Ausgabe 
2.5.1906 Erstes Blatt
 
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Richtungen auseiuand'erlicfen Es heißt, daß niemand Ver-- setzt Warden sei.

Eine Anzahl Fenster einer Kaserne wurden zertrüm­mert, was den Truppen Ansatz gab, gegen die Menge mit blanker Waffe v'orzugehcu, wobei mehrere Per­le tz n n g e n borkamen. Tie Polizei ist durch die fortwähreu- bcn Aufregungen seitens der Kuudgeber sehr erregt. Um ?, Mir rückte die Kavallerie aus. Ernstere Zwischen­fälle waren bis gegen abend nicht zu verzeichnen. Unter den Peichasteten befinden sich auch mehrere Fremde, dar­unter ein angeblicher Delegierter der deutschen Sozialdemokraten. Auf dem Boulevard Magenta taurden nach zweimaliger Aufforderung Demonstranten durch Kavallerieabteilungen zerstreut, wobei mehrere Per­sonen durch Pferdetritte verletzt wurden. Tie Hauptgebäude der Stadt sind sämtlich durch starke Militärposten besetzt. Tie Straßenbahnen sind im Betrieb, werden iedoch vom Publikum wenig benutzt. Viele Läden, welche geöffnet waren, hatten ihre Schaufenster geräumt.

Die Zahl der Ruhestörer auf der Place de la Republique wird auf etwa 20 000 geschätzt. Sie sl ürzten gegen 8 Uhr abends in Faubourg du Temple einige Tram wagen der Drahtseilbahn um und versuchten eine Barrikade zu errichten. Kavallerie trieb die Menge mit Säbelhieben auseinander. An 50 verwundete Ruhestörer wurden nach der auf der Place de la Revubligue errichteten Ambulanz verbracht, ebenso eine Anzahl Soldaten und Schutzleute, die durch Steinwürfe und Flaschenscherben verletzt worden waren. Bis 10 Uhr abends wurde die Zahl der Verhafteten auf etwa 1500 an­gegeben.

Am Quai de Iemappes und Quai de Valmut fanden gleichfalls am abend Ansammlungen statt, die von der Polizei zerstreut wurden. Dabei fielen einige Schüsse, durch die ein Polizei beam ter verwundet wurde. Später griffen an derselben Stelle Dragoner ein, um Sicherheitsbeamte, die von Demonstranten umringt waren, zu befreien.

Verschiedene Bomben, die im Laufe des Tages in verschiedenen Stadtvierteln aufgefunden wurden, stellten sich bei ihrer Untersuchung als ungefährlich heraus.

Im Laufe des Tages und abends wurden 14 Poli­zisten leicht verletzt. Die Zahl der Verwundeten auf Seiten des Publikum? wurde nicht angegeben. Unter den Verhafteten befinden sich 71 Ausländer und zwar fast ausschließlich Mitglieder desRussischen Bundes". Diese werden ohne Ausnahme aus Frankreich ausgewiesen.

Ter Kriegsminister verfügte über den Leutnant T i s s e r a u d de L a u g e F e st u n g sh a f t.

2(u§ der Provinz werden auch einige Zwischenfälle ge­meldet. In Toulouse wurde eine Haussuchung in dem Schlosse des Grafen Lassns vorgenommen, in MarseiIle Lei dem Lokale des bonavartistnchen BlattesL'Aiglc". Ber- schiedene Papiere wurden beschlagnahmt. In dein Schlosse des Grasen Dillvn auf der Insel Vorder wurde ebenfalls heute eine Haussuchung vorgenommen, ebenso bei verschie­denen anderen politischen Persönlichkeiten. Die Ergebnisse dieser Haussuchungen sind noch nicht bekannt. In Bor­de nur streiken die Angestellten der staatlichen Streichbölzer- sabriken. Die Straßen der Stadt werden von Patrouillen durch- -zogen; im Arsenal wurde von vielen Arbeitern gearbeitet. In Brest verbot der Präfekt einen Umzug der Dockarbeiter. Es kam zu einem Handgemenge. Mehrere Verhaftungen würben vorgenommen und Personen erlitten leichte Ver­letzungen. Ist Lyon erfolgten einige Straßenkund- gebungen, die vorn Militär niedergeschlagen wurden. In einer Straße wurden Straßenbahnwagen angehalten und die Scheiben zerbrochen, wodurch einige Jm'affen leichte Verletz­ungen erlitten. Berittene Schutzleute gingen gegen die Un­ruhestifter vor und verhafteten mehrere von ihnen. Die Kauf­leute schloffen ihre Läden während der Kundgebungen.

In Lens evplodierte vor der Wohnung des Di­rektors Leconte eine T n n a in i t p a t r o n e , welche großen Materialschaden anrichtete. Personen wurden nicht verletzt. Haussuchungen, welche im Zusammenhang mit dem Attentat vorgeuommen wurden, blieben ergebnislos.

Ter Generalsekretär der Goiireberation du travail Levy Ivurdc in der letzten Nacht aus dem Liwuer Bahnhof Ver­haftet.

Der anarchist. .Hauseigentümer FroNrentin, gegen den anläßlich der jüngsten Haussuchungen ein Haftbefehl erlassen worden war, wurde in seiner Villa bei Paim- boeuf festge u ommen.

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Rücktritt des Ministerpräsidenten nnd der 1. Mai in Rußland.

Die Meldung von bem bevorstehenden Rücktritt des Grasen v. Witte ist amtlich noch nicht bestätigt. Doch dürste der Rücktritt Ereignis werden. Die neue russische Anleihe 'ist glücklich nntergebracht; da kann Gras Witte, immer noch der fähigste und bedeutendste der russischen Staatsmänner, gehen. Was nun folgt, wird vermutlich die schÖnsärberischen Berichte der russischen Regierung von zunehmender Be­ruhigung und Rückkehr zu normalen Zuständen anss kräftigste Lügen strafen. Es hieß unlängst schon, daß in aller Stille dieRevision" der gewähren Freiheiten beschlossen worden sei. Gras Witte scheint als kluger Mann diese verhängnis­volle Schwenkung nicht mitmachen zu wollen. Als Kandidaten für den Posten des Premierministers werden Goremytin und Kokowzew genannt.

Der 1. Mai ist in Rußland recht ruhig verlausen. In Warschau war schließlich absoluter Stillstand ein­getreten. Alles war geschlossen, Fabriken, Kaufläden und sogar Konditoreien und Kaffeehäuser; Trambahn- und Droschken­verkehr waren eingestellt. Man sah nur wenige Fußgänger auf den Straßen. Zahlreiche Kavalleriepatrouillen durch­zogen die Straßen. Tie Vorstädte waren militärisch vom Zentrum abgesperrt. In der Rächt gum 1. Mai wurden zwei Polizisten erschossen. Der Tag verlief ohne große Unruhen. Einige Stadtteile waren militärisch besetzt. Der österreichische Generalkonsul wurde von Sol­daten tätlich angegriffen. In bem Gefängnis brach eine Meuterei ans, die aber unterbrüeft wurde. In Moskau nahm die Polizei Haussuchungen vor, bei denen Vorbereitungen zu revolutionäre Bestrebungen entdeckt wurden. 14 Revolutionäre würben verhaftet. Während die Verhaftungen vorgenommen wurden, schoß eine Frau mit einem Revolver auf den Gen­darm e r i e h a u v t in a n n, während eine andere eine Bombe warf, die aber nicht explodierte.

Prof. Schepkin in Odessa depeschierte dem Minister­

komitee, die Bevölkerung fordere, daß der Offizier Taraffow, der vorgestern im Gefängnis den Soldaten befahl, die politischen Verbrecher Becker und Lobanetz ohne Gericht zu erschießen, vor Gericht zu ziehen. Die Stimmung in der Stadt ist erregt.

Der Petersburger Rechtsanwalt Margolina erhielt aus Berlin einen zweiten Brief, der die in dem früheren Briefe in Aussicht gestellte UebertragungSurkunde über 1300 Rubel enthielt. Margolina ist überzeugt, daß Gap an von Revolutionären erniorbet worden ist. Einer Zeitung ging ein von einem Mitgliede des Gerichtshofes der Revo­lutionäre unterzeichneter Brief m, in dem erklärt wirb, Gapon sei als ein Verräter getötet worben. Verschobene Anzeichen legen die Vermutung nahe, daß der Mord in Finlanb verübt worben ist. ______________________________

Deutsches Reich.

Berlin, 1. Mai. Der K a t J e r wird im August zur Be- sichtiguna des Schießplatzes in Wahn bei Köln eintreffen.

DieNat.-Ztg." schreibt: Fürst Bülow gedenkt vor- läusig in Berlin zu verbleiben, wo ihm der tägliche Auf­enthalt int Garten des Reickskansterpalais die erwünschte Er­holung darbietet.

Der bisherige Oberinspektor der hessisch-thüringischen Staatslotterie Gram m s in Darmstadt ist züm Direktor bei der kal. nr eit ft. Gemrallotteriedirektwn ernannt.

Breslau, 1. Mai. Ein ; Weiter Redakteur der .Volkswa ch tz" wurde verhaftet. Redakteur Robert Mbert ist wegen scharfer Aenßerunqen gegen die Polizei in der heutigen Versammlung im Tivoli heute, abend ans der Redaktion der ..Volksmacht" heraus verhaftet worden. Die Haftentlassung des Redakteurs Kluft aegm die anaebotene Kautionsstellung ist von der Staatsanwaltscha't abgelehnt worden.

München, 1. ai. Reichskanzler Fürst Bülow richtete an den Ministerpräsidenten v. P'vdewils, der sich infolge einer Erkrankung einer Operation hatte unterziehen müssen, fol­gendes' Telegramm:

Eure Exzellenz bitte ich, meiner wärmsten Teilnahme an Ihrer Erkrankung versichert w sein. Von Herzen wünscht ?chuen baldige Genesung in alter t r e u e r F r e u n d s ch a ft Ihr Bülow."

pcirlamcHtarifdtcs,

Berlin 1. Mai. Die Kommission des Reichstages zur Beratung der Gesetzentwürfe betr. die Aenderung der Ar­tikel 28 und 32 der Reichsverfassung lT i ä t e n v o rl a g el nahm mit 17 gegen 2 Stimmen einen Antrag Arendt an, nach welchen den Abgeordneten freie E i s e u b a h n f a h r t wahrend der ganzen Legislaturperiode auf den deutschen Bahnen gewährt werden soll.

D i e S t e u e r k v m Mission des Reichstages stellte heute die Berichte über die Sparkassen- und Erb­schaftssteuer fest, die mit unwesentlicher redaktioneller Aenderung g u t g e h e i ß e n wurde. Gleichzeitig wurde mit kleiner sozialdemokratischer Aenderung der Bericht über die Zigaretten st euer genehmigt. Morgen wird der Bericht über die T a b a k st e u e r festgestellt und das Mautel- geseit in Aum'ns aenomtuen______________________________

England und die Türkei.

London, 1. Mai. flln ter Haus.) As h lew (Kons.) fteflt' die Anfrage, ob das von der türkischen Regier­ung auf der Sinai-Halbinsel beanspruchte Gebiet sich nur auf Tab ah und seine Ilmgebnna beschränke, ober ob sich der Anspruch auf die ganze .Halbinsel erstrecke. Ter Staatssekretär des Auswärtigen erwiderte, daß die von der türkischen Regieruua erhobenen Ansprüche weit über Tabab und dessen Nachbarschaft lnnansginoen und es erforderlich erscheinen ließen, eine gemeinsame Feststellung der ganzen Grenze in jener Gegend erfolgen zu lassen. Dies habe die britische Regierung auch von Anfang, an gefordert, ebenso wie die Zurückziehung der türkischen Truppen während der betreffenden Arbeiten. Die Pforte habe das abgelehnt, sei aber nunmehr nochmals dringend um ihre Zustimmung ersucht worden. Auf eine Anfrage betreffend die gemeldete Entfernung von Greuzzeicheu in der Nähe von El Arisch erwiderte Grep, daß der britische Bot­schafter in Konstantinopel front Großvezir die Mitteilung erhalten habe, daß eine llntersuchutiaskommission entsandt wurde und daß, wenn sich die Beschüdiaungen der Osrenz- zeichen bewahrheiten sollten, die Kommission ihre Wieder­herstellung veranlassen solle. Der britische Kreuzer Miuerfra habe den Auftrag erhalten, sich nach El Arisch zu begeben und zu berichten, was eigentlich vorgefallen sei. Ter Be­richt sei noch nicht eingegaitgen.

Einem Telegramm ans Aldershot zufolge hat das zweite Suffolk Regiment Befehl erhalten, sich von Madras nach A d en zu begeben.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 2. Mai.

'* Ter G i c ft c n c v Tasche nfahrplan wirb in der gewohnten Ausstattung und Reichhaltigkeit ber heutigen Stadt- auf(aac beigelegt.

* Kompagnie-Besichtigung. Rach dem fest­lichen Tage des Kaiserbesuchs beginnt autfi bei unserem Regiment die regelmäßige Tätigkeit wieder. Zunächst finden heute und morgen die Kompagnie-Besichtigungen statt. Hierzu sind der Korpskontmandeur komm. General v. Eichhorn, der Divisionskommandeur Generalleutnant Freiherr v. Gall und der Bcigadekommandetlr Graf von Bünan, die gestern schon dem Kaiserbesuch beiwohnten, hier anwesend.

Zum cngl. Geschäftsträger in Darmstadt ist der Legationssekretär bei der englischen Gesandtschaft in Bucnos-Ayres, Harford, ernannt worden.

* Besitzwechsel. Die Großhandlung Hermann Heß erwarb von Heinr. Plank Witwe und S. Salomon für 26300 Mk. Gelände an der Margarethenhütte. Frau Thoma verkaufte ihr Anwesen Gasthaus zum Bay­rischen Hof an die Union-Brauerei Gießen zum Preise von 65 000 Mk.

**Tabakarbeiter - Aussperrung." In der Mitteld. Sonntagsztg." vom 29. April heißt cs unter dieser Spitzmarke:

Kn Gießen haben sich ja mich schon gewerkschaftliche Käiuvke abacst'ielt, von denen ciniac immerhin von Bedeutuna waren. Bei allen iroi aber unseres Wissens nicht eine derartige Schroffheit hervor, wie das anderwärts ber s7all ist. Was aber Herr Tabak- 'abrikant Gail am Dienstaa vollbrachte, bas reibt sich wirklich den schlimmsten Scbarßnacher-Praktikcn an nnb stebi in Gießen ver­einzelt da. Acht Tabakspinuer würben plötzlich entlassen. Warum? Zn letzter Zeit oriofqfcu immcvwähvenb Abzüge an hrn Akkordlöhnen, die für den einzelnen Arbeiter 5060 P*g. die Woche mivinnchten. Tie Abzüge wurden in Form von Strasen kür zu reichlichen Materialverbrauch ncnnchL Die Svinner waren nun dahin verstell!a geworden, diese Abzüge ciuzustellen ttnb batten, ialls bas nicht geschähe, ihre K ü n b t q u n q in A ussicht gestellt. Taraushin erfolgte die Entlassung ber 8 Spinner.

Die Firma Gail stellt in einer Zuschrift an uns diese Ausführungen dahin richtig: Es ist unrichtig, daß die er­wähnten Abzüge immerwährend erfolgten. Nur in ver­einzelten Fällen ist dieses geschehen. Es ist unrichtig, baß bie Entlassung infolge ber in Aussicht gestellten Künbigung erfolgte, vielmehr überreichten bie 8 Spinner, nachbem ihre Forbernng, bie der Fabrik geivissermaßen bie Kontrolle an ber Arbeit verbietet, abgelehnt würbe, schriftlich ihre Künbigun g. Das ttirbulente nnb unpassende Benehmen ber Spinner am barauffolgenben Montag zwang dann bie Firma, um wicber georbnete Zustänbe in ber Fabrik herznstellen, bie 8 Spinner am Dienstag unter Entlohnung für 14 Tage zu entlassen.

** Das Cabaret zur Lustigen Sieben, bas fron Redakteur imb Schriftsteller Müller Hersurth insl Leben gerufen wurde, ist in Frankfurt a. M. und in beit größeren Stabten Vvn bei feit Nachbarsibaft mit großem Erfolge vor bem Publikum erschienen und hat tick hnrer. seine Leistungen und auch dabnrch bie Anerkennung aller Besucher erobert, daß cs ein dezentes Programm dr-rbot. Die Lustige Sieben wird am Donnerstag, dem 3. und Freitag, dem 4. Mai. int hiesigen Saalbau Vorstell­ungen geben, zu denen die viel Meierte Vortragskvnstlerin Angele Stadella, die Overmongerin Madelainc Rrella aus Parts, die fesche Soubrette Ella Schneider, die niedlich" internationale Liedersänaerin Jolla Iollanda, die Soubrette Martba Brenne, der italienische, mit uhänomenglen Stimmitteln versehene Tenor Earlo Gemona, her Musikvirtnose und Kgv^llmejster Meranbro Ycrofi und der Conferencier Müller-Herfurtb erscheinen werden. Politische 'md religiöse Vorträge und Lbscönitäten sind gänzlich ausgeschlossen.

Großen-Linden, 1. Mai. Bet der heutigen Untersuchung der in der hiesigen Kirche aufgefundenen Grab­gewölbe wtirden mebrere Knochengerüste gefunden. Weitere Funde wurden nicht gemacht.

* Friedberg, 1. Mai. Zum Zwecke der Erlangung von Entwürfen ztt bem Neubau eines Geschäftshauses für ben hiesigen Vorschuß- nnb Crebit-Verein e. G. m. tt. H. wirb unter ben hessischen unb ben Frankfurt a. M. anfäfsigen Architekten ein Wettbewerb veranstaltet. Für bie besten Entwürfe sinb zwei Preise von 1000 und 500 Mk. ausgesetzt. Das Preisrichieramt haben übernommen Prof. Walbe an ber techn. Hochschule zu Darmstabt, Bauinspektor Jost in Bab-Nauheim, Direktor ber Gewerbeakabemie Schmidt! zu Friedberg, Bürgermeister Baurat Stahl daselbst, Buch­händler Seriba, Vorsitzender be§ Aufsichtsrates, unb Jean Dörr, Mitglieb bes Vorstanbes. Der Termin für bie Ein- senbungen ist ber 16. Jttni.

c. Schotten, 1. Mai. Ein Akt größter Roheit würbe kürzlich gegen ben längere Jahre hier im Dienste besinblichen, ber größten Beliebtheit sich ersreuenben Schulverwalter, Friebrich Held ausgeübt. Er war etwa um 11 Uhr abenbs von einem Ausgang in seine Wohnung zuruckgekehrt unb. hatte sich eben zur Ruhe begeben, als ein großer drei­kantiger Stein durch das geschloffene Fenster in voller Wircht hindurch nach seinem Bett dicht an den Kopf fioq, glücklicherweise an dem Ruhenden vorbei. Der Stein kann nicht zufällig auf der Straße aufgelesen, sondern muß eigens mitgebracht worden sein. Außerdem muß der Betreffende auch genau den Standort des Bettes gekannt haben. Die Polizei hat bie Verfolgung bes Vorfalles ausgenommen.

X. Bübingen, l.Mai. Gestern nacht würbe in einem Hause am neuen Weg ein Einbruch verübt. Die Diebe brangen mittel? einer Leiter durch ein offenes Fenster in das Obergeschoß und erbeuteten eine Menge Fleisch- unb Wurst- waren. Unserer Genbarmerie gelang es, die Diebe, zwei hiesige Taglöhner, heute festzun ehm en. Bei den in der Nähe von Ninderbügen von den Besitzern der Zeche Hedwig voraenonunenen Bohrungen wurde in einer Tiefen von ca. 60 Meter eine Tonschicht angetrossen, woraus man schließt, daß man bald aus Kohlen stoßen werde.

f] LaaSphe, 1. Mai. In Kreuzthal, bem Enb- punkt ber Bahn Marburg-Kreuztbal, begoß gestern eine kränk­liche unverheiratete Frau im Alter von etwa 50 Jahren in einem Kellerraum ihre Kleider mit Benzin oder Petroleum unb zünbete Tic an. Die Angehörigen fanben halb barans bie schrecklich verbrannte Leiche. Die Tat geschah sicher in einem Anfall aeistiqer Störung.

Märkte.

ke. F r a n k i u r t a. M., 2. Mai. kDriq.-Telegr. desGieß. Anz.") V i e h m a r k t. Zum Verkaufe stauben 00 Kälber, 00 Schake unb Hammel. 998 Schweine: 1. Qual. 7273 Pfq. Sebenbqewichf 56.5057.50 Pf., 2. Qual. 7071 Pft, Lebenbqewicbt 55.50 Pfg., 3. Qual. 6263 Psq. Kälber 1. Qual. 00-00 Ptz, Lebcnbqewicht 0000 Pfq., 2. Qual. 0000 Psq., Lebcndqewicb: 0000 Pfg., Schlachtgewicht 0000 Psq. Schaie 1- Qualität Scblacbtqewicbt 0000 Pfq., 2. Qualität 0000 Pfq. Geschäft: slan, Ueberktand' unbedeutend.

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.

Boranssichtliche Witternna in Hessen für Donnerstag, den 3. Mai 1906: Neuerdings Trübung und leichte Regenfälle, wärmer ttnb windig.

Näheres durch die 6>ieftencr Wetterkarte.

Telefonische Kursberichte

des Giessener Anzeigers, miterc nnd Industi

Frnnkfnrter H

33-<7o Reichsanleihe . . 100.30 3% do. . . 88.50 3^% Konsols .... 100.30 3% do S8 50

3%°f0 Hessen 99.60 3y?k Oberhessen . . ..

Oesterr. Goldrente. . 100.55 4l/r> **'' Oesterr. Silberrente 101.15 4% TJmrar. Goldrente . . 96.90 4% Italien. Bente . . .. 3% Portugiesen Serie T . 68.90 3!o Portuiriescn TU 69.50 4rnss.Staatsaul. 1905 92.00 41<°' Japan. Staatsanleihe 94 65 4 Conv. Türken von 1903 93.50 Türkenlose . . . . 146 80

4% Griech. ironopol-Anl. 54.20 4% äussere Argentinier . 3°/0 Mexikaner ... 4^°/o Chinesen .... 97.85

Aktien:

Bochum Gnss 254.80 Bnderns P,. W . . . 130.00

Tendenz: schwach.

Berliner Börs<

Canada E B 170.50

OarmsttidteT Bank . . . 144.00

Deutsche Bank .... 240.

Dortmunder Union C. . . 93.70 Dresdner Bank .... 161.90 Tendenz; schwach«

teilt von der Bank für Handel ie, Giessen.

örso. 2. Mai, 1.15 Uhr.

FJektriz. Lahmeyer . . 144.00

Elektriz. Schnckert . . 132.70 Eschweiler BeT<rwerk . . 269.75 Gelsenkirchen Berqrwork . 229.90 Hamburer- Amerik. Paketf. 163.30 Harpener Bergwerk. . . 220 80 Lanrahfitte 250.75 Nordd. Lloyd . ... 132.50

Oberichles. Eisen-Industrie 133.40 Berliner Handelscres . . 172.90 Darmstädter Bank . . . 144 80 Deutsche Bank . . . 239.90

Deutsch-Asiat. Bank . . 186.20 Diskonto-Kommandit. . . 188.00 Dresdner Bank . . . 161.90 Kreditaktien 218.40 Baltimore- und Ohio-

Eisenlahn . . . 108.50

Gotthardbahn Lombard Eisenbahn . . 23.10 Oesterr. Staatsbahn . . . 146.40 Prince-Hcnri-Eisenbahn . 147.00

, 2. Mai. Anfangskurse.

Harpener Bergwerk . . . 220.75 Laurahütte . . . , . 250.50 ' oinbarden E. B. ... 23.10 Nordd. Lloyd 132.20 Türkenlosc . ... 146.80