Ausgabe 
17.10.1906 Erstes Blatt
 
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die neue Straße kommt weiter oberhalb nach dem Gleiberg zu liegen.

§ Kirchgöns, 16. Oft Hier hielt am Sonntag,der Wetter an-Lahngau-Sängerb und einen Sän­gertag ab, der sich unter anderem mit der Ueberuahme des ersten Bundesfestcs beschäftigte. Da sich nur Großen- Linden und Leihgestern gemeldet hatten, und Leihgestern die Meldung wieder zurückzog, so wurde dem Gesangverein Germania - G r o si e n - L i n d e n das am 2. Juni 1907 statt­findende erste Bund essest übertragen. Das Fest wird mit einem Wettsingen der Bundesvereine (ohne Wertprcisc^ verbunden sein, und cs steht außerdem dem festgebenden Verein noch frei, Gastvereine einzuladen, bezw. für diese euren besonderen Wettstreit einzuricbtcn. Den Bundesver­einen sind für das Wettsiugen vier Volkslieder aufgegeben, aus denen der vorzutragende Chor erst vor Beginn des Singens ausgelost luird, außerdem sinat jeder Verein noch einen selbstgewählten Cbor. Die Volkslieder, die bei Ge­legenheit des Sängertags bestimmt wurden, sind: 1. ,,Mein Mädel hat einen Nosenmund", 2. ,.D wunderbares tiefes Schweigen", 3. ,.Soldatenliebc", 4.Die drei Röselein". Die Bundesleitung hat besondere Abmachungen ,mit den Ver­legern getroffen und für den Bezug der Müsikalien für die Bundesvereine außerordentlich günstige Bedingungen er­reicht. Auch die Eröffnung der Vartitur-'n-Bibliothek stellte der Bundes-Cbormeister in baldige Aussicht. Zur nun­mehrigen endgültigen Zusammenstellung der Bundesleitung fanden noch Ergänzungswahlen statt. Die Bundesleituna besteht nunmehr aus den nachstehenden Herren: Krapf- Leihgestern 1. Dorf., Bolte-Lollar 2. Bors., Gernhardt-Gießen Bundesdirigent, Schäfer-Leibgestern Schriftführer, Taubert- Lollar Rechner, Lehrer Buß-Leihgestern Bundcsbibliothekar, Weiß-Großen-Linden, Tillmann-Lollar, sowie Vertreter der Gesangvereine Germania-Großen-Bnscck und Quartettverein Freundschaft Herborn (Namen standen noch nicht fest) als Beisitzer. Der Bundesverein Germania Kirchgöns sang unter Leitung seines Dirigenten Hrn. Buchholz-Frankfurt einige Lieder, die von gutem Stimmaterial und Schulung des Vereins beredtes Zeugnis ablegten.

t Butzbach, 15. Oft. Eine Frau, die am Samstag abend in die Wohnung der Schuhmachers Eheleute Lehr in der Langgaffe wollte, stürzte auf dem dunklen Haus­flur die offenstehende Kellertür hinunter, kam aber zum Glück mit einigen unbedeutenden Verletzungen davon. Einem Lackiererlehrling entlud sich heute früh Bet der Arbeit eine in der Hosentasche aufbewahrte Flo- b er t-P i st o l e. Die Kugel drang etwa einen Zentimeter tief in den rechten Oberschenkel und mußte vom Arzt entfernt werden.

tz Laubach, 16. Oft. Das August 'Klipsteinsche Haus, in Nähe des Spritzenhauses gelegen, ging bei der zweiten genehmigten Versteigerung zum Preise von 6930 Mark an Bäckermeister Friedrich Hellwig über. Für die Erwerbung des Vorgartens find noch 600 Mk. besonders zu zahlen.

TL B. Darmstadt, 16. Okt. Heute vormittag gegen 11 Uhr bat sich der 51 Jahre alte Arbeiter T. in einer Wagenhalle in der Eschollbrückerstraße mit einem Kavalle­riekarabiner in selbstmörderischer Absicht einen Schuß in den Kopf beigebracht und war sofort t o t.

h. Homburg v. d. H., 16. Oft. Reichskanzler Fürst Bülow und Gemahlin sind heute abend oßgereift.

d. Fulda, 15. Okt. Der 45jährige städtische Techniker Kkemann, der dienstlich am Sammelbassin der Wasser­leitung zu tun hatte, fuhr nachts um 11 Uhr mit seinem Motorrad zurück. Er verlor die Herrschaft über das Rad, das erst seit einigen Wochen in seinem Besitz ist, und rannte in schnellstem Tempo gegen einen Baum. Mit zerschmet­terter Hirnschale sank er tot zu Boden.

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 16. Oktober. (Sitte Karuffellgeschichte.

Die Gendarmerie batte den Karussellbesitzer I. F. Sch. von Nieder-Wöllftadt angercigt, weil er ohne Polizei- ftt&e Erlaubnis sein Karussell in seiner Hofreite in Betrieb setzte. Es erging gegen ibn ein Strafbefehl in Höhe von 3 Mark, dem er mit der Begründung widersprach, daß er für seinen Karussellbetrieb als stehendes Gewerbe Gewerbesteuer be­zahle und, er zum Betriebe in seiner Hofreite eine Erlaubnis der Polizei nicht benötige. Tas Schöffengericht kam zum Frci- spruch. da nur zum Betrieb aus Straßen und öffentlichen Plätzen eine Erlaubnis erforderlich ist, die Hofreite des Besitzers aber, trotzdem sie dem Publikum allgemein zugängig war, nicht als öffentlicher Platz angesehen werden konnte. Aus Wunsch der Ver­waltungsbehörde focht die Staatsanwaltschaft das Urteil an, da es sich um exnc prinzipielle Frage handelt. Nach den Ausführ­ungen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung geben die Ansichten der. höheren (Berichte auseinander. Tie Strafkammer trat der Auffassung des Schöffengerichts bei und verwarf die Berufung der Staatsanwaltschaft, indem sie dem Angeklagten den Ersatz der notwendigen Auslagen zufvrach, wozu auch die Kosten des Rechtsanwalts gehören. Das Oberlandesgericht dürste sich «ls Revisionsinstanz demnächst auch mit der Sache zu befassen haben.

Zechprellereien.

Der Kutscher D. G. von Kob"rg trat im verstossenen Sommer bei einem Brauereibesiker zu Schmalkalden in Dienst'. Er er­hielt von seinem Dienstherrn unter der falschen Vorspiegelung, «r wolle seiner Frau Geld schicken, außer seinem verdienten Lohn 10 Mark Vorschu.ß. mit dem er sich heimlich entfernte, ohne seiner Frau etwas zu schicken. Nachdem er das Geld durch­gebracht hatte, ging er zu Fuß nach Oberhessen und verübte in mehreren Ortschaften Zechprellereien. In Homberg a. d. O. gab er sich als Kaufmann aus und erschwindelte sich unter falschem Namen verschiedene Geldbeträge. Er vermietete sich zu einem Arzt, der bald merkte, daß seine Zigarren, sein Wein, Bier und andere Getränke rapid abnahmen. Als seine Betrügereien an das, Tageslicht kamen und seine Verbaltung erfofqt war, fand sein Nachfolaer etwa 20 Wein- und Bierflaschen im Bett versteckt, sodaß die Vermutungen seines Tienstherrn, der von Anfang an be - Ansicht gewesen' war, er habe es mit einem Dieb HU tun, sich vollauf bestätigten. Der Angeklagte war in vollem Umfang geständig und die Strafkammer verurteilte ihn wegen sechsfachen Betrugs zu 1 Jahr Gefängnis Wegen der Ent­wendung der Getränke und der Zigarren, das als Mundraub aufgefaßt wurde, erhielt er eine durch die erlittene Untersuchungs­haft als verbüßt zu erachtende Haststrafe von einer Woche. Außer­dem wurden ihn hrn Wochen der erlittenen Untersuchungshaft als verbüßt auf die Strafe anaerechnet und ihm die bürger­lichen Ehrenrechte a"f 3 Owbre abaesurochen.

Eine Urkundeufälfchnug.

Einige Bewohner von st a n g e n b e r g h e i m hatten eine Beschwerdeschrift gegen den Bürgermeister an das Kreisamt ver­faßt und diese mit Unterschriften versehen bereits dem Postboten übergeben. Der Schweinehirt I. Sch. II. ließ sich den Brief noch einmal zurückgeben; er radierte seinen Namen ans und schrieb den Namen eines anderen ohne dessen Wissen und Willen hin. Nachdem gegen ihn Anllage wegen Urkundenfälschung er­hoben worden war, bestritt er die ihm zur Last gelegte Tat. ©r hatte aber zuvor in einer Wirtschaft hie Aeußerung getan, er habe hem Böhlerhannes sein Name geschrieben, er sei doch zu dumm dazu. In der Verhandlung gab er die Möglichkeit zu, den Namen geschrieben zu haben, er will aber so betrunken

gewesen sein, daß ihm jegliche Erinnerung fehlt. Auf Grund der Beweisaufnahme hatte das Gericht keinen Zweifel daran, daß der Angeklagte die Tat verübt hat und zwar in zurechnnngs- ähigem Zustande, weshalb es ihn zu einer Gefängnisstr a f e von 14 Tagen verurteilte. Strafmindernd kam in Betracht, daß er die Tragweite seiner Handlungsweise nicht voraussah; ebenso seine mangelnde Intelligenz, trotzdem er sich für gescheidter hielt, als der Böhlerhannes.

Eine erfolglose Berufung.

Wegen gegenseitiger Körperverletzung wurden durch das Schöf- engerirfit Laubach der Gastwirt I. K. D. von Villingen zu 25 Mark Geldstrafe, her Metzger K. D. III. au 100 Mark und der Geschäftsführer H. D. V. zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt. Letzterer, der mit den andern zwei, wovon der eine sein Bruder und der andere sein Onkel ist, schon seit Jahren in bitterster Feindschaft lebt, hatte gegen seinen Onkel eine unangemessene Aeußeriing getan, die von diesem in gleicher Weise erwidert wurde. Er schlug nun mit einer Peitsche auf seinen Onkel los und als dies sein Bruder sah, kam er dem Onkel zu Hilse, indem' er ebenfalls ans seinen Bruder einschlng. Ter alte D., der zwar einseitig gelähmt ist, schlug hierbei ruft seinem Stock auf den Neffen los, sodaß der Stock aus dessen Kopf zerbrach. K. D. III. nahm nun den größeren Teil des zerbrochenen Stockes und schlug dermaßen auf seinen Bruder ein, daß dieser vor seiner Hofreite ohnmächtig zusammenbrach. Ter Arzt, unter dessen Händen er abermals ohnmächtig wurde, konstatierte. eine Reihe von Ver­letzungen aus dem Kvvf, b:e fast sämtlich auf die Knochen reichten. Auch die übrigen zwei hatten nickst unerhebliche Verletzungen davongetragen. Der alte D. focht das Urteil an und behauptete, in Notwehr handelnd, von seinem Stocke Gebrauch gemacht zu staben. Diesem Beispiel folgten auch hie übrigen; alles schützte Notwehr vor. Die Strask-'mmer hielt mit d"m Schöffengericht für festgestellt, daß H. D. V. d"rch b:e unanständige Bemerkung feinem Onkel gegenüber, den Streit hervorgernsen hat und daß dann die anderen zwei auf ihn eingeschlaaen haben, ohne in Notwehr zu sein, bezw. die Notwehr überschreitend. Sie hielt die Auffassung der ersten Instanz für richtig und bestätigte das Urteil.

GerichtssaaL.

d. Mainz, 16. Okt. Ein Mann, der glaubt, mit Geld alles machen zu können, der 29jährige Rentner Martin Wilhelm Kröll aus Cleve, wohnhaft in Eltville, welcher erst wegen fahrlässiger Tötung in Wiesbaden zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt wurde, batte sich heute vor dem Schöffengericht wegen zu r a s tb e n Fahrens mit seinem Automobil zu verantworten. Der Angeklagte fuhr am 31. Mai in rasendem Tempo die Fintber Straße am Krematorium entlang herab nach dem Binger Schlag und überfuhr an der Ecke der Straße, die nach dem Mainzer Fried- hofe führt, den siebenjährigen Schüler Gg. Nlk. Andres. Das Kind, das nicht mehr answeichen konnte, erlitt schwere Verletzungen am Kopfe und war längere Zeit im Pochusbospital. Ein Ver­fahren wegen fahrlässiger Körperverletzung konnte nicht eingeleitet werden, weil der Vater des Kindes, der mit mehreren lausend Mark entschädigt wurde, keinen Strafantrag stellte. Der Angeklagte, der nicht erschienen war, machte durch seinen Verteidiger,' Dr. Stulz- Frankfurt' geltend, daß er nicht zu rasch gefahren sei. Durch die Zeugen, einem Gpmnasiallehrer und einem Fuhrmann, wurde fest- gestellt, daß Kröll dermaßen rasch gefahren, daß das Automobil in Zickzackbemegungen geraten sei. Einer der Zeugen erklärte, er habe geglaubt, die Insassen des Autos seien entweder verrückt ge­worden oder betrunken. 9Iud) habe sich Kr. nach dem Unglück recht herzlos benommen und erklärt,er mache alle? mit Geld ab". Ter Amtsanwalt, Assessor Kilian, beantragte drei Wochen H aft, das Gericht, unter dem Vorsitze des Assessors Dr. Frieden- reich, erkannte auf 60 Mark Geldstrafe und die Kosten de? Verfahrens.

Die Schwiegermutter ertränkt. In der letzten Schwurgerichtsverhandlung zu Ersurt statte sich die 25 jährige Landwirtssrau Melitta Möller aus Walschleben zu berontroorten. Sie sollte am Abend des 16. Juli ihre Schwiegermutter, die 67 Jahre alte Witwe Möller, absichtlich in den Hofbrunnen geworfen, mit einer Kartofselbacke geschlagen und Steine und Holzklötz.e nach der Hilferufendetz. geworfen haben. Die alte Frau ist nach zestnwöchentlichem Krankenlager im Krankenhaus: gestorben. Die Annellagte war geständig, daß sie sich der ver­suchten Tötung schuldig gemacht habe, sie sei aber von der Schwie­germutter durch fortgesetzte Beleidigungen und Mißhandlungen zu der Tat gereizt worden. Tas Urteil lautete auf drei Jahre Gefängnis und fünf Ighre Ehrverlust.

Stuttgart, 16. Okt. Das hiesige Schwurgericht verurteilte beute den ledigen, 30 Jahre alten Tagelöhner Johann Haaf aus Herlebach wegen Raubmordes zum Tode. Er hatte am 29. Dezember v. Js. den 62jährigen Tagelöhner Abele in dessen Wohnung mit einem Hammer getötet und beraubt.

Wien, 16. Okt. Die des Totschlages an ihrem Gatten angeklagte Hotelbesitzerin Marie Pusch wurde nach zweitägiger Verhandlung f r e i g e s v r o ch e n , nachdem die Ge­schworenen die Hauptfrage auf Totschlag und die Zusatzfrage auf Vorhandensein von Sinnesvermirruna einstimmia bejahten.

Die Berliner Firma v. K. u. Co. besitzt in (Stehr in Oberösterreich die sogenannte Steinpcrzmühle, die in letzter Zeit außer Betrieb war Simon wußte feinen Chef, den alleinigen Inhaber des er­wähnten Bankgeschäfts Dr. jur. R-, unter allerhand günstigen Versprechungen und Vorspiegelungen zu bewegen, ibn mit her Umwandlung der unbenutzt dastehenden Mühle in eine Sagemuhle zu betrauen, wozu nach her Angabe Simons ein Kapital von etnm 12 000 Kronen nötig fei. Die Sägemühle wurde neu eingerichtet und instandgeselst- Wie sich jetzt berausstellt, hat Simon das in ihn gesellte Vertrauen mißbraucht. Als er dieser Tage tn Begleitung seiner Braut, einer Wiener Schauspielerin, auf hem Trabrennvlatze in Wien einem Fiaker entstieg, wurde er ver­haftet Er wird beschuldigt, in seiner Eigenschaft als Liegen­schaftsverwalter der Mühle etwa 20 000 Kronen veruntreut und einen Teil des Inventars im Werte von 4000 Kronen widerrecht­lich verkauft zu haben. Diese beiden Strafdelikte gab er bei seiner Vernehmung ohne weiteres zu. Den größten Teil her unterschlagenen Gelder will er auf her Rennbahn berfhielt haben. Bei seiner Leibesbisitation wurde außer einer großen Anzahl Tricketts berloreuer Totalisatorwetten ein Paket Banknoten in Höbe von etwa 10 000 Kronen gefunden, die aus englischen, ameri- kaiiischen. östreicbischen und deutschen Pavieren bestanden. . Er trug das Geld, durch eine Gummispange festgehalten, an fernem Fußknöchel unter dem Schuh und dem Strumpf berborgen. Dem Verhafteten werden ferner auch Kautionsschwindeleien zur Last gc'egt. die er dadurch b er übte, daß er als Verwalter der Mühle mehreren Personen Anstellungen im Sägewerk versprach gegen Hinterlegung von Wertpapieren als Sicherheit. Die auf diese Weise erschwindelten Beträge haben, soweit sich bisher ermitteln ließ, einen Gesamtnominalwert von 13 200 Kronen. Tie Gesamt- hohe'- h'r Veruntreuungen Simons einschließlich ferner Kautions­schwindeleien soll 4Q000 Kronen erreichen. Wie aus Wien noch gemeldet wird ist auch der Bruder des Moritz, der 30 jährige Kaufmann Eugen Simon, durch b:e dortige Polizei feftgcnommnt worden; er wird der Beihilfe und der Mitwissenschaft an den ^Betrügereien seines Bruders beschuldigt. Außerdem geht aus den in seiner Wohnung beschlagnahmten Briefschaften hervor, daß er einer Wiener Firma Ansichtskarten im Werte von 1432 Kronen unter falschen Vorspiegelungen entlockt bnt; wegen eines ähnlichen Schwindels wird er auch von der Staatsanwaltschaft in Offenbach m M steckbrieflich verfolgt.

lünifi und rMssettschaft.

Man berichtet aus Kassel: Hier ging im Hostbeater das Lustspiel ,.Die goldene Eva" zum erstenmal in Szene. Tas harmlose Verssviel der Kompagnie Schönthan-Koppel-Ellfeld fand freundliche 9fiffnnhme.

SZseiebcrhn-Aertung.

Von ärztlicher Seite wird derFrkf. Ztg." mitgeteilt, daß der Minister Breitenbach gewillt sei. zunächst in Frankfurt am Main freie Arztwahlbei den dort wohnenden Eisen- bnbnarbeitern einzusühren. Von einem noch näher zu be­zeichnenden Termin ab sollen die Eisenbahnarbeiter, welche in der Stadt und den eingemeindeten Vororten wohnen, zunächst auf ein Jahr das Reckst haben, auf Kosten der Betriebskrankenkasse sich in Krankheitsfällen von jchent beliebigen Arzte, der in Frank­furt oder einem eingemeindeten Vororte seinen Sitz hat, behan­deln zu lassen. Bisher mußten die Eisenbahnarbeiter zu be­stimmten Krankenkassenärzten gehen. Hinsichtlich der Eisenbahn- benmten und .Hilfsbeamten des äußeren Dienstes verbleibt es beim alten. Diese werden nach wie vor von den Bahnärzten behandelt.

Wien, 16. Okt. Nach dein Erntebericht de? Ackerbau­ministeriums war die Ernte Mitte Oktober fast beendet. Sie liefert im allgemeinen einen schwach mittleren Ertrag. Gutmittel ist dagegen die Maisernte. Der Ertrag des Zuckerrübenbaues ist mittel, die Qualität der Zuckerrüben im allgemeinen gut. Der Ertrag des Weinbaues ist kaum mittet. Die Qualität dieser Ernte ist unbefriedigend. Der Obstertrag ist weiter vermindert. Der ,-crbstgnbgit aller Landey 'st stark rückständig_____________

Handel und verkehr, Volkswirtschaft.

Märkte.

Berlin, 16. Okt. Auf dem hiesigen Z e n t r a l - V i e h h o s brach unter den großen Beständen inländischer Schweine die Maul- und Klauenseuche aus. Sie ergriff nicht nur -117 Schweine, sondern auch 74 Rinder. Es bandelt sich tun Vieh, das vom Camstaomarkte überständig geblieben äst. Die Tiere wurden nach dem Seuchenhofe überführt und in der Nacht geschlachtet. Alle Maßnahmen sind getroffen, um ein weiteres Umsichgreifen der Seuche zu verhüten.

Telefomscfo® KwrsbepseMe

des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank fllr Handel und Industrie. Giessen.

Kaninchen- nnd Geflügcl-Ansfteltung zu Rodhcim a. d. Bieber.

(Original-Artikel des Gießener Anzeigers.)

Die Samstag mittag eröffnete, groß angelegte 4. Lokal­ausstellung des Kaninchenzuchtvereins Kinzenbach und Um­gegend war ungemein reich beschickt, sodaß man außer dem großen Benderschen Gartensaal noch die Kegelbahn zu Hülse nehmen mußte. Zn langen Reihen übersichtlich und zweckmäßig geordnet waren die Tiere in geschmackvoll eingerichteten Käfigen untergebracht. Zahlreich waren vor allem die Kaninchen vertreten, teils als Einzel­tiere, teils in ganzen Familien. 91 eben den großen belgischen Riesen sah man Hie Widder, Silberkaninchen, die weißen Russen mit ihren roten Augen, Hasenkaninchen und auch das belgische Landkaninchen ein wahres Prachttier war zum erstenmal vertreten. Aber auch die Geflügelausstellung verdiente volle Anerkennung, ließ sie doch nur zu deutlich durchblicken, daß man in unterer Gegend dem Geflügelhof immer mehr Beachtung schenkt. Während auf dem Vorplatz das Wassergeflügel sein Geschnatter ertönen ließ, verur­sachten die im Saale ausgestellten Hähne der gangbaren Hühner- arten oft ein ohrenbetäubendes Gekrähe. Als 9lbwechslimg waren Tauben ausgestellt, deren einzelne Arten auch dem stlichtkenner großes Interesse abzugewinnen wußten.

Die Ausstellung, obgleich die erste in hiesiger Gegend, hat der Kleintierzucht sicher wieder viele Freunde zugeführt, und unser Kaninchenzuchtverein, der bereits über 70 Mitglieder zählt, darf aufs, neue auf einen starken Zuwachs rechnen. Am Sonntag allein wurden mehr als 1000 Eintrittskarten verkauft, die auch gleich­zeitig als Los berechtigten. Aber auch für die Unterhaltung ivar in reichstem Maße gesorgt. Reben dem stark umworbenen Schieß­stand drehten sich ost mehr denn 50 Tanzpaare auf dem im Freien angelegten Tanwlatze. Aus der P r ä m i i e r u n g s l i st e seien folgende Aussteller erwähnt:

I. Ehrenpreise.

a) Kaninchen: 1. Th. Viehmann-Kinzenbach, gestiftet vom K.-Z.-V.-Kinzenbach; 2. Gg. K. Schmidt-Kinzenbach, gestiftet von Aug. Giabriel, Gießen-Abendstern.

b) Hühn e r: 1. Dr. Seipp-Krofdorf, gestiftet vom K.-Z.-V. Kinzenbach; 2. Bäckermeister Deuker-Rodheim, gestiftet von Dr. Seipp- Krofdorf.

II. Ehrenpreise.

1. Rich. Scheinpflug-Dorlar, gestiftet vom K.-Z.-V. Wetzlar- 91iedergirmes; 2. Wilh. Schneider-Krofdorf, gestiftet vom K.-Z.°V. Allendorf a. d. L.

Als beste Gesamtleistung erhielt H. 6;gbriel°Gießen den vom K.-Z.-V.Volkswohl^-Gießen gestifteten Ehrenpreis.

Vermischte».

* Umfangreiche Untcrsck, lag u ugen zum Nachteil eines Berliner Bankhauses haben in Wien zur Verhaft­ung eines ungetreuen Vertreters her Firma geführt; es handelt! sich um den 27jährigen, aus Trier gebürtigen MvritzSimon.I

T'B'.inkfnrter Biir*

3%®/o Reichsanleihe . . 97.95 3% do. . . 86.25 W!0 Konsols .... 98.00 3% do. .... 8625 3%°fn Hessen .... 97.50

9 i£°/n Oberhessen . . . 4 H Oesterr. Goldrente. . 98.90 4l/B?< Oesterr. Silberrente 99.90

4 9,< IJnsar. Gold reute . . 94.80 4% Italien. Rente . . . 102.80 3% Portugiesen Serie I . 69.30 3% Portugiesen ,. III 70-45 4 ^°/0 russ.Staatsanl. 1905 87.75 4J4% japan. Staatsanleihe 92.75 1 % Conv. Türken von 1903 94 20 Turkenlose 145.60 4 % Griech. Monopol-Anl. 53 50 4 % äussere Argentinier . 87.75 30/ft Mexikaner .... 67.70 4H°/o Chinesen .... 96-70

Aktien:

Bochum Guss 241.75

Buderus E. W .....

Tendenz : fest.

Berliner Börse, 1

Canada E. B 183.00

Darmstädter Bank . . . 139.25 Deutsche Bank .... 239.10 Dortmunder-Union C. . . 82 70 Dresdner Bank .... 157.20

Tendenz: fest.

e. 17. Oktober, 1.15 Uhr.

Elektriz. Lahmeyer . . . 141.75 Elektriz. Schnckert . . . 127.50 Escbweiler Bergwerk . . 244.00 Gelsenkirchen Per "werk . 223.40 Hamburg- - Amerik. Pakets. 128.20 Harpener Bergwerk. . . 212.00 Laurahütte 250.50 Nbrdd. Lloyd 124.30 Oberschles. Eisen-Industrie 129.00 Berliner Handels^es . . 172.00 Darmstädter Bank . . . 139.40 Deutsche Bank . . . 239.30

Dcntseh-Asiat. Bank . . 172.70 Diskonto-Kommandit. . . 183.00 Dresdner Bank . . . 157.20 Kreditaktien 211.60 Baltimore- und Ohio-

Eisenhahn . . . 125.10

Gotthard bahn. Lombard. Eisenbahn . . 37.30 Oesterr. Staatsbahn . . . 147.10 Prince-Henri-Eisenbahn . 146.75

7. Oktober. Anfangskurse.

Harpener Bergwerk. . . 212.40 Laurahütte 251.75 Lombarden E. B. ... 37.40 Nordd. Lloyd 124.30 Türkenlose 146.60

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