Ausgabe 
14.7.1906 Viertes Blatt
 
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Nr. 163

Rotationsdruck und Verlag bei Brübl'fchr« Universitätsdruckerei. 9L Lange, Ttetzea.

Redaktion. Expedition ».Druckerei: Schulstr.A. Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr.: Anzeiger Otefeen.

Erscheint tSglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGiehener §amilirnbläiter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der -hessische Landwirt' erscheint monatlich einmal.

Viertes Blatt. LZG. Jahrgang Samstag 14. Juli 1906

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Aas gutmütige A^ulschland.

Man schreibt uns aus Berlin:

Ms Baron v. Rosen seinerzeit cs war kurz vor Beginn der M a r o l i o a s s ä r e seinen Kamelritt in das Reich des allerchristlichsten Königs und .Halsabschneiders Menelik unter­nahm, da lachten die l'eutc, die immer aus der Bant der Spötter zu jißeit pflegen. Abessinien was ist uns Abessinien! Im Ausland aber hat man nicht gelacht. Mit Mißtrauen uer­folgte man die Fahrt des Barons, mit Mißtrauen vernahm man die Kunde von der sreundliäzen Ausnahme, die Herr v. Rosen bei Sr. äthiopischen Majestät gesunden lz-atte, und mit noch größe­rem Mißtrauen nahm man davon Kenntnis, daß Deurschland sogar einen faktischen Handelsvertrag mit König Menclii abge> schlossen bat; Urplötzlich sahen die üeute von der Bant der Spötter, daß ein großes inrernationales Wettrennen um die Gunst des Königs Menelik anhub.

Italien, das von Menelik so fürchterlich verprügelte, Frankreich, das in Abessinien verhältnismäßig wenig zu tun hat, England, dessen Interessen gleichfalls zum größten Teil nur politisch sind, haben sich zusammengetan und nach langen Beratungen einen Bertrag über Abessinien abgeschlossen. Der Vertrag ist geheim daß er aus eine Aufteilung des Königreichs, vorerst freilich nur in Interessensphären, hinausläuft, tann man sich, wenn man sich die Herrschaften an- fieht, an den fünf Fingern abzählen. Der Zweck dieses Abkommens ist natürlich der, den deutschen Einfluß in Abessinien auszu sch alten und Deutschland aus Aethiopien hin auszu werfen, wie es faktisch aus Marotto hinausg'e- morsen ist. Nun war es interessant, wie sich unsere ossiziösen Stellen zu der ganzen Airgelegenheit stellten. DieNordd. Allg. Ltg.", die sonst so redselig sein kann, hat den Mund nur aus­gemacht, wenn die Verleumdungen in den englischen Blättern gar zu dick kamen. Die Leute jenseits des Kanals mußten uns nämlich nachzusagen,'daß ivir Menelik gegen die drei Machte aus- hetzten. Sie wußten, daß der deutsche Bevollmächtigte sich hinter einen Weiberrock, den der holden Gattin Mcncliks, gesteckt habe, um gegen England, Frankreich und Italien zu intriguiercn. Das hat das ofsiziöse Organ mit hrftigeir Worten zurückgewicsen, aber über das Abkommen selbst hat cs vollständig geschwiegen.

Frankreich und Italien hielten sich von Verdächtigungen Deutschlands diesmal frei, das muß anerkannt werden. Das Abkommen selbst aber scheint für uns einer dankenden Aner­kennung keineswegs wert, denn es läuft auf eine wirtschaftliche Schwächung des deutschen Rcicli-es hinaus. Der Vertrag ist, wie offiziös behauptet wird, von Italien in Berlin notifiziert »norden. Die drei Verbündeten sind also wenigstens nicht in den Fehler verfallen, den England und Frankreich bei ihrem separaten Marokkoabkommen begingen. Es fragt sich nun, ob Deutschland beit Vertrag ohne Weiteres anerkennen wird. Wir zweifeln nicht daran, denn es hätte sich im Voraus rühren müssen, wenn es etwas erreichen wollte. Und der Vertrag wird, daran ist kein Zweifel, auch abgeschlossen, ivemt Deutschland dagegen protestiert. Warum sich also sonderlich sperren?

Wir sind neuerdings gar sehr gutmütig ge­worden. Die Fährlichkeiten, in die uns das marokianische Abenteuer stürzte, hchien uns ängstlich gemacht, und es scheint, daß wir in Zukunft lieber irgendwo Haare lassen, als^uns neuer­dings die Finger verbrennen wollen. Das ist ein Standpunkt, gegen den sich doch sehr viel einwenden läßt, zumal wenn man in Berücksichtigung zieht, daß Deutschland infolge seiner Uebcr- bevölkerung darauf angewiesen ist, die Grenzen seiner Wirtschafts­politik immer weiter zu stecken.

Oder gibt uns am Ende die Gesinnung des Königs Menelik die Gewähr dafür, daß uns das englisch-französisch-italienische Ab­kommen nicht aus Abessinien ausschließen kann? Das wäre eine Möglichkeit, die das deutsck)e Schweigen begreiflich erscheinen ließe, und wir möchten an diese Möglichkeit um so lieber glauben, weil sie unserem nationalen Stolz zuträglicher erscheint, als das Zu- rückweichen vor dem abessinischen Dreibund. Es hat nicht den Anschein, als wenn sich Menelik, dieser merkwürdige Christ, über den Löffel barbieren ließe, und cs ist nicht unmöglich daß die drei Verbündeten da unten die Lunte an ein Pulverfaß legen, das mit großem Krach in die Luft gehen kann.

Menelik hat die Italiener mit blutigen Köpfen heimgeschickt. Die Tinge stehen nun, da England und Frankreich sich auf die italienische Seite gestellt haben, so, daß cs dem König kaum gelingen würde, sich dieser drei Gegner zu erwehren, und das; er sich deshalb um Bundesgenossen umsieht. Dazu ist jetzt gerade der günstige Augenblick. Die panislamikischc Bewegung wächst immer bedrohlicher. Da ändert es gar nichts an der Geschichte, daß Menelik Christ ist er würde sich ohne Weiteres mit den Muselmanen verbünden. Afrika ist im Aufruhr: die Engländer und die Franzosen können da genug zu tun bekommen. Die Kaffern, die Kulis, alle schwarzen Mohainedaner das ist eine Herde Teufel, die zwar schlecht bewaffnet ist, aber in ihrer Neberzahl doch schließlich die Weißen aus dem schwarzen Erdteil hinaustreiben kann. Das ist zu bedenken, und hoffentlich hat man das auch in Berlin bedacht und ist deshalb so ruhig und so gutmütig geblieben. Dann ist für uns die Geschichte ja in Ordnung was die drei Verbündeten da unten erleben, kann uns dann ziemlich gleichgiltig sein.

LsUtische Lagesschar».

Vom nächsten sozialdemokratischen Parteitag.

DerVorwärts" veröffentlicht bas Programm des auf den 23. September nach Mannheim cinberufenen Par­teitages. Von den Programmpunkteu seien hervorge­hoben : Maifeier (Berichterstatter Fischer-Berlin), M ässe u- streik (Au g ust B c b e l), internativn. Kongreß (Singer), Sozialdemokratie und Bollserziehung (Schulz und Klara Zetkin).

Auf dem Parteitag wird zweifellos im Vordergründe die Frage des politischen Massenstreiks stehen. DerVor­wärts" brachte erst in diesen Tagen mehrere lange Artikel, die den Massenstreik behandelten. Darin wurde nicht un­deutlich zu erkennen gegeben, daß die politischen Führer der Partei, in erster Reche Bebel, die Waffe des Massen­streiks, und zwar einer lvirknngsvollen, auf längere Tauer berechneten Arbeitsniederlegung, im gegebenen Augenblick mit aller Wucht anzuwenden gedenken: daß aber die Ge­werkschaftsführer noch keineswegs das Verständnis für dieses proletarische Kampfmittel besitzen. Ohne die Gewerkschaften sei der Massenstreik nicht durchzuführen. Folglich müssen die GewerkschaftsL'eise aufgeklärt werden. Der s o z r a 1 d. Partcivorstand und die Generalkommrssr on derGewerkschaften befinden sich augenscheinlich ntcht in harmonischer Eintracht. Seit den Geheimverband lungen vom Februar d. I. sind allerlei Enthüllungen er­folgt zum Thema Partei und Gewerkschaften. Eben wieder kann dieLeipz. Volksztg.", bet, im frechen fröhlichen Durcheinander am meisten wohl ist, eine neue bemerkenv- werte Enthüllung machen. Darnach haben dte Gewerkicha,^en die Forderung abgelehnt, nach einem pollttjcheu .)kasfon- streik für die Unterstützung der Gemaßregelten etnzutreten.

Jetzt enthält nun derVorwärts" einen feierlichen, bei­nahe zeremoniösen Schriftwechsel zwischen dem sozialdemo­kratischen Parteivorstand uno der Generalkommission der Gewerkschaften. Der Parteivorstand möchte, da ja nun doch einmal von der Geheimberatung der Gewerkschaftskonserenz so mancherlei durchgesickert ist, den Abschnitt des Protokolls demVorwärts" zur Verfügung gestellt wissen, der von Partei und Gewerkschaften handelt. Tie Generalkommisfion bescheidet äußerst höflich, aber kalt diesen Wunsch, ablehnend. Der Parteivvrstand seinerseits läßt nicht locker, er schlägt, ebenfallsmit Parteigruß" vor, die Teilnehmer der Kon­ferenz über die Auslieferung des Protokolls zu befragen. Ter Parteivorstand wird am besten wissen, weshalb er soviel Wert legt auf die Freigabe. Jedenfalls soll die Kritik an den Beratungen den Parteivorstaud gegenüber den Gewerkschaften glänzend rechtfertigen. Tas Weitere wird dann Bebel in einer fulminanten Rede auf dem Parteitag besorgen. MMaeev-DW- -* r|-i 11 im i.lj m hi u ti _i iri _ ji u .[»i

Sitzung der StadtVerordneten.

Gießen, 12. Juli 1906.

(Schluß.)

Straßen- und Gelände-Ange'cgenheilen.

L. R o t h e n o c r g e r Ww. hat ihr Besitztum am Neuen­weg der Stadt für 80 000 Mk. (400 Mk. für den Quadrat­meter) zum Kauf angeboten. Da diese Forderung über­trieben hoch ist, sah die Baudeputation von einer weiteren Verhandlung ab. Tie Versammlung ist hiermit einver­standen.

Dem Erwerb von 21 Quadratmeter Straßen- land von Friedr. Carle für 210 Mk. und von 26 Quadrat­metern von K. Meher für 260 Mk. am Wetzlarer Weg wird zugestimmt.

Die Verbreiterung des Bürger st eig- Pflasters vor dem Haus P l o ck st r. 9, um die von der Firma Abcrmann und Kling gebeten wurde, sollte auf Kosten der Gesuchstelter von der Stabt ausgeführt werden. Sie ist inzwischen von der Firma selbständig hergestellt worden, weshalb die Beschlußfassung ausgesetzt wird.

Die schon früher genehmigten Pläne über die Umgestal­tung des Landgraf-Philipps platz es wurden etwas geändert, um eine bessere Aufstellung der Marttfuhrwerke zu ermöglichen. Tie Versammlung ist hiermit einverstanden.

Die Eisenbahnverwaltung erhält die erbetene Erlaubnis, den Wetzlarer Weg mit einer Fer n sp rech lei tun g zu kreuzen, gegen eine jährliche Anerkennungsgebühr von 1 Mark.

Für die Lieferung von K l e i n p f l a st e r st e i n e n zur Herstellung der Hammstraße war ein Ausschreiben er­folgt, die dabei eingegangenen Proben wurden zusammen mit Proben aus den städtischen Brüchen an die geologische Landesanstält zur Untersuchung gesandt. Tie Prüfung hat ergeben, daß die Steine aus dem städtischen Bruch die besten sind. Es wird deshalb beschlossen, diese für die Pflasterung der Hammstraße zu verwenden. Stadtverordn. Eichenauer bittet, mit Rücksicht auf den Geschäftsverkehr die Hammstraße noch in diesem Jähr herzustellen. Stadtv. Schmält unterstützt dies, auch in der letzten Sitzung der Handelskammer seien über den dortigen Straßenzustand berechtigte Beschlverden laut geworden. Stadtv. H eich l- heim meint, auch die Eisenbähnverwaltung könne zur Besserung der Verhältnisse beitragen. Ter Vorsitzende sagt möglichste Förderung der Angelegenheit zu und be­merkt weiter, er habe Veranlassung genommen, den Miß­stand zu beseitigen, baß von der Vichwagenreinigungs- anstalt Passante'u belästigt würden.

Einem Gesuch des Hch. Plank und Hch. Hellmold um käuflich e Abtretung des Bauplatzes Ecke Land­mann- und Licherstraße sie boten 12 Mk. für den Quadratmeter wurde nicht stattgegeben. Es wurde vielmehr beschlossen, die Plätze mit einer Grundtaxe von 15 Mk. zur Versteigerung gelangen zu lassen.

Die Bctriebsregulierung im Stadtwald.

Der Vorsitzende teilt mit, daß nach Ansicht des Pro­fessors Wimmenauer eine Erhöhung des Hiebsatzes in un­serem Stadtwald möglich sei, ohlte diesen zu schädigen. Auch das Ministerium habe dem zugestimmt und für dte nächsten 10 Jahre den Hiebsatz anstatt der settherigen 7310 Festmeter auf 8300 Festmeter festgesetzt. Pros. Wimmenauer habe diesen Plan geprüft und ftch int allgemeinen damit einverstanden erklärt, nur bei drei Stellen habe er aus waldwirtschaftlicheu und forstästhetischen Gründen Einwen­dungen erhoben, deren Berechtigung vom Ministerium an­erkannt worden sei. Unter Berücksichtigung dieses Um­standes ist der Hiebsatz für die nächsten 10 Jahre auf 8200 Festmeter festgesetzt worden. Em höherer Ertrag ist hieraus in den nächsten Jahren nicht zu erwarten, dagegen für später, denn es sind in hohem Maß zunächst Durch- sorstungen in Aussicht genommen.

Stadtv. Tr. W i m m e n a u e r macht sodann einige inter­essante Mitteilungen über den Ertrag unseres Stadtwaldes. Von 1867/68 ab seien 20 Jahre lang jährlich 8270 Festm. geschlagen worden und sodann 8/73 Festmeter. Vor^einiger Zeit sei dieses Quantum vorübergehend auf 6500 Festm. heruntergesetzt worden. Ter Reinertrag aus dem Stadt­walde habe in den letzten Jahren 3340 000 Mk. betragen gegen 6080 000 Mk. früher. Ter neue Waldwirtschafts­plan sehe ungefähr dasselbe Holzerträgnis vor wie der von 1867/68 ab bestehende. Tie von ihm gemachten Vor­schläge betreffen u. a. die Erhaltung eines Stticks Buchen­waldes an der Habichswiese und eines Eichenwaldes, der mit Fichten und "Tannen vermischt sei, am Schiffenberger Weg, beides aus Schönheitsgründen. Der durchschnittliche Remerttag des Gießener Stadtwaldes, der 1284 Hektar groß sei, betrage von 1891/92 bis 1905 59 000 Mk. oder für das Hektar 44 Mk. jährlich. Dies sei ein günstiges Ergebnis, denn es stehe in der Mitte zwischen dem ertrag des württemb. und des sächsischen Staatswaldes (41 und 51 Mark) die von allen deutschen Staatswaldungcn den höchsten Ertrag haben. In Baden ist der Reinertrag z. B. nur 38 in Bayern 20 und in Preußen 12 Mk. Ter Wer: des Gießener StadtwaldcS belaufe sich nach dem Verwal- tunasbericht der Bürgermeisterei auf 3 Millionen. Er halte diese Angabe für zutreffend, wenn auch müßig. Nach dem

Ergebnis der letzten Jahre werde dieses riapitcl mit 2Proz. verzinst, aber für die Zukunft sei eine bessere Verzinsung! zu erwarten, namentlich wenn der jetzt 80jährige Kiefern-- bestand in Angriff genommen merbe.

Die Versammlung wendet nichts gegen die Betriebs- rcgulierung ein. Der Vorsitzende dankt dem Stadtv. Dr. Wimmenauer für die Arbeit und Mühewaltung, der er sich in dieser Angelegenheit im städtischen Interesse unter­zogen hat, sowie für seine heutigen Mitteilungen. Er be­merkt weiter, daß ihm von einem höheren Forstbeamten gesagt worden sei, daß die Stadt Gießen die einzige hessische Gemeinde sei, die weniger Holz geschlagen haben wolle, als das Ministerium für zulässig halte.

Verschiedenes.

Die Garnisonvcrloaltung hat früher ihren B a s a l t g r u s aus dem Nickelschen Bruch bezogen, der jetzt der Stadt gehört, und möchte auch fernerhin ans diesem Bruch beziehen. Tie Versammlung stimmt dem zu. Es handelt sich um jährlich 70 Kubikmeter zum Preis 3,50Mk.

Die Firma W inn u. Co. beabsichtigt, an der 2. Schneise in der Nähe der Lichersttaße eine Sandgrube zu pachten, um den für den Jrrenanstaltsbau erforderlichen Sand zu gewinnen. Man beschließt, das Gesuch abzulehnen, da die Stadt selbst Verwendung für den Sand hat.

Stadtv. Ern melius regt bei der Gelegenheit an, dar­auf hinzuwirken, daß die Irrenanstalt nicht nach der Stadt Gießen benannt werde, sondern sonst irgend einen 97amen mit dem Zusatzbei Gießen" erhalte. Der Vorsitzende will in diesem Sinne tätig fein.

Pflastermeister Hofmann hat bereits früher eine Sandgrube von der Stobt gepachtet und wünscht jetzt 200 Quadratmeter dazu zu bekommen. Die Versammlung stimmt dem unter den üblichen Bedingungen zu. Die Grube muß bis 1. Mai 1908 geräumt fein und die jährliche Pachtsumme wird auf 15 Pfg. für den Quadratmeter festgesetzt.

Vom Kreisziegenzuchtverein war 'früher der Stadt das Ansinnen gestellt worden, das Gelände für eine Ziegen­zucht st a t i o n zu stellen und die erforderlichen Gebäude zu errichten. Ter Plan wurde mittlerweile wieder auf- gegeben, aber nunmehr vom 1. Gießener Ziegenzuchtverein, zu in Teil wieder ausgenommen. Er richtet an die Stadt bas Ersuchen, den Platz kostenlos zur Verfügung zu stellen und für die Errichtung der Bauten ein Darlehen von 6000 Mart zu gewähren. Tiefe Summe soll zu 4 Proz. verzinst werden und der Zinsenbetrag an der dem Verein gewährten Unterstützung abgezogen werden. Tie Teputatton ist der Heb er ^eugung, daß die Sache mit 6000 Mk. nicht zu machen ist und deshalb die Stadt, da dem Verein keine anderen Mittel hierfür zur Verfügung stehen, jedenfalls schließlich noch größere Opfer bringen müssen wird, wenn die Sache erst einmal soweit gediehen ist. Auch umfaßt der Verein nicht alle Gießener Ziegenzüchter. Es wird deshalb be­schlossen, vorerst davon abzusehen, dem Gesuch näher zu treten.

Die Bestimmungen über die Oktroiabgabe von Branntwein werben mit den betreffenben reichsgesetz- liehen Vorschriften in liebereinftimmung gebracht.

Einige Rechnungen über freihünbige Vergebungen usw. werben genehmigt.

Der erforderlich gewordenen Auswechslung des' Gasrohres hinter Der Westantage und der GaSleit- ung in der Bahnhofstraße zwischen Westanlage und Alice- ftrajje wird zugestimmt und der hierfür geforderte Kredit bewilligt.

Tie Ausschreibung der Lieferung von 1742 Quadrat­meter Fußboden für die höhere Mädchenschule ergab 13 Offerten, die sämtlich den Voranschlag überschritten. Es wird beschlossen, die Lieferung der billigsten Firma Buderus (mit etwa 260 Mk. ^.ifgebot gegen den Voranschlag) zu übertragen.

Ein Gesuch der Kurl Buß Ehefrau zum Betrieb einer Kantine auf dem Bauplatz der Irrenanstalt soll nicht befür­wortet werden, da die Bauleitung die Errichtung nicht wünscht und die Bedürfnifse der Arbeiter durch andere Einrichtungen befriedigt werden.

Weitere Gesuche um Erlaubnis zürn' Gastwirtschafts­betrieb liegen vor von Philipp Böchner für Hammftr. 7, von Joh. vorn gen Hasseno für Schiffenbergerweg 63, von Georg Schrimpf für Grünbergerstr. 15 und von Edm. Wild für Bahnhvfstr. 31. Ta es sich in allen Fällen um den Uebergang bestehender, seither mit Erfolg be­triebener Wirtschaften handelt, wird Befürwortung dieser Gesuche beschlossen.

Ein am 5. Oktober gefaßter Beschluß, daß für die Fortbildungsschule weitere Klassen errichtet werden sollten, wenn bic Schülerzahl 500 erreicht, brauchte im letzten Winter nicht zur Ausführung zu gelangen. Er würbe deshalb für dieses Jahr erneuert.

Stadtv. S ch in a l l bittet, ein von Schuchardt vorliegen­des Baugesuch noaj vor den Ferien zu erledigen. Der Vor­sitzende teilt mit, daß vor wenigen Tagen das Ministe­rium das Gesuch abgelehnt habe. Ein neues Gesuch liege nicht vor.

Die Versicherung der Bestände des Ob er hessi­sch en GeschichtsVereins wird auf die Stadt über­nommen. Tie Sammlungen sind zu 30 420 Mk. versichert und die jährliche Prämie betrug seither 38,11 Mk.

Aus S.ase uno Luno.

Gießen, den 14. Juli.

* Der hessische Schutzverein für straf- entlassene Gefangene hielt am Freitag nachmittag im Sitzungssaal der Strafkaunncr des neuen Justizgebäudcs zu Darmstadt seine ordentliche Versammlung ab. Der Vor­sitzende, Gcneralstaatsanwalt Praetorius, begrüßte die leider nicht sehr zahlreich besuchte Versammlung, der auch Vertreter der Behörden beiwohnten. Nach einem Nachruf auf das langjährige eifrige Mitglied Exz. Goldmann, zu dessen Ehren sich die i)lnwesenden von den Plätzen erhoben, gab der Vorsitzende einen ausführlichen Jahresbericht über die Tätig­keit deö Schutzvcrenis, die täglich an Umfang zunehme. Das im vorigen Jahre angeregte Eintreten der oberen Kirchen­behörden für die Vereinsbestrcbungen habe gute Früchte ge-