Ausgabe 
17.8.1906 Zweites Blatt
 
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tmb kräftige Unterstützung des Staates wird (Mstavsbür'g sich weiter entwickeln und sich gleichzeitig zu einer neuen kräftigen Steuerquelle erschließen.

** Die Lebensretterin ihres Spielkame­raden. Man schreibt uns: Der Zug der Vogelsbergbahn 9 Uhr vormittags hatte am 16. August kaum die Haltestelle Eckartsborn verlassen, als ein kleines Mädchen un­mittelbar vor den Zug sprang und ein Kätzchen direkt vor der Maschine wegriß. Da das Haus unmittelbar am Bahnkörper steht, so hatte das Zugpersonal das Kind erst bemerkt, als ein Unfall unvermeidlich schien. In jähem Schreck gab der Führer Gegendampf und ein gewaltiger Stoß er­schütterte den ganzen Zug. Doch das Kind hatte glücklich fernen Spielkameraden gerettet und eilte rasch ins Haus zurück mit dem Kätzchen auf dem Arm. Der kleinste Fehl­tritt hätte dem Kinde das Leben gekostet.

x. Hochelheim, 17. Ang. Die Erneuerungsarbeiten an unserem altehrwürdigen Kirchlein hier nehmen einen guten Fortgang. Anfang? Oktober wird die Einweihung stattfinden. Der Hauptbau war vor der Reformation nur eine Kapelle, aus dem 12. Jahrhundert stammend. Wenn die Kirche mit dem neuen Querschiff und der übrigen Aus­schmückung, wozu 30 000 Mk. veranschlagt sind, fertiggestellt ist, wird man das alte unscheinbare Gotteshaus kaum wieder- crkennen.

p. Hohensolms, 16. Aug. Für die Bürgermeisterei Hohensolms beabsichtigt man ein Bürgermeistereigebäude in Altenkirchen zu errichten, der zentralen Lage dieses Ortes wegen. Sollte dieser Plan verwirklicht werden, so bekommt Blasbach ein Standesamt.

-t- Lich, 17. Aug. Das Feuerwehrfest mit Banner­weihe wird nicht am 26. d. Mts., sondern wegen Ver­hinderung Se. D. des Fürsten am 2. oder 9. September gefeiert werden.

hb. Butzbach, 16. Aug. Ein Knecht der Brauerei Melchior, Namens Schäfer verunglückte heute mittag auf der Straße nach Griedel dadurch, daß sich von seinem schwer beladenen Fuhrwerk ein Rad loslöste und Fässer und Kisten auf ihn stürzten. Er trug schwere innere Verletzungen, sowie starke Schenkelquetschungen davon. Auch die Pferde, welche durch den Vorfall scheu wurden und durchbrannten, sind ver­letzt. Wiederum ging heute abend ein schweres Ge­witter mit viel Regen zwischen 6 und 7 Uhr hier nieder.

K. Bad-Nauheim, 14. Aug. Das benachbarte Dorf Steinfurth ist durch seine Rosen pflanz ungen welt­bekannt. Es hat sich jetzt hier eine Genossenschaft von Land­wirten gebildet, die das Freih. Löwsche Gut gepachtet haben und cs nächstes Frühjahr übernehmen. Sie zahlen pro Morgen 40 Mk. Pacht jährlich, wahrend die seitherigen GntSpächter Schutt und Brückmann nur 22 Mk. zahlten. Das ganze Gut soll zur Rosenzucht verwendet werden. Gegenwärtig herrscht auf den Rosenfeldern ein reges Treiben. Hunderte von Leuten sind mit dem Veredeln und Abschneiden der Rosen beschäftigt, die täglich in großen Mengen nach allen Teilen Deutschlands und dem Ausland versandt werden.

sd. Darmstadt, 15. Aug. Verschwunden ist seit einiger Zeit der etwa 40 Jahre alte Bahnassistent Voh­winkel, der zuletzt in Arheilgen stationiert war. Er hat, wie sich herauSstellte, eine Reihe von Unterschlagungen 15um Nachteil der Eisenbahnverwaltung begangen, doch ist der Schaden durch seine Angehörigen gedeckt worden. Neuerdings ist man jedoch dahinter gekommen, daß Vohwinkel bedeutend mehr unterschlagen hat, als man ursprünglich annahm, u. a. nicht unbedeutende Frankaturbcträge. Der Verschwundene ist Militäranwärter. Er hat drei Kinder. Man vermutet, daß Vohwinkel noch von früher her Verpflichtungen hatte, zu deren Erfüllung er nicht genügend Mittel besaß.

fc. Offenbach a. M., 15. Aug. Ein hiesiger Porte­feuillefabrikant hatte an eine Berliner Firma, die vor zehn Jahren in Konkurs geriet, eine Forderung von 1200 Mk. Dieser Tage gingen ihm per Postanweisung als sein Anteil an der Schlußdividende 7 Pfg. zu. Davon gehen 5 Pfg. Zustellungsgebühren ab, sodaß 2 Pfg. bleiben, lieber den richtigen Empfang wünscht der Konkursverwalter eine Be­scheinigung, die mindestens 5 Pfg. Porto kostet.

H Treysa, 15. Aug. Heute fand hier in Gegenwart der Kaiserin die Einweihung der vom kurhessischen Kommunalverband den Anstalten Hephata aus Anlaß der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares gestifteten Ge­dächtniskirche statt. Die Kaiserin, welche um 10 Uhr hier eintraf, wurde am Bahnhof von Schwärmer Deputatio­nen und am Stadttor von den städtischen Körperschaften begrüßt. In den geschmückten Straßen bildeten die Schulen und Vereine Spalier und am Eingänge zur Anstalt standen Deputationen der Geistlichkeit. Bei dem Festgottesdienst predigten Generalsuperintendent Möller-Kassel und der An­staltsvorsteher Pfarrer Schuchardt. Später besichtigten die Kaiserin und die in ihrer Begleitung befindlichen Be­hörden der Provinz die Anstalt uni) nahmen auch die Hul­digung der Anstaltszöglinge entgegen, Posaunenchöre trugen Choräle vor, und um 1 Uhr reiste die Kaiserin nach Kassel zurück. Anläßlich der Feier wurden Ordens­auszeichnungen verliehen. Der Erbauer der Kirche, Landes­bauinspektor Röse, wurde zum Baurat ernannt.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In AngerSbach wurde bei einem erkrankten Schul­kinde Typhus konstatiert. Der seit etwa drei Monaten vermißte Kaufmann Peter Enncmoser aus Griesheim wurde dieser Tage in einem Kornfeld in Roßbach bei Gelnhausen tot aufgefunden. Wie die ärztliche Untersuchung ergab, ist der Tod infolge Verhungerns eingctreten. E. war in einer Heilanstalt untergcbracht und von einem Spaziergang nicht wieder zurückgekehrt. In Mainz wurde bei den Erdarbeiten zur Er­richtung eines Neubaues ein interessanter Fund bloßgelegt, ein vollständig erhaltenes Stadttor, welches durch die ehemalige Stadtmauer nach den, Rheinufer führte. Unter der Leitung des Prof. Schumacher, deS Direktors !be§ Römisch - Germanischen Zentralmuseums, wurde der Fund in das Museum überdeführt. In Rumpenheim rutschten der Fuhrmann Ästung und sein 12jähriger Sohn von einem mit Garben gefüllten Wagen herab und fielen unter die Pferde. Während der Junge nur leicht verletzt wurde, erhielt der Vater durch Huftritte schwere Verletzungen, an deren Folgen er starb. Er hinterläßt 6 Kinder im Alter von 7 bis 17 Jahren. In Frankfurt a. M. ist der Stadtrat Anton Meyer an den Folgen rin er Blinddarm-Operation gestorben. In Mainz ist der Arbeiter Seebär, der vor einiger Zeit in Mannheim eine Frau beraubte und vergewaltigte, verhaftet worden.

Vermischtes.

* Ein Duell zwischen Schlangen. Wie qu§ London berichtet wird, war der Gemüse- und Fruchtmarkt von Covent Garden dieser Tage der Schauplatz einer eigen­tümlichen Szene, eines Kampfes zwischen zwei Schlangen. Bei einem der Tierhändler, die dort ihre Läden haben, war eine Riesenschlange angekommen. Sie wurde in einen Käfig

gebracht, in welchem sich bereits mehrere andere Schlangen befanden. Plötzlich wurde e§ ungewöhnlich lebhaft in dem Käfig. Man eilte hinzu und fand, daß zwischen zwei Riesen­schlangen ein Kampf entbrannt war. Die eine war etwa drei und die andere fünf Fuß lang. Trotzdem die Tiere beide noch ganz jung waren, hatte die eine der Schlangen bereits die andere getötet und schon die Hälfte deS Kadavers aufgefressen. Es kostete viele Mühe, ihr den anderen Teil wegzunehmen.

* Der fehlende Kesselstein. Wir lesen in der Tägl. Rundsch.'^: Ein eigenartiges Mißgeschick hat kürzlich einen übereifrigen Negierungsbeamten ereilt. War da in einem rheinischen großen Jndustrieorte behördlicherseits eine Kesselrevision angesetzt. Bei der Untersuchung stellte einer der besichtigenden Ingenieure fest, daß ein großer Kessel noch keinen festgewordenen Niederschlag, den sogenannten Kesselstein, auf­wies. Er berichtete dementsprechend an seine Behörde:Kessel­stein war nicht vorhanden." Nicht wenig erstaunt und erheitert war jedoch die Direktion der betreffenden Fabrik, als ihr wenige Tage darauf ein amtliches Schriftstück zuging, das die Aufforderung enthielt:Fehlender Keffelstein ist binnen acht Tagen zu beschaffen!"___

Als geriebener Komödiant entpuppte sich vor der ersten Ferienst-raskammer zu Berlin der Arbeiter Fahlbusch, der kürzlich einen Termin dadurch vereitelte, daß er fortgesetzt behauptete, er sei der Prinz Albrecht von Preußen und zur Audienz beim Kaiser befohlen. Es wurde der Gefängnisarzt Dr. Marx damit Betraut, den Angeklagten auf seinen Geisteszustand hin zu beobachten. Auch im Termin spielte Fahlbusch die Rolle des Prinzen eifrigst weiter, und es entwickelte sich zwischen ihm und dem Vorsitzenden folgendes Zwiegespräch:

Angekl.: Guten Morgen, wo ist Se. Majestät? Bors.: Spielen Sie doch nicht wieder dieselbe Komödie! Sie sind der Arbeiter Fahlbusch? Angekl.: Ich bin der Prinz Albrecht, mein Vater hat einen Mord begangen und darf deshalb nicht mehr Prinz sein, meine Mutter, die Gräfin Goltz, hat mir all ihr Geld Unterlassen, und das habe ich alles dem Kaiser zur Verwaltung übergeben! Ich muß jetzt gleich zur Audienz beim Kaiser! Vors.: So? Na, das ist ja sehr schön! Ta warten Sie aber nur noch ein Weilchen, denn zunächst sollen Sie sich wegen Dieb­stahls verantworten, weil Sie in der Nacht des 27. Mai dem Schneidermeister Falckmann drei Tuchcoupons aus dem Schaufenster gestohlen haben. Angekl.: Das waren Schätze, die ich zum Kaiser bringen wollte. Bors.: Ter Kaiser läßt sich ja von Ihnen nicht sprechen. Da steht doch ein Posten, der Sie ohne weiteres abweist. Angekl.: Wenn der Posten mich sieht, steht er sofort stramm, öffnet die Tür und sagt: Bitte recht sehr! Vors.: Von wem hatten Sie denn dieSchätze" geholt? Angekl.: Vom Reichstag! Vors.: Der Reichstag ist doch des Nachts nicht offen! Angekl.: Das ist ein großer Jvrtum, für mich ist er immer offen, Sie müssen wissen, ich, der Prinz Albrecht, bin doch schon weit in der Welt umhergekommen und war sogar schon in Afrika. Vors.: Ei, ei! Wann denn? Angekl.: Das weiß ich nicht. Vors.: 'Als was waren Sie denn in Afrika? Angekl.: Ich war Fürst einer kleinen Insel geworden. Vors.: Das hat doch Prinz Albrecht nicht nötig? Angekl.: Ja, die Pest war hier in Deutschlayd und deshalb ging ich nach Afrika. Vorsitzender: Woher hatten Sie denn die kleine Insel? Angeklagter: Dte hatte mir der alte Kaiser geschenkt. Vors.: Zur Zeit des alten Kaisers waren Sie etwa elf Jahre alt; einem solchen Kinde schenkt man doch keine kleine Insel. Angekl.: Der alte Kaiser wußte, was in mir steckt.

Weitere Unterhaltungen schienen dem Angeklagten un­angenehm zu sein, denn er sagte plötzlich:Adieu, ich muß jetzt zum Kaiser!", drehte sich um und wollte zur Tür, die nach dem Untersuchungsgefängnis führt, hinaus. Erst als er diese verschlossen fand und ihm auch auf wiedev- holtes Klopfen nicht geöffnet wurde, ergab er sich in sein Schicksal und hörte gieichgiltig das Gutachten des Gefäng­nisarztes Dr. Marx an. Dieser erklärte, daß das Krank­heitsbild, das der Angeklagte vorführe, nicht echt sei. Dieser sei ein gewalttätiger, widersetzlicher Mensch, der bereits neunzehnmal vorbestraft und minderwerirg, aber keineswegs geisteskrank sei. Zur Sache selbst ergab die Beweisauf­nahme, daß in der Nacht zum 27. Mai der Angeklagte zu- samtnen mit einem unbekannt gebliebenen Menschen in dem Augenblick, als ein Automobil geräuschvoll vorbeikam, das Schaufenster des Schneidermeisters Falckmann zertrümmerte und drei Coupons Stoffe daraus entwendet hatte. Er wurde aber festgenommen, ebenso ein anderer, bis dahin völlig unbescholtener Mann, der sich hatte dazu verleiten lassen, Posten zu stehen. Dieser behauptete, daß er es wiederholt abgelehnt und sich erst dazu verstanden habe, als der An­geklagte seine Aufforderung durch einen Faustschlag ins Gesicht verstärkt habe. Der Angeklagte habe schon einmal einem Gegner das halbe Ohr abgebissen und sei als Gewalt­mensch auf dem Wedding allgemein bekannt. Der Ge­richtshof verurteilte den unfreiwilligen Aufpasser zu drei Monaten Gefängnis, Fahlbusch aber zu vier Jahren Zucht- haus, Ehrverlust und Polizeiaufsicht._____________

Gerrchtssaal.

Der Doktor titel ist in Deutschland leicht zu erlangen, so dachte der ungarische Rabbiner Eduard Plaß. Er ging dabei so unverfroren vor, daß er es sogar unter­nahm, einen deutschen Professor zu bestechen. In Ungarn konnte er nicht Doktor werden, denn er hatte nur eine vierklassige Bürgerschule absolviert. Er dachte, was in Ungarn nicht geht, geht vielleicht in Deutschland, und er kam nach Frankfurt a. M. Hier ließ er sich von den verschiedenen deutschen Universitäten die Prvmotionsordnungen kommen und sand, daß Tübingen für seine Zwecke vielleicht geeignet sei. Nach der Promotionsordnuug kann nämlich bei hervorragender Dissertation über die Frage der Vorbildung hinweggesehen werden. Er schrieb nun an den Dekan der philosophischen Fakultät der Universität Tübingen einen Brief, worin er ihm milteilte, daß er eine Dissertation einsenden wolle, und da er nicht die nötige Vor­bildung habe, so bitte er um wohlwollende Nachsicht. Auch bei der mündlichen Prüfung bedürfe er der größten Nachsicht. Als Gegenleistung" wolle er dem Dekan 2000 Mk. verab­reichen. Ten Brief unterzeichnete erWilhelm Günther" und erbat sich postlagernd Antwort. Als er sich die Antwort abholen wollte, wurde er verhaftet, denn der Dekan hatte den in etwas zweifelhaftem Deutsch abgefaßten Brief der Staatsanwaltschaft übergeben. Tas Frankfurter Gericht verurteilte den Rabbiner wegen Urkundenfälschung und versuchter Beamtenbestechting zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten. Plaß wird nun in Nummer Sicher darüber Vergleiche anstellen können, wie unvollkommen doch die deutschen Gepflogenheiten gegenüber den gewohnten ungarischen sind.

Universitäts-Nachrichten.

Zum Geh. Justizrat wurde der Sirafrechtslehrrr Profeffor Dr. Jakob WciSmann in Greifswald ernannt. Ein geborener Mainzer

(1854), an'den Universitäten Heidelberg, Leipzig und Gießen auSgebilbeh erlangte WciSmann 1875 an der hiesigen Hessischen Landesuniversität die jurist. Doktorwürde und war nach dem Assessorexamen zuerst als Anwaltsgehilfe und später als Hilfsrichter beim Landgericht Leipzig tätig. 1879 habilitierte er sich dort als Privatdozent für Zivilprozeß, Strafprozeß und Strafrecht und wurde 1884 außerordentl. Professor. Zwei Jahre später kam er als Ordinarius nach Grciswald.

Wie uns mitgeteilt wird, hat Profeffor Dr. Arthur Titius, Ordinarius der systematischen Theologie an der Kieler Universität, einen Ruf in gleicher Eigenschaft nach Göttingen als Nachfolger des Geh. Kirchcnrats Prof. Dr. F. K a t t e n b u s ch erhalten. Geboren 1864 zu Sensburg in Ostpreußen, folgte Titius 1895 einem Rufe als a. o. Profeffor nach Kiel.

Arbeiterbewegung.

Brüssel, 15. August. Sozialdemokr. Arbeiter ganz Belgiens veranstalteten einen Dcm on st r a ti o n 8zn g zu Gunsten des verkürzten Arbeitstages. Der Marsch der Demonstranten, deren Zahl sich auf etwa 70000 belief, dauerte l3/4 Stunden. Einige 100 kleine Mädchen, die barfuß und in Arbeitsklcidern aus den Ziegeleien mitmarschierten, stellten einen Protest gegen die Kinderarbeit dar, ebenso die Frauen und Mädchen aus den Goldspinnereien von Cent, die Fahnen trugen, auf denen stand:Wir wollen lieber in die Schule und nicht in die Fabrik!" Ter Zug war begleitet von Musikkapellen. Viele rote Fahnen mit Aufschriften wurden mitgefübrt.

Eingesandt.

(Für beit Inhalt der unter dimer Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Es ist nicht zu verkennen, daß die Stadtverwaltung ihr Mög» lichstes tut, um verschiedenen Uebelständen abzuhelfen, und neuzeit­liche Einrichtungen für die Stadt anzulegen. Der Einsender dieser Zeilen gestattet sich jedoch, den wohllöbl. Stadtrat auf einen Zu­stand aufmerksam zu machen, dessen Abhilfe vor allen Dingen ins 9luge gefaßt werden muß. Es ist dies die Einmündung der D a mm st r a ß e in die W a l l t o r st r a ß e. Die Niederlegung der einen Häuserreihe soll geplant sein, aber wozu die Hinaus- ziehung?

Wenn man öfters Gelegenheit hat zu beobachten, wie haupt­sächlich ältere Leute, die beschwerlich im Gehen sind, ober Kinder gerade am Ansang der Dammstraße, wo die beiderseitigen Häuser nur 56 Meter zur Bildung der Straße, ohne jeglichen Bürger­steig, von einander entfernt sind, den plötzlich in die Dammstraße einbtegenben Fuhrwerken, Radfahrern usw. ausweichen muffen, so muß man sich wundern, daß hier nicht schon Ilnglücksfälle vor­gekommen sind. Die Rettung der Pasfanten ist gewöhnlich in die nächsten Haustüren. Kritische Momente treten alsdann noch ein, wenn zwei Fuhrwerke an dieser Stelle resp. Ecke gegeneinander fahren, denn vor dem Einbiegen in die Walltorstraße bezw. in die Dammstraße sieht ein Fuhrmann den andern nicht, er müßte beim seinem Fuhrwerke ein gehöriges Stück vorauslaufen, um nachzu­sehen, ob kein Fuhrwerk in Ansicht ist. Dann kommt es durch die enge Einbiegung, die Walltorstraße selbst ist auch schmal, vor, daß die beiden Eckhäuser angefahren und beschädigt werden. Wenn dann der Hauseigentümer Glück hat und zufällig denSündenbock" erwischt, so muß er nochmals Glück haben, um von dem Fuhr­werksbesitzer Schadenersatz zu erhalten; dabei kann er aber diesem nach ein paar Mal ins Haus laufen und Grobheiten hören. Das sind die Uebelftönbe noch nicht alle: Sehr zu bemängeln ist, daß die S t r a ß e n e ck e bei Dunkelheit absolut nicht be­leuchtet i ft. Die nächste Laterne in der Dammstraße ist ca. 50 Meter entfernt, es ist eine einfache Straßenlaterne, welche nicht bis zur Ecke reicht. Warum befindet sich diejenige, einige Schritte hiervon in der Walltorstraße, nicht auf der Ecke Walltor-Damm­straße ? Betritt man bei Dunkelheit von der Walltorstraße aus die Dammstraße, so kann man Leute anrempeln, und weiß überhaupt nicht, wohin man tritt. Solche Zustände ist man in einem Dorfe gewöhnt, aber gehören sich nicht für eine Universitätsstadt von 29 000 Einwohnern.

Zurzeit wird wieder einmal die Walltorstraße aufgeriffen, da fehlt es keinen Augenblick an intereffanten Zwischenfällen zwischen Fuhrwerken, wobei auch manchesmal unser wunderbares Verkehrs­und Beförderungsmittel, der Omnibus, in Mitleidenschaft ge­zogen wird. Man hat über solche Zustände und Begebenheiten nur ein Kopfschütteln und Seufzen mit dem Bedauern, daß Gießen dabei noch lange nicht sich des schlechten Rufs entledigen wird, den es Fremde und Auswärtige zu geben pflegt; die schönen An­lagen machen es nicht allein.

Ein Anwohner.

Es tut in Gießen sehr not, die Straßen breiter zn baue n. Die W e tz st e i n g a s s e durchfahren täglich hunderte von Fuhrwerken und ein Wunder ist es, daß noch nichts Schlimmes dort passiert ist, wo über tausend Kinder in die städtische Knaben­schule gehen. Gestern früh gerieten zwei Knaben zwischen zwei Fuhrwerke, welche sich an dem vorstehenden Eckhaus kreuzten. Es würde vielleicht gut geheißen werden, wenn die Straße zwischen Seuling und Gambrinus nur von einer Seite aus durchfahren werden dürfte, um Zusammenstöße der Fuhrwerke zu vermeiden und die in Gefahr schwebenden Passanten zu schützen. ______________________________Mehrere B ü rger.

Oer UeöafHon.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt).

A. D. in Ortcnberg. Die Geschäftsordnung berechtigt den Vermittler, sich von den Spielern diejenigen Spesen zahlen zu lassen, welche ihnen bei unmittelbarem Bezüge von den Ein­nehmern erwachsen. Ein auswärtiger Spieler also würde für die zur Entwertung planmäßig verlangte Rücksendung der Lose 1.4. Klasse je 10 Pfg. Porto, für Uebersendung der neuen Lose zur!.5. Klaffe weitere 50 Pfg. und endlich für Einzahlung des Preises einschließlich Bestellgeldes j e 15 Pfg., oder, wenn es sich um einen Betrag über 5 Mk. handelt, j e 25 Pfg. zu zahlen haben. Zur Nachnahme dieser Spesen ist, wie erwähnt, der Vermittler befugt und verdient sie auch sonst, da er lediglich im Interesse der Spieler arbeitet, indem er sie der Mühe des Zurücksendes, des Einzahlens der Geldbeträge usw. überhebt. Ihm dafür eine kleine Entschädigung zu zahlen, ist nur recht und billig.

Wonnllicht i(rbrt|id|t btt Todesfälle in Gießen.

Monat Juli 1906.

Einwohnerzahl: angenommen zu 29 500 (inkl. 1600 Mann Militär.) Sterblichkeitsziffer: 22,37 °/00, nach Abzug von 28 Ortsfremden: ll,00°/oo.

Kinder

Es starben an: Zusammen: Erwachsene:

im ebensjahr: 2.-

vom

-15. Iaht

1.2

im Wochenbett

3(3)

3(3)

Keuchhusten

1

1

Wundinfektion

2(2)

1 (1)

1(1)

Tuberkulose

9 (6)

9(6)

Lungenentzündung

2(1)

2(1)

*

Syphilis

1

-

1 w<.

Krankheiten

der Atmungsorgane 3 (1)

1

2(1)

Krankheiten des

Herzens u. b. Gefäße 7 (3)

6(3)

y

1

Gehirnschlag

3(2)

3(2)

anderen Nerven-

krankheiten

4(1)

2(1)

1

1

Magen- und

Tarmkatarrh

2

2

-

Nierenentzündung

1

1

Krebs

5(3)

5(3)

gewaltsamem Tod

3(2)

3(2)

*

anderen Krankheiten

9(4)

4(3)

3(1)

2

Summa:

55 (28)

39 (25)

8(1)

8 (2)

?(nm.: Tie in Klammern gesetzten Ziffern geben an,

, wie viel

der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach

Gießen gebrachte Kranke kommen.