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3.1.1906 Zweites Blatt
 
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18S. Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. S

General-Anzeiger, Amts- Md Anzeigedlatl für den Ureis Sieben.

Erlchetnl tLgNch mit Ausnahme des Sonntags.

DieOiehener Zamittenblatter" werden dem tynneiqei viermal wöchentlich betfldegt Der Ehesstich« Landwtrtt' erscheint monattich eintnaL

Mittwoch 3. Januar

NotattonSdr-uck und Verlag der firfibflcbe* t Urrwersllälsdruckeret. R. Lange. Greben.

Redaktion. Expebitton ».Druckerei - Schulstr

Tel. Nr. 5L Lelegr.-Mr.r Anzeiger Gretzea.

Alle die anderen Mitwirkenden, die Tarnen Schellen- berg, Fischer, Bayrhammer, Jenny und Ruf, und die Herren Mendel und Steinmann (der für den plötzlich erkrankten Herrn Lüttjohann in letzter Stunde eingesvrungen war und, diesen Umstand in Betracht gezogen, seine Sache besonders nett machte) trugen nach besten Kräften das Ihre zum immerhin ganz respektablen Erfolge des gestrigen Abends bei. Leute ist wohl bei den meisten der gestrigen Theatergäste dieser Abend bereitsversunken un­vergessen". * P- W-

R. B. Darmstadt, 2. Jan. Das Darmstadter Hof- theater leitete das neue Jahr mit der Erstaufführung einer modernen französischen OperetteDas Schwalbennest von .Henri Herblay" ein: daö festlich erleuchtete HauS war nahezu ausverkauft. Als der I. I. K. K. H. H- Großherzog und du Frau Großherzogin in der rechten Seitenloge erschienen, brachte Bürger­meister Dr. Glässing unter freudiger Zustimmung oller Anwesen­den als Bcglückvünschnng zum neuen Jahr dem Großher;oglra)en Paar ein dreimaliges Hoch dar, woraus die Hofkapelle tue Nationalhymne intonierte. Die neue Operette ist im Grunde genommen eine recht leiebte, seichte Karnevalsposse, die eher zum Sylvester oder zum Fasching zur Aufführung geeignet ge­wesen wäre: ein neues Jahr beginnt man besser m,t einem ernsten Kunstgenuß. Unter demSchwalbennest" ist em Tamcn- stift frömmster Art bei Paris zu verstehn, in das sich zwei flotte Studenten, der eine azs Stiftsherr, der andere als fromme Novize unter allerlei Fomifrbcn Umständen cinzuschlcichen wissen. Daß namentlich die letztere dabei den allertollsteu Unfug verübt, den Stiftsdamen beim Baden behilflich ist, d" Iran Oberin frottiert, glücklicherweise nickt aus der Bühne, über die man nur ein halbes Dubend der jungen Mädcheii im Badelostüm vorüber- h,ischen sieht. ist bei einem französischen Opus dieses Genres selbstverständlich. Im übrigen arbeitet der Autor fast durchweg mir mit pikanteu oder prickelnden Possensituotioneu, mit Pfeif- nnd Nies-Kuplets dasHatschi" des Stistsherrn erschüttert das ganze Haus und mit Kalauern, die zu allermeist schon auf ein recht respektables Alter zurückblicken können. Die Musik enthält manche recht fiottc, hübsche Tanzrhvthmcn und melodiöse Kvplets, ist aber ein Sammelsurium aus allen möglichen der bekanntesten Operetten, aus denen sich der Autor anscheinend saus genc seine Musik zurechtmachte. Trotzdem trug die Operette einen großen Lacherfolg davon, der aber ausschließlich aus die wirklich glänzende Inszenierung, Darstellung und Ausbeutung znrückzuführen ist. So hatte besonders der inhaltslose dritte Akt einen wirksam einschlagenden Humor erhalten durch den Protokollierelchen Poli'eikommissär Lagrignole (Herr £

Wolga-Brücke droht eine Fl e iseht e u erun g in den Groß­städten, die meist sibirisches Fleisch brauchen.

Die dieTimes" melder haben sich die Reste der Revo-- lutionäre in Moskau im Stadtteil Presnia verbarri- kadiert und befestigt. Ta ein Angriff auf die revolutionäre Position viel Blutvergießen kosten würde, haben sich die Behörden entschlossen, die Rebellen durch eine regelrechte Belagerung auszuhungern. Sowohl in Mos­kau, als auch in allen Teilen des russ. Reiches werden Hunderte von Revolutionären verhaftet. Tie Behörden beschlagnahmten ungeheure Quantitäten von Waffen aller Lorten. Tausende Bomben wurden gefunden und konfis­ziert. In Moskau machten die Revolutionäre den Versuch, 5)00 verhaftete Kameraden zu befreien. Rach .heftigen Kämpfen wurden die Revolutionäre von den kaiserlichen , Truppen au sein an der gejagt. ,

Inzwischen b e g r ä b t M o s k a u seine Toten bei Tage und bei Nacht. Haufenweife liegen unbekannte Leichen auf den Höfen. Unter den Schwerverwundeten befindet sich auch

ist, daß den deutschen Theaterleitungen insgesamt bei dem ständigen Verlangen des ihre Häuser besuchenden Publikums nach Neuem und Neuestem nichts anderes übrig bleibt, als es vorlieb nehmen zu lassen mit der weizenlosen Spreu des Tagesmarktes. Zuzugeben ist ferner, daß mit euiem Stücke wie diesem ein genügsames und nachsichtiges Pu­blikum zufrieden ist, das in dem Theater nicht eine Statte ernsthafter Kunstpflege, eine Stätte zur Förderung der Gesittung und Vertiefung der Einsichten ins weite Lebens­feld sieht, sondern nur seine harmlose und unterhaltsame Zerstreuung in ihm sucht. Und schließlich ist das Recht auf anspruchs- und aufregungslose Erholung nach des Tages Lasten ein zu achtendes Volksrecht, und ebenso bleibt ja auch bei so bescheidener Begrenzung seines Zweckes das Theater ein gemeinnütziges Institut, denn auch nur wenigen Freude machen ist Geistesthat von ethischem Wert. Freilica ist's Sache des Geschmacks und mehr der Lebensan- und Einsicht ob man mehr herzhaft sich zu freuen als freund­lich zu lächeln vermag über diesentappeten" Münchener Maler, den Huber Hausl, der seinen Schwiegervater in spe ankrastmcicrt wie einen Hausknecht, seine Hosenträger im Salon des Kommerzienrats revidiert und seine Moaß- krüagerln mit Schaumabpusten säuft; über die Lchnoddrig- keiten des Herrn Schneppke, der berlinert, det de ^teene matschig werden, über die busserlnde und gebusserlte alte Tante Therese, und den vollends abgegriffenen schnarrenden Bühncn-Jardeidioten. Zur rechten Herzensfreude an solchen Karikaturen gehört jedenfalls eine schlichte Lauterkeit des Gemütes,die sich nicht viele aus heiter sorglosen Jugendtagen ins ernste Schwabenalter hinüberzurettcn vermögen. Hebet manchen guten Witz aber konnte gestern mich der Skeptiker herzlich mitlachen und seine Helle Freude haben an dem prächtigen Humor des Herrn Lippert, der als ^Groß- lau mann" das ganze Stück trug. Und vielleicht auch noch an den bajuvarischen Terbhetten des unwahrscheinlichen Münchener Malers und vollends unmöalichen Reserve- Leutnants der schweren Reiter, Derbheiten, die nur deshalb allenfalls komisch wirken konnten, weil sie so deplaziert als möolich waren und die Herr Goll mit seinem bekannten Augmauffchlag zu den ober-n Rängen hin begreiflicherweise ohne sonderliche Lust und Liebe und mit verwunderlichem Gleichmut, zum Teil aber doch auch ganz wirkungsvoll bald in bayerischem, bald in gar keinem Dialekt vortrug.

BoMilche TlMssHau.

Merkwürdige Urteile.

Dem wenig anmutigen Kranze sonderbarer Kriegs- Gerichtsurteile ist ein neues eingefügt worden, das wieder einiges Kopffchütteln verursachen wird. In Koblenz kamen ein Gefreiter und ein Unteroffizier in Wortwechsel und schließ­lich in eine Rauferei. Der Angreifer war, wie gericht­lich konstatiert wurde, ber Unteroffizier. Der angegriffene Gefreite verteidigte sich mit einem Regenschirm nnd wurde dafür zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Er hatte auf den Unteroffizier' mit dem Regenschirm emge- schlagen und diesen verletzt. Ein Disziplinarvergehen, das den Manu zwei Jahre seiner Freiheit kosten soll?! Wir sind unter allen Umständen für die Aufrechterhaltung der Disziplin im Heer, weil ein Heer ohne Disziplin im ent­scheidenden Augenblick versagen muß. Aber das ist doch schließlich nicht von besonders erzieherischer Wirkung, wenn dem Untergebenen begreiflich gemacht wird, daß er sich wehr­los den Angriffen seines Vorgesetzten auSzufetzen hat. Tie Kriegsgerichtspraxis freilich hat den Satz sanktioniert, daß der Untergebene stille zu halten hat, wenn der Vorgesetzte sein Mütchen an ihm kühlen will er kann sich ja dann hinter­her beschweren und den Fall zur Anzeige bringen. Der gefunbe Menschenverstanb und vor allem daZ gesunde, mann, haste Empfinden werden diesen Standpunkt nicht teilen, und auch die höheren Instanzen haben, freilich oft nur unter dem Druck der öffentlichen Meinung, ihre abweichende Meinung in gesünderen Urteilen dokumentiert. Immer aber be­gegnen wir den gleichen Unbegreiflichkeiten der Kriegsgerichte wieder, ein Beweis dafür, daß das Ver­langen nach einer durchgreifenden Aend erring des Militär st rafgesetzbuches durchaus nicht länger aufge­schoben werden darf. Man wird ja irre an der mili­tärischen Gerechtigkeit, da? Rechtsempfinden nimmt bedenklichen Schaden, wenn das so weiter geht, und wenn eS erst des Macht- und Rechrspruches der oberen Instanzen bedarf, derartige Ungeheuerlichkeiten wieder au9 der Welt zu schaffen. Hoffentlich greift man endlich einmal zu!

Moltke der Zweite.

Au8 den baltischen Provinzen.

Ans Ri g a meldet vom 2. Januar die Petersb. Tel.-Ag. : Heute wurde eine Mtcilung Dragoner beim Pferde putzen uner­wartet von einer aus etwa 300 Arbeitern bestehenden Bande mit Revolver sckB ff en und blanken Waffen angegriffen; 11 Dra­goner wurden getötet und 14, unter ihnen 8 frfaver, verwundet; ferner wurden ein Polizist und ein Beamter getötet. Die Dragoner griffen bald zu den Waffen, erwiderten das Feuer und zwangen die Bande, welche 8 Tote zurückließ, zum Rückzüge. Andere Truppen Nnirden herbeigeholt, welche. die Auf- ständiscken umzingelten itnb die Auslieferung der Anführer und der Waffen forderten. Im Falle der Weigerung beschloffen sie, mit äußerster Strenge vorzugehen.

In Riga findet in den nächsten Tagen eine Versammlung der reichsdeutscheni Staatsangehörigen statt behufs Llüseudung eines Memorandiiuis an die konservative Fraktion des deutschen Reichstages, welches bei der Beratung der Interpellation über den Mangel an Schutz für Die deutschen Reicksang-hörigen während der russischen Wirren Ver­wendung finden soll. , ,

Seite acht Tagen ist der Aufftand auf C st h l a n d uber- gesprungen. Viele Güter sind verbrannt, mehrere Edel­leute ermordet. _ .

Nach verschiedenen Meldungen aus Petersburg ist cm neuer Aufstand in Reval im vollen Gang, und es' hat den An­schein d^ß er die Dimensionen der Riaaer Unruhen annehmen

Kleines KeuiTelon.

, Am Gießener Stadttheater wurde am DienstagTer Großkaufman n", ein Dreiakter der Herren Walther irnd Stein, gegeben, den Verfassern der /Herren Söhne". Die Herren Autoren nahmen sich dies­mal die Freiheit, dieNouvecrutö" ihres Warenlagers in BühncneffektenVolksstück" zu nennen. Toch weder ist's ein Stück fürs Volk, noch aus dem Volke; nicht fürs Volk, weil die Unterhaltung, die es ihm bietet, von äußerster Ober­flächlichkeit ist, weil der ernsthaft Werktätige, der besonnene Mann des Volkes das Anschauen eines solchen Stückes als zeitvergeudenden Müßiggang empfinden muß; und nicht aus dem Volke, denn die Bühnentypen, die hier ihr Unwesen treiben, sind nicht lebendigem Volke nachgeschaffen, ge­hören nun und nimmermehr existierenden Volksklassen., wohl ober dem Theaterbestande an seit der seligen Birch-Pfei,fer Zeiten. Tie versand es indessen doch noch ein wenigem Herzen des Volkes ein paar schwache Saiten wehmutsvoll an klingen »u lassen, während die Herren Stein und Walther durch nichts anderes ihreVolkstümlichkeit zu erlveisen ver­mögen, als indem sie eine theatralische Abart vornehmer Gesinnung und Handlungsweise ausspielen gegen so schutzlos als mutwillig den Lebenskampf auf sich nehmende ehemalige treue Hausgesährten, Angestellte und jetzige einfältig Parvenüs, die herzhafte Tüchtigkeit des beut" sch en Offiziers trotz vielleicht mancher kleinen äußerli chen Schwächen von dilettierenden Tamen nicht verspottet wisten wollen und den deutschen Künstler dem Volke als den komplettesten Tugendbold, das, wenn auch in den Formen vrg^komische, Muster der Mannheit vorführen! Im übrigen nehmen sie ich nicht einmal die Mühe, von tausend alten Schwänken her bekannte Figuren em wenig originell zu kostümieren oder auch nur dem Ganzen eme eimgermaßen aparte Frisur zu geben. So lächerlich a)ief also bekommt W W das Leben zu schauen, daß in Köpfen Un- bratener und Unerfahrener, die für lebensecht diese ^ihncu- bilder halten manche üble Verirrung entstehen kann. 3^ JiaS&en ift 'baft ba3 gegenwärtige Bühnenrepertoire in aNe? Welt 'von höchst beklagenswerter Jämmerlich^it ist, daß die dramatische Produl.iou unser. , ^age ni-otenteils nur Nieten zustande bringt, wenn aua, hier und da cm

Erfolg von rein ephemerer Bedeutung zu verzeichnen

Oberst Etter. r t

Das Arbeiter-Kvrnitee in Jwmwwo-Wsnessensk ließ den Ar­beitern aller Moskauer Bahnstationen einen Aufruf zugehen, in welchem es heißt, die Bauern seien bereit, sich zum Schutze des Thrones und ihrer von den Revolutionären mißachteten Rechte zu erheben: sie warteten nur auf das Signal, daher bitte das Kvmitee die Truppen, das Leben der Aufständischen nicht zu schonen. Ganz Rußland blicke letzt auf die Trupven, welchen zu Hilfe zu kmnmen, die Bauern bereit feien. Die Direktoren der in Moskau emmunden- den Bahnen bittet das Komitee ihren friedlicheii tote aufständischen Angestellten zu rrf.'ären, dm das Volk unabänderlich entschloßen ei, sich zu erheben, um den Aufstand auf den Bahnen zu unterdrücken und den Frieden dem Moskauer Kreml zu diltieren, falls der Vahnverkehr bis zum 6. Januar nicht wiederbergestellt fei. Die Bauern sagten, eS fei bester, bei ihrer Verteidigung in der Heimat zu sterben als zu Hause zu verhungern, oder durch die Aufstände nmzukommen. .

Aüi 1. Januar fand in der Nähe von Tropowka ein Zu- s a m ni e n ft o ß zwischen zwei Militärzügen statt. Es heißt, daß zwölf Personen getötet sind.

Bei der Niederwersirng des Aufstandes in G o r l o w k a wur­den 300 Aufständische durck die Truppen getötet. Die Verluste der belagernden Trupven, welche 400 Mann stark waren, beliefen sich auf 3 Tote und 12 Verwundete. Etwa 500 Auf­ständische ergaben sich und wurden in Freiheit geietzt, nachdem sie einen Eid geleistet hatten. 700 Patronen, 300 Lanzen und eine große Anzahl von Gewehren, Karabinern usw, ferner Dynamit und 2 Bomben wurden weggenommen. Der Kamps dauerte sechs Stuiiden.

Man schreibt uns aus Benin:

Sein unsterblicher Onkel nannte ihn ernst in einem >Feldzuasbriefe:einen braven Jungen, der immer freudig auf seinen Dienst geht" . . . Noch heute nach 35 Jahren erscheint das Wort nicht schlecht geprägt. Schon in seinem Aeußeren hat der neue Chef des General st abes der Armee, Generalleutnant und Generaladjutant Hel­lmuth von Moltke nichts von dem an sich, was man unter einemGeneralstäbler" zu verstehen pflegt. Groß, breit­schultrig und ein wenig stark, mit einem runden, gesund- gefärbten Gesicht, dem ein paar hellblaue, klare Augen einen jovialen Ausdruck verleihen, und einem kleinen rot­blonden Schnurrbart, sieht er eher aus wie ein mecklenb. oder pommerscher Gutsbesitzer, dem die Hühnerjagd gut ausgefallen ist. . . . Trotz 36jähriger Dienstzeit militärisch noch ein unbeschriebenes Blatt. Daß er das Zeug zu einem tüchtigen Frontoffizier, ja vielleicht selbst zum komman­dierenden General hatte, wußte man in der Armee--

--aber Chef des General stades!? Bis zuletzt hoffte man immer noch, auf einen anderen würde die Wahl des obersten Krieasherrn fallen. Hatte er doch selbst darum gebeten, nicht ihn für den, wichtigsten Posten im Heere vorzumerken, da er sich dessen Aufgaben und Verantwortlichkeit nicht gewachsen fühle. Ob

Die Zustande in Rußland.

Trotz bec Riebcrwerfung bes AufsianbeS in Moskau bars die allgemeine innere Lage nicht als wesentlich günstiger bezeichnet werben. AuS den hier veröffentlichten Namen ist ersichtlich, baß in Moskau nicht bie t a t s 5 ch l i ch e n L e i te r der Revolution, sondern blos deren U nterfü h re r ver­haftet worben sind. Auch bie Petersburger Verhaftungen sind von vorwiegenb lokalem Jntereffe. Tie Unruhenjn der Provinz dehnen 'sich weiter aus und verursachen der Staats­wirtschaft steigenden Schaden, besonders im Donetz-Gebiet, wo die Vereinigung des städtischen mit, dem länd­lich e n P r o l e t a r i a t zur Tatsache geworden ist. Tie miß­lichen finanziellen Verhältnisse der Mehrzahl der Lolalverwaltungen stellen neue Anforderungen an den FiskuS, die schon heute für die Unterstützung hungernder Bauern und Arbeiter eine halbeMillion Rubel weit über­schreiten. Bei Beginnen der Frühjahrs-Landbestellung wird eine weitere Steigerung dieser Anforderungen erwartet. In­folge teilweiser Zerstörung der sibirischen Bahn und bev

es wahr ist, daß er beim zweiten Male die Antwort erhielt:Im Kriege bin ich mein eigener Gene­ra l st a b s ch e s, und das bißchen F r i ed e n s a r b e i t werden Sie doch leisten können!" .. . es genügt, daß das Wort für echt gelten konnte. Tie Gegner des zweiten Moltke nicht Gegner seiner Person, sondern seiner Be­rufung verlangten damals, er müßte den ,Ab schied nehmen. Mer um solche Konsequenzen zu ziehen, dazu gehört in den heutigen Tagen eine Heine Portion heroischer Selbstverleugnung, und das Heroische ist der biederen Art des zweiten Moltke nun einmal nicht gegeben. Bei der ersten großen Aufgabe, vor die er gestellt wurde, bei der Leitung der letzten Kaisermanöver, versagte er nach dem Urteil der gesamten Armee so gut wie ganz. Man hat ihn später beschuldigt,lebende Bilder" ge­stellt zu haben, aber d er Vorwurf war von allen der am wenigsten gerechtfertigte. Im Gegenteil, die Manöver liefen", wie man zu sagen pflegt, d. h. man ließ ihnen ihren vorgeschriebenen Gang: ohne viel einzugreif.'n und zu ändern, aber das liegt manchmal mehr am Nicht- können als am Nichtwollen der obersten Leitung.

Hellmuth v. Moltke II. wurde am 23. Mai 1848 als zweiter Sohn Adolf v>. Moltkes, jüngeren Bruders des Marschalls, dänischen Kammerherrn und preußischen Land- rats, auö dessen Ehe mit Auguste v. Krohn, einer anhalt- bernb. Hofdame, geboren, Kriege gegen Frankreich bei den Liegnitzer KonigSgrenadicren Offizier geworden, zwei Jahre später in das 1. Garderegiment zu Fuß versetzt, besuchte er die Kriegsakademie und ward dann seinem Oheime als Hauptmann ä la suite des Generalstabes zu­geteilt. 93cim- Begräbnisse des Marschalls, auf dem Wege hinter dem Sarge vom Konigsplatze zum Lehrter Bahnhose, teilte der Kaiser ihm mit, dag er ihn als Flügeladjutanten in seinen persönlichen Tienst nehme, und er machte fortab die übliche schnelle Flüaeladiutanten-Karriere. Er komman­dierte von 1896 bis 1899 das Mexanderregiment, bis 1902 die 1. Gorde-Jnfanterie-Brigade, bis 1904 die 1. Garde­division, und ward nun ms Generalquartiermeister, wie der Coadjutor dem fterbvnben Bischöfe, dem Grafen Schiieffen zur Seite gestellt, als dieser begann, für dienst- müde gelten zu müssen. . m irL v

Seit 1878 ist er nach mehrjährigem Brautstände nut der Gräfin Elise Moltke-Haitfeldt verheiratet, einer ent­fernten Verwandten aus einem in Schweden angesessenen Zweige der Moltke. Er ist Vater von vier Kindern, zwei Söhnen, deren ältester Leutnant im 1. Garderegiment ist, und zwei Töchtern, deren älteste den Grafen Heinrich Bethusy-Hue auf Bankau bei Kreutzburg zum Manne hat.