Nr. 140
Zweites Blatt
ISO. Jahrgang
Montag 18. Juni 1906
Gießener Anzeiger
Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr. L, Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr.: Anzeiger Dreße».
Rotattonkdruck und Verlag der Vrühlfche» UnwersttälSdruckerei. R. Lange, Dteßeu.
Erscheint Kgllch mit Ausnahme des Sonntag«.
Die „Hletzener KamUienblätter" werden dem «Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Bekanntmachung.
Betr.: Die Feldbereinigung in der Gemarkung Birklar, Kreis Gießen.
Ich bringe hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß 64 Grundeigentümer, die mit 285,4277 Hektar Land in der Gemarkung Birklar begütert sind, unterschriftlich die Einleitung der Felddereinigung und die Anlage von Wegen in den Obstbaumstücken der Gemarkung Birklar beantragt haben.
Da an diesem Unternehmen im ganzen 313 Grundeigentümer mit 420,5328 Hektar Land beteiligt sind, so ist für das Zustandekommen des beantragten Unternehmens die gesetzlich vorgeschriebene Mehrheit (mehr ivie ein Fünfteil der beteiligten Grundeigentümer, die mehr als die Hälfte der beteiligten Fläche besitzen) vorhanden.
DaS Unternehmen ist von der Landeskommission für zulässig erachtet und der Unterzeichnete zum Kommissär nach Art. 11 des Gesetzes vom 28. September 1887 bestellt worden.
Der oben erwähnte Antrag nebst einer Zusammenstellung deS Ergebnisses liegt bei Großh. Bürgermeisterei Birklar in der Zeit vom 19. Juni l. I. bis einschließlich 25. Juni l. I. zur Einsicht offen.
Einwendungen gegen die Zulässigkeit oder Nechtsbestän- digkeit des Ergebnisses sind binnen 14 Tagen von der Veröffentlichung dieser Bekanntmachiing im Kreisblatt an gerechnet, mittelst schriftlicher Beschwerde bei Großh. Ministerium des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe tn Darmstadt geltend zu machen.
Friedberg, den 8. Juni 1906.
Ter Großherzoglicye ^cldbereinigungskommissär:
I. V.: Dr. Goertz, RegierungSasiessor.
Bekanntmachung.
Betreffend: Feldbereinigung in der Gemarkung Gießen rechts der Lahn und in dem zugezogenen Heuchelheimer Gemarkungsteil.
In der Zeit vom 19. Juni l. IS. bis einschließlich 2. Juli l. Js. liegen auf dem Amtszimmer der Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen folgende Akten zur Einsicht der Beteiligten offen:
1. die topographischen Güterverzeichnisse deS Feldbercini- gungSbezirks. In den topographischen Gütervcrzeich- niffen ist die Wahrung der Rechtsverhältnisse zur Dar- stellung gebracht. (Artikel 25 des Feldbereinigungs- gesetzeS).
2. die Verzeichniffe derjenigen Grundstücke, die infolge der Feldbereinigung an Stelle der verpfändeten alten Grundstücke getreten sind.
Einwendungen hiergegen sind bei Meidung deS Ausschlusses innerhalb der oben angegebenen Offenlegungsfrist bei Großh. Bürgermeisterei Gießen schriftlich einzureichen.
Friedberg, den 7. Juni 1906.
Ter7 Großherzogl. Feldbereinigungsrommissär:
I. V.: Dr. Goertz, Regierungsassessor.
Bekanntmachung.
Betr.; Rauschbrand zu Eberstadt.
Der Rauschbrand in dem Gehöft des Gg. Bender II. zu Eberstadt ist erloschen und die Sperrmaßregeln sind aufgehoben.
Betr.: Schweinerotlauf zu Lollar.
Die Rotlaufseuche unter dem Schweinebesiand des Bäckermeisters Holzapfel zu Lollar ist erloschen und die Sperrmaßregeln sind aufgehoben.
Betr.: Bläschenausschlag zu Klein-Linden.
Unter dem Rindvieh zu Klein-Linden ist Bläschen- ausschlag festgestellt worden.
Gießen, den 16. Juni 1906.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. 93.: Dr. Wörner.
Der Kaiser in «Hannover und Kamburg-Sltona.
Hamburg, 17. Juni.
Der Kaiser hat auf der Fahrt hierher Celle und Lüneburg berührt und dort die bemerkenswerten Kirchen besucht. Hier langte er bei der St. Pauli-LandungSbrücke an imb wurde von den Bürgermeistern Burchard und Stam- mans empfangen. Sodann begab sich der Kaiser an Bord der «Hamburg". Jnl Hause des Direktors der Hamburg. Amerika-Linie v. Grumme nahm er dann an einer Taufe teil. Er sprach auf den Täufling, der den Rufnamen Wilhelm erhalten hat.
Der Kaiser hielt heute Morgen um 10 Uhr auf der Hamburg" Gottesdienst ab, an dem die Bürgermeister Burchard und Stammann, der preußische Gesandte Freiherr v. Heyking, Generaldirektor Ballin imb Direktor v. Grumme
teilnahmen.
Altona, 17. Juni. Heute mittag fand hier Appell der nordwestdeutschcn Gardisten statt. Ueber 3000 Gardisten hatten in einem offenen Vierecks Regimenterweise geordnet, Aufstellung genommen. Kurz vor 12 Uhr erschien der Kaiser im Automobil. Er stieg zu Pferde und ritt die Fronten der Gardisten ab, inbem er ihnen einen «guten Morgen" bot. Der Kaiser hielt hierauf von ber Mitte des Vierecks auS eine Ansprache, welche etwa lautete:
Er begrübe die alten Grenadiere unb Füsiliere der Garde, die firb hier zusanunengesunden und von denen viele nod) _ die groye
Kaiser Wilhelms I. milcrlcbt. Er danke ihnen, bou sic sich m ß nroüer Menae versammelt haben, um die alten Erinnerungen eins der Gardezeit zu feiern. Er wünsche und erivarte, daß |.e i)ietc Erinnerungen auch in ihre Berusstreise weltertragen imb pflegen; sie möchten dessen immer eingedenk fein, dag sie m ^reue zu Gott unb Vaterland und m Ehrfurcht vor der
Religion als christliche deutsche Männer einstehen, wenn es nötig sei, für die Sicherheit des Vaterlandes und die Aufrechterhaltung der Ordnung und der Gesetze. Er begrüße sie noch einmal herzlich.
Hierauf marschierten die Gardisten im Parademarsch vor dem Kaiser vorbei. Der Kaiser ließ sich später eine Reihe von alten Kameraden vorstellen und fuhr um 2 */4 Uhr in einem Schimmelviererzug zur Horner Rennbahn. Er sah das Eröffnungsrennen, das Rennen um den großen HansapreiL und das Kaiserin-Auguste-Viktoria-Jagdrennen. Um 4 x/2 Uhr ging er an Bord des Kreuzers «Leipzig" und mit diesem elbabwärtS. Er gedenkt die Fahrt in die See nach Helgoland fortzusetzen.____________________________
Deutsches Aeich.
Berlin, 17. Juni. Der Einzug des Kaisers an der Spitze der «Tanzhusaren" in Krefeld am 2. April soll in einem großen Oelgemälde verewigt werden. Die Stadtverordneten bewilligten hierfür 12 000 Mark. Mit der Ausführung wurde der Berliner Maler Karl Röchling, der am Einzugstage in Krefeld weilte, betraut.
— Der BundeSrat nahm in der heutigen Sitzung die Ausschußanträge betreffend die AllSfü hru n gs be - stimmungen a) zum Zigarettensteuergesetz, b) zum Brausteilergesetz, c) über die Stempelabgabe von Erlaubniskarten im Kraftfahrzeuge, d) über die Besteuerung der Vergütung von AufsichtSratS Mitgliedern, e) über die Stempelabgabe von Personen- fahrkarten, f) über die Stempelabgabe von Frachturkunden, g) zum Erbschaftssteuergesetz an.
Stuttgart, 16. Juni. Die Kammer der Abgeordneten hat daS Landtags Wahlgesetz mit 71 Stimmen gegen eine Stimme bei einer Stimmenthaltung angenommen.
Au-Sand.
PariZ, 16. Juni. Der Sitteuausschuß hat einen Antrag angenommen, der dahin geht, alle minderjährigen Mädchen unter 18 Jahren, welche einen unsittlichen Lebenswandel führen, in geeignete Institute bis zu ihrer Großjährigkeit oder ihrer vorherigen Verheiratung unterzubringen.
— Der „Matin" erhält eine Privatdepesche aus Newyork, nach der Castro entschlossen sein soll, sich zum Kaiser von Venezuela ausrusen zu lassen.
Washingto n, 17. Juni. Die Brigadegenerale Barry und Duval und die Hauptleute Traub und Schümm sowie Major Kuhn werden den deutschen Kaisermanövern im Sep- tember beiwolMM.
Der Aall Karle vor Den Geschworenen,
th. Gießen, 16. Juni.
(Schluß.)
Karl Roth er-Frankfurt a. M. erklärt, ec liefere seit 15—20 Jahren jährlich an den Angeklagten 15 Waggon Schiefer. Er kaufe nur die beste Ware, zahle pünktlich und habe er nie Differenzen mit ihm gehabt. Dachdeckermeister Heck sagt auS, es sei gang und gäbe, Dachpappe, die 8 Tage lang auf einer Festhalle gelegen, später als neue Dachpappe zu verwenden. Auf Befragen, ob solche Dachpappe nicht eine Wertoerminderung erfahren habe, erklärte Heck, nach seiner Meinung nicht. Agent I. Rosenthal bekundet, daß Carls ihm gegenüber den Vorschlag gemacht habe, er würde die Hälfte der Luhschen Hofreite an Fraii Rothenberger abtreten, damit sie ihr Haus vergrößern und sich eine Durchfahrt schaffen könne. Bei den Verhandlungen war auch die Möglichkeit einer späteren Straßenanlage über den Löwenhof Verhandlungsobjekt. Es kam aber nicht zu dem Geschäft, denn der junge Rothenberger stimmte seine Mutter um, weil das Gelände zu hoch im Preise sei. Das Kaufgeschäft zerschlug sich etwa 10 Tage vor dem Brande. Carle hat früher schon die Vermittlung be§ Zeugen in Anspruch genommen, um sich durch einen Tausch im Besitz der Rothenbergerschen Hofreite zu setzen. Bei einer von dem Zeugen dieserhalb mit der Witwe Rothenberger gepflogenen Rücksprache hierüber, hat diese die Offerte abgelehnt, weil sie in der Stadt eine Konzession für ein Lumpenlager nicht mehr erhalten werde.
Oberbürgermeister Mecum legt die Verhältnisse dar, unter denen die Stadt bereit gewesen wäre, einen 13*/z Meter breiten Geländestreifen zwischen der Sparkaffe und dem Schwesternhaus zur Anlage einer Vecbindungsstraße nach dem Innern der Stadt herzugeben. Schon dem Vorbesitzer des «Löwen" wurde bedeutet, daß die Stadt bereit sei, diesen Geländestreifen herzugeben, daß aber der weitere Grund- erroerb Sache der Interessenten sei. Nachdem dec Angeklagte Besitzer des «Löwen" geworden, habe die Stadt denselben Standpunkt eingenommen. Als Carl« nun noch die Thomas'sche und die Luh'sche Besitzung gekauft hatte, habe er ein Projekt vorgelegt zu einer Straße, die das Lumpenmagazin durchschnitt, er hat damals gebeten, ihm bei dem 51 auf von Rothenbergers Hofraite behilflich zu sein, dies sei damals, wie auch später, abgelehnt worden. Später hat die Stadt am Neuenweg hinter den Grundstücken von Schulze, Lüdeking, Sack :c. (letztere liegen am Seltersweg) Ankäufe gemacht. Daraufhin kam Carle und meinte, die Stadt könne hiervon zu einer neuen Straße ohne Entgelt Gelände her- geben. Der Oberbürgermeister wollte aber nichts befürworten, rote die Abtretung bc5 13'/, Meter breiten Streifens an der JohanneSslraße. Am 23. Februar dss. Js., vormittags, kam der Angeklagte auf die Bürgermeisterei und brachte eine blaue Pause mit, die sein letztes Straßenprojekt enthielt. Die Stadtverordneten lehnten c5 ab, weil das Projekt mindestens 180 000—200 000 Mk. gekostet haben würde. Es hätten noch drei Hofreiten dazu erworben werden müffen. Das letzte Projekt war ohne das Lumpenlager Rothenberger durchzuführen, doch wäre dieses on die neue Straße zu liegen gekommen. Der Oberbürgermeister erklärt, daß er am 23. Februar Carls darauf hm- gewiesen hat, auch das neue Straßenprojekt sei unvorteilhaft.
Carls habe ihn darauf gebeten, er möge ihm doch helfen, daß er Rothenbergers Haus bekomme, ivas er aber von der Hand gewiesen habe.
Der Angeklagte erklärt, er habe am Tage vor dem Brand von einer Erwerbung des Rothenbergerschen Hauses nicht gesprochen, er habe dafür kein Interesse mehr gehabt. Der Zeuge beweist aber an Hand von Notizen, die er über die Unterredung sich gemacht hat, daß Carls ihn um seine Hilfe zur Erlangung der Rothenbergerschen Besitzung angegangen hat. Der Oberbürgermeister teilt weiter mit, wie es mit dem Baugesuch der Frau Rothenberger gegangen sei, durch daS Betreiben Carlss sei cs s. Z. nicht genehmigt worden. ES sei ganz richtig, daß daS Lumpenmagazin in der Mitte der Stadt höchst mißständig sei, aber es sei der Frau ihr gutes Recht, ihr Geschäft, wie es nun einmal bestehe, zu betreiben und es gäbe schwerlich eine gesetzliche Handhabe, dies zu hindern. Die Gebäude der Besitzung seien wertlos, daS Gelände runtx auf 12—15000 Mk. zu bewerten. Auf Befragen erklärt der Zeuge, daß Carls um die Bauerlaubnis zu Hintergebäuden für den Löwenhof erhalten hat.— Architekt Meyer erörtert die von ihm für Carls projektierten Straßenanlagen. Er hat sich vergeblich bemüht, diesen von der Straßenidee abzubringen unb ihm seine Ansicht nicht vorenthalten, daß eine Straße sich zu teuer stelle. Auf Befragen gibt er seiner Ansicht Ausdruck, daß Carls eine aufbrausende Natur habe, in seinem Charakter nicht einwandsfrei sei und keine noble Gesinnung besitze. Rechtsanwalt Dr. Jung richtet an den Zeugen die Frage, womit er dieses abfällige Urteil begründen könne. Herr Meyer erklärt, daß er sich seine Ansicht im Verkehr mit Carls gebildet habe.
Ter Glasermeister Luh hat an Carls seine ehemalige Hofreite durch Tausch mit einem anderen Hause am Neuenweg überlassen. Der Angeklagte hat sich dem Zeugen gegenüber häufiger mißfällig über das Lumpenlager geäußert. Luhe kennt den Angeklagten nur als anständigen und kulanten Geschäftsmann. Direktor Loos von der Gewerbebank kennt den Angeklagten schon 15—20 Jahre, er weiß, daß er ein vermögender Mann ist und bei seiner Bank volles Vertrauen und Kredit hat. Carlo besitze ein Vermögen von 80 000 bis 100 000 Mk. Der Zeuge hält die Spekulation des Angeklagten am Neuenweg zwar nicht für sehr glücklich, i£t aber der Ansicht, daß sie ihn nicht ruiniert hätte.
Stadtbaumeister Gerbel macht von einer Differenz Mitteilung, welche die Baubehörde mit Carls wegen der Bedachung der höheren Mädchenschule hatte. Es wurde fest- gestellt, .daß Carls minderwertiges Material anwenden wollte. Baurat Becker hatte bei der Dachdeckerarbeit für das Veterinär-Institut eine Differenz mit C. Er wollte alte Dachpappe, die schon einmal Verwendung gefunden hatte, verwenden und es hat viele Mühe gekostet, ihn zu bewegen, anderes Material zur Stelle zu schaffen.
Bauinspektor Heuer bestätigt, daß Carls bei einem Bau für den Staat den Versuch gemacht hat, billigere Dachfenster zur Verwendung zu bringen. — Bantechniker Gröde vom städtischen Hochbauamt bekundet, daß Carls behauptet hat, das Rothenbergersche Haus sei baufällig. Eine Untersuchung des Bauwesens habe allerdings ergeben, daß eine Reparatur nötig sei. — Bauunternehmer Abermann und Architekt Rahn haben mit dem Angeklagten geschäftlich häufig zu tun und kleine Differenzen mit ihm gehabt, die gütlich beigelegt wurden. — Challier jun. bestätigt, daß das Lumpenlager eine Kalamität bilde, besonders in der wärmeren Jahreszeit. — Schneidermeister Handrich und Mechaniker Baumann äußern sich ebenso.
Stadtverordneter Keller bekundet, daß der Angeklagte wegen seiner Straßenprojekte mit ihm mehrfach gesprochen habe. Er habe schließlich dem Manne den Rat gegeben, das Straßenprojekt aufzugeben und daS Hintergelände zu bebauen, wodurch Carls nach seiner Meinung wenigstens zu seinen Auslage gekommen sein würde.
DaS Besitztum der Frau Rothenberger schätzt der Zeuge, ohne den Flächenraum der Liegenschaft zu kennen, auf 30 000 Mk. Makler Samuel Katz hatte vor längerer Zeit von Carläden Auftrag, der Witwe Rothenberger für ihr Anwesen ca. 20000 Mk. zu bieten. Der Zeuge hat auch mit der Frau verhandelt, diese verlangte aber für die Hofreite mehr als das Doppelte, als fein Auftraggeber geboten hat. Aug. Struck hat an Carls seit 18 bis 20 Jahren Schiefer geliefert, er hat stets nur bestes Material gekauft, prompt bezahlt und er habe nie mit demselben Differenzen gehabt. Frau Witwe Rothenberger erklärt, daß in ihrem Hause seit ca. 60 Jahren der Alt- und dec Handel Lumpenhandel betrieben wird. Im Jahre 1904 erfuhr sie erst, daß sie zu ihrem Geschäft im Falle der Verlegung einer Konzession bedürfe oder e§ vor die Stadt verlegen müffe; dies sei aber gleichbedeutend mit der Preisgabe ihrer Existenz. Wenn sie ihre Besitzung am Neuenweg verkaufe, müffe ber Preis den Schaden auSgleichen, den sie unzweifelhaft haben werde. Die Frau erzählt, seitdem Carls den Löwen gekauft hatte, sei sie ihres Daseins nicht froh geworden, cS fei kaum eine Woche vergangen, ohne daß sie von Carls bei der Polizei angezeigt worden fei.
Kellner Kraushaar hatte in der Voruntersuchung durch seine Aussage wegen deS tm Jahre 1904 im Löwen vorgekommenen DrandeS Bekundungen gemacht, die den Angeklagten auch wegen dieses FeucrS stark belasteten. Kraushaar hielt jedoch seine Bekundung nicht aufrecht.
In der Nachmittagssitzung wird der Zeuge vom Staatsanwalt Hoos gefragt, ob er von der Ehefrau Carls nicht auf der Straße gestellt worden fei. Der Zeuge gibt dies zu und erklärt, Frau Carls habe sich dabei erkundigt, ob er zur Verhandlung geladen sei, sonst würde sie ihn laden lassen. Weiter sei aber nichts gesprochen worden.


