keträcft 500. Vas Präsidium ^fuhren Redakteur DrinMuk und Dr. Dubrowin. Der Kongreß richtete an den Kaiser einTelegramm, .in welchem er erklärt, daß die S c l b st- herrscha'ft das einzige Unterpfand für die Festigkeit des russischen Reiches und für das Wohlergehen der Untertanen sei. In einem Telegramm an den Mnisterpräsidenten Stolypin betont der Kongreß, die Einführung des Standrechts und das Verbot der Beteiligung von Staatsbeamten an Parteien der Opposition diene den russischen Leuten zum Beweise, daß der Präsident des Ministerrats, den Kamps gegen die Wirren energisch führen werde.
An der Moskauer Universität sind ernste Unruhen ausgebrochen. Der Stadthauptmann drohte dem Rektor Manilow mit gerichtlicher Verfolgung wegen fortlaufender Duldung der revolutionären Propaganda in den Hörsälcn, an welcher auch Nichtstudierende teilnahmen. Der Rektor und eine Kommission von Professoren reisten nach Petersburg. Prof. Manilow hatte eine Unterredung mit dem Minister für Volksaufklärung Kaufmann. Dieser sagte, er hoffe, den Konflikt des Universitätssenates mit dem Stadlhauptmann und dem Generalgouverneur von Moskau gütlich beiZulegen. — Wie die Moskauer, befindet sich auch die Petersburger Studentenschaft in großer Erregung. Die Vorlesungen sind teilweise eingestellt. Man rechnet mit der Möglichkeit, daß die Petersburger Universität in den nächsten Tagen geschlossen wird.
Versammlung
des hessischen Landes-Rechnerverbandcs.
fe. Frankfurt a. M., 14. Olt.
Der hessische Landesrechnerverband hielt heute, wie schon berichtet, hier im Storch seine Generalversammlung ab. Sie war nicht besonders gut besucht, „weil die Mitglieder die Beamtenzeituug nicht "zu lesen scheinen", wie ern Redner meinte. Der Vorsitzende, Rendant Wolf- schm id t-Schotten, konnte daraus Hinweisen, daß einer der ihrigen jetzt dem Landtage augehört: Uebel-Dieburg. Die Versammlung erhob sich bei dieser Gelegenheit von den Sitzen. Tann erstattete Herr Wolsschmidt den Jahresbericht. Er erinnerte daran, daß 6s 11 Jahre her seien, daß der Verband gegründet wurde, um gemeinsam für die Interessen der Gemeinderechner und verwandter Beamtenkategorien zu kämpfen, insonderheit um eine Regulierung der Gehalts-, Pensions- und Relikteuversorgungsverhältnisse zu erwirken. Jetzt endlich schimmere ein Hoffnungsstrahl. Denn auf eine Aussage sei ihm unter dem 12. Oktober von der Regierung mitgeteilt worden, daß ein Gesetzentwurf betr. die Errichtung von F ü r s o r g e k a s s e n für d i e Landgemeindebeamteii usw. noch in diesem Jahre dem Landtage zugehen werde. Herr Uebel-Dieburg teilte mit, daß er gestern als Referent im Ausschuß der Ständekammer für Beratung der Landgemeindeordnung die Sache der Rechner zur Sprache gebracht habe. Er hat im Ausschuß zu erkennen gegeben, daß die Rechner mit dem § 162 der Landgemeindeordnung nicht zufrieden sind, nach dem das Gehalt durch die Gemeinderäte festgesetzt wird und die Kreisräte darüber zu wachen haben, daß ein angemessenes Gehalt bezahlt wird. Er habe keinen Zweifel darüber gelassen, daß die Rechner eine generelle Regelung für das ganje Land durch ein Gemeindebeamtengesetz fordern und schon in der Landgemeindeordnung die nötigen Garantien für eine solche Regelung ausgenommen wissen wollen. Bezüglich der Fürsorge (Alter und Relikten) glaubt er, daß öie Vorlage, die an den Landtag komme, keinem großen Widerspruch begegnen und daß sie auch Gutes bringen wird. Im allgemeinen habe er im Ausschuß viel Entgegenkommen gefunden. Es wurde schließlich einstimmig eine Resolution angenommen, in der die Streichung des § 162 uud dafür die g e n er e l l e R e ge lun g d e r Ge h a lt s- verhältnisse der Gemeindebeamten durch ein besonderes Gesetz und die Zulässigkeit des Verwaltungsstrei5- verfahrens, ferner auch die Regelung der Pensious- und Hinterblieben en versorgungsver hält- nisse durch ein generelles Gesetz, nicht durch Ortsstatut, gefordert wird. Bezüglich der Gehaltsregulierung wird aus die vor. drei Jahren vom Verbandsausschuß ausgestellte Skala hingewiesen. Die Resolution soll vom Verbandsaus- ichuß zur Kenntnis der Regierung und der Ständekammer gebracht werden. Herr Uebel vertrat noch die Ansicht, daß, wenn die Gehaltsfrage sich nicht generell für das ganze ^.and regeln lassen werde, auch eine Regulierung nach Provinzen oder Kreisen annehmbar erscheine. Nachdem die Rechnung genehmigt und die ausscheidenden Ausschußmit- glieder Baldauf-Pfungstadt und Delp-Eberstadt wiederge- wahlt waren, schloß Herr Wolsschmidt die Versammlung mit einem Hoch auf S. K. H. den Großherzog._________
Gießener Strafkammer.
)( Gießen, 15. Oktober. - Der Fall Heinzcrling.
Tic Strafkammer verurteilte in der gestern fortgesetzten Verhandlung den Rechner Karl H e i n z e r l i n g von Butzbach wegen fortgesetzter Untreue in einheitlichem Zusammen- treffen mit Unterschlagung und wegen Betrugs in zwei Fallen zu einer Gesamtstrafe von 7 Jahren Gefängnis und zu öjährigem Ehrverlust, wie dies von der Staatsanwaltschaft beantragt worden war. Der Staats- a Y0 m fak farü?.r' wie schnöde der Angeklagte das in ihn gesetzte Vertrauen mißbraucht hat. Schon die Häufung der Aemter auf seine Person ließ erkennen, in welch unbegrenztem Maße er das Vertrauen der Einwohnerschaft Butzbachs genoß. Seine Lewenichaft zum Börscnspicl aber ließ ihn zum Verbrecher werden. Gr habe sich Nicht gescheut, die sauer ersparten Einlagen vieler geringer Leute ui seiner Spekulationssucht sich anzueignen. Besser ntuierte -mte habe er an den Bettelstab gebracht; er erinnerte nur an eine Witwe, die ihres ganzen Vermögens beraubt, in der
- Q“ Aufnahme finden mußte. Er bedauerte, daß ihn das Gesetz insofern im Stiche läßt, als daß es nicht gestattet Mis Zuchthausstrafe zu erkennen, die hier eher als in vielen anderen Fallen mn Platze wäre. Der Verteidiger dagegen, der zwar erklärte, daß er die Handlungsweise des Angeklagten keines- wegs billigen wolle, glaubte dock' nicht, daß dieser das moralische Ungeheuer sei, wie ihn der Staatsanwalt hinstellt. Er bezeichnete die Vorstandsmitglieder als Mitschuldige, da sie es ^.nötigen Kontrolle haben fehlen lassen. Das Gericht schloß sich den Ausführungen der Staatsanwaltschaft an. Es wies » ^Lek^tumliche Verhalten des Angeklagten hin, der sein früheres Geständnis widerrief. Es war der unerschütterlichen Ueber- zeugung, daß seine früheren Angaben der Walwheit entsprachen 2”™ ^.rin der Hauptvcrhandlung die Unwahrheit gesagt hat. Von Mißver,tandnissen bei Errichtung der frülyeren Proto- lolle könne ferne Rede sein dafür bürge die erprobte gewissen- haste Genauigkeit der die Untersuchung führenden Richter, und die Tatsache, daß der mit den Gesetzen hinlänglich vertraute An- ?Äte' Z^kolle nach Verlesen genehmigt und unter- schrieben hat. Mgeichen von seinem früheren Geständnis hielt das Gericht für ertoicien, daß nach dem Jahre 1901 Unterschlagungen vorgekommen sind und dies genügt, um die Verjährung zu unterbrechen, da die Verjährungsfrist erst nach Beendigung der letzten -Ltrastat beginnt. Was die Betrugsfälle anbelängt, die vom Angeklagten bestritten wurden, hatte das Gericht keinen Anlaß, den Angaben der Zeugen zu mißtrauen. Es war der.
festen Ueberzeugung,' daß feiner der Betrogenen feine Unterschrift hergegeben hätte, wenn er den wahren Sachverhalt gekannt hätte. Er wurde mithin aller unter Anklage gestellten Punkte für überführt erachtet. Bei der Strafzumessung kam in Betracht, daß vergeblich nach Strafmilderungsgründen gesucht werden mußte. Er war ledigen Standes und hatte neben seinem Privatvermögen ein schönes Einkommen, sodaß er sorgenlos leben konnte. Ferner iuurbe der Umstand, daß er in seiner Sucht baldigst reich zu werden, das Vermögen armer Leute verschleuderte, straferschwerend in Betracht gezogen. Für die Untreue mit Unterschlagung wurde die lwchste zulässige Strafe mit 5 Jahren Gefängnis in Ansatz gebracht, die beiden Vetrugsfälle wurden mit je 1 Jahr 6 Monaten geahndet und diese Strafe auf insgesamt 7 Jahre Gefängnis reduziert. In Anbetracht der niedrigen Gesinnung und der ehrlosen Handlungsweise wurden ihm auch die bürgerlichen Ehrenrechte auf die höchste zulässige Dauer aberkannt. Der Widerruf seines Geständnisses hat ihm jeden Anspruch auf milde Behandlung verscherzt.
Aus SiaOt UNO LUN0.
Gießen, den 16. Oktober 1906.
• • Landwirtschaft 8 kammer. Zum 3. Präsidenten der Landwirtschaftskannner wird, wie uns aus Darmstadt teL gemeldet wird, in Anbetracht seiner Verdienste um die hessische Bauernbewegung der Landtagsabgeordnete Bähr von den oberhessisehen Mitgliedern der Kammer vorgeschlagen werden.
* * A ri s dem Bureau des Stadit Heaters. Am Donnerstag wird Madame Charlotte Wiehe, die hier von einem Auftreten im Theaterverein her bekannt ist, eine Anzahl neuer, für sie verfaßter und komponierter Vorträge zu Gehör bringen. Madame Wiehe wird alle fremdländischen Gesänge durch vorhergehende Erläuterungen verdeutschen, Erläuterungen, die den Reiz und das Verständnis der Vorträge erhöhen und auch das schauspielerische uud mimische Talent der Künstlerin durchblicken lassen. Der Komponist Henri Beröny, Gatte der Diva, wird die Klavierbegleitung aussühren. Zwei heitere Stücke „Der sechste Sinn' und ein neuer Einakter von Maurey, „Die Empfehlung', gelangen vom hiesigen Personal zur Darstellung.
• • Die Fritz Steidl Sänger, die bei ihren Gast- ipielcn im Juni im Reuen Saalbau sich außerordentlicher Beliebtheit erfreuten, werden auf der Rückreise nach Berlin wiederum zwei humoristische Abende in unserer Stadt geben und zwar am Mittwoch den 17. und Donnerstag den 18. Okt. im Reuen Saalbau. Die vorzüglichen Leistungen der Künstler, soivie ihre humoristische Vielseitigkeit sind in angenchmster Erinnerung, sodaß uns genußreiche Abende in Aussicht stehen. Den Vorverkauf zu ermäßigteren Preisen Hal die Musikalienhandlung Challier übernommen.
• • Wirtschast 8 schließung. Nachdem erst unlängst dem Wirt Urmersbach die Konzession entzogen wurde, hat auch gestern wieder die Wirtschaft von Waterkamv (Nordpol) wegen der infolge der Damenbedienung vorgekommenen Unzuträglichkeiten polizeilich geschlossen werden müßen.
'* Diebstahl. Von einem Fuhrwerk wurde gestern abend in der Hammstraße eine Kiste mit Schu hwareu gestohlen. Die Kiste ist L. M. 525 gezeicynct und enthält rindslederne, mit Nägeln und Eisen beschlagene Knabenschuhe.
•• Schlägerei. Bei der Tanzmusik in der Wirtschaft zum Schiffenbergertal kam es am verstossenen Sonntag zu einer Keilerei, wobei der Wirt und auch ein Gast leichte Verletzungen durch Messerstiche erhielten. Ein hiesiger Arbeiter hatte die dort befindlichen Italiener „lumpige Sauitaliener" genannt und so den Streit hervorgerusen. Als nun die 10 bis 12 anwesenden Italiener zum Tanzsaal hinaus expediert werden sollten, griff einer zum Messer.
x Klein-Linden, 15. Okt. Gestern hielt eine Jagdgesellschaft in unserer Gemarkung ein Treibjagen ab; dabei wurde ein Nehbock a n g e sch ossc n. Dieser lief dann mit zerschossenem Laufe nach Klein-Linden in die Hofreite eines Bürgers. Der Bürger nahm sich deS armen Tieres, daS furchtbare Schmerzen hatte, liebevoll an und suchte ihm die Schmerzen so gut wie möglich zu lindern. Es wäre zu wünschen, daß nur Leute auf die Jagd gehen, die imstande sind, ein Wild zu erlegen. Nichts ist nämlich entsetzlicher als daS Klagen eines verwundeten NeheS.
(p.) Hochelheim, 16. Okt. Durch Anbau eines Querschiffes wird zur Zeit unsere für den Ort zu klein gewordene Kirche erweitert. Der alte Teil der Kirche stammt ans dem 12. Jahrhundert und bildete vor der Reformation eine schlichte Kapelle. Im 17. Jahrhundert wurde ein Anbau geschaffen. Die jetzigen Erneuerungsarbeiten begannen am 20. Mai 1. I. und dürften in den nächsten Wochen beendet werden. Der Tag der Einweihung ist allerdings noch nicht festgesetzt. Der Kostenanschlag der Erweiterung, die vom Kreisbaumeister Witte-Wetzlar ausgeführt wird, beläuft sich auf 30 000 Mark.
+ Allendorf a. d. Lda., 15. Okt. Hier siel der Schuhmacher Heinrich Rein, der abends in seiner Scheuer Stroh vom Gerüst werfen wollte, in die Tenne und erlitt einen Schlüsselbeinbruch. Seine Frau, die mit der Laterne in der Hand unten stand, wurde von dem Herabstürzenden gestreift und auch etwas verletzt. Der Verunglückte mußte in der Klinik zu Gießen einer komplizierten Operation unterworfen werben. Das Befinden des Verunglückten ist sehr befriedigend.
(.) Hohensolms, 15. Okt. Die ärztliche Untersuchung hat ergeben, daß der Gutsknecht Judt von hier an Verblutung gestorben ist, verursacht durch einen Stich, den ihm der 30jährige Knecht HorniviuS beigebracht hatte. Eine Hauptader am Halse war geöffnet, weshalb auch nach etwa einer Stunde der Tod eintrat. Unser Ortsarzt Dilger leistete sofort Hilfe; doch war Rettung unmöglich. HorniviuS, der in angetrunkenem Zustande die grausige Tat verübt hat, ist bereits vorbestraft und sitzt in Wetzlar in Untersuchung.
△ Butzbach, 15. Okt. Die „Butzb. Ztg.' brachte vor einigen Tagen die Nachricht von einem Naubanfall auf einen 13jährigen Jungen von hier, der in nächster Nähe deS Dorfes Ober-Hörgern von einem Unbekannten unter Bedrohungen veranlaßt worden sein sollte, seine Barschaft von 8 Mk. herauszugeben. Die ganze Erzählung deS Knaben fand hier in der Stadt wenig Glauben, und als sich dennoch die Staatsanwaltschaft näher mit der Sache befaßte, gestand der Junge ein, daß die Geschichte von dem lieber- fall von ihm erfunden sei und daß er da8 Geld zu Leckereien usw. verpraßt habe. — Jean Stein häußer VI., der in weiteren Kreisen bekannte Wirt zum „Gambrinus', errichtet auf dem ,Neuen Weg' in der Nähe des Bahnhofs
ein mit allem Komfort der Neuzeit versehenes Hotelrestaurant „Zum Taunus". Die Eröffnung dürfte schon im nächsten Frühjahr erfolgen.
(.) Homberg a. d. Ohm, 15. Okt. Ein Elektrizitätswerk beabsichtigt unsere Stadt anzulegen und als Kraftstation die Sandmühle anzukaufen. — Im nahen Nie der-Oh men wird am 4. Nov. das von Baurat Diehm- Gießen erbaute Schulhaus eingeiveiht. Es umfaßt vier Schulsäle und drei Lehrerwohnungen.
X Geiß-Nidda, 15. Okt. Die lebige Ottilie Schellman n von hier hat sich unter dem Verdacht, heimlich geboren ■ zu haben, vor etwa 10 Tagen von hier entfernt. Wie verlautet, soll sie in Frankfurt festgenommen worden sein. Nachforschungen der llntersuchungsbehorde förderten heute nachmittag aus dem Brunnen in der Hofreite der I. K. Schellmann Witwe — ihrer Mutter — (Gasthaus zur Krone), die Leiche eines neugeborenen Kindes zutage. Qb das Kind bei seiner Geburt gelebt, wird die morgen vormittag gerichtlicherseits vorzunehmende Sektion der Leiche ergeben. Gerüchtweise verlautet, daß die Geburt des Kindes schon vor etwa 6 Wochen erfolgt sei.
R. B. Darmstadt, 15. Okt. Die Großh. Hof- Haltung wird Dienstag mittag wieder von Jagdschloß WolfSgarten nach Darmstadt verlegt werden. In früheren Jahren ist die Rückverlegung der Hofhaltung nach dem Neuen Palais meist erst mehrere Wochen später erfolgt, da gerade die Herbsttage in den jetzt so farbenreichen Waldungen um Schloß und Park Wolfsgarten einen prächtigen Aufenthalt bieten. Die frühere Rückkehr nach Darmstadt erfolgt wohl in Rücksicht auf den schonungsbedürftigen Zu st and I. K. H. der Frau Großherzogin.
(sd.) Darmstadt, 15. Ott. Eine ganze Reihe von interessanten Prozessen wirb sich demnächst vor den hiesigen Gerichten abspielen. Der erste wird eine Meineids klage sein, die demnächst die Geschworenen beschäftigt. Ter ca. 30 Jahre alte Landwirt Kirsch in Lampertheim lebte seit einiger Zeit mit seiner Frau, geb. Hcllrich, aus Biblis, in Unfrieden, besonders - seit die Ehefrau Grund hatte, anzunehmen, daß ihr Ehemann intimen Verkehr mit Charlotte Müller in Biblis habe. Die Folge war eine Klage auf Ehescheidung, in der die Zeugin Ch. Müller beschwor, daß sie leinen verbotenen Umgang mit K. gehabt habe. Auch bereit Mutter sagte unter Eid aus, baß ihr hiervon nichts bekannt sei. Die Ehe wurde nun zwar wegen „unüberwindlicher Abneigung" geschieden, da aber gegen den Ehemann sonst nichts Belastendes zutage trat, wurden ihm die vorhandenen Kinder zugesprochen. Die Ehefrau umging dieses Urteil, indem sie mit ihren Kindern nach Belgien flüchtete. Dies war vor ca. drei Jahren. Kirsch hatte sich in zweiter Ehe wieder nach Frankfurt verheiratet, als das Verhängnis über ihn hereinbrach. In der Zwischenzeit hatte sich nämlich sein intimer Verkehr mit der Müller immer mehr herumgesprochen, es kam zur Anzeige, wobei sich herausstellte, daß auch die Mutter der M. von der Sache unterrichtet war, und daß beide, auf Veranlassung des Musch vor dem Gericht meineidig geworden waren, denn sie haben nun ein vollständiges Geständnis abgelegt. Kirsch wurde dieser Tage verhaftet, da er die Leute zürn Meineid verleitet hat, während die Müller und bereit Mutter sich wegen Meineid zu verantworten haben. Auch soll die Verhaftung weiterer Meineid verdächtiger Personen in Aussicht stehen. Wegen der weiteren Folgen hat aber die Sache eine gewisse Bedeutung. Voraussichtlich wird die zweite von Kirsch geschlossene Ehe für nichtig erklärt werden müssen, da die Scheidung seiner ersten Ehe auf Grund falscher Tatsachen vorgenommen wurde, und daher nicht rechtsgültig sein dürste, sodaß die Ehe auch noch besteht, somit Kirsch mit gesetzlichem Recht zweimal verheiratet ist, gewiß ein Fall, der nickst sehr häufig Vorkommen dürfte. Man ist auf den Ausgang der Sache besonders in den beteiligten. Kreisen sehr gespannt. Die zuerst geschiedene Ehefrau K. ist nun nach der veränderten Sachlage am Samstag aus dem Ausland zurückgekehrt.,
fc. Offenbach a. M., 15. Okt. In einem Streit, der sich aus einem WirtStzause auf die Straße fortpflanzte, wurde der 30jährige Arbeiter Michael Seltmann aus Nürnberg von einem auS Bürgel stammenden Arbeiter Schüßler durch einen Nevolverschuß getötet. Seltmann hinterläßt eine Frau und zwei Kinder.
[ ] Reichelsheim i. O., 15. Okt. Einige Brandstiftungen im Odenwald, die die ganze Bevölkerung in Aufregung versetzten, haben nunmehr ihre Aufklärung gefunden. Als Täterin und Schreiberin der Drohbriefe wurde die schon früher verdächtigte 14jährige Pflegetochter der Eheleute Maser in Michelbach i. O. festgenommen. Sie hat bereits ein Geständnis abgelegt und gibt zu, die Brände in Michelhach und Güttersbach angelegt zu haben. Das Mädchen wurde von seinen Pflegeeltern gut behandelt. Auch sonst liegt kein Grund zur verbrecherischen Handlung vor, wenn man nicht Geistesstörung annehmen will.
h. Frankfurt a. M., 15. Okt. Am Samstag wurde die im Wronkerschen Waren Hause bedienstete Verkäuferin Maria Wurst, gebürtig aus Stuttgart, wegen fortgesetzter Warendiebstähle in großen Mengen verhaftet. In deren Wohnung Alterheiligenstraße 65 fand man ganze Berge von Waren und eine Menge Pfandscheine, auf die mehr als 400 Paar der feinsten Dessertmesser, Gabel, Messer usw. versetzt waren. Die Stiefmutter der Verkäuferin, die 41jährige Monatsrau Marie Bauer, geboren zu Göppingen, sowie eine Frau Jasinskh, die im gleichen Hause wohnte, wurden unter dem Verdacht der Hehlerei in Haft genommen.
y. Frankfurt a. M., 16. Oft. Im Anschluß an die Kundgebung der städtischen Behörden nahm gestern das liberale Bürgertum in einer stark besuchten Versammlung, die von den Vorständen des demokratischen Vereins, des Vereins der Fortschrittspartei und des nativ- nalsozialen Wahlvereins ins Börsen-Restaurant einberufen worden war, Stellung zu der immer unerträglicher werdenden Fleischnot. Auch viele Frauen waren erschienen. Der Vorsitzende der Versammli'ug, Justizrat Dr. F. Meyer, wies darauf hin, daß die V..- sammkung wieder eine gerne in f ainte Aktion d 2 r liberalen Parteien darstelle, deren (Einigung gern 1 in Süddeutschland einen so fruchtbaren Boden gesunden hab2. Nach einer Reihe von Referaten, an denen sich auch der Landtagsabg. Oeser beteiligte, wurde eine Resolution einstimmig angenommen, in der erstens die Oef snnng ber Grenzen für Schlacht- und Zuchtvieh, zweitens Aufhebung der Einfuhrzölle für Vieh und Fleisch, drittens Beseitigung der Zölle auf Futtermittel zur Erleichterung der einheimischen Produktion verlangt wurde.
** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den N a cki b a r st a a t e n. In Kassel beschlossen die städtische Bau- konunission und Finanzkoininission cinflimmig, die Bewilligung der Mehrkosten von 700,000 Mk. für den Dostheator- N e n b a 11 zn empfehlen. — In Usenb 0 r 11 bei Gutenberg feiern Iohs. Pfeiffer und dessen Ehefrau, geb. Schwalm, am 25. d. M. bas Fest der eserncn Hochzeit. — Bei Breidenbach sand man aus der Kreisstuaße einen bewußtlosen Radfahrer, derß


