punkte der Reform des deutschen Strafrechts beschäftigt sei. In Aussicht genommen ist ferner die Verlegung de§ Osterfestes auf einen bestimmten Termin, sodaß der Ostersonntag auf einen genau festzulegenden Sonntag Ende März oder Anfang April fällt. Weiter wurde mitgeteilt, daß es dem Kirchenausschuß gelungen sei, die Herausgabe der evang. Kirchenverordnungen de§ 16. Jahrh., dieser hervorragenden kirchenpolitischen Quellen, zu sichern. Der Kaiser hat hierzu 10000 Mark zur Verfügung gestellt.___________________
5>ie Wevo^tion in Rußland.
Zu den Juden-Maffacres in Bjelostok toirb heute noch gemeldet: Auf den fünf Hauptstraßen wurden über 200 Läden ausgeraubt. Die Plünderer bestanden aus Gruppen von 10 bis 15 Leuten, welche von Haus z-u .Haus zogen und die Waren vor den Augen der Polizei auf die Straße warfen. Die Angaben über die Verluste weichen noch stark von einander ab. Einige Blätter geben 5 0 Tote an, während Augenzeugen von 6 00 sprechen. Die Stadt liegt ausgestorben und verwüstet da. Die Verwundeten werden, weil alle Spitäler überfüllt sind, nach Brest, Grodno und Warschau gebracht. Am Sonntag abend sollen wiederum zwei Juden am Bahnhof Bjelostok ermordet worden fein. Am Montag hat die Beerdigung von 79 getöteten Personen stattgefunden.
In Dumakreisen will man genaue Kenntnis davon haben, daß der VaueriEvmmissar Jerabin am Tage vor dem Ausbruch der Massakres in Bjelostok eingetroffen und die Metzeleien arrangiert habe. Die Meldung, daß Juden eine Bombe geworfen hätten, wird amtlich dementiert.
Der Vorsitzende des Hilfsvereins der deutschen Juden erhielt von Russen in maßgebender offizieller Stellung ein Telegramm, worin es heißt, der Vorfall in Bje- lvstok fei erwiesenermaßen der Beginn einer über gantz, Rußland auszudehnenden Metzelei nach dem BeispiÄ der Oktobertage. Die Gefahr fei groß, das Leben Taufender stehe wiederum auf dem Spiel.
Unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Vorgänge in Bjelostok hat die deutsche Rcichsregieruug im Hinblick auf die Interessen der deutschen Reichsangehörigen Md das deutsche Kapital in Bjelostok sich wegen des Schutzes dieser Interessen dringend an die russ. Regierung gewandt. Die russ. Regierung hat unverzüglich Maßnahmen zum Schutze dieser Interessen zugesagt. Das Reutersche Bureau erklärt, daß vom englischen Auswärtigen Amte ernste Vorstellungen wegen der Ereignisse erhoben werden.
Sonstige Judcnhetzen.
Auch in den Städten Ossowiee, Goniondz und Zobludow des Gouvernements Grodno sind Judenhetzen ausgebrochen.
In L a p i, einem Städtchen bei Bjelostok, war gleichfalls Progrom. Aus dem Bahnhof wurden fünf Personen ermordet, in der Stadl selbst viele verwundet. In Staroselzi, Gouvernement Plozk, überfielen Holigans die Judenhäuser und mordeten, was ihnen in die Hände fiel. Ueber 50 Personen, Männer, Weiber und Kinder, wurden von den fanatisierten Bauern ermordet, über 100 Personen mehr oder weniger verwundet. Der Gouverneur proklamierte den Kriegszustand, doch werden die Vorschriften nur gegen die Juden angewandt, die so an der Verteidigung gehindert werden. In Malinowka wurde eine aus acht Personen bestehende jüdische Familie ermordet.
Der Minister des Innern richtete an die Gouverneure und Stadthauptleute ein Rundtelegramm, in dem er ihnen vorschreibt, ihren Untergebenen strengste Pflichterfüllung vorzuschreiben und sowohl Agrarunruhen wie auch Ausschreitungen gegen die Juden vorzubeugen und entstehende Unruhen im' Meinte zu unterdrücken. Unterlassung dieser Vorschrift und Untätigkeit von ^Amtspersonen würden strengstens geahndet werden.
Ter Warschauer Polizieimeister publizierte eine Warnung, wonach jeder Versuch, eine Judenhetze zu organisieren, schonungslos militärisch unterdrückt werden soll.
Meutereien, Räubereien und Streiks.
In Odessa soll das 14. Jrif.-Regt. wieder gemeutert haben. 10 Offiziere und 160 Mann wurden verhaftet. Andere Meutereien ereigneten sich, irrte es heißt, in Kronstadt, Kiew, 'Kisch in ew und Jeka terin oslaw. lieb er alt mehren sich die Anzeichen, daß die Unzufriedenheit der Armee zu Aus- fchreitungen führen wird. Nack Meldungen aus Charkow mußten von dort Dragoner nach Kupjansk entsandt werden, wo ernste Unruhen ausgebrochen find.
Bei Rejowiez im Gouvernement Lublin mürben aus einem Postwagen 2600 Rubel geraubt. Die den Wagen begleitenben zwei Soldaten und ber Postillon würben getötet. In der Praga-Vorstadt von Warschau erschossen sechs junge Anarchisten einen Oberschutzmamr unb seine Frau.
Der politische Generalstreik soll bis zum 23. Juni burchgeführt sein. Er wirb sich auf das gesamte Wirtschaftsleben erstrecken unb teilweise ben Charakter des bewaffneten 'Aufstandes tragen. Führer dieser Bewegung sind Arbeiter- und Bauerndelegierte. Sie hielten in den Industrie- und Verlehcszentren des ganzen Reiches von Tausenden besuchte Versammlungen ab. Blätter berichten über eine große Versammlung, welche die demokratischen und revolutionärn Sozialisten in Terijoki, einem eleganten Badeorte, 40 Kilometer von Petersburg entfernt, veranstalteten. 800 Manifestanten waren zugegen. Ein Deputierter der "Arbeiterpartei, Gilkin, führte den Vorsitz. Die Redner, darunter Mehrere Dumamitglieder, hielten ungemein heftige Reben gegen bie Regierung. Alle stimmten barin überein, daß jetzt eine unüberbrückbare Kluft Volk und Regierung trenne^ und baß bas Volk feine Nachgiebigkeit zeigen bürst. Kein Soldat, kein Gendarm war zugegen; es verlief alles in größter Ordnung.
StaM rind Land.
Gieß en, den 19. Juni 1906.
— Titelverleihung. S. K. H. der Großherzog haben den Oberförstern Wallenfels zu Lörzenbach und Stephan zu Groß-Bieberau den Charakter als Forstmeister verliehen.
Von der russischen Gesandtschaft. S. K. H. der Großherzog haben am Samstag, 16. d. M., mittags 12% Uhr den bisher am Großh. Host als russischer Ministerresident beglaubigt gewesenen Fürsten K o u d a ch e s f behufs Entgegennahme seines Abberufungsschreibens in besonderer Audienz empfangen. Unmittelbar hierauf nahm S. K. H. das Beglaubigungsschreiben des Hofjägermeisters und Staatsrats von Doubensky als russischer Ministerresident am Großh. Hofe entgegen.
• * Die Beerdigung des Prof. Dr. Adolf Strack fand ani Montag nachmittag 5% Uhr auf dem neuen Friedhof unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung von Leidtragenden statt. Nach der kirchlichen Amtshandlung und der tief empfundenen Grabrede des Pfarrers Kraus wurde eine größere Anzahl prachtvoller Kranzspenden niedergclegt und in den dabei dem Dahingeschiedenen gewidmeten Nachrufen wurden die großen Verdienste gewürdigt, die sich Prof. Dr. Strack auf verschiedenen Gebieten erworben hat. Kränze wurden niedergelegt im Auftrag des Realgymnasiums durch Geh. Schulrat Direktor Dr. Rausch, für die Schüler des Verstorbenen durch einen Oberprimaner, für den Verein hessischer Oberlehrer von Prof. Dr. Stahl, für die Landesuniversität durch S. Magn. den Rektor Geh. Hofrat Professor Dr. Behaghel, für die philosophische Fakultät durch Prof. Dr. Wünsch, von dem evang. Kirchenvorstand, für die Kirchengemeinde-Vertretung durch Prof. Dr. W i m m en a u e r, vorn Verein deutscher Studenten, für die hessische Vereinigung für Volkskunde durch Prof, Dr. Helm und für den Konzertverein durch Pros. Dr. Krüger. ,
* * Einzahlungskurs für Po st anweis un gen nach dem Aus lande. Vom 1. Juli ab wird der Einzahlungskurs für die in der Frankenwährung auszustellenden Postanweisungen (nach Belgien, Frankreich, Italien usw.) auf 100 Franks — 81,40 Mark, für die Postanweisungen nach Rumänien auf 100 Lei — 81,40 Mk., und für die in britischer Währung auszustcllenden Postanweisungen (nach Großbritannien, den meisten britischen Kolonien) auf 10 Pfund Sterling — 205 Mk. festgesetzt.
* * Der Herzog von Sachsen-Altenburg verweilte auf der Durchreise von Ems nach Kastel gestern kürzere Zeit auf unserem Bahnhof. Oberst von Lin den au hatte seinen Urlaub unterbrochen, um den 86 Jahre alten Fürsten am Bahnhof zu begrüßen. Um dem hohen Herrn eine Aufmerksamkeit zu erweisen, hatte der Oberst den Musikdirektor Krauße, der ein geborener Altenburger ist, und zwei weitere Leute von den 116ern, die ebenfalls aus dem Herzogtum stammen, zum Bahnhof bestellt, um sie dem Landesherrn vorzustellen. Der Herzog war überaus erfreut, von seinen Landeskindern in Hessen einige begrüßen zu können und plauderte recht gemütlich mit ihnen. Als er zum Abschied den beiden Gemeinen die Hand schüttelte, sagte er, wenn sie das nächste Mal an die Eltern schrieben, sollten sie ja nicht vergessen, diesen von ihm die besten Grüße auszurichten.
* * ©ein 2 öjähriges Jubiläum feierte Montag Abend der 1. Obmann der Leitermannschaft der freiwilligen Gail'schen Feuerwehr, Heinrich Ludwig Allendörfer. Auf dem Oswaldsgarten überreichte der Vertreter der Regierung, Kreisamtmann Dr. Wörner, dem Jubilar das Diplom und Ehrenzeichen hessischer freiwilliger Feuerwehren, gestiftet von S. K. H. dem Großherzoge. Hierauf begab sich das Korps in die Restauration von H. Sauer, um einige frohe Stunden bei einigen kernigen Ansprachen zu verleben.
* * ßum Fall Heinzerling. Die Verhandlung gegen den Rechner Heinzerling findet Samstag den 3 0. Juni vor der hiesigen Strafkammer statt.
* * 5)ie Wahl im Landtagswahlkreise Wörr - Habt. Das Mandat für den 5. rheinhessischen Wahlbezirk (Wörrstadt) ist am Montag wieder dein Bauernbündler Wolf zugefallen. Dieser, der seinerzeit den freisinnigen Christ verdrängte, hatte es 6 Jahre hindurch inne. Bei der Wahl im Herbst gelang es Christ, das Mandat wieder zu erobern. Die Wahl wurde jedoch für ungültig erklärt. Es erfolgte die Neuwahl verschiedener Wahlmänner, die für Wolf günstig ausfiel. Durch die Obstruktion der 15 Gegner kam die Wahl nicht zustande, da Zweidrittel aller Wahlmänner beim ersten Wahlakt anwesend sein müssen. Heute wurde nun Wolf mit 17 Stimmen gewählt.
* * Das Zigaretten st cuergesetz tritt am 1. Juli in Kraft. Nach dem Gesetze sind sämtliche Personen, die gewerbsmäßig Zigaretten, Zigarettentabak, Ziaaretten- hülsen oder Zigarettenblättchen Herstellen, ebenso sämtliche, Personen, die sich gewerbsmäßig mit dem Verkaufe der angeführten Waren befassen, verpflichtet, dies der Steuerbehörde (Steueramt, Zollamt, in dessen Bezirk die Fabrik oder Verkaufsstelle liegt) sofort noch vor dem 1. Juli anzumelden. Die Anmeldung der Hersteller von Zigarettentabak, Zigaretten und Zigarettenhülsen hat schriftlich in doppelter Anfertigung zu erfolgen. Sie muß auch die Bezeichnung der Waren, sowie eine Angabe darüber enthalten, ob und in welchen Räumen ein Kleinverkauf stattfindet. Der Hersteller hat gleichzeitig mit der Anmeldung eine Beschreibung der Betriebsund Lagerräume, sowie den damit in Verbindung stehenden, unmittelbar angrenzenden Räumen vorzulegen. Zigarren-, Rauchtabak- und Kautabakfabrikanten, die den Kleinhandel mit Zigaretten betreiben, haben gleichfalls eine Beschreibung der Kleikwerkaufsräume dem Steueramt vorzulegen. Ferner haben die Verkäufer und Händler ein Verzeichnis der am 1. Juli in ihrem Besitze befindlichen Vorräte an Zigaretten, Zigarettentabak, Zigarettenhülsen und Zigarettenblättchen unter Angabe des Kleinverkaufspreises des Zigarettentabaks und der Zigaretten, sowie der Stückzahl der Hülsen und Blättchen aufzustellen und spätestens bis 7. Juli ebenfalls in doppelter Ausfertigung der Steuerbehörde einzureichen. Für die Anzeigen unb^lnmclbungcn ist ein bestimmtes Formular nicht vorgeschrieben.
* * Oesfentliche Lesehalle. Im Mai wurden 2114 Bände misgelichen. Davon kommen auf: Erzählende Litteral nr 1024, Zeitschriften 323, Jugendschristen 244, Verdichtungen 69, Litteraturgeschichte 20, Länder- und Völkerkunde 78, Kulturgeschichte 29, Geschichte und Biographien 79, Kunstgeschichte 8, Naturwissenschaft und Technoloale 145, Heer- und Seewesen 13, Land- und Hauswirtschaft 11, Gesuudheitslehre 10, Religion und Philosophie 27, Staatswissenschast 13, Sprachwissenschaft 6, Fremdsprachliches 15 Bände. Nach auswärts kamen 73 Bände.
/ X Butzbach, 18. Juni. S. K. H. der Großherzog passierte heute vormittag lO1,^ Uhr im Automobil auf der Fahrt von Lich nach Jagdschloß Wolfsgarten unsere Stadt. — In einem Haus der Guldengasse brach heute mittag ein Zimmerbrand aus, der von der Nachbarschaft in kurzer Zeit gelöscht rourbe.
i c. Frankfurt a. M., 18. Juni. Die Landgräfin von Hessen erlitt gestern bei der Prozession in der AntoniuS- kirche einen tiefen O hnrnachtsanfa ll und mußte im Wagen nach Hause gebracht werden. TaS Befinden der 70jährigen Dame ist heute befriedigend.
K assel, 17. Juni. Wie die Frkf. Ztg. hört, hat sich
bei einer Nachprüfung des Karstschen Projektes für den Neubau des Königlichen Theaters herausgestellt, daß, wenn eS so ausgeführt wird, sich Me h rko st en von einer Million ergeben. Die Krone hat sich bereit erklärt, von dieser Summe 200000 Mark zu übernehmen, wenn sich die städtischen Behörden entschließen, für den Nest aufzukommen. Ferner soll die Absicht bestehen, jährlich im August während des Aufenthaltes des Kaisers auf Wilhelmshöhe Musterausführungen ähnlich den Wiesbadener Maifestspielen zu veranstalten.
Vermischtes.
* Automobilunfälle. Auf einem steilen nassen Wege zerschellte bei Stuttgart infolge Vremsbruches ein mit 7 Personen besetztes Automobil an einem Baume. Drei Insassen wurden schwer verletzt. — Ferner erlitt Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen am Sonntag Abend am Feldberg im Schwarzwald einen Automobilunfall durch Achsenbruch. Der Prinz bestieg mit Gefolge die Spitze des Feldberges zu Fuß und kam um V2 11 Uhr Nachts auf dem Feldberger Hof an, wo er übernachtete. Der dort anwesende Schwiegersohn Nockeffellers, Hamilton, bot dem Prinzen sein Automobil zur Weiterreise an. Der Prinz marschierte jedoch am Montag durch das Höllental. — Bei Wertheim stieß das Automobil der Amerikaner Pierce und Custery das sich an der Herkomer-Fahrt beteiligt hatte, auf der Landstraße mit dem Fuhrwerk des Sattlers Walter aus Haardheim zusammen. Walter wurde herabgeschleudert und tätlich verletzt. Ein auf seinem Fuhrwerk mitfahrender Gastwirt erlitt ebenfalls erhebliche Verletzungen. Die Polizei hat die Amerikaner bis zur Hinterlegung einer Kaution in Haft genommen. Das Automobil, das einen Wert von 70 000 Mark hat, ist völlig zertrümmert.
* Abstürze in den Alpen. Auf einem Ausflug ins Obwalde ngcbirge ist der Schneidermeister Adolf Noethlin aus Sarnen in die Melchaschlucht gestürzt. Die Leiche wurde gefunden. Das Fahrrad und der Hut des Verunglückten lagen von Roethlins Hund gehütet, am Rande des Abgrundes. — Der Berliner Tourist Hermann Falke hatte sich in den Tauern verirrt und ist ab gestürzt. Er wurde mit mehreren Verletzungen aufgefunden. — Die Leiche des am 12. Januar bei einer Hochpartie im Gebirge oberhalb Halle (Tirol) von einer Lawine verschütteten Theologen Jos.Becker aus Rokalben (Pfalz), wurde in der schmelzenden Lawine aufgefunden. Sie hat am Kopfe schwere Wunden und ein Auge ist heraus. Der Tot ist offenbar durch Ersticken sofort erfolgt.
* Unwetter. ImSazawa-Gebiete (Böhmen) ging über mehrere Gemeinden ein Wolkenbruch nieder. Ungeheuere Waffermengen überschwemmten ganze Gemeinden, rissen mehrere Brücken, fort, verursachten bei mehreren Deichen Dammbrüche und machten ganze Straßen und Bahnstrecken unpassierbar. Sieben Personen werden vermißt, 60 Häuser sind vollständig demoliert, Felder und Baumanlagen sind verwüstet. Eine Menge Kleinvieh und Geflügel ist zu Grunde gegangen. Zur Hilfeleistung ist Militär abgegangen. — Auch aus der Gegend von Heilbronn und ferner aus Bosnien liegen Nachrichten über schwere Schäden durch Wolkenbrüche vor.
* Kleine Tageschronik. In K i r s p e l w a l d n i e k (Rheinland) ist ein Bauernhaus abgebrannt, dabei ist ein zwölfjähriger Knabe verbrannt. Ein Mädchen und der Vater des Knaben, welckier seinen Sohn retten wollte, erlitten schwere Brandwunden — Ein schreckliches Grubenunglück hat sich in der Nähe von Madrid zugetragen. 16 Grubenarbeiter sind durch Ansströmen von Gasen verunglückt, von denen fnns gestorben sind.
Gerichtssaal.
h Frankfurt a. M., 18. Juni. Die Strafkammer verurteilte heute den Schlosser Röder und den Hausdiener Eberhard wegen des Kirchenraubes in der katholischen Kirche zu Oberrad am 6. Mai zu ic fünf Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust, und den Schneider Haas wegen Hehlerei zu einem Jahr Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust.
— Der Schriftsteller Georg Bernhardt, Herausgeber der bekannten sinanzkritischen Wochenschrift „Vlutus" hatte bekanntlich jüngst eine Broschüre über Rußlands Staatsbankerott geschrieben, durch die sich der Regierungsrat Martin, der Verfasser des viel besprochenen Buches über die Finanzen Rußlands, beleidigt fühlte. Die gegen Bernhardt angestrengte Klage endete heute vor dem Charlottenburger Amtsgericht mit der Verurteilung des Angeklagten zu zwei W o ch e n G e s ä u g u i s und Einziehung der Broschüre.
Die Marktpreise für Bieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 18. Juni 1906.
Höchste Schlachtviehpreise in F r a n k f u r t a. M.
Fleischpreise in Gießen
Ochsen
Kälber Schweine
50 Kg. Schlachtgewicht 78—80 Mk.
7, Kg.Schlachtgew.96-100 Pf.
7. „ „ 73-74 „
7, Kg. 76-84 Psg.
7, , 80—84 , 7, „ 80-86 ..
Getreidepreise in Mannhei m
Brotpreise in Gießen
Weizen 100 Kg. 19.25-00.00 Alk.
Roggen 100 Kg. 17.80-00.00 Mk.
Weißbrot 2 Kg. 54 Pfg.
Schwarzbrot 2 Kg. 50 Pfg
Märkte.
Gießen, 19.Juni. Marktbericht. Auf heutigemWochenmarkte kosteten: Butter pr. Pfd. 1.00—1.10 Mk., Hühnereier 1 St. 6—7 Vfg., 2 Stck. 00—00 Psg., Gänseeier 00—00 Psg., Enteneier 7 Pfg., Käse pr. Stck. 6-8 Bf., Käsematte 2 Stck. 5—6 Pfg. Erbsen v. Pfund 22Psg., Linsen v. Pfund 32Pfg., Taubenpr.Paar0,80—l,00Mk., Hühner pr.St. 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Mk., Gänse vr. Psd. 00—00 Psg., Ochsenfleisch pr. Psd. 76—84 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Psund 70—72 Pfg., Schweinefleisch vr. Pfund 80—86 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 90 Psg., Kalbfleisch pr. Psdi 80—84 Psg., Hammelfleisch pr. Pfund 60—80 Pfg. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,00—0,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 6,00—8,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepfel per Pfund 35 bis 50 Psg., in Korben 00 Pfg., Nüsse 100 Stück 50-00 Pfg., Birnen per Pfd. Mk. 0.00-0.00, Kirschen per Pfd. 40 Psg., Weißkraut per Stück 20—30 Pfg., per Zentner Mk. 0.00—0.00. — Marktzeit 7—1 Uhr.
Göseribahn-Zeitirirg.
Kassel, 18. Juni. D i e Wiederinbetriebnahme des Altenbekener Tunnels erfolgt am 1. I u l i d. I. Von diesem Tage ab, beginnend mit Schnellzug 36, werden sämtliche Schnell- und Personenzüge der Strecken Altenbeken und Holzminden und Altenbeken—Herford und Altenbeken—Hameln wieder durch den Tmmel geleitet.


