Ausgabe 
15.10.1906 Erstes Blatt
 
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Teilnahmen: Fürst Bülow und Gemahlin, Kriegsminister v. Einem, NeichSschatzsekretar Frhr. v. Stengel, Oberst­leutnant v. Bülow, Landrot Dr. Ritter v. Marx. Der Kaiser saß zwischen der Fürstin v. Bülow und seiner Schwester, der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen; ihm gegenüber saß der Reichskanzler.

Aus Stabt uno Larro.

Gießen, den 15. Oktober 1906.

* * Die Entlassungsprüfungen an den Lehrer­seminaren. In derF-Af. Ztg." vom 4. l. Mts. wurde -berichtet, es herrsche in Hessen zurzeit ein solcher Lehrermangel, daß nach einer Verfügung der obersten Schulbehörde die Ent- laffungSprüfungen an den Seminaren schon Ende Januar, statt zu Ostern, gehalten würden, damit die Abiturienten sofort als Lehrer verwandt werden könnten: Dem ist nicht so. Allerdings muß mit den fraglichen Prüfungen schon in der zweiten Hälfte des Januar begonnen werden, aber nicht wegen dcS Lehrermangels, sondern wegen der vielen von dem Referenten der Schulabteilung in fraglicher Zeit abzuhaltenden Prüfungen und weil die genannten Prüfungen mit Rücksicht auf die event. zum Militärdienst eintretenden Abiturienten vor dem 15. März beendet sein müssen. Die Prüfungstermine sind n. d. ,Darmst. 3tg/ übrigens zurzeit noch gar nicht festgelegt.

* Lehrerpersonalien. In den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer Jak. Zimmermann zu Bensheim auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste und unter Verleihung des Silbernen Kreuzes des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. Erledigt ist die Lehrerstelle an der katholischen Schule zu Engelthal. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden.

* * lieber die bevorstehende Eisenbahnt ar i f- re form sprach beim ersten Vortragsabend des kaufmänni­schen und des Ortsgewerbe-Vereins am Freitag abend Prof. Eduard Engel aus Berlin. Der im neuen Saalbau statt­findende Vortrag war in Anbetracht dessen, daß die Damenwelt dem Thema nur geringes Interesse entgegenbringt und dem­entsprechend nur sehr wenig vertreten war, recht gut besucht. Der Vortragende wies im Eingang seiner Ausführungen auf den innigen Zusammenhang zwischen dem Verkehrswesen und' dem Kulturleben hin. Mer während alle anderen Verkehrs­einrichtungen immer billiger zugänglich werden, ist dies beim Eisenbahnverkehr nicht der Fall und die Plusmacherei der Ver­waltungen wird die Ursache, daß dieses Verkehrsmittel nicht in demselben Grad allen zugänglich ist, wie die anderen Verkehrs­mittel und somit zur allgemeinen Kulttirentwicklung nicht in dem Maße beiträgt, wie es der J-all sein könnte. Während z. B. das Nachrichtenwesen auch den ärmsten Volksschichten sozusagen ohne wirtschaftliche Opfer zugänglich ist, kostet eine einigermaßen beträchtliche Reise dem Arbeiter mehr als einen Wochenlohn. Wie groß das Reisebedürfnis der Menschen ist, wird man erst erfahren, wenn die Eisenbahnreisen so vereinfacht und verbilligt sind, daß sie ohne größere wirtschaftliche Opfer jedem möglich sind. Was das jetzige Reisen so unbequem macht und vielfach verteuert, ist der Umstand, daß sich niemand in dem Tariswirrwarr aus- lennt. Neben dem preußisch-hessischen Bahnnetz hat man in Deutschland noch etwa 12 größere und etwa 70 Kleinbahn­verwaltungen und alle haben ihre besonderen Tarife. Das merkwürdigste dabei ist, daß der sog. Normaltarif (in Preußen- Hessen 2, 4, 6 und 8 Pf. für den Kilometers der doch die Regel sein sollte, fast keine Anwendung findet, denn alles fährt auf Rückfahrkarten, Rundreisehefte' usw. Es ist deshalb als ein Fort­schritt zu bezeichnen, daß die deutschen Eisenbahn-Verwaltungen dazu gekommen sind, einen einheitlichen Tarif zu schaffen, der am 1. Mai 1907 in Kraft treten wird. Der wesentlichste Fort­schritt des neuen Tarifes beruht darauf, daß die Rückfahr­karten abgeschafst und die dafür bezaWen Einheitssätze dem neuen Einheitssatz zu Grunde gelegt werden. Man wird sonach in Zukunst in der 4. Kl. 2 Pf., in der 3. Kl. 3 Pf., in der 2. Kl. 4^ Pf. und in der 1. Kl. 7 Pf. (hier ist eine kleine Verteuerung ein getreten) für den Kilometer bezahlen und jedermann wird leicht imstande sein, sich den Fahrpreis für eine bestimmte Strecke genau zu berechnen. Dies ist ein großer Fortschritt, aber leider bringt die Reform auch Rückschritte, nämlich die Beseitigung des Freigepäcks und die Einführung der Schnellzugszuschläge. Letztere sollen zwar nur bei besseren Schnell­zügen (etwa den jetzigen D-Zügen) eingesührt werden, aber bei der bekannten Neigung zur Plusmacherei ist zu erwarten, daß im Laufe der Zeit alle möglichen Schnellzüge mit Zuschlägen beglückt werden. Man sagt zwar, das Prinzip von Leistung und Gegenleistung rechtfertige den Zuschlag, aber das stimmt nicht, denn der Schnettzugsbetrieb ist billiger, als der Personenzug­verkehr, weil er eine erheblich größere Ausnutzung des Ma­terials, der Beamten usw. ermöglicht. Ebenso bedeutet die Ein­führung von Gebühren für die Gepäckbeförderung eine Härte, denn im modernen Kulturleben gehört bei Reisen der Reisende und sein Gepäck zusammen und die freie Beförderung kommt allen zugute. Wer heute ohne Gepäck fährt, reist morgen mit Gepäck und alle haben deshalb ein Interesse daran, daß es bei den jetzigen Bestimmungen bleibt. Immerhin bedeutet die Reform einen Fortschritt: der Tarif wird für den Laien klar und gerade dies ermöglicht eine allgemeine Beteiligung an den Bestrebungen auf weitere Fortschritte und zwar sollten sich alle, insbesondere auch die kaufmännischen Vereinigungen, zunächst in dem Verlangen zusammenfinden, daß der Schnettzugszuschlag rmd die Gepäck- beförderungsgebühr wieder beseitigt werde. Der Vorttag wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen.

* * Die Freidenker-Vereinigung Gießen wird im Lause dieses Winters wieder mehrere öffentliche Vorträge oer- anstatten. Ter erste findet Mittwoch abend int Hotel Einhorn statt und hat znm ThemaDie Ueberwindung der Gottesidee." Referent ist Jng. C. W. M<yer aus Frankfurt a. M. (Näheres siehe im Inseratenteil.)

128 Brauereien waren am Schluffe des Jahres 1905 im Groß herz ogtum Hessen vorhanden, davon 91 in den Städten und auf dem Lande 37 und zwar im Haupt­steueramtsbezirk Darmstadt 45, Offenbach 31, Gießen 24, Mainz 18, Worms 9 und Bingen 1. Alle zusammen brauten im Jahre 1 705 699 Hektoliter Bier und verbrauchten hierzu 31841457 Kgr. Getreide und 97 000 Kgr. Malzsurrogate. Die Bruttoeinnahme für B'rausteuer betrug in Darmstadt 235 074 Mk., in Offenbach 97 729 Mk., in Gießen 1 77 59 8 Mk., in Mainz 540 212 Mk., in Worms 202 877 Mark und in Bingen 6140 Mk., zusammen 1277 631 Mk.

t. Reiskirchen, 13. Oft Die Frau eines hiesigen Bürgers verbrannte sich gestern derart mit Kaffee, daß sie sich in ärztliche Behandlung begeben mußte. Der Land­wirt Stumpf von hier ließ im vergangenen Monat sein Haus renovieren. Zufällig weilte gerade Geheimrat Dr.Breidert hier, als der Verputz abgcnommcn wurde. Er entdeckte nun, daß der obere Stock in Fachwerk gebaut war. Auf seine Veranlassung wurde das Holzfachwerk erneuert, und das Haus äst nunmehr eine Zierde unseres Dorfes.

g. Bad-Nauheim, 14. Okt. Ungefähr 30 Aerztc von Marburg und Umgegend kamen heute mit dem Früh­zug hier an, um unsere Bäderanlagen, sowie die neuen Badehäuser zu besichtigen. Die Herren Dr. Hirsch und ^Dr. Stein nahmen die Herren an der Bahn in Empfang

und gaben ihnen die nötigen Erläuterungen. Baurat' Dr. Eser, der Vorstand der hiesigen Badedirektion, kehrte von einem mehrtägigen Besuche des BädcrtageS zu Kissintzen zurück. Die Erdarbeiten zum Dteubau einer sogen. Äonhalle, sowie eines neuen Küchenbaues sind bei der günstigen Witterung rasch vorwärts geschritten und wird in wenigen Tagen der Abhub vollendet sein. Der Saal soll Raum für ca. 1500 Personen fassen.

Eberstadt, 12. Okt. Wie vorteilhaft sich die Er­richtung von Gemeindeapotheken erweist, geht aus dem Bettag hervor, den unsere Apotheke im abgelaufencn Rech­nungsjahr für die Gemcindekasse abwarf. Bei einem Umsatz von 20 476.57 Mk. beträgt der an die Gcmeindckaffe abge­führte Betrag 3376 Mk. gegen einen solchen von 3265.85 Mk. im Vorjahre. Eberstadt hat bei einer Bevölkerung von 6389 Seelen drei Aerzte, die Apotheke wird auch von Nieder-Beer- bach und Molchen frequentiert. (N. Heff. VolkSbl.)

Q Herborn, 13. Okt. Herrlich vollendet steht nun­mehr unser neues Bahnhofsgebäude am Fuße deS Hombergs" da, nachdem heute die letzten Stufen an der Vortreppe zur Stadtscite gelegt worden sind. Es macht von der geplanten neuen Bahnhofstraße der alten Schafgaffe aus durch seine weiten Hallen und kuppelartigen Dachfirmcn einen imposanten Eindruck. Von hier gelangt man durch daS Hintersandtor", jenem alten Stadtturm, dessen Niederlage seinerzeit die Stadtverordneten beschloffen, aber auf Wunsch der Behörde erhalten bleibt, in die Stadt. Auch der innere Ausbau des stattlichen BahnhofsncubaueS wird mit Hochdruck betrieben, zumal wenigstens die Dicnsträume mit dem 15. Nov. dem Verkehr übergeben werden sollen. Das alte Bahnhofs­gebäude wird von der Bildfläche verschwinden unb an dessen Stelle ein ausgedehntes Schienengleis kommen. Der in unserer Stadt ausgebrochene Milchkrieg, wonach für die Folge 24 Pfg. pro Liter bezahlt werden sollte, ist wieder beigelegt. Die Milch wird wieder zum alten Preise von 2 0 Pfg. abgegeben.

Dehmel, Ernsf, Gustav Falle, Max Halbe, Hermann Hesse, Paul Heysc, Arno Holz, Wilh. Holzamer, s2Gxim Harillon, (der, obwohl Arzt, den alten Spruch zitiert:

Wenn am Abend sinkt die Sonnen, Ist dem Bürger es zu gönnen, Wenn er in sich geht und dönkt. Wo man einen guten Schoppen tränkt), Heinr. Lilienfein in Heppenheim, Lilieneron, Thomas' Mcmn, P r e s b e r, (dessen Großvater Bürgermeister von Rüdesheim war), Rodenberg, Rosegger, Schnitzler, Schöitaich-Carolath, Ludwig Thoma, Trojan, Ad. Wilbrandt, Ernst v. Wolzogen, u. a. m. Tas bemerkenswerte Ergebnis dieser Rundfrage, die der Psy­chiater Dr. C. F. van Bleuten in Gemeinschaft mit der Redaktion desLit. Echos" veranstaltet und zu der er das sachkundige Vor- und Nachwort geschrieben hat, ist die Feststellung, daß die überwiegende Mehrheit der dichterisch Schaffenden in Deutsch­land dem Alkohol ungünstige und bentmenbe Wirkungen nachsagt und sich zum Grundsätze mehr oder minder strenger Mäßigkeit bekennt. Viele allerdings befürworten den mäßigen Genuß von gutem Wein, der die litcrar. Arbeitweniger trocken" mache.

§pielplnK brr vereinigten Frankfurter Stadttheater.

Opernhaus.

Dienstag den 16. Oktober*):Margarethe". Mittwoch den 17. Oktober:Oberon." Donnerstag den 18. Oktober, abends 6 Uhr:Der Ning des Nibelungen." 2. Tag:Siegfried." Freitag den 19. Oktober geschlossen. Samstag den 20. Oktober:Carmen." Sonntag den 21. Oktober, abends 6 Uhr:Der Ring des Nibelungen." 3. Tag:Götterdämmerung." Montag den 22. Okt.: G a st spiel der König l. Sängerin Emmy De st in n, Berlin:Der Bajazzo." Nedda: Frl. Destrnn. Hierauf:Cavalleria, rusticana. Santpzza: Frl. Destinn.

Schauspielhaus.

Dienstag den 16. Oktober"):Die Stützen der Gesellschaft." Mittwoch den 17. Dfober:Nathan der Weise." Donnerstag den 18. Oktober:Mamsell Nitouche." Freitag den 19. Oktober: Helden." SamStag den 20. Oktober:Das Versprechen hinterm Herd." Hierauf:Kurmärker und Picarde." Zum Schluß:Dod- geschosse." Somstag den 21. Oktober, nachmittags 3 Uhr: Volks- Vorstellung:Die Stützen der Gesellschaft." Abends 7 Uhr:Nathan der Weise." Montag den 22. Oktober: Zum ersten Male:Das 931 u m e nb oo t." Schcuffpiel in 4 Akten und einem Zwischenspiel von Hermann Sudermann.

) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

VermisetzteA.

"Weil er seine Ehescheidung nicht durchsetzen konnte, hat der 42 Jahre alte Korrespondent August Winkler in Berlin seinem Leben ein Ende gemacht. Winkler war 11 Jahre verheiratet und Familienvater, aber mit seiner Familie seit ll/2 Jahren zerfallen. Nach der Trennung von seiner Frau kam er von Chemnitz nach Berlin, wo er in einem kaufmännischen Geschäft eine Anstellung fand. Nachdem er zu einer Dame in Beziehungen getreten war, versuchte er, seine Ebe scheiden zu lassen. Als jedoch alle seine Bemühungen an dem Widerstande seiner Frau scheiterten, wollte er nicht länger leben und erhängte sich in seiner Stube am Bettpfosten.

Auch England hat seinen Fleischskandal nach Art des Chicagoer. Dr. Newman erklärt in einem sensationellen Artikel, daß er in englischen Würsten Dinge entdeckt habe, die eine Gefahr für Leben und Ge­sundheit bilden. Andere Aerzte erklärten, daß ihnen in ihrer Praxis zahlreiche VergiftungSfälle vorgekommen sind, nachdem die Patienten gewiffe Wurst gegeffen hatten. Ferner wird gemeldet, daß daS Büchsenfleisch aller Sorten fast ausschließlich aus Pferdefleisch besteht, ja sogar in Fäulnis übergegangenes Pferdefleisch wird viel­fach verwendet. Außerordentlich schädlich sei aber Büchscnlachs, zu dem zumeist faules Material zur Ver­wendung gelangt. Die Mehrzahl der englischen Geschäfts­häuser, welche sich mit der Präparierung von Büchsenfleisch und anderen Konserven befassen, seien unglaublich nachlässig. Andererseits würden mehrere Millionen Liter Milch jährlich in England verkauft, die zweifellos gesundheitsschädlich seien. Es seien auch nicht entfernt die Krankheits­fälle zu zählen, die durch giftige Eßwaren ver­ursacht werden.

* Ein Schneesturm von einer Heftigkeit, wie er seit 34 Jahren nicht mehr dagewesen ist, herrscht in den Staaten New -Pork, Ohio, Michigan und der Provinz Ontario in Canada. Alle Ob st bäume und die noch im Felde stehenden Ernten sind völlig vernichtet. In Virginia und anderen südlichen Staaten hat es stark gefroren. Die Baumwollkulturen haben schwer gelitten. Es heißt, daß allein im Staate Georgia 40 000 Ballen vernichtet wurden.

UnZverditäts-Nacbrrchten.

In neuer Ausgabe ist zum Semesterbeginu im Verlage der G. B. Leopoldschen Universitäts-Buchhandlung in Rostock i. M. wieder erschienen: A l l g e m e i n e r T e u t s ch e r U n i v e r s i t ä t s° und H o ch s ch u l k a l e n d e r, herausgegeben von Otto Schröder, Sekretär der Universität Rostock. Geheftet in starkem Umschlag. 300 Seiten. Preis 1 Mk. Inhalt: Teil 1. Geschicbte, Verfassung, Besoldung, Gebühren, Behörden, Dozenten, deren Lehrfächer und Geburisdaten, Institute, Stud. Verbindungen der säintticheu deutschen Universitäten, technischen etc. Hochschulen, der Forst- und Bergakademien. Teil 2. Studium für die verschiedenen Berufe, Kosten-Ueberschläge, Prüfungsvorschristen in den einzelnen Bundes­staaten etc. Teil 3. Das studentische Verbindungswesen in Deutsch­land. Der Kalender ist ein Nachschlagebnch für Behörden, Dozenten, Studenten und für die Eltern, bereit Söhne studieren sollen.

Den Oberärzten und Privatdozeuken zu B r e s l a u Dr. Willy A n s ch ü tz und Dr. Karl L u d l o f s ist das PrädikatProfessor", dem Zahnarzt und a. o. Professor zu Berlin Dr. Willonghby Dayton Miller der Charakter als Geh. Medizinalrat verliehen worden. Ter Privatdozent Professor Dr. Elimar K l e b § zu Berlin ist zum außerordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Universität zu Marburg ernannt worden.

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München, 13. Okt.Allerseelen", ein Spiel in drei Akten von Heijerrnans, das neben viel Theatralik auch einiges Tiefere im Sinne des Titels enthält, aber ohne Ab­schluß ist, fand im Schauspielhaus freundliche Aufnahme.

Berlin, 14. Okt. Im königl. Schauspielhause fand gestern die Erstaufführung des Lustspiels von Jon Lehmann, Das Lied vom braven Mann", das in seinen Motiven etwas an FreytagsJournalisten" erinnert, statt und fand im allgemeinen eine beifällige Aufnahme. Sind auch einige Schwä­chen nicht abzuleugnen, so ist doch die Charakterisierung der Personen gut durch geführt.

Dichterische Arbeit und Alkohol. Tas Ergeb­nis einer interessanten Umfrage über dieses bedeutsame Thema wird im neuesten Heft desLtterar. Echos" (Berlin, Egon Flei- schel n. Co.) veröffentlicht. Weit über hundert deutsche Dichter und Schriftsteller teilen hier ihre persönlichen Erfahrungen und Wahrnehmungen darüber mit, welche Wirkungen der Alkohol auf ihr Schaffen gehabt oder nicht gehabt hat. Unter den Ant­wortenden finden lvir Ferd. Avenarius, Beyerlein, Alfred Bock,

Arbeiterbewegung.

W. D f f e n b a d), 12. Okt. Die Metallwarenfabri­kanten von Dffenbad) und Umgebung haben heute ihre gesamten Arbeiter ausgesperrt, betroffen werden etwa 2 0 0 0 M a n n. Die Kündigung erfolgte vor 14 Tagen; die in der Zwischen­zeit gepflogenen Verhandlungen haben eine Einigung nicht zustande- gebracht. Die ©d)(eüer der Metallindustrie haben schon vor drei Tagen die Arbeit niedergelegt.

b. W i e s b a d e u, 12. Okt. Sämtliche beim Bahnhof? - Neubau beschäftigten Arbeiter der Baufirma Komet" haben die Arbeit niedergelegt, weil die Firma fid) weigerte, den tarifmäßigen Stundenlohn von 60 Pfg. zu zahlen.

Gerichtsfaal.

H i r s ch b e r g, 13. Okt. In dem Michelsdorfer Mord- prozeß wurde der Arbeiter Felix Büchner zum Tode, der Bäcker­geselle Gustav Muschiusky (der bei der Begehung des Mordes an dem Dienstkuechte das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht hatte) zu 15 Jahren Gefängnis und der der Beihilfe besck)uldigte Schleifer Gustav Schulz zu 10 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt.

Beuihen, 12. Okt. Im Wiederaufnahmeverfahren ver­handelte das Schöffengericht gegen den Grubenarbeiter Dude, der im August 1903 von dem Schöffengericht wegen schwerer Körperverletzung zu v i e r I a h r e n G e f ä n g n i s ver­urteilt worden war. In der neuen Verhandlung wurde festgestellt, daß n i cf) t er, sondern der Grubenarbeiter Gajetzki die Körper­verletzung verübt hatte. Dude, der bereits den größten Teil der Strafe verbüßt hatte, wurde freigefprochen.

Nürnberg, 13. Okt. Vor dem hiesigen Schwurgericht ging heute nach dreitägiger Verhandlung der Prozeß wegen der Ausschreitungen v o n Aus ständigen vor der Motor­fahrzeugfabrik Union am 17. August, in deren Verlauf der Streik­führer F l e i s ck) m a u u von dem Arbeitswilligen Thiel in Not­wehr tödlich verwundet wurde, zu Ende. Fünf Angeklagte wurden wegen Körperverletzung zu Gefängnisstrafen von einem Monat bis zu einem Jahre und sechs Monaten verurteilt. Die Frage auf Laudsriedensbrud) wurde verneint.

Budapest, 12. Okt. Der Abg. Karl Hertz, der den Grafen Keglovitsch im Säbelduell getötet hatte, wurde heute 51t sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Als strafmildernd nahm der Gerichtshof an, daß der Angeklagte den Gegner nickt absichtlich getötet habe, als erschwerend, daß er bereits wegen Tuellvergehens vorbestraft sei.

Verlobte. Fräulein Auguste Schuster, Sterbfritz, mit Herrn Julius Stern, Alsfeld. Fräulein Emma VÖlzing, Groß- Felda, mit Herrn Julins Dahmer, Gerichtsschreiber-Aspirant, Ulrichstein. Fräulein Marie Flad), Butzbach, mit Herrn Adoli Rhein, Stuttgart. Fräulein Margarete Kammer mit Herrn Richard Berndt, Butzbach. Fräulein Frieda Schmitt mit Herrn Hugo Heusinkveld, Butzbach.

Vermählte. Herr Rektor H. Lüerssen mit Frau Johanna, geb. ©djimmclfeng, Wetzlar.

Gestorbene. Herr Georg Deubel II., Rudingshain. Herr Nicolaus Thieme, Alsfeld. Herr Georg Frank, Friedberg. Fräulein Marie Fritz, Friedberg. Frau Anna Mana Höhn, geb. Krämer, Butzbach.

Mrchliche Nachrichte».

Evangelische Gemeinde.

Montag den 15. Oktober, abends 8 Uhr, im Konfirmandensaal der Lukasgemeinde, Liebigsttaße 56: Bibel stunde. Texti 1. Petr. 3, 8 ff. Pfarrer Euler.

Meteorologische Beobachtungen

___ der Station Gießen.

Oktober 1906

Baromerer auf 0° reduziert

Temperatur der Lust

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Windrichtung

Windstärke

Wetter

14.

2»e

739.1

13,7

8,9

77

N

4

Bew. Himiu

14.

9»5

743,0

10,0

7,1

78

NNE

4

Bed. Himmel

15.

7 34

745,3

5,8

5,8

88

NE

2

Bern. Himmel

Höchste Temperatur am 13.14. Oktober 4- 14,0 C.

Niedrigste 13.-14. = + 9,3° C.

Hervorragend bewährt" bei Brechdurchfall, Darmkatarrh, Diarrhoe etc.

Die Kindergedeihen vorzüglich dabei & leiden nicht

törung.