für ihre fesselnden technischen und ärztlichen Vorträge, die den französischen Gästen die Möglichkeit gaben, sich über die ausgezeichnete Art der Badeeinrichtung von Nauheim ein Urteil zu bilden.
Dr. Raymondaud, nachdem er dem Vertreter der Regierung dem Bürgermeister von Nauheim und der Kurverwaltung gedankt hatte, schlug einen humoristischen Ton an und sagte, daß die Aerzte nicht nur an die Kranken, sondern auch von Zeit zu Zeit an sich selbst denken müssen, besonders an ihre Gesundheit. Es ist, sagte er, sehr schwierig, denn die französischen Gäste wurden so vortrefflich bewirtet, daß sie höchst wahrscheinlich mit Magenkrankheiten nach Frankreich zurückkehren und sich selbst einer Kur unterziehen werden müssen.
Dr. Pini sprach in einer schönen italienischen Rede seinen Dank aus über die freundliche Aufnahme seitens der Regierung, der Stadt und der Kurverwaltung. Er lobte die Badeeinrichtungen von Nauheim, und namens aller fremden Gäste, machte er der vortrefflichen Kapelle und dem Kapellmeister seine größten Komplimente.
Nachdem auf Vorschlag von Dr. B ess io die deutsche National-Hpmne gespielt wurde, welcher sich die französische und italienische anschloß und welche von den Versammelten stehend angebört wurden, begab man sich zur Illumination, welche die Versammelten noch lange fröhlich zusammenhielt bis Mitternacht.
Ein herrliches Bild bot sich dem Beschauer, der Gelegenheit hatte, vom Kurhaus aus die geradezu wundersame Lamvionsbeleuchtung deS Parks zu sehen. An allen Stellen des Teiles vom Park, der vor der Terrasse liegt, waren in den mannigfaltigsten Farbenzusammenstellungen, insbesondere von roten und blauen, der französischen Nationalfarbe, Lampions angebracht, welche ganz entzückend wirkten. Es ist in diesem Jahre das erste mal, daß seitens der Kurdirektion derartige Illuminationen — sog. italienische Nächte — veranstaltet werden. Von dem KurhauS auS winkten stattliche Fahnen und wedelten kleine Banner. Zwischen diesen waren in bunten Reihen Lichtchen angebracht, welche sich sehr hübsch ausnahmen.
Heute morgen ging die Reise der Franzosen nach Marburg, wohin sie einer Einladung des Professors v. Behring gefolgt sind.
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§ Marburg, 14. Aug. Heute früh um 9 Uhr traf die Studienkommission französischer Aerzte hier ein. Am Bahnhof wurde sie durch Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Küster nebst Gemahlin, Frau Exzellenz v. Behring, sowie einige jüngere Kliniker begrüßt und dann nach dem hygienischen Institut geleitet, wo Exzellenz v. Behring einen Vortrag hielt. Hieran schloß sich eine Besichtigung der Behrings- Werke auf dem Schloß und am Nachmittag fand im Hotel Kaiserhof ein Mahl statt. Um 4 Uhr reiste die Kommission nach Kassel weiter.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 15. Aug. 1906.
** Herbst-Pferdemarkt zu Gießen. Am 11. September findet hier in Gießen Pferdemarkt mit Prämiierung statt. Die letzten Märkte waren durchschnittlich -nriL über 300 Pferden befahren und von Händlern und Landwirten sehr gut besucht. Es wurden recht bedeutende Käufe abgeschlossen. Für die Prämiierung der Pferde stehen 1670 Mark zur Verfügung. Die Prämiierungs- ckommission besteht aus Oekonomierat Müller-Neuhof, Vorsitzendem des Landespferdezuchtvcreins, Oekonomierat Hof- mann-Hofgüll, Gutspächter Bene-Hof-Altenberg bei Wetzlar, Schlachthofdirektor Dr. Liebe-Äießen, Oberstleutnant Zahn-Gießen. An Preisen sind die folgenden vorgesehen: 1. Abteilung: Reitpferde: 30 und 20 Mk. 2. Abteilung: Wagenschläge (paarweise): 80, '60 und 40 Mk. 3. Abteilung: Arbeitsschläge (paarweise) a) schwere: 80, 60 und 40 Mk., b) leichte: 60, 40 und 20 Mk. 4. Abteilung: Arbeitsschläge (einzeln) a) schwere: 30, 20, 15 und 10 Mk., b) leichte: 30, 20, 15 und 10 Mk. 5. Abteilung: Arbeitsschläge: (Diese Pferde müssen mindestens 6 Monate im Besitz von Landwirten sein, die Mitglied des Hessischen Landespferdezucht- vereins oder eines landwirtschaftlichen Bezirksvereins sind.) a) einzelne Pferde: 30, 20 und 10 Mk., b) paarweise: 50, 30 und 20 Mk. 6. Abteilung: Dreijährige Fohlen (geb. 1903) d) Magenschläge: 40, 30, 20 und 10 Mk, b) Arbeitsschläge: 40, 30, 20 und 10 Mk. 7. Abteilung: Zweijährige Fohlen (geb. 1904) a) Wagenschläge: 30, 20, 20 und 10 Mk., b) Ar- beitsschläge: 30, 20, 20 und 10 Mk. 8. Abteilung: Zuchtstuten mit Fohlen oder nachweislich gedeckt. (Prämien für inländische Züchter, welche Mitglied des Landcspferdezucht- vereins sind.) a) Wagenschläge: 60, 50, 30, 20, 15 und 10 iMark. b) Arbeitsschläge: 60, 50, 30, 20, 15 und 10 Mk. In den Abteilungen 1—4 werden für im Privatbesitz be- !findliche Pferde, die nicht um Geldpreise konkurrieren, iEhrenpreise gegeben. In den AbteÄnnAen 2, 3 und 4 werden [mir Pferde im Besitz von Händlern zugelassen. Der Prä- ^rniierungsplan, welcher die näheren Bedingungen enthält, wird von Herrn Weinhändler August Schwan zu Gießen auf Wunsch übersandt.
** Gefechtsschießen. Im Gelände zwischen Allendorf, Lützellinden, Stoppelberg, Münchholzhausen und Rechtenbach hat das Kaiser Wilhelm-Regiment heute bis zum 25. August 4ein Gefechtsschießen mit scharfer Munition.
Lollar, 14. Aug. Bei Fronhausen und Odenhausen sind in jüngster Zeit Ausgrabungen veranstaltet worden, die eine Anzahl wichtiger historischer Funde ergaben. Die Ausgrabungen wurden auf Veranlassung deS Archivdirektors Dr. Freiherrn Schenk zu SchwcinSberg aus Darrn- .stadt vorgenommen. Der Direktor hatte vermutet, daß in der Nähe von Odenhausen Reste eines Burgsitzes der Herren von Merenberg zu finden sein müßten, weil vorhandene Ur- künden aus dem 13. Jahrhundert darauf hindeuteten. Es wurden denn auch tatsächlich die Reste eines stattlichen Turmes von 9 Meter Scitcnlänqe, dabei Mauern von 1,50 Meter Seitenstärke und 2,50 Meter Tiefe aufgedeckt.
k- Lich, 14. Aug. Die neue städtische Wasser- jleitung ist jetzt denr Betrieb übergeben worden. Sie hat ihre Quellen bei Albach und kostete ca. 30 000 Mk.
p. Dutenhofen, 14. Aug. In unscrm großen Dorfe sind verschiedene alte Bauernhäuser (um 1400 erbaut), Stallungen (Jahreszahl 1696), überdachte Hoftore (1768) re. zu sehen. Auch trifft inan hier echte Fachwerkgebäude an. Die Häuser Nr. 86 von Friedrich und Joh. Müller und Nr. 87 von Gümbel werden gern bildlich dargestellt.
Leider kann man in unserer Gegend beobachten, daß man das Holzschnitzwerk, die Figuren, Köpfe, Trauben und das Rankenwerk malerischer Holzbauten mit Bewurf und Tünche bedeckt und so dein Gebäude seine Schönheit.nimmt Wie alt manches derartige Haus ist, erhellt aus folgendem Beispiel: Vor mehreren Jahren fand man beim Niederlegen eines baufällig gewordenen Hauses in einem Pfosten etwa hundert Silbermünzen, die aus Ende 1300 und 1400 stammen. Pfarrer Allmenröder zu Oberbiel bei Wetzlar hat sie für seine Münzsammlung erworben. Möchten die schöllen, alten (.kurtrierischen") Holzbauten noch lange unserer Gegend erhalten bleiben.
Friedberg, 14. Aug. Die hiesige H a n d e l s k a m m e r wird von neuem bei der Eisenbahndirektion in Frankfurt vorstellig werden, um diese zur Einführung eines beschleunigten Personenzuges zu veranlassen, der etwa um 7 Uhr nach - m i t tags von Frankfurt o. TL abgehcn und b i s Gießen geführt werden müßte. Dieser Zug entspricht einem dringenden Bedürfnis. Ferner wird die Kammer wiederholt bet der Eisenbahndirektion die Einführttng des direkten durchgehenden Betriebs Schotten — Nidda — Friedberg, weiter Laubach — Hungen — Friedberg und Lauterbach — Stockheim— Heldenbergen — Vilbel — Frankfurt beantragen. Jouh (Butzbach) beantragt, bei der Eisenbahndirektion zu befürworten, daß der Schnellzug 123, der abends 8 Uhr 25 TI in. von Koblenz—Wetzlar in Gießen eintrifft, Anschluß an den Zug 8.19 Uhr durch Späterlegnng des letzteren erhält. Die Kammer wird das Gesuch unterstützen. — Ferner beschäftigte sich die Handelskammer in ihrer letzten Sitzung mit einer Anfrage des Großherzogl. Ministeriums der Justiz, 'betreffend Aenderung des § 63 des Handelsgesetzbuchs. Im Falle u n v e r s ch n l d e t e n Unglücks behält der Handlttngsgehilfe feinen Anspruch auf Gehalt und Unterhalt auf die Dauer von 6 Wochen; Unsicherheit besteht darüber, ob durch Privat- abmachitng vereinbart werden kann, daß dieser Ansprlich im Falle von Krankheit usw. wegsällt. Von verschiedenen Seiten ist eine gesetzliche Neuregelung oorgeschlagen. Der Bundesrat hat sich für eme zwischen beiden Extremen verntittelnde Fassung erklärt. Darnach soll künftighin der Abs. 1 des § 63 ebenfalls zwingendes Recht sein, das durch Privatabkommen nicht geändett werden kann, aber andererseits soll der Handlungsgehilfe verpflichtet sein, wie dies nicht mehr wie recht und billig und auch bei anderen Angestellten der Fall ist, sich auf sein Gehalt die Beträge anrechnen zu lassen, die ihm für die in Frage stehende Zeit aus einer auf Grund gesetzlicher Verpflichtung bestehenden Kranken- oder Unfallversicherung zukommen. Die Kammer tritt dieser Auffassung bei. — Die Neuwahl zur Handelskammer für 1907—1911 findet tm Herbst statt. Es scheiden folgende Herren aus, die wieder wählbar sind: im Bezirk Friedberg Langsdorf, im Bezirk Bad-Nauheim Müller, im Bezirk Büdingen Schaefer, im Bezirk Butzbach Melchior, im Bezirk Schotten Engel, im Bezirk Laubach Ritter. Für die beiden aus dem Kammerbezirk verzogenen Mitglieder Hock und Kloß im Bezirk Vilbel findet eine Neuwahl statt und zwar stellt die Kammer fest, daß derjenige Gewählte, welcher in der demnächstigen Wahl in Vilbel die meisten Stimmen erhält auf vier Jahre, der andere aus zwei Jahre gewählt ist. — Ritler-Laubach macht aufmerksam, daß die Rückfahrkarten von Laubach nach Gießen und umgekehrt nur dann zur Rückfahrt über Mücke bezw. über Htmgen berechtigt, wenn eine entsprechende Zusatzkarte gelöst werde, und bittet bei der Verkehrsinspektion vorstellig zu werden, daß die Schalterbeamten hierauf aufmerksam machen. Die Kämmer unterstützt diesen Antrag.
1 Obersch mitten, 14. Aug. Während sich um die Schulstelle deS nahe gelegenen Unterschmitten eine ganze Anzahl von Lehrern beworben hat, findet sich zu der hiesigen freien Schulstelle nicht ein einziger Bewerber. Die Verhältnisse in beiden Otten sind gleich günstig. Unterschmitten liegt im Kreise Büdingen, unser Ott gehört zuin Kreise Schotten.
b. Schotten, 16. Aug. Auch in diesem Jahre wird auf dem „Lehrerheim Vogelsberg" auf Anregung )es Bezirks Vereins" Schotten wiederum eine Familien- !onferenz ober hessischer Lehrer stattfinden. Als Festredner ist Hauptlehrer Storch von Butzbach, der Ver- ässer der „Hüttenberger", gewonnen worden, der „Gedanken und Bettachtungen am Kyffhäuser" frunt besten geben wird. Außerdem hat der O p e r n s ä n g e r I e r s ch ke aus Danzig, ein hervorragender Tenor, der zurzeit zu seiner Erholung in unserem Vogelsberge weilt, seine Mitwirkung in Aus- tcht^ gestellt Da der Ludwigstag (25. August), an dem die Konferenz in altherkömmlicher Weise auch diesmal abgehalten wird, Heuer auf einen Samstag fällt, so durfte Sie Feier recht zahlreich besucht werden.
i- Schotten, 14. Aug. Am Sonntag hielt die Baukommission für die Errichtung des projektierten neuen Aus - ichtZturm eS auf dem Taufstein eine Versammlung im Klubhaus Hoherodskopf ab. Die Pläne liegen hier aus, die Arbeiten sind ausgeschtteben, die Grundsteinlegung soll im September stattfinden.
k- Herchenhain, 14.Aug. Die neue Vogelsberg- Bahn blieb heute nachmittag zwischen Grebenhain und Oberwald zweimal stecken. Es gelang der Maschine erst nach vielen vergeblichen Versuchen und lebhaften .Zusprüchen" der Reisenden, den Zug nach Hattmannshain zu bringen, wo man mit einstündiger Verspätung eintraf. Die Strecke hat dort die höchste zulässige Steigung 1: 40 und beschreibt charfe Kurven.
(fc) Darmstadt, 14. Aug. Nach einer Aufstellung des hiesigen Hauptsteueramtes werden von den 115 Brauereien des Großherzogtums 34 (d. i. fast ein Drittel) von derneuen Brausteuerüberhauptnicht getroffen, bei 69 Brauereien bettägt die Mehrbelastung noch keine 50 Pfg. auf das Hektoliter, bei 9 bettägt sie mehr als 50 Pfg., aber noch keine Mark, und nur bei den drei größten Brauereien ist die Mehrbelastung mehr als eine Mark, nämlich 1,12 Mk. Man betrachte demgegenüber den Aufschlag der Brauereien um 2 Mk. pro Hektoliter unter Berufung auf das Brausteuergesetz! Unter den Händen auf- chlaMustiger Wirte werden aus den 2 Mk. Auffchlag der Brauereien dann 2,50 Mk. für den Bierttinker.
(fc.) Mainz, 14. Aug. An der Truppen schau vor dem Kaiser auf dem Großen Sand am 22. August werden die Regimenter der Garnisonen Mainz, Biebttch, Wiesbaden, Offenbach, Darmstadt und (voraussichtlich teilweise) Frank- urt und Hanau teilnehmen. Der Kaiser verläßt, wie ge- vöhnlich, den Zug an der Gastellschen Fabrik. Zunächst indet ein Exerzieren der Kavallerieregimenter statt, dann bißt ein Gefecht und zum Schluß der Parademarsch. Nach, Beendigung des Vorbeimarsches reiten der Kaiser und der Großherzog an der Spitze der Fahnenkompagnie durch die Spalier bildenden Truppen nach dem Großherzoglichen Schlosse, wo Frühstücks täfel stattfindet, an der die Generäle und das militärische Gefolge der Fürstlichkeiten teilnehmen. Unmittelbar nach der Tafel reift der Kaiser ab, einige Stunden nachher der 05roßherzog, der aber am Abend wieder nach Mainz zurückkehrt.
vermischte».
* Was die Kuh alles frißt. AuS Erfurt wird geschrieben: Ein erbauliches Dokument ist einem Erfurter
Gärtnereibesitzer zur Aufbewahrung übergeben worden. Es stellt ein Dienstzcugnis eines eben bei ihm eingetretenen Gärtners dar, das um so größeren Wert besitzt, als es das einzige Schriftstück war, das der Mann als Ausweis und Empfehlung vorlegen konnte. Warum es das einzige „Zeugnis" war, geht aus dem Inhalt der sonderbaren amtlich gestempelten Urkunde hervor, der folgendermaßen lautet: „Der Gärtner V. von Kölleda, hat vom 7. Juni bis 23. Juni bei mir zu meiner Zufriedenheit gearbeitet und ist hiermit entlassen, seine Papiere die er mitbrachte hat die Kuh gefressen den Inhalt derselben kenne ich nicht auch soll die Kuh das Vorhenid mitgefressen haben. Dies bescheinigt hiermit...."
* Er und seine — Mandoline. Ein originelles Mißverhältnis ist nach dem „Leipz. Tgbl." in dem vogt- ländischen Badeorte Bobenneukirchen vorgekommen. Ein unbeweibter Leipziger Professor bestellte sein schon früher bewohntes Zimmer mit der Bemerkung wieder, diesmal bringe er seine Mandoline mit. Dort angekommen, fand er sein Zimmer für zwei Personen eingerichtet und mit zwei Betten belegt. Als er seine Wirtin empört darüber zur Rede stellen wollte, siel ihm diese mit der verwunderten Frage ins Wott: „Nu, Har Professor, wo ist denn Ihnen Ihre liebe Frau?" Auf seine Versicherung, er sei immer noch unbeweibt, entgegnete die Frau in gekränktem Töne: „Wie schreib'» Se nu, Se wollten Ihnen Ihre Mandoline mietbringe — dacht' iech halt: 's wird sei Fraa feil*
* Das famose Duell der Generale Negrier und 2Inbr6 bietet den französischen Blättern noch immer Stoff zu amüsanten Betrachtungen. So veröffentlicht der „Gil Blas" folgendes „neue Reglement für das vervollkommnete Duell nach den Prinzipien des Generals Negricr": I. L eun man einen Gegner zum Duell herausgefordcrt bat, so darf man ja nur eine Pistole mitnchmen, um den Wageu nicht allzu sehr zu beschweren. 2. Die Pistole wird der geforderten Person übergeben. 3. Diese steckt sie in die Tasche mit der Erklärung: „Ich werde sie dem Artillerie- museum schenken." 4. Der Fordernde wendet sich darauf zu dem Ge- forderten und sagt zu ihm: „Verzeihen Sie bitte, daß ich Sie gestört habe." 5. Woraus der andere erwidert: „Aber ganz im Gegenteil. Ich bin entzückt, daß Sie mir Gelegenheit gegeben haben, Sie zu sehen " 6. Der Fordernde seht die Unterhaltung in munterem Tone fort. Der Geforderte desgleichen. Wenn die Zeugen glauben, daß dieser Austausch von Worten den Gegnern genügend Durst gemacht haben wird, so kommandieren sie „Halt!" 7. Die Gegner grüßen sich zeremoniell. 8. Der Fordernde sagt: „Wollen wir nicht einen kleinen Likör nehmen?" 9. Aber der Geforderte fällt ihm ins Wort: „Pardon, gestatten Sie mir . . ." 10. Diese Diskussion dauert sehr lauge. 11. Bis zu dem Augenblick, wo der Hauptzeuge alle Welt mit den Worten versöhnt: „Gut, so wird jeder für sich bezahlen." 12. Die beiden Gegner verlassen darauf den Kampfplatz, indem sie vor sich hinmurmeln: „Hüten wir uns vor allem vor den Photographen!" NB. Für die Degenduelle gilt genau dasselbe Reglement, nur daß der Duellant, der den einzigen Degen erhält, ausruft: „DaS wird eine entzückende Hutnadel für meine Frau sein!"
ICuitft und Wissenschaft.
— Einfluß der Elektrizität auf das Geschlecht. Man hat verschiedene Versuche gemacht, um vor der Geburt einen Einfluß aus das Geschlecht ausübcn zu können. Hohes Interesse beanspruchen die Erfahrungen von Dr. Alexander in Blackheath, die er dem „Lancet" mitteilt. Er bat nämlich trächtige Mäuse, bei denen im übrigen in bezug auf die Ernährung usw. ganz gleiche Bedingungen vorhanden waren, zum Teil unter den Einfluß des negativen Poles eines elektrischen Stromes gebracht, zum Teil aber unter den des positiven. Die Jungen, die am negativen Pole geboren wurden, waren alle männlichen Geschlechts, weshalb Dr. Alexander glaubte, daß am positiven Weibchen zur Welt kommen müßten. Er tänschtc sich aber sehr, denn auch diese waren männtichen Geschlechts. — Ob aus diesen Versuchen wirklich auf einen Einfluß deS elektrischen Stromes zur Erzeugung von männlichen Wesen geschlossen werden kann, müssen erst noch weitere Erfahrungen lehren.
Sport.
Am Sonntag hatte der „Fußballklub Viktoria" sein erstes auswärtiges Wettspiel zu bestehen, indem seine erste Mannschaft gegen die gleiche deS 1. Bad-Rauheimer FußballvcreinS in Bad-Nauheim fpidte.. Schon lange vor Anfang des Wettspiels sammelte sich auf dem Spielplatz eine große Zuschauermenge an, welche das ganze Spiel mit großem Interesse verfolgte. Dem Centre Have Sauer von dem F.-K. „Viktoria" gelang cs gleich zu Anfang des Spiels, ein Tor für seine Farbe zu erzielen, dem kurz darauf eins zu Gunsten Nauheims folgte. Im weiteren Verlauf des ersten Spieles setzte Gießen noch 3 und Nauheim noch 2 Tors ein, sodaß die Halbzeit mit 4:3 TorS verlief. Nauheim, welches über eine sehr starke Mannschaft verfügt, war in der zweiten Hälfte des Spieles schon schlapp und konnte auch nur noch ein Tor für sich erzielen, während eS die Gießener Mannschaft verstand, noch 3 TorS zu erreichen, sodaß also der F.-K. „Viktoria" als Sieger mit 7:4 TorS aus dem Spiel, welches von Herrn Glück aus Friedberg geleitet wurde, hervorging. Ein gemütliches Zusammensein im Hotel „Thüringer Hof" bildete den Schluß.
Lkngesanvt.
(Für Form und Inhalt aller r.nter biejev Rubrik flehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Tie sogenannte Friedrichs st raße zwischen Frankfurterstraße und Wetzlarerweg ist seit nunmehr neun Monaten ein abscheuliches Loch, das jeden Regenguß in einen See und das täglich fließende Abwasser umliegender Häuser in übelriechende Pfützen verwandelt. Auch jetzt besteht dieser unerhörte, gesundheits- schäoliche Zustand weiter, obwohl die Kanalisationsarbeiten beendet sind. Warum hält man die Eigentümer, aus deren Hofreiten sich Schmutzwasser in das Friedrichsstraßenloch ergießen, nicht dazu an, ihre Häuser an die Kanalisation anzuschließen? Ich frage, welche Stelle ist hierfür verantwortlich? Diejenigen, welche die Verantwortuitg tragen, müssen aber auch haftpflichtig gemacht werden für alle Schäden an Leben und Gesundheit, welche aus biefem versumpften Erdreiche entstehen. Man sollte nicht glauben, daß so etwas in einer Stadt möglich wäre, welche die dreifache Ehre hat, Kreisstadt, Prooinzialhauptstadt und Universitätsstadt zu sein.
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