Nv. 164 Zweites Bl^tL 156» Jahrgang
Erscheint «-!ich mit Ausnahme des Sonntags.
Dt- ..Gtehrner Zamlllenblätter- werden dem .Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der E^rifischr Lavdwirt" erscheint monatlich einmal.
Gießener Anzeiger
Momag 16. Juli 1906
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch« Universitätsdruckerei. R. Lange, Stetz«.
Redaktion. Expedition u.Druckerei: Schulstr.L, Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gieße«.
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen.
Iustizminister a. Iitlmar f-
Der friere Gvoßh. hessische Justizmrnisier Tr. Emil Dittmar ist am Sonntag früh an den Folgen eurer Blinddarmentzündung im 65. Lebensjahre gestorben.
T.2r schon seit längerer Zeit leidende, um die Entwicklung des hessischen und deutschen Justizwesens hochverdiente Staatsmann hat sich nicht lange des Ruhestandes erfreuen können. Sein Rücktritt erfolgte am 10. Oktober 1905, nachdem er 9 Jähre lang an der Spitze des hessischen Justizloesens gestanden hatte, unter dankbarer Anerkennung seiner langjährigen treuen und 'ausgezeichneten Verdienste und unter Verleihung des Grohkreuzes des Verdienstordens Philipps des Großmütigen.
Dr. Dittmar war am 9. Jüli 1842 in Lampertheim geboren, ist also 64 Jähre alt geworden. Nach Beendigung seiner Unioersitätsstudien erwarb er am 28. November 1864 die juristische Doktorwürde an der Landesuniversität und wurde am 15. Januar 1870 unter die Zahl der Advokaten und Prokuratoren am Gießener Hofgericht ausgenommen. Er war von da ab einer der gesuchtesten Anwälte üi der Stadt Gießen und daneben auch als Führer der nationalliberalen Partei hervorragend politisch tätig. Im Mai 1888 erfolgte seine Berufung als Ministerialrat in das Ministerium des Innern und der Justiz. Als sich später, besonders durch die umfangreichen Vorarbeiten für diä Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches die Notwendigkeit ergeben hatte, das Ministerium des Innern und ber Justiz zu trennen, wurde Dittmar am 1. August 1896 zum Direktor des Justizministeriums und aM 6. Juli 1898 zum Justizminister ernannt. An der Beratung und Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches hatte Exz. Dittmar hervorragenden Anteil und war eines der angesehensten Mitglieder der Reichsrommission hierfür.
Im Bun de spat vertrat er Jahre hindurch die alte liberale Forderung der Entschädigung unschuldig Verurteilter und seinem zähen Eintreten dafür, die il a. seine bestimmte Erklärung zeitigte, daß Hessen allein Vorgehen werde, wenn das Reich versage, ist die endliche Erfüllung dieser Forderung in erster Linie zu verdanken. Wenn auch die jetzige Regelung dieser Frage noch lange nicht dem entspricht, was das Volk darunter verstand und Minister Dittmar wollte, werden sich jetzt dennoch weite Kreise dankbaren Herzens des Mannes erinnern, der aus diesem Gebiete voranging.
In Hessen selbst erwarb sich Dittmar große Verdienste unt die Erbauung neuer Jüstizgebäude, sowie die Erleichterung des Rechtsverkehrs durch die Errichtung neuer Amtsgerichte. Auch der letzte parlamentarische Kämpf Dittmars galt der Beschleunigung des Rechtsverkehrs durch die Vermehrung des Richterpersonals am Oberlandesgericht. Er war ein hervorragender Jüyist und Verwaltungsbeamter und hat das, was er für recht erkannte, stets mit größter Energie vertreten; insbesondere hat er sich bei den Verhandlungen in der 'M Kammer als einer der festesten Männer der Regierung gezeigt, der gegenüber den heftigsten Angriffen niemals einen Rückzug antrat, sondern seine Anschauung, wenn er sie für die richtige hielt, mit aller Energie verteidigte. Dabei hat er sich aber stets als ein liebenswürdiger, vornehmer Eharakter gezeigt, der auch gesellschaftlich in den angenehmsten Formen auftrat. Als er im Herbst vorigen Jähres von seinem Amt zurücktrat, wollte man wissen, daß neben seinem tatsächlich tief er- schMerten Gesundheitszustand doch auch der Umstand bei Einreichung seines Entlassungsgesuches nicht ganz außer Acht geblieben sei, daß er annahm, es würde ihm infolge seiner festen Haltung in der Kammer bei einem event. Wechsel des Staatsministervortefeuilles dieses voraussichtlich nicht übertragen werden.
Wie dem auch sei, Dittmar gehörte zu den Männern, die zu dem Rufe, den Hessen als einer der fortgeschrittensten deutschen Staaten hat, mit ehrlichem, aufrichtigem Eifer 'beigetragen haben. Wie ihm bei seinem Scheiden aus dem Amt die besten Wünsche und der Dank des ganzen Landes das Geleite gaben, so wird jetzt dieselbe dankbare und ehrenvolle Erinnerung ihm folgen über das Grab hinaus, und sein Name, sein aufrechter vornehmer Chgrakter werden nachleben in den Annalen bet hessischen Rechtspflege und in Hessens Geschichte.
KolMsche Sagesschau.
„Adeliges Depacle."
In Florenz machte neulich der junge bayr. Graf Prey sing einen Selbstmordversuch. E§ hieß damals, verunglückte Bergwerksspekulationen in Toskana hätten ihn veranlaßt, Hand an sich zu legen. Nun aber erzählt der „Bayer. Kurier" unter der Ueberschrift „Adeliges Debacle":
Tie wirklichen Gründe des Unglücks für den Grasen Preysing lagen im Spiel, alles andere waren sekundäre Erscheinungen. Graf Preysing hatte hoheSummen imSprel verloren und für Spielschulden Wechsel ausgestellt. Bezahlt gemacht mit diesen Wechseln haben sich andere Adelige, besonders einer, der eine Lebenshaltung führt, die über seine Mittel weit hinausgeht. Es besteht hier (München) ein Konventikel von besonders jüngeren Adeligen, die das Spiel gewerbsmäßig betreiben. An einem Abend werden hierher Summen verloren (300000 Mk. und darüber), die keiner unserer alten bayerischen Adeligen verlieren kann, ohne raschem finanziellen Ruin zu verfallen. Auch tu einer anderen Stadt, nicht weit von München, geriet der ^.rager eines alten Namens in derartige finanzielle Bedrängnis, daß vor kurzem Sequestration angeordnet wurde und Hunderttaufende verloren fein dürften. Die Ursachen mären auch hier Spielschulden, und schon liegt wieder ein neuer Skandal m der Luft, der um so peinlicher ist, als hierbei der Name eines M r t g l r e d e s d e r Herzog!. Linie des königlichen Hauses, das ui Tueuze m Garnison steht, in Frage konimt, wenn auch gesagt werden muß, daß dieses Mitglied des königlichen Hauses nicht em Opfer lugend- lichen Leichtsinns, sondern allzuweit gehenden kameradschast ichen Verhaltens geworden ist. Der Offizier der hierbei m Betracht kommt, wurde bereits in einer Kuranstalt Munche.is wegen Be- t r h & Urkundenfälschung und dienstlicher Falsch- mel^ung verhaftet und als Militärgesangener zur Aburteilung nach der Garnison Dieuze überführt. Auch in bicjer Astare drehte es sich um hohe Summen. . . . Wenn man die Münchener Voraänae verfolgt, so stößt man auf Namen von Leuten, bereu Wiege nicht in Bayern stand; norddeutsche Plutokratie, die sich bei uns angetaust hat, unseren jungen bayerischen Adeligen, wie es
scheint, zwar neue Sitteii beigebracht hat, aber keine guten Sitten: Luxus und Spiel.
Wichtigtuerei.
Die Aufnahme, welche kürzlich eine Anzahl deutscher Journalisten auf britischem Boden gesunden, erweckte bei der Reisegesellschasl den Wunsch, sich zu revanchieren und Londoner Publizisten zu einem Gegenbesuchenach Deutschland einzuladen. Zu diesem Zwecke ließ sich dasselbe Komitee, welches die Englandreise arrangiert hatte, Wiederwahlen und gedenkt Vorkehrungen für einen Empfang der englischen Kollegen zu treffen. Ter weitaus größte Teil der deutschen Presse steht aber der ganzen Veranstaltung, sowohl der einen, wie der anderen Visite, ziemlich kühl gegenüber, denn es handelt sich dabei um eine geradezu lächerliche Wichtigtuerei einiger- deutscher Journalisten, welche nicht die mindeste praktische Bedeutung hat. Tas sogenannte Komitee repräsentiert nur einen so bescheidenen Bruchteil der deutschen Presse, daß der Ausflug der 43 Publizisten und Verleger nach London nicht einmal so hoch wie die Auslandsfahrt eines unserer ersten Gesangvereine bewertet werden kann. Tie englische Presse stellt zudem — darüber gibt sich kein Einsichtiger einer Täuschung hin — namentlich in finanzieller Hinsicht eine ganz andere Macht dar als die deutsche, und diejenigen Herren aus London, welche die deutschen Verhältnisse noch nicht aus eigener Lluschauung kennen, dürften sich doch ein wenig wundern, wenn ihnen in Berlin nicht mehr als ein paar Festessen geboten würden. Tenn es ist nicht sicher, daß die Berliner Stadtväter die engt. Gäste im Rathause empfangen und bewirten würden, geschweige daß ein Mi- irister sich dazu bereit finden würde, ihnen die gastlichen Räume seines Palais zu öffnen. Ja, Ware die gesamte deutsche Publizistik in festgefügter Körperschaft vereinigt, sodaß die Einladung an die Londoner Journalisten von einer mächtigen Organisation ausginge, dann würde die Veranstaltung ein anderes Gesicht bekommen. So aber handelt es sich nur um eine Unternehmung einiger journalistischer Gernegroße, welche über genügend Zeit und Geldmittel verfügen, um Besuche zu machen und den Gastgeber zu spielen.
Deutsches Reich.
Berlin, 15. Juli. Man meldet aus Tromsoe, 14. Juli: Der Dampfer „Hamburg" mit dem deutschen Kaiser an Bord, ist heute in Lypgen-Fjord eingelaufen.
— Ein Telegramm der „Köln. Ztg." besagt: Die positiv auftretenden Gerüchte über eine Zusammenkunft des deutschen Kaisers und des Königs Eduard in Deutschland im Laufe des August eilen dem Gange der Ereignisse voraus. Die vertraulichen Fühlungnahmen zwischen London und Berlin über die Möglichkeit einer Zu- fammenkunft der beiden Herrscher sind, wie wir erfahren, keineswegs schon so weit gediehen, daß sichere Angaben über Ort und Zeit der Zusammeukunft gegeben werden können. Alle derartigen Nachrichten sind daher als verfrüht zu bezeichnen.
— Weil der Besuch der englischen Flotte in den russischen Gewässern auf Wunsch der russischen Negierung aufgeschoben wurde, ist, wie der ,B. B.-C." erfahrt, es wahrscheinlich, daß der Besuch in den deutschen Gewässern auch unterbleiben wird.
— Wie das „Harthaer Tagebl." meldet, starb der ReichstagSabg. Gründerg (Soz.), Wahlkreis Döbeln.
— In der Irrenanstalt in Lichtenrade verstarb der aus der Berliner antisemitischen Bewegung bekannte frühere Gastwirt Bo deck, der Begründer mehrerer „deutscher Wirtshäuser", zu denen Juden der Zutritt versagt war. Bodeck war ein eifriger Agitator für die antisemitische Sache, wenn er auch in seinen Unternehmungen keine glückliche Hand zeigte. Vor mehreren Jahren brach bei ihm der Irrsinn aus, der seine Unterbringung in der Anstalt nötig machte. (Staatsb.-Ztg.)
— Die Erteilung von Turnunterricht durch Sozialdemokraten ist nach einer Verfügung des preußischen Kultus- ministers generell zu verbieten.
__Der Fleischerverband derNeichslande hat dem deutschen Fleischerverband eine Entschließung übermittelt, worin dieser angegangen wird, die Regierung zu ersuchen, eine beschränkte Schlachtvieheinfuhr ans Frankreich nach Metz, Mülhausen und Straßburg zu gestatten.
lürctye rind Schule.
— Auf der Süddeutschen Konferenz für innere Mission hielt Pfarrer Mahling-Frankfurt einen Vortrag über: „Welche Pflichten hat der Einzelne im Kampfe gegen das Alkoholelend?" Es wurde, folgende Resolution angenommen: „Die Hauptversammlung hat aus dem Vortrage und aus der darauffolgenden Besprechung den Eindruck und die Ueberzeugung gewonnen, , daß der Kampf gegen den Alkoholismus am besten durch persönliches Eintreten für die Sache, insbesondere durch Bekämpfung des Trinkzwanges und der Trinksitte geführt wird, und daß die gänzliche Abstinenz, welche aus Liebe zum Nächsten übernommen wird, das wirksamste Mittel zur Bekämpfung des Alkoholismus ist. Die Versammlung wünscht diesen Bestrebungen im Interesse der Volkswohlfahrt vollen Erfolg und empfiehlt Gasthausreform und Schaffung von Volkserholungsstätten ohne Alkohol."____________
Ausland.
Lo ndon, 15. Juli. Hiesigen Blättern zufolge ist der en g l i sch e D a m p f er „Sainam" zwischen Canton und Wuchow von chinesischen Piraten überfallen worden. Der Kapitän und vier Matrosen wurden verwundet, der Arzt Dr. Macdonald getötet.
Paris, 15. Juli. Im Elysöe ist über ^alliöres Besuch im Auslande noch nichts festgestellt. Als wahr-.
scheinlich gilt, daß der erste Besuch dem König Eduard gelten werde. Für einen späteren Zeitpunkt ist eine Reise nach Rom vorgesehen. Es heißt, daß der Minister Tittoni, als er, aus London kommend, im Elysöe vorsprach, eine bezügliche Zusage erhalten habe. Von einer Reise des französischen Staatschefs nach Petersburg ist vorläufig noch nicht die Rede. Man n?ill damit warten, bis die Verhältnisse den engl. Flottenbesuch in Rußland möglich gemacht haben werden.
— General Mercier hat sich nach England begeben, wo er die Sommermonate zuzubringen gedenkt. Die Flucht in das Ausland gibt der hiesigen Presse Anlaß zu heftigen Artikeln gegen den früheren Kriegsminister. Alan nimmt hier an, daß Dreyfus nach kürzeram oder längerem Urlaub seinen Abschied nehmen wird, aus Rücksicht auf seine erschütterte Gesundheit, die ihm die 9(u§übung einer regel- mäßigen Ofsizierkarriere nicht mehr ermöglicht. Wie hiesige Blätter berichten, ist es wahrscheinlich, daß General Piqua rd ein Kommando erhalten und seine Laufbahn als Ofsizier fort-, setzen wird.
Belgrad, 14. Juli. Das Organ der serbischen Kauf- mannschast behauptet, aus sicherer Quelle zu wissen, Kaiser Wilhelm habe gelegentlich seines Besuches in Wien sich geäußert, Serbien sei das Haupthindernis der österreichischen Balkanpolitik. Das Blatt meint, diese Aeußerung werfe volles Licht auf den Zollkonflikt mit der Nachbarmonarchie und beweise, daß dieser nicht ans wirtschaftlichen, sondern aus rein politischen Gründen Serbien aufgedrungen worden sei. Das Blatt lenkt die Aufinerksam- keit der Balkanstaaten auf die ihnen drohende Gefahr und fordert sie zu gemeinsamer Abwehr auf.
New-Pork, 15. Juli. Nach einem Telegramm aus Salvador hat die Republik Honduras an Guatemala den Krieg erklärt.________
Die Gärung in Rußland.
Der Petersburger Korrespondent der ,K. Z." drahtet seinem Blatte, daß die Unsicherheit in der russischen Residenz zunimmt. Bewaffnete überfallen die Paffanten und plündern sie am hellen Tage aus.
Im Peterhofer Hof park tötete am Samstag ein anständig gekleideter Mann vor den Augen des promenierenden Publikums den General Koslow durch drei Nevolver- schüffe. Vom Publikum verfolgt, feuerte der Mörder noch drei Schüsse ab, er wurde aber dennoch feftgenommen. Generalmajor Koslow stand dem politischen Leben ganz fern. Man behauptet, daß der General, der große Aehnlichte it mit Genera l Trep ow hatte, das Opfer eines Irrtums geworden ist. Der Mörder, ein junger Mann von 26 Jahren, habe geglaubt, Trepow vor sich zu sehen.
In Odessa explodierte im Hofe des Kriegshospitals neben dem StabSgebäude eine vorher dort versteckte Bombe. Das Wachzimmer wurde zerstört und ein Unteroffizier verwundet. Der zum Tode verurteilte Soldat Malinowski, der wegen Krankheit aus dem Gefängnis in das Kriegshospital gebracht war, hat nachts fein Bett nut Petroleum begossen und angezündet. Er ist, trotzdem Hilfe schnell zur Stelle, war, verbrannt. In der Redaktion des „Netsch" wurden Proklamationen an die Soldaten und Matrosen gefunden, in denen diese aufgefordert wurden, Judenmetzeleien zu begehen. Die Juden wollten bem Zaren stürzen und die Macht an sich reißen. Man befürchtet infolgedessen auch in Odessa neue Judenhetzen.
In Kischinew wurden vier Schutzleute wegen Mißhandlung von Juden verhaftet.
In Nikolajew wurde der Vertreter einer Zuckerfabrik gestern auf dem Wege zur Bank von Bewaffneten um 30000 Rubel beraubt. Ein Räuber wurde ergriffen, ein anderer von Soldaten erschossen, die übrigen entkamen.
Aus Balaklawa wird gemeldet, daß auf zwei Kriegsschiffen während der Fahrt bedeutende Unruhen auSbrachen. Einzelheiten hierüber fehlen. Auf anderen Schiffen wurde der Besatzung das Betreten des Ufers untersagt, worauf eine Meuterei ausbrach, sodaß zu ihrer Unterdrückung Landtruppen auf die Schiffe gebracht wurden.
Der Ausstand in den Naphthawerken zu Baku im Kaukasus nimmt größeren Umfang an. Die Besitzer lehnten die Mehrzahl der Forderungen der Ausständigen ab. In Bibi Eibad wurde der Verwalter eines Naphthawerkes ermordet.
Nach einer Meldung aus Simbirsk trieben Kosaken in dem Dorfe Nagatkin eine Versammlung von ausständigen Bauern auseinander, wobei durch Revolverschüsse über 100 Bauern verwundet wurden.
Der NeichSrat beschloß, den von der Negierung geforderten Kredit von 50 Millionen Rubel zur Linderung der Hungersnot abzulehnen und dem von der Duma angenommenen Gesetzentwurf zuzustimmen, nach welchem nur 15 Millionen Rubel durch Anleihe, der Rest durch Abstriche beim Ausgabenbudget aufgebracht werden sollen. Dieser Beschluß wird in der Presse als Mißtrauensvotum des Neichsrats gegen daS Kabinett Goremykin betrachtet, das geeignet sei, den Rücktritt des letzteren zu beschleunigen.
Der Jahresbericht
der Kroßh. Kess. KerverveinfpeKtionen für 1905 bietet wiederum ein erfreuliches Bild der fortschreitenden Besserung der Arbeitsoerhältnisse im Großherzog- tum. Aus dem allgemeinen Teil ist zu entnehmen, daß die Zahl der im Gewerbeaufsichtsdienst beschäftigten Beamten gegenüber dem Vorjahr keine Veränderung erfahren hat. Die Stellung der Beamten zu den Arbeitgebern und zu den Arbeitern ist durchaus befriedigenden gewesen. Bemerkenswert


