Ausgabe 
15.5.1906 Erstes Blatt
 
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wannfchaften in diesen erhielten Gewehre; auch wurde ihre roabi erheblich verstärkt. Zu ihrer Unterstützung wird Militär bereitgehalten. Der Stadlhauptmann gibt bcmnnt, daß demonstrative Umzüge nötigenfalls durch die gesetzluch Mässigen energischen Maßnahmen verhindert werden wur­den. Zeitungen erscheinen morgen nicht. Der Dumapalast wird heute scharf bewacht.

Der Redakteur derWestnik Finanssow" und derHan­dels- und Jndustriezeitung" und Direktor der Petersburger Telegraphen-Agentur, v. Miller, wurde zum Mitglied des Rates des Finanzministers und Agenten des Finanz­ministeriums in Deutschland und Oesterreich-Ungarn er­nannt. ,

Der Kommandant des Petersburger Hafens, Kusmitsch, der wegen seiner Härte bei den Arbeitern verhaßt war, wurde heute, als er die Arbeiter von der Maifeier abhalten wollte, erschlagen.

Karl Schurz t»

Mehr und mehr lichten sich die Reihen der Männer, die nach 1848 die deutsche Heimat verlassen haben nach dem Zusammenbruch der deutschen Einheits- und Frei­heitsbewegung, um in der Union ihren politischen Idealen nachleben zu können. Es waren nicht die schlechtesten Söhne der deutschen Erde, die damals die Heimat verlassen mußten. Das beweist nichts besser, als die Liebe und Treue, die sie fast zwei Menschenalter hindurch der alten Heimat bewahrten, dieser und dem amerikanischen Drudervolke zum Segen, diachdem unser engerer Landsmann Emil Pr ä- torius vor wenigen Monaten aus dem Leben geschieden ist, blieb nur noch Karl Schurz, der Nestor und Führer des amerikanischen Deutschtums in guten und schlechten Tagen.

Am 2. März 1829 in Liblar bei Köln geboren, bezog Schurz als achtzehnjähriger Jüngling die Universität Bonn. In den Strudel des Jahres 1848 stürzte er sich mit Be­geisterung. Er beteiligte sich im folgenden Jahre an dem Sturm auf das Zeughaus zu Siegburg und trat in die Rechen des badischen Revolutionsheeres ein. Er wurde in Rastatt gefangen genommen, doch gelang es ihw, sich in die «Schweiz zu flüchten. Im Jahre 1850 kehrte er nach Deutschland zurück und vollbrachte seine berühmte Befreiung Gottfried Kinkels aus dem Spandauer Zuchthause. Zwei Jahre später wandte er sich nach dem Lande der Freiheit. Er ließ sich in Philadelphia nieder, siedelte 1855 nach Watertown im Staate Wisconsin über, wo er sich jour­nalistisch betätigte und bald auch politisch hervortrat. Das Problem der Sklavenbefreiung beschäftigte damals die Gemüter, und die junge republikanische Partei trat lebhaft für die Rechte der Sklaven ein. Der ehemalige 48er spielte bald eine hervorragende Rolle unter den Führern der Partei. Er befreundete sich mit Lincoln und wurde von diesem im Jahre 1860 als Gesandter nach Madrid geschickt. Zwei Jahre später kehrte Schurz zurück, um ein Konimando im Kampfe 'gegen die Südstaaten anzunchmen. An der Spitze der deutschen Turnerregimenter, die mit ihrer mili­tärischen «Schulung das Rückgrat der Unionsarmeen bildeten, focht Schurz in der zweiten Schlacht bei Bull-Run, deren Ausgang Washington vor der Einnahme durch die Konföde- rierten schützte. Auch bei Chancellorsville, Gettysburg und auf den «Schlachtfeldern in Tennessee griff «Schurz entschei­dend ein. Nach der Beendigung des' Krieges nahm «Schurz seinen Wohnsitz in Detroit, wo er dieDetroit Post" heraus­gab. 1867 folgte er einer Einladung seines Freundes Prä- torius und verlegte seine Tätigkeit nach St. Louis, um dort mit diesem dieWestliche Post" herauszugeben. Im folgen­den Jahre entsandte ihn der Staat Missouri in den Bundes­senat, in dem er zu den angesehensten Führern der Repu­blikaner zählte. Als jedoch unter Grants Präsidentschaft die Korruption im republikanischen Lager sich immer mehr breit machte, trat er aus der Partei aus und gründete mit Sumner die sogenannteMugwung"-Partei, die bei den Wahlen von 1876 triumphierte und Hayes auf den Präsi­dentenstuhl brachte. «Schurz wurde in seinem Kabinett Staatssekretär des Innern und zeichnete sich durch seine Verwaltung der Staatsländereien und durch die Umsicht, mit der er die schwierige Jndianerfragc behandelte, ans. Mit Garfields Ermordung war der Einfluß derMug- wungs" gebrochen, und die Partei löste sich in ihre ur­sprünglichen republikanischen und demokratischen Bestand­teile auf. Schurz neigte seitdem mehr zu den Demokraten hinüber, trat jedoch bei den Wahlen von 1896 und 1900 energisch für Mac Kinley und die Goldwährung ein, wäh­rend er bei den letzten Präfidentschaftswahlen von 1904 ebenso heftig gegen Roosevelt und den Imperialismus zu Felde zog, der seit dem Kriege mit «Spanien den Grundzug der amerikanischen Politik bildet. Zwar unterlag Schurz, denn die Persönlichkeit Roosevelts siegte über alle Prin­zipien, doch verlor er nichts von der Liebe seiner alten und neuen Vol^genossen, die ihn jetzt auch zur Gruft geleitet.

Newyork, 14. Mai. Präsident Roosevelt sandte dem «Sohn von Karl «Schurz ein Beileidstelegramm, das damit schließt:Die Dienste von «Schurz in Krieg und Frieden werden nicht vergessen werden, solange die Ge­schichte der Republik besteht."

Berlin, 14. Mai. DieNordd. Atlg. Ztg." widmet Karl «Schurz folgenden Nachruf:

Mit ihm ist der bebeutenbfte Vertreter der zahlreichen Deut­schen heimgegangen, die jenseits des Ozeans eine z-wcite Heimat gefunden haben. Die hohe Verehrung, die er bei den Stammes- qenossen in den Bereinigten Staaten genoß, ist ein sprechender Beweis für die seltene Stellung, die Kärl Schurz sich durch geistige Begabung, Tatkraft und Charakter unter den Deutfck>en erworben hatte. Er stand ihnen in dem erfolgreichen Bestreben, deutsche Eigenart mit hingehender Arbeit für dasl große Gemein­wesen, das ihnen eine gastliche Stadt gewahrt, zu verbinden, als Vorbild vor Augen. Durch seine glänzende Beteiligung an den Kämpsen für die Erhaltung der Einheit der Nation, bei denen er l)vhe Führerstellungen inne hatte, erscheint er als her­vorragendster Typus des amerikanischen Deutschtums, das un­beirrt der^Fahne des amerikanischere Staatsgedankens gefolgt ist. Mit den Stammesgenvssen jenseits des Ozeans und der ganzen amerikanischen Nation betrauert die alte Heimat in dem nun Verewigten einen Sohn unseres Volkes, der an der Spitze zahl­reicher Angehöriger unserer Rasse den deutschen Namen in der Fremde zu Ehren gebracht und so wesentlich dazu mitgewirkt hat, daß das Deutschtum jenseits des Ozeans als eines der wert­vollsten Elemente, aus denen die große amerikanische Nation hervvrgegangen ist, hohe Wertschätzung genießt.

Deutsches Reich.

Berlin, 14. Mai. Der Reichskanzler empfing heute mittag den neuernannten Minister der öffentlichen Arbeiten Breitend ach.

Stuttgart, 14. Mai. Der König begab sich heute vormittag zu kurzem Aufenthalte nach Karlsruhe in Schlesien.

Dresden, 14. Mai. Zur st zur Livve ist heute vor­mittag zum Besuch des Königs eingetrosfen und nahm im Residenzschloß Wohnung. Abends um 6 Ulyr findet im Schlosse Galadiner statt und um y28 Uhr im Schauspielhaus Festvor- stellmrg.

BreSlau, 14. Mai. Der Groß Herzog von Sachsen- Weimar ist von seiner Jndieirreise zurückkehrend, heute nach­mittag in Heinrich au eingetrosfen.

Ausland.

Stockholm, 14. Mai. Die erste Kammer des'Reichs­tages verwarf mit 126 Stimmen gegen 18 Stimmen den Wahl­rechtsentwurf der Regierung und nahm mit 118 gegen 26 «Stimmen den Antrag betr. das allgemeine Wahlrecht mit Prv- portivnalwahlen zu den beiden Kammern und die Herab- etznng der Wahlperiode der Ersten Kammer von neun auf sechs Jahre an.

Paris, 14. Mai. Die amtlichen Nachrichten aus Guade­loupe über die Vorgänge während der Wahlen zur Tepu- tiertenkammer besagen, daß der Wahlkampf lediglich zu einigen Ruhestörungen führte, die durch die Gendarmerie l e i ch t u n t e r- drückt wurden, und daß die auf der Reede anwesenden fran­zösischen Kriegsschiffe nicht einzuschrciten brauchten.

Ma dr i d , 14. Mai. Der Ministerpräsident und der Minister des dlrußern unterzogen die Entwürfe der Handelsverträge mit der Schweiz und Deutschland einer eingehenden Prüf­ung. Die Entwürfe sollen dem nächsten Ministerrat vorgelegt werden.

Mailand, 14. Mai. Gestern wurde der Anarchist be­erdigt, der anläßlich der Streikunruhen getötet wurde. Hierbei kam cs zwischen Truppen und Kameraden des Gelöteten zu einem Zusammen st in dessen Verlauf ein KavaNeriekapitän durch Messerstick>e schwer verletzt wurde. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen.

T r o p v a u , 14. Mai. Zwischen Tschechen, die das hiesige tschechische Vereinshaus verließen, um einen Ausflug zu machen, und Deutschen kam es gestern zu einer Schlägerei, bei der drei Personen verwundet wurden. _ Die Polizei nahm eine Z^rhaftung vor. Die Reibereien zwischen^ den Deutschen und den Tschechen setzten sich außerhalb der Stadt fort, ohne daß es zu besonderen Ruhestörungen kam. Der Abend verlief ruhig.

Sofia, 14. Mai. Im Prozeß gegen das Organ der Nationalpartei die Zeitung912 i r", die seinerzeit den Mi­nisterpräsidenten Generalmajor Petrow und den Kriegsminister General a la suite, Sawow, der Bestechung beschuldigte, ist heute das Urteil gesprochen worden. Dasselbe lautet gegen den Redakteur auf einen Monat Gefängnis und 200 Franken Geldstrafe.

Belgrad, 14. Mai. Anläßlich der bevorstehenden Wah- l e n richtete der Minister des Innern telegraphisch ein Zirkular an die Präfekten, in welchem den Polizeiorganen die gleich­mäßige Anwendung der Gesetze gegen älü zur Pflicht gemacht wird und den Polizcibeamten auf das Strengste die Teilnahme an öffentlichen politischen Versammlungen außer in gesetzlich vorgesehenen Fällen verboten wird.

Koloiiialpoft,

Berlin, 14. Mai. Wie bereits berichtet worden ist, war Morenga anfangs April in der Gegend von Ukamas auf deutsches Gebiet zurü ck q e ke hrt, nachdem die Kappolizei seine Werft in nördlicher Richtung nach der Gegend von Rietfontein S. O. abtransportiert hatte. Mo­rengas Spur ging dann verlorn. Erst am 29. und 30. April wurde durch Augenzeugen festgestellt, das; Morenga sich im englischen Grenzort Bisseport östlich von Klip>- dam gezeigt habe. Als er am 1. Mai auf deutsches Ge­biet zurückkehrte, nahm Hauptmann B e ch , früher im Feld- Artillerieregiment 11, der die Msperrungstruppen an der Ostgrenze befehligte, sogleich die Verfolgung auf. Morenga überschritt alsbald mit bewaffneten Orlogleuten wieder die Grenze. Da die Kappolizei, deren bester Wille voraus­gesetzt wurde, nicht in der Lage war, Morengas E n t wa f f n u n g zu erzwingen, dehnte Bech die Verfolgung auf britisches Gebiet aus. Am 4. Mai ü b e r r a s cht e er Morenga mit 40 Orlogleuten bei Romisulay, 20 Kilometer östlich von Gappets.. In dem einstündigen Geseck)t ielen 26 Hottentotten, und 23 Gewehre, 100 Patronen und die Pferde Morengas wurden erbeutet. Morenga selbst er­hielt zwei Streifschüsse und entfloh mit sechs unbewaffneten Begleitern. Hauptmann Bech kehrte nach kurzer Verfolgung auf deutsches Gebiet zurück.

Das kaiserliche Gouvernement berichtet aus Dar- es-Sa la am folgendes: Die Kompagnie Schönberg operiert seit Anfang Mai am Nembue-Fluß nördlich von Liwale gegen die Matumbileute. Die Verluste der letzteren in "einem kleinen Gefecht betrugen 40 Tote und 30 Gefangene. Tie Kompagnie Wunderlich sichert die Verbindung zwischen Wiaunda und Mahenge. Der Fährbetrieb bei Jfakara ist wieder eingerichtet. Die Operationen des Majors Johannes im Norden des Be­zirks Songea nehmen einen günstigen Verlauf. Der Süden von Songea erscheint beruhigt.

Aus SfaM und £an&.

Gießen, den 15. Mai 1906.

** Auszeichnungen. S. K. H. der Großherzog haben dem Realschüler Gg. Stork zu Rockenberg die Rettungs­medaille, sowie dem Güterexpeditionsvorsteher i. P. Jak. Himmelreich in Darmstadt den Charakter als Rechnungs­rat verliehen.

"Militärdien st Nachricht. Branscheid, Lt. im Jnf.-Leib-Regt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, wurde der Abschied mit Pension aus dem aktiven Heere be­willigt; zugleich wurde er bei den Reserve-Ofsizieren des Regiments angestellt.

** Lehrerpersonalien. ' Uebertragcn wurde dem Lehrer Jak. Jser zu Haarhausen die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bauernheim; dem Lehrer Wilh. Lentz zu Geilshausen eine Lehrerstelle an der Gcmeindeschule zu Pfung­stadt; dem Lehrer Karl Müller zu Oltterbach die Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Schneppenhausen; dem Schul­amtsaspiranten Gg. Landmann aus Staufenberg eine Lehrerstelle an der höheren Bürgerschule zu Neu-Isenburg. Bestätigt wurde der von dein Prinzen zu Solms-Braunfels auf die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Weckesheim präsentierte Lehrer Jak. Kuhn zu Hergershausen für diese Stelle. In den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer an der Taubstummenanstalt zu Bensheim Christoph Hartmann au: sein Nachsuchen bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit.

"Verhaftet wurde gestern dahier auf Requisition der Kgl. Staatsanwaltschaft Frankfurt a. M. ein gewisser Wegener wegen Kautionsschwindel. Wegener steht auch im Verdacht, hier Betrügereien begangen zu haben. Er gab sich als Vertreter der Wach- und Schließgcscllschaft zu Frank­furt a. M. aus und verteilte hier Prospekte, um Abonnenten zu werben. Falls auf dieses hin Personen an Wegener Geld bezahlt haben, so empfiehlt es sich, der Kriminalpolizei Kenntnis zu geben.

* Uebersahren wurde gestern in der Marburgcr- straße eine Frau von einem Radfahrer und erlitt dabei einen Beinbruch.

** Schlägerei. In der Westanlage wurde gestern abend ein Handwerks bursche von einem angetrunkenen

Knecht mit einer Latte zusammengeschlagen. Der Knecht oll von dem Handwerksburschen mit Rücksicht auf seine Trunkenheit gefoppt worden sein, was Ersteren zur Tat vcr- anlaßte.

** Unfug durch Kinder. In der Wilhelmstraße wurde am verstossenen Samstag abend von spielenden Kindern eine Baubude geöffnet und die Werkzeuge und onstige Geräte b c s eh ä d i g t.

** Tiroler-Konzert. Am Donnerstag gastiert im Neuen Saalbau eine Tiroler Konzert-Gesellschaft Tobia? Wilhelm aus Innsbruck. Nach dem uns vorliegenden Programm bietet sie auserwählte heimatliche Gesangs- und Tanz-Vorträge. Die Gesellschaft war jetzt 14 Tage mit großem Erfolge im Museum in Marburg engagiert und gibt hier auf der Durchreise nur ein Konzert.

** Wach- und Schließgesellschaft. Von zustän« diger Seite werden tüir darauf hingewiesen, daß nur der Frankfurt er Wach- und Schließgesellschaft die Erlaubnis erteilt worden ist, hier eine Filiale zu errichten und die Bewachung und Schließung von Gebäuden und Grundstücken 2C. zu übernehmen. Die Angestellten der Filiale sind uniformiert und haben andere Personen keine Veracht^ gung, ein gleiches Institut zu errichten.

** Hessisch - Thüringische Staats lotterte. In der heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klasse fiel ein Gewinn von 30 000 Mk. auf Nr. 22701 (nach Schotten), eiu. Gewinn von je 10 000 Mk. auf Nr. 413 (nach Darmstadt) 'und auf Nr. 24142 (nach Alzey), Gewinne von je 5000 Mk. auf Nr. 15281 19693 35686 57999 75315, Gewinne von je 2000 Mk. auf Nr. 12121 13833 21233 31900 39835 40663 41743 44137 54037 57932 70451 78497 86644 86799 88742 97389. (Ohne Gewähr.)

K. Grün berg, 14. Mai. In der Ge meinderats- s i tz u n g am 12. d. M. befürwortete der Gemeinderat das Gesuch des Gustav I ö ck e l von Grünberg um Befürwortung der Konzession zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Gießener «Straße Nr. 102, da es sich um einen lieber gang vom Vater auf den Sohn handelt und auch seither die Wirt­schaft im selben Hause betrieben wurde. Das Gesuch des Gg. Koch von Meßen, im Stadtwald nach Bauxit bohren zu dürfen, wurde abschlägig beschießen. Die Cberförfterei, die darüber gehört worden war, hatte in dem «Sinne ge­raten, weil durch diese Schürfungen der Wald sehr geschädigt würde und die ebent. geringe Entschädigung in keinem Verhältnisse dazu stünde. Dem seitens des Finanzministe­riums an die Stadt gerichteten Ersuchen um lieber» lassung bezw. Stellung eines Bauplatzes für ein ebent. zu errichtendes Dienst- und Wohngebäude des Steuerkommissariats wurde nicht entsprochen, dagegen soll eine Anzahl Grundstücke zum Ankäufe für den betr. Bau dem Fiskus in Vorschlag gebracht werden. Am Samstag weilte der Untersuchungsrichter vom Großh. Landgericht Gießen mit seinem Sekretär am hiesigen Amtsgerichte und vernahm eine Anzahl Personen über ein Sittlichkeitsverbrechen, welches an einem 13jähr. Schulkinde begangen worden sein soll. Das Resultat war, daß der Angeschuldigte, der frühere Zimmermann O. Wild­hack von Grünberg, ein dem Trünke und Müßiggang stark ergebener, übelbeleumdeter Mensch, sofort in Untersuch* ungshaft genommen wurde.

0 Laubach, 14. Mai. Durch herrliches Sommerwetter begünstigt, war der Besuch derGeslügelausstellung am Sonntag ein starker, besonders waren von den Nachbar­orten «Scharen bon Besuchern'herbeigeeilt, sodaß gegen abend schon über 700 Eintrittskarten ä 50 Pfg. berkauft waren. Am Vormittage beehrte die Gräfin-Mutter mit ihren Kin­dern die Ausstellung, am Nachmittage besichtigte diese" Geh. Regierungsrat Schönfeld aus Schotten. Am heutigen Vor­mittage berweilten in ihr die Schulen aus Wetterfeld und Münster. Nachmittags 4 Uhr fand die Verlosiing statt. Aul 2000 Lose fielen 84 Gewinne, die alle in der Ausstellung angekauft worden waren. Gewinn Nr. 1 (1 Stamm gelbe Langshan) fiel auf Los 1611, es folgen die Losnummern 180, 443, 1897, 271.. Vor: den Weißbinder Reichhold Eheleuten wird uns mitgeteilt, daß sie eine briefliche Be­nachrichtigung bon ihren beiden Söhnen in San Fran­cisco erhielten. Danach sind beide unverletzt, doch haben sie ihre sämtliche Habe in den Flammen verloren.

P. A Schotten, 15. Mai. Vom 23.25. Juni L I. wird in unserer Stadt das 3 3. Gauturnfest des Gaues Hessen abgehalten werden. Wie bei anderen Gelegen­heiten wird auch bei diesem Feste sowohl der festgebende Verein, als auch die gesamte Bevölkerung darin wetteifern, ihr Bestes zu leisten," um allen zu stellenden Ansprüchen gerecht zu werden. «Sind doch schon seit geraumer Zeit aus allen Klassen der Bevölkerung zusamMengeisetzte Aus­schüsse an der Arbeit, das bevorstehende Gauturnfest in würdigster Weise borzubereiten, und als schlagendster Be­weis für die Hingabe der Bevölkerung an die schöne Sache mag der Umstand angesehen werden, daß sämtliche zu er-i wartenden Turner (es werden über 60 Vereine sein) in Frei» quartieren untergebracht werden, MässeUquartiere also ganz umgangen werden können. Ms Festplatz dient ein dicht bet Schotten gelegenes Plateau (der Bockzahl), der prachtvolle Blicke in das Gebirge, das Niddathal, auf die Feststadt, sowie die näheren waldreichen Höhen bietet.

b Nieder-Bessingen, 13. Mai. Heute mittag gegen 12V2 Uhr schlug ein Blitz strahl, ohne daß man Ahnung von einem schweren Gewitter gehabt hätte, in die Scheuer des Landwirts Johs. Steuernagel V. Jrn Nu stand die vor 14 Jahren erbaute Scheuer in Hellen Flammen und nur mit Mühe konnte das Vieh aus den Ställen gerettet werden. Wäre das Feuer nicht am Hellen Tage und dazu an einem Sonntage entstanden, wo alle Einwohner sofort zur Hilfe am Platze fein konnten, so wäre gewiß ein größeres Brand­unglück zu befurchten gewesen, da die angrenzenden Gebäude ganz dicht nebenan stehen. Dank des tatkräftigen Eingreifens der hiesigen, mie auch der Ober-Bessinger Feuerwehr und sämtlicher Ortseinwohner konnte das Feuer bald auf feinen Herd beschränkt werden. Der Abgebrannte ist versichert.

Q Ortenberg, 12. Mai. Der Gustav Adolf- verein feiert am 26. und 27. Juni d. I. seine 62. Haupt­versammlung in unserer Stadt. Die Vorbereitungen zum Fest, den Gästen angenehmen Aufenthalt zu bieten, sind im besten Gange.

O Hirzenhain, 12. Mai. Zum Schriftleiter des Vereinsorgans des Oberhessischen BienenzüchtervereinsDie Biene" wurde fürs folgende Geschäftsjahr der hiesige Lehrer Hensel in der jüngsten Vorstandssitzung gewählt.

Bleichen bach, 14. Mai. Gestern nachmittag gegen 3 Uhr zog ein sehr schweres Gewitter mit starken elektrische»

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