegung auf große Schwierigkeiten. Manche Träger seien Hungers gestvrben.
Biarritz, 13. Dez. Exkönigin Natalie von Serbien ist hier eingetrofseu. Sie wurde vom Abbä Larrü hierher berufen, um die Juwelen wieder zurück z u n e h m e n, die sie der Kcrck)e St. Eugenie geschenkt hatte.
Soeben erfchieneu
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