Ausgabe 
16.10.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 343 Zweites Matt LSS. Jahrgang

Dienstag 16. Oktober 1906

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

DieGießener ZamilienblStter" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der hessische tanbwiit erscheint monatlich einmal.

jfZgi"T La a a. jka a ? * -k ». A Rotationsdruck und Verlag der Drühl'schen

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General-Anzeiger, AmK- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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politische Lagesscharr.

DaS Ausland unb die Hohenlohe'scheu Memoiren.

Der PariserGaulois" bezeichnet die Bestimmung des verewigten Fürsten Hohenlohe, daß seine Tagcbuchaufzeich- nungen veröffentlicht werden sollen, als eine Handlungs­weise, die eines deutschen Edelmanns unwürdig sei! Aehnlich lauten auch die Urteile anderer fremdländischer angesehener Blätter, die mehr oder minder scharf' gegen den Autor der Memoiren Stellung nehmen. Am inter­essantesten aber ist es, daß man sich in Frankreich ver­wundert fragt, ob denn keine Möglichkeit bestand, das Er­scheinen eines solchen Buches aus Gründen der Staats- raison zu unterdrücken. Man weist darauf hin, daß hier eine Verletzung d e S A m t s g e h e i in n i s s es vorliegt und erinnert daran, daß die französische Regierung vor einigen Monaten die Absicht hatte, gegen den ge­wesenen Kriegsminister Andre gerichtlich vor­zugehen, weil er in seinen, in einem Pariser Blatte publi­zierten Denkwürdigkeiten diskrete Vorfälle aus seiner Amtstätigkeit ausplauderte. Das strafgerichtliche Vorgehen unterblieb jedoch, da die Indiskretionen zu harmloser Ncv- tur waren. Nun, man schont'im Auslande über die Zu­stände, wie sie sich in Deutschland entwickelt haben, noch immer nicht unterrichtet zu sein, denn sonst würde man nicht so verwundert fein. Ja, wenn der Herausgeber dieser Memorren nicht der Prinz Alexander zu Hohenlohe wäre. Wer Se. Durchlaucht wurde, wie der Draht gestern meldete, vom Fürsten Balow in Homburg.in Audienz em- pfangen, speiste bei ihm zu Mittag und reiste am Abend wieder ab. Beim Statthalter der Reichslande freilich, seinem Oheim, reichte er alsbald seine Entlassung ein. Er er­klärte einem Mitarbeiter des PariserTemps", der ihn in Eolmar aussuchte,er habe infolge des Telegramms des Kaisers an seinen Bruder zuerst den Chef des Zivilrabinetts von Lukanus um eine Unterredung gebeten, jedoch die Antwort erhalten, daß die Angelegenheit ihren Verlauf nehme und jeder Schritt unnütz wäre. Bei Bülow in Homburg über­zeugte er sich dann in langer Unterredung, daß er das Vertrauen des Kaisers nicht mehr besitze. Er habe sich deshalb von Homburg sofort nach Straßburg be­geben und den Statthalter gebeten, sein Entlassungsgesuch nach Berlin zu übermitteln.

So lange die allerdings nicht zweifelhafte Antwort aus ck>ieses Gesuch noch nicht eingetroffen ist", fügte der P^rinz hinzu,6in ich als Beamter zur Zurückhaltung verpflichtet, jedoch beunruhigt die Entrüstung der Presse mich nicht. Ich habe getan, was ich für meine Pflicht hielt, und wenn meine Stunde gekommen ist, werde ich meine Gründe veröffentlichen." Das kann also noch immer hübscher werden.

Von gut unterrichteter Seite behauptet übrigens die Post" erfahren zu haben, daß Prinz Alexander seit einiger Zeit von einem schweren Rück en mar k's leiden be­fallen fei.

Kochzeitsfeier im Kaufe Krupp.

Essen, 15. Okt.

Die Bevölkerung von Essen nimmt Anteil an dem Feste, das heute in der Familie Krupp gefeiert wird. Die Stadt­verwaltung hat die Glückwünsche überbracht und dem jungen Paar einen Tafelaufsatz überreicht. Heute sind die öffentlichen Gebäude der Stadt beflaggt. Schon früh herrschte auf dem weiten Hofe der Villa Hügel ein emsiges Treiben. Wagen rollt nach Wagen vor und ihnen entsteigen Damen in reich­geschmückten Toiletten, Herren in großer Uniform, doch zu­meist in festlichem Schwarz. Schon in dec äußeren Form tritt das Bürgerliche mehr hervor als sonst bei so großen Festen. Es ist eben ein Fest in der ersten Bürger- familie Deutschlands, die nicht durch Adel und vererbte Gunst soweit gestiegen ist, sondern durch Arbeit zweier be­deutender Männer im Verein mit den Leistungen der tüchtigen Männer, die sie mit zur Leitung der Werke heranzogen. Wie sehr diese Bürgerfamilie über die Zeit cmporragt, zeigt sich ja beim heutigen Feste schon durch den Besuch des Kaisers, der noch vor zwei Monaten auf Hügel weilte und heute wiederkehrt.

Zum Empfang hätten sich von der Familie Krupp ein­gefunden: in Vertretung von Frau Krupp deren Bruder Oberst Freiherr von Ende und der Verlobte der Fräulein Barbara Krupp, Regierungs-Assessor von Wilmowski.

Um 12 Uhr 45 Minuten lief der kaiserliche Hofzug ein. Zuerst entstieg der Kaiser, der große Generalsuniform ohne Ordensband trug, dem Wagen. In der Begleitung des Kaisers befanden sich Oberhofmarschall Graf v. Eulenburg, der Chef des Marinekabinetts, kaiserlicher Admiral v. Müller, vom Militär-Kabinett Oberst von Oertzen, vom Zivil-Kabinett Geh. Regierungsrat v. Eisenhart-Rothe, der General-Adjutant General der Infanterie v. Plessen, die Flügeladjutanten Generalmajor Graf v. Hohenau und Major Freiherr von Senden, Generaloberarzt Dr. Jlberg.

Die Trauung des Legationsrats Dr. v. Bohlen und Halbach mit Fräulein Bertha Krupp hat heute nachmittag 1 x[.1 Uhr stattgefunden. Den Trauakt vollzog Pastor Greeoen aus Werden.

Der Kaiser verlieh dem Dr. jur. von Bohlen und Halbach den Namen Krupp von Bohlen und Halbach mit der Bestimmung, daß dieser Name zur Erhaltung des Kruppschen Namens auf den Abkommen des Mannesstammes übergehen soll, welcher dereinst den testamentarischen Be­stimmungen Alfreds und Friedrich Alfreds -Krupp gemäß in den Besitz der Kruppschen Fabriken und Vermögens treten wird. Die übrigen Nachkommen sollen sich des NamenS von Bohlen und Halbach bedienen.

Der Toast des Kaisers.

Der Kaiser hielt bei der Hochzeitstafel nachfolgende Rebe:

Verehrtes Paar! Tie Segenswünsche unb Gebete aller An­wesenden haben Sie in der Kirche umgeben und werden Sie ans

Ihrem ferneren Lebenswege begleiten. Vielen jungen Papren, bei ^nen der Mann nicht in einem Staatsdienst oder besonderen Berus steht, wird die Beantwortung der Frage, wie Sie Ihr Leben zu gestalten gedenken, nicht so leicht sein wie Ihnen. Smd es ernste Leute, so werden sie danach trachten, zu wirken zu Nutz und Frommen ihrer näheren Mitmenschen, der Gemeinde, der sie an- gehoren, und damit auch dem Staate. Es ist jedoch eine eigen- tümliche Erscheinung, daß das heutige junge Ge­schlecht unter st a r k e r H e r v o r h e b u n g beä eigenen Ichs dasselbe in den 9)i i 11 e l p u n f t der Ereignisse zu stellen und bestrebt ist und eifrig darauf bedacht ist, das ihm zu- kommende Recht zu betonen und biej'em Recht uneingeschränkte Wirkung unb Berücksichtigung zu verschaffen. Es wird dabei nur eins, und zwar das Wichtigste vergessen, daß die Rechte vor allem Pflichten bedingen. Ohne Pflichten finb keine Rechte denkbar. Rechte ohne Pflichten führen z u Uu g eb u n d e n h e i t und Zügellosigkeit. Wir kommen soeben ans der Kirche, wo wir von demjenigen gehört haben, der die höchste Stellung in der Well beanspruchen koiinte, als Sohn Gottes, und dessen Leben doch ausschließlich der Ersüllung der Pflicht des Wirkens für seine menschlichen Brüder gewidniel war. Ihr Lebe»! sei erfüllt unb beherrscht von bem, was unser großer unb klarster Denker, Kant, ben kathegorischen Imperativ b e r Pflicht genannt hat. Ihnen, meine liebe Bertha, hat ber liebe Gott eitlen herr­lichen Wirkungskreis zugewiesen: F ü r I h r e Arbeiter und bereu Familien zu leben. Wenil Sie burch die Fabrik­räume schreiten, möge der Arbeiter in bankbarer Liebe die Mütze vor Ihnen lüsten unb in Ihnen neben ber Tochter seines innig verehrten verblichenen Jabrikherrn den guten Genins ber Werke begrüßen. Bei Ihren: Eintritt in die Familienhäuser mögen Kinder und Frauen in Ihnen eine holde Fee erblicken, welche bei ihrem Erscheinen Tränen trocknet, Not lindert, Lasten erleichtert und Leid ertragen Hilst, unb Ihrer Einwirkung, mein lieber Bohlen, entspringe Arbeitssreudig- feit unb sortschreüenbe Entwicklung nach zielnmiasseriben Gesichls- punEtcn und den modernsten Anforberüngen entsprechenben Leist­ungen, ben bewährten Grundsätzen des Begründers dieses Werkes. Möge es Ihnen gelingen, das Werk aus der Höhe zu erhalten, auf die es gehoben worben ist, unserem deutschen Vaterlande auch fernerhin Schutz- und Trutz-Waffen zu liefern, welche in ihrer Fabrikation sowohl wie in ihren Leistungen nach wie d o r von keiner Nation erreicht werden. Mit goldenen Buchstaben stehe das WortPflicht" über den Türen Ihres Heims uni) es werbe ihre Ausübung burch bas hehrste Gefühl erleichtert, welches es auf Erden gibt, nämlich, für das Wohl seiner Mitmenschen arbeiten zu können. Dazu verhelfe Ihnen der liebe Gott und der Segen Ihres verklärten Vaters, meines teuren und geliebten Freundes, der heute ans lichten Höhen auf Sie herabblickt, wird unsichtbar Sie geleiten. Diese meine Freundschaft, welche von RinbeSbeinen an mich mit Ihnen verband, übertrage ich freudigst auf Sie beide unb ich will, soweit ich es oermag, Ihnen treu zur Seite stehen. Allem übrigen, was uns das Herz bewegt, wollen wir nunmehr Ausdruck geben, indem wir unsere Gläser erheben unb aus das Wohl des jungen Paares trinken."

Der Kaiser reiste um 5 Uhr von Villa Hügel nach Bonn ab.

Stiftungen der Familie Krupp.

An die Angehörigen der Firma Fried. Krupp A.-G. er­lassen Gustav von Bohlen und Halbach und Bertha von Bohlen und Halbach geb. Krupp eine Bekanntmachung, der zufolge sie der Kruppschen Arbeiterstiftting für deren Jnvalidenfonds ein Kapital von einer Million Mark zur Verfügung stellen. Frau F. A. Krupp veröffentlicht eben­falls in einer Bekanntmachung an da§ Direktorium der Firma ihren Beschluß auf Auswerfung einer Million zu ge­meinnützigen Zwecken. Ihre Stiftung soll vor allem der Wohnungsfürsorge für die minderbemittelten Klaffen dienen, außerdem stellt sie der Stiftung ein Baugelände in Größe von etwa 50 Hektar in Rüttenscheid zur Verfügung.

Deutsches Reöstz.

Bonn, 15. Okt. Die Stadt hat Festschmuck angelegt. Das Denkmal K a i s e r W i l h e l m I. von Harry Magnuffen ist vor der Universität mit der Front nach dem Kaiserplatz zur Aufstellung gelangt. Der Kaiser traf mit Gefolge im Sonderzug T Uhr 45 Min. im Hauptbahnhofe ein. Zur Begrüßung waren u. a. erschienen: Prinz und Prinzessin Adolph zu Schaumburg-Lippe, Prinz August Wilhelm von Preußen, Erbprinz Adolf und Prinz Moritz zu Schaumburg- Lippe und die Mitglieber und anwesenden Alten Herren des Korps .Borussia". Der Kaiser begrüßte die Versammelten aufs freundlichste und begab sich im Automobil nach dem Palais Schaumburg, um dort Wohnung zu nehmen.

Berlin, 16. Okt. In der Ko loniala btc ilun g wird der eiserne Besen kräftig geschwungen. Außer dem Kammergerichtsrat Strähler, der die Disziplinar-Untec- suchung gegen den Gouverneur v. Pnttkamer leitet und zur Zeit aus Kamerun noch nicht zurückgckehrt ist, unb außer bem Lanbgerichtsrat Schmidt, dem Untersuchungsrichter in Sachen Götz und Schneider, wirken in der Kolonialabteilung zur Aufklärung der Verhältnisse augenblicklich noch der Kammergerichtsrat Kleine unb der Staatsanwaltschaftsrat Oehlschläger. Wie bieFreis. Ztg." erfährt, wirb der vortr. Rat, Geh. RegierungSrat Wiskow, demnächst aus ber Kolonialabteilung ausscheiben. Wiskow ist ber Erbauer ber Mole in Swakopinunb.

lieber den dritten Band derGedanken unb Erinnerungen" schreibt Maximilian Har ben der N. Fr. Pc." ,,... Ich habe nie von Bismarck gehört, daß er das Erscheinen dieses Bandes verzögert wissen wollte. Im Gegenteil, dieser Band, der ihm weitaus das wichtigste war, sollte, wie er mir oft sagte, noch auf bie heutige Situation wirken. Auch Schweninger war nach allem, was ber Fürst ihm gesagt hatte, ber Meinung, ber Banb werbe halb nach dem anderen erscheinen.

Die Entwürfe zum Reichs Haushalts-Etat für 1907 sind nun soweit fertiggestellt, daß mit der Drucklegung begonnen werden kann. Dem Bundesrat dürften in diesen Tagen einige Spezlaletats vorgelegt werden. Wie in den letzten Jahren, so soll auch diesmal daran festgehalten werden, daß dem Reichstage gleich bei seinem Wiederzusammentcitt der gesamte Etat vorliegt.

Der Reichskanzler hat die umaehende Ein­

reichung der Sitten zu^l Fall Fischer vom Gerichtsherrn der Garde-Kavallerie-Division erbeten. Der Ehrenrat der StabSofsiziere des Gardekorps wurde mit dem Verfahren gegen den Major Fischer beauftragt.

Oldenburg, 15. Okt. In einer gestern hier abgehaltenen V e r s a m m l u n g der Liberalen, die sich mit einem Einigungs- Programm beschäftigte, wurde folgende Resolution ange­nommen: Die Vertrauensmänner sind durchdrungen und überzeugt von der Notwendigkeit des Zusammen- schlnsses aller Liberalen zum Zweck der Aufstellung eines gemeinschaftlichen neuen liberalen Kandidaten unter Zu­grundelegung des liberalen Frankfurter Mindest-ProgrammS. Sie setzen voraus, daß nach Möglichkeit der gegenwärtige Besitzstand gewahrt wird und hoffen, daß auch die-National- liberalen sich den Bestimmungen der Einigung anschließen werden.

Köln, 15. Olt. Die nationallib.Köln. Ztg." fordert an leitender Stelle unter .der Ueberschrift:Ein Vorschlag zur Fleischnot" die Regierung auf, die Grenzöffnung und vornehmlich die Einfuhr gefrorenen Rind- und Hammelfleisches von Australien und Neuseeland zu gestatten. Der Vorwand, daß durch die Oeffnung der Grenzen bei der Einfuhr lebenden Viehes Seuchen einge­schleppt werden, kann ernstlich nicht mehr gelten. Die kon­tingentierte Einfuhr von Schweinen aus 'Oberschlesien be­weist im kleinen, was im großen durchführbar ist, daß wir in unseren veterinär-polizeilichen Vorschriften ein vollkommen ausreichendes Vorbeugungsmittel gegen bie Seuchengefahr haben. Den zweiten Einwand gegen die Grenzöffnung, daß dadurch die Preise nicht fallen, widerlegen die wesentlich niedrigeren Vieh- und Fleischnotierungen ber auswärtigen Märkte. Das Blatt sagt, beides sei unterlassen worden aus Furcht vor dem ohrenbetäubenden Geschrei der Agrarier.

Essen, 15. Okt. Bergmeister Engel, früherer Ge­schäftsführer des bergbaulichen Vereins, wurde als Hiifs- arbeiter ins Handelsministerium berufen.

Kirche rind SchrUe.

Der Oberkirchenrat verwarf die Beschwerde der evang. Gemeindevertretung gegen das rheinische Konsistorium, das die zweite Wahl des Sic. Römer als Pfarrer von Rem­scheid nicht bestätigt hat. Ueber diese Entscheidung herrscht in allen liberalen Kreisen Remscheids die stärkste Erregung. Die Gemeindevertretung wurde einberufen, um die neue Lage zu beraten.

Arrsland.

London, 15. Okt. Prinz Arthur vonConnaught hat sich, wie verlautet, mit der Tochter eines Mit­gliedes des Oberhauses verlobt. Es heißt, der Herzog von Connaught sei dieser Verbindung nicht geneigt gewesen, der König habe aber als Freund der Familie den Vermittler gespielt.

Die Admiralität beabsichtigt, acht ihrer erst­klassigen Kriegsschiffe und vier gepanzerte Kreuzer außer Dienst zu stellen und acht weitere erst­klassige Kriegsschiffe au§ der Reihe dec seefahrenden Schiffe auszuscheiden.

Minister Asquith empfing in Ladybank eine Depu­tation der Frauen, die dafür vorstellig wurde, daß den Frauen das Stimmrecht gegeben werde. Asquith führte aus, er sehe einen Beweis, daß das Stimmrecht von der Mehrheit by: Frauen verlangt werbe.

Paris, 15. Okt. Heute abenb wohnten der Lord­mayor und eine Abordnung der Stadt London einem von der Stadtbehörde ihnen zu Ehren veranstalteten Bankette bei. Es wurden zahlreiche Trinksprüche ausgebracht, in denen auf die Freundschaft und auf die Beziehungen beider Völker hingewiesen wurde, durch welche der Weltfriede gewährleistet sei. Unter anderem trank Ministerpräsident Sarrien auf das Wohl der König!. Familie und auf das Volk von Großbritannien.

Rom, 15. Okt. DerMaffagero" teilt mit, daß die Regierung die Notwenbigkeit anerkannt hat, in der Kammer einen Gesetzentwurf einzubringen betr. den Bau neuer Festungswerke und Neubeschaffung von Ar­tilleriematerial.

Sofia, 15. Okt. Aus Regierungskreisen verlautet, daß die Verhandlungen zwischen der bulgarischen Negierung und einer französischen Bankengruppe wegen der mit der Kon­version der bulgarischen Staatsschuld in Verbindung stehen­den Tin lei he wieder ausgenommen seien. Ein günstiges Ergebnis sei in nächster Zeit zu erwarten.

RuMches.

Die offiziösePet. Tel.-Ag." macht in längerer Aus­führungen im wesentlichen folgendes bekannt: Der vont RegierungsratMartin imTag" publizierte Artikel, in welchem er den Nachweis zu fuhren sucht, das Defizit für 1906 sei von der russisch en Fin an zverwältun gl unrichtig dargestellt worden, beruht entweder auf voll­ständiger Unkenntnis der einschlägigen Verhältnisse oder auf absichtlicher Irreführung.

Entgegen anders lautenden Meldungen wird dem Rußkrj Slowo" aus Paris gemeldet, daß Witte tat­sächlich mit Pariser Bankiers finanzielle Ab mach- u n gen vereinbart hat, und zwar mit folgenden drei Kvnr- binationen: 1. eine neue Anleihe; 2. Umwandlung der Staatsbank in eine Aktiengesellschaft, sowie 3. Erzielung von verschiedenen Konzessionen. Die Details dieser Abmachungen sollen vollständig ausgearbeitet vor-, liegen.

In Kiew wurde der Kongreß des Verbandes, russisa)er Leute eröffnet. Die Zahl der .Teilnehmer