würden, so sei es nicht ausgeschlossen, daß die Bemühungen, eine Verständigung mitFrankreich herbei- ^zuführen, erfolgreich sein dürften.
2hi$ StaM und Land.
Sprechstunden der Redaktion 11 — 1 l;!:v vcm., V27—i/28 Uhr abds. Gießen, 15. Nov. 1906.
** In Audienz empfangen wurde von S. K. $?. dem Großherzog am Mittwoch u. a. Major a. D. Frhrr. von Stark, Kurdirektor in BadMauheim.
** Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen durch Entschließung S. K. H. des Großherzogs den Mitgliedern der freiw. Feuerwehr zu Friedberg Jos. Hirsch und Osk. Noack, sowie dem Mitglied der freiw. Feuerwehr zu Nidda Friedr. Uhl II.
•• Tagung der zweiten hessischen Kammer. AuS Anlaß der von S. K. H. dem Großherzog an die beiden Häuser des Landtags gerichteten Allerhöchsten Botschaft über die Geburt eines Prinzen wird zum Zweck der Beantwortung dieser Botschaft durch eine Adresse die Zweite Kammer der Stände auf den 29. November berufen werden. In der hierfür in Aussicht genommenen kurzen Tagung sollen auch einige andere spruchreife Angelegenheiten zur Erledigung kommen.
"Aus dem Bureau des S t a d t t h e a t e r s. Ein weiteres Gastspiel bringt die nächste Woche, in der ein alter lieber Bekannter des Gießener Theatervublikums nach einer Reibe von Jahren wieder kommt. Es ist Karl William Büller, der um 20. und 21. November in „Raub der S a b i n e r i n n e n" und in „C h a r l e y s Tante" gastieren wird. Alle Freunde des Humors seien schon heute aus das Gastspiel hingewiescu.
** Der Kreisverein Gießen vom Verband Deutscher Handlungsgehilfen Leipzig feierte am vergangenen Samstag und Sonntag sein 8 jähriges Bestehen. 1— Am Samstag Abend fand bei zahlreicher Beteiligung im Vereinslokal Hotel Schütz ein Herren-Abend statt, und ging aus der Ansprache des Vorsitzenden hervor, welch große sozialpolitische Bedeutung der Verband im allgemeinen hat und wie die bestehenden Wohlfahrtseinrichtungen von einer wirtschaftlichen Bedeutung sind, die es jedem einzelnen Handlungsgehilfen zur Pflicht machen sollte, einem solchen Verband anzugehören. Daß sich der Verband auch bei der Negierung, den städtischen Behörden und den befreundeten Verbänden des besten Ansehens erfreut, trat bei der Feier des 25jährigen Verbandsjnbiläums in Leipzig in den Tagen vom 16. bis 18. Juni a. c. hervor, die Veteilung von diesen Stellen aus war außerordentlich stark. Mit einem Hoch auf den Verband wurde sodann zur allgemeinen Fidelitas übergegangen und einige frohe Stunden verlebt. — Der Sonntag brachte dann einen Familienausflug nach dem Windhof bei sehr reger Beteiligung, sodaß die Feier des achtjährigen Bestehens in schönster Weise verlausen ist.
R. Herbstein, 13. Nov. Arn Sonntag abend starb unser Polizeidiener Schneider an den Folgen eines Unfalles, der sich beim Wirtslokal von Hubertus Eckert ereignete. Dee Verstorbene erreichte ein Alter von 80 Jahren, er machte 1848 den Feldzug in Baden mit und wurde 1855 in seiner Heimatgemeinde Herbstein Polizeidiener. 9(m 18. November 1905 wurde er gelegentlich seines 50jährigen Dienstjubiläums durch die Verleihung des Philippsordens ausgezeichnet. Herr Schneider war treu und gewissenhaft in seinem Berufe, dabei wohlwdllend und in jeder Weise entgegenkoiumend, so daß er in allen Kreisen sehr beliebt und geachtet war. Das An- denken des bis zu Hinein Todestage seiner Pflicht obliegenden Beamten wird hier in Ehren gehalten werden.
X Mücke, 14. Nov. Eine recht zeitgemäße Einrichtung hat man in den Postwagen der Personenpost Mücke-Nuppertcurod-Ulrichstein getroffen. Während in diese,i Wagen seither jede Wärmeeinrichtung fehlte, hat man jetzt eine solche insonderheit für die Füße angebracht. Die Wärme wird durch einen Glühstoff erzeugt, der in ovalen, verzinkten Eisenzylindern ruht. Die Glühstücke werden beim Umspannen der Wagen in Ruppertenrod erneuert. Wer jemals zur Winterszeit aus einem Eisenbahnwagen in den eisigen Post
wagen gestiegen ist, der wird diese Wärmeeinrichtung in den Postwagen mit Freuden begrüßen.
Lauterbach, 13. Nov. Als am verganaenen Freitag der Freiherr!. Forstqelülfe Wenderoth von hier eine Waldtor früh um halb 6 Uhr nach dem Eichküppel unternahm, hörte er unter sich in den Grabenwiesen hüsteln und bald daraus in einem Teiche plätschern. Eiligst sprang er herab an den unteren T e i ch und sah etwa 10 Meter vom lUer entfernt einen Mensche n. Rasch entschlossen sprang er in das kalte Wasser und watete an den Körper heran, der ihm wie leblos erschien. Wenderoth zog dann den ihm fremden Mann ans Ufer und erkannte bald, daß feine sofort angestellten Miederbelebungsverfuche den erhofften Erfolg hatten.
RR Darmstadt, 14. Nov. Der Verwaltungsrevision sausschuß der zweiten Kammer erledigte Heute in vorläufiger Beratung den Nesi des fünften Titels der Vorlage und darauf den VT. und VII. Titel, welche die Verwaltung des städtischen Vermögens, sowie die städtischen Umlagen, besonderen Ausschläge, Abgaben und Gebühren behandeln. Art. 130, der die Anfechtungen, Entschließungen oder Vertagungen des Bürgermeisters betrifft, wurde anangenommen. Der Art. 131 gestattet dem Bürgermeister und den Beigeordneten, den Beratungen der Ausschüsse, denen sie nicht als Mitglied angehören, ohne Stimmrecht beizuwohnen. Im Ausschuß wurde von einer Seite angeregt, eine Bestimmung einzufügen, nach welcher auch gestattet sein soll, daß sich die Ausschüsse auch ohne Bürgermeister oder Beigeordnete versammeln können. Dieser Anregung wurde jedoch großer Widerspruch entgegengesetzt. Im allgemeinen waren die heute vom Ausschuß getroffenen Abänderungen an den einzelnen Artikeln der Vorlage fast nur untergeordneter Natur. Von weiterem Interesse ist, daß in betreff der Revision der Stadtrechner im Gesetz vorgesehen ist, daß die Revision dieser sich aus alle Kassen, auch auf die Privatkassen, die der Rechner führt, zu erstrecken hat, damit keine Schiebungen von einer Kasse in die andere stattfinden können. Ein anderer Artikel bestimmt über die Erhebung von Abgaben und Gebühren, daß die Neueinführung besonderer, zur Stadtkasse zu vereinnahmender Abgaben, wie Verbrauchsabgaben, Marktstandgeld rc. durch Ortssatzung zn treffen ist. Im Ausschuß hält man diesen Weg für alle Gebühren als zu weitläufig, und glaubt, gewisse Gebühren von dieser Vorschrift befreien zu können. Ob es aber möglich sein wird, hier eine feste Grenze zu bilden, erscheint sehr fraglich.
vermischtes.
* Mordtaten. In Freiburg an der Elbe wurde die Rentnerin Günther von ihrer eigenen Tochter ermordet und beraubt. Die Raubmörderin ist geflüchtet. — Bei Kiel wurde die Leiche eines Mannes gefunden, welche ermordet und allem Anschein nach beraubt worden ist. . Ein der Tat dringend Verdächtiger, bei dem sich ein blutbeflecktes Messer befand, und deffen Hände Blutspuren aufweisen, wurde in Hast genommen. — In Blankenese fand die Trauerfeier für den ermordeten Zahnarzt Claussen statt. Die Trauerrede hielt der Bruder des Ermordeten, Pastor Claussen in Wilster. — Im luxenburger Grenzdorf Bros wurde ein Arbeiter namens Brüll von seinerFcau nachts ermordet. Er war erst drei Monate mit seiner Frau verheiratet.
* Niederdeutsche Bauernschlauheit. Aus Altona wird geschrieben: Auf einer Radtour durch die Umgegend geriet ein Kaufmann in einem Dorfe zwischen eine Schar Hühner, die in demselben Moment, als er ein Haus passierte, aus der Tür auf die Straße gejagt rourbe, wodurch er zu Fall kam. Kaum hatte er sich erhoben, als ein Bauer, in der Linken ein totes Huhn hallend, und mit der Rechten lebhaft gestikulierend, herankam und Ersatz für das totge- sahrene Huhn verlangte. Der Kaufmann zahlte auch die verlangten 2,50 Mark, wollte aber dafür das Huhn mit sich nehmen. Damit war der Bauer jedoch nicht einverstanden, sondern er wollte das Tier, da es ihm ja noch viele Eier aelegt haben würde, als weiteren Schadenersatz behalten Schließlich aber wurde man doch noch handelseinig: der Kaufmann zahlte noch 50 Pfennig zu und durfte nun das Huhn bebakten, das zu Lebzeiten so schöne Eier gelegt haben sollte. Zn Hause angekommen, mußte er aber die Entdeckung
machen, das; er doppelt geprellt war. Denn erstens war das Tier gar nicht totgefahren, sondern es war ihm der Hals umaedreht worden und zweitens war das ,Huhn* in Wirklichkeit ein Hahn. Der Bauer hält stch, wie sich nachträglich herausstellte, einen eisernen Bestand von Hübnern, die er sich stets als totgefahrene Hühner von Radfahrern vergüten läßt und damit ein glänzendes Nebengeschäft macht.
* Die letzte Stütze. „Die Huberbäurin hilft jetz ja selber ihre Kuh?fl — „Was will f* denn machen? Der Bauer sitzt im Landtag, die Buab'n studier'n und die Deandln san beim Theater." (Aus dem SimplizissimuS.^)
Oct? -dcOaffiott.
(ylnouhme Anfragen bleiben unberücksichtigt).
W. M. Generalmajor v. Kläden in Wiesbaden bat wohl wiederholt als Kandidat des Bundes der Landwirte für Reichstag und preuß. Landtag sich um parlarn. Mandate beworben, aber bisher keines errungen.
des Giessener Anzeigers, mitireteilt von der Bank für Handel und Industrie. G’pssph.
Fri>n1<furter 15 November, 1.15 Uhr.
3%e/0 Peichsnnleihe . . 97.95 3% do. . . 8R.10 3j<°/0 Konsole .... 97.75 3% do.....PR 10
a%°/n Hessen ..... 97.00
Oherhessen . . . —.— 4 Oesterr. Goldrente. . 99.50 4*/R Oesterr. Silberrente 100.20 40<> T’np-ar. Goldrente . . 95.25 4°6 Italien. Pente . . . —.— 3e,< Portugiesen Serie I . 69.20 3y< Portugiesen „ III 69.50 4 rnss.Staatsflnl.19n5 89 25 Ä iapan. Staatsanleihe 92.50 1 "6 Conv. Türken von 1903 94.00 Türkenlose......146.80
4 % Griech. Monopol-Anl. 52 25 4 % Nassere Argentinier . 88 50 3°/0 Mexikaner . . 67.30 4%°l0 Chinesen .... 96.05
Aktien:
Bochum Guss..... 235.10
Buderus E. W .... 123.60
Tendenz: fest
Elektriz. Lahmerer . . . 140.00 Elektriz. Seb ackert . . . 124.50 Eschweiler Bergwerk . . 239 75 Gelsenkirchen Bersrw?rk . 222 80 Hamburg- - Amerik. Paketf. 155.80 Harpener Bergwerk. . . 213 00 Lanrahütte ....«* 242.50 Nordd. Lloyd.....125.50
Obeischles. Eisen-Industrie 124 50 Berliner Handelsges . . 170.50 Darmstädter Bank . .•.138,10 Deutsche Bank . . . 238.50
Deutsch-Asiat. Bank . . 168.50 Diskonto-Kommandit. . . 181.70 Dresdner Bank . . . 155.00 Kreditaktien.....212.00
Baltimore- und Ohio-
Eisenl ahn . . . 120.10
Gotthard bahn.....—.—
Lombard. Eisenbahn . . 34 60 Oesterr. Staatsbahn . . . 144.30 Prince-Henri-Eisenbahu . 148.00
Berliner BUrfle, 15.
Canada E. B. . . . . . 177.90 Darmstädter Bank . . . 137.90 Deutsche Bank .... —.— Dortmunder-Union C. . . 81.00 Dresdner Bank .... —.—
Tendenz: fest.
November. Anfan^skurse.
Harpener Bergwerk. . . 213.10
Lanrabtitte .....—.—
Lombarden E. B. ... 34.60
Nordd. Lloyd ..... 125.20 Türkenlose.....—
Appetit| gebessert!
fassenden Versuchen fortgesetzt als bestes, stärkstes, billigstes zu- träalichstes, bluterzeu- gendes Mittel angewandt und ist in Apotheken, Drogerien usw. das halbe Kilopaket zu drei Mark erhältlich.
Frankfurt a. M.,Ovpen- Heimerlandstraße29, den 20. Juni 06. Da ich schon 4Iahre an Lungentu bcr- kulose erkrankt und sehr herunter gekommen bin, teile ichJhuen hierdurch mit, daß ich durch den Gebrauch des hochgeschätzten Bliiterzeug-
ungsmittels. „Bioson" mich bedeutend kräftiger und wohler fühle. Ebenso hat sich auch der bei mir stark zusetzende Husten verringert, auch mein Appetit hat sich wesentlich gebessert. Ich habe „Bioson" in allen Bekanntenkreisen empfohlen und werde es mich ferner tun. Auch spreche ich nochmals meine vollste Anerkennung und Dank über den Erfolg mit „Bioson" aus. Hochachtungsvoll Heinrich Wisse n b a ch. Amtlich beglaubigt. Frankfurt a.M., 22. Juni 06. Keobell, Vorsteher des Stadlbezirks 32 B. Bioson wird von berufenen ärzll. Autoritäten u. in Kliniken, Krankenhäusern usw. nach Um
lagen, daß sie viele erfreut oder erschüttert haben. Dieses be=. friedigende Bewußtsein angesichts einer solchen Feier mag die Kritik nicht verkümmern. Es sei nur hervorgehoben, daß die Damen Donecker und Baprhammer, sowie die Herren Herrscher und Bakof mit Recht den stärkeren Beifall erhielten. Gan, besonders zeigte sich Herr Herrscher wieder als ein ungewöhnliches Talent, das allerdings noch nicht das rechte Maß kennt, aber alles Zeug 311 einem Franz Moor, zu einem Richard IN. zu haben scheint.
Szenen aus zwei auf deutschen Bühnen am seltensten erscheinenden Dramen Ibsens folgten. Zunächst die Sterbeszene der Mutter des „Leer 65hnt", das Juwel dieser merlwürdigen nordischen Bauern-Fanstdichtung, in der Lyrik, Satire, Burleske nnb Groteske, Landschaftsmal"rei, Karikaturen, geistreich-tiefsinnige Radierungen mit bedeutungsvollen Randornamenten, die an Klinaers Intermezzi erinnern, mit einander wechseln. Das eigentliche Modell. für den „Peer Gynt", der uns als tiefsinniges Svmbol nordischen Träumens und Fabulierens erscheint, war, wie Brandes behauptet, ein prahlerischer und phantastischer Däne, den Ibsen in Italien beobachtete, ein seltsamer .Bunpan, der sich sein eigen .Wnigreich ersann, italienischen Mädchen gg'- wundersame Dinge von seiner Herkunft erzählte, in weißem Allaskleide bisweilen uinherstolzierte, in der Einsamkeit des Gebirges ans tragische Visionen harrte und in verhängnisvoller Verwirrung des Scheins imb Seins eine eingebildete poetische Begabung ins Leben übertrug. Die Szene, die wir gestern schauten, ist so bildkräftig, so voll Gemütsticse und zugleich so theaterwirksam, wie kaum -etwas, was Ibfen geschossen hat.
Doch Herr Goll griff in. E. als Darsteller des Peer Gynt fehl. Freilich auch Herr Prof. Collin batte nur Worte des Tadels selbst für den Peer am Sterbebette der Mutter; er löge, so sagte er, feig die Mutter in den Himmel, anstatt ihr Gelegenheit zur Selbst- eirtfehr zu geben. Ich meine, hier zeigt Ibsen, wie im „Volksfeind" die Absurdität der foniequenten Wahrhaftigkeit, die Poesie der Lüge. Gewiß, Peer lügt seine Mutter ins Jenseits; aber indem er wie in Kindheitstagen mit ihr im Märchenschlitten ins Weite fährt, erleichtert er ihr den Tod, verschönt er ihr die letzten Augenblicke des Lebens durch kindliche Spielerei, daß sie mit einem Lächeln auf den Lippen hinüberschlummert. Bei einer Sterbenden hätte die Erkenntnis der schweren Lebensfehler feinen Zweck mehr. Hielt sie auch ihren Sohn allzeit dazu an, wie sie selber in Gedanken aus der wirklichen in eine erträumte Welt zufliehen, bildete sie ihn so zum vollständigen Lügner ans, so war sie doch herzensgut und liebevoll, und das vergilt ihr Peer in ihrer letzten Stunde. Aber er leidet Höllenqualen, indem er ihr sein Spiel vortäuscht, schon vor dem Eintritt ihres Endes! Denn auch er beherbergt Innigkeit und Zärtlichkeit in seinem Herzen. Das aber überfah Herr Goll, und so ist man uns, trotz der tüchtigen Darstellung, die Frl. v. I a g e m a n n bot, den tiefsten poetischen Zauder dieser Szene leider schuldig geblieben.
Man hätte ja wohl Solvejs Schlaflied, mit dem die grandiose Dichtung so weich und fein ausklingt, statt an den Anfang, besser an diese Stelle gesetzt, llebrigens hatte man für dieses statt der Morgensternschen Uebersetzung der großen, bei Fischer in Berlin ersch-enenen Ibsen-Ausgabe,, die ältere von Passarge gewählt, deren sprachliche Unzulänglichkeiten unangenehm auffallen mußten.
Und dann kam dis Skaldenlied Oernulss aus der „Nordischen Heerfahrt", dieser Totensang von erhabener Schönheit, den der alte Sänger am Grabe seiner sieben Sohne, umheult von nächtlichem Schneestn.rme, beleuchtet von flackerndem Fackellichte, spricht. Es ist das Ergreifendste aus dem wilden und schrcckerfiillPn Jbsenschen Nibelunaen-Drama.
Herrn B a k 0 f 3 prachtvoller Baß lieh den herrlichen Stab- reimversen vollen rhetorischen Glanz.
Schön und würdig verlief die gestrige Ibsen-Gedenkfeier, für die dem Gießener Theaterverein Anerkennung und Tank gebührt, dep in gewisser Weise schon der bis aufs letzte Plätzchen gefüllte Theatersaal, die andachtvolle Aufmerksamkeit der Zuhörer boten. Wie im Lande der Lotophagen weckt Erfüllung die Sehnsucht nach immer mehr und Neuem von auserlesener Geistesspeise, wenn auch im Nachgeschmack des Menüs einer Ibsen-Totenfeier herzbrechend herbe Bitternis überwiegt. Am Schluffe des nänieureichen Abends beschlich wohl manchen das Bedauern, daß in diesem Ring bell- dunkler Poesien nicht noch mehr Edelsteine aus des großen nordischen Sängers königlich ausgestatteter Schatzkammer eingefügt waren.
Man fonrtte die weihevolle Gedenkfeier, den heilig sprechenden „Gerichtstag" über Ibsen nicht eindringlicher ausklingen lassen als mit des lebenssatten, tiefsinnigen Dichters kummervoll-trübsinniger, selbstschätzender, ton Herrn Bakof mit mannhaft markiger Begeisterung gesprochenen Mahnung an die Mißverständigen,
„An die Ueberlebenden.
Der im Mund nun aller Guten, Mußte doch zuerst — verbluten. Kam er, Licht dem Land zu spenden, Nahmt ihr's, ihn damit zu blenden. Lehrte er ein Schwert euch führen, Ließt ih's ihn am ersten spüren. Zog er aus, dem Tag ein Richter, Halft ihr herrlich dem Gelichter. Doch er ließ euch zum Gedächtnis Seines Werkes hehr Vermächtnis. Hegt es treu, wenn als Versöhnter Schlummern soll ein Torngekrönter!
Gießener Konzertverein.
Tas Konzert, das für den 18. November geplant ist, mag uns als eine Vorfeier des Totensonntags erscheinen. Der Gedanke an die Vergänglichkeit des Irdischen ist Brahms von Jugend auf ein ernster Begleiter gewesen; aber auch der Hoffnung auf die himmlische Verklärung war er zeitlebens zugewandt. Trauer und Hoffnung einen sich in seinem „Regniern" zu dem ergreifendsten Totengesana, den je ein deutscher Tondichter gesungen hot. Auch über den Chorwerken, die uns der Akademische Gesangverein am Sonntag zn Gehör bringen wird, liegt biete Stimmung. Brahms schuf sie in feiner reifsten Zeit. Als Grundlage wählte er sich drei große Dichtungen: Hölderlins „Schicksalslied", Schillers „Nänie", Goethes „Gesang der Parzen". Wer diese Dichtungen auf sich wirken läßt, der wird daraus wohl die Gedanken^ an die Vergänglichkeit, nicht aber die Hoffnung auf die Verklärung heraus- hören. „Es schwinden, es fallen die leidenden Menschen blindlings von einer Stufe zur andern, wie Wasser von Klippe zu Klippe geworfen, iohrelang ins Ungewisse hinab/ So schließt Hölderlins Dichtung, und wenn sich Schiller der Gedanke aufdrinqt, daß „auch ein Klaglied zu fein im Mund der Geliebten herrlich" sei, so ist das gewiß ein großer, aber doch nur ein irdischer Wunsch. Vollends die Parzen sind unerbittlich, wie die Gotter, von denen sie singen. Brahms hat daran kein Genüge gefunden. Im „Schickialslied" sind es die Instrumente, die uns in Vorspiel und Nachspiel darauf vorbereiten und daran erinnern, daß den leidenden Menschen im Jenseits ein Höheres winkt. Im Parzenliede ober läßt er die Schicksalsgöttinnen selbst bei der Strophe: „Es wenden die Herrscher ihr segnendes Ange von ganzen Geschlechtern" einen milden, versöhnlichen Ton anschlaaen, her dem harten Göttergeschlecht gar nicht ansteht und Goethes Absichten gewiß nicht entspricht, eines der eigentümlichen Beispiele, daß uns die Musik eine vom Dichter nicht gewollte Stimmung förmlich aufzwingt, ohne daß wir sie als Beeinträchtigung der Dichtung emvsinden. Bei der „Nänie" ist Brahms im Rahmen der antiken Auffassung geblieben, dabei freilich mehr Schillers «Spuren folgend. Ueberall aber hat er den Dichtungen den eigenen Stempel mit sieghafter Kraft aufgedrückt. Wir vergessen nufere Vergleiche, im tiefsten Innern erschüttert von der Macht der Musik, die uns aus Vergänglichkeit und Zeitlichkeit hinaufhebt zu dem „Sicht', in dem die „seligen Genien wandeln." Es ist ein ernster Genuß, zu dem uns der Konzertverein ruft. In ernster Stimmung wollen wir uns ihm weihen. Kr.
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B reslau, 14. Nov. Das neue Breslauer Schauspielhaus wurde heute in Anwesenheit der Spitzen der Behörden und zahlreich geladener Gäste feierlichst eröffnet. Zur Aufführung gelangte ein Festspiel von Karl Bieberseld, das Breslau als Kunststadt vor 100 Jahren schildert.


