Ausgabe 
18.9.1906 Zweites Blatt
 
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Prinzessin Feodora, auf Schloß Diersburg, dem Besitztum des Freiherrn Röder v. Diersburg, an Typhus ertrankt. Sie befindet sich in Behandlung des Geheimrats Dr. Schule und des Oberarztes Dr. Thoma.

Döbeln, 17. Sept. Eine zahlreich besuchte Wahlerveriamm- lung der frcis. Volkspartei stimmte der Kandidatur des freisinnigen Lehrers Bec^Dresden zu. ,

Posen, 17. Sept. Em nach hier cmberufcner poln. Jour- nalisten kon gr es; wurde polizeilich aufgelöst.

Kolonialamtliches.

Wie dasB. T." hört, ist eine der ersten Anordnungen des neuen Kolonialleiters Dernbürg die gewesen, daß jedes an das Kolonialamt gelangende Schriftstück 5u buchen sei. Das betreffende Verzeichnis ist ihm nebst deni Schriftstück selbst jeden Morgen vorzulegen. Bei dec Ueber- nahme seines Amtes hat sich Dernburg die höheren und unteren Beamten vorstellen lassen und in der Ansprache, die er an die einen wie an die anderen richtete, rundweg betont, daß e§ eine Reorganisation der Abteilung gelte, die an die Arbeitsfreudigkeit eines jeden Beamten entsprechende Anforderungen stelle. Die Ansprache soll überraschend gewirkt haben.

Der sozialdem. Abg. Ledebour war am Montag zum Untersuchungsrichter in der Strafsache gegen die Kolonialbeamten Götz und Gen. wegen Bruches der Amts­verschwiegenheit und Anstiftung als Zeuge geladen. Der Untersuchungsrichter teilte Ledebour mit, daß er als Beuge darüber vernommen werden sollte, was ihiu von einigen Angeklagten mitgeteilt worden sei. Er wolle ihn als Zeugen zunächst vereidigen. Ledebour erwiderte, er könne sich auf eine Vereidigung unmöglich einlassen, da er jede Auskunft über den Inhalt der Verhandlungen, die er mit einigen Herren in seiner Eigenschaft als Abgeordneter ge­pflogen habe, ablehnen müsse. Der Untersuchungsrichter hielt diese Weigerung nicht für berechtigt. Selbst wenn ein Vertrauensbruch des Abgeordneten vorliege, gebe ihm das jedoch kein Recht zur Zeugnisverweigerung. Den Hinweis des Abgeordneten auf den Artikel 30 der Reichsverfassung beantwortete der Untersuchungsrichter mit der Androhung der gesetzlichen Zwangsmittel für den Fall des Beharrens bei der Zeugnisverweigerung.

An unterrichteter Stelle wird mitgeteilt, daß die Kap- Regierung Ersatz der Unterhaltungskosten für eine Horde von südafrikanischen Rebellen, die sie als kriegführende Macht anerkennt, vom deutschen Reich verlangt. Die Kolonial-Ver- waltung hat die Forderung der Kap-Regierung abgelehnt.

Der Abg. Erzberger erklärt in der Köln. Volksztg. die Meldung, er habe einem Interviewer gegenüber geäußert, Deutschland würde am besten tun, die Kolonien auf- zugeben, als unrichtig. Bezüglich seiner eigenen Acußerung, zwei Berliner Blätter seien auf kolonialpolitischem Ge­biet bestochen, sagte Erzberger:Wenn man nicht abwartcn könne, bis er selbst rede, solle man sich bei der Regierung ,des Kongostaates in Brüssel erkundigen, welche beiden Berliner Blätter kongofreun bliche Artikel gegen Be­zahlung aufnehmen. Für mich war es nur von psycho­logischem Wert, festzustcllen, wie groß die politische Heuchelei ist, die von nationalen Interessen rede, wo e§ sich um den Geldbeutel handelt/'_________________________________________

Pie ckage in Außtand.

Was an der Nachricht wahr ist, General Trepolfr sei durch Gi ft ums Leben gebracht worden, läßt sich einstweilen nicht feftsteUen. Einer Berliner Mittagszcitunfl zufolge hält man in Petersburg für erwiesen, daß Trepow aus Ver­zweiflung über den Zorn des Zaren nach Entdeckung einer Geheimverbindung unter der Dienerschaft Nikolaus II. Hand an sich gelegt habe. Die Kai­serin Alix hält viel auf die Treue englischer Diener, und auf ihren Wunsch foffen die Russen in der Umgebung des Zaren größtenteils durch Engländer ersetzt worden sein. Indessen wissen die Revolutionäre vielleicht auch mit diesen der Landessprache unkundigen Personen Verbin­dungen anzuknüpfen. Doch kann man sich schwer vorstellen, daß ein Trepow zum Gift greift. Das widerspricht u. E. einem solchen Charakter, der weit entfernt von schwächlicher Empfindlichkeit ist.

Die Zarenfamilie wollte am Montag nach Peterhof zu­rückkehren und dem Regimentsfest der Chevaliers-Garde beiwohnen. Sie verbleibt dort bis nach der Beerdigung Trepows und begibt sich dann abermals in die Schären zu einem Aufenthalt von sechs bis sieben Tagen. Der Zar telegraphierte, er werde zum Besuch in Kopenhagen eintreffen, falls im Befinden seiner Mutter keine Besserung eintrete.

DerDaily Telegraph" meldet aus Petersburg, daß der Zar den Wunsch hegt, persönlich Anleihen im Ausbau de aufzunehmen, da die Bedingungen, die die ausländischen Syndikate dem russischen Finanzminister anbieten, für das russische Reich geradezu demütigend seien. Der Zar hofft, daß man ihm persönlich die nötigen Millionen borgen werde.

Ein Petersburger Korrespondent telegraphiert neue Einzelheiten über die Greuel tat en in Sied Ice. Selbst das jüdische Krankenhaus würde bombardiert und darauf von den Truppen erstürmt. Viele kranke Juden und Jüdinnen wurden in ihren Betten förmlich ab ge­schlachtet. Um die Wurzel" des Uebels auszurotten, be­reitet die Regierung neue Gesetze für das Judentum vor, durch die den Juden mehr Rechte verliehen werden sollen. Wie es heißt, wird den Juden die Freizügigkeit ge­wahrt werden, sie werden sich in allen Teilen Rußlands niederlassen können, anstatt an gewisse Gouvernements ge­bunden zu sein, und werden auch Land ankaufen können.

In Uexküll in Livland wurde der dortige Bauernhof­besitzer und ehemalige Gemeindeschreiber Nilkelssohn, ein Lette, von vier Revolutionären erschossen, weil er offen gegen die Revolutionäre aufgetreten und die Bauern in der Umgegend von Uexküllzum Schutze der Kirche und des Pastors organisiert hatte. Vor seiner Ermordung hatte er Drohbriefe erhalten. Der Generalgouverneur von Kurland hat neue Strafexpeditionen angeordnet.

In Kertsch hat ein Prozeß wegen Juden- metzeleien begonnen. Der Stadthauptmann, der Polizei­meister, ein Polizeikommissar, ein Hauptmann sind vor den Gerichtshof zitiert. Ter gleichfalls angeklagte Antisemiten- sührer Fabrikant Mesaksudij ist entflohen.

Ms Antwort auf 'die in der Warschauer Zitadelle vollzogene Hinrichtung von Brezniak und Rudnitzki wurden am Montag auf den Generalmajor Doroschewsky, Mitglied des Warschauer Kriegsgerichts, von drei Revolw tionären mehrere Revolverschüsse abgefeuert.' Der

General wurde verwundet, vermochte aber zu entfliehen. Die Täter sind entkommen. Gleichzeitig wurden die Revo- tionäre Bobinsky und Vizzenky in der Zitadelle hin ge­richtet. Tie Polizei entdeckte den Sitz der Warschauer revolutionären Organisation und beschlagnahmte zahlreiche Bomben, Waffen und kompromittierende Schriftstücke.

Ausland.

Bern, 17. Sept. Heute nachmittag fand die feierliche Eröffnungssitzung der internationalen diplomatischen Arbeiterschutzkonferenz statt. Vertreten sind Deutsch­land, Oesterreich-Ungarn, Belgien, Dänemark, Spanien, Frankreich, England, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Portugal, Schweden und die Schweiz. Der Chef des In- dustriedepartements, Bundesrat Dr. Deucher, hielt die Eröff­nungsrede. Der französ. Gesandte Revoil dankte namens der Delegierten für den Willkomm. Dr. v. Bülow, der deutsche Gesandte, sprach ebenfalls in ivarnien Worten die Hoffnung auf ein Gelingen der Aufgabe der Konferenz aus. Zum Präsidenten wird Oberst Frey, zum Vizepräsidenten Lachenal gewählt. Die Konferenz wird zwei Wochen tagen. Die Sitzungen sind nicht öffentlich. (Vergl. den heutigen Leitartikel.)

Rom, 17. Sept. DiePatria" versichert, dec Kriegs­minister habe die Gewißheit erlangt, daß die Pläne der Verteidigungswerke der Lagunen von Venedig von Oesterreich gestohlen worden sind. Die Botschaft in Wien habe die Negierung hiervon benachrichtigt, nachdem ie die Bestätigung durch Bestechung eines öster­reichischen Offiziers erlangte. Der Generalstab ist in- olgedessen ersucht worden, Abänderungen in dem Verteidig­ungsplane des Gebietes von Venedig vorzunehmen.

Budapest, 17. Sept. Gerüchte von einem Attentat auf den Fürsten von Bulgarien reduzieren sich darauf, daß auf den Eisenbahnzug, welchen der Fürst benutzte, bei der Station Saljotarjan Unbekannte Steine warfen.

Teheran, 17. Sept. Mit Genehmigung des Schahs ist heute ein Erlaß, betreffend die Nationalversamm­lung, veröffentlicht worden. Darin wird bekannt gegeben, daß die Nationalversammlung an§ 156 Mitgliedern bestehen oll. Die Wahlen sollen alle zwei Jahre abgehalten werden, den Mitgliedern wird Unverletzlichkeit zugesichert. Die Wahlen sind bereits im Gange.

New-Port, 18. Sept. Nach einer Meldung aus Washington ist Cuenfuegos nach außen hin abgeschnitten. In Havanna geht das Gerücht, Präsident Palma werde bald außerordentliche Wahlen zur Lösung der Krise anordnen. Gestern ereignete sich in Havanna eine heftige Explosion. Zwei große Gebäude wurden zertrümmert, 6 Personen getötet, viele verwundet. Die Explosion ist vermutlich ein Weck der Revolutionäre.

Osterbay, 17. Sept. Roosevelt empfing eine Al>- ordnung deutscher Fabrikanten, die ihm Beschwer­den über das Zollverfahren der Vereinigten Staaten unterbreitete. Roosevelt erklärte, die Abordnung solle ihre Beschwerden den Beamten des Schatzamts unb des Staats­departements eingehend unterbreiten, die ihm dann darüber berichten würden. Die Abordnung begab sich sogleich nach Washington.

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Gießener Anzeiger

für die kommenden Herbst- und Wintermonate ein. Einer Darlegung unseres Programms oder Anpreisung deZ Inhaltes unseres Blattes, das sich weitesten Ansehens erfreut, bedarf es nicht. Der »Gieß. Anz." ist anerkanntermaßen die größte, und zwar völlig rmabhänglge, für die Versöhnung der Gegensätze zwischen Stadt und Land, sowie der beiden wesentlichen politischen Gruppierungen unter den bürgerlichen Parteien Hessens ein­tretende, die berechtigten Interessen von Industrie und Landwirtschaft nach Möglichkeit fördernde Zeitung Ober- hessens.

Ganz besonders machen wir auf den in dem wöchentlich viermal erscheinenden BeiblattGießener Familienblätter" seit Mittwoch, 12. September, zum Abdruck gelangenden un­gemein spannenden RomanIm Banne des Geheim­nisses" aufmerksam, deffen Anfang auf Verlangen nachgeliefert wird.

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Aus Stadt und Land.

Gießen, 18. Sept. 1906.

' Der Dank der Großherzogin. Auf die Ihrer Königl. Hoheit der Groß Herzogin gestern übersandten Glückwünsche des Provinzialausschusses und des Pro- v i nz i a lt a ge s der Provinz Oberhessen erhielt der Provinzial­direktor folgendes Telegramm:

Für die mir übermittelten treuen Glückwünsche sage ich herzlichen Dank. Eleonore.

* Aus dem Militär-Wochenblatt. Befördert zu Lts. der Res.: die Vizefeldwcbel bezw. Vizewachtmeistec Blaße (Gießen), des 2. Thüring. Jnf.-Regts. Nr. 32, El len berg er (Gießen), des Jnf.-Reg. Hessen-Homburg Nr. 166, Frbr. v. Lersner (Friedberg), de§ Hus.-Regiments König Wilhelm I. (1. Rhein.) Nc. 7.

Erledigte Stellen. Erledigt sind: die Stellen des Steueraufsehers in Nidda, des Oberförsters der Oberförsterei Schaafheim und die cvang. Lehrerstelle zu Schafhausen.

"Die hessische LandeS- Hypothekenbank er­hielt vom Großh. Ministerium die Ermächtigung, für 20 Mil­lionen Hypotheken - Pfandbriefe und für 14 Millionen Kommunal-Schuldverschreibungen auszugeben.

"Das wandernde Tuberkul 0semuseum , das von der Hessischen Jnvaliditäts- und Altersversicherungs- Anstalt ins Leben gerufen und zunächst in Darmstadt in den Räumen de§ Gewerbemuseums ausgestellt worden ist, wird demnächst seine Reise durch Hessen antreten. Es kommt vom 1. Oktober ab zunächst nach Offenbach. In Darmstadt ili das Museum stets sehr zahlreich besucht gewesen und hat sich des Interesses weiter Kreise zu erfreuen gehabt.

** Aüs b em Bureau des Stab tthe aters. In Ergänzung unserer letzten Mitteilung sei noch milgeteilt, daß es der Direktion gelungen ist, auch Frau Elfriede Bayrhammer unserer Bühne zu erhalten. Frau Bayr- hamnicr, die int Sommer in Bad-Nauheim und am Intimen Theater in Nürnberg mit Erfolg tätig war, hat ihr Winter­engagement zu Direktor Reinhardt ans Kleine Theater in Berlin wieder gelöst und hat sich noch- mals unserem Stadttheater verpflichtet. Sie wird diesen Winter ein spezielles Fachgebiet ausfüllen, für das ihre Per­sönlichkeit und ihr Talent sie vrädestinieren. Das Theater- publikum wird die sympatische Künstlerin gewiß gern wieder begrüßen.

t* Ein blutiges Reukvntre hatte in der Nacht vom Sonntag auf Montag ein Mann der Wach- unfr Schließgesellschaft in der Marburgerstraße mit einem1 Arbeiter, in dessen Verlauf der angegriffene Wach­mann von seinem Säbel Gebrau ch machte und dem Angreiser einen Hieb übers Gesicht beibrachte. Ms später ein weiterer Angriff von demselben ÜfrBeiter in der Nord­anlage auf 'den Wachmann unternommen wurde, erhielt der Arbeiter noch einen Stich in die Brust. Beide Verletz-' ungen sind unbedeutend. Anzeige wurde erhoben.

? Pohl-Göns, 17. Sept. Mit dem am nächsten Sonntag stattfindenden Kirchweihfest verbindet der hiesige Krieger verein sein 30jä hrigeS Stift un gs fest. Aus diesem Anlaß wird Kceisrat Fey dem Kriegerverein die Kaiserschleife übergeben.

r. Londorf, 17. Sept. Gestern vormittag besichtigte der Bezirksvorstand des Gewerbevereinsbezirks Gießen die SonntagS-Zeichenschule des hiesigen OrtSgewcrbevcreins. Es waren anwesend: Kommerzienrat Hcyligenstacdt, Weißbindermeister Petri, Dr. Krausmüller, Schlossermelster Dörr u. a. m. Man war im allgemeinen mit den Leistungen der Schüler sehr zufrieden. Da der Besuch der Schule in stetem Zunehmen begriffen ist (die jetzige Schülerzahl beträgt 56), so ist vom 1. Oktober ab eine zweite Lehrkraft engagiert worden. Für ben Nachmittag hatte der hiesige Gewerbeverein seine Mitglieder, sowie auch die Mit­glieder des Gesangvereins Frohsinn, dessen Ehrenmitglied Kommerzienrat Heyligenstaedt ist, in den Saal des Gasthauses zur Stadt Gießen geladen, um hier mit den auswärtigen Gästen einige gemütliche Stunden zu verbringen. Der Vor­sitzende des hiesigen Gewerbevereins, Schreinermeister Winkel- haus, begrüßte die Anwesenden, besonders hieß er unseren Neichstagsabgeordneten Kommerzienrat Heyligenstaedt in unserer Mitte herzlich willkommen. In einer längeren An­sprache dankte dieser und nahm zugleich Gelegenheit, einiges über seine seitherige Tätigkeit als Abgeordneter zu berichten. Besonders suchte er die Stellung seiner Fraktion zu den neuen Steuern zu rechtfertigen. Sehr interessant waren seine Ausführungen über die Verkehrssteuern. Er betonte dabei, daß seine Fraktion bemüht war, die minder­bemittelten Schichten des Volkes, soweit dies möglich war, von dieser Steuer zu verschonen. Seine, mit lebhaftem Bei­fall unbenommenen Ausführungen schloß Redner mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland. In angeregter Stimmung verstrichen Nlinmehr die Stunden. Der Gesangverein Froh­sinn sang eine große Anzahl schöner Lieder. Die herrliche und präzise Wiedergabe sämtlicher Chöre zeigten, daß dec Dirigent, Lehrer Bandoß eifrigst bemüht ist, mit seinen gut beanlagten Sängern was tüchtiges zu leisten. Reicher Beifall lohnte die Sänger. Auch das Ehrenmitglied und Gönner des Vereins, Kommerzienrat Heyligenstaedt erkannte die vor­züglichen Leistungen des Vereins und seines Dirigenten mit hoher Genugtuung an und versicherte den Verein seines steten Wohlwollens. Hoffentlich hat e§ den Gästen aus der Stadt in unserem freundlichen Orte recht gut gefallen.

A Bad-Nauheim, 17. Sept. Bei ben Ausschach­tungen zur Neufassung ber Lithiumquelle würbe nur drei Meter von dieser entfernt, eine neue viel ergiebigere Quelle (ca. 50 Mal stärker) gefunden, die durch starke Kohlensäureatlsströmungen, wie sie hier noch nie gesehen wurden, zutage tritt. Diese neue Quelle dürfte künftig die bevorzugteste werden, aber auch für Bäder sehr geeignet sein, weil sie Salzwasser mit starkem Lithiumgehalt und vieler Kohlensäure enthält, und in ihrer Zusammensetzung wohl die einzige, bis jetzt überhaupt bekannte Heilquelle dieser Art ist. Man hofft nunmehr, bei ben bevorstehenden Tiefbohrungen auch den lang ersehnten warmen Sprudel zu bekommen.

Fried berg, 17. Sept. Dieser Tage fand eine Sitzung der Stadtverordneten statt, in der auch die Krisis an ber hiesigen Gew erbeakabemie zur Sprache kam, nachdem bie Stadtverwaltung in mehreren Sitzungen mit dem Kuratorium der Akademie verhandelt hatte. Die Studierenden hatten mehrere Forderungen und Wünsche eingereicht, die nach ihrer Ansicht nicht genügend Berücksichtigung fanden, weshalb sie drohten, das Institut zu verlaßen. Dies wäre für bie Einwohnerschaft, bie sich auf bas Vermieten an junge Herren eingerichtet haben, ein großer Verlust. Beigeordneter Damm teilt mit, daß im Interesse der Stadt und ihrer Bürger alles geschehen fei. Nachdem der Vertrag mit dem Staat, be­treffend Lieferung von täglich ca. 1000 Kubikmeter Wasser von dem Gr rippen Wasserwerk Lauter bereits früher genehmigt worden war, wurde heilte Bürgermeister Stahl mit ben Vorarbeiten für ben zweiten Wasserturm beauf­tragt. Er soll auf ber Auhöhe nach Ober-Wöllstadt erbaut werden und zugleich ein Wartturm sein. Die Stadtverord­netenversammlung beschloß ferner, den Ingenieur Heid mit der Prüfung des vom Staat hergestellten Kanalisierun gS- projekts für Friedberg und Bad-Nauheim zu be­trauen. Auch hier herrscht, wie in Bad-Nauheim, die Meinung, daß der Staat zu den Kosten beitragen muffe. Für Anschaffung von Turngeräten wurden 360 Mk. be­willigt.

h. Wörrstadt, 17. Sept. Bei dem Gefecht der 41. und 42. Brigade aus dem in der Nähe gelegenen Manöver­gelände ereignete sich ein schwerer Unglücks fall. Das Pferd eines Hauptmannes, bas scheute, warf seinen Reiter ad und stürmte auf bie zahlreich anwesenben Zuschauer los, wo­bei ein 24 Jahre alter Mann unb ein 2 Jahre altes Kmfr schwer verletzt mürben.

Auerbach, 17. Sept. Heute nachmittag wurde aus dem um 2 Uhr 5 Min. hier abgehenden Personenzug, kurz nachdem er sich in Bewegung gesetzt hatte, plötzlich ein Schuß abgegeben. Die Kugel drang einer vorübergeyen-',