Sergejew, das Telephon benutzen, das aber unbrauchbar gemacht war. Akimow hatte gerade Telephondienst und ist seitdem verschwunden. Zum zeitweiligen Kommandeur der Schwarzen Mcerflottc an TschuchninS Stelle wurde Kontrc- admiral Wiren ernannt. In anderen Orten hat neuerdings die Sozialistenpar-tei Bäcker st reiks proklamiert und gedruckte Verhaltungsmaßregeln für die Einwohner hcrausgegcben. Die Abnehmer von Brot aus den Militärbäckereien werden mit dem Tode bedroht. Die Einfuhr wird nur in äußerst geringem Maße für den persönlichen Bedarf gestattet, der Handel verboten.
Obwohl in Wien und Budapest noch die Parlamente tagen, macht sich in unserem Nachbarreiche die Sommerstille bemerkbar, und der Kampf zwischen den beiden Rcichshälften ist einer Art Waffenruhe gewichen. Im österreichischen Abgeordnetenhause konzentriert sich gegenwärtig die Aufmerksamkeit auf die Arbeit des Wahlreformausschuffes, wo um jedes Mandat gehandelt wird wie zwischen Pferdekäufern. Dieser Vergleich trifft insofern auch zu, als die Parteien sich bemühen, einander bei dem Mandatschacher übers Ohr zu hauen. Interessant ist es, daß die österreichische Regierung eine Verlängerung der gegenwärtigen Legislaturperiode anstrebt, angeblich, um genügend Zeit für die Ausarbeitung des neuen Wahlgesetzes zu finden. In Wirklichkeit aber ist es ihr vor allem darum zu tun, die Regelung des wirtschaftspolitischen Verhältniffes zwischen den beiden Reichshälften noch mit Hilfe des alten Hauses glücklich unter Dach und Fach zu bringen, denn darüber gibt sich Freiherr von Beck keiner Täuschung hin, daß auf Grund des neuen Wahlgesetzes jene Parteien, die den schärfsten Kampf gegen Ungarn predigen, die meisten Sitze erobern werden.__________
Erinnerungsfeier an Laufach-Frohnhofen.
(Original-Bericht des Gießener Anzeigers.)
R. B. Laufach-Frohnhofen, 15. Juli
Tie Feier des 10jährigen Gedächtnisses der Kämpfe vom Jahre 1866 hierselbft vollzog sich unter Beteiligung von Tausenden von Angehörigen der hessischen Kriegervercine und zahlreichen ehemaligen bayrischen Kämpfern resp. Kriegerverein^ Mitgliedern. Die hessischen Teilnehmer der Feier, die in drei überfüllten Sonderzügen in der 9. Stunde eintrafen, wurden schon am Bahnhof von einer Anzahl bayrischer Vereine mit ihren umflorten Bannern in herzlichster Weise begrüßt: auch die Kapelle des 2. bayrischen Jägerbataillons aus Aschaffenburg und die Offiziere desselben waren mit ihrem Kommandeur, Oberstleutnant Schuch ardt zum Empfang erschienen. Die Festteilnehmer begaben sich zuerst nach dem herrlich auf einer Anhöhe gelegenen Friedhof zu Laufach, woselbst eine Reche der wackeren Streiter begraben liegt. Hier hielt Pfarrer Fell eine Gedächtnismesse, in tvelcher er mit wahrhaft herzlichen und cdyt deutsch-vaterländischen Worten der wackeren hessischen Gefallenen gedachte und dann der Fügung Gottes dankte, durch welche das deutsche Kaiserreich begründet Ivurbe, sodaß wir uns heut nicht mehr bloß als Hessen, Bayern usw., sondern vor allem stolz als Deutsche nennen könnten. Kaiser Wilhelm, der mit seinen Verbündeten und dem genialen Heer das Deutsche Reich geschaffen, sei in Wahrheit ein edler „Monarch von Gottes Gnaden" gewesen. Mit einem Choral der Kapelle des Hess. Feldart.-Rcgts. Nr. 61 aus Darmstadt, schloß die ernste Feier Im langen Zuge ging's dann nach dem blutgetränkten Schlachtfeld von Frohnhofen, woselbst am Kriegerdenkmal, unmittelbar neben der Hcmptgrnft der Gefallenen, die Hauptfeier stattfand. Hier intonierte die Kapelle des bayrischen Jägerbataillvns zuerst das bayrische Militärgebet und dann hielt der Vorsitzende des Kriegervereins Darmstadt, Hauptmann d. L. Waldecker, eine tief ergreifende Gedächtnisrede. Er warf einen kurzen Rückblick auf die deutsche Geschichte seit 100 Jahren und führte aus, wie auch die Lehren des Jahres 1866 notwendig waren, um endlich ein starkes, geeintes Deutsches Kaiserreich aufzubaucn, das auf den französischen Schlachtfeldern mit dem Blut der wiedervereinten vielen Tausende deutscher Kämpfer errichtet wurde. Neber dem Grabe der 1866 Gefallenen reichten sich die Deutschen Don Nord und Süd die Hand zum Bunde gegen den französischen Erbfeind. Aus dem Jahre 1866 sei nicht Bitterkeit und Groll, sondern nur Kummer und Betrübnis, darüber zurückgeblieben, daß erst hüben und drüben so viel Blut fließen mußte, um zu entscheiden, welche der beiden großen Mächte in Zukunft die Führung in Deutschland übernehmen sollte. Wenn wir uns jetzt am Grabe der teuren Toten wieder die Hand reichen, so tun wir dies in der festen Zuverficht, daß vor vierzig «Jahren zum letzten Mal Deutsche gegeneinander gekämpft haben mögen. Unsere Teueren haben als Heffen und Preußen gedämpft, sie ruhen jetzt als Deutsche, als Angehörige des neuen deutschen Kaiserreichs unter der Erde. Wir schmücken heute, wie ^alljährlich, ihre letzte Ruhestätte mit Kränzen, aber die höchste Ehrung zollen wir ihnen, wenn wir Alle unsere volle Kraft einsetzen, für das, für das sie gefallen sind: für die Eintracht und die ^Macht des deutschen Volkes. Möge es unferm deutschen Vaterland nie an Männern fehlen, die ebenso mutvoll und entschlossen ihr Leben für das Vaterland zu lassen bereit sind, wie unsere hessischen Brüder. Möge uns immer ihr Vorbild vor Augen bleiben. In diesem Sinne legen wir unsere Kränze nieder mit dem Wunsche: Gott schütze Kaiser und Reich und seine fürstlichen Verbündeten, Prinzregent Luitpold und Großherzog Ernst Ludwig von Hessen! — Nach dieser mit tiefer Bewegung aufgenommenen Rede erfolgte die Niederlegung einer großen Anzahl von Kränzen mit Widmungsschleifen. Das Denkmal schmückte bereits ein prachtvoller Eich en kränz des Großherzogs mit rot-weißer Schleife und jE. L. mit Krone. . Den ersten Kranz brachte mit herzlichen Worten Herr Feldgusch im Namen der Kriegerkameradschaft „Haffia". Dann folgten Kränze vom Kriegerverein Darmstadt, vom 2. bayr. Jägerbataillon (durch den Kommandeur niedergelegt vom Offizier- korps des Bataillons, vom bayr. Veteranen-, Krieger- und Kampf- genossen-Verband zu München, vom Beftrlskommando M'chaffen- burg, von den Kampfgenossen der 25. Division (Frankfurt a. M.), von dem Hassiabezirk Mainz, Worms, Dieburg, Bingen, Groß- gerau, von den vereinigten Kriegeroweinen zu Aschaffenburg und endlich ein Kranz mit der Aufschrift: Den braven Gefallenen .der Großh. Leibkompagnie von ifyrem ehemaligen Kompagniechef. Der Vorsitzende der Hassia, Exz. Hof, war ebenfalls zugegen und drückte namentlich den auswärtigen Kranzspendern seinen herzlichen Dank aus. Nach beendeter Feier erfreute sich jeder, soweit es bei den engen Raumverhältnissen möglich war, in den umliegenden Wirtschaften oder den „fliegenden Zeltrestaurationen" längere Zeit der wohlverdienten leiblichen Stärkung. Besonders überfüllt war die Wirtschaft mit der „historischen Kegelbahn", deren versuchte Erstürmung vor 40 Jahren so schwere blutige Verluste erforderte. Vortrefflich funTtionierte während des Festes die freiwillige Tarmstädter Sanitätskolonne, die etwa ein Dutzend Ohnmachtsanfälle zu behandeln hatte. Am Mittag begaben sich fast sämtliche Teilnehmer mit den Extrazügen wieder nach Aschaffenburg zurück, woselbst dann bis zum Abend ein äußerst reges Leben herrschte.
Aus Sta&F itno Land.
Gießen, den 16. Juli.
•* In Audienz empfangen wurde am Samstag ;t>on Sr. Kgl. Hoh. dem Großherzog u. a. der Kaiser!, ruff. Ministerresident v. Doubensky, ferner Kreisamtmann Dr. Lös lein von Büdingen.
*• Personalien. Se. Kgl. Hob. der Großherzog haben den Bibliothekgehilfen an der Technischen Hochschule, Gg. Zink zu Darmstadt, auf sein Nachsuchen aus dem
Staatsdienste entlasten. — In den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer an der Gemeindeschule zu Heusenstamm, Matth. Jos. Rauen, auf sein Nachsuchen. — Ernannt wurde der Gefangenwärter am Landeszuchthaus Marienschloß Joh. Weil zum Gefangenaufseher an dieser Anstalt.
’• Parlamentarisches. Am Freitag, 20. Juli, tritt der Wahlprüfungsausschuß der Zweiten Kammer zusammen; einziger Punkt der Tagesordnung ist Prüfung der Wahl des Abg. Wolf.
** Die Einweihung der Bismarcksaule der Gießener Studentenschaft findet am Abend des Mittwoch, 18. Juli, statt. Das Programm der Feier sieht um 8 Uhr die Aufstellung eines Fackelzuges auf Oswalds Garten vor, von wo um 83/4 Uhr der Abmarsch durch die Westanlage, Seltersweg, Marktstraße und Neustadt nach der Hardt erfolgt. Die auf 9% Uhr angesetzte Feier an der Säule sieht außer gemeinsamem Gesang eine Ansprache des Rektors, ferner die Uebergabe der Säule durch die Bauleitung an den Bismarckausschuß und durch diesen an die Stadt vor. Um 10y2 Uhr beginnt Kommers auf Textors Terrasse.
X Alten-Buseck, 13. Juli. Am 22. d. Mts. wird unserem Kriegerverein die von Sr. Maj. dem Kaiser verliehene Fahnenschleife durch unsere Kreisbehörde überreicht werden. Zu dieser Feier sind die drei hiesigen Gesangvereine, sowie der Turnverein und Kegelklub eingeladen. Auch ist eine gute Musikkapelle engagiert, sodaß man auf einen schönen Verlauf deS Festes hoffen darf.
[ ] Aus dem Ohmtale, 13. Juli. Mit den von der Entwässerungsgenossenschaft zu Schweinsberg projektierten Arbeiten zur Entwässerung eines Teils des WiesengeländcS zwischen SchweinSberq und Rüdigheim dürfte in aller Kürze begonnen werden. ES handelt sich zunächst um 10300 cbm Erdbewegung und 23 000 qm Böschungsarbeiten. Der Plan ist so eingerichtet, daß er auf eine allgemeine Ohmregu- lierung Rücksicht nimmt, die nun doch einmal auSgeführt werden muß, um den bei jedem Regen eintretendcn und sich besonders in diesem Jahre bemerklich machenden lieber« schwemmungen der Ohmniederungen entgegenzuarbeiten.
Frankfurt a. M., 13. Juli. Ein geisteskranker Professor wurde auf dem Hauptbahnhof hier festgenommen und einer Irrenanstalt zugeführt. Der Unglückliche ist der 46jährige Maler Professor Adolf Alt aus Wien. Er versuchte ohne Eintrittskarte zu den Vorstellungen deS Zirkus Schumann zu gelangen, wobei er das Personal mit Nieder- schießcn bedrohte. Wie aus seinen wirren Reden hervorging, wollte er Fräulein Dora Schumann sprechen. Da sich die Dame gerade in der ZirkuSgarderobe befand, versuchte der Professor gewaltsam in diese einzudringen. Durch den Skandal aufmerksam geworden, trat Fräulein Schumann aus der Garderobe heraus und fragte, was es denn gäbe, worauf der Professor erwiderte: „Mein Fräulein, ich möchte Sie malen!" 9U§ Fräulein Sch. hierauf nichts antwortete und wieder in ihr Ankleidezimmer ging, zog der Profestor seinen Revolver, der übrigens nur mit Platzpatronen geladen war, und bedrohte die Zirkusangestellten. Der Irrsinnige wurde zur Bahnhofswache gebracht, wo acht Personen erforderlich waren, den Mann 51t bändigen. Schließlich wurde er überwältigt und nach der Irrenanstalt gebracht. Profestor Alt ist unverheiratet und wohnte seit acht Tagen im Hansa- Haus hier.
Mainz, 13. Juli. Zur Wasserversorgung der Stadt Mainz hat die Bürgermeisterei ein neues Projekt ausarbeiten lassen, nach welchem ein Wasserwerk für 1 300 000 Mark bei Laubenheim errichtet werden soll. (Frkf. Ztg.)
** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Strebendorf wurde der Landwirt August Schmidt zum Beigeordneten erwählt. — In Londorf hat sich ein Klub „Flottcmf" gegründet. — In Betzenrod wurde ein Bahnarbeiter als Leiche aufgefunden. Wie fest- gestellt wurde, starb er an Alkoholvergiftung. — Bei der kürzlich in Lang-Göns abgehaltenen Fahnenweihe der fteiw. Feuerwehr überreichte die Gießener freiw. Feuerwehr einen kostbaren Fahnennagel. — Nach dem bis jetzt vorliegenden Ergebnisse der Ermittelungen über den vorgestern gemeldeten UeberfaH zweier junger Burschen auf ein dreizehnjähriges Mädchen im Wald bei Niederrodenbach, scheint die Annahme berecht tigt, daß das Mädchen die ganze G e s ck i cht e e r s n n de n hat.
Major v. Zander und Genossen vor den Geschworenen.
Breslau, 14. Juli.
Im Prozeß gegen den Major a. D. v. Zander beantragte sein Verteidiger Justizrat Mamroth nach über 5stündigem Plaidöyer vor den Geschworenen Freisprechung seines Klienten in allen Punkten der Anklage. Zander ist, so führte M. ans, ein Mann von einer streng spartanischen Lebensweise und hat, nachdem et des Königs Rock ansgezogen, schwer gearbeitet. Er nriirbe sich nicht gescheut haben, sich auf den offenen Markt zu stellen und Stiefel zu putzen. Ter Verteidiger sucht sodann nachzuweisen, daß der Angeklagte durch den mit Sättig abgeschloffenen Vertrag sich nickt des betrügerischen Banke- rotts schuldig gemacht babe, daß er vielmehr mit diesem Vertrag in erster Reihe die Wsicht hatte, int Interesse feiner Gläubiger zu handeln. Dem Angeklagten ist auch Meineid vorgeworfen. Es ist nicht anzunehmen, daß er wegen 300 Mark einen Meineid schwört. Der Angeklagte hat offenbar das Protokoll nickst richtig verstanden. Es ist falsch, wenn Juristen zu der Ansicht kommen, gebildete Laien müßten die Protokolle verstehen. Der Verteidiger schließt: Der Angellagte schrieb aus dem Untersuchungsgefängnis an einen Freund in Chemnitz: „Ich habe die feste Hoffnung, daß es mir bald gelingt, meine Unschuld zu erweisen und die Freiheit zu erlangen." So schrieb er vor 15 Monaten. Leider ist seine Hoffnung nicht in Erfüllung gegangen. Sorgen Sie durch Freispruch dafür, daß diese Hoffnung sich nun endlich erfüllt.
Nach einer kurzen Pause erhält der Verteidiger der Frau v. Zander, Rechtsanwalt Bi6, das Wort. Aich er plaidiert für Freisprechun g. Frau v. Zander sei sich bei all ihren Handlungen infolge -ihrer Erziehung nicht bewußt gewesen, daß^ sie damit eventuell mit dem Strafgesetzbuch kollidiere. Die Sachverständigen hätten erllärt, daß die Angellagte an schwerer Hysterie leide. Nach dem heutigen Stande der Wissenschaft sei zwisck>en schwerer Hysterie und Geisteskrankheit schwer eine Grenze zu ziehen. Er erinnere ferner daran, daß die Sachverständigen Lesser und Bonhoewer erklärten, fic hätten den Antrag auf Entmündigung der Angeklagten wegen Geistesgestörtheit unbedenklich befürwortet.
Rechtsanwalt L 0 e w i s 0 h n plaidiert ebenfalls für Freisprechung von Lüttig.
Der Staatsanwalt geht noch einmal näher auf den ganzen Sach verhalt ein und schließt: Meine Herren Geschworenen! Es ist Ihre Pfficht, nicht Unrecht gut zu machen, sondern Reckt zu fvrechen. Der Satz tout eomprendre c’cft tont pardonner ist nicht für den Richter da. Der Richter hat zu prüfen, ob der Angeklagte schuldig ist. und wenn er zu dieser llebcr’.cugung gekommen ist, die Schnldftage zu bejahen. Ich bin überzeugt, daß Sie dies tun und die Schuldfrage meinem Anträge entsprechend bejahen werden.
v. Zandep betont nochmals, daß er bei Leistung de- Ossenbarungseides die Wahrheit gesagt habe. Der bernclymcnbe Richter habe gewußt, daß er noch Geld zur Lohnzahlung in der Tasche hatte.
Frau v. Zander und Sättig erklären, daß sie nichts zu sagen haben.
Die Geschworenen ziehen sich hierauf zur Beratung zurück.
In der Nacht wurde das Urteil gesprochen. Die Geschworenen verneinten sämtliche Schuldfragen, ausgenommen die betr. den Betrugsfall gegen Moll in Höhe von 1500 Mark, bei welchem mildernde Umstände zugebilligt romben. Der Gerichtshof verurteilte den Major a. D. v. Zander zu 300 Mk. Geldstrafe, welche Strafe als verbüßt erachtet wurde, sprach die Mitangeklagten Fran b. Zauder und Sättig frei, und beschloß, das Ehepaar v. Zander sofort aus der Hast zu entlassen. Die Kosten des Verfahrens würden, soweit Freisprechung erfolgte, der Staatskasse auserlegt.
Das Puhlillun begleitete den Urteilsspruch mit stürmischem Beifall und brachte auf Zander wiederholte stürmische Hochnife aus. Es dauerte lange, ehe das Publikum den Saal räumte. Das Urteil ivurde trotz der späten Nachtstunde, noch lange in den Straßen Breslaus erörtert.
Der Verteidiger des Majors v. Zander, Justizrat Mamroth, will _ sich bei der Verurteilung seines Klienten zu 300 Mark Geldstrafe nicht beruhigen, sondern Revision beim Reichs- gericht anmelden.
Spielplan der vereinigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus.
Dienstag den 17. Juli *): „Hans Helling." Mittwoch den 18. Juli, abends halb 8 Uhr: „Frühlingsluft/' Donnerstag den 19. Juli: „Tannhäuser." Freitag den 20. Juli: „Der Zigeunerbaron." Samstag den 21. Juli: „Violetta." Sonntag den 22. Juli: „Figaros Hochzeit." Montag den 23. Juli, abends halb 8 Uhr: „Die Fledermaus."
Schauspielhaus.
Von Samstag den 7. Juli bis incl. Freitag den 3. August bleibt das Schauspielhaus geschlossen.
*) Anfang, wenn nickt anders bemerkt, abends um 7 Uhr.
Arbeiterbewegung.
Worms, 11. Juli. Ter Z i m m e r e r st r e i k ist heute nach einer Tauer von 15 Wochen beendigt worden. Es fam zu einer Verständigung auf Grund eines Tarifs, der bis 1908 gilt.
Ober st ein, 14. Juli. Sämtliche hier beschäftigten Maurer, über 400 sind heute vormittag in den Ausstand getreten, weil ihre Forderung auf Lohnerhöhung nicht bewilligt wurde.
Sandel und verehr, VoLTswlVtlchaft.
D e u t s ch e Anleihen. Die allseitig gehegte Hoffnung, daß mit dem Eintritt der Stempeksreiheit für Reichs- und Staatsanleihen mehr Kauflust für die deutschen Staatsfonds eintreten werde, ist nicht in Erfüllung gegangen. Das Gegenteil ist gekommen; statt der Nachfrage ist Angebot eingetreten und die Kurse, die Ende Juni und in den ersten Tagen des Juli etwas anziehen fonnteu, sind sueeessive wieder gefallen. Ueberhaupt herscht nach gewissermaßen gegenwärtig in festverzinslichen Werten, Städteanleihen, Obligationen industrieller Unternehmungen re. eine altsgesprocheneUebervroduktion, sodaß jede Nachfrage vielfach gedeckt werden kann. Die Großbanken sind mit Material so reichlich versehen, namentlich auch noch aus der letzten Reichsanleihe, daß es geraume Zeit dauern wird, bis wenigstens der größte Teil der Staatsfonds Unterkunft gefunden hat.
— Reichsbank. Am 1. August wird in B ü h l (Baden) eine von der Reichsbankstelle in Karlsruhe abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kaffeneinrichtung und beschranktem Giroverkehr eröffnet werden.
Märkte.
3) Der letzte Zuchtviehmarkt inAlsfeld war mit 112 Stück Rindvieh, mit 77 Schweinen und 88 Ziegen beschickt. Sämtliche Tiere waren Herdbuchtiere, also Tiere, welche in die Zuchtregister des landw. Provinzialvereins eingetragen und als solche gekennzeichnet waren. Die Aufstellung der Markttiere war übersichtlich, und Käufer konnten sich mit Hülfe des Marktverzeichnisses leicht orientieren. Der Handel war im allgemeinen recht lebhaft und es wurden Verläufe über 37 Bullen, 2 Rinder, 14 Eber, 3 Sauen und 32 Ziegen und Ziegenbocke im Werte von runb 20 000 Mk. abgeschlossen. Die Preise stellten sich für Bullen, je nach Alter und Qualität, auf 350 bis über 600 Mk. Verhältnismäßig hoch mären die Preise für Zuchtschweine; hier wurden für noch junge Zuchteber über 160 Mk. pro Stuck bezahlt. Im allgemeinen begrüßte inan die Errichtung dieses Zuchtviehmarktes, sowohl seitens der Verkäufer wie Käufer und hofft und wünscht, daß sich aus diesen ersten Anfängen allmählich ein Markt entwickeln möchte, der die Bestrebungen zur Hebung der Viehzucht in der Provinz Oberhessen zu förbem geeignet ist.
Lamilierir-NachVZcbten.
Gestorbene. Frau Katharine Margarete Fleck, geb. Wald- schmitt, Kohden. — Frau Margarete Kruppert, geb. Weber, Schlitz. — Herr Oberzollinspektor a. D., Steuerrat Heitmeyer, Hauptmann a. D. b. 2., Marburg.
Vermählte. Herr Heinrich Curschmann, mit Frau Minna Curschmann, geb. Jung, Alzey.
Monatliche Ilrbrrlidjt der Todesfälle in Eichen. Monat Jnni 1906.
Einwohnerzahl: angenommen zu 29 500 (iukl. 1600 Mann Militär.) Sterblichkeitsziffer: 22,37°/pn, nach Abzug von 18 Ortsfremden: 15,00 Vco.
Kinder
Es starben an: Zusammen: Erwachsene:
im
vom
1. Lebensjahr:
2—15. Jahr
Diphtherie
Tuberkulose der
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—
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Lungen
Tuberkulose anderer
7
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Organe
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1
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Lungenentzündung
Anderen Krankheiten
4
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der Atmungsorgane 3 (1)
1
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2(1)
Herzkrankheiten
3(2)
3(2).
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Gehrrnschlag Anderen
3
3
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Gehirnkrankheiten
2
1
1
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Darmkatarrh
1
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1
—
Neubildungen
9 (4)
9(4)
—
—
Verunglückung
6(4)
4(4)
—
2
Lebenssckwäche
5(1)
•—
5(1)
—
anderen Krankheiten
8(4)
4(4)
1
3
Summa: 55 (18) 35 (15) 9 (1) 11 (2)'
Anm.: Tie in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.
Die abnormen GärnngSvorgänge int Magen-Darmkanale der Säuglinge, welche bei krankhaften Störungen des Darmes, besonders bei den mit Kuhmilch ernährten Kindern, austreten, werden durch die Ausschaltung der Milch aus der Ernährung und deren Ersatz durch KufekeS Kindermehl — in Wasser gekocht — sehr rasch beschrankt : das Erbrechen hört auf und auch der Stuhlgang wird o't ohne jede weitere Medikation wieder normal. Knfekes Kinder- mehl wirkt gärungswidrig, da die in demselben enthaltenen pflanzlichen Eiweißstoffe den Krankheitsstoffen einen viel schlechteren Nährboden barbieten als die tierischen. Knfekes Kindermehl wird selbst vorn erkrankten Magen-Darmkanale gut verdaut und aufgesogen und kann sehr gut zur ausschließlichen Ernährung der Kinder dienen. Nach vollständiger ©enehing kann man zu dem Kniete Kindermehle wieder Kuhmilch zufügen, die durch dasselbe im Magen des Kindes seinflockiger gerinnbar und dadurch leichter verdaulich gemacht wird.


