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14.11.1906 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

158. Jahrgang

Mittwoch 14. November 1906

>kn.

08435

e§:

DerNationalztg.* zufolge ist der Zentrumsabgeordnete Bachem schwer erkrankt und infolgedessen nicht in Lage, seinen parlamentarischen Pflichten nachzukommen.

teiierung der Lebensmittel und die damit zusaminenhängende steigende Unzufriedeuheit im Volke auf die Regie-»

un* durch Teil der unter

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Die Musik spielte hierauf die bayerische Hymne.

Den Beschluß der Festlichkeiten bilderen eine Festlich - bei dein Prinzen und der Prinzessin Ludwig. Kaiser und die Kaiserin, die sich in der Residenz von Pcinzregenten verabschiedet hatten, wurden vom Prinzen der Prinzessin in den großen Saal geleitet. Hier hielt

Dr. der

Linken verharrten in würdeovtlcm Ern ft. Zu er­wähnen ist der mehr freundnachbarliche Verkehr zwischen den beiden freisinnigen Fraktionen, wohl eine Wirkung des jüngst geschlossenen Wahltartells. Von den süddeutschen Volksparteilern waren nur dieVorposten" zur Stelle, die noch unterwegs Befindlichen versäumten nichts, denn die sachlich wenig be- merkenswerte Distussion floh träge dahin. Morgen wird das Bild ein anderes sein.

Die Teuerung.

In einem Berliner Telegramm der »Köln. Ztg/ heißt Es unterliegt heute keinem Zweifel mehr, daß die Ver-

ammlung findet statt

Gebhardt.

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zuwirken.

rung nicht ohne Einfluß geblieben ist und daß wir mittelbare Bi nah men zu erwarten haben, welche den dringendsten Klagen wenigstens zum abgeholfen werden soll. Eine Freigebung Grenzen in dem Sinne, daß man fremdem Vieh

Nr. 268

rf<tiftnt(|ltd> außer SonntaqÄ.

Dem Gießener Anzeiger werden Un Wechsel mtt dem hessischen Landwirt die Lietzener Kamillen, blätter viermal tn der Woche beigelegt.

Nolalionsdruck il Ver­lag der Brüh l'schen Unwers.-Buch-u. Siern- belieferet. 9t Bongt. Redaktion, fcvebttioti und ytu eieret:

Gchulpratze 7.

Redaktion 118

Verlag u.Exped.

Adresse für Deveschen: Anzeiger Gießen.

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fortrag' le aus Berlin über: was ist Tod" 0 Pfg. pro Person.

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parlamentarische-.

Berlin, 13. Nov.

Die Nationalliberalen haben unter der Führung Bassermanns folgende Interpellation eingebracht: Ist der Reichskanzler bereit, Auskunft zu geben über unsere Beziehungen zu den anderen Bi ächten und sich über die Besorgnisse zu äußern, die in vielen Kreisen des deutschen Volkes wegen dec internationalen Frage bestehen?" Folgende Anträge haben hier die Nationalliberalen gestellt: 1. die verbündeten Regierungen zu ersuchen, mit tunlichster Beschleunigung einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen die Berechtigung der Mitglieder des Reichstages oder anderer gesetzgebender Versammlungen wegen der in Ausübung ihres Berufes getanen Aeußerungen oder gepflogenen Verhandlungen ihr Zeugnis zu ver- iveigern, sicher gestellt wird; 2. einen Gesetzentwurf vor­zulegen, durch welchen die unmittelbare Haftung des Staates und anderer juristischer Personen des öffentlichen Rechts für die von ihren Beamten in Ausübung der ihnen anoertrauten öffentlichen Gewalt verursachten Schaden grundsätzlich ausgesprochen wird.

Dec Senioren-Konvent des Reichstages be­schloß heute, die Interpellation Bass ermann auf die Tagesordnung der morgigen Sitzung zu stellen. Reichskanzler Fürst Bülow wird antworten. Im An­schluß an diese Interpellation sollen zunächst Wahlprü­fungen erledigt werden. Sodann werden die Gesetzentwürfe folgen, die aus dem vorigen Tagungsabschnitte zurückgebli^ ^n sind. Später soll das Hilfskassengesetz zur Beratung gestellt und hierauf koloniale Rechnungssachen erledigt werden. Der Beginn der Kolonialdebatte ist für Dion tag in Aus­sicht genommen. Ten Schluß des noch rückständigen Arbeits- Iloffes soll dann die Novelle zum Unterstützungswohnsitzgesetz und das Automobil-Haftpflichtgesetz bilden und schließlich die Resolutionen aus der Steuerberatung.

Dem Reichstage ging em Antrag der beiden frei­sinnigen Fraktionen zu: 1. In dem § 52 der Straf­prozeßordnung einen Zusatz anzunehmen, nach welchem zur Verweigerung des Zeugnisses ferner berechtigt sind: Mit- glicbet des Reichstags, eines Landtags oder einer Kammer eines zum Reiche.gehörigen Staates m Ansehung desjenigen, was ihnen in dieser ihrer Eigenschaft anvertraut ist. Zeugnis darf nicht verweigert werden, wenn sie von der Verpflichtung zur Verschwiegenheit entbunden sind; 2. in die Strafprozeß- ocdmmg folgenden neuen § lila einzufügen: Gerichtliche sog. Untersuchungshandlungen sind in den Dienst­gebäuden des Reichstags, eines Landtags oder einer Kammer eines zum Reiche gehörigen Staates nur mit Genehmigung der betr. Körperschaft oder, wenn diese nicht versammelt ist, oder Gefahr im Verzüge ist, nur mit Genehmigung ihres Präsidenten zulässig. Bei der Vornahme derartiger Hand­lungen ist derjenige Beamte der in Betracht kommenden Körperschaft, dem die Beaufsichtigung ihrer Räume zusteht, zuzuziehen.

Die freisinnigen Parteien brachten ferner folgende Interpellationen ein: Welche Maßnahmen gedenkt der Reichskanzler zu ergreifen, um der herrschender Fleisch­teuerung schleunigst abzuhelfen ? Beabsichtigt er insbesondere Abhilfe zu schaffen 1) durch Oeffnung der Grenzen unter Aufrechterhaltung des Schutzes gegen die Einschleppung von Diehseuchen, 2) durch Herabsetzung bezw. Beseitigung der Biehzölle, 3) durch Aufhebung der Zölle auf F u t t e r m i t t e l? Was gedenkt der Reichskanzler zu tun, um den Beamten und Unter-Beamten, sowie den sonst in fester Besoldung stehenden Angestellten der Reichsverwaltung einen Ausgleich zu schaffen, für die nachteiligen Folgen der herrschenden Fleischleuerung auf ihre Lebenshaltung?

Die Sozialdemokraten brachten folgende Inter­pellation ein: Was gesenkt der Reichskanzler zu tun, um der notorischen Teuerung der notwendigsten Lebensrnittel, ins­besondere des Fleisches, bte zu einer schweren Kalamität für den größten Teil des deutschen Volkes geworden ist, entgegen-

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Die Musik spielte die preußische Nationalhymne. Un­mittelbar darauf erhob sich der Kaiser zu folgender Er­widerung:

Ew. Königl. Hoheit I Es fehlen mir die Worte, um den richtigen Ausdruck zu prägen für den herzlichslen Tank meiner Gemahlin und meiner selbst, für den unvergleichlich schönen Aufenlhall, den Sie uns bereitet haben. Ter heutige Tag reiht sich würdig an die Seite des Nürnberger Tages. Ter Empfang feitenö der Bevölke­rung von Ew. Königl. Hoheit Residenz war getragen von einem großen nationalen Gedanken und spielte sich ab auf einem wunder­baren Hintergrund festlicher Kunst. Ich bitte meinen innigsten und herzlichsten Tank zu Füßen legen zu dürfen für die Begrüßung seitens Ew. Königl. Hoheit und für den Jubel und den Enthusiasmus seitens der Münchener. Tie schönste Weihe des Festes ist aber für uns alle, daß wir Ew. Königl. Hoheit Erlauchte und Erhabene Person in so voller Frische dein Feste haben vorstehen sehen können und ich glaube aus dein Herzen eines jeden Anwesenden, eines jeden Bayern sprechen zu dürfen, wenn ich ruie: Ich bitte Gottes Segen auf das Haupt Ew. Königl. Hoheit und fein Erlauchtes Haus. S. Kgl. H. der Pnnzregeut er lebe hoch! hoch l hoch!

Milbttge

LebtuKk-

Sder«!

Professor Dr. S la by-Chaclottcnburg den Festvortrag. Eine gesunde Wechselwirkung zwischen wissenschaft­licher Theorie und technischer Praxis sei nötig. Mil gutem Erfolge arbeite man seit Jahren in Deutschland in diesem Sinne. Das Deutsche Museum, das der Station ihre Forscher menschlich näher bringen solle, sei ein würdiger Be­weis hierfür. Der Redner gab dann ein Lebensbild deö Bürgermeisters von Ntagdeburg, Otto v. Guericke, den ersten deutschen Ingenieur.

Gegen 11 y, Uhr fuhren der Kaiser lind die Kaiserin zuni Bahnhof, geleitet vom Prinzen und der Prinzessin Ludwig und dem Prinzen Ruprecht. Die Kaiserin fuhr nach Achern zum Besuch der Prinzessin Theodora von Schleswig- Holstein, der Kaiser nach Donaueschingen zum Besuche des Fürsten von Fürstenberg.

Als Gegengeschenk für die vom Prinzregenten er­haltenen Erinnerungsstücke von Friedrich dem Großen wird der Kaiser dem Prinzregenten eine äußerst wertvolle Spende in Form einer Sammlung von Rüstungen und Rüstung st eiten, die früher dem alten bayerischen Geschlechte der Grafen von Törring gehört haben, sowie eine Anzahl im Berliner Zeughause ausgestellter Waffen stücke bayerischen Ursprungs zum Geschenk machen. TaS kaiserliche Geschenk wird größtenteils im bayerischen National­museum, teils auch im Armeemuseum in München Aufstellung finden.

Staatssekretär von Tschirschky stattete gestern dem Staatsminisier Freih. v. Podewils einen längeren Besuch ob. Dieser Besprechung folgte heute eine längere Unterredung des Ministers v. Podewils mit dem Staatssekretär Grafen P o s a d o w S k y.

Aus dem Reichstag.

R. Berlin, 13. Nov.

Dichtgeschart standen heute um bte Stunbe der Reichs- tagserössnung politisierende Zeitgenossen am Hauptportal des Parlamentsgebäudes, scharf ausspähend nach dem Wagen des Reichskanzlers. Man wollte ihn selber sehen, den genesenen Leiter der Reichspolitik, der nunmehr in vielleicht beispiellos stürmischen Debatten seinen Mann stehen muß. Aber er kam nicht. Wie sollte er auch? Die aus der Tagesordnung der Eröffnungssitzung stehende Beratung von Petitionen ist nicht bedeutungsvoll genug, um den ersten Beamten des Reichs zum Erscheinen im Parlament zu veranlassen. Aber seinpersönlicher Adjutant", der Chef der Reichskanzlei v. Loebell, lvar zur Stelle. Von Staatssekretären nur der Reichssäckelmeister Frhr. v. Stengel. Im Parkett aber drängte sich Kopf an Kopf was wunder, wenn Präsident Graf Ballestrem im Tone vollkommener Befriedigung die heutige Sitzung für eröffnet erklärte.Wie anders wirkt dies Zeichen aus mich ein!" Nun, es wird an dem bleiben, da der goldene Diätenregen täglich au fdas Reichshaus herniederrinnt. Einer der ersten im Saal war der Zentrumsführer Dr. Spahn. Er sah nichts weniger als oppositio­nell gestimmt aus. Rechts und links gab es einen Hände­druck von dem Zentrumsgewaltigen, auch die Herren aus der Bundesratsestrade wurden mit solchem Willkommens­gruß bedacht. Bei der Begrüßung mit dem Führer der Nationalliberalen, Basser mann, zeigte sich aber auf den Mienen Dr. Spahns ein wahres Augurenlächeln. Es schien gelinden Zweifel anzukünden an der Nach­haltigkeit derFrondeur-Stimmung" der Nationalliberalen. Lassermann indessen blickte mit düsterem Ernst drein, den durch ein scherzhaft Wort zu bannen später Graf Ballestrem sich bemühte. Guter Dinge schien der geraume Zeit erkrantt gewesene Abg. Dr. Paasche, der als Vizepräsident fungierte. Natürlich fehlte Abg. Erzberger nicht, dessen Sinn nach neuen Ent- hüller-Lorbeeren steht. Einstweilen vertraute er seine Jung-Zentrums"-Schmcrzen seinem Gönner und Lands­mann Gröber an. Aus der Rechten waren die Afrika­fahrer Dr. Arendt, Frhr. v. Richthofen und Dietrich, die noch die Spuren der Tropensonne zeigten, Gegenstand be­wundernden untere,jes, ferner Abg. o. Riepenhunsen, einer der Chinasahrer, der aus der Sibrr. Bahn zurucrgekehrt ist, früher als feine auf Den Seeweg eingeicyworenen Reichs- kameraden. Die führenden Persönlichkeiten der

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW

xetqentetl: Han 4 Beck.

Tie heutige Fummer umfaßt 12 Seiten.

Ate Krundstnnlcgung des Deutschen Museums.

München, 13. November.

Nach der von einer beispiellos großen Huldigung der gewerblichen und Handwerker-Korporationen, der Veteranen-Vereine und Studentenschaft begleiteten Ausfahrt des Kaiserpaares und des gesamten HofeS er­folgte heute Vormittag in der Festhalle auf der Kohleninjel unter dem Geläut aller Glocken die feierliche Grundstein­legung zum deutschen Museum, daS Bürgermeister Dr. von Borscht als ein Wahrzeichen der Herrlichkeit des geeinigten Vaterlandes und als eine gewaltige Errungenschaft des deutschen Kulturlebens gefeiert hatte.

Der Prinzregent hielt folgende Ansprache:

Zu einem bebeutfamen Werke soll heute der Grundstein gelegt werden, zu einem Tenlrnal für die Errungenschaften des mensch­lichen Geistes auf dem Gebiete der NaturWissenschaften und der T e ch n i k. Ganz Teutschland hilft bei diesem Werke mit. An der Spitze der Nation hat Eure Dtajeftät dem neuen vater­ländischen Unternehmen von Anfang an Ihre mächtige Förderung gnädig zuteil werden taffen. Taß Eure Majestät und I. Ai. die Kaiferm meiner Einladung gefolgt und hierher gekommen sind, gereicht der heutigen Feier zu höchstem Glanze unb ich sage Eueren sJJtaje|iäten hierfür an- warmem Herzen tief emp'unbenen Dank. Ich bitte Eure Majestät, nunmehr nut mir ben feierlichen Hammer- fchlag vornehmen zu wollen.

Alle Glocken der Stabt begannen zu läuten. Zuerst voll­zog ber Prinzregent die drei Hammerschläge, dann der Kaiser mit folgenden Worten:

Ein ewig erhebendes Denkmal, ben bahin gegangenen Forschern zur Erinnerung, ben Lebenben zur Aneiferrmg, ben Nachkommen- ben zur Nacheiferung, bem Regenten zur unvergeßlichen Ehret

Prinz Ludwig vollzog die Hammerschläge ,311m Heil, Nutz und Frommen des Deutschen Reiches, des Staates Bayern und seiner Hauptstadt München".

Nach Beendigung der Feier in der Halle begab sich der Kaiser in die alte Kaserne der schweren Reiter zur Besich­tigung der Konkurrenzentwürfe für daS Museum und von dort mit dem Prinzregenten zur Maximilianstraße zur Ab­nahme des Parademarsches der Truppen der Garnison München. Später begab sich der Kaiser und die Kaiserin zum Frühstück in die preußische Gesandtschaft, woran Minister- präsident Frhr. v. Podewils, der Staatssekretär v. Tschirschky und andere tetlnahmen.

Der Kaiser hat anläßlich der Eröffnung des Deutschen Museums unb der Grundsteinlegung seines endgiltigen Baties für die Sammlungen der Museumsstiftung das Schnitt- modell eines im Bau befindlichen Kriegsschiffes mittels nachstehender Urkunde in Aussicht gestellt:

.Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen, Markgraf zu Brandenburg, Burggraf zu Nürnberg und Graf zu Hohenzollern, entbieten dem Deutschen Museum in München zur Feier seiner Eröffnung und ber Grundsteinlegung seines enbgiltigen Baues Unseren Kaijerl. Gruß und Glück- w u n f ch. Hervorgerufen durch eine Reihe hervorragender Ver­treter der deutschen Naturwissenschaft und Technik hat das Museum unter der Obhut und fördernden Huld des bayerischen Königs- Hanfes, tatkräftig unterstützt durch das Reich, das Königreich Bayern und die Haupt- uni) Residenzstadt München, dem hohen Ziele, eine alle Zweige der Naturwissenschaft und Technik umfassende vaterländische S a m m l u n g s st ä 11 e zu werden, wirksam zugestrebt. Möge ihm auch fernerhin unter dem fein Gedeihen verbürgenden Schutze von Reich und Staat die Teil- nahnie der das Geistes- und Wirtschaftsleben des Vaterlandes leitenden Kräfte erhalten bleiben, unb es dadurch befähigt werden, ber deutschen Arbeit reiche Anregung zuzuführen. Zum Ausdrücke Unserer Kaiserlichen Huld und Fürsorge wollen Wir dem Museum für seine Sammlungen daS Schnittrnodell eines Unserer im Bau besiudlichen Kriegsschiffe stiften als em Merkzeichen der Errungen­schaften deutschen Gewerbesleißes und der im Reiche geeinigten Wehrkraft des deutschen Volkes."

Vor der Ausfahrt des Kaiserpaares ereignete sich ein schw erer Unfall. Auf dem Marienplatz stürzte die Dekoration der Turner-Vereine ein. Ein Mann erlitt etnen Schäbeldruch, drei andere wurden an Händen und Füßen und Gesicht schwer verletzt.

Der Kaiser besuchte heute nachmittag u. a. die Schack- sche Galerie und das neue Nationalmuseum und empfing später die Deputation der Innungen und Vereine Münchens, bie einen künstlerischen Pokal überreichten. Die Kaiserin besuchte heute nachmittag das Gisela-Kinderhospital und die evangelische Diakonissenanstalt.

Am Abend fanden sich im Vallsaal der Residenz gegen 250 Gäste zu einer Gal ata fei zusammen, die der Pcmz- regent gab. Außer bem Kaiser, der Kaiserin, den Prinzen und Prinzessinnen waren geladen: Eine große Anzahl baye­rischer Standesherren mit ihren Gemahlinnen, die Gesandten, Minister, Gelehrte, bie Bürgermeister der Städte München, Nürnberg und Augsburg rc. Der Kaiser trug die Uniform seiner Bamberger Ulanen; der Prinzregent trug preußische Uniform. Die Kaiserin hatte den Theresienorden angelegt. Gegen Ende der Tafel erhob sich der Prinzregent 311 folgendem Trinkspruch:

Es ist mir ent herzliches Bedürfnis, meinen kaiserlichen Gästen nochmals aufrichtig zu danken für bie Gnade, die sie hallen, meiner Einladung zu bem Heuligen Feste Folge 311 geben. Tie Gegenwart Ihrer Majestäten verleiht dem an unb für sich schönen Feste er­höhten Glanz unb befonbere Weihe. Ich erlaube mir, auf das Wohl meiner kaiserlichen toäfie, S. M. des Tentfchen Kaisers^ memeä teuren Freundes, und I. M. der huldvollen Kaiferm zu trinken. Ich fordere Sie nun auf, meine Gäste, mu nur em- zustirnrnen in den Ruf: S. M. ber Ternsche Kaiser und König von Preußen und I. M. die Teutsche Kaiserin leben Hoch! Hoch! Hoch!

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