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2.3.1906 Erstes Blatt
 
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Präsident Haas erklärt, Abg. Ulrich dern Hause ungehörig gesprochen und nach dem Blocksberg gewünscht. Das sei n

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vermischtes.

Das luxuriöseste Automobil der Welt besitzt ein New-Yorker Millionär, George W. Perkins, der Kom­pagnon I. Pierpont Morgans. Es ist von einer Nem-Yorker Firma hergestellt und 23 Pferdekräfte stark. Im Innern ent­halt es sieben bequeme, mit Leder gepolsterte Sessel, zwischen denen ein Tisch steht, der groß genug ist, daß man auf ihm eine Mahlzeit einnehmen oder Karten spielen kann. An der Frontseite befindet sich außerdem ein Ruhebett, und nach der Rückwand zu sind eine richtige Speisekammer mit Eiskasten, Schränke und andere Vorrichtungen untergebracht, welche ge- Hatten, das Automobil als eine richtige Wohnung zu benutzen. Es versteht sich, daß für alle diese Gegenstände nur das aller­erste Material Verwendung gefunden hat, und mit dem Chauffeur verbindet den Eigentümer de? Kraftwagens eine Hörrohrleitung, durch die er ihm, ohne sich aus den Kiffen seines Stuhls zu erheben, das Ziel seiner Fahrt und die von ihm gewünschte Geschwindigkeit angeben kann.

* Kleine Tageschronik. In Magdeburg mürbe eine Frau Geßler verhaftet. Man fand in ihrer Wohnung die Leiche eines nur mit Hemd und Strümpfen bekleideten jungen Mädchens, das bei ihr Rat und Hilfe wegen der Folgen eines Fehltrittes gesucht hatte. Die Geßler hatte bent verabfolgten Seifenwasser einige Tropfen Lysol hinzugefügt. Die B r e g e n z e r- Waldbahn (Vorarlbergs wurde durch einen kolossalen Fe ls- st u r z zwischen den Ortschaften Langeneck, Krumbach und Bozan verschüttet. Der Verkehr ist auf längere Zeit vollständig gestört.

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Reichstag und technische Angestellte.

Im Dezember v. Js. schloffen sich io Vereine technischer Privatbeamten zu einemSozialen Ausschuß vonVer- cinen technischer Privatangestellten" zusammen, der die Vertretung der gemeinsamen Interessen der technischen Privatbeamten zu seiner Aufgabe gemacht hat. Auf Anregung des Reichstagsabg. Dr. Potthoff haben sich nun die national- liberale Partei, die freisinnige Vereinigung, die wirtschaftliche Vereinigung und das Zentrum dahin geeinigt, einen gemein­samen Initiativantrag im Reichstage einzubringen, der eine rechtl. Besserstellung der technischen Angestellten bezweckt. Unter dem Namen der Herren Bassermann, Patzig, Dr. Pott­hoff, Schack, Sittart und Trimborn ist im Reichstage ein Antrag folgenden Inhalts eingegangen:

Der Reichstag wolle beschließen, den Reichskanzler ju er= fucf)en, dem Reichstage baldigst Gesetzentwürfe vorzulegen, durch welche

politische Tagesschau.

Eine Kanzlerkrisis

soll es in diesen Tagen gegeben haben, und zwar anläßlich des deutsch-amerikanischen HandelsvertragSpro- visoriums. Beim Fürsten Bülow wurde bekanntlich eine vertrauliche Besprechung mit den Parteiführern gepflogen Dabei hätte, wie dieNordd. RcichSkorr." von vorzüglich unterrichteter Seite erfährt, Fürst Bülow die Einreichung seines Abschiedsgesuches angekündigt, falls das Provisorium nicht durchgehe im Reichstag. DieseDrohung" soll ihre Wirkung getan haben. Erkundigungen in informierten Reichs­tagskreisen ergeben, daß die Meldung keineswegs den Tatsachen entspricht. Nicht mit einem Wort sei vom Reichs­kanzler, weder bei der vertraulichen Besprechung, noch an anderer Stelle, die Möglichkeit des Rücktritts angedeutet worden. Ausschließlich Erwägungen politischer und wirtschaft­licher Art wurden geltend gemacht, und nur diese Erwägungen sind für die Zustimmung zum Provisorium maßgebend ge­wesen. Auch dieTageSztg." bemerkt zu der sensationellen Mitteilung, die wohl noch eine halbamtliche Richtigstellung erfahren wird:Mit so schwerem und plumpem Geschütz zu operieren, ist nicht des Fürsten Bülow Art."

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Nullst und Wissenschaft.

Berlin, 1. März. Das staatliche sero-therapeutische Institut macht Mitteilung über Versuche, welche mit einem Heilserum f ü r die Ruhrkrankheit angestellt worden sind^ Rach den bisherigen Resultaten wirkt das Mittel binnen 24 Stunden, indem die Schmerzen aufhören und das Allgemein- befinden sich bessert.

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1. die Vorschriften der Gewerbeordnnng über bas Dienst­verhältnis der technischen Angestellten (§§ 133a ff) den Be­stimmungen des Handelsgesetzbuches über das Dienstverhält- nis der Handlungsgehilfen angepaßt werden,

die so verbesserten Vorschriften der §§ 133 a ff. der Gewerbe­ordnung auf alle technischen Angestellten (insbesondere die- lemgen m landwirtschaftlichen Nebenbetrieben) aus­gedehnt werden,

Deutsches Reich.

Berlin, 1. März. Der Kaiser wohnte heute abend dem Kapitel des Ordensvom weißen Hirschen" beim Fürsten Pleß bei.

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zugunsten bet in § 133 a bezeichneten Personen Vorschriften über angemeffene Ruhezeiten geschaffen werden, die Zuständigkeit der Gewerbe- ober Kaunnannsgerichte auf bie technischen Angestellten ausgedehnt wird unter Errichtung befoiiDerer Abteilungen, in denen die Beisitzer zur Hälfte technische Angestellte sein müssen."

An der Annahme dieses Antrages im Reichstage ist nach unseren Informationen nicht zu zweifeln. Der soziale Aus­schuß^ von Vereinen technischer Angestellten hat an den Staats­sekretär des Innern die Bitte gerichtet, ihn bei den weiteren Beratungen, die im Reichsamte des Innern in Sachen der staatlichen Pensions» und Hinterbliebenen-Versicherung ge- pflogen werden, mit hinzuzuziehen.

Die Zeichnungen des Kaisers, die er zur sil­bernen Hochzeit verfertigt hat, find auch mit eigenhändiger Unterschrift dem österreich-ungarischen Botschafter zugegangen. Die eine stellt die kaiserliche Familie dar, die andere ist in Farben ausgeführt und ist eine offenbar vom Kaiser selbst entworfene Allegorie auf die Silber­hochzeit. Man sieht oben die Medaillonbilder des Kaisers und der Kaiserin von Genien umschwebt, im unteren Teil des Bildes ist eine Stadt dargestellt. (N. fr. Pr.)

DemReichsanz." zufolge verlieh der Kaiser der Prinzessin Eitel-Friedrich den Luisenorden mit der Jahreszahl 1813/14.

Anläßlich der Silberhochzeit des Kaisers hat Prinz Friedrich Leopold dem Kaiser namens der Großlogen eine Stiftung von 100000 Mark zu wohltätigen Zwecken überreicht.

Dem Geh. Ober-Hofbaurat Ernst Ihne (dem Er­bauer des Kaiserin Friedrich-Hauses; siehe des. Artikel. D. Red.), Herrn Weinberg, Mitinhaber der chemischen Fabrik Leop. Casella u. Co. in Frankfurt a. M., der auch in der Sportwelt sehr bekannt ist, und dem Geh. Kommerzien­rat Fritz Friedländer, Inhaber der Berliner großen Kohlenfirma Cäsar Wollheim, ist der erbliche Adel ver­liehen worden. Herr Fritz von Friedländer hat seit jeher eine offene Hand gehabt, wenn es sich um Hergabe von Geldern für Kirchenbauten handelte. Vor mehreren Jahren kat er vom Judentum zum Katholizismus über.

DerReichsanz." veröffentlicht eine Bekanntmachung betr. die Ein- und Durchfuhr von Schweinefleisch anS Rumänien, Serbien und Bulgarien.

Der Bundesrat hat in seiner heutigen Sitzung den Ausschußberichten betr. den Entwurf von Bestimmungen über die Befähigung von Eisenbahn-, Betriebs- und Polizeibeamten, sowie über die Vorlage betr. einige Aender- ungen der Eisenbahn-Verkehrsordnung sowie über den Ent­wurf eines Gesetzes für Eksaß-Lothringen, betr. die Fähigkeit zu dem Amte eine? Notars seine Zullinnnunq erteilt.

Handel nnd Verkehr, Volkswirtschaft.

Ludwigshafen, 1. März. Die Pfälzische Tabak* B e r k a u f s g e n o s s e n s ch a f t (R a i f f e i s e n) hielt gestern ihrs Generalversammlung ab, in welcher ein Defizit von 3 41000 Mark sestgestellt wurde. Die M i t g l i e d e r der Genoffenschast, die meist aus ländlichen Darlehenskassen bestehen, er­klärten sich nach lebhafter Debatte bereit, den Fehlbetrag zu decken und die Genossenschaft vorerst weiterzuführen.

Eine gutschmeckende Krankenkost von höchstem Nährwert für Blutarme, Schwächliche, Lungenleidende, Nervöse usw. ist Biofon mit Bouillon-Extrakt, von dem 20 Gramm genügen, um in 5 Minuten eine gutichmeckende Suppe von höchstem Nährwert herzustellen, welche dem Blut die wichtigsten Ernährungs- bestandtelle Eiweiß Eisen Lecithin (Phosphor) in geeignetster norm zustlhrt. Durch seine bewährten Eigenschaften, sowie seine Billigkeit übertrifft es viele der seitherigen Eisen- und sogenanMe Kräftigungsmittel und ist in den Apotheken und Drogenhandlungen zu drei Mark das halbe Kilo-Paket erhältlich. b18/

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Ich danke schön für Frühlingslüfte, wenn sie, mir nichts anderes als Erkältungen bringen. Man wem kaum, wie man sich anziehen soll und doch bat man unversehens den Katarrh weg. - Stimmt, mein Jimge l Aber darum lerne Weisheit von deinem Freund und nutze den Rat : Kaufe Fay's ächte Sodener Mineral- Pastillen 1 Brillant gegen Erkältungen, sag ich dir. vast du mich je husten Horen? Nein? Na also das verdank ich nur den Sodenern. In jeder Apotheke, Trogen- u. MincralwaiserHandlung zum Preise von 85 Psg. per Schachtel erhältlich. hv"/1'

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die Lage nach Ländern, Provinzen, Bezirken und Kreise« nachgewiescn wird. Aus der w-eiter angefügten, nach der Einwohnerzahl geordneten Zusammenstellung ist zu ersehen, daß unsere Stadt Gießen die 141. Stelle unter d en Städten einnimmt.

** Gefunden. Ein Henke Horb mit verschiedenen Marktwaren, afa Messer, Scheren, Hosenträger usw. wurde bei Schlitz gefunden. Die Waren scheinen von einem Markte vielleicht vom hiesigen Markt gestohlen zu sein, der Eigentümer hat sich aber noch nicht gemeldet.

** Unverbesserlich. Ein wegen Diebstahls mehr­fach bestrafter Arbeiter, der erst kürzlich aus dem Zucht­haus entlassen worden war, hatte hier Arbeit gefunden und bei einer befreundeten Frau erhielt er Kost. Der Dank dafür war, daß er gestern in Abwesenheit seiner Kosb- geberin ihr eine Taschenuhr entwendete, gleich versilberte und dann das Weite suchte.

** ® i e 6 e tt e r Bolksbad. Im Februar wurden 8507 Bäder verabreicht gegen 8596 im Januar 1906 und 7515 im Februar 1905 ober im Durchschnitt pro Tag 304 Bäder gegen 277 im Januar 1906 und 268 im Februar 1905. Der Besuch hat sich im einzelnen wie folgt verteilt:

Schwimmbad: 4452 Männer, darunter 722 zu 10 Psg.,

655 Frauen. 145 ,, 10

Wannenbäder 1. Klasse 276 Männer, 91 Frauen, 2. 663 423

Dampf- u. Heißluftbäder, sowie Massage zus. 191 Männer, 33 Frauen Brausebäder 1. Klasse 893 Männer, 83 Frauen,

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Die Personenwage wurde von 180 Personen benutzt und das Bad dou drei Personen besichtigt.

Annerod, 2. März. In der Nacht auf Donnerstag brannte es im Hause des Hch. Mohr. Der Brand wurde die Nacht um 3 Uhr von Mohr bemerkt, als er zufällig wach wurde und über sich ein Knistern hörte. Verbrannt ist der Fußboden und das Gebälk.

t. Lich, 28. Febr. Zur Feier der silbernen Hoch­zeit des Kaiserpaares veranftaltete der Krieger-, verein im Snale des Gastwirts Heiland eine Wendunter­haltung. Der Vorsitzende des Vereins, Lehrer Mt, hielt eine Ansprache, in der er auf die Bedeutung des Tages hinwies und die er in ein Hurra auf die Majestäten aus- llingen ließ. Darauf sprach Fräulein Randolf vom SBogier» sch en Saisontheater einen Prolog.Singvögelchen" und Das Versprechen hinterm Herd"''wurden alsdann von der Gesellschaft Wogler gespielt und mit großem Beifall von der Festversammlung aufgenommen. Doch auch die tanz­lustige Jugend kam zu ihrem Rechte. Denn die Kapelle Waldlust spielte bis zu früher Morgenstunde zum Tanze auf.

8 Lich, 1. März. Die Einlagen der Pfennig- sp ar fasse der Licher Spar- und Kredit-Aktiengesellschaft betrugen im Jahre 1905 Mk. 10 728.30 gegen Mk. 9 924.50 im Jahre 1904.

-s- Geiß-Nidda, 28. Febr. Der Gesangverein Orpheus" veranstaltete auf Fastnacht seine Abend Unter­haltung. Die Leistungen waren ausgezeichnet. Das Lied Das Liebchen im Grabe" z. B. wurde ergretfexib zu Gehör gebracht. Nicht minder gefielen die Theaterstücke und KoupletS.

** M a i uz, 1. März. Am 23. Marz findet hier im Ge­biete des städtischen Viehhofes zum erstenmal ein Pferde-, und Fohlenmarkt mit Prämiierung und Verlosung« tatt.

Berlin, 1. März. Die Steuerkommission de Reichstags beriet den Antrag auf Erhebung eines Ausfuhr z o l l e s aus solche R o h ft o f f e, bereit Erhaltung für den i n ländischen Verbrauch wichtig ist. Nachdem Müller Fulda (Zeutr.) den Antrag begründet hat, indem er betonte, daß der Antrag keine schichzöllnerische, sondern lediglich eine finanzielle Tendenz habe, erklärte Staatssekretär Frhr. v. Stengel, zu den vorliegenden Anträgen im Namen der verbündeten Regierungen nicht Stellung nehmen zu können, da der Bundesrat sich mit bet

Frage bisher nicht besaßt habe. Die Maßnahme sei handelspolitisch nickt ganz unbedenklich. Auch seien Vergeltungs­maßnahmen des Auslandes nicht ganz ausgeschlossen. Der finanzielle Ertrag eines Ausfuhrzolles aus Kalisalze werde von dem Antragsteller mit 8 bis 9 Millionen wohl zu hoch ge­schätzt, er werde kaum mehr als 3 Millionen erreichen. Bei der Hinzunahme von Kohlen u. s. w. sei allerdings ein Reinertrag von etwa 20 Mill, denkbar. Jedenfalls sei große Vorsicht geboten. Oberberghauptmann Velsen bemerkt gleichfalls, daß schwere Bedenken bei der preußischen Bergverwaltung gegen einen Kalizall obwalten. Nach längerer Beratung wurde schließlich au' Antrag G r o e b e r der Antrag in folgender Form angenommen: Der Reichstag wolle beschließen, den Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage alsbald einen Gesetzentwurf betr. die Erhebung eines Ausfuhrzolles auf Kali und Lumpen, vor- zulegeii.

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Hauses, und er werde mit feilten Freunden immer wieder mit allen Mitteln auf die Beseitigung derselben bedacht sein.

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bent fetzt sckm^b<MM Falle mit Mühlheim könne die Staats- rcgiening beweisen, daß sie dieselbe wirklich wolle. Redner kritisiert dann noch die Haltung der 1. Kammer bezüglich der G e m e i n d e u m l a g e n r e i o r m und ermahnt die Regier­ung, in ihren Anschauungen gegenüber der 1. Kammer fest zu bleiben. Wenn Abg. Reinhart dieselbe als eine Art Regulator betrachte, so sage er, daß sie vollkommen über­flüssig sei und nur einen Hemmschuh bilde. Er wünsche andern Seite dieses

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vor dem preußischen Ab.qeprdnetensiaulc.

Berlin, 28. Februar.

Abg. ZieschS (Ztr.) bezeichnet es als dringend geboten, die , Lage der ländlichen Volksschullehrer zu ver- bessern, um der bedauerlichen Landflucht der Lehrer eitt- 1 gegenzutreten. Abg. Ernst tkreis. Bgg.) spricht sein Einverständnis " mit dem Anträge Zedtlitz auf Pensionsfähigkeit der Dienstalters- i Zulagen der Seminarlehrer und Erhöhung der Dienstaltersznlagen der Volksschullehrer aus. Abg. o. H e y d e b r a n d t (kons.) fuhrt ; aus, die Mehrzahl seiner politischen Freunde sehe sich ans allgemein politischen uiid finanziellen Gründen außer stände, für ben Antrag Zedtlitz zu ftimmen. Abg. Kopsch (treff. Vpt.) wendet sich gegen die finanziellen Bedeitken des Abg. v. Heydebrandt. Redner geht dann aut beit Lehrermangel und seine Ursachen ein. Der Hailptgrnnd sei die unzureichende Besoldung, ober nicht der einzige Grund, auch die geistliche Schulaufsicht, gegen die sich das gesteigerte Selbstgefühl der Lehrer sträubt, ist ein Grund für den Lehrermangel. Redner geht auf den Fall des Lehrers Nickel in ^.rakehnen ein und tragt den Minister, ob es wahr sei, daß offne Wissen der Schulräte auf Veranlassung des Herrn v. Dettingen ein Bericht über die Angelegenheit des Lehrers Nickel an das Land- ivirtschastsministeriuin gegeben sei. Abg. Dr. H a ck e n b e r g (nl.) bemerkt, daß der Lehrermangel namentlich auf dem platten Lande eme Tatsache sei und in der schlechten Besoldung seinen Hauptgrund habe. Seine politischen Freunde würden dem Anträge Zedtlitz vollinhaltlich zustimmen. Weiter verlangt Redner eine durchgreifende Reform des höheren Mädchen sch ul- wesens. Kultusminister Dr. S t u b t führt aus, baß bet Lehren mangel wesentlich auf bie in früheren Jahrzehnten unterlassene Vermehrung der Lehrerbildungsanstalten zurückzusühren sei; durch d,e jetzige Vermehrung dieser Anstalten Jet eine Besserung einge- treten. Die Klagen über ein lieb ermaß von Beaufsichtigung der Lehrer kann er als berechtigt nicht anerkennen. Die Unterrichts- verwaltung müsse den Unterricht in tunlichst weitem Umfange revidieren. Redner habe zahlreiche Schritte getan, um das Ver­trauen der Lehrer zu erwerben, und wenn es gestört worden sei, so sei daran iiicht die UiiterrichtLverwaltung, wohl aber die auf» retjenbe Sprache in Fachorganen schuld. Er hoffe, baß die Zeit kommen werde, in der die Lehrer davon überzeugt seien, daß bie Regierung das Gute für die Lehrer nicht nur gewollt, sonderii auch getan habe. Ein R e g i e r u n g s k o ui m i s s a r erklärt int Namen des Fiitanzministers, daß dieser n t ch t in der Lage sei, dem Anträge Zedtlitz zuzustimmen. Abg. v. Zedtlitz empsiehlt eine R e f o l u t i o n, welche die Staatsregierung aufforbert, im stächstcn Etat die Dienstzulagen der bicnftältcren Hälfte der Seminarlehrer pensionsfähig zu machen. Zedlitz zieht den Antrag zurück. Die Resolution wird gegen die Stimmen der Frei» konservativen, der Freisinnigen und der Nationalliberalen ab- gelehnt.__

Aus StaM und Lund.

Gießen, den 2. März 1906.

** Ordensverleihung. S. K. H. der Groß Herzog haben den Kreisamtsbureauvorsteffern Kanzleirat Karl Wur- stius zu Alsfeld tind Kanzleirat Joh. Adam Geisler zu Dieburg das Ritterkreuz 2. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

** R u h e st a n d S v e r s e tz u n g. S. K. H. der G r o ß h e r z o g haben den Kreisdiener bei dem Kreisamt Lauterbach Ludw. K l ö s unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste in den Ruhestand versetzt, und ihm das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

** Stempelabgabe für Fahrräder, Automobile, Luxuswagen, Luxusreitpferde, Verkaufs­und Wagautomaten, automatische Kraftmesser, öffentlich auf­gestellte Klaviere nnd sonstige Musitwerte muß im Kreis (liegen b i s zum 15. März bezahlt sein, lvenn die Stempelsteuerpflichtigeti nicht bestraft und von den Kvsten der zwangslveisen Beitreibung befreit bleiben wollen.

** U e b c r das Spielen in au ß erh e s s i s ch e n Lotterien bringt das Regierungsblatt folgende Be- timmnngen: Wer in außerhessischen Lotterien, die nicht mit staatlicher Ofeneffmigung im Großherzogtum zugelassen ind, spielt, wird mit Geldstrafe bis zu 600 Mark bestraft; eine niefft beizutreibende Geldstrafe ist in Haft umzu­wandeln. Der Verkauf derartiger Lose wird mit Geldstrafe bis zu 3000 Mark bestraft. Die gleiche Strafe trifft den, welcher bei einem solchen Geschäft oder einer solchen Hand­lung als Mittelsperson mitwirkt. Auf die Veröffentlich­ung der Geivinnergebnisse ist eine Geldstrafe von 100 bis zu 600 Mk. gesetzt.

** Volkszählung 1905. (Soeben erschien im Ver­lage von Albert Koenig in Guben: Koenigs Städte-.Lexikon des Deutschen Reiches mit der Einwohnerzahl nach der Volkszählung von 1905. 6. Aufl. Preis 50 Pfg. Es gibt über die Ergebnisse der vorjährigen Volkszählung nähere Auskunft. Doch sind nicht nur sämtliche Städte, sondern auch ländliche Ortschaften mit über 3000 Einwohnern aus­genommen, sodaß von über 3300 Wohnplätzen des Reiches

voll und könne nicht dazu beitragen, das Ginberneffmen mit bem andern Hause zu erleichtern. Er müsse Ulrich eine ernste Rüge erteilen.

Abg. Ulrich ist inzwischen vor den Präsidententffch getreten und ruft: De gustibus non est disputandum!

Präsident Haas: Diese Äeußcrung ist ebenfalls eine Un­gehörigkeit, ich erteile dem Abg. Ulrich zum zweitem Mal einen Ordnungsruf?

Mg. Ulrich zieht sich grollend langsam auf seinen Platz zurück.

Da es inMischen lVi Uhr geworden ist, wird die General­debatte abgebrocheir. Nächste Schrrng morgen früh 9 Uhr.

Das vorn Präsidium der zweiten Kämmer an S. M. dm Kaiser gerichtete Glückwunschtelegramm lautete:

Die zweite Kännner des hessischen Landtages gedenkt in patriotischer Gesinnung und mit freubigem Gefühle des' schönen und frohen Tages an welchem unser geliebtes Käiserpaar vor 25 Jahren den Herzensbund fürs Leben geschlossen und der vrinzliche Sohn sich mit einer deutschen Fürftentochter ehelich verbunden hat. Jn der Hoffnung, daß Gott das Silberhoch- zeitSpaar wie das junge vrinzliche Paar für alle Zeit segnen nnd beschützen möge, bringt die zweite Kämmer in Liebe und Verehrung Namms des Hessenvolkes die wärmsten Glückwünsche dar. Haas. Präsident der zweitm Kämmer."

Ausfuhrzoll auf Rohstoffe.