(1871) bedroht Wirte mit Geldstrafe bis zü 20 ML, wenn sie Schülern gegen bestehende Verordnung den Besuch ihrer Wirtshäuser gestatten. Eine ministerielle Vcrord- nung vom 9. Juli 1879 untersagt den Schülern der Volks- oder Fortbildungsschule, überhaupt den Schülern des entsprechenden. Alters den Besuch der Wirtshäuser und Tainlokale. 2. In Württemberg soll TanzcrlaubniS in der Regel nur unter der Bedingung erteilt werden, daß junge Leute vor noch nicht zurückgetegtcm 16. Lebensjahr ausgeschlossen werden. 3. In Bapern ist landes- gesetzliches Verbot für Sonntagsschulpflichtige. 4. In der Provinz Hessen-Nassau haben mehrere LandratSämter (Fulda, Hersfeld, Höchst a. M., Hofgeismar) ähnliche Verbote erlassen. In der Tat hängt der Erlaß solcher Verbote aufs engste mit der Aufgabe zusammen, sowohl der staatlich eingeführten Fortbildungsschule zu einem wirklichen segensreichen Gedeihen zu verhelfen, als auch --- was die weibliche Jugend betrifft — Anstand und gute Sitte aufrecht zu erhalten. Mehr und mehr erkennt man die Pflicht des Staate?, volkser'-icberisch zu wirken. Will der Staat Bürger, die von den ihnen verliehenen Rechten einen würdigen Gebrauch machen, so hat er auch die öffentlichen Mißstände zu beseitigen, welche die zukünftigen Staatsbürger sittlich und physisch zu schädigen drohen.
Der Ausschußbericht schließt:
Hohe Svuodc wolle im Verein mit der obersten .Circhcnbehörde an die Großh. Staatsregierung die Bitte richten, baldigst dey Landständcn eine Gesetzesvorlage zu machen, durch welche der Wirtshaus - und Spinnstubenbesuch seitens jugendli ch er Personen bi§ zum vollendeten 17. Lebensjahr untersagt oder doch in geeigneter Weise b e s ch r ä n k t wird.
Der Präsident bemerkt hier'.u. daß sich der Ausschuß entschlossen habe, die Worte „und Spinnstuben" wieder zu streichen.
Syn. Pfarrer W i d m a u n - Darmstadt verlangt die Bei- Vehaltung dieser beiden Wörter, man höre von den Spinnstuben allgemein nichts Gutes.
Shu. Dr. Gerb ard-Michelstadt bemerkt, es gebe in Oberhessen auch noch gute Spinn st üben: er beantrage aber, die Altersgrenze auf 16 Jahre festzusctzen.
Syn. Geh. Reg.-Rat Dr. Melchior-Darmstadt meint, wo die Spinnstuben einmal eingebürgert seien, könne man sie nichts fo ohne weiteres wieder abschaffen. Gegen etwaige Ausschreitungen besäßen ja d'e Behörden die nötigen Mittel: auch er beantrage, die Altersgrenze auf 16 Jahre feftzusetzen.
Syn. Pfarrer Köhler Trebur meint, wenn man die jungen Leute aus den Wirtshäusern oder Spinnstuben verjage, so hielten sie sich auf der Gasse auf und das wäre noch schlimmer.
Svn. Pfarrer D i u g c l d e y - Darmstadt beantragt noch das Wort ..unbeaufsichtigt" hinzuzufügen.
Schließlich wird her Antrag des Ausschusses einstimmig mit der Abänderung angenommen, „daß der unbeaufsichtigte Wirts Hausbesuch seitens jugendlicher Personen bis zum vollendeten sechzehnten Lebensjahr untersagt oder doch in geeigneter Weise beschränkt wird".
Darauf gelangt die Vorlage des Oberkonsistoriums, bete, ein G e m e i n d e st a t u t der f r a n z ö s i s ch r e f o r- mierten Gemeinde -u Offenbach, in welchem zur Feier des hl. ?lbendmahls
der Gebrauch des EtuzeltelcheS
festgesetzt wird, zur Beratung.
Das Oberkonsistorium beantragt die einstweilige Genehmigung desselben.
Die Ausschußmehrheit beantragt jedoch die Versagung der Genehmigung, während die Ausschußminderheit-die Genehmigung beantragt. Ein Kompromißantrag endlich will die endgültige Genehmigung zurzeit versagen, jedoch die einstweilige Beibehaltung des jetzt schon bestehenden Provisoriums genehmigen. Der letzte Antrag wird mit großer Mehrheit angenommen. lieber die Eingabe des Vorständeverbandes der evangelischen Iunofrauenvereine Deutschlands, betr.
die Pflege der Jugend unseres Volkes
hat der dritte Ausschuß durch seinen Referenten Pfarrer Sa ck-Boscnheim folgenden Antrag gestellt:
Die Synode wolle:
1. an das Großh. Oberkonsistorium das Ersuchen richten, dasselbe möge auch fernerhin den Unternehmungen,
kraft eines vulkanischen Temperaments eigen. Die schöne Sprache des Gedichtes, in der so reizend der Schillersche Gedankenrhythmus anklingt, erfüllt sie ohne viel zu klügeln, ohne in Pathos zu verfallen, mit der vollen Herzlichkeit der Situation. Das Formale ist bei ihr nicht alte Schule, ohne ganz die neue zu sein. Sie ist weder Rhetorin noch Realistin, oder vielmehr beides in rechtem Verein. Sie strebt nicht so nach monumentalen Wirkungen, wie es die Clara Ziegler tat, weder in Sprache, noch Spiel, noch Gesten. Zu wechselvoll ist dazu das Spiel ihres Antlitzes, zu lebhaft, das vielleicht überhaupt allzu lebhaft ist. Der Schönheitslinie der Della- mation geht sie nicht in zu fühlbaren Linien nach, und sie läßt nicht allein edle, volltönende, schön klingende Worte vernehmen, sondern diese Worte besitzen Seele, die Seele einer eminent klugen, leidenschaftsstarken, hohen Frau, ohne daß sie freilich den Eindruck des Jmpulstven, momentan Erzeugten erweckten. Dazu ist Fran Poppe doch allzu sehr Virtuosin. Wohl hat ihre Sappho viel von starrem lieber- Menschentum, aber doch auch, namentlich in den ersten Akten, Rein-, ich möchte säst sagen: Kleinmenschliches. Im ersten Akte ist sie ganz Weib, ganz Freude, ganz Liebe. Demütig bittend sucht sie nach einem Liebesblicke PhaonS. Dann folgen auf Qualen des Zweifels Farben der leidenschaftlichen Eifersucht und eS wächst ihr Temperament zu Gewaltigem und Gewalttätigem. Was die Stimme der Künstlerin an Tragkraft und physischer Stärke besitzt, hat sie im 3. und 4. Akt selbst für Schwerhörige bewiesen. Das Lied an Aphrodite, das das Finale des 1. Aktes auSmacht und das Grillparzer einer echten Sappho'schen Ode nachbildete, sowie der resignierte Abschied von ihren Lieben und an die Welt — das waren Momente, in denen sich virtuose Technik und echte Innerlichkeit zu einem Ganzen von höchstem Reiz verbanden und womit sie den Zauber dieser wundervollen Verse seltsam lebendig zu wecken wußte. — Falsch gewählt war ihre rotblonde Verrücke. Phaon spricht von ihrer .Locken rabenschwarzer Nacht*.
Auch im übrigen kam die Vorstellung den Intentionen deS Dichters sehr nahe, wofür, neben dem berühmten Gaste, auch die Rühmlosen durch wiederholten lauten Beifall ent
weiche die Fürsorge für die Jugend sich zur Aufgabe machen, seine freundliche Stellungnahme bewahren und durch die Superintendenten, Dekane und Pfarrämter, wo angängig, zur Einrichtung von Jünglings- und Jungfrauenvereinen und Vertiefung ihrer Arbeit:'anregen.
2. Ihren Ausschuß für Innere Ession damit betrauen, gegen Schluß der Tagung über die Wirksamkeit der in der Jugendpflege arbeitenden Anstalten und Vereine der Synode Bericht zu erstatten.
Dieser Antrag wird von der Synode angenommen, ebenso der Antrag des Oberkonsistoriums auf Bewilligung von jährlich 200 Mk. für die Abteilung für hessische Kirchengefchichte und auf Nachforderung von jährlich 60 Mk. mehr für die deutsch-evangelische Stiftung für Altertumswissenschaft des heiligen Landes.
Die Vorlage des Oberkonsistoriums, betr. die Mitgliedschaft des zweiten Geistlichen des Diakonissenhauses „Elisa- bethenstift" zu Darmstadt, bezügl. der geistlichen Witwenkasse wird dem Antrag des Ausschußreferenten Oberamtsrichter Wahl-Schlitz entsprechend ebenfalls angenommen.
Der Pväsident vertagt darauf die weitere Beratung auf morgen. _____________________________________
politische Cage-scharr.
„Fleischnot und Brotverlenerung".
Eine unter diesem Titel bei H. S. Hermann in Berlin erschienene Broschüre behandelt dieses Thenra. Der Verfasser führt folgendes aus: Der Brotgetreidepreis setzt sich, abgesehen von den Kosten des Bäckers, zusammen aus dem Getreidepreis, den Transport- und den Fabrikationskosten. Die Getreideproise sind bereits durch unsere jüngste Zollgesetzgebung in die Höhe geschraubt worden. Der jetzige Getreidezoll bedeutet eine Verteuerung von 7,3 Pfennig vro Kilo Weizenmehl und 7,7 pro Kilo Roggeumchl. Auch die Aufhebung der zollfreien Getreideläger in Deutschland hat eine preissteigernde Wirkung inbezug auf das Getreide hcrvorgernfen. Die Transportkosten sollen neuerdings auch versteuert werden durch die Schisfahrtsabgaben. Es bleiben noch die Fabrikationskosten übrig. Diese sollen nun ebenfalls durch eine neue Rcichssteuer, eine staffelförmige Mühlen Umsatz st euer künstlich erhöht tv'rbeu. Wenn diese Steuer eingeführt werden sollte, so wird der Mehlpreis unbedingt sofort bedeutend st c i g e. n; die größeren Mühlen wären notgedrungen gezwungen, die Steuer auf die Konsumenten abzuwälzen. Obwohl man nun zu unserer deutschen Reichsregierung und Volksvertretung das Vertrauen haben kann, daß sie bei den ohnehin schon exorbitant hohen Viktualienpreisen zu einer weiteren Verteuerung des wichtigsten aller Lebensmittel, des Brotes, nicht die Hand bieten werden, so wird doch das konsumierende Publikum gut tun, sofort die erforderlichen Abwehrmaßregeln zu ergreifen, damit die Regierung und die Volksvertretung über die Stellung des Publikums der Mühlenumsatzsteuer gegenüber nicht im Un- klaren bleiben. __________
Vermischtes.
* EineSchwindelaffare nach Art der Küpen ick er wird auch aus Perpignan in Frankreich gemeldet. Am 31. Oktober kam im Bahnhof von Gerberre ein eleganter, etwa 30jähriger Herr an. Er befreundete sich mit den Offizieren des 24. Kolonial-Infanteriercgiments, denen er sich als Neffe des Ministerpräsidenten Clämenceau vorstellte und erzählte, er sei kürzlich zum Dizekonsul ernannt worden. Die Offiziere sowie der Unterpräfekt von Beret war entzückt, die Bekanntschaft des Diplomaten zu machen, welcher einen so einflußreichen Mann zum Onkel hatte. Nachdem er eine große Anzahl der Herren an- geborgt hatte, reiste der „Neffe" werter. Erst später erfuhr man durch Zufall, daß er ein Schwindler war. Der falsche Vizekonsul war in Tarragona gewesen, hatte sich als der Nachfolger des bisherigen Vizekonsuls vorgestellt rind von seinem Posten Besitz ergriffen. Bald war er unter Mitnahme offizieller Papiere und anderer Gegenstände verschwunden.
*KleineTagcsck>ronik In Berlin hat ein Liebesdrama einen blutigen Abschluß gesunden. Ter 24 jährige Student der Medizin Erwin Kundt versuchte seine Gc° liebte, die 19jährige Dina MarcuS, und dann sich selbst zu erschießen. Während gelingen dürfte, das Mädchen am Leben zu erhalten, wird der Student schwerlich mit dem Leben davonkommen. Tas Motiv der Tat ist Eisersucht. — In der Nacht zum 11. Nov. wurde der Besitzer Bertscheit in Namutten er-
schädigt wurden. In der Rolle der Melitta, der jungen, halb noch kindlichen Sklavin, trat Frl. Marg. Hübler auf. Der sehnsuchtsvollen Beklommenheit des Herzens, dem Weh- gefühl der Verlassenheit, der verbotenen Liebe und der Schuld gab Frl. H. einen überaus zarten und elegischen Ton, in dem sich die Grundfarbe deS kaum zum Bewußtsein erwachten KindergemüteS mit in aller Geistesarmut reizender und hülf- los rührender vollkommener Naturechtheit ausdrückte. Die entscheidenden Momente erhoben sie freilich kaum zu stärker pulsierendem Leben unb verliehen darum der außerordentlich liebenswürdigen Gestaltung ein nur schwaches dramatisches Relief. Der Name „Melittion* bedeutet „Bienchen". Etwas von dieser heiteren Leichtlebigkeit muß der Figur im Gegensatz zu der ernsten Denkerin Sappho bleiben. Frl. H. war allzusehr Tränenkrüglein. Ihre Sprachtechnik ist noch nicht ganz vollendet.
Dem erst zu träumerischen und bann zu raschen Phaon. ber einen Edelstein um einer Rose willen wegwirst, wahrte der durch die Schönheit ber Erscheinung einnehmenbe Herr Roberich Arndt in der Schwärmerei wie auch in ber, nicht sonderlich starken Leidenschaft trotz Bemühens nicht das Ungestüm und die frische siegfreudige Naivität deS unerfahrenen Jünglings. Maßvoll angedentet waren die Unbeholfenheit unb die Verlegenheit deS Fremden. Einwandfreie Leistungen eines klug durchdachten Zusammenspiels waren die Szenen nach dem Traum, ber Beschützung Melittens unb endlich die ber einsichtigen Reue. Im ganzen aber blieb er mehr konventionell als wünschenswert. Den Rhamnes gab in seiner Hauptszene Herr Paul Pauly mit packenber Gewalt. Frl. Adele Werra war eine freundliche und tüchtige, umsichtige Eucharis. Nur in ihrer im ganzen gut phrasierten großen Rede bemerkte ich keine rechte Steigerung, sodaß ber Vortrag etwa? einförmig erschien.
Da die Zwischenakte nur kurz waren, so spielte sich das Drama in knappen 21/, Stunden ab. DaS zahlreiche Publikum schien sich auch für die Dichtung außergewöhnlich zu interessieren. P. W.
mordet und beraubt und sein Geböste in Brand gesteckt. Als Täter ist jetzt ein angeblich russischer Deserteur namens Ptisch- für, der bei Bertscheit im Dienst stand, in Russisch-Krottingen verhaftet worden. —Der Massenmörder Dl t t r i ch in D r e s d e n ist jetzt als geisteskrank dauernd in der Jrrenabteilung des WaldHeimer Zuchthauses interniert worden. — Der Vizepräsident der Corn merz bank in Sosnowkee, von Iaginski, hat sich am Montag Abend in einem Hotel in Kattowitz e r s ch o s s e n. — In Magdeburg wurden der Agent Bonatz, dessen Frau und ein Friseur sestgenommen wegen Verbrechens gegen § 218. Ihr Treiben wurde infolge des Todes eines jungen Mädchens an Blutvergiftung entdeckt. — In Z ü r i ch überschüttete ein 60 jähriger Stellmacher seine Frau während eines Ehestreit? m i t B e n z i n u n d z ü n d e t e sie an, als furchtbare, wandelnde Feuersäule rannte die Unglückliche auf die Straße, bis sie zusammensank. Der Unhold wurde verhaltet.
Märkte.
te. Franks irrt a. M., 18. Nov. f)tu- unb Stroh- marf t. Man notierte: Heu Mk. 3.20 bis 3.60, Stroh Mk. 2.80 bis Mk. 3.00. Alles ver 60 Kilo. Der Markt war bei lebhafter Nachfrage und fester Tendenz rasch aeräumt.
Telefonisch® Kursberichte
des Giessener Anzeigers, miteeteilt von der Bank fllr Handel nnd Industrie. Giessen.
Frnnkfnrter Börse 3%e/o Iteichsnnleihe . . 97.85 3% do. . . 86.00 3^70 Konsols .... 97.75 3% do 86 10 3%°/0 Hessen .... 97.20 "14% Oberhessen . . . —.— A % Oesterr. Goldrente. . 99.50 4’/8 9i> Oesterr. Silberrente 100.00 4% linear. Goldrente . . 95.15 4°£ Italien. Rente . . . 103.10 3 "6 Portugiesen Serie I . 69.10 3% Portugiesen III 69.30 4}£°/0 rnss.Staatsanl. 1905 89.30 4x/i0'<x japan. Staatsanleihe 92.45 4 -6 Conv. Türken von 1903 93.70 Tilrkenlose 146.80 4% Griech. Monopol-Anl. 52.50 4% äussere Argentinier . 88.50 3% Mexikaner . . . 97.30
4X°/0 Chinesen .... 96.10
Aktien:
Bochum Guss .... 234.00 Buderus E. W . ... —.— Tendenz: ziemlich fest.
Berliner Börse, 14.
Canada E. B 176.80
Darmstädter Bank . . . 137.60
Deutsche Bank .... 238.20
Dortmunder-Union C. . . 80.50 Dresdner Bank .... —
Tendenz: fest.
14. November, 1.15 Uhr.
Elektriz. Lahmever . . . 140.00 Elektriz. Schnckert . . . 124.60 Esch weiler Bergwerk . . 239 60 Gelsenkirchen Bersrwark . 222.50 Hamburg-Amerik. Paketf. 155.50 Harpen er Bergwerk. . . 212 80 Laurahfltte ..... 242.00 Nordd. Lloyd 125.30 Oberschles. Eisen-Industrie 124.50 Berliner Handelsges . . 170.00 Darmstädter Rank . / . 137.90 Deutsche Bank . . . 238.00
Deutsch-Asiat. Bank . . 167.60 Diskonto-Kommandit. . . 181.50 Dresdner Bank . . . 155.10 Kreditaktien 211.30 Baltimore- und Ohio-
Eisenlahn * . 119.50
Gotthardbahn..... —.—
Lombard. Eisenbahn . . 34 60 Oesterr. Staatsbahn . . . 144.30 Prince-Heuri-Eiseubahn . 148.00
November. Anfangskurse.
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In einer seiner Schriften über sein eigenes Schaffen äußert sich Grillparzer selbst über die Entstehung von Sappho folgendermaßen: ,Jch habe die beiden Stücke Ahnfrau unb Sappho jedes in etwa drei Wochen vollendet — auS Geldmangel. Scherzend pflegte ich oft zu sagen: Die Ahnfrau hat den GeorgizinS und die Sappho den Michaelizins geschrieben." Aus dieser finanziellen Bedrängnis half ihm Graf Stadion, der ihin eine Anstellung als Hoftheaterdichter auf fünf Jahre mit 2000 Gulden Gehalt verschaffte.
Auf Anfrage sei mitgeteilt, daß Rosa Poppe, die in diesen Tagen mit ihrem Ensemble in Köln als Mcdea gastierte, eine Ungarin ist. In Pest wurde sie 1867 geboren; Felix Schweighofer erkannte ihr Talent für das Hochdramatische bei Gelegenheit ihres Engagements am Karl- theater in Wien. 1886 wurde sie in Augsburg, 1887 in Hamburg verpflichtet. Rach ihrem Auftreten im Eisenzahn in Wiesbaden im Februar 1900 wurde ihr vom Kaiser der bis dahin nicht existierende Titel einer Kgl. preußischen Hofschauspielerin verliehen, den sie allein trägt.
— In 60 technisch vollendeten Kupferdruck- blättern bringt das Jnbilänms-Prachtwcrk „Rembrandt in Bild und 2$ ort", herauSgegeben von Geheimrat Dr. Wilhelm Bode imh Dr. Wilhelm Valcntiner (Rich. Bong, Berlin W. 57, Preis pro Lfg. Mk. 1,50), von welchem Lfg. 13—15 vorliegt, die charakteristischen und bedeutendsten Meisterwerke Rembrandts in einem den Zauber und die Stimmung der Originale auf das Getreueste wieder* gebenden Verfahren. Aber auch die Wahl dvr Textillustr» tionen, welche teilweise noch nie publizierte Abbildungen nach Gemälden Rembrandts, wie die grausig packende Blendung Simsons aus dem Städelsch.en Institut in Frankfurt, bringen, zeigen die intime Kenntnis der Herausgeber in dem Lebenswcrk des Meisters. Dazu ein Text, der zu den besten zu rechnen ist, welche über Rembrandt geschrieben wurden. Alles in allem: eine Erinnerungsgabe an einen Großen im Reiche der Kunst, edel und vornehm, deS großen Meisters würdig. „Rembrandt in Wort und Bild" wird in kunstfrcundlichen Häusern für das bevorstehende WMi nachtsfest ein hoch willkommener Schmuck sytu.


