Ausgabe 
17.10.1906 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Are heutige Dummer umfaßt 10 Seite«.

Hoskostgangerek.

Präs entationspflichtew

oder um den ranostanor>a)en vruslchnß handelt, scheidet bei der sachlichen Beurteilung der Dinge, um die es sich hier handelt, zunächst aus galt bisher durchaus nicht als cinwandSfrer, im Gegenteil, gerade an der Erfüllung der sogenannten Repräsen- tatwnspslichten scheiterte die Verständigung iioec die Vizepräsideu- tenfrage. Die Meinungen in der Partei gingen darin bekannt- Ilch auseinander. Schreiber dieses steht schon lange auf dem Standpunkt, daß die Erfüllung der heute noch üblichen und von der bürgerlichen Mehrheit sür gewisse Körperschaften als un- entbehrlich erachteten Repräsentationspflichten kein Grund für uns bilden sollte, auf den Anspruch bestimmter Posten ohne wei­teres zu verzichten."

Danach muß man die Hoffnung, die auch die deutschen Börsen bisher zu erkennen gaben, daß die Parteien ein­ander doch noch entgegenkomnien werden, um die allgemeine Kalamität eines großen Kohlcnarbeiterstrciks dem Volke zu ersparen, auf die niedrigste Stufe stellen. Die Aussicht, daß man in Berlin zu einem anderen Ergebnis als in Essen kommen wird, ist sehr gering. Ein Eingreifen der Negierung würde wohl auch nicht viel helfen. Ihr bürdet man ja die ganze Schuld auf, und es ist ja nicht zu leugnen, daß sie und das NeichSparlcrrmmt einen Teil der Schuld an der Ver- teuerung der Lebensmittel tatsächlich tragen.

Wir meinen, die reichen Kohlenbarone würden nicht nur im eigenen, und nicht nur im Interesse ihrer Arbeiter, sondern im Interesse des ganzen deutschen Volkes handeln, das Kohlen braucht wie Brot, wenn sie im Hinblick auf die allg. Teuerung dem Gesuch der Bergarbeiter um Lohn­erhöhung sich doch noch entschlössen das Wohlwollen ent­gegen zu bringen, da§ eS verdient. Es wäre ein be­dauerliches Zeichen von Nervosität, wenn in jeder Bestrebung der Arbeiter um Aufbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage ein Versuch zu klassenkämpfcrischer Kraftprobe gesehen würde. Es werden doch gegenwärtig auch Staatsbeamte vorstellig um Gehaltserhöhung, und viele Kommunen ge­währen ihren Angestellten aus freien Stücken höhere Bezüge oder TeuerungSzulagen. Da kann das Verlangen der Bergarbeiter nicht unbillig genannt werden. Allerdings müssen sich die letzteren davor hüten, ein poli­tisches Moment in die Lohnbewegung hinein zu tragen, mit dem Streikscuer zu spielen, und die Männer von der (Siebener- kommission können sich kein größeres Verdienst erwerben, als indem sie auch jetzt noch unausgesetzt zur Besonnenheit und Mäßigung mahnen.

Lotttische Cagesfchg«.

Mit dem neuen Buchdruckertarif beschäftigen sich wie in Gießen, so auch in verschiedenen anderen Städten die Buchdruckergehülfen. In Berlin empfahlen die Mitglieder des Tarifausschuffes die Annahme des Tarifes, fanden aber bei sämtlichen Rednern Widerspruch; es wurde erklärt, die Gehülfen hätten bei den Verhandlungen .nichts" (!) erreicht. Der Zentraloorsitzende des Verbandes, Döblin, der nicht anwesend war, wurde heftig wegen seines Verhaltens angegriffen. Ihre Ansicht über den neuen Tarif sprach die Versammlung in folgendem einstimmig angenommenen Be­schlüsse aus:

Zur ^oi-nvcwegung im ZZergöau.

2)ie für den 22. Oktober nach Berlin einberufene Ver­sammlung aller deutschen bergbaulichen Vereine wird von entscheidender Bedeutung sein für die Gestaltung des Lohn­kampfes im Kohlenbergbau. Aus dem Verlauf der großen Bergarbeiterbewegung vor zwei Jahren weiß man allerdings, daß die Berg Herren, namentlich des Westens, nicht ge­rade darauf brennen, die Erwartungen des deutschen Volkes in Rücksicht zu ziehen. Ueber den damaligen Handelsminister Möller wurde von diesen Bergherren, seinen früheren Berufs­kollegen, etwas von oben herab geurteilt. Der im Osten heimische, mit den Verhältnissen des Westens weniger ver­traute Minister Dr. Delbrück dürfte in den bergbaulichen Unternehmerkreisen erst recht nicht als sachverständige Respektperson gelten. Auf seine Veranlassung stellte das Oberbergamt Dortmund Erhebungen über Lohnhöhe und Arbeitssperre bei den Kohlenzechen durch Revierbeamte an. Festgestellt ist, daß die Löhne steigend sind und daß eine Arbeitersperre auf Grund von Verein­barungen der Betriebsführer besteht.

Aus Essen a. d. Ruhr kommt nun heute folgende überaus wichtige Meldung:

Das Ergebnis der V o r st a n d s s i tz u n g des Bergbau­lichen Vereins be>teht darin, daß die Forderung einer 15-prozentlgen Lohnerhöhung abgelehnt wird mit der Begründung, daß sich bereits eine Aufbesserung der Löhne vollzogen habe. Dagegen erkennt der Bergbauliche Verein bie Verteuerung der Lebens mittel an, meint jedoch, daß brer eine Schuld derötegierung vorliege, welche durch Abänderung d e r Z o l l p o l i t i t und der Bieheinfuhr Remedur schaffen müsse.

Ans SiaOt uno tiano*

Gießen, den 17. Oktober 1906.

** Die Staatsprüfung für den Justiz- und Verwaltungsdienst, der sich 22 Kandidaten unter­zogen, begann gestern zu Darmstadt. Das Examen soll ernt 26. d. M. beendet fein.

Der sozialdemokratische Beigeordnete. Nach auswärtigen Blättern wird in der zweiten Kammer die Bestätigung der Wahl des Sozialdemokraten Eißnert zum Beigeordneten zur Sprache gebracht werden. Auch die rechtsnationalliberalen Kreise des Großherzogtums seien durch diese Bestätigung peinlich berührt.

-s- Heuchelheim, 15. Okt. Heute entdeckten die hiesigen Jeldgeschworenen bei ihrem Grenzgange an der Grenze des Heuchelheimer Waldes reife Heidelbeeren und außerdem zahlreiche Stöcke, die in voller Blüte standen. Man brachte von den reifen Früchten mit in den Ort, um den Leuten diese Seltenheit zu zeigen.

O Krofdorf, 15. Okt. Die Zusammenlegung der Ländereien in der großen Feldmark der Gemeinden Krofdorf und Gleiberg macht auch eine Verlegung der Haupt- traße Gieß en-Krofdorf zur dlohvenbigfeit. Der an ber «Seemühle" oorbeiführenöe Wea wird zugeworfen und

Die Milit'arforderungen.

Wegen der in Aussicht stehenden Militärforderungen sucht die Reichsregierung zu beschwichtigetl. Halboffiziös wird bemerkt, es sei gar fein Grund, sich dieserhalb auf­zuregen, denn die Forderungen enthielten für den Reichs­tag nichts neues, da sie in der Budgetkommission wiederholt erörtert worden seien. ,

Soweit die Umbewaffnung der Feldartillerie in Frage kommt, ist das allerdings geschehen, aber die betreffen­den Erklärungen des Kriegs Ministers v. Einem deuteten nicht darauf hin, daß die allgemeine Einführung der Rohrrücklaufgeschütze mit Schutzschilden so nahegerückt sei. Offenbar ist auch der Schatzselretär Frhr. v. S t e n g e l durch die Forderungen der Heeresverwaltung überrascht worden, sonst wäre er nicht zusammen mit General v. Einem zum Fürsten Bülow geeilt. Die Budget­berechnung des Schatzseiretärs drohte ossenbar verschoben zu werden; man hat sich deshalb, wie wir schon mitteilten, geeinigt, die Kosteri der llrtärford erringen auf mehrere Jahre zu verteilen, woraus ohne weiteres hervorgeht, daß es sich um sehr beträchtliche Summen handelt. Wird nun die Neuerung seitens der Militärverwaltung für so dringlich erachtet, daun muß die Notwendigkeit vor- lieAen, die deutsche Armee wieder irgend einer aus­wärtigen äiim mfinPeft.eu. gleich,wertig zu!

erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden iin Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien» blätter viermal ht der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'schen Univers.-Buch-rr. Stein- b ruderet. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei:

Scknlstraße 7.

Redaktion 113

Verlag u.Exped, etg^51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

Vezugüpret-i monatlich 75Ps., viertel- jäbrlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePostMk. 2.viertel- jährl. ausschl. Bestellg, Annahme von Anzeigen für die Tagesnumm« bis vormittags 10 Uhr. ZeilenvreiS: lokal 12 Ps* auswärts 20 Psg.

Verantwortlich tür den polit. und öligem, Teil: P. Witlko- für »Stadt und Land" und .Gerichtssaal"! Ernst Heß; sür den An- seigenteil: HanS Beck.

machen, und anderseits muß die deutsche Wasfenfabrikation in der Lage sein, schlechthin vollendetes Material zu lresern, denn die Militärverwaltung könnte sich nicht zu einer in die Millionen gehenden Ausgabe entschlreßen, wenn sie auch nur den geringsten Zweifel an der Vorzüglich­keit der fraglichen Neuerung in der Bewaffnung hegte. Gerade General v. Einem hat sich aus diesem Grunde geraume Zeit hindurch dem Rohrrücklausgeschütz mit Schutzschild gegenüber ablehnend verhalten und als Freund des Feld-Schnellseueraeschützes bekannt. Im Reichs­tag werden über die artilleristischen Neuforderungeu wohl nicht viel Worte gemacht werden, die Bewilligung mit allen Stimmeti gegen die Sozialdemokraten darf als sicher gelten. Da die Kosten auf mehrere Jahre verteilt werden sollen, greift die finanzielle Wirkung dieser mUi* tärischeu Vorlage am Ende noch auf die nächste Legislatur» Periode über. Aber auf die Neuwahlen zum Reichstag hat sie schrverlich Einfluß, diese tverden unter einem anderen Zeichen, vielleicht dem der Flottenvermehrung, vor sich gehen.

rium des Innern, Dr. v. Sandt, den Roten Adlerorden ö. Klas,e mrt der Schleife, dem Rektor Geheimrat Ja­cobi den Kronenorden 3. Klasse.

Zur Frühstückstafel, die heute mittag im Palais Schaum­burg stattfand, toarert u. <r geladen: Der Dienst des Kaisers, ^ Herzog und die Herzogin von Sachsen-Koburg und Gotha mit Ge,olge, Prinz Vtoritz von Schaumburg-Lippe und Prinz August Wilhelm von Preußen. Heute nachmittag unternahm der Kaiser eine Spazierfahrt im Automobil, besichtigte die romanische Kirche in Schwarzreiudors, begab sich nach Siegburg zur Besichtigung der Abteikirche und kehrte in einer Schleife über Oberpleis, Kloster Heisterbach, Dollendorf und Beuel nach Bonn zurück. Um 6 Uhr sand im Palais Schaumburg Tee statt, zu dem von Bonner Herrschaften geladen waren: Frau Geheimrat von Sandt, Geh. Regierungs- und Vortragerider Rat v. Sandt, Frau Assessor Gerber, Geheimrat Prof. Dr. Loersch, zwei Fräulein Schaaffhausen, Baronin von Rigas, F-ran von Schloetzer und Baron von Rigal. An der Abendtafel nahmen außer dem Prinzen August Wilhelm von Preußen auch die Erb- prinzessin von Schaumburg-Lippe, sowie folgende Herren teil: Oberprüsident Frhr. v. Schorlemer-Lieser, General v. Deines, der kommandierende General v. Ploetz, Kultus­minister Dr. Studt lind Neaierungspräsident Dr. Stein- meister, sowie Oberbürgermeister Spiritus.

Arc HrittMung des Kaiser WiLyelm-AenKmals in Aonn.

Bonn, 16. Okt.

Um 12 Uhr 'heute mittag fand im Beisein des Kaisers die Enthüllung des Kaiser Wilhelm-Denkmals vor der Universität statt. Oberbürgermeister Spiritus hielt eine Ansprache, in welcher er nach Würdigung der Verdienste Kaiser Wilhelms I. um die Gründung des Deutschen Reiches daran erinnerte, daß dieser seinen Sohn, den nachmaligen Kaiser Friedrich, zur Bonner Hochschule entsandte und so­mit den Grund legte zu der Gepflogenheit, durch die für den Thronerben Bonn als Universität bestimmt wurde und hoffentlich bis in ferne Zeit bestimmt sein werde. Er ge­dachte im Anschluß daran der Studentenschaft des jetzigen Kaisers in Bonn. Die Rede klang in ein Hoch auf den Kaiser aus.

Der Rektor der Universität, Geheimrat Dr. Jacobi, übernahm das Denkmal mit einer Ansprache, worin er hervorhob, daß zum größten Teil ehemalige Studierende der Hochschule den Plan faßten und durchführten, das Standbild in Bonn zu errichten, bamit auch den jüngeren Generationen Studierender die Glanzperiode der deutschen Geschichte immer vor Augen stehe. Der Aufblick zu dem Bilde möge allen kommenden Geschlechtern deutscher Musen- svhne bei ihrem Eintritt in die Bonner Universitätsstadt bedeuten, daß, so verschieden auch die Ideale sein mögen, die ihre jugendlichen Herzen erfüllen, alle diese doch erst ihren vollen Wert empfangen von dem Ideale der Vater­landsliebe und Königstreue; mögen alle, die einziehen werden in die Hallen unserer Universität, durchglüht roer- den von dem einen Gedanken: Deutschlarrd über alles!

Nachdem der Kaiser das Denkmal besichtigt hatte, begab er sich nach dem Palais zurück. Er verlieh dem Oberbürger­meister Spiritus die Brillanten zum Kronenorden 2. Kl., dem tSeh. Regie,rungs-, und Vortragenden Rat im Mniste-

Die Leipz. N. Nachr. bemerken dazu:

Das liest sich alles sehr schön und sehr gut. Im Grunde genommen braucht auch die bürgerliche Presse gar nichts da­gegen einzuwendcn, wenn neue Pflichten erzieherisch auf das fönst so rauhbeinige und so allein nur den unentwegten Ge­nossen wohlgefällige Gehabe und Getue ihrer Führer einwirkt. Eben deshalb hätte der Genosse Geck auch ganz ruhig die Prä- sidralaudienz beim Großherzog mitmacken können, um so mehr, als der Genosse Geck bei Beginn des Landtags und nach Ueber- nähme seines ihn so sehr beglückenden Amtes aufs feierlichste versprochen hat,den Pflichten seiner Stellung in taktvoller Weise gerecht iu roerden: Bis zum Mitessen beim Prinzen Karl, dem Bruder des Großherzogs, reicht dieser Takt, aber der vollere ist immer noch der großherzogliche Prinz, der sich nicht daran stößt, einen Parlamentskollegen zu Tisch einzuladen, der sich amtlich verpflichtet fühlt, seinem Bruder, dem Groß­herzog, den pflichtschuldigen Zoll der Ehrerbietung zu verweigern. Genosse Geck wähnt sich int Recht, wenn er die Parteipflicht über feine Pflicht gegen d.rs ' Abgeordnetenhaus stellt, ganz abge­sehen von den allgemein gültigen Geboten der Höflichkeit, auf die sich gerade die Genossen immer am allerersten berufen, wenn ihnen einmal auf die Hühneraugen getreten wird, in der Aus­nahme, rauhe Sitten seien unumstößlicher, sozialdemokratischer Landbrauch."

Erstes Blatt LS«. Jahrgang Mittwoch 17. Oktober 190«

Gießener Anzeiger

w General-Anzeiger ® **

Amts- und Anzeigeblatt fflr den Kreis Gießen

.Die zehnprozentigen Aufbesserungen entsprechen nicht den heutigen wirlschastlichen Verhältnissen und werben durch die Neu­regelung der Staffel zum Teil illusorisch gemacht. Außerdem ver­langen wie die Aufbesserung für alle Gehülfen. Die Gehülfenschaft halte in der Frage der Arbeitsverkürzung mehr Entgegenkommen erwartet Das Berechnen an den Setzmaschinen in Verbindung i-,nt der, Verlängerung der Arbeit eir j>'.r Maschinenscher um eine chalbe -stunde ist für die Gehülfenschaft unannehmbar. Die Ver­sammlung ersucht den Zentraloorstand, neue Verhandlungen mit der Prinzipalitat auf dieser Grundlage m die Wege zu leiten. Will die Prinzipalität erneute Verhandlungen ablehnen, so ist unver­züglich eine außerordentliche Generalversammlung einzuberufen."

Der Vorsitzende Massini forderte die Versammelten auf, ruhig weiter zu arbeiten, bis eine außerordentliche General­versammlung Beschlüsse gefaßt habe.

Ferner haben sich die Buchdruckereigehülfen der. Bezirke Düsseldorf, Barmen und Elberfeld in ablehnendem, beziehungs­weise mißbilligendem Sinne gegen die neuen Tariffestsetzungen ausgesprochen.

In Königsberg wurde der neue Buchdruckertarif und der Organisationstarif mit zweidrittel Mehrheit abgelehnt. Da­gegen erklärte sich in Dresden eine Buchdruckergehülfen- Versammlung gegen eine starke Minorität mit den Tarif­abmachungen einverstanden unter der Bedingung, daß auch den mit mehr als 3 Mk. über das Minimum entlohnten Gehülfen eine Zulage gewährt wird. Ferner forderte die Versammlung unbedingt die Erhöhung des Lokalzuschlags von 17 % auf 20 Prozent, um mit Leipzig auf die gleiche Stufe zu kommen.

Angesichts der überwiegend ablehnenden Haltung der Gehilfen hält der Vorstand des Verbandes der deutschen Buchdruckereigehilfen es jetzt für an der Zeit, auch seinerseits die Rechtslage klarzustellen. In einem Appell an die Verbandsmitglieder sagt er, daß in den meisten Fällen eine vollstäikdige Verkennung >er derzeitigen Verhältnisse im Gewerlle das ablehnende Urteil der in Frage kommenden Versammlungen diktiert habe, und daß die Art und Weife, wie man zu, den einschlägigen Verträgen Stellung genommen habe, dazu angetan sei, £tie Interessen des Verbandes und einer Mitglieder auf das schwerste zu schädigen.

Man erinnert sich der heftigen Preßereiferungen um Ulrichs Teilnahme am Parlamentsdiner und der kurzen Konversation zwischen Großherzog und Sozialdemokrat. Jetzt nimmt der sozialdemokr. ,Volksfreund" in Karlsruhe feinen Freund Abg. Geck gegen Vorwürfe in Schutz, die gegen ihn wegen Teilnahme an einer Mahlzeit bei dem Prinzen Karl von Baden erhoben worden sind:

Es handelt sich hier nicht um irgend welchen Prinzipien- v er stoß, sondern um einen rein gesellschaftlicffen Vorgang. War­um sollte der Vertreter der Sozialdenwkratie einer persönlichen und gesell,chaftlichen Einladung eines prinzlichen Kcrmmerkollegen keine Folge geben? Es wird doch wahrhaftig niemand glauben, daß die sozlalmische Ueberzeugnng des Genossen Adolf Geck oder dre sozraldemokratische Partei dabei zu Schaden gekommen ist. Prmz Kan i|t Präsident der ersten Kammer und als solcher Vor- sitzender des landständischen Ausschusses. Als solcher, nicht als Pnnz von Baden, hat er die Einladung ergehen lassen. Wenn demgegenüber die Pfalz. Post (das Organ des Reichstagsabg. Ehrhafi-Ludwigshafen) bemerkt, daß, falls die Esserei zu den Reprasentatwnspflichken des landständischen Ausschusses gehörte, gegen dre ^.erlnahme von Sozialdemokratennatürlich nicht das geringste einzuwenden Iväre" so muß demgegenüber zunächst hervorgehoben werden, daß dem landständischen Ausschuß gar kerne Repräsentationspflichten obliegen. Di-r'e Auffassung der Psälz. Post war aber brslaiig in btr sozialdemokratischen Partei auay durchaus mcht selbstverständlich. Die Erfüllung solcherRe- nspflrchten" ob es srck dabei um das Präsidium den landständischen Llusschuß handelt, scheidet bei der