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Nr. 190
Erscheint H-ttch mit Ausnahme des Sonntags.
General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
stets hoch verehrt worden ist.
von uns M ä n n e r it Nirgends auf ber
Die ..Siehrner Zamilienb'.älter" werden dem .Anzeiger viermal wöchentlich beiqclegu Der Elfisch« Laudwirf erscheint monatlich einmal.
Rotationsdruck und Verlag der Brühl Ich«, Unwersttätsdruckeret. R. Lang«. «Stetz«.
Redaktion. Exoedttton u.Druckerei: Schulstr.^ Tel. Nr. 61. Telegr^-Adr. r Anzeiger Hieße».
die sie in den zahlreichen vortrefflichen Badeorten i-ires schonen Heimatlandes zu finden gewohnt sind.
Um so größer und aufrichtiger ist nunmehr unsere Freude, daß Aerzte trab ärztliche Dozenten von so großem Rus und in so ansehnlicher Zahl uns die Ehre ihres Besuches geschenkt haben. Ich hoffe sehr, daß Sie in den leider so kurz bemeßenen Stunden Ihres hiesigen Aufenthalts bemerkt haben werden, daß hier ein kräftiges und gesundes Sieben vulsiert, daß wir noch immer in einer lebhaften und aussteigenden Entwicklung begriffen sind und daß es unser redliches Bemühen ist, daS große Geschenk, das uns eine gütige Natur in diesen reichen Sprudeln von unverkennbarer Heilkraft verliehen' hat, nutzbar zu machen zum Heile der leidenden Menschheit, in deren Dienst ja auch Sie, verehrte Gäste, ihre Lebensausgabe gestellt habeu.
Wenn Sie mir zum Schluß noch eine Bemerkung gestatten wollen, so ist es die: Sie haben uns zu ganz besonderem Tank verpflichtet, indem Sie nicht allein gekommen sind, sondern zugleich auch die hochverehrten Damen mitgebracht haben. An einen großen Badeort werden, fürchte ich, die hochverehrten Damen m mancher Hinsicht einen besonders strengen Maßslab anlegen, und Ich gestehe offen : wir scheuen diese 5kr i 11 f sa st ine hr w i e die der Herren Aerzte. Denn Bad-Nauheim mit seinen vielen Schwerkranken und Herzleidenden ist seither ein Bad gewesen, welches emen stilleren und ernsteren Charakter trug als maiiches andere Heilbad ersten Ranges. Aber die Verwaltung ist der Ansicht, daß Unterhaltung und Heiterkeit, wenn sie nicht über- trieben sind, der Heilung nicht schaden, und sie bemüht sich daher auch für die Unterhaltung der Badegäste das Mögliche zu tun. Seien Sie daher, verehrte Damen, etwas nachsichtig in Ihrer Kritik!
Ich schließe mit dem Rufe: Unsere werten und willkommenen französischen Gäste — die Damen und die Herren, sie leben hoch, hoch, hoch!
Hierauf sprach Dr. Beste im Namen des Aerztevercins zn Bad-Nauheim franz, folgendes:
Meine Damen und Herren!
Im Namen des Aerzteverems zu Bad-Nauhelm habe ich die Ehre, Sie hier in unserem Kreise willkommen zu heißen.
Es ist nicht das erste Mal, daß die hiesigen Aerzte französische Kollegen bei sich sehen, denn gerade jetzt sind es 45 Jahre, daß unser verstorbener Kollege, Herr Professor Louis Fleury aus Parts, die Schwalheimer Quellen zu Kurzwecken benutzte. Das von ihm errichtete Kurhaus ist noch erhalten und die Schwalheimer Quellen werden von uns in ausgedehntestem Maße zu Trinkkuren und als Tafelwasser verwendet.
Wenn >vir nun soeben das Vergnügen hatten, Ihnen unsere Badeanlagen zu zeigen, so verbinden wir damit die Hoffnung, daß die von uns geschaffenen Einrichtungen von Ihrem sachverständigen Urteil gebilligt werden; daß Sie die Ueberzeugtmg von hier mit fortnehmen, daß der gute Ruf, den Bad-Nnuheiin' in der ganzen Welt genießt, nicht unbegründet ist und daß wir nichts außer acht lassen, was den Kranken, die unserer Fürsorge auvertraut sind, von Nutzen sein kann.
Tas Heil unserer Kranken, das ist ja der Zweck, der uns Aerzte, die französischen wie die deutschen mit einander verbindet, möge der heutige Tag das ©einige dazu beitragen.
Ich fordere meine deutschen Kollegen' auf, mit mir ihre Gläser zu leeren aus das Wohl unserer französischen Gäste.
Bürgermeister Dr. Kayser begrüßte die Gäste namens der Stadt Bad-Nauheim, wies auf die Bedeutung internationaler Besuche für die Förderung von Wisienschaft und Technik hin und pries ein gutes Einvernehmen als ersten Schritt zu einer gemeinsamen Kulturarbeit.
Dr.Burwinkel ließ in französischer Rede die Damen leben:
Welt findet man mehr Anmut und Geist, aber auch m e h r E n t s a g u n g u n d A u f o p f e r u n g als i n I h r e m V a t e r l a n d e. Wo immer es sich nm Werke der Barmherzigkeit und der Humanität handelt, da sind die Damen Frankreichs stets allen voran gewesen. Ihre Rundreise, meine Damen, führt Sie in die herrlichsten Gegenden Deutschlands und zeigt Ihnen alle unsere schönen Städte und Badeplätze. Möge Ihnen auch der Aufenthalt in unserer anmutigen Badestadt eine angenehme Erinnerung hinterlassen: bietet sie doch alle Vorzüge, die man sich nur denken kann. Nur eines fehlt uns noch und das ist ein reger Besuch von Seiten der Franzosen und ihrer Damen. Sie werden sagen, ja wir Französinnen haben Nanheim nicht nötig, wir haben das Herz auf dem rechten Fleck, unser Herz ist weder zu groß noch zu klein, weder wankelmütig noch empfindlich. Da mögen Sie ja recht haben, meine Damen. Aber ich möchte doch im' Interesse unserer Shirgäfte um einen regeren Besuch von Seilen der Frauenwelt Frankreichs bitten. Der Anblick der l t e b e n s w ü r d i g e n und h ü b s ch e n F r a n z o s i n n e n w i r d d e n g ü n st i g st e n Einfluß ausüben auf das Befinden unserer vielen Herzkranken. Ihre Gegenwart ist, wie alle meine Kollegen zugeben müssen, eine herzerfrischende Arznei! Wenn Sie nun, meine Damen, nach Hause zurückgekehrt sind, dann übermitteln Sie daheim tuiferc Komplimente und erzählen Sie, daß man, auch ohne gerade herzkrank zu sein, angenehme Wochen in Nauheim verbringen kann.
Sie ober, meine Herren, fordere ich auf, das Glas zu erheben und es zu leeren auf das Wohl der hier anwesenden Damen! Sie leben hoch.
Vor den sranzösischen Herren sprach Herr Vazot: Er entschuldigte einige von seinen Kollegen, die von der Reise ermüdet zu ihrem großen Bedauern bei dem Festmahl nicht erscheinen konnten. Ec brückte die Zufriedenheit der französischen Gäste über ihren Besuch und die Aufnahme aus.
Dr. Sackes dankte für die Ehre, die den französischen Aerzten, die doch ausschließlich wissenschaftliche Ausflügler mb, bereitet worden ist. Die Wissenschaft ist nicht mehr das Monopol eines einzigen Landes; im Gegenteil, durch ihre Natur und ihre Psticht ist sie international und die Deutschen haben sich als Aerzte den größten Ruf erworben. Namens seiner Kollegen dankte er Dr. Hänel und Professor Schott
Meine sehr verehrten Damen I Es ist mir eine große Freude, daß ich Sie im Namen meiner Kollegen hier begrüßen darf. Wir Aerzte sind, wie allbekannt ist, die a u f r i ch t i g st e u Verehrer der Frauen und all ihrer guten Eigenschaften. Wollen wir unseren Kranken Trost und Hilfe bringen, bann sind wir in erster Linie auf die geschickte und aufopfernde Pflege weiblicher • Hände angewiesen. Aber, meine Damen, wir schätzen Sie nicht nur unserer Kranken wegen, sondern auch im eigensten Interesse. Kehrt der Arzt ermüdet heim von seinem schweren Berus, ist er vergrämt durch all das Elend was er sieht und das er leider nicht immer ändern kann, dann sind Sie es, meine Damen, welche durch Ihr heiteres Wesen und durch Ihr sonniges Lächeln die düsteren Wollen von der Stirn verscheuchen und neue Lust und Liebe zur Arbeit geben. Ich brauche wohl nicht besonders hervorzuhcben, daß gerade die Französin diese hervorragenden Eigenschaften im besonderen Maße besitzt und deshalb
Zweites Blatt ISO.Jahrgang Mittwoch 18. August 1908
Giehener Anzeiger
Are Kerschuldung der Aiauern vor der Aauernbefrenrng.
Prof. Dr. Lujo Brent ano schreibt in den M. .N.N.: „Erst durch die Bauernbefreiung des Liberalismus ist der Name des Bauern zum Ehrennamen geworden. Was war um das Jahr 1800 der Bauer? Und was ist er um das Jahr 1900! Wenn es etwas wie Dankbarkeit in der Politik gäbe, müssten alle Baue rn den Liberalismus feiern. Alle Hemmungen und Bersch l e ch t e r u n g e n der Bauernbefreiung waren konservativen Ursprungs, die Förderungen aber waren ausnahmslos liberaler Herkunft. Niemand kann dem alten Liberalismus absprcchen, dass er das größte praktische Bauernverständnis gehabt hat, das es bisher in der Geschichte überhaupt gab. Die ganze Kulturlage des Bauern wurde eine andere, ja selbst die heutige antiliberale Bewegung des Bundes der Landwirte ist gar nicht denkbar ohne den Hintergrund der früheren liberalen Großtaten für das Bauerntum. Man muß das jetzt in so deutlichen Worten sagen, weil es von dem heute lebenden Geschlecht fast völlig vergessen ist."
In der „Neudeutschen Wirtschaftspolitik Friedrich Naumanns findet sich folgende Stelle:
Jeder btt<cc Sätze ist buchstäblich wahr. Allein allent- chalben dasselbe Vergessen? Wie kommt das? Es gibt keine andere Antwort als: die Folge einer geradezu erstaunliche n wirtschaftsgeschichtlichen Unwissenheit. Sie gestattet der Agitation, unwidersprochen die Vergangenheit in der wahrheitswidrigsten Weise aus Kosten der Gegenwart zu preisen; und so sehen wir, dass heute die Nachfolger derjenigen, welche bis zur Bauernbefreiung die zähesten Gegner der bäuerlichen Ansprüche gewesen sind, die Notstände, mie sie jeder Tag mit sich bringt, eben der erlangten Frecheit der Bauern zur Last schreiben und dabei nicht nur den Beifall der befreiten Bauern finden, sondern nicht.einmal einer Zurechtweisung von selten ihrer liberalen Gegner erfahren.
Ein Hauptvorwurf, der zur Diskreditierung des Liberalismus in den Augen der Bauern benützt wird, ist, dass er ihnen die Freiheit, zu veräußern und Schulden zu machen, gebracht habe. Duss er dies getan hat, ist richtig. Allein ist es nicht erstaunlich, wie rasch die Erinnerung an wirtschaftliche und soziale Verhältnisse, wie sie früher gewesen, verblaßt, wenn wir schon 20 Jähre nach Beseitigung der gutsherrlich'-'bäuerlichen Verhältnisse in Bayern in einer damals viel gelesenen Broschüre Ausführungen finden, als ob die Verschuldung des bäuerlichen Grundbesitzes erst mit der Aufhebung der grundherrlichen .Verfassung beginne?! Schon das Mandat gegen die „obkärier- ten" Bauern von 1772 Hütte vor solchem Irrtum bewahren 'Grüssen. Trotzdem ist er eine ganz geläufige Vorstellung.
Es ist nämlich richtig, dass in der sogenannten guten alten Zeit kein Bauer sein Bauerngut ohne Zustimmung des Grundherrn veräußern oder verpfänden konnte. Ter Grundherr hatte Einfluss auf die Wahl des Nachfolgers — er konnte einen unvermögenden Käufer abweisen; er konnte Zahlungsfristen für Entrichtung des Kaufpreises (der Ueber- gabssumme) festsetzen; er konnte den Nonsens zur Aufnahme eines Darlehens verweigern, wenn das Gut bereits zur Hälfte des Wertes verschuldet war oder über diese Grenze verschuldet worden wäre; er konnte sogar einen verschuldeten Bauern zwingen, sein Gut zu verkaufen, und wenn er einen neuen Meier für dieses fand, konnte er ihn mittels seines Worstandsrechtes zwingen, die auf dem Gute ruhenden Schulden vorher abzulösen. Ack dies stand den Grundherren zu, und kein Zweifel, daß sie von diesen Reckten reichlich Gebrauch machten, nicht aus Fürsorge für oen Bauern, sondern um sich den Eingang der von dem Hofbesitzer zu entrichtenden Abgaben zu sichern. Auch ist richtig, dass der Polizeistaat, teils aus Furcht vor Pauperismus, teils im Interesse der Sicherheit der Kirchenkapitalien — die Kirche war «trotz des damals theoretisch noch aufrecht erhaltenen kanonischen Zinsverbotes der Hauptgläubiger der Bauern — eine Verschuldungsgrenze festsetzte, und daß er dolose Ueberschuldung bestrafte. Allein nichts ist irriger, als daraus den Schluß zu ziehen, daß damit der Verschuldung und Ueberschuldung der Bauern wirksam vorgebeugt gewesen wäre. Alle Schulden wurden hervorgerufen durch die dem Grundherrn zu zahlenden Abgaben und Dienste (Gülten, Anudemien, Gerichtsscharwerke) und die dem Staat zu zahlenden Steuern, durch Muffchillingsreste, Erbregu- lierung, durch Natur- und Kriegsgewa.lt und durch Leichtsinn. So kamen denn Veräußerung, Verpfändung und Vergantung von Bauerngütern täglich vor.
Hohe Verschuldung hat somit keineswegs bedeutenden Kredit zur Voraussetzung. Die Verschuldung des Grundbesitzes ist vielmehr eine alte Erscheinung, der Kredit dagegen ist ein modernes Element; der Mangel an Kredit teigert lediglich das Drückende der Verschuldung^ Ver- chuldungsgrenzcm insbesondere beschleunigen die Kata- trophe, die sie hiintanhalten sollen. Darlehen können in- olge derselben nur zu härteren Bedingungen erlangt Werren, und Besitzer, welche in Not geraten, müssen infolge rerselben umso früher den Hof beräussern. Dabei wird berichtet, daß der außerordentliche Aufschwung der nord- Ideutschen Landwirtschaft im 19. Jahrhundert wesentlich von außerordentlich tüchtigen Landwirten ausgegangen ist, die, als sie ihr Gut erwarben, nur eine minimale Anzahlung -machen konnten; ihre Kauffchillingsrestc überstiegen be- Leutend die Verschuldungsgrenze, wie sie in der Vergangenheit bestand und von vielen für die Zukunft wieder ge- Tfordert wird; durch eine Verschuldungsgrenze würden also «ventuell gerade die Tüchtigsten vom selbständigen Lano- Virtschaftsbetrieb ausgeschlossen.
Daher denn die Landesfürsten den 17. und 18. Jahrhunderts eiftpH bemüht waren, die in der grundherrlichen Verfassung und bem mangelhaften Hypothekenwesen der Zeit wurzelnden Kredithmdermsse *u beseitigen. Als der Layerische Prälatenstand auf dem Landtage von 1669 den «Kurfürsten bat, er möge nicht zugeben, dass die Stifts- umb Klosteruntertanen so vielfältige und so unerschwing- Uch^ Schulden aufrähmen, erwiderte dieser: die Schuld -
aufnahrne sei den Untertanen bei jetzigen schweren Zeiten so gar nicht zu verwehren. Wenn es dem Liberalismus des 19. Jahrhunderts gelungen ist, mit der grundherrlichen Verfassung auch die mit dieser gegebenen Krediterschwerungen zu beseitigen, hat er nichts Dem Gedanken nach Neues verwirklicht; er hat nur vollendet, ivas das aufgeklärte Fürstentum seit mehr als einem Jahrhundert erstrebt, aber vergeblich hcrbeizuführen versucht halte. Würde es zur Wiedereinführung einer Verschuldungsgrenze kommen, so ist zu befürchten, dass sie ähnliche Folgen haben würde wie zu der Zeit, da sie früher bestand; Grundbesitzer, die unter allen Umständen Geld brauchen, würden genötigt, ihren Grundbesitz zu verkaufen (also etwa ihren Gläubigern zu überlassen), „denn die freie Verschuldung des Grundbesitzes läßt sich bei den heutigen Verhältnissen als Mittel im Konkurrenzkampf, als Sprungbrett, sich aufzuschwingen, als Stütze, sich die wirtschaftliche Existenz zu erhalten, nicht entbehren".,____________________________________
Pottasche Cagcskchcrrr.
Gegen die Raiffeisen-Organisation erhebt der bisherige UnterverbanbSdirektor des Kreises Schlüchtern, Pfarrer Bode, ernste Vorwürfe. Er hat sein Vertrauensamt, das er zehn Jahre lang bekleidete, freiwillig niedergelegt und rechtfertigt diesen Entschluß, wie folgt:
„Abgesehen von meinem angegriffenen Gesundheitszustand, der es nur erschwert, bie weit Obliegenheit Dörfer unb Vereine zu besuchen, ist e5 bie feste Ueberzeugung, baß ich bie Verantwortung für bie gegenwärtige Einrichtung ber Raiffeisen-Organisation unb das Verhalten unserer Oberleitung vor Euch nicht weiter übernehmen kann. Ich halte die gegenwärtige Einrichtung unserer Zentral-DarlehnStaffe in Neuwied, die außer dem Gcldverkebc mit den Vereinen auch den gesamten Warenverkehr besorgt und außerdem in gefährlicher Verbindung mit allerlei Betriebs- und Absatzgenossenschasten, bie keine Raiffeisenvereine fiitb, steht, für äußerst bebertf lief) unb für bie Ursache ber schweren Verluste, bie unS bie letzten Jahre, auch bas allerletzte, gebracht haben. Der Mann, nach bem wir uns nennen, hat eine solche Einrichtung nicht gewollt. Raiffeisen hat ausdrücklich in seinen Schriften unb seinen Statuten verboten, baß bie Zentralbarlehenskasse ben immer mit Gefahren unb einer gewissen Spekulation Derbunbenen Warcnhanbc! aus eigene Rechnung übernimmt, ober irgenbwie gefährliche Verbjnbung mit Vereinen ober Genossenschaften eingeht, bie für bie Zentralbarlehnskasse unsichere Geschäfte, ober wie wir es nun so vielmal erlebt haben, große Verluste nach sich ziehen."
Pfarrer Bobe hat beantragt, bie Frage einer Abstellung dieser Mißstände auf der Koblenzer Generalversammlung zur Verhandlung zu bringen; aber bie Oberleitung hatte diesen Eintrag abgewiesen, weil er statt bis zum 1. März erst einige Tage später eingereicht worden war. Dabei fand die General- Versammlung erst am 7. Juni statt. Bode zog daraus folgende Konsequenz:
„Es bleibt mir deshalb nichts anderes übrig, als von meinem Amt als Unterverbandsdirektor, daS eine große Verantwortung meinen Vereinen gegenüber in sich schließt, zurückzutreten und die Vereine wissen zu lassen, daß ich das V e r h a l t e n der Oberleitung nicht begreifen und nicht billigen kann, auch mich weigern muß, einer der Manner zu (ein, die als ausiuhrende Organe und Bevollmächtigte der Oberleitung deren Beschlüsse und Maßnahmen zu vertreten haben."
Studienreise französischer Aerzte in Aeutjchlaud.
W. Bad-Nauheim, 13. Aug.
Gestern besuchten, wie wir bereits kurz mitteilten, 41 Aerzte auS Frankreich, zum größten Teil Professoren und Kranken- Haus-Direktoren, einer Einladung der Großh. Kurverwaltung folgend, Bad-Nauheim.
Die Ausländer, darunter auch einige Damen, wurden am Bahnhof von bem Festkomitee empfangen. Der Vorsteher der Kurverwaltung, Baurat Dr. Eser, hieß sie mit einer französischen Ansprache willkommen. Bald daranf fand eine wissenschaftliche Sitzung im BadehauS V statt, wobei Dr. Hänel die technischen Einrichtungen der Bäder, die Quellenbohrungen unb Trinkquellen erläuterte unb auf die in neuerer Zeit geschaffenen großartigen Umwandlungen der Bade-Einrichtungen hinwieS. Hieran knüpfte sich ein längerer Vortrag von Prof. Dr. Schott über die Indikationen und die in Bad-Nauheim heilbaren Krankheiten.
Die Damen der Gäste machten während der Vorträge und der sich später anschließenden Besichtigungen der Bade- Einrichtungen von feiten dec Herren unter Führung deS Forst- assessorS Dr. Weber, von einer Ariwhl Nauheimer Damen begleitet, eine Rundfahrt durch den Park und die Llnlagen, nach welcher am Teichhaus der Tee eingenommen wurde.
Bei dem Festmahle im Kurhause begrüßte Geh. Ober- Finanzrat Fuchs aus Darmstadt im Namen des Großh. Ministeriums die Gäste mit folgender in fließender, eleganter französisch vorgetragenen Rede:
Hochverehrte Damen unb Herren!
Seine Exzellenz ber Herr Minister ber Finanzen, Dr. Guauth, ber lebhaft bedauert, heute nicht hier anwesenb sein zu können, Hal mich beauftragt, Sie m seinem Namen hier willkommen zu heißen unb Ihnen bie Grüße ber Großh. Regierung zu überbringen. Nauheim hat schon lange aufgehört, ein ausschließlich von Deutschen besuchter Babeort zu sein. In ben letzten zwanzig Jahren, in bcneit die jährliche Frequenz an Badegästen von 4000 aus über 24 000 gewachsen ist, hat Bad-Nauheim immer mehr die Dimensionen und den Charakter eines großen Weltbades angenommen unb wir ftnb gewohnt, hier Babegäste unb Aerzte aller Nationen einkehren zu sehen. Hierbei hat bie Babeverwaltung es ofi bedauert, baß unter ben vielen Tansenben von Auslänbern, bie in Bab-Nauheim Heilung suchten unb sanben, unsere sehr geschätzten guten Nachbarn von jenseits bes Rheines nicht allzu zahlreich vertreten waren. Ich kann bie Grüube für biete Erscheinung hier nkcht genau analysieren, vielleicht war es zum Teil unsere Schuld, daß wir nicht genügend Schritte getan baden, um in Frankreich unb zumal bet ben hohen ärztlichen Autoritäten Ihres Landes bekannt zii werden. Der Staat als Besitzer eines Bades übt ja ohnehin in der Reklame mehr Zurückhaltung, als eine Privat- gesellschait dies tun roiirbc. Kurz — wir Haven es nicht selten bedauert, verhältnismäßig so w e u i g e F r a n z o s e n hier zu sehen, um ihnen zeigen zu können, daß sie hier sehr luiüfoinmcn tnb und daß man auch in Bad-Nauheim bestrebt ist, französische Babegäste bie ausgezeichneten Einrichtungen wieberfinben zu laßen,


