Ausgabe 
17.1.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 14

Erscheint tHglsth mit Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

bet Meldung des Aus

unseres Jnfanterie--

Negiments aus dem Feldzug 16701671, Philipp Sch midt,

die Besitzstandsaufnahme Berechnung der einzelnen

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniverftlätSdruckeret. 8t Lange. Gießen.

Redaktion. Expedition u.Druckerei: Schulstr.?. Del. Nr. bl. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gietzea.

die Akten und Karten über (Vermessung, Kartierung und Grundstücke)

zur Einsicht der Beteiligten offen.

IWO Ntar!

ohe Zinsen und gute l sofort gej. 6chr.Anc.cd. t bei i (Step. Anz. eibcicn.

Der jüngste

zureichen.

Friedberg, den 8. Januar 1906.

Der Großher'.rg!iche b' rriuigungskommissär: Spamer, Kreisamtmann.

Kttumntmachung.

Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Rodheim a. d. Horloff.

In der Zeit vom 16. Januar l. I. bis einschließlich 29. Januar l. I. liegen auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Rodheim a. d. Horloff

i fßr reisende

SDIZjamen

Sctiwesternliäiis.

Einwendungen hiergegen sind schlusses innerhalb der oben angegebenen Offenlegungsfrist bei der Großh. Bürgermeisterei Rodheim a. d. H. schriftlich ein­

ist am 10. d. M. in Erbach i. O. gestorben. Der nun­mehr gestorbene Kriegsoeteran stammte aus Gießen und war im Alter von 16 Jahren freiwillig ins Regiment eingetreten. Er erreichte ein Alter von 52 Jahren 6 Monaten und 7 Tagen.

" Ein hessischer Handelskammertag ist für Sonntag, den 11. Februar, zur Beratung der Reichs­finanzreform nach Mainz einberufen.

" Tenvich ° Au 8 stel lun §. Der neue Zolltarif, durch den die Zollsätze iür orientalische Waren und Teppiche eine ganz bedeutende Erhöhung erfahren, tritt nm 1. März 1906 in Kraft. Ta durch die revolutionären Wirren im Kaukasus jede Verbindung von dort abgeschnitten ist, so wird eine weitere Zufuhr fast aus­sichtslos sein, umsomehr dürste eine vom 15.22. Januar währende Ausstellung orientalischer Teppiche der Firma Th. Brück, Gießen, (f. Inserat) Interessenten und Freunden schöner Teppiche willkommen sein.

* Das Kelsterbacher Eisenbahnunglück wird am 2. Februar die Darmstädter Strafkammer be­schäftigen. Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung und Elsenbahntransvortgefährdung und richtet sich gegen bett damals in Kelsterbach diensttuenden Stationsassistenten, sowie gegen den Führer und Heizer des GüteczugS, der innerhalb der Station rangierte.

Kle in-Linden, 16. Jan. Am Sonntag hielt der Kriegerverein in der Wirtschaft zurBurg" seine Hauptversammlung ab. Schriftführer Keil gedachte in einem Rückblick auf da§ verflossene Vereinsjahr auch deS Todes deS Kriegsveteranen Phil. Deibel. Das Jahr 1905 ivar für den Verein in finanzieller Hinficht recht günstig; die Mitgliederzahl stieg einschließlich zweier Ehrenmitglieder auf 93. Ein wichtiger Beschluß des Vereins bildete die für das Frühjahr geplante Errichtung eines Schi - stand es zwecks Abhaltung von Preis- und Scheibenschießen. Bei der Vorstandswahl wurden wiedergewählt: Vorsitzender F. Jung, Stellvertreter PH. Jung, Schriftführer Keil, Rechner: Mandler und die Beisitzer Luh und Sieger, neugewählb wurde L. Bepler. Im Lauf dieses JahreS kann der Verein sein 25jährigeS Jubiläum begehen.

x Aus dem Lumdatal, 16. Jan. Unsere kürzlich gebrachte Nachricht über die gemeinschaftliche Ausführung einer Wasserleitung für die Orte des unteren Lumda­tales ist noch dahin zu vervollständigen, daß auch die Ge­meinde Treis beabsichtigt, sich an der geplanten Anlag» zu beteiligen, jedoch, da sie selber reichlich Quellwaffer zur Verfügung hat, nur insoweit, daß man den für jene Leitung durch die Hauptstraße von TreiS zu führenden Graben zu­gleich zur Aufnahme des Hauptstranges der Treiser Leitung benutzt. Dadurch würden viele Arbeit und Kosten gespart, und der mit dem Aushub von Gräben unvermeid­liche Schmutz wäre nur einmal auszuhalten.

8 Lich, 16. Jan. Gestern hat die Taufe der jüngsten Prinzessin entgegen den anfänglich umgehenden Gerüchten in aller Stille stattgefunden. Aus diesem Anlaffe hat der Fürst der Stadtverwaltung 200 Mk. zur Verteilung unter die Armen überwiesen. Am SamStag abend ver­anstaltete der Gesangverein Männerquartett beim Gast­wirt Heiland eine Abendunterhaltung, die eine zahlreiche Zu­hörerschaft angelockt hatte. Zwei Theaterstücke wurden ge­zielt, Couplets vorgetragen und mehrere Chorlieder gesungen. Alle Vorführungen fanden ungeteilten Beifall. Der Verein steht unter der Leitung des HauptlehrerS Roth. Wesentlich zur Verschönerung der Veranstaltung trugen die musikalischen Darbietungen der Kapelle Sommer bei.

Rockenberg, 16. Jan. Der Neubau eines Zellenflügels am Landeszuchthaus Marienschloß ist jetzt nn Rohbau fertig gestellt. Der Bau wurde vor cm 6/t Jahren in Angriff genommen und dürfte bis Herbst vollendet sein. Er schließt sich nordöstlich an die alten Ge­bäulichkeiten an und soll für Einzelhaft eingerichtet werden.

X Nidda, 16. Jan. Der in den beiden letzten trockenen Sommern mehrmals eingetretene Wassermangel hat unsere Stadtverwaltung veranlaßt eine in der Nähe der unteren Leitung befindliche Quelle um den Preis von 1500 Mk, anzukaufen. Nunmehr wirb es bei* Stabt und ber Bahn nicht mehr an Master fehlen.

r Dübelsheim, 16. Jan. Unser Ort befinbet sich schon einige Tage in Aufregung über ben entsprungenen gemeingefährl. Geisteskranken Emmerich von hier, ber sich in der Umgegenb Herumtreiben soll. Wie jetzt verlautet, wurde E. gestern bei Calbach von ber Genbarmerie festge- no mm en. __

Arrirft

F r e . n s s e n s Roman '9 ö r n U 6 V soll nun auch in dramatischer Gestalt uns auf der Sühne begegnen. Wie aus Wien berichtet wird, wurde dem dortigen Raimunbtheater ein DramaJörn Uhl" eingereicht, bas eine freie dramatische Bear­beitung deS Romans bedeutet. Wer der Autor dieser Arbeit ift, darüber verlautet noch nichts.

Der schlesische Dichter Johannes Reinelt (Philo vom Walde) ist g e st o r b e n. (Rei -elt war 1858 zu Kreu>endorf in Schlesien geboren und wirkte als Lehrer in Neisie. Ambekanntesten machte er sich als Verfasser von Gedichten im schlesischen Dialekt. Auch eine Reihe von Lustspielen hat er geschaffen, die in seiner Heimat beliebt waren. D. Red.)

E.

NAH

MM

Deutscher? rterchsrag.

21. Sitzung vom 16. Januar.

Auf ber Tagesordnung steht zunächst die Beratung des.Ge­setzentwurfes betreffend Seroistarif und die Klassenein­teilung der Orte. In Verbindung hiernrit wird auch gleich die Wohnnngsgeldzuschuß-Novelle zur ersten Berat- nny gestellt.

Abg. Jtschert (Ztr.) heißt die Vorlage im Wesentlichen willkommen, hält aber für erforderlich, daß künftighin neben dem Personalservis auch der Natural-Servis wegfalle. Einst­weilen sei namentlich 'die endliche Erhöhung der Wohnungst- gelbzuschüsse für die Unterbeamten wünschenswert. Unannehmbar sei für seine Freunde, daß die nächste Revision der Klafsen-Ein- teilung der Orte sowie der Servistarif erst 1913 eintreten soll. TaS müßte weit früher geschehen. Wetter sei die Gewährung von WohnungSgelduischüssen auch 'an die Beamten der Reichseisenbahn- verwaltung geboten.

Abg. Eickhoff (fr. Dp.) begrüßt gleichfalls die Vorlage als einen Fortschritt. Wie der Vorredner, so halte er eine end­liche gründliche Revision der Klassen-Einteilung der Orte für unerläßlich.

Abg. v. ©lern (kous.) stimmt hn Wesentlichen der Vorlage zu, namentlich auch dem höheren Wohnungsgeldzuschuß für die Unterbeamten.

Abg. Ortel (nl.) begrüßt ebenfalls diese Beihilfe sowohl für die Unterbeantten überhaupt wie für diejenigen der Reichs- Eisenbahnen. Dock) erachte er die Beihilfe allerdings für zu gering.

Abg. v. Oerhen (Rp.'> billigt die Vorlage und will die Frage der veränderten Ortsklassen-Einteilung nicht damit ver- guictt wisten. Eine Erhöhung des Wohnungsgeldzuschufses halte er auch bei den Subalternbeamten für geboten.

Abg. v. Gerl ach (ft. Vg.) wünscht ebenso wie der Aby. Eick­hoff die Regelung des WohntmgsgeldMschusses grundsätzlich auf eine andere Basis gestellt zu sehen.

Mg. Kirsch "(Ztr.) plädiert für beschleunigte Revision der Ortsklasseneinteilung. Rach zustimmenden Bemerkungen der Abgg. Burchardt und Bruhns bestreitet noch Direktor Twele vom Reichs­schatzamt, daß wie der 9ßbg. Bruhns behauptet habe, eine Absicht des Sckatzamtes, auch für die mittleren Beamten den Wohnungs­geldzuschuß zu erhöhen bestanden habe, aber an dem Widev- spruch des preußischen Finanzministers gescheitert fei.

Tie Vorlagen tverben nunmehr an die Bu dg e t kommission verwiesen. Cs folgt die erste Beratung des Gesetzentwurfes betr. Entlastung d e s Reichs-Jnv aliden-Fonds.

Mg. Graf Oriola (nl.): Es ist ein wiederholt aus­gesprochener Wunsch meiner Partei und auch anderer Parteien des Hauses, daß eine Entlastung des Reichsinvalidenfonds eintreten soll. Tie Anlage, die der jetzigen Vorlage beigegeben ist, ergibt ein recht wenig erfteuliches Bild. Ter aktive Bestaub des Reichs- invalidenfonds ist nun Mcklich auf 187 Millionen Mark. zu­sammengeschmolzen. Angesichts dieser Vorlage kann der Reichs­tag nur mit einer getoiffen Genugtuung daran zurückdenken, daß er die Forderung der verbündeten Regierungen zurückgewiesen hat, dem Jnvalidenfonds noch 67 Millionen Mark zu anderen Zwecken zu entziehen. Die Vorlage, die nun alles, was nicht direkt zu der Jnvalidenunterftützung der Kriegsteilnehmer von 1870/71 gehört, aus dem Fonds entfernt, hat durchaus unsere Zustimmung. Damit im Lande draußen keine Beunruhigung ent­steht, will ich bemerken, daß selbstverständlich durch bie lieber5 nähme der übrigen Verpflichtungen auf den allgemeinen Reickis- fonds, die rechtlichen Anforderungen ber Betreffenden rn keiner Weise vermindert werden sollen. Man toitb daher schwerlich gegen die Vorlage Widerspruch erheben fönnen. Bedenken bestehen höchstens gegen dem § 3, der bestimmt, daß das Gesetz gleichzeitig mit dem Gesetz bett', die Ordnung des Reichshausyalts und die Tilgung der Reichsschuld in Kraft treten solle. Aber schließlich braucht man solche nicht zu haben, da dies Gesetz ivvhl rechtzeitig fertig gestellt wird. Die Voraussetzungen, die der Schatzsekretär, dessen Wohlwollen für die Invaliden wir kennen, für notwendig erachtete, eite er an die allgemeine Reform des Reichsinvaliden- aesetzes Herangehen könnte, sind nunmehr mit diesem Enttvurf er­füllt. Ich hoffe, daß nunmehr diese Reform bald stattfinden wird. Ich habe nur noch einen Wunsch auszusprechen. Bon verschiedenen Seiten ist während der Steuerdebatte die Notwendig­keit einer Wehrsteuer betont worden. Da will ich bemerken, in erster Linie wäre es doch richtig, die Erträgnisse einer solchen Steuer dazu zu verwenden, den Jnvalidenfonds^ zu verbessern und dadurch das Leben der alten Kriegsteilnehmer zu heben. Ich-beantrage die Ueberweisung der Vorlage an die Budgetkom­mission, obwohl wir sie schließlich auch hier im Plenum erledigen könnten.

Mg. Erzberger (Ztr.) hält eine kommissarische Beratung für unerläßlich.

Nach einer zustimmenden Bemerkung des Mg. Eiern geht die Vorlage an die Budgetkommission.

Es folgt der dritte Nachtragsetat. Derselbe enthält hauptsäMich Forderungen für Ostafrika aus Anlaß des Ein- g eborenen-Aufstandes.

Kvlonialleiter Erbprinz üon Hohenlohe-Langenburg erklärt, der Aufstand sei leider bisher noch nicht unter­drückt, immerhin aber sei es gelungen, ihn auf ein Keines Gebiet zu beschränken.

Ein heute eingetr offenes Telegramm meldet ein siegreiches Gefecht. Zurzeit ist die Lage im Anfstandsgebiet etwa folgende: Ter Bezirk Dar-es-Salamn ist ruhig. Auch in den Bezirken Mohorro und Lindi treiben sich nur noch einzelne räu- öerirde Banden umher. Etwas zahlreicher ftnb dieselben noch im Mwa-Bezirk, wo sie sich 'zurzeit im Westen zu konzentrieren Icheinen. Tie militärischen Bewegungen im Innern werden durch Lie inzwischen ausgebrochene Regenzeit gehemmt. Auf dem süd­lichen Schauplatz steht Major Johannes in der Nähe von Sonaea, ebne daß er bisher überhaupt auf Widerstand gestoßen wäre. Älif dem nördlichen Schauplatz steht Major v. Schleimitz mit einer so starlen Macht, daß ein Erfolg mit Sicherheit zu erwarten M sobald die jetzt stark angeschwollenen Ströme einen Uebev-

* Kleine Tageschronik. Der Feldwebe l Schmede­mann von der 10. Kcmpagnie des Kieler Jnfanteriebataillons wurde wegen Unterschlagung von Mannschaftsgeldern verlostet und ins Untersuchungsgefängnis eingeliefert. In Leipzig wurden Frau Schumann, Inhaberin eines Wäschegeschäftes, und deren 20 jährige Tochter durch Ko hl eng as vergiftet auf­gefunden. Tie Frau ist tot, der Zustand ber Tochter ist hoff­nungslos. Nach Lage der Sache wird Selbstmord angenommen infolge unglücklick'ler Familienverhältnisse. Ter von der Frau getrennt lebende Mann büßt zur Zeit eine Strafe ab. In Paris ist die erste Künstlerin eines Variötö-Theaters, ver­heiratet und Mutter von zwei Kindern, von dem Sohn eine- Großindustriellen im Automobil entführt worden.

gang und damit ein Zusammenwirken der einzelnen Abteilungen gestatten. Tee ganze Lage rechtfertigt den vor 8 Tagen hier eingelaufenen Vorschlag des Gouverneurs und des ältesten /Offi­ziers ber Dentsch-Ostaftika-Station, die Marine-Infanterie in die Heimat zurückzuberufen. Wenn auch ber Aufstand noch keines­wegs als erloschen bezeichnet toerben kann, so ist doch seine Hauptkraft gebrochen, und man kann, wenn nicht un­vorhergesehene Dmge eintreten, mit Ruhe seinem Erlöschen ent- gegensehen.

Abg. Erzberger (Ztr.) bemängelt, daß Forderungen in dem Nachtrags-Etat stünden, die eigentlich gar nicht hinein­gehörten. Tie Begründung des Nachtragsetats sei eine mangel­hafte. Jeder Nackiitragsetat enthalte bereits verwendete und nachträglich zu genehmigende Ausgaben, so leicht setze sich die Regierung über das Bubgetrecht des Reichstags hinweg.

Kapitän zur See Capelle entgegnet auf eine spezielle Be­mängelung des Vorredners, daß gewisse einstweilen zugesicherte Krieasgebührnisse natürlich überhaupt mchL bezahlt werben würben, falls ber Reichstag sie nicht bewillige.

Geh. Legationsrat Seitz versichert, baß es der Regierung selbstverständlich fern liege, bie Budgetrechte des Reichstages an­zutasten. Tie Vermehrung beüMachtmittel des Gouverneurs lmrch eine neue Organisation in einem Nachtragsetat zu fordern habe ursprünglick) nicht in ber Absicht ber Verwaltung gelegen.

Abg. Paasche (nl.) glaubt nicht, daß die Verhältnisse im Baumtvollbau mit Schuld an dem Aufftande seien. 9)5an habe geglaubt, gerade in den Vaumwollkulturen bie Eingeborenen zur Arbeit erziehen zu fönnen. Er gebe zu, daß von einzelnen europäischen Ansiedlern gesündigt worden sei. Sicknr sei auch, baß bie Söhne zu gering seien. Diese müßten erhöht werden. Lebhaft schildert Rebner noch die Notwendigkeit, für ausreichende bessere Beamtenwohnungen dort zu sorgen. Nach Uebertoinbutig der begangenen Fehler »oerde si^ Ostafrika zweifellos als eine Kolonie Herausstellen, aus der scch etwas machen lasse.

Abg. Südekum (Soz.) hält so iveitgehende organisatorische Forbencngen in einem Nackftragsetat für unzuläffig. Tie be­treffenden Etats müßten aus dem Nackstragsetat losgelöst und erst beim ordentlichen Etat für 1906 beraten weiden.

Erbprinz Hohenlohe-Langenburg erllärt, über bie Ursachen des Aufftandes werde Autyentisck)es erst mitzuteilen sein, wenn die von dem (Skmoerneur zur Erforsckmng ber Ursachen des Aufstandes Beaustragten ihre Arbeiten beendet haben werden.

Abg. v. Richt Hofen (kons.) kann irgendwelche Verletzung deS Budaetrechtes des Reichstages in diesen Nachtragsforderungen nicht erblicken. !

Erbprinz Hvhenlvhe-Langenburg erklärt noch über daS Urteil gegen bk Akwa-Häuptlinge in Kamerun werde hoffent­lich demirächst dem Hause Näheres mitgeteilt toerben können.

An der weiteren Debatte beteiligen sick noch die Mgg. Goth ein, Südekum, Erzberger und P a a s ch e. Hier­auf geht bie Vorlage an bie Budgetkommission, ebenso debatte- los ber Nachtragsetat für Südwesdaftika.

Morgen Jnitiativantt'äae, Tiätenantrag.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 17. Januar 1906.

' Professor Gustav Bickel, der bekannte Orientalist, ist am 15. Januar in Wien gestorben. Bickel war geb. 1838 zu Kassel als Sohn des Kirchenrechtslehrers Job. Wilh. Bickel in Marburg. Nach seinen Gymnasial- und Unioersi- tätsstudien habilitierte er sich 1862 als Privatdozent in Marburg und siedelte im folgenden Jahre in gleicher Eigen­schaft nach Gießen über. 1866 trat er zur kathol. Kirche über und begann seine theololischen Studien in dem Priesterseminar in Fulda. 1867 wurde er zum Priester geweiht und ging 1871 als außerordl. Professor für orientalische Sprachen nach Dtünster. Drei Jahre später folgte er einem Rufe nach Innsbruck als Profeffor der christlichen Archäologie und semitischen Sprache an der dor­tigen Universität. Hier wirkte er als Hochschullehrer siebzehn Jahre lang, bis er 1891 als Professor der semitischen Sprachen nach Wien berufen wurde. Professor Bickel hat eine reiche schriftstellerische Tätigkeit entfaltet, seit Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts namentlich über die Dich­tungen der Hebräer, lieber das VerSmaß derselben stellte er ganz neue Theorien auf, bie heftig angegriffen, von ihm aber ebenso entschieden verteidigt wurden.

* Gieße ner Konzertverein. Wilhelm Backhaus hat das Rubin st ein-PreiSprogramm in dem am 21. stattfindenden Konzert zu spielen übernommen. Es verdoppelt sich damit das Jntereffe an diesem Konzert; wird es uns doch damit ermöglicht, das Urteil nachzliprüfeu, das die Preisrichter am 8. August 1905 zu Paris gefällt haben. Ohne dieser Nachprüfung vorgreifen zu wollen, sei es uns doch erlaubt, den Bericht eines Preisrichters wiederzugeben, der von derKöln. Ztg." gebracht wurde:

Wilhelm Backhaus betritt das Podium l Er ist allen Preis­richtern und Hörern ein Fremder. Es war interessant genug, zu beobachten, wie sein in Teiitschland unb England viel gerühmtes Spiel auf diese wahrhaft weltbürgerliche Genteinde gemeint ist die Hörerschaft bei der Konkurren; in Paris, die Elite des Pariser musikalifchen Publikums wirken würde. Er wagte es, vor feinem Spiel ein wenig zu präludieren. Unerhört! Ein Preis­bewerber mit den Allüren eines siegessicheren Virtuosen! Darum lächelten sich auch die Orchestermufiter nicht wenig zu! Nun, er packie zuerst die Preisrichter, dann die Musiker und schließlich das Publikum. Die kristallene Schärfe der Technik hatte die ältere Generation seit dem verstorbenen Tausig, die jüngere kaum je er­lebt, wie hier. Und dabei war es eine Schärfe, die nie verletzte, der Ton behielt stets eine gesunde sinnliche Schönheit bei. Nichts ging daneben, es war, als ob alles sich unter seinen Fingern in tönenden Erzguß verwandelte. Sogleich drängte sich auch die Frage nach der geistigen Durchdringung seines Stoffes auf. Aber auch hier mußte der Hörer die kritischen Waffen senken. Das ganze Spiel verriet so viel überlegene urmusikaliiche Intelligenz, das; all­gemein ber Eindruck sich Bahn brach: hier steht ein Großer vor uns! Das Urteil des Preisgerichts wurde vom Publikum mit einmütigem Beifall ausgenommen."

Und dazu nun dies herrliche Programm! Jedem, der etwas musikalisch ist, schlägt das Herz höher, wenn er davon hört, daß es jemand wagt, Beethovens Sonate für das Hammerklavier Op. 106 auf sein Programm zu setzen, dazu als Einleitung Bach. Dann einige der wohl beliebtesten Chopins, so herrlich schön sie sind, so schwer sind sie auch. Endlich Schumanns Kieisleriana 1 und 2. Mit Liszt ist dann der Kreis durchmessen.

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Zweites B^ltt 156. Jahrgang Mittwoch 1?» Jannav 1906

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»Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der BP F U tk B B VX, A, XJl U g

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Vergleiche

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