Ausgabe 
15.11.1906 Zweites Blatt
 
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baß fm Fass« eim*5 Eingeh>ens bes BezirkSvereinS das etwa noch vorhandene Vcrcinsvcrmögen dem Kreis Gießen zum Zweck der Förderung des landw. Unterrichtswesens überwiesen werden soll. (Man ist übrigens nicht der Meinung, daß infolge des Jnslebentretens der Landwirtschaftskammer der Verein ein­gehen soll.)

Zweiter Punkt der Tagesordnung ist':

Der Unterricht an den Fortbildungsschulen im Kreise Gießen mit besonderer Berücksichtigung der Landwirtschaft.

Professor Dr. Gisevius führt hierzu aus:

Ms ich, meine Herren, zum ersten Male in Ihrem Bezirks- Verein das Thema der ländlichen Fortbildungsschule behandeln durfte, machte ich Hhnen von der geradezu erstaunlichen Ent­wickelung der dänischen Landwirtschaft Mitteilung und davon, daß mir die Dänen selbst bei einer Reise durch ihr Land als Grund für jene Erscheinung die Förderung ihres Fortbildungsschul- wesens gaben. Dänemark zählt mit Ausnahme der Stadt Kopen­hagen 2 000 000 Einwohner und besitzt 98 Volkshochschulen, die eine Zwischenstufe zwischen unseren Wintcrschulen und unsern Fortbildungsschulen einnehmen. Ich kann auch heute nur von neuem darauf Hinweisen, daß tatsächlich der große Aufschwung der dänischen Landwirtschaft nur von der Hebung der Intelligenz der dänischen Landwirte hergeleitet werden kann; es gibt keinen sonst irgendwie greifbaren anderen Grund dafür. Ich will z. B. nur anführen, daß die Dänen u. a. pro Kopf der Bevölkerung Schweinefleisch für 22 Mk., Eier für 6 Mk., Butter Jür 45 Mll mehr ausführen als einführen: zusammen al)o diese Ge­genstände für 73 Mark: während Deutschland pro Köpf der Be­völkerung Schweinefleisch für 0,64 Mark, Eier für 2 Mark, Butter für 0,40 Mark mehr einführt als ausführt: zu­sammen also diese Gegenstände für 3,04 Mark.

Nur 10 Proz. der dänischen Volkshochschulen wird durch private Mittel unterhalten, der kleine dänische Staat wendete 1895/96 23 000 Mark, 1898/99 90 000 Mark, 1902 111 000 Mark, 1904 160000 Mark für allgemeine Unkosten für diese Schulen auf.

Diese Erscheinung hat in Deutschland von neuem die Aufmerk­samkeit auf die Bedeutung der ländlichen Fortbildungsschule gelenkt und auch in Hessen den Versuch angezeigt erscheinen lassen, die Fortbildungsschule auf dem Lande noch weit frucht­bringender zu gestalten, als das schon der Fall war.

In unscrm größten deutschen Bundesstaate Preußen wurde 1850 die erste Fortbildungsschule in Nheinpreußen begründet. 1876 gestattete ein Ministerialcrlaß die Berücksichtigung von Fachinteressen auf solchen Anstalten, 1902 besaß Preußen 1427 ländliche Fortbildungsschulen mit 20 755 Fortbildungsschülern neben 1684 gewerblichen Fortbildungsschulen mit 203000 Fortbildungsschülern. Man hatte hier zunächst in den Fortbild­ungsschulen einen erweiterten Volksschulunterricht erteilt, der weder den Lehrern, noch den Schülern, noch auch den Eltern so recht behagte, man hatte dann mit besserem Erfolge allmählich etwas Fachunterricht hincingebracht, hält aber auch da noch den eigentlichen Fachunterricht, wie ihn die Winterschulen erteilen, von den Fortbildungsschulen fern. Ein großer Uebelstand liegt chei den preußischen Fortbildungsschulen darin, daß der Besuch fast durchweg kein obligatorischer ist. In anderen größeren deutschen Staaten hat die ländliche Fortbildungsschule sich erst in den letzten Jahren stärker entwickelt, durchweg ohne obliga­torischen Schulbesuch auf dem Lande.

Das Großherzogtum Hessen besitzt im Gegensatz zu den übrigen Staaten in seinem wohlgeordneten Fortbildungsschul­wesen auf dem Lande ntit_ obligatorischem Schulbesuche einen Schatz, um den ihn andere Staaten beneiden müßten. Es handelt sich bei uns im Großherzogtum nur darum, diese schön ge­ordnete Grundlage fruchtbringend zu gestalten, weil unser Fort­bildungsunterricht auf dem Lande heute nur eine erweiterte Wieder­holung des Dolksschulunterrichtes ist, und weil die Schüler wie Mtern das als einen lästigen und nicht sehr fruchtbaren Zwang empfinden, weil aber auch die Lehrer an dieser Art des Unter­richtes keine so rechte Freude haben können. Gelingt «s uns, unsern jetzt wenig nutzbringenden Schatz! frucht­bringend zu gestalten, indem wir dem Fortbildungs­unterricht neues Leben und neuen Inhalt geben, so kommen wir mit einem Schlage den Dänen nahe und können die besten Hoffnungen auf einen erneuten Aufschwung unserer Landwirt­schaft sehen. '

Dieser Gedanke 9at den Herrn Abg. KZ hl er-Langsdorf dazu veranlaßt, mit Herrn Lehrer Lei dich-Langsdorf zusammen den Versuch zu machen, in dem Fortbildungsschulunterricht eine gründ­liche Neuerung vorzunehmen und den Unterricht mit steter Rück­sichtnahme auf die Landwirtschaft umzugestalten. Der gleiche Gedanke hat auch Herrn Gchcimerat Dr. Brei dert dazu ge­führt, praktische Mittel und Wege zu suchen, um wie vorher allein in Langsdorf so nun an mehreren Schulen im Kreise Gießen den Unterricht neu zu beleben und ihn unserer Land­wirtschaft in ländlichen Orten neu nutzbar zu gestalten. Der Lehrer kann dann neue und für den Schüler interessante Gegen­stände behandeln, der Schüler sieht sein Interesse am Unterricht neu belebt: er sieht bald ein, daß es ihm später von großem Nutzen sein wird, wenn er in der Fortbildungsschule fleißig und aufmerksam ist. D-ie Eltern werden ihre Söhne gern zu den wenigen Stunden der Fortbildungsschule entsenden, wenn sie wissen, daß sie dort nur solche Sachen lernen, welche im späteren Leben Nutzen bringen, und daß es mit dem früheren Zustande jetzt vorbei ist, bei dem die Fortbildungsschulen nur eine Wiwer- holung des Dolksschulunterrichtes darstellte.

Bei der Neugestaltung der Verhältnisse der Fortbildungschule auf dem Lande mußten folgende Gesichtspunkte festgehalten werden.

In Preußen hat man vereinzelte Versuche mit Fortbildungs­schulen mit vollem Fachunterricht gemacht, gelangte dann aber dazu, daß dieselben dann einfach die uns allen bekanntenWinterschulen" werden; auch hat man vereinzelte Versuche mit den immer wieder aufgegebenen Winterwvnderschulen gemacht. Es sind jetzt aber in Preußen von 1981 Lehrern an den ländlichen Fortbildungs­schulen 1857 Volksschullehrer, d. i. 94 Proz., 89 Geistliche, d. i. 4 Proz., 4 Landwirtschaftslehrer, 31 Tierärzte, Landwirte, d. i. 2 Proz.

Es unterrichteten in Preußen demnach in den ländlichen Fort­bildungsschulen fast ausschließlich Volksschullehrer- ebenso unter­richten im Großherzogtum Hessen heute an unseren ländlichen Fortbildungsschulen nur Bolksschullehrer. So ist es denn von selbst gegeben, daß auch ferner bei uns im Großherzogtum den Volksschullehrern der Unterricht an den ländlichen Fortbildungs­schulen zufällt. Unser hessischer Volksschullehrerstand ist auch so vorzüglich in unsern Seminaren vorgebildet, daß wir gar keinen Anlaß dazu haben, hierin uns eine Aenderung zu wünschen.

Die landwirtschaftliche Winterschule hat ihre Zöglinge zwei Winter lang zu ihrer ausschl festlichen Verfügung und unterrichtet sie in zweimal 18 Wochen mit je 36 Stunden, also in rund 1300 Sttrnden, sie kann den Unterricht durch reichhaltige Sammlungen erleichtern und tarnt teilweise dem Schüler noch schriftliche Haus­arbeiten aufgeben. 'Die ländliche Fortbildungsschule kann ihre Schüler in drei Wintern mit je 20 Wochen und mit 6 Sttrnden wöchentlich nur in 360 Unterrichtsstunden unterrichten, sie muß damit rechnen, daß die Schüler gegen Abend ermüdet und ab­gelenkt durch ihre Tagesarbeit zum Unterrichte kommen, sie kann den Unterricht nicht durch reichhaltige Sammlungen unterstützen, intb sie kann nicht im mindesten auf häuslichen Fleiß rechnen. Die Unterrichtsziele können also in der ländlichen Fortbildungs­schule nicht entfernt so weit gehen, wie in den landwirtschaftlichen Winterschulcn.

Die Rücksichtnahme auf die vorhandenen Lehrkräfte einerseits und auf die verfügbare Unterrichtszeit andererseits läßt es aus­geschlossen erscheinen, daß man in der ländlichen Fortbildungs­schule etwa einen landwirtschaftlichen Fachunterricht wie in einer landwirtschaftlichen Winterschule erteilen könnte; es kann sich nur darum bandeln, den Unterricht möglichst so umzugestalten, daß er fortwährend auf die Landwirtschast Rücksicht nimmt. Ganz besonders kann der naturkundliche Unterricht für die Land­wirtschaft nutzbar gemacht werden. Eine solche Auffassung läßt auch in Orten mit gemischter gewerblicher und landwirtschaft- licher Bevölkerung die notwendige Rücksicht auf solche Schüler ge­wahrt erscheinen, welche später einen and er en Beruf ergreifen .wollen als Landwirtschaft.

Für die hessischen Fortbildungsschulen sind heute 6 Stunden wöchentlich vorgesehen, je 2 Stunden für Deutsch, 2 Stunden für Rechnen und 2 Stunden für Naturkunde. Die Dänen treiben in ihren Volksschulen tüchtig Dänisch und dänische Volkskunde; so können auch wir in Hessen bei unseren ländlichen Fortbildungs­schulen die 2 Stunden wöchentlich deutschen Unterrichts nicht missen, und wir können nur fordern, daß darin auch hessische Volkskunde getrieben, und daß die Lesestücke möglichst mit Be­ziehung auf Landwirtschaft ausgewählt werden. Ebenso können wir aber auch die 2 Stunden Rechnen nicht verkürzen, und wir können nur fordern, daß die Aufgaben möglichst aus dem land­wirtschaftlichen Leben entnommen werden. Dagegen müssen dann die 2 Stunden Naturkunde wöchentlich gründlich für die Land­wirtschaft nutzbar gemacht werden, indem Boden, Dünger, Pflan­zen und Tiere gründlich besprochen werden. Dabei werden sich dann auch solche Schüler Wohl fühlen können, welche einen an­deren Beruf als Landwirtschaft wählen wollen, umsomehr als viele derselben später doch noch zu der Landwirtschaft übergehen, wie die folgenden, von Herrn Köhler für Langsdorf ermittelten Zahlen das ergeben haben. Es wurde für diejenigen Fortbild­ungsschüler, welche in den Jahren 18751889 die dortige Schule besucht hatten, folgendes ermittelt:

(Schluß MafO

Vermischtes.

Hamburg, 13. Nov. Der Adoptivvater des Mörders Rücker traf hier ein und suchte die Polizei­behörde und die Logiswirtin seines mißratenen Sohnes auf. Er erklärte, der Junge habe nicht nur Claußen er­mordet, sondern er werde noch weitereOpser nach sich ziehen, die die Schandtat nicht überleben könnten; er selbst wolle nach Amerika auswandcrn. Der Mörder gab im Gegensätze zu seiner gestrigen Aussage an, er hätte aller­dings nur einen Raub geplant gehabt, er wäre aber mit dem festen Vorsatze von Hause weggegangcn, den zu Beraubenden eventuell zu töten, um ganz sicher 31t gehen. Er hätte den Bericht über einen in der Nähe von Berlin in einem Eisen­bahnzuge verübten Naubanfall gelesen. Diese Schilderung hätte einen gewaltigen Eindruck auf ihn gemacht, und sofort habe sich bei ihm der Gedanke festgesetzt, einen ähnlichen Raub auszuführen.

* I m Zoologischen Garten zu B e r l i n hat sich dieser Tage ein aufregender Vorgang abgespielt. Ter Oberwärter Schiller wurde von dem alten indischen Elefanten ange­fallen und mit solcher Gewalt gegen d i e Wandgedrückt, daß er mit schweren inneren Verletzungen aus dem Zwinger herausgetragen werden mußte. Schiller hatte den Käsig des Elefanten betreten, um nachzusehen, ob es. dem Tier an nichts fehle. Im Lause der letzten vier Wochen hat das bösartige Tier sich bereits zum dritten Male an seinen Wärtern vergriffen. Möglicherweise wird nach diesem Vorgang über den alten Misse­täter das Todesurteil gesprochen.

^Kleine Tageschronik Der Rechtsanwalt Ucker- mann-Berlin ist mit Hinterlassung einer großen Schulden- l a st von 150 200 000 M k. flüchtig geworden. Er hatte sich wie schon vor ihm der Rechtsanwalt Merlecker für den vor einigen Jahren wegen seiner Affäre mit der Schauspielerin Rita Leon vielgenannten Anton Nöhl verbürgt und die Schulden sind ihm jetzt über den Kops gewachsen. Die Familie gedenkt mit den ©laubigem ein Arrangement zu treffen. Einbrecher plünder- ten die Amtskaffe in Zörbig (Prov. Sachsen). Sie er­beuteten 4000 Mk. Sie sind verhaftet worden. Ein in S a n Francisco erscheinendes Blatt behauptet das V e r s ch w i n- den von Beiträgen für die Unterstützung der durch das Erdbeben Geschädigten. Es soll eine Million Dollars fehlen. Präsident Roosevelt interessiere sich für die Untersuchung und der Fall werde vor das Oberbundesgericht kommen, da die Beförderung durch die Post dabei in Frage komme.

Gerrchtssaal.

0 Siegen, 14. Nov. Die Strafkammer vemrteilte gestern den Polizeisergeanten Wilhelm H e i d e r aus Eiserfeld, der ohne nennenswerten ©rund, nur weil er geglaubt hatte, der Mann habe gelärmt, dem Maurer Geb epp mit dem Säbel schwere Wunden im Gesicht beibrachte, zu drei Monaten Gefängnis und zu 100 Mark Geldstrafe.

Mülhausen, 14. Nov. Tas Schwurgericht verurteilte den Tagelöhner Fohrler au§ Häsingen wegen Mordes an feiner Geliebten zum Tode. Als Fohrler das Urteil hörte, rief er aus: E s lebe der Deutsche Kaiser!"

Danzig, 14. Nov. Die Strafkammer verurteilte den kathol. Pfarrer Weiland aus Sullenschin wegen Beleidigung des Forstmeisters Neufer zu 400 Mark Geldstrafe oder 40 Tagen Gefängnis. Der Plärrer hatte in einer Eingabe an die Regierung Neuser bezichtigt, er bevorzuge bei Amtshandlungen die Deutschen zu ungunften der Polen.

Sport.

Rudersport. Zn dem in Offenbach a. M. abgehaltenen Rudersport des freien deutschen Ruderverbandes hatten die diesem Verband angehörenden Vereine von © i c ß e n (Hassia"), Mainz, Kastel, Frankfurt a. M., Oberrad und Offen­bach Delegierte und andere Mitglieder in großer Zahl entsendet. Ter Geschäftsbericht des 1. Verbandsvorsitzenden L. Werm gab eingehenden Aufschluß über die Tätigkeit int abgelaufenen Jähr, der dem Verband neben weiteren Fortschritten auch zwei weitere Vereine GießenerHassia" und MainzerMoguntia" Zuwachs brachte. Die in letzter Caisrn, abgehaltenen 4 Regatten in Kastel, Franks»,rt a. M., Offenbach und Al a i n z gaben ein schönes Zeug­nis von der Leistungsfähigkeit der Vereine. In kommender Saison werden Regatten im Juni in Mainz, im Juli in Frankfurt a. M. und im August in Offenbach abgehalten. Nach dem Bericht des Kassierers sind die Kaffenverhaltniffe günstig. Von den Anträgen sind die folgenden zum Beschluß erhobenen von besonderer Be­deutung : Die 1., 2. und 3. Seniorvierer müßen in Zukunft nur im Rennboot, die Gastvierer bet freier Wahl der Besatzung da­gegen im Gigboot ausgesahren werden; der monatliche Verbcmds- beitrag wird um 50 Pfg. erhöht; das Amt eines Schieds-, Ziel- und Bahnrichters dürfen nunmehr auch Mitglieder der Vereine des Fr. d. R. V. bekleiden; aus Vereinen anderer Verbände über­tretende Ruderer Haden in derselben Klaffe, in welcher sie zuvor gestartet haben, zu fahren; die nächste Verbandsausschußsitzung ist auf Sonntag, 17. Februar 1907 nach Kastel einberufen und die nächste Verbandsvorstandssitzung auf Sonntag, 2. Dezember nach Gießen festgesetzt worden. Ten neuen Vorstand bilden: L. Werm lFrankfurter R.-G.Borussia) 1. Vors., F. Sautier (Mainzer R.-Kl. 1903) 2. Bors., K. Merkel (Mainzer R.-Kl. 1903) 1. Kassierer, E. Sippel (Offenbacher R.-V.Vorwärts") 2. Kassierer, Hch. Kratz (Offenbacher R.-V.Vorwärts"), O. Bechert (Gießener R.-Kl. Hassia") Schriftführer, Fr. Borg (Rafteier R.-Kl. ^Germania") und I. Fischer (Frankfurter R.-G.Borussia") Beisitzer.

Handel und Verkehr, Volkswirtschaft.

Märkte.

th. Gießen, 14. Nov. Der dieswöchige V i e h m a r k t hatte einen Auftrieb von ca. 1200 Stück Großvieh, 200 Kälbern und 500 Schweinen. Trotzdem es an Kundschaft für alle Gattungen Vieh am Markt nicht fehlte, zeigte das Geschäft eine gewisse Flau­heit und mit Ausnahme von guten Milchkühen und Kälbern, die immer noch hoch bezahlt wurden, war ein wesentlicher Preis­abschlag bet Rindvieh gegen die letzten Märkte bemerkbar. Die Handelsleute befürchten, daß sie das, was sie bei der aufsteigenden Konjunktur verdient haben, bei der in nächster Zeit eintretenden veränderten Geschäftslage rnieber einbüßen werden. Aus diesem Grunde unterbleiben alle Spekulationskäuse, die beim Milchvieh­handel sonst flotte Umsätze herbeisühren und daher von großem Einfluß aus dte Preisbildtuig sind. Unter dem stockenden Handel

beim Milchvieh litt auch das Geschäft in Fettvieh, sodaß dessen Preise per Zentner um 1,50 bis 2 Mark abschlugen. Die Preise für Kälber hielten sich, da starker Bedarf für Frankfurt, Wies­baden und Mainz vorlag, in der alten Höhe und der Handel war flott tmb lohnend. Tie Handelsleute sind der Ansicht, daß im allgemeinen an ein Sinken der Preise auf längere Dauer nicht zu denken ist. Gangochsen, von denen etwa 25 Paare aufgetrieben werten, fanden wenig Beachttmg, da Bedarf darin nicht direkt vor­lag.. Auf dem Schweinemarkt fanden Ferkel weniger Beoehr, während Springer und Einleger besonders in stärkerer Ware stark gekauft rourben, fobaß die Preise mäßig anzogen. Gehandelt wurden: Milchkühe das Stück 1. Oual. 50 > bis 450 Mk. (einzelne schwere Tiere bis 530 Mk.), 2. Qual. 425 bis 350 Mk., 3. Qual. 325 bis 275 Mk. Fettvieh mürbe der Zentner Schlachtgewicht vertäust: Junge fette Rinder 1. Qual. 75 bis 72 Mk., 2. Qual. 71 bis 69 Mk., fette Kühe 1. Qual. 70 bis 68 Mk., 2. Qual. 67 bis C6 Alk. Kälber 1. Qual. 77 bis 73 Mk., 2. Qual. 72 bis 68 Mk., 3. Qual. 66 bis 60 Mk. Gangochsen gingen ab das Paar je nach Güte mit 900 bis 700 Mk. Schweine wurden gehandelt das Paar Ferkel, 3 bis 5 Wochen alt, 42 bis 38 Mk.. 6 bis 8 Wochen alt 50 bis 60 Mk., bis 12 Wochen alt 75 bis 65 Mk. Springer, leichtere Ware, 100 bis 80 Mk., schwerere Ware 150 bis 120 Mk. Einleg- schweine wurden verkauft 90 bis 80 Mk. das Stück. Der Markt ging an beiden Tagen spät ztt Ende und zeigte bei mittleren Milch­kühen sowie Ferkeln starken Ueberstand. -4- Nächste Markt­tage am 2 7. u n d 2 8. November. Am zweiten Tage findet auch Krämermarkt statt.

te. F r a n f f u r t a. M., 15. Nov. (Telegr. Orig.-Dericht des , Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarkt- preise. Zum Verkaufe standen: 20 Ochsen, 0 aus Oesterreich 5 Bullen, 0 aus Oesterreich, 33 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder 0 aus Rumänien, 675 Kalber, 367 Schafe und Hammel, 5 Ziegen, 0 Ziegenlämmer, 0 Cchaflämmer. Bezahlt wurde für das Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 8589 Mk., 2. Qualität 7680 Mk., 3. Qualität 6972 Mk.; Bullen 1. Qual. 7780, 2. Qual. 0000; Kühe 1. Qualität 8183 Mk., 2. Qual. 7900 Mk., 3. Qual. 6770 Mk., 4. Qual. 0000 Mk, 5. Qual. 0000 Mk. Kälber 1. Qual. 100106 Psg., Lebendgewicht 6063 Psg., 2. Qualität 96100 Psg., Lebendgewicht 56-69 Pfg., Schlachtgew. 7578Pfg.; Schafe: 1. Qi,al. 8183 Pfg., 2. Qual. 0000 Pfg. Geschäft bet Hornvieh gut, Ueberstand unbedeutend; bei Kleinvieh gut, fein Ueberstand._________________________

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

November 1906

Barometer auf 0° reduziert

Temperatur der Luft

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Windrichtung

Windstärke

Wetter

14. 2

757,3

7,0

6,6

88

NE

2

Bed. Himmel

14. 9

755,6

6,2

5,7

81

SSE

2

15. 7

753,2

1,8

3,8

96

ESE

2

Nebel

Ni

edersch

lag

0,0.

Höchste Temperatur am 14. November + 7,2" 6.

Niedrigste14. = 4,7 * C.

Tttrche und Schule.

Für die Generalversammlung des Evan­gelischen Bundes im Jahre 1907 waren in Graudenz, Mannheim oder Worms in Aussicht genommen. Mannheim wird 1907 infolge deS StadtjubiläumS und der Ausstellung von so vielen Kongressen besucht werden, daß nach Ver­handlungen mit dem dortigen ZweigvereinSvorstande von der Bundesversammlung abgesehen wurde. Somit ist WormS als Ort für die nächste Bundes-Generalversamm- l u n g bestimmt worden.

Mrchttche Nachrichten»

Israelitische ReligiouSgemeinde.

SottesdienU in der Synagoge (Südankage>.

Samstag, den 17. November 1906:

Vorabend 4.30 Uhr.

Morgens 9.00 Uhr.

Nachmittags 3.30 Uhr. SchrifterklLrrmg.

Sabbathausgang 5.25 Uhr.

Israelitische Religionsgesellschaft.

(Sottesbknfi.

Sabbatfeier am 17. November 1906:

Freitag abend 4.10 Uhr.

Samstag vormittag 8.30 Uhr.

Nachmittag 3.30 Uhr.

Sabbat-Ausgang 5.30 Uhr.

Wochengottesdienst: morgen? 7.00 Ubr, abend? 8.00 Uhr.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden AEtikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

©letzen, 15. November.

Sollte es im allgemeinen Nutzen nicht möglich sein, den öffentlichen Fischmarkt wieder einzuführen, um billige Ernährung zu schaffen? In Frailkfurt kosten Schellfische da? Pfund 15 Pfg.

OrLgnral-Drahtmeldungen.

R. B. Darmsta dt, 15. Nov. Gerüchtweise verlautet, daß die Taufe des ErbgroßherzogS am Geburts­tag S. K. H. des Großherzogs stattfindet. Das Be­finden der Großherzogin und ihres SohneS ist fortgesetzt sehr gut. Der Erbgrotzherzog wird voraussichtlich den Rufnamen Ludwig erhalten.

sd. Darmstadt, 15. Nov. Der Inhaber des Hessischen Konsumwarenhauses, Philipp Secker, ist seit einigen Tagen unter Zurücklaffung beträchtlicher Schulden verschwunden.

fc. Frankfurt a. M., 15. Nov. Heute vormittag */,ll Uhr wurde Landgerichtsdirektor Richard Dorn, der sich zu einer Beerdigung nach dem Friedhof begeben wollte, vor dem FriedhofS- portal von einem Schlaganfall getroffen. Er war sofort t 0 L

KrkmmtmachllNg.

Die unterm 18. Oktober 1906 an geordnete Sperre deS östlichen Bürgersteigs des Selte rswegS, zwischen HauS Nr. 71 und Südanlage, wird hiermit aufgehoben.

Die unterm 8. Oktober 1906 angeordnete Sperre des Niegelpfades wird hiermit aufgehoben.

Die unterm 8. Oktober 1906 angeordnete Sperre deS Aulweges von der Querstraße bis verlängerte Wilhelm- straße wird hiermit aufgehoben.

Gießen, den 14. November 1906.

Großh. Polizeiamt Gießen.

__________________Herberg.__

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