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15.2.1906 Erstes Blatt
 
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Vom Besten

schossen und drei schwer verwundet. Der Generalinspek- tor hat die strengste Verfolgung der Bande angeordnet.

New York, 14. Febr. DerNewhork Herald" bringt eine Depesche aus Washington, in der die amerikanischen Maßnahmen gegen den Ausbruch einer fremden feind­lichen Bewegung in China besprochen werden, und in der es heißt, die Negierung wünsche unter keinen Um- tänden in die Lage zu kommen, die es erforderlich machen könnte, Japan um die Wahrnehmung der amerikanischen Interessen zu ersuchen. Sie wünsche dies nicht, wen em olcher Schritt die Anerkennung der politischen und militärischen Vorherrschaft Japans rn Asien in sich schließe, die die Vereinigten St a aten zu geben nicht willens seien.

^amilie!t=Uacbrid>tctt»

G c st o r b e n. Herr Johannes Henes, Bad-Naubeim. Herr Philivo Gotthardt, Marburg. Herr Wilhelm Arnhold, Wetzlar. Herr Friedrich Merz V., Groß-Bieberau. Frau Marie Katharine Geisel, geb. Becker, Billertshausen. Frau Elisabeths Dippel, geb. Weißel, Hopfgarten. Frau Lina Duchardt, geb. Schlorb, Schotten.

Verlobte. Fräulein Margarete Seum, mit Herrn Karl Reuß, Nidda.

Geboren. Hei-rn Pfarrer Hebel il Frau Ella, geb. StroinSky. Waldkappel, eine Tochter.

kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Freitag, den 16. Februar, nachmittags 5*/, Uhr Vereinigung, der konfirmierten weiblichen Jugend der Lukasgeineinde im Kon- sirmandensaal, Liebigstraße 56.

Israelitische Rcligionsgesellschaft.

(bottcsbienfl.

Sabbathferer am 17. Februar 1906;

Freitag abend 5.15 Uhr.

Samstag vormittag 8.30 Uhr.

Nachmittags: 3.30 Uhr.

Sabbathmisgaiig 6.35 Uhr.

Wochengottesdienst: morgen? 7.00, abend? 5.00 Uhr.

Ausschuß, daß die Fortsetzung der Sammel­tätigkeit ihm Mittel verschafft, die ihn seiner Aufgabe wirklich gewachsen sein lassen.

Um allen Mißverständnissen vorzubeugen, sei hierbei be­sonders hcrvorgeboben, daß der Hilfsausschuß es nicht als seine Aufgabe betrachtet, ^Schadenersatz* zu leuten, iondeni lediglich die dringendste Not zu lindern.

Hiennit deckt fich auch eine schon früher bekannt ge­gebene Erklärung der Vertreter der baltischen Ritter­schaften, daß die Ritterschaften für ihre Angehörigen keinerlei Unterstützung anznnehmen gedenken, viel­mehr beschlossen haben, sich und den Ihrigen anS eigenen Mitteln zu helfen.___________

politische Lagesschau.

Dom antisemitischen Kriegsschauplätze.

DerDeutsche Verein" in Gie ßen schreibt uns Leute unter Bezug auf unseren Artikel in Nr. 35 im wesent­lichen folgendes: t m .

1 Die deutsch-soziale Partei leistet dem Bunde der Landwirte wederSchr ittrna cherdienste , noch wird sie dafür .ch eza hl t". Längst bevor eS eme" Bund der Landwirte gab, der bekanntlich im Jahre 1893 begründet worden ist, sind die antisemitischen Abgeordneten für einen ausgiebigen ZÄlschuh der deutschen Landwirtschaft eingetreten. Wenn der Bund der Landwirte allmählich eingefefym hat, daß die Anti­semiten im Reichstag von allen staatstreuen Parteien die ein­zigen waren, die in landwirtschaftlichen Kernfragen niemals ver­sagt haben, so ergibt sich daraus leicht, daß der Bund bei Wahlen mit Vorliebe seine Anhänger den Antisemiten zuführt.

Daß unsere Ueberzeugung von der Notwendigkeit enter frap Ligen Barernpvlitik und in den Städten vielfach, gerade bei den letzten Wahlen, schadete, wissen wir Dme Tatsache kann uns aber nur bestimmen, nicht um augenblicklicher Vorteile willen unsere grundsätzliche Stellungnahme aufzugeben, -tabet leisten wir nur unsSckrittmacherdienfte", mögen es auch vorerst nur kleine Schritte sein.

2. Wir lassen un5 von der llcbmeugung, mit entern starken Schutz der Landwirtschaft dem Volksganzen zu dienen, nicht abbringen. Das geschieht aber nickt dem Bunde der Land­wirte zuliebe, der uns früher oft genug heftig befehdet hat, simdern eS geschieht für die heimische Landwirtschaft selber.

Wir gehen daher auch fürderhin mit dem Bunde der Landwirte zusammen, wo es der gegebene Fall verlangt, und das ist ebenso berechtigt, wie wenn ftch in Bayern die Sozialdemokraten mit der (nach soziald. Behauptung^ reaktionärsten Partei, dem Zentrum, oder in Baden sogar mit ihiem Todfeind, den Nationalliberalen, verbindet. Im übrigen suchen wir Deutsch-Sozialen in vielen anderen Fragen unsere eigenen Wege, stehen auf eigenen Füßen und lassen uns von niemandembezahlen", auch nicht vom Bunde der Land-

Änf dem konservativen Parteitage zu Dresden (1898) er­klärte der Abg. von Plötz, damals Vorsitzender des B. d. L., auf eine Bemerkung, der Bund habe sich zu sehr mit den Anti­semiten eingelassen: m

Es ist auch nicht wahr, wie die gegnerische Presse schreibt, daß der Bund die Antisemiten mit Geld unterstützt habe, ft'etn Pfennig ist nach der Priegnitz gekommen. Eher konnten unS die Antisemiten vvrwerftn, daß wir sie n t ck t unterstützen, denn von den 100 000 Mark, die wir zu Wahl­zwecken verwendet haben, sind nur 300 Mark in einen anti­semitischen Wahlkreis gekommen."

Wem das noch nicht genügt, dem fei noch mitgeteut, daß der Vorsitzende des Thüringer Laridesverbandes des B. d. L. öffentlich erklärt hat, daß der Bund der Landwirte zur Wahl Schacks in Eisenack keinen Pfennig beigefteuert habe.

3. Aber die antisemitischeDachsenschau" hat doch ge­schrieben, den Reformern stände dasgroße Portemonnaie der konservativen Großgrundbesitzer und des V. d. L." nicht so zur Verfügung wie den Deutsch-Sozialen. Es ist höchst bedauerlich, daß ein auchantisemitisches Organ, das übrigens die vergrämte Eigenbrötlergesinnung eines Herrn Fa'ßhauer in Mogdebimg zum Ausdruck bringt, ben Gegnern Gelegenheit zu höhnischen Bemerk­ungen gibt.

Wie jedermann, der sich um Politik bekümmert, weiß, haben die Konservativen dem Führer der Deutsch-Sozialen, dem 'Abg. Liebermann v. Sonnenberg, durch allerlei Wohlkünste bisher den Weg zum vreuß. Abgeordnetenhaus erfolgreich berfberrt. Ebenso mußte derselbe Abgeordnete nvck bei den letzten Reichstags­wahlen sich eines konservativen Gegenkandidaten erwehren. Ferner: das konserv. Großgnmdbesitzertum gehörte von jeder zu unseren schärfsten Gegnern (bergt die Wahlen und die kon­servativen Parteitage?)

4. Von einem heftigen Kampf der Reformer und Deutsch- Sozialen in Hessen ist uns, die wir es doch zuvörderst wissen müßten, nichts bekannt., Es geht alles viel ruhiger als unsere Gegner wünschen und meinen."

Der deutsche Handelstag und die Taüaksteuervorlage.

Man schreibt uns:

Ter Ausschuß des Deutschen Handelstages hat bekannt­lich vor einiger Zeit die Tabaksteuervorlage der verbündeten Regierungen befürwortet, obwohl aus den Kreisen der ^Tabakindustrie die schwersten sachlichen Bedenken gegen die Vorlage geltend gemacht worden waren. Dieser Beschluß des Ausschusses des deutschen .Handelstages hat daher mit Recht lebhaften Unwillen hervorgerufen, denn es ist un­verständlich, wie im Deutsch. Handelstag, der doch die Zentral­stelle sämtlicher deutscher Handelskammern ist und demnach hie Interessen von Handel und Industrie zu wahren fj-at, die sachlichen Einwände der Vertreter der Tabakindnstrie so wenig Berücksichtigung gefunden haben. Um in der Voll­versammlung des Deutschen .Handelstages, die am 19. und 20. d. M. in Berlin ftattfinbet, einen anderen Beschluß als im Ausschüsse herbeizuführen, werden die an der Tabak­steuerfrage interessierten Handelskammern zu einer iVorversammlung am nächsten Sonntag in Berlin zusammentreten, um sich über ein gemeinsames geschlossenes Vorgehen in der Vollversammlung zu einigen. Es besteht die Hoffnung, daß die Vollversammlung des Deutschen Handelstages sich ebenso gegen die Tabaksteuervorlage aus­sprechen wird, wie es am vergangenen Sonntag in Mainz her Hessische Handelskammer tag getan hat.

Die bayrische Kammer über die auswärtige Politik.

München, 14. Februar.

Bei der Fortsetzung der Beratung des Etats des Mini­steriums bc§ Aeußeren führt Ministerpräsident Freiherr von Po de will? folgendes auS: Ich konnte nicht vorauSsehen, daß ich mit meinen Ausführungen vom 24. Oktober 1905 eine prinzipielle Erörterung der einschlägigen Fragen Hervorrufen würde. Der Widerspruch gegen meine Ausführungen erklärt sich wohl nur auS einer mißverständlichen Auffassung, als ob ich mich gegen den bisherigen Ufus gewendet hatte und ein neues staatsrechtliches Dogma aufstellen wollte. Ich habe nicht gesagt, daß hier über auswärtige Reichspolitik nicht ge­sprochen werden dürfte. Die Regierung will die Zuständigkeit des Landtages nicht engherzig beschränken, ebensowenig will die Regierung sich in Fragen ber auswär­tigen Politik ihres verfassungsmäßigen Ein­flusses begeben. Mir fühlen uns zu sehr als Glieder deS Reiches und empfinden alles, was daS Reich

Ausland.

London, 14. Febr Nach einer Meldung aus Tokio nahm das Abgeordnetenhaus tyeutc die Regierungsvorlage an, nach der die Kriegsschuld des Landes, die sich im Jahre 1907 auf annähernd 1822 Millionen Pen belaufen wird, 19 39 vollständig abgeznhlt sein soll, wobei in der Zwischenzeit sechs Konvertierungen vorgesehen sind. Die innere Schuld, die mit dem Kriege nicht zusammenhängt und die rund 575 Millionen Zen beträgt, soll nach dem Entwurf bis 1942 vollständig ge­tilgt sein.

Paris, 14. Febr. Die Kammer setzte die Beratung des Arbeiterversicherungsgesetzes fort und nahm den Antrag an, nach welchem das Gesetz auch auf land­wirtschaftliche Pächter, die für gewöhnlich nur Mitglieder ihrer Familie oder einen Knecht beschäftigen, Anwendung finden soll.

Tie antimilitärische Bewegung breitet sich auch in der Provinz aus. In Bordeaux wurden Plakate mit 1500 Unterschriften angeschlagen, worin die S o l d a t e n aufgefordert werden, auf ihre Vorgesetzten zu schießen, im Mobilmachungsfalle den Gehorsam zu verweigern usw. Auch in Lorient wurden solche Plakate angeschlagen.

Präsident L o u b e t empfing den russischen Bot­schafter Nelidow, der vom Kaiser Nikolaus den Auftrag hatte, Loubet aus Anlatz des Ablaufes seiner Amts­zeit die Gefühle persönlicher Freundschaft des Kaisers er­neut zum Ausdruck zu bringen und ihm zum Andenken die Insignien des Andreasördens in Brillanten zu überreichen.

Wien, 14. Febr. Im Abgeordnetenhaus sagte heute Ministerpräsident v. Gautsch, er wolle über Ungarn erst zu einem späteren Zeitpunkt sprechen, da vor allem die fertiggcstellten Handelsverträge erledigt werden müssen. Schönerer schreit ununterbrochen:Millionen von Gulden werden inzwischen gesetzwidrig ohne Ermächtigungsgesetz ge­zahlt. Unerhört! Unerhört!" Der Sozialist Resel ruft den Alldeutschen zu:Ihr seid Schwindler und Volks- betrüge r."

Konstantinopel, 14. Febr. Das Kriegsministerium hat keine Bestätigung darüber erhalten, daß der General­stabschef der Pem'en-Ärmee, General Izzes, gefallen sei. Ueber die letzte türkische Schlappe im 9)einen verlautet, daß von den Aufständischen eine Proviantkolonne abgesangen worden sei und daß die zur Hilfeleistung herbei­geeilten vier Bataillone eingeschlossen worden seien, wobei General Riza gefallen sei, zu deren Befreiung, wie es weiter heißt, Marsckall Achmed Feizi Pascha mit zwei Bataillonen heroeigeeilt war, infolge der er­littenen Ver luste jedoch bis Sanaa zurück gehen mußte, wo eine neue Expedition vorbereitet wird.

Am 1. d. M. hat eine griechische Bande in dem Bezirk Perlepe, Wilajet Monasnr, slawische Kirchen­bücher verbrannt, 13 angesehene Einwohner er*

Handel und Verkehr, Volkswirtschaft.

Zollwcsen undJndustrie. lieber dieses vielbesprochene Thema läßt sich der Börsenberichterstatter desFranks. Aktionav^ aus Berlin wie folgt vernehmen: Noch, nie zuvor hat vielleicht das Arbeitsbarorncter bei uns einen so hohen Stand erreicht. Das alles muß zurzeit vor der Sorge zurücktreten,. die tn den neuen Zollverhältnissen liegt. Vielleicht wird die Sötte und wird namentlich das Publikum die Zollsrage leichter, nehmen, menn man sehen wird, daß man die Gefahren für die industrielle (Hit- wicllung überschätzt hat, wenn man sich davon überzeugen wird, daß das Geschäft auch unter den erhöhten Zöllen gedeiht. Unmöglich wäre das ja nicht, denn in den Halbfabrikaten und Rohmaterialien sind die Zollschranken nicht so große, daß sie nicht sollten überwunden werden können und in der großen Menge der Fertigfabrikate sind die Industrien für das Inland noch so sehr beschäftigt, daß sie auf einige Monate hinaus den Export auch entbehren können. Vielleicht werden sich die Kapitalisten dann der guten Dividenden erinnern, die den Werken durch die volle Beschäftigung gesichert sind, und werden wieder Jndustrieaktien kaufen.

Die Berliner Börse war bet Eröffnung ruyig, aber fest. Am Montaumarkt ist ausgesprochene Erholung eingetreten auf die an die Äußerungen des Handelsministers geknüpften Hoffnungen auf Bergwerksankänfe durch den Fiskus. Ferner glaubt man, daß die Herren Engel und Kirdorf aus dem Berg­baulichen Verein diesem eine Annäherung an den Fiskus und eine Schwenkung in den Arbeiterfragen erleichtern werden. Auch Banken hielten fich meist um 1 Proz. höher als gestern. Ferner waren Schifsahrtsaktien und die Aktien der Allg. Elektrizitats-- Gesellschaft recht fest, da man glaubt, daß Automobilaufträge der Großen Berliner Straßenbahn der letztgenannten Gesellschaft zugehen werden. Im weiteren Verlauf hielt die Festigkeit an und zum Sckluß war wieder gro&e Stille zu beobachten. Privat- diskoitt 3'z< Prozent.

Verwischtes.

* Die Spielerassäre bei den Garderegi­mentern in Berlin zieht weite Kreise. Tie Stelle des Feldwebels R e n n o vom Augustw-Regt. ist. neu be- etzt. Außerdem haben sämtlicheUnteroffiziere und Avantageure der 1. Kvmpagnie mit Ausnahme der Kummer-Unteroffiziere eine Versetzung erfahren Den ersten Anstoß zu der Anzeige soll ein in Hast befindlicher Unteroffizier gegeben haben. Dieser soll durch tue Spiclverluste sich haben verleiten lassen, 600 0, Mark zu unterschlagen. Außerdem wird er beschuldigt, versucht zu haben, von cienm Mädchen die Unterschrift zu einem von ihm gefälschten Wechsel zu erlangen.

83jähriger Bräutigam. In tadellosem Frack- anzuge, eine Gardenia im linken Knopfloche und blendend weiße Glacehandschuhe an den Händen, so trat, wie man auS London schreibt, SirJameS Langrishe, ein irischer^Baronet, den Weg zur Kirche an, um sich dort eine zweite Frau an* trauen zu lassen. Obwohl die Zeremonie nur im kleinen Kreise vor sich ging, hatten sich doch zahlreiche Zuschauer auS der Gegend eingefunden. Denn ein 83jähriger Bräutigam ist immerhin keine alltägliche Erscheinung. Die nunmehrige Lady Langrishe, die mit ihrem Mädchennahmen Miß Algelha Maud Gooch hieß und die Tochter des Präsidenten einer Eisenbahngesellschaft ilt, zahlt genau 40 Jahre weniger als ihr Gatte, scheint sich aber an seiner Seite durchaus glücklich zu fühlen. Als das ungleiche Paar die Kirche ver­ließ, bereitete das Publikum ihm eine halb herzliche, halb humoristische Huldigung, die cs sehr freundlich aufnahm.

* Kleine Tageschronik. In Berlin wurde in einer Schankwirtfck'aft der 35 Sabre alte Kellner Max Zimmermann bei einer Schlägerei von seinem noch nicht ermittelten Gegner erwürgt. Professor Dr. Moritz Litten, der lei­tende Arzt des städtischen Krankenhauses in der G.tschinerstraße zu Berlin, wurde durch eine schnell um die Ecke biegende Droschke überfahren und innerlich verletzt. In So an n o ti e i vergiftete die 30 jährige Krau Sbrzersviy sich und ihre beiden Kinder. Der am Sonntag verstorbene Direktor bei Zwickauer Bank, Julius Stöhn, hat bedeutende llnter/ schlagungen bei der Bank begangen im Einvernehmen mft dem Kassierer der Bank. Nach dem Tode Stohns zeigte bei Kassierer bte Unterschlagungen bei ber Staatsanwaltschaft an/ erklärte aber, er habe selbst feinen Nutzen baüon gehabt, stöhne lebte in kinderloser Ehe und bezog ein jährliches Einkommen von 8000 Mark. Der Kassierer ist einstweilen auf freiem Fuß. -s In Paris hat fich der Herzog de Beaufort wegen einer unheilbaren Krankbeit erschossen.

anbetrifft, als unser eigenstes Interesse. Neber die Fragen der auswärtigen Politik geht uns von Berlin in tetiger Kontinuität ein reiches dipl. Material zu und jedem Ersuchen um Ergänzung dieses Materials wird stets entsprochen. Der BunbesratSausschuß der auswärtigen Angelegenheiten tritt selten zusammen, weil dafür Ersatz durch die Nebermittlung der diplomatischen Akten geschaffen ist. 51 bcv in besonderen Fällen und in außerordentlichen Fragen hat jener Ausschuß sich als wertvolle Institution erwiesen. Ich halte daran fest, daß die auswärtige Politik kein ge­eignetes Thema für die Behandlung im La nd- age ist, und daß das geeignete Forum der Reichstag bleibt.

Rur dort steht der Volksvertretung derjenige gegenüber, ber die Verantwortung für die auswärtige Politik trägt, der diese Politik verteidigen kann und allein zu beurteilen vermag, wie weit in jedem Moment Aufschlüffe gegeben werden können. Das vermag der Minister eines Ernzelstaates nicht, und wenn so aus den Einzellandtagen die Kritik unwidersprochen hinaus­geht, entsteht leicht ein falsches Bild, das unter Umstanden unsere auswärtige Politik schädigt. Der Dlinilter legt sodann nochmals die verfassungsrechtlichen Fragen dar und die Stellung des Fürsten Bismarck zu dieser Angelegen­heit. Mit der Auflösung des Landtages wegen An­nahme des Wahlgesetzes habe der Ministerrat sich noch nicht besaßen können, weil das Gesetz noch nicht in allen Stadien erledigt sei. (Beifall rechts.)

v. Volkmar führt aus: die Auflösung deS Landtages und Neuwahlen im nächsten Jahre feien selbstverständlich. Das Recht des Landtages, über die auswärtige Poliltik zu prechen, muß noch vertieft werden. Redner bekämpft in längeren Ausführungen die Ansichten des Ministerpräsidenten über die persönliche Stellung des Kaisers, über den Einfluß des Bundesrates und über den diplomatischen Aus­schuß deS Bundesrates, dem durch die Verfassung zweifellos ein Einfluß auf die auswärtige Politik zugesagt worden sei. Der bayerische Ministerpräsident bleibe dem Landtage gegenüber verantwortlich für Bayerns Einstuß auf die auswärtige Politik des Reiches. Der Landtag muffe an seinem Recht festhalten.

Memminger (Fr. 93g.) erzählt, wie Bismarck ihm persönlich gegenüber keinen Zweifel gelaßen habe, daß er wünschte, der bayerische Landtag und die bayerische Regierung möchten gegen Fehler der auswärtigen Reichspolitik Opposition machen. Der Redner kritisiert ferner scharf die in neuerer Zeit vorgekommenen Verleihungen des bayerischen Adels an Ausländer und Aus­länderinnen und fordert die Aufhebung von einzelnen un­wichtigen bayerischen Gesandtschaften.

Tr. Müller-Meiningen erklärt es für sehr be­denklich, wenn die Einzellandtage in Fragen der auswärt. Politik dem Reichstage vvrgrcifen wollten. Zurückhal­tung sei dringend geboten, zumal in kritischen Zeiten. Viel besser sei es, stets mit vollem Nachdruck die Einigkeit der Negierungen und des Volkes gegen jede aggresive Politik des Auslandes zu betonen. Wer wenn im Landtage Zurück­haltung auch praktisch geboten sei, so sollte man doch nicht versuchen, dies verfassungsrechtlich zu begründen. Der Kaiser sei in der völkerrechtlichen Vertretung des Reiches nach außen zwar unbeschränkt, aber nicht nach innen, da spräche der Bundesrat mit. Jede Regierung bleibe ihrem Landtage gegenüber für die Instruk­tionen ihres Bundesratsvertreters verantwortlich. Redner kritisiert dann den bayerisch-russischen Auslieferungsvertrag, dessen baldige Kündigung dringend erwünscht sei.

T aller (Ztr.) erklärt namens seiner Partei, daß die Auflösung des Landtages nach Beendigung dieser Session ihnen recht sei.