darum Vorsicht! Selbstverständlich ist die Prozedur nicht Bet Licht und Feuer vorzunehmen, da Benzin feuergefährlich ist.
* Palmen. Um Palmen selbst zu ziehen, gibt man Tattel- kerne in ein beliebiges Gefäß mit weichen Sägespähnen, stellt cs> auf den warmen Ofen und hält es durch lauwarmes Wasser feucht: nach einigen Wochen fangen die Kerne zu keimen an, man hebt sie vorsichtig aus und verseht sic mit guter Erde einzeln oder paarweise zur weiteren Entwickelung in Blumentöpfe: auf diese Weise hat eine Mitarbeiterin von „Fürs Haus", wie sie in dieseni praktischen Wochenblatt mittcilt, nach einem Jahre schon kräftige zweiblättrige Palmen erzielt und ging ihr auch nicht eine zu Grunde. Die Palme liebt Sonne und Wasser.
ere-stegtmentsmuin ronzcrncrr am I. Ofrer- tag nachmittags 4 Uhr im Schützengartcn in Wetzlar.
** Impfung italienischer Arbeiter. Am vergangenen Mittwoch fand abermals eine Impfung italienischer Arbeiter statt und zwar etwa 150 Mann auf dem Braunsteinbergwerk und 30 Mann auf der Polizeiwache.
§ H eu ch e lh e i m, 13. April. Gestern nachmittag gegen 4 Uhr brach in der S ch e u e r des Landwirts Jakob N e i d e l Feuer aus. Es griff außerordentlich rasch um sich und bald stand auch das Nebenhaus, der Schuppen und die Nebengebäude von PH. Hofmann und von PH. Löber in Hellen Flamtnen. Ter Giebel von dem Nachbarhaus brannte ebenfalls, aber die Feuerwehr griff bald rüstig ein. Bon Kinzenbach und A tz b a ch waren auch Feuerwehren erschienen. Um 7 Uhr war man Herr des Feuers, aber noch die ganze Nacht mußte gearbeitet werden. Tie Scheuer und die Nebengebäude sind vollständig abgebrannt, das Wohnhaus zum Teil, lieber die Ursache des Feuers weiß man nichts. Dir dem raschen und umsichtigen Eingreifen der hiesigen Feuerwehr ist es zu verdanken, daß das Feuer bei dem trockenen Wetter und leichten Südwind keine größeren T-imensionen annahm.
+ Großen-Linden, 13. April. Nach achtmonatlicher Prüfung der Wasiervcrhältnisse hat der hiesige Gemeinderat die Bauernm uh le nebst das in deren Nähe befindliche Quellengebiet am 11. d. Mts. angekaust. Die projektierte Wasserleitung wird eisenfreies und weiches Wasser liefern. Das Wasser enthält nur 7,9 Härtegrade; ein gleich gutes Master ist in der Umgebung nicht zu finden. Wasser aus Basaltfelsen ist in der Regel zu hart. Die Quantität des WasterS bei der Bauernmühle reicht nicht nur für Großen-Linden, sondern auch noch für einige Nachbardörfer.
Mainz, 13. April. In der heutigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung machte Baurat Kuhn die Mitteilung, daß die städtische elektrische Straßenbahn bei einer Einnahme von 605 000 Mk. im abgelaufencn Rechnungsjahr einen Rein Überschuß von 1 00 00 Mk. ergeben habe.
Wiesbaden, 12. April. Eine größere Anzahl Mitglieder des finanziell völlig zusammen gebrochenen Kamberger Korn Hauses hatte bei der hiesigen Staatsanwaltschaft gegen den Raiffeisen--Verbandsdirektor Dietrich- Wiesbaden als Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Kornhausgenossenschaft unterm 26. Januar eine Untersuchung beantragt „wegen grober Verletzung seiner Obliegenheiten als Aufsichtsrat, wodurch eine schwere Sch ädigung der Genossenschafter und der gänzliche Ruin des Unternehmens herbeigeführt worden sei." In dieser Eingabe waren einzelne Momente der Mißwirtschaft aufgeführt, z. B. daß aufgrund unrichtiger Bilanzen Dividende herausgc- rechnet worden war, wo in Wirklichkeit ein Verlust vorlag, ferner, daß Chilisalpeter mit Viehsalz vermengt und als vollwertig verkauft wurde, daß entgegen den Statuten ein umfangreicher .Handel mit ausländischem Getreide in Mainz und Wiesbaden betrieben worden sei, was Zu Verlusten führte, daß die Revisionen durch untergebene Beamte des Direktors vorgenommen worden und wertlos gewesen seien, kurz, daß die gesamte Geschäftsführung „leichtfertig" gewesen sei und sich als ein f,ortge-- setzter gewissenloser Vertrauensmißbrauch und grobeSchädigung der Interessen der Mitglieder, meist armer Bauern, darstelle." Die Unterzeichner dieser Eingabe warteten zwei Monate lang vergebens auf einen Bescheid der Wiesbadener Staatsanwaltschaft. Sie haben daher eine Klage der Oberstaats- anwaltschaft in Frankfurt a. M. eingesaudt mit der Bitte um Beschleunigung des Verfahrens, da ihnen bisher noch nicht das geringste bekannt geworden sei.
[] Marburg, 13. April. Betreffs des sog. Milli o n en- 'konkurseS des früheren Universitäts-Buchhändlers Georg Schrammhabenschon mehrere damit in Zusammenhang zu bringende gerichtliche Verfügungen stattgefunden. Das mit etwa 35Ö 000—400 000 Mk. Hypotheken belastete neue Geschästsgebäude in der Marktgaste, sowie die sog. „Wolfsburg", die Schramm bewohnte, soll am 28. Mai d. Js. öffentlich verkauft werden. Außerdem sichen auf den Namen des verschwundenen Universitäts-Buchhändlers Schramm noch mehrere Häuser hier in Marburg, sowie in Leipzig, Griesheim, Offenbach, Frankfurt und Bockenheim, außerdem ein Weinberg in Planig und Bauterrain bei Coblcnz. Durch allerhand Manipulationen hatte es Schrannn, der den Aufwand eines Millionärs machte, verstanden, sich alle diese Besitztümer zu erwerben. Wohin er sich jetzt gewandt, weiß
man immer noch nicht. — Auf den Anschlagtafeln und Säulen des schon viel erwähnten Marburger Plakatinstituts prangen seit heute die Pfand zettel des Gerichtsvollziehers.— Die Polizei verhaftete einen lange gesuchten Hoch staple r.
Handel und verkehr, Volkswirtschaft.
Der Erfolg der deutschen Anleihen. Die Behauptung des' „B. B. C.", daß das Resultat der Subskription auf diese Anleihen hinter den bescheidensten Erwartungen zurückgeblieben ist, ist nicht richtig. TaS Ergebnis kann in Anbetracht der besonders ungünstigen Umstände, die nicht weiter ausgeführt zu werden brauchen, als befriedigend bezeichnet werden. Es sind eben au Stelle der Konzertzcichner, seriöse Nehmer getreten. Eine Ueberraschung haben die ziffernmäßigen Angaben, wonach der aufgelegte Gesamtbetrag von 560 Mill. Mk. mit 850 Mill. Ml. 1,52 Mal gezeichnet worden ist, nicat Hervorrufen können, da Zeit und Umstände die Maßnahme der Finanzverwaltung eben nicht begünstigte und vor allem die gespannte Lage des internationalen Geldmarktes einen kräftigen Erfolg von vornherein ausschloß. Tas Berliner Börsenblatt kann übrigens seinen Unmut anläßlich der Besprechung des Ergebnisses der Anleihen nicht verwinden, daß die russische Anleihe nichts nach Deutschland kommt und schreibt sogar den angeblichen Mißerfolg der heimischen Emission vorzugsweise dem Umstand zu, daß Rußland vorläufig der Kredit entzogen wurde. Hätte unsere Regierung, schreibt das Blatt, der Emission der russischen Anleihe in Deutschland keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt,, so würde dies nicht allein die Börsenstimmung, sondern auch die Geld- verhältniste in der günstigsten Weise beeinflußt haben, und dies wäre der Emission de-r inländischen Anleihen, wenn man sie der ausländischen hätte folgen lassen, in bedeutendem Maße zugute gekommen. — Daß dies Sophistereien sind, die sich ernstlich gar nicht begründen lassen, wäre leickt, Punkt für Punkt nach- znweisen, es ist dies jedoch nicht der Mühe wert. ' Allerdings schwebt ein eigener Unstern über den Unleihemaßnahmen der deutschen Reicbsregienmg, die trotz des sichtlichen Bemühens, früher begangene Fehler zu vermeiden, sich noch immer nicht als von langer Hand vorbereitet, erweisen, meint die K'. Z. mit Recht. (Dgl. auch den polit. Teil.)
R c i ch s b a n k. Am 10. Mai wird in A n s b a ch eine von der Reichsbankstelle in Nürnberg abhängige Reickrsbanknebenstclle mit Kasseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.
Paris', 13. April. Es lteißt, daß die Vertreter der Bankinstitute in ihrer heutigen Sitzung sich über die Hauptpunkte der russischen Anleihe geeinigt haben. Eine endgiltige Entscheidung dürste jedoch erst morgen, vielleicht erst Montag erfolgen.
Par is, 13. April.. B ö r sen -B c richt. Der Verkehr war wegen des Ausfalls der Börsen in London und Berlin leblos. Schluß ruhig. Die Aktien, der Kreditinstitute waren in der letzten Stunde gefragt auf das Gerücht, daß die Bedingungen für die russische Anleihe endgiltig sestgeftellt seien. Rio Tinto schwach trotz des Dementis bezüglich des Einsturzes von einem Bergwerk der Gesellschaft. Tie neue russische Anleihe wurde mit 3j/2 Prvz. Prämie gehandelt.
Vornrrfchter.
• Das Duell um Mitternacht. Der Kanfmanns- sohn Tisch und der Fabrikbesitzer Sochor in Wiener-Neustadt gerieten nach einem Brande, bei dessen Löschung sie sich beteiligt hatten, um Mitternacht im Wirtshausc in Streit, bei welchem ersterer den anderen zum Duell forderte. Beide entfernten sich unter Mitnahme einer Pistole und 10 Patronen auZ dem Gasthause und begaben sich auf den Marktplatz von Neunkirchen, wo das „Duell" in der Weise ausgetragen wurde, das; zuerst Tisch auf Sochor, dann Sochor auf Tisch je drei Schüsse abgab. Beim dritten Schuß, den Sochor abgab, wurde Tisch am Halse verletzt. Sochor wurde jetzt vom Bezirksgericht wegen Körperverletzung, begangen in der Trunkenheit, zu 14 Tagen Arrest verurteilt.
* Schuhwerk wasserdicht z u machen. So ost auch die Hausfrau im Winter in die Lage kommt, Schuhwerk wasserdicht zu machen, so wird sic immer wieder finden, daß es eine schmutzige Arbeit ist, die außerdem in ihren Resultaten nur teilweise befriedigt. Bei den oft empfohlenen Leinöleinreibungcn werden Strümpfe und 'Kleider beschmutzt. Tie käuflichen Schmieren dagegen machen das Leder ost spröde und rissig. Bei nachfolgendem, in der praktischen Wochenschrift „Fürs Haus" empfohlenen Verfahren werden jedoch alle diese Uebelstände vermieden. Man löst so viel seingcschnittencs Paraffin in Benzin in einer verschlossenen Flasche auf, bis' dieses nichts mehr annehmen kann. Die Mischung wird mit einer weichen Bürste und in den Fugen zwischen Sohle und Oberleder mittels eines Haarpinsels ausgetragen. Das. Benzin verflüchtigt sich schnell, das Paraffin bleibt in den Poren des Leders zurück und macht diese vollkommen wasserdicht. Eine einmalige Behandlung genügt für lange Seit, auch kann das Schuhwerk bald wieder wie gewöhnlich behandelt werden. Tie Sohlen sind im Anfang etwas glatt,
Landwirtschaft.
Auch in nuferer Gegend gibt es hier und dort kahle Abhänge, Bahndämme usw., die sich nutzbar machen ließen im Interesse der Imkerei. Eine der dankbarsten, beschönigenden Pflanzen ist unstreitig Phacelia tanaceti-, folia. Diese Pflanze verlangt geradezu einen mageren Boden. Tie Aussaat beginne anfangs März, und kann nach der Vlütezeicht, die zirka acht Wochen währt, erneut vorgenommen werden. In 5—7 Wochen nach der Bestellung kommt die Phacelia schon zur Blüte und zwar bis in den Herbst hinein. Zweifellos wird der Anbau der Phacelia unsere Bienenzucht bezw. die Honigernte bedeutend heben. Auch eignet sich diese Pflanze als Viehfutter und zur Gründüngung,. Bemerkt sei noch, daß Phacelia nicht „dick" gesät werden' darf, leicht einzueggen und der Saatboden etwas zu walzen ist. p.
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinde.
I. Osterfeiertag, den 15. April:
Fu der Stadtkirche.
Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer Schwabe.
Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für. die Matthäus- und Markusgemeinde gemeinsam. Pfarrer D. Schlofser.
Abends 6 Uhr: Pfarrer D. Schlosser.
I« der Johanneskirche.
Vormittags 9V, Uhr: Pfarrer Euler.
Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die LukaS- gemeinde Pfarrer Euler.
Abends 6 Uhr: Beichte. Pfarrassistent Knott.
Nach allen Gottesdiensten Kollekte für die Kirchenkasse.
2. Osterfeiertag, den 16. April.
In der Stadtkirche.
Vormittags 9Vz Uhr: Pfarrer D. Sch losser.
Nachmittags 2 Uhr: Vorstellung und Prüfung der Konsir- manden ans der Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe.
'Abends 6 Uhr: Siehe Johanneskirche.
Die Konfirmation der Kinder aus der Markusgemeinde sinder am Sonntag, den 22. April, und im Anschluß daran Feier des heil. Abendmahls statt. Die Beichte wird Samstag, den 21. April, nachmittags 2 Uhr, gehalten.
Die Mitglieder der Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Matthä uSge- mein de werden geboten, sich am 2. Feiertag nach dem Vor° miltagsgottesdienst möglichst vollzählig im Gemeindefaal zu einer kurzen Besprechung einfinden zu wollen.
In der Johanneskirche.
Vormittags 9V? Uhr: Pfarrassistent Knott.
Konfirmation der Kinder aus der Johannesgemeinde; tm Anschluß daran Feier des heil. Abendmahls.
Nachmittags 2'/. Uhr: Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden aus der Lukas- und aus der Militärgemeinde.
Abends 6 Uhr: Professor D. E cf.
Nach allen Gottesdiensten besondere Kollekte für die Armem
Die Konfirmation der Kinder aus der Lukas- und der Militär» gemeinde findet am Sonntag, beit 22. April statt, im Anschluß daran Feier des heil. Abendmahls. Die Beichte ist Samstag zuvor nachmittags 2 Uhr.
1. Feiertag 4—9 Uhr 206
Nur offen.
2. Feiertag 4—9 Uhr 345
Nur Pelikan-Apotheke offen.
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mir erzählen, wie es „in der Welt da draußen" aussah.^Lie konnte sich keine Borstclliing tion einer Eisenbahn, einer Straße mit nebeneinanderstehenden mehrstöckigen steinernen Häusern, Garten mtd menschenersüllten Plätzen machen und wenn ihre Phantasie sich "ein Bild davon zu schaffen suchte, so faßte sie such an
Ganz anders als die Dienstmädchen skandinavischer Abstammung — mögen es norwegische, schwedische, dänische oder isländische sein — sind die nordfinnischen. Wie im Lande der tausend Seen ein Trauerflor über einem jeglichen zu liegen scheint, so ist auch das Wesen jener Mädchen auf einen gedämpfteren Ton gestimmt. In ihrem Leben gibt es so wenig Feste, sie müssen immer arbeiten, und darum ^verstehen . sie auch gar nicht recht zu lachen und zu plaudern. Sie interessieren sich auch wenig für Putz, und wenn sie je einmal versuchen, sich zu schmücken, so legen sie herzlich wenig Geschmack dabei an den Tag. Nur wenn sie nach Amerika auswandern — Auswanderung der finnischen Dienstboten nach der neuen Well nimmt immer zu — dann hängen sie sich einen mächtig großen Kranz ans bunten Blumen wie ein Bandelier um die Schulter und tragen Sträuße int Gürtel und in den Händen. Hoffen sie, daß unter dem Sterilenbanner das Leben ilynen heiterer und leichter verläuft, als in ihrer märchenhaft schönen, aber doch so tief melancholischen Heimat, in der zur Winterszeit die Sonne überhaupt nicht aufgeht? Vielleicht ist es so. Aber dennoch lieben sie diese Heimat und verlassen sic streng genommen doch wohl nur, weil ihnen jenseits des großen Wassers höherer.Lohn für leichtere Arbeit löinft, als im schwermutsvolleii Suomt.
Begegnet nun eine deutsche Dame solch einem damenhaften Mädchen in dienender Stellung, so pflegt sie'meist zuerst nicht zu glauben, daß sie tatsächlich ein Stubenmädchen oder eine Stewardeß vor sich hat inib behandelt sie mit übertriebener Zuvorkommenheit, worüber jene überlegen ironisch lächelt. Erfährt die deutsche Dame aber, wie die Dinge liegen, so verfällt sie in ben entgegengesetzten Fehler und spricht mit, bent Mädchen in einer Art, vor der sie sich ihrer eigenen Stubenfee gegenüber wohl hüten würde. Das nimmt die „Pige" begreiflicherweise bitter übel, denn sie ist an dergleichen absolut nicht gewöhnt^ T'.c Folge von alledem ist dann häufig, daß die deutschen Frauen ein ganz ungerechtes Urteil über die nordischen Dienstmädchen fällen rind sie für übermütig und prätentiös halten.
auf einem Fleck?" fragte sie wie träumend. „Ist das mögsich? Kann cs das geben? Da muß es einem doch ganz ängstlich in Mut werden." Merkwürdigerweise stellten sich aber sofort nditige Begriffe bei ihr ein, sobald meine Schilderungen sick um Kunst und Wissenschaft drehten. Daun erfaßte sie den Kernpunkt der Sache rasch und tat keine törichten Fragen mehr, e-ic wäre für ihr Leben gern mit uns gekommen, aber ich hütete nnck wohl, sie mit zu nehmen, denn zweifellos wäre sie fern von ihrer Margen engen und doch so mächtigen Meer- und Bergheimat todunglücklich gewesen. Auffällig erschien cs auch, wie sie, die doch nie Modemagazine und elegante Toiletten gesehen hatte, sofort das Charakteristische jeder Mode heraussand und fick mit einem sicheren Geschmack kleidete, um den manchs vornehme Dame sie hatte beneiden können. Freilich ist der Sinn für das ^ckwne den Nortvegerii angeboren, wie wohl keinem anderen Volk der Erde.
Dienstmädchen im Norden,
Von M. Kossak.
Wenn der Fremde zum erstenmale nach dem hohen Norden Europas kommt, so wird es ihm anfänglich meist sehr schwer, den dortigen Dienstmädchen gegenüber den richtigen Ton zu finden. Ich habe es wiederholt erlebt, daß Reisende — und zwar Dmnen viel häufiger als Herren — sich durch die Art, in welcher sie den Mädchen entgegentraten, in die peinlichsten Situationen gebracht haben. Denn diese hochnordischen „Hausgehilfinnen" sind so himmelweit von den unseren verschieden. Sie sind kaum weniger gebildet, als ihre Herrinnen, sie gehen, mit Ausnahnie von Sonntags, im allgemeinen viel einfacher gelleidet, als unsere Küchen- und Stubenfeen, anderseits aber, was den Zuschnitt ihrer Kleider anbetrifft, dessen ungeachtet damenhafter und moderner, sie sind zwar bescheiden und zurückhaltend, aber doch auf eine Art, welche deutlieh erkennen läßt, daß sie sich im Grunde den höheren gesellschaftlichen Kreisen zuzählen, sie sind sehr fleißig, scheuen sich vor "feiner Arbeit, wollen ihre Freistunden aber unverkürzt haben und last not least — sie geben allerdings im großen und ganzen verhältnismäßig wenig Anlaß zum Tadel, Uertragen aber auch gar keinen. Nicht, daß sie in solchen Fällen unverschämt werden — nein, das liegt nicht in ihrer Art — aber sie gehen tagelang wortkarg, gekränkt umher, wie beleidigte Prin- zeffinnen. Oefsentliche Tanzvergnügungen besuchen sie fast nie, dagegen füllen sie ihre Muße mit Spazierengelien, Lesen und dem Ansertigen vielev feiner Handarbeiten aus. Mit einem Wort — cs sind junge Damen, keine Mädchen aus dem Volk.
Das ist vielfach 'wörtlich zu nehmen, denn es gilt in den Nordländern — und das um so mehr, je näher man dem ewigen
Mit unseren deutschen Dienstmädchen würden sich die nordischen ganz und gar nicht verstehen, ja, ich glaube, daß sie sich überhaupt nur schwer in unsere deutschen Verhältnisse fügen würden. In Svolvaer auf den Lofoten bediente uns ein Mädchen, welches in mannigfachster Hinsicht mein Interesse erregte. Es war noch nie über die Grenzen der Jnselheimat binausgekommeii und hatte noch nie eine Stadt gesehen — denn Die Losotenstädte mit unserem Begriff von Städten nicht das niindepe Da sie sehr regen Geistes war, ließ sie sich gern von
lebten in behaglichen Verhältnissen und würden sie gern bei sich im Hause behalten haben, auch hatte sie als Kind weite Reisen ins Ausland mit ihnen gemacht — was sie veranlaßte, sich selbst ihr Brot zu verdienen, mar außer der Sitte des Landes, der Wunsch, selbständig zu sein, eine streng geregelte Tätigkeit |luz .... .vl.v v«w.. zu haben und die Welt kennen zu lernen. Diese Mädchen treten, chen Kops, als ob cs sie schwindelte. „Hunderte von Menschen indem sic dienende Stellungen annehmen, durchaus nichts für immer aus den .Meisen, denen sie durch ihre Geburt angehören, sie heiraten vielmehr meist Aerzte, Lehrer ober Beamte. Manche schließen freilich auch Heiraten, die wir nicht als standesgemäß erachten möchten. Die vorerwähnte Stewardeß vom Kong Inge hatte sich- zum Beispiel, als' ick sie vor einigen Wochen in Kopenhagen wiedersah, mit ihrem männlichen Kvllcgen von dem nämlichen Schiff, auf dem aucu sie fuhr, verlobt. Freilich war er ein sehi: feiner und gebildeter junger Mensch'. „Wer weiß, ob er nicht der Sohn eines Ministers ist", meinte ein Herr scherzweise, Wenn ich nun auch das niajt gerade glaube — obgleich ich es für positiv unmöglich auch nicht halte, da zum, Beispiel gegenwärtig ein früherer Dauer einen dänischen Minister post en innebat — so kann er recht gut aus besseren Beamtenkreisen stammen. Es herrscht eben in den Nordländern eine Vermischung der Stände, von der wir uns nichts träumen lassen.
Eis kommt — nicht für unpassend, wenn eine sogenannte höhere Tochter eine dienende Stellung annimmt. So habe ich es schon tviederholt erlebt, daß Töchter von Aerzten als Stewardesse auf Schiffen fuhren. Auf der Göteborg, einem Dampfer, der die Verbindung zwischen Gothenburg und Christiania vermittelte, befand sich z. B. solch eine Arzttochter, ein achtzehnjähriges Mädchen, dem Urbilh einer Gudrun oder Jngeborg ähnlich, die tvic jede andere die Kojen reinigte und die Gäste bediente, auch sich nicht im mindesten scheute, Trinkgeld zu nehmen. Weiterhin war die Stewardess auf dem Kong Inge, der uns diesen Sommer von Kopenhagen nach Reykjavik brachte, die Tochter eines Arztes. Sie hatte sich zwar ursprünglich als Krankenpflegerin ausgebildet, daun aber bekam sie Lust, ferne Länder zu sehen und I und hatte nock nahm ?u diesem Zwecke die genannte Stellung an. Es trieb sie haben ja mit Lmeswegs die bittere Notwendigkeit dazu, denn ihre Eltern gemein.


