Nr. 819
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
ach ihrem I Überschreitung ihrer Kompetenzen ängstlich zu fürchten; I haben. Die Ueberwachung und Kontrolle verdächtiger Fälle
SellerSweg 52.
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NotattonSdruck unb Verlag der Brühl'sch« UniversitätZdruckerei. R. Lang«, Gtetz«.
Redaktion, Expedition u.Druckerel: Schulstr.A. Tel. Nr. 5L Telegr^Adr.: Anzeiger Dietz«»,
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mbastuö-Präparale in Ap:HLi unb bei besseren Friseuren.
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mußte frühzeitiger und euergischcr^inzugreiscu in der Lage sein. Sodann müßte oas öffentliche Nechtsbcwußtfein auf strengere gerichtliche Bestrafung bringen. Drittens aber müßte die Verwaltungsbehörde solche Eltern und Verwandten streng zu überwachen, ihnen nötigenfalls ihre Opfer zu entreißen und sie zu den Erzichungskosicn empfindlich heranzuziehen ermächtigt sein. Man sieht, nur der dritte Punkt erfordert eine Revision der gesetzlichen Bcsttm-f nntngen.
potttssche Sagesscharr.
Ein Bewerber für einen noch nicht vakanten preußischen Ministerposten.
Die „Franks. Ztg." beschäftigte sich kürzlich noch einmal mit der Kandidatur des rheinischen Oberpinsibenteu für das Amt des Herrn v. Podbielski. Sie schrieb:
„In Kreisen, die den Lberprasidenlen v. Schorle m er als Verwalinngübcamlen loben und auch mit ihren wirtschaftlichen Interessen auf seiner Seite stehen (die Anspiegelnng ist recht ver- Nändlich. Der Vers.), kann man hören, die Nachricht über die Aussicht auf das Portefeuille der Landwirtschaft als Nachfolger PodbielskiS sei nach bekannten Rezepten lanciert, um dein Oberpräsidenten zu schaden. Schorleiner aspiriere int Stillen recht ernstlich auf das Landwirtschastsministernnn."
Leider kommt eß ja vor, daß versucht wird, eine vielleicht in Aussicht genommene Ministerkandidatur durch vorzeitige Nennung zu Falle zu bringen. Am meisten zu be- llagen aber ist, daß der Versuch zuweilen Erfolg hat. „Nun nicht!* soll es schon oft geheißen haben, wenn die Presse in bestimmtem Tone eine solche Mitteilung brachte. Ob es im vorliegenden Fall ebenso liegt, muß die Zukunft lehren.
Ueber den politischen Standpunkt v. SchorlemerS bemerkt das genannte Blatt:
„WaS die angebliche Zentrumsfreundlichkeit von SchorlemerS betrifft, so tu: er jedenfalls nichts, um sie burd) Aeußerlichkeiten zu dokumentieren. ES hat allerdings auch schon andere Leute gegeben, die schlechte Kirchengänger und trohdem ausgezeichnete ZentrumSpolitiker waren oder geworden sind."
Als Landrat von Neuß stand von Schorlemer mit dem Zentrum auf gespanntem Fuße. Und da es bei gegenwärtigem Kurse keinen Zweck hat, Zugehörigkeit zum Zentrum zu verleugnen, so braucht man Herrn von Schorlemer atlch keineswegs zu denen 511 rechnen, die ihr Zentrumsherz sorgfältig verbergen. Uebrigens war auch sein Vater in seinen letzten Lebensjahren mit dem Zentrum zerfallen.
Schließlich drängt sich aber doch die Frage auf: „Ist denn das preußische Ministerium für Land>virisch a ft überhaupt vakant?" Oder ist mindestens mit Sicherheit anzunehmen, daß es demnächst vakant werden wird? Auch diese Frage wird in der „Franks. Ztg." gestreift. Es heißt da:
, "^QB bis zu einem Wechsel im Landwirtschastsministerium ledenialls noch eine ziemlich lange Anstandsfrist ver- streichen werbe, wird von eben denen bestätigt, die in Herrn von
Betreffend: DaS Gesuch des Wilhelm Pitz zu Steinbach um Erlaubnis zur Aufstellung eines Dampfkessels.
Wilhelm Pitz beabsichtigt auf dem Grundstück Flur I Nr. 80 der Gemarkung Steinbach einen Dampfkessel aufzustellen.
Pläne und Beschreibung hierüber liegen 8 Tage lang, vom Erscheinen dieses im Kreisblatt für den Kreis Gießen an gerechnet, auf dem Bureau der Großh. Bürgermeisterei Steinbach zur Einsicht der Interessenten offen.
Etwaige Einwendungen sind binnen dieser Frist bei Meidung des Ausschlusses bei Großh. Bürgermeisterei Steinbach vorzubringen.
Gießen, den 17. September 1906.
Großh. Kreisamt Gießen.
I. B.: Tr. W a g n e r.
Es gibt, darüber besteht fein Zweifel, in Berliner polit. Kreisen Leute, die der festen Ansicht sind, Podbielski werde bleiben, und es läßt sich nicht leugnen, daß diese Meinung nicht bloß mit jedem Tage, der verrinnt, an Verbreitung gewinnt, sondern auch an innerer Wahrscheinlichkeit; denn wenn so über manches andere Gras gewachsen ist, warum nicht auch über bie Affäre Podbielski- Tippelslirch? Die „Frkf. Ztg." spricht von einer ziemlich langen AnstandLftist. In dem Substantivum „Anstands- pslicht" drückt das erste, bestimmende Wort ein Motiv aus,
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Deutsches Reich-
Berlin, 17. Sept. D'.e „Diorbb. Mlg. Ztg." schreibt: Ein cngl. Blatt hat sich aus Berlin Einzelheiten über größere bauliche Veränderungen am kaiserlichen Jagdhaus Rv- minten melden lassen, durch die der einfache Waldsitz in ein Landhaus mit anspruchsvoller lirdjitettur umgcwandelt werden solle. Wir müssen diese Geschichte als eine blanke Erftndung bezeichnen. Seitdem vor zwei Jahren an dem Jagdhaus Ro- mir.teil ein Flügel augebant wurde, der Wohnräume für die Kaiserin enthält, hat Kaiser Wilhelm an den Znscau.d des Jagdschlosses nichts ändern lassen — wenn „schloß" überhaupt der passende Ausdruck ist für ein schlichtes hölzernes Blockhaus.
— Der Land Wirtschaftsmini st er v. Podbielski hat sich auf etwa 14 Tage zur Herbstjagd nach West- preußen begeben und wird dann hierher zurückkehren.
— Der deutsche Flei scherver band hat, der Deutschen Fleischcrzeitung zufolge, an den preußischen Landwirtschaftsminisler aroci Petitionen gerichtet. In der einen erklärt er, daß die deutschen Schweinebcstände durch Ueberzüchtung und falsche Haltungsweise degeneriert und seuchenempfäuglich seien. Es wird daher verlangt, daß für die Schweinezüchtung Körnngsbestimm- ungen eingeführt und die zum Verkauf gestellten Schweine derart bezeichnet werden, daß ihre Herkunft genau festgestellt werden kann: ferner wird die Fleischbeschau auch für Hausschlachtungen und allgemeine Stalikontrolle zu Lasten der Viehhalter gefordert. In der zweiten Petition wird verlangt, daß das aus Rußland in den deutschen Grenzoczirken zu importierende Schweinekontingent nur an Jnnungsmitglieder abgegeben wird, welche ein offenes.
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Zum Kinderschutz
ruft der Mädchenschul-Tirektor Schädel in Worms im Oktoberheft des „Türmers" (Verlag von Greiner und Pfeiffer in Stuttgart) auf. Mit Vereinen u. dgl. sei es nicht getan, da taltzuleicht „Fragen, für bie unser Interesse stets zu spontaner Betättgung wach erstalten bleiben müßte, durch schablonenhafte Festlegung seitens der Vereinstätigkeit dem allgemeinen unb unmittelbaren Interesse entrückt werden: Man znhlt seinen Bekttag unb hat seine Schuldigkeit getan. — So wird in gar manchen Fällen die Vereins- tcttrglett, die durch den Zusammenschluß getrennter Kräfte ein Segen sein sollte, zum Unsegen." Sei nicht auch der „Fäll Tippold" mit einer rasch auflodernden sittlichen Entrüstung nach Befriedigung der Sensationslust ziemlich rasch erledigt gewesen, ohne daß etwas Ernsthaftes geschehen wäre? Wenn nun solche Frevel wenigstens noch eine entsprechende Sühne füudul! Allein bekanntlich kennt unser für Eigentumsvergehen so empfindliches Recht für Körperverletzung unb Schlimmeres nur ein sehr niedriges Strafmaß. Ich nehme ein beliebiges — ausdrücklich beliebiges — Beispiel aus einem Zeitungsblatt, das mir vor acht Tagen ungesucht in die Hand kam. Ta heißt es: Erstens; eine Rabenmutter, welche erklärte, sie würde ihr Kind schlagen, bis c3 „eingebe", erhält — 9 Monate Gefängnis! Zweitens; ein Vater erhält wegen fortgesetzter Mißhandlung seines zwölfjährigen Sohnes — Monate Gefängnis! Er appelliert (!) unb erhält — 1 Jahr Gefängnis! Ein Jahr oder weniger für systematische Tortur der eigenen, leiblichen Kinder — womöglich bis zum Tod! Was ist da haarsträubender, die Tat oder die Sühne? — Wenn ferner diese minimale Strafe den Verbrecher noch empfindlich träfe! Slbec erstlich für solche Subjekte, auf deren sittliches Niveau unb dementsprechende Vertrautheit mit Verbrechen aller Art dies unnatürliche Verbrechen der Kindermißhandlung schon von vornherein schließen läßt, ist das Gefängnis selten mehr eine Strafe, schon aus dem einfachen Grund, weil sie Stammgäste desselben zu sein pflegen. Sodann aber pflegen sie sich für die erlittene Unbill meistens an der unschuldigen Ursache, dem Opfer, mit erneuter und verdoppelter Wut chadlos zu halten. Die Behörde muß oft mit verschränkten Armen zuschäueu, wenn solch ein Kind aus dem Gerichtssaal an der Hand seines Peinigers in seine Folterkammer zu- rüakehrt. Keine Vorbeugung vor der Tat, keine Vorbeugung gegen eine Wiederholung der Tat.
Es ließe sich schon innerhalb des bestehenden gesetzlichen Rahmens durch straffere Handhabung der bestehenden Bestimmungen viel erreichen. Zunächst müßten Armenverwaltung und Polizei nicht länger eine mögliche
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^Telephon 119,
beutet aber nicht die Dauer, unb „ziemlich langen" ist eine recht dehnbare Wendung.
Schorlemer nach wie vor einen sehr ernsten Kandidaten n | Geschmack zu sehen meinen."
Berlin, 17. Sept. Das Schabefleisch, dessen Genuß hier zu vielen Erkrankungen geführt hat, ist im Institut für Infektionskrankheiten untersucht wordcn. Das Ergebnis ist folgendes: Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß alle beobachteten Krankheitsfälle auf den Genuß des Schabefleisches zurückzuführen sind. In dem Fleisch sind Bazillen. Sog. Paratyphus-Bazillen sind erst vor einigen Tagen Bei typhus- ähnlichen Erkrankungen c«weckt warben unb haben damit zu einer Trennung von Typhus und Paratyphus geführt, obwohl bie Krankheitserscheinungen bei beibcn Krankheiten ^usig ziemlich ähnlich zu fein pflegen. Im gegebenen Falle war die Krankheit jedoch ganz anders und zwar mclst unter bent Bttde einer Vergiftung ausgetreten. Es läßt sich biese Erscheinung vielleicht baburch erklären, baß die Paratyphus-Bazillen auch ein schweres Gift produzieren. Darüber, wie die Parattzphus-Bvzitlen in bas Schabefleisch gekommen sind, sehit bisher iwch ein sicherer Anhalt. Im Institut für Jnfellionsttankhyü.en sind lLttgeus die Bazillen nicht nur in dem Schabefleisch, sondern auch in den Abgängen einzelner Erkranltcn ausgcfunden worben, sodnß demnach auch eine Infektion mit Typhusbazillen vorliegt und eine Weiterverbreiruug der Krankheit durch die infizierten, Personen nicht ausgeschlossen erschein:. Die nötigen Maßregeln, eme etwaige Weiter Verbreitung zu verhindern, sind sosort, als! der Verdacht auf Paratyphus austauchte, von der Gesundheitss behörbe gettossen worben.
lichen unb gefährlichen Wirkuna des SchnapSransches, in bet rücksichtslosen Selbstsucht, ber Gerei ztheit, bent Mißtrauen unb ber krankhaften Eifersucht bes chronischen Schnapsttinkers. Letztere besonbers ist ausaelöst durch gewisse körperliche Veränderungen, bas Mißverhältnis verstärkten Geschlechtstriebes unb geschwächten Ge - schlechtsvermögcns. Eine Folge bavon war es, baß von ben chronisch Trunksüchtigen 54 Prozent der überhaupt Verheirateten von ihren Familien getrennt lebten, gegenüber 9 Prozent unter den Geisteskranken 1111b 4 Prozent unter den körperlich Kranken der "Anstalt. Der Referent hat sich weiter mit den L eil- nngsanssichten der chronischen Trunksucht, den bisherigen Leistungen der sozialen Gesetzgebung, den Grundlinien der augenblicklichen sozialen Arbeit und den zum Teil eigenartigen Trunk« litten des Hamburger unb Altonaer Hasenviertels beschästigt. Daß bie Familie beit unheilbaren, chronischen Trinker verläßt", ist eilte berechtigte Selbsthülfe, auf welche bie Gesetzgebung wird Rücksicht nelMen müssen. Die größte körperliche sche Gesa hr br 0 ht ber Nachkommenschaft, beshalb auch bie energische soziale Fürsorge zu gelten.
erfolge bei chronischer, krankhaft 'geworbener Trunksucht hat ber Referent säst stets nur nach Anschluß an einen bey großen Abstinentenvcrbänbe gesehen, bessen Wirkungen auch bei Rückfälligen unverkennbar waren. Das Eingreifen der Behörbcn, bie Entmünbigung unb zwangsweise Internierung in Anstalten sollte auf ein Minbestmaß, auf bie Kompttkation mit gefährlichen Geistesstörungen beschränkt sein.
amten schäft wieber auf ben Bahnhof zur ückbe- rufen, wo sich einige höhere Beamte eingesunben hatten. Die Maßregel war gettossen worben, um einen ritff. Lofzug passieren zu lassen, ber in ber Richtung Schlesischer Bahnho s- Charlottenburg bie Sttecke passierte. Es wird von finbigeit Reportern kühn behauptet, daß einige Gr 0 ß fürsten den Zug benutzt hätten, denen der Boden in der Heimat zu heiß geworben fei.
Camenz, 17. Sept. Heute fand in Gegenwatt des Kaisers die Beisetzung des Prinzen Albrecht statt. ber Kirche staub ber Sarg zwischen umflotten Kandelabern in ber Mtarnische. Zur Seite lagen ber Marschallstab, die Orden des Verstorbenen unb zahlreiche Kranzspenben. Nach dem Ge- mcinbegesang unb ber Lithurgie hielt General-Superintcnbent Tryanber bie Gebenkrebc, welche er mit ben Motten schloß, ber Prinz habe nach bem Bibelwort gelebt: „Ich unb mein Haus wollen bem Herrn bienen." Tie Einsegnung der Leiche vollzog ber braunschweigische Hosprebiger Büchmann, währenb der Ca- menzer Geistliche von Treskow ben Segen sprach. Nach der Feier begab sich ber Kaiser nach Breslau. Die Kaiserin hatte auj ber Feier wegen einer Unpäßckichkcit nicht teilgcnommen.
Breslau, 17. Sept. Zur heutigen Frühstückstafel bei bent Kaiser im Königlichen Schlosse zu Breslau waren geloben ber Kronprinz mit bem HosmariHall v. Trotha und bem Major v. Oppen unb ber Herzog ^von Eonnaught. Deü Kronprinz ist banach nach Berlin abgereist.
Offenburg (Baben), 17. Sept. Wie die Blätter zu melden wissen, ist die jung ft e Schwester unserer Kaiserin^
78. Aeuychcr Yarursorscher- nvd Acrztetag.
(Unberechtigter Nachdruck verboten.)
S. u. H. Stuttgart, 17. Sept. Erster Tag.
Deute sand die feierliche Eröffnung des 78. deutschen N atur- >or scher- und Aerztetages in Anwesenheit des Königs Patt. Die Versammlung wurde begrüßt von Obermedizinalrat Dr. v. Burkhardt namens ber naturwissenschaftlichen unb ärzt- lichen Streife Stuttgarts unb des ganzen Schwabenlanbes. Er schloß mit einem Hoch auf ben Kaiser unb ben König. An ben Kaiser würbe ein Hutbigungstelegramm gesanbt. Kultusminister v. F'"ischhaucr bewillkommnete bie Versammlung int Namcn ber wurttembergischen Regierung unb bie Rektoren Möricke unb Suß- dorff nn Nauien ber technischen und ber tierärztlichen Hochschule. Nachbem ber Vorsitzenbe bes ärztlichen württembergischen Lanbes- verems unb beS Vereins für vaterländische Naturkunde bewillkommnende Worte an die Versammlung gerichtet hatten, dankte der erste Vorsitzende der Gesellschaft, Professor Dr. Chun-Leipzig, lur die Begrützung. Hierauf nahmen bie Vorträge ihren Anfang.
Der Hauptvortrag bes heutigen Tages oehanbelte Naturwiffevfchaften und Weltanschauung.
Das heikle Gebiet behaubelte diesmal Pros. Th. LippS- München. Der Vorttagenbe knüpfte dabei stellenweise an den vielbemerkten Vvrttag des Geheimrats Prof. Tr. Labenbnrg- Breslau auf ber Kasseler Natursorscherversammlung 1904 au, der zu Innganbüucntben Preßerörterungen speziell über bie Behauptung bes Rebners Anlaß gab, baß, wenn er eine Unsterblichkeit ber menschlichen Seele anerkennen solle, er folgerichtig auch die Unsterblichkeit ber tierischen Seele behaupten müßte
Professor Lipps führte aus: Das natunu. Erkennen ist bie Durchbringung bes in ber sinnlichen Wahrnehstiung Gegebenen mit bent Gesetz bes Geistes. Diese Durchbringung aber bedingt eine UmbciiEuitp des Gegebenen, bis es dem Gesetze be3 Geistes sich fügt, ober vis es sich einfügt in einen gesetzmäßig georbneten Zusammenhang bes Wirllichen. Das Resultat bieser Umbenkung nennen wir das in Wahrheit objektiv Wirlliche ober einsach bas objektiv Wirckiche: bas unmittelbar Gegebene bngegen bas im Prozeß jenes wtsienschpftlichen Umbenkens aus der Sphäre bieseS obieftiD Wirklichen ausgeschieben wirb, bezeichnen wir als blosje Erscheinung ober nennen cs etwas Subjektives. Ms in solchem Sinne subjektiv erscheinen aber ber Naturwissenschaft alle spezifischen sinntichen Oualitäten. Diese werben von ihr umgebacht Mder ersetzt durch biejenigen Bestimmungen, bie für bie natur» wissen,chaftliche Erfahrung nach ihrer Ausscheibung aus der Welt des objektiv Wirllichen einzig und allein übrig bleiben. Und dies sind die raumzeitlichen und Zahlbestimmnngen.
-^annt besttmmt sich bie Ausgabe ber Naturwissenschaft bahin: <50^ Ziel i|r, bie Ordnung des Wirklichen überhaupt in ein fei)ltcni gc,echinaßige.' Abhängig,eitsbeziehungen zwischen Raum-, Zeit- unb Zahlgrößen. Naturwissenschaftliche Erkenntnis ist nicht eine materielle, fonbern eine formale Wiffenfchaft. Damit aber
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In Orignialfiascheii und --
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verflüchtigt sie ba§ Wirkliche. Der Versuch, bies lebiglich in jene formalen Bestimmungen zu fassen, macht aus bem Wirklichen ein Imaginäres.
Worte üben Zauberttaft auf bie Gemüter unb bestechen auch ben Verstaub. Bekannte unb geläufige Worte scheinen eine bekannte Sache zu bezeichnen. So wirb bie Mythologie bes Kraft- unb Energiebegriffs geboren unb schließlich eine Art neue Religion geschaffen, bie sclwn zur Gründung einer neuen Kirche geführt hat. Die Energie insbesonbcre, bies an sich leere lautliche Symbol, dessen Bedeutung einzig darin besteht, die Gesetzmäßigkeit des Wirtlichen kurz zu bezeichnen, wirb Der» binglicht, wirb zum Pferb ber Weltmaschine: bie Allgemeinheit in ber Verwenbung bieses Wortes erzeugt ben Wahn, als habe man bar in bas allgemeine, sich selbst glcichbleibenbe Wesen ber Dinge erfaßt. Und nun löst man vielleicht Welträtsel mit Hstse bieses „Pferbes", b. h. auf Grunb bieses allgemeinen Wortgebrauches. Jnbem wir ben Inhalt unseres Gesichtes ber Kraft unb Energie in bie Dinge hineinverlegen, verlegen wir in sie unser Leben. Gefühl ber S&aft unb Energie ist Lcbensgesühl ober, waS basselbe sagt, Sclbstgesichl. Ich, Bewußtsein, Leven, Kraft, Tätigkeit, Energie sich im (‘faunbe gleichbebeutenbe Begriffe.
Die einzig mögliche Antwort, bie wir Menfchen auf bie Frage nach bem Qnale (ber Beschaffenheit) bes Wirklichen zu geben vermögen, ist bie bes absoluten Idealismus, d. h. einzig bas Bewußtsein, bas Ich ber Geist zum allumfassenbeit, einheitlichen Weltbewußtsein, zum Wett-Ich, zum Wett-Geist erweitert, kann bie von ber Naturwissenschaft gelassene Lücke, bie bas Quäle des Wirriickjen betriff:, ausfüllen. In solchen absoluten Idealismus schlägt ber feiner selbst bewußt geworbene Materialismus notloenbig. um. Zu ihm gelangt bie zum Bewußtsein ihres eigenen Wesens gelangte Naturwissenschaft. Diese Weltanschauung ist zugleich bie einzig denkbare monistische Weltanschauung.
lieber die antisozialen Wirkungen des chronischen AlkoholmiijbrauchS hat Dr. Walther Cimoal am städtischen Krankenhause in Altona methodische Untersuchungen angestellt. Ms Basis dienten Untersuchungen an den chronischen, nicht ttunksüchtigen. Kranken der medizinischen und Jrrenabteilung. Zur Kvnttvlle der subjektiven Angaben dienten jene ber Nachoarn unb amtliche Erhebungen. Bei 69 Prozent ber chronischen Trinker verlies von Beginn bes Mißbrauches an bie Erwerbssähigkeit in absteigender Linie. Bei citbercit änderte sich nicht bie Menge, wohl aber bie Art bes Erwerbes: Frühere Hanbwerker suchten Gelegenheitsarbeit am Hafen, frühere seßhafte Kaufleute wurden zu Reisenben. Gemciiffam war ben chronischen Alkoholiften bie Untauglich keil zum Familienleben. Ter fortgesetzte Schnapsgenuß aucy nur eines Mitgliebes schädigte bie Ges unb heil und Harmonie der ganzen Familie ft ar Ec r als selbst die schwersten Geisteskrankheiten. Heber bie Hälfte ber Trinker vcrwanbten bie ortsübliche Quote (70—100 Proz.j ihres Verbienstes zum Unterhalte ber Familie. Die zerstörende Mittung liegt qn der wibcr-
Labengeschäst haben unb ben Meistertitel führen dürfen.
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Zweites Blatt 156. Jahrgang Dienstag 18. September 1906
Erscheint «-sich mit Ausnahme des Sonntags.
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„Anzeiger viermal wöchentlich beig-legt. Der d D M ’.A U N wj Z U h u V'x h W J
E^rffisch« raudwltt- erscheint monallich einmal. W V' S Ki 3 V S V
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