Ausgabe 
16.3.1906 Erstes Blatt
 
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Aus dem Reichstag.

R. Berlin, 15. Mörz.

Es kann wohl keinem Zweifel unterliegen, daß in der Berliner Zentrale der K o l o n i alvcr wa l t u n g unter ben früheren Ressortchefr in Bezug auf Durchsichtigkeit der Verhältnisse nicht alles so gewesen ist, wie es hätte sein sollen. Abg. Erzberger, derEnt- hüllungspolitiker" des Zentrums, sprach unlängst von einem ^Vertu schun g s sy st e m der Verwaltung": Erbprinz zu Hohenlohe will nur zu geb en, daß Fehler gemacht worden seien, und in letzterer Hinsicht unternahm es heute der von Erzberger besonders angegriffene Personalrefercnt der Kolonialverwaltung, Geheimrat Rosen, sich vor dem Reichstag zu rechtfertigen. Dem Erbprinzen zu Hohenlohe können jedenfalls Vorwürfe nicht gemacht werden wegen der Mißgriffe, die unter seinen Vorgängern vorgckommen sind. Er hat in seiner Programmrede vom Dienstag das schlichte Bekenntnis abgelegt, daß unter seiner Amtsführung unbedingte Offenheit herrschen solle, und es wird billigcr- weise abgewarrct werden müssen, ob der neue Kolonialchef der seinen Bestrebungen sich etwa entgegenstelleuden Schwie­rigkeiten Herr werden wird.

Abg. Tr. Arendt (Rp.) ist der Meinung, daß man dem Erbprinzen zu Hohenlohe die Durchführung seines Pro­gramms erleichtern würde durch Genehmigung des selb­ständigen Reichskolonialamts, in dem er als starker Mann scharfe Aufsicht führen tonne. Das ist ein Wink mit dem Zaunpfahl zum Zentrum hin, dem Erbprinzen zu Hohen­lohe das Staatssekretariat zu bewilligen.

Abg. Tr. Spahn (Ztr.) blieb zwar- kühl gegen den kolonialbegcisterten Ueberschwang des kühnen Kamerun- sahrers Dr. Arendt, aber er sprach doch den Wunsch aus nach erfolgreichem Wirken des Erbprinzen zu Hohenlohe. Ter Widerstand des Zentrums gegen das Rcichskolonial- amt ist also nicht unüberwindlich. Aufsehen erregte die Entschiedenheit, mit der Dr. Spahn gegen seinen Fraktionskollegen Erzberger Stellung nahm. .Gr warf ihm vor, daß er seine Befugnisseals Volks­vertreter überschreite und die .Hand biete zur fU n t e r g r a b u n g d er Dis z i pl i n in der Beamtenschaft. Die Petitionskommission des Reichstags sei der Ort, an dem Beamte ihre Beschwerden anzubringen hätten, nicht aber dürfe ein einzelner Abgeordneter sich zum Anwalt miß?- lvergnügter Beamter machen imd sich damit eine gewisse Exekutivgewalt anmaßen. Mit rotem Kops saß Erzbcrger da bei dieser Abkanzelung durch denGroßmeister" der Partei, und sein Mißbehagen wuchs, als der Erbprinz zu Hohenlohe mit dem Dank an den Abg. Tr. Spahn die Erwartung aussprach, daß dessen Mahnung beherzigt werden möge von Erzberger nämlich.

Roch zwei Asrikafahrer, die Abgg. Frhr. v. Richt- Hofen (kons.) und Dr. Sem le r (nL), erklärten ihr Ver­trauen zu dem Kolonialprogramm des Prinzen Hohenlohe, Demler mit dem Hinweis, daß gerade die zur Debatte »stehenden Nachtragsetats eine Anklage gegen die frühere Kolonialverwaltung darsielleu, die nicht ver­standen habe, das Geld der Steuerzahler am rechten Orte und zur rechten Zeit auszugeben, weshalb diese großen Nachtragsforderungen vvr- igelegt werden mußten. Semler empfahl, die Gouver­neure aller Kolonien regelmäßig, ettva von Fwei zu zwei Jahren, in der Budgetkom- mission erscheinen zu lassen, damit dort nach engl. Vorbilde Fühlung genommen werden könnte zwischen dem geldbewilligenden Reichstag und den leitenden Beamten der einzelnen Schutzgebiete. Das würde Großzügigkeit und .Planmäßigkeit der kolonialen Politik verbürgen.

Die Kanalisation in Hießen.

Gießen, 15. März.

.- Ein Beweis für das außerordentliche Interesse, das die Gie- ,heuer Bürgerschaft der nunmehr bald betriebsfähigen Kanalisation enlgcqenbringt, darf in dem überaus zahlreichen Besuch erblickt 3ücrben, den die gestrige B ü r g c r v c r c i n s - V c r s a m in l u n g aufzuweisen hatte. Ter Leibsche Festsaal war bis auf den letzten Platz besetzt und viele Besucher konnten nur stehend den interessanten Verhandlungen beiwohnen. Auch Beig. Heyligenstaedt und zahlreiche Mitglieder der Ctadtoerordneten-Versannnlung waren anwesend.

Ter Vereinsvorfihende, Lehrer V. Müller teilte in seinen Eingangsworten mit, daß die Hauptversammlung des Vereins am 29. März stattfindc und in ihr rr. a. die Neuwahl des gesamten Vorstandes zu erfolgen habe.

Als einziger Punkt der Tagesordnung kam sodann die Frage der Kanalisation und insbesondere der Hausanschlüsse zur Verhandlung.

Oberbaurat Schmick führte in seinem Vortrag aus, daß be­absichtigt sei, die Betriebseröffnung am 1. April vorzunehmen. Daran werde mich der Sprring im Kanal nichts ändern, der ein Unfall sei, wie er schon öfters vorgekommcn sei und wie er auch hin und wieder Vorkommen könne. Taß er nichts auf sich habe, beiveise ii. a. die Tatsache, daß die Eröffnung nicht verschoben zu iverden brauche. Hierauf gab der Redner einen Ueberblick über die Ein­richtung der Ctraßenkanalisation. Man habe hier sowohl daS ge­meinsame System (Schmutzwasser und Regenwasscr zusammen), als das getrennte System (beide getrennt) eingerichtet. Ersteres System habe man in der Altstadt, letzteres in allen übrigen Stadt- iteilcn. Man habe hauptsächlich ans^ hygienischen Gründen das letztere System fast ausschließlich gewählt, sodaß Notausflüsse nach Lahn und Wiefcck vollständig vermieden worden seien. Das ge­samte Gebiet, das entwäffert worden sei, betrage 572,64 Hektar, 2>avon gehen ab 9,10 Hektar für die Anlagen, sodaß 563,54 Hektar verbleiben.

Hiervon sind 27,6 Hektar für eine gemeinsame und 535,6 Hektar /ür getrennte Entwässerung eingerichtet. Im ganzen ist die abzu- führendeWassermenge an? 3000000Literberechnet,wovon 375000 Liter auf das Seltersberggebiet entfallen. Das gesamte Gebiet außer denr Seltersberg wird durch den Hauptsammelkanal längs der Wieseck entwässert und von dort nach der Kläranlage geleitet. Letztere besteht aus 4 Becken, deren erstes gleich eine große Vertiefung 'aufweist, die dazu dient, die schweren schwinnnendcn Schmutz- Körper abzusondern."Sodann kommt ein Rechen, der die noch vor­handenen schwimmenden Körper (Stopfen usw.) aushält. Hierauf ,gelangt das gereinigte Wasser in einen Kanal, der cs nachher in Die Lahn führt. Tas Wasser wird durch diese Einrichtung zu 75 Prozent gereinigt, bei besonders günstigen Verhältnissen zu 90 bis 95 Prozent und der verbleibende Schinutzrest ist so gering, daß er die Zusammensetzung des Lalmmassers in keiner Weise beeinflußt. Auch dieses Wasser noch zu reinigen, wäre unwirtschaftlich. Weitere Kanäle dienen dazu, das in den Kläranlagen zurückbleibeude Wasser zu reinigen und dieses 23erfahren wird wiederholt, bis das verbleibende Wasser nicht mehr als Wasser zn bezeichnen, sondern Schlamm bildet. Dieser Schlamm wird von Zeit zu Zeit aus den vier Becken, mittelst einer Pumpe cntsernt und auf die Felder ge­leitet. Neben diesen vier Schmutzbecken sind zwei Becken für das Regenwasser vorhanden, das hier ebenfalls nochmals gereinigt piird, während man an anderen Plätzen dieses Wasser ungereinigt die Flüsse gehen läßt. Da die Gießener Altstadt verhältnis- >mäßig lier liegt, mußte eine besondere Vorkehrung getroffen werden, -die ein Rückstauen des Wassers bei Hochwasser verhindert. Das /wurde durch einen sogenannten Hochwasselschiebcr erreicht. Für .das Gebiet aus dem SelterSberg braucht man diese Vorrichtung mickst, weshalb dieses Gebiet durch einen besonderen Kanal ent­wässert wird, fedoch ist eine Umschaltung vorgesehen, die auch die iReinigung dieses Waffers ermöglicht. Die Pumpenanlage besteht

aus einer neuen, 250 Liter in der Sekunde fordernden Hochwaffer- pumpe, der alten, seither am Stadtgraben befindlichen Pumpe, die 180 Liter fördert, und einer Schmutzwasserpumpe mit 100 Liter Fördergehalt. Tie beiden Schlammpumpen, die für die unterste Schicht bestimmt sind, fördern je 10 Liter in der Sekunde. Die Pumpenanlage ist so eingerichtet, daß alle Pumpen zur Zeit eines Hochwassers in Benutzung genommen werden können. Ein Teil der Pumpen wird durch Elektrizität betrieben, diese Betriebs­art hat den Vorzug, daß sie schnell in Funktion treten kann, also bei plötzlich eintretendem Hochwasser sofort anzuwenden ist. Bei länger anhaltendem Hochwasser wird Dampskraft benutzt, da diese sich billiger stellt. Der Redner erörterte sodann die Vorkehrimgen zur Entwässerung bei normalem Betrieb, die Benutzung des Klingel­baches zum Zwecke des Regenwasserabflusses, die Spülung der Kanäle, die Vorkehrungen zur Beseitigung des Straßenschnees ii. s. w. Nach dieser Uebersicht über die Einrichtung des gesamten Kanalsystems erörterte der Redner ausführlich die E i n r i ch t U n g der Hausanschlüsse. Gerade die Installation der Haus­anschlüsse müffe sorgfältig vorgenommen werden, wenn man die Absicht, die man mit jeder Kanalisation verfolge, auch erreichen wolle, nämlich eine möglichst allen gesundheitlichen Anforderungen entsprechende Entwässerungsanlage zu erhalten. An Hand des Ortsstatuts wurde sodann zunächst die Entwässerungspflicht erörtert, wobei betont wurde, daß diese Bestimmungen im wesentlichen für Neubauten gellen, während die bereits vorhandenen Häuser den sogen. Uebergangsbestimmungen unterworfen seien. Tas Orts­statut schreibe vor, daß Regen- und Schmutzwasser in die Kanalisation zu leiten seien, so das; in Zukunft fein Regen- waffer mehr aus einem Grundstück in die Wieseck oder Lahn mehr geleitet werde. Ferner sei die sorgfältige Beseitigung der Senkgrilben aus den Hofraiten nötig, wodurch Krankheits­heerde in den Hofraiten beseitigt werden. Auch die Wasserrinnen in den Bürgersteigen werden durch die Absührunq des Regen- waffers durch den Kanal beseitigt. Jedes Grundstück wird selbst­ständig entwässert. Fast völlig vermieden sei die Einführung von Regenwasser in den Schmutzwasserkanal, um diesen seinem eigent­lichen Ziveck nicht zu entzieheli. Für Fabrikabwasser sind in jedem einzelnen Fall besondere Vorkehrungen zu treffen, um das Ein­führen schädlicher Stoffe zu vermeiden. Grundwaffer soll an die Schmutzwasscrkanäle überhaupt nicht unb in die Negenwasserkanäle nur ausnahmsweise geleitet iverden können. Alle Hausanschlüffe können nur auf Grund besonderer Hausentwässerungspläne gemacht werden, schon mit Rücksicht auf später vorzunehmende Arbeiten ist dies geboten. Die Hausanschlüsse dürfen nur durch besonders zu- gelassene Installateure ausgesührt werden. Besondere Bestimmungen sind für die sogenannten Hochwasserverschlüsse getroffen, um bei einem Rückstau des Kaualwassers ein Ueberfluten der Keller zu verhüten ; die wenigen tiefer liegenden Keller können durch Pumpen leicht wasserfrei gehalten werden. Für das bei den Entwässe­rungsanlagen zu verwendende Material sind besondere Bestimmun­gen getroffen, die bei Verwendung guten, zweckentsprechenden Materials möglichst geringe Kosten verursachen. Das Gefälle soll im allgemeinen wenigstens 1:30, aber nicht mehr als 1:15 be­tragen. Ausnahmen sollen durch sog. Fallleitungen erfolgen. Im allgemeinen sollen innerhalb der Häuser Gußeisenröhren zur Ver­wendung gelangen, während für Regensallröhren außerhalb der Häuser Zinkröhren teilweise zulässig sind. Der Durchmeffer der Falllcitungcn schwankt je nach ihrer Inanspruch­nahme zwischen 30 und 125 Millimetern. Im allgemeinen braucht man bei Wohnhäusern kaum über 100 Millimeter zu gehen. Jedes größere Fallrohr muß aus Eirunden der Entlüftung über Dach geführt, werden, da die Entlüftung durch die Einsteigkanäle in den Straßen nicht genügt. Zu beachten ist, daß die Ventilation durch die Regenvohre nicht unmittelbar unter Dachfenstern er­folgt. Tic Schmutzwassereinläufe müssen sämtlich Geruchverschlüsse haben. Große Küchen, Waschküchen und Wurstküchen brauchen Fettsänger. Für die menschlichen Abfälle sollen möglichst frei­stehende Spülaborte eingerichtet werden, bei denen Holzverschlüffe zu vermeiden sind. Die Geruchverschlüsse bestehen aus S- oder U-förmigen Röhren, in denen Wasser steht. Sie find unter jedem Abort, Waschbecken usw. anzubringen. Die Gefahr des Einfrierens ist nicht groß, wo sic vorliegt, muß der Geruch- Verschluß möglichst tief angebracht werden. Eine sorgfältige Unter­haltung der Hausentwässerungcn ist selbstverständlich. Für die bereits vorhandenen Anlagen ist eine Dichtigkeitsprobe nötig,belieben sie diese, so können sie beibehalten werden, auch die leider früher viel verwendeten schottischen Röhren. Zu vermeiden ist der Ueber- gang von einem breiteren in ein engeres Rohr, damit Ver­stopfungen vermieden werden. Jedoch ist vorgesehen, daß be­stehende Hausentwässerungsanlagen auf Widerruf beibehaltcn werden Törnicn. Betonen wolle er, daß ba^, was man mit der Kanalisation für die Stadt Gießen erreichen wolle, auch durch möglichst sorgfältige Anlage der Hausänschlüsse gefördert werde. (Lebhafter Beifall.)

Nachdem der Vorsitzende dem Redner herzlichen Dank ausgesprochen hatte, begann eine lebhafte Diskussion. Stadtv. L ö b e r fragt nochmals, was es mit den Rissen auf sich habe, ob wirklich hierdurch nicht später dovvelte Kosten zu erwarten seien, und ob nicht vielleicht ein falsches Profil gewählt worden sei., Eine befriedigende Auskunft hierüber werde von der Bürger- chaft erwartet. Oberbaurat S ch m i ck erwidert, daß der Sprung merkwürdigerweise iit dem allerbesten Baugrund entstanden sei, das sei ein Beweis, daß das Profil nicht daran schuld sei. Die Gefahr eines Einsturzes bestehe nicht, und der Riß sei so gering, daß ihn niemand, der nicht besonders darauf anfnierffiun gemacht werde, bemerken werde. Der Riß werde beseitigt und zwar auf Kosten der Bauleitung, Nach seiner Beseitigung sei der Kanal o gut, als ob nie ein Riß vorhanden gewesen sei. Aus Anfrage des Heprn Bergen erwidert Oberbaurat S ch m i ck, daß die Risse zwischen der Waschanstalt und der Kläranlage an drei Stellen entstanden seien. Eine weitere Anftage lautet, ob nicht die in den älteren Anlagen vielfach vorhandenen Röhren von 1.520 Zentimeter Durchmesser in Gebrauch bleiben könnten, wie dies in vielen anderen Städten der Fall sei. Dadurch würden Hundert- tausende gespart. »Verner wird gefragt, ob nicht bei bestehenden Anlagen, wie in Darmstadt, Abortrohre, soweit sie außen an­gebracht seien, auch hier bleiben könnten. Herr Bergen fragt noch au, ob nicht die Entlüstungsrohre den Feuerungsanlagen zu geführt werden könnten, um die Gase durch Verbrennen zu beseitigen. - Oberbaurat Schm ick führt aus, daß die vorgesehene Entlüftung genüge. Tie Bestimmungen, daß ältere weitere Rohre beibehalten werden dürften, seien nicht angebracht, da hierdurch leicht Verstopfungen entstehen Tonnten. Sie werde da, wo sie noch vorhanden seien, jedenfalls beseitigt werden. Auf eine Bemerkung des Stadtv. Löb er erklärt der Vortragende noch, daß ein Verputzen der Rohre sich nicht empfehle, jedoch sei eine Ver­kleidung durch Givsdiele, Tapete usw. da, wo es angebracht sei, nötig. Tr. Zinßer bemerkt, nach der Verordnung sei eine Verkleidung nicht zugelassen, das sei doch ein Widerspruch mit den jetzigen Auslassungen des Vortragenden. Oberbaurat S ch m i ck erwidert, nur feste Verkleidungen seien unangebracht, und beruft ich hierfür auf die Autorität des Geheimerats Dr. Gaffky. Herr Schlüter fragt, ob auch Entlüftungsrohre nicht ver­kleidet werden dürften, worauf erklärt wird, daß dies in den eltenen Ausnahmefällen, wo es vorkomme, u. 11. gestattet werden könne.

Eine weitere schriftlich vorliegende Frage betrifft die Kosten- anfbringung. Vorgeschlageu imirbe dabei, daß die Kvsten zum weitaus größten Teil durch eine besondere Kanalsteuer zu decken seien, wobei auch die Kosten der Straßenreinigung usw. gedeckt werden Tonn leit. Ferner solle ein Teil durch einen nicht zu hoch bemessenen Beitrag der Hausbesitzer je nach der Länge der Straßenfront gedeckt iürrben. Hierbei seien auch, vielleicht mit einem geringeren Betrag die Besitzer unbebauter Grundstücke heranzuziehen. Stadtv. Löber schlägt vor, ev. die Brandsteuer beim Ausschlag der Känalsteuer als Grundlage zu benutzen. Herr Ruckstuhl schlägt vor, die Kosten durch einen Zuschlag zur Miete zu decken, während Herr Grünig die Hausbesitzer zu 1/3 und sämtliche Steuerzahler zu 2- herangezogen haben will. Nach einer weiteren Aussprache hierüber schließt der Vorsitzende die Versammlung mit dem nochmaligen Arisdruck des Tankes für den Vortragenden.

Aom Raubmörder Kennig.

Stettin, 15. März.

Hennib verbrachte die Nachr in der Tobsuchtszelle, welch? durch zwei Doppeltüren abgeschlossen war, vor der zwei Schutzleute mit Revolvern postiert waren.

Die Vernehmung Hennigs fand heute vormittag auf dem Polizeipräsidium statt.

Zuerst wollte er nicht aussagen und klagte über Hunger, Durst und Schwäche. Darauf ließ ihm der Polizeikommissar ein Beessteak und eine Flasche Wein kommen. Tann machte, er verschiedene Aussagen, die nach Ansicht der Kriminal­polizei feinen Anspruch auf Glaubwürdigkeit haben. Er b e st reitet, den Kellner Giernot h ermordetzu haben, gibt aber zu, der spiritus rektor bei der Ermordung gewesen zu fein. Den Mord selbst habe ein Mitschul­diger ausgeführt. An dem Ueberfall auf den Kam­me r h e r r n v. Z i z e witz war Hennig, wie durch die llnter- suchung festgestellt ist, nicht beteiligt. Er gibt jedoch an, den Attentäter zu kennen, es war sein Kom­plize Franz, den er sonst nicht kenne, der aber mit ihm von Berlin nach Stettin gefahren sei. Er gibt an, in Berlin bei der Hetzjagd auf ihn in seinen Filzpantoffeln ruhig bis zum Bahnhof Alexanderplatz gegangen zu sein. Dort sei er mit seinem früheren Komplizen zusammengetroffen und hätte sich Stiefel und eine Jacke, die er heute noch trage, soivie einen braunen Schlapphut gekauft. Dann sei er mit seinem Genossen ruhig nach dem Stettiner Bahn­hof gegangen und mit ihm nach Stettin gefahren. Hier sei er unbehelligt angekommen und ausgestie§en, habe sich dann auf verschiedenen Böden versteckt gehalten und darauf Wohnung gesucht. Er gibt zu, in Stettin vom Stehlen von Fahrrädern gelebt zu haben und zwar habe er 5 Fahrräder gestohlen, die er teils auf der Straße, teils in Wirtschaften veräußert hätte. Die ihm zur Last ge­legten Einbruchsdiebstähle bestreitet er, die von diesen Dieb­stählen Betroffenen erklären jedoch, daß Hennig der Täter sei.

Heute nachmittag wurde Hennig in Begleitung des Kriminalkommissars Schrötter und zweier Kriminalschutz^ leute nach Potsdam gebracht.

Tie Belohnung von 3000 Mk. dürfte in der Haupt­sache dem Wächter der SchließgesellschaifL Hase und einem Fleischergesellen zufallen, der an der Festnahme großen Anteil hatte. Die beiden Kriminalschutzleute dürften leer ausgehen, weil nach einer Verfügung des Ministers des Innern derartige Belohnungen nur an Privatpersonen aus­zuzahlen sind. Indessen dürften die beiden Beamten wegen ihres mutigen Verhaltens doch besondere Prämien er- halten.

Mrchliche Naehrrchtem

EvangeLischc GcmeUtde.

Sonntag, den 18. März, Oculi: Hottesdlenll.

In der Stadtkirche.

Vormittags 91/? Uhr: Pfarrer Kraus.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe.

Abends 6 Uhr: Pfarrer "D. Schlosser.

Abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Markusgemeinde.

Montag den 19. März, abends 8 Uhr: Vereinigung der fon­firmierten weiblichen Jugend der Matthäusgemeinde.

Dienstag den 20. März, abends 8 Uhr: Vereinigung der kon­firmierten weiblichen Jugend der Markusgemeirrde.

Mittwoch, den 21. März, abends 6 Uhr:

4. Passionsandacht.

Pfarrer Schwabe.

In der Johanucskirchc.

Vormittags 9'/, Uhr: Professor v. Eck.

Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Lukasgemeinde. Pfarrer Euler.

Abends 6 Uhr: siehe Stadtkirche.

Abends 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung int Kon­firmandensaal der Johanuesgemeinde.

Montag, den 19. März, abends 8 Uhr: Bibel stunde im Konfirmandensaale der Lukasgemeinde. Text: 1. Petr. 2, 18 ff.

Pfarrer Euler.

Abendmahlsieiern mit Beichte für Lukas- und Johannes- gemeinde finden statt: Am Sonniag Judiea, den 1. April, Sonn­tag Palmarum, den 8. April, Gründonnerstag, den 12. April, jedes­mal im Abendgottesdienst, Karfreitag, den 13. 2lpril, im Vormittags- gottesdienst. _______________

Katholische Gemeinde.

Samstag, den 17. März 1906.

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr Gelegenheit zur heil. Beicht.

Sonntag den 18. März 1906.

3. Fastenf 0 nntag.

Vormittags von 6'/, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.

, um 7 Uhr: Die erste heil. Meffe, vor und in der­selben Austeilung der heil. Kommunion

um 8 Uhr: Die zweite heil. Messe. Militärgottesdienst mit Predigt.

um 91 z Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachutittags um 51/, Uhr: Predigt; darauf fakramentalische Bruderschasts-Andacht.

Mittwoch, 21. März 1906.

Abends um 6 Uhr: Fasten-Andacht.

Israelitische Religionsgemeindc.

Hottesdiena in der Synagoge (Südankage).

Samstag, den 17. März 1906.

Vorabend 6.15 Uhr.

Morgens 9.00 Uhr.

9tachmittags 3.30 Uhr. Schrifterklärung.

Sabbathausgang 7.20 Uhr.

Israelitische Religionsgesettschaft.

Hottesdieng.

Sabbat h feier am 17. März 1906 :

Freitag abend 6.00 Uhr.

Samstag vormittag 8.30 Uhr.

Nachmittags: 3.30 Uhr.

Sabbathausgang 7.20 Uhr.

Wochengottesdieitst: morgens 7.00, abends 6.00 Uhr.

Essen fehlt dem Blut

der Blutarmen und Bleichsüchtigcn. Am wirksamsten wird das Eisen dem Körper durch das wohlschmeckende Perdynamin (1 Flasche 2,50 M.) oder durch den nährenden Perdynamin-Kakao (1 Büchse 2,50 M. zugeführt. Letzterer ist an Stelle des Morgenkaffees zu trinken.

Lehrfabrik

- Thürlngisches- - > in«- ,

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Teöhmkum Jlmenau Werkmeister. Prospekt'